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LdU wertet Wahlerfahrungen aus Ein Niveau wie nie - Neue Zeitung

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Neue Zeitung
UNGARNDEUTSCHES WOCHENBLATT
50. Jahrgang, Nr. 44
Preis: 92 Ft
Budapest, 3. November 2006
LdU wertet Wahlerfahrungen aus
Welche Erfahrungen konnte man
aus der Wahl der Minderheitenselbstverwaltungen gewinnen
und wie sollte man sich auf die
Wahl der Komitats- und der Landesselbstverwaltung vorbereiten? Auch auf diese Fragen versuchte jene Veranstaltung Antworten zu finden, die zwischen
dem 26. und 29. Oktober auf Einladung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen im
Ungarndeutschen Bildungszentrum in Baja durchgeführt wurde
(Foto). Im Rahmen des Treffens
fand die Sitzung der LdU-Vollversammlung statt, die vor allem
aktuelle Themen behandelte.
/
Die Vollversammlung modifizierte
in einem Beschluß den Haushaltsplan 2006, um die Mehrkosten, die
sich aus der Vorbereitung auf die
Wahl der Minderheitenselbstverwaltungen ergaben, aus den Reserven begleichen zu können. Die Abgeordneten beschlossen den Erwerb
eines Buchhaltungsprogrammes, da
die LdU ab Januar 2008 als Haus-
haltsorgan eingestuft wird und ihre
Buchhaltung den neuen Herausforderungen anpassen muß. Da das von
der LdU getragene Friedrich-Schiller-Gymnasium in Werischwar infolge der angewachsenen Schülerzahl höhere Einnahmen hatte, wurde
sein Haushaltsplan den neuen Gegebenheiten angeglichen.
Die Mitglieder besprachen die
Konzeption der BMI-Anträge für
2007. Diese wird mit den Vertretern des deutschen Bundesministeriums des Innern Mitte November
abgestimmt. Die meisten Projekte
hätten sich in den vergangenen Jahren bereits bewährt, ob die neuen
Selbstverwaltungen auch eine
Grundausstattung erhalten können,
müsse noch geklärt werden, sagte
der Leiter der Budapester LdU-Geschäftsstelle, Albert Koncsek. Die
Vollversammlung entschied in einer geschlossenen Sitzung darüber,
welche Personen die höchste ungarndeutsche Auszeichnung, die
„Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum“ im Rahmen der
Landesgala am zweiten Samstag im
Januar erhalten werden. Abgelehnt
wurde das Ersuchen mancher anderer
Landesselbstverwaltungen,
vom Parlament noch vor der Wahl
der Landesgremien neue Modifizierungen im Minderheitengesetz
zu verlangen, vor allem die Verkleinerung der Vollversammlungen.
(Fortsetzung auf Seite 2)
Ein Niveau wie nie zuvor
Als das Landesfestival ungarndeutscher Blaskapellen am 28.
Oktober in der Großmanoker
Sporthalle zu Ende ging, waren
sich Publikum und Fachjury völlig einig: ein derart hohes Niveau
haben ungarndeutsche Ensembles noch niemals zuvor an den
Tag gelegt! Besonders erfreulich
ist die Tatsache, daß diese Feststellung auch für die Jugendgruppierungen zutrifft.
Die Landesgala der Blaskapellen
wird vom Landesrat Ungarndeutscher Chöre, Kapellen und Tanzgruppen alle drei Jahre veranstaltet.
Ihre Teilnehmer werden auf Regionalentscheiden ausgewählt, so daß
zur Endrunde wirklich nur die besten Kapellen antreten, die zugleich
einen Querschnitt des Standes landesweit repräsentieren. Daß die
Qualität und damit verbunden das
Repertoire eine sprunghafte Entwicklung aufweisen, kann auf mehrere Ursachen zurückgeführt wer-
Preisverleihung. Vorn: die Wetschescher Blaskapelle
den. Eine dieser ist sicherlich, am wichtigsten ist der Einsatz der
meinte Vorsitzender Franz Heilig, Musiker und Kapellmeister selbst,
daß der Landesrat in den vergange- die fast alle Freizeitmusiker sind
nen Jahren sehr viel für Fortbil- und erst nach der Arbeit ihr geliebdungsmaßnahmen tat und viele No- tes Instrument in die Hand nehmen
ten veröffentlichte. Nicht geringer können.
fallen die ausgebauten internationa(Fortsetzung auf Seite 4)
len Beziehungen ins Gewicht, aber
Aus dem Inhalt
Später Renaissance-Typ
Wenn ein Knabe von 16 Jahren von
seinen Eltern ein Mikroskop geschenkt bekommt, so ist nicht unbedingt zu erwarten, daß aus ihm einer der bedeutendsten Hirnmorphologen seiner Zeit wird. Nun muß
man aber hinzufügen, daß Johannes
Szentágothai in eine Familie hineinwuchs, die schon seit sieben Generationen Ärzte hervorgebracht
hat.
Seite 3
Gedenkfeier in Kumbai
Im Herbst 2006 wurde in Kumbai/Kunbaja eine Gedenkfeier veranstaltet, um an die Opfer der Ereignisse vor 60 Jahren zu erinnern.
Seite 3
Engagement im Bildungsbereich
Die Deutsche Selbstverwaltung
von Seksard und der Caritasverband Tauberbischofsheim intensivieren ihre Zusammenarbeit im Bildungsbereich. Eine entsprechende
Vereinbarung wurde in Seksard am
20. Oktober unterzeichnet.
Seite 4
Künstlergenerationen in drei
Jahrhunderten
Der sogenannte „enge Familienkreis“ hat den Barockhof der Ofener Burg komplett gefüllt. An den
Vorbereitungsarbeiten der Ausstellung „Künstlergenerationen – drei
Jahrhunderte der Familie GyörgyiGiergl“ haben mehrere Museen
ebenso teilgenommen wie Familienmitglieder mit Sachkenntnissen.
Seite 11
Dialog als Lebenseinstellung
Der gebürtige Banater Schwabe
Dr. Walter Engel wird in diesem
Herbst seine langjährige Tätigkeit
als Direktor des Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Hauses beenden.
Es ist jedoch abzusehen, daß sich
der Moderator in Sachen Heimat
und Kultur auch in seinem neuen
Lebensabschnitt dem Ost-WestDialog widmen wird. Nahezu zwei
Jahrzehnte leitete Dr. Engel das
Kultur-, Bildungs- und Informationszentrum an der Bismarckstraße, das ehemals Haus des
Deutschen Ostens hieß.
Seite 12
2
BERICHTE
Neue Zeitung
Feierliche Vereidigung in Tarian
Ungarndeutsches Wochenblatt
Chefredakteur:
Johann Schuth
Verantwortlich für die Herausgabe:
Dr. László Kodela
Vorstandsvorsitzender/Generaldirektor
Druckvorlage: Comp-Press GmbH
Druck: Magyar Hivatalos Közlönykiadó
Lajosmizsei Nyomdája – 06-3457
Verantwortlicher Leiter:
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Index: 25/646.92/0233
HU ISSN 0415-3049
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in der Redaktion
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für die Nationalen und Ethnischen
Minderheiten Ungarns
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des Bundesministeriums des Innern
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LdU wertet
Wahlerfahrungen
aus
(Fortsetzung von Seite 1)
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NZ 44/2006
Mitglieder der Deutschen Selbstverwaltung in Tarian bei der Vereidigung.
Von links: Georg Stréhli, Maria Miskovics, Csilla Müller Gróf, Elisabeth
Harmath, Stefan Fülöp
Die am 1. Oktober neu gewählten
Mitglieder der Deutschen Selbstverwaltung in Tarian legten am 14. Oktober abends in der örtlichen Sporthalle in feierlichem Rahmen ihren
Amtseid ab. Gleichzeitig wurden
auch der neue Bürgermeister János
Jelli und die Mitglieder der Gemeindeselbstverwaltung in ihr Amt eingesetzt. Der abdankende Bürgermeister
Stefan Fülöp, der 16 Jahre lang der
Gemeinde vorstand, wurde an diesem Abend verabschiedet.
Da dies alles bei einer Feierstunde
geschah, waren Gäste aus nah und
fern eingeladen worden: so die Bürgermeister aus den umliegenden Gemeinden und der Vorsitzende des
Komitatstages Gran-Komorn. Aus
Deutschland wohnten Vertreter des
Partnerkreises Main-Kinzig, der
Partnerstadt Staufenberg und des
Freundeskreises Tarian in Staufen-
berg dem Festakt bei. In ihren Reden
würdigten alle die bisherige Leistung
des bisherigen Bürgermeisters. Fülöp zieht sich aber nicht ganz zurück,
er bleibt weiterhin als Mitglied sowohl des Gemeinderates als auch der
Deutschen Selbstverwaltung in Tarian aktiv tätig.
Zum Schluß konnten sich die
Teilnehmer des Abends an dem Kulturprogramm des hiesigen Musikvereins erfreuen. Musik, Tanz und Gesang der Tarianer Tradition machten
die Seele lustig. Dafür sorgte auch
der Spielmannszug aus Hattstedt/
Norddeutschland, der an diesem Tag
für eine Woche in Tarian angekommen war.
Bei reichlich gedecktem Tisch
konnten sich Gäste und Gastgeber
gut unterhalten, Erfahrungen austauschen und sich einfach wohlfühlen.
E. H.
Chrysantheme: altehrwürdiges
Zaubergras und Zeichen des
langen Lebens
Am Tag der Toten ist die
vorherrschende Blume der
Friedhöfe die Chrysantheme. Man kannte sie bereits im Altertum. Die
Hindus und die Buddhisten verwenden die Blume
heute noch für zahlreiche
Zeremonien. Aus den weißen und gelben Blumenköpfen werden Gebinde
hergestellt, welche die
Tempel als Schmuck zieren.
In China und Japan umringen die
Chrysantheme verschiedene Legenden. Laut chinesischer Version
haben Kinder diese Blumen von
der Insel des Drachen mitgebracht.
Der Kaiser hat sie beauftragt, ein
Zaubergras für ihn zu finden, welches die ewige Jugend ermöglicht.
Anstelle des Zaubergrases sind die
Kinder mit einer Chrysantheme zurückgekehrt.
In Japan ist die Chrysantheme
mit 16 Blumenblättern das Zeichen
der japanischen Kaiser und des langen Lebens.
In Ungarn sind die groß- und
weißköpfigen Chrysanthemen sehr
beliebt, denn die Größe und die
Zahl der Köpfe der Blumen sind
ein Zeichen dafür, wie der Tote geehrt und geliebt wurde. Heutzutage
findet man die Blume aber das
ganze Jahr über in den Blumengeschäften. Besonders seit den 60er
Jahren wird sie gerne zu Blumensträußen verwendet, da die Chrysantheme dekorativ ist. Die weiße
Variante verkörpert laut Blumenexperten die Kraft von Schnee und
Eis und vertreibt die grauen Wintertage aus unserem Leben. (M. H.)
Dies sei inmitten eines Wahlprozesses nicht angebracht, meinte dazu
Vorsitzender Otto Heinek. Die LdU
strebe ohnehin eine größere Modifizierung an, man wolle keine geringfügigen technischen Veränderungen,
sondern einen Umbau, der die Erfahrungen der Wahlen berücksichtigt.
Dieser Standpunkt wurde von der
Vollversammlung unterstützt. Unerhört bezeichnete Otto Heinek den
Umstand, daß das von der LdU am
Jahresanfang delegierte Mitglied, Josef Manz aus Baja, in das Kuratorium der Gemeinnützigen Minderheitenstiftung immer noch nicht kooptiert wurde. Man habe dieser Empörung bereits in einem Brief an
Kanzleramtsminister Peter Kiss Ausdruck verliehen.
Interessant gestaltete sich die Diskussionsrunde – mit mehreren eingeladenen Teilnehmern ergänzt – über
die Wahl der Landesselbstverwaltung und der neuen Komitatsselbstverwaltungen, wobei man sich
einig war, an den vorher getroffenen
Vereinbarungen festzuhalten. So
werden die Kandidaten für die Landesliste vom Komitatsverband der
Branau nominiert, bei der Verteilung
der Plätze werde man die Zahl der
gewählten Selbstverwaltungen in
den Komitaten oder Regionalverbänden berücksichtigen. Die Komitatsverbände deutscher Selbstverwaltungen als eingetragene Vereine,
so der einheitliche Standpunkt der
Teilnehmer, seien auch nach der
Wahl der Komitatsselbstverwaltungen unbedingt aufrechtzuhalten, da
man nicht wissen könne, wie das
Minderheitengesetz
modifiziert
werde. Denn man müsse auch in vier
Jahren starke Verbände vorweisen
können, die die Kandidaten dann bei
den Wahlen stellen können. Die Arbeit von Komitatsverband und Komitatsselbstverwaltung sollte aufs
engste abgestimmt werden.
Wann die Wahl stattfinden wird, ist
offiziell nicht bekanntgegeben worden, doch durchgesickerte Informationen gehen vom ersten März-Sonnani
tag, also dem 4. März, aus.
Neuer Vorsitzender
im Minderheitenamt
Mit Wirkung 15. Oktober 2006 hat
der in der Regierung für Minderheiten zuständige Sozial- und Arbeitsminister Péter Kiss Antal Paulik zum
beauftragten Vorsitzenden des Amtes
für Nationale und Ethnische Minderheiten ernannt. Er leitete bisher eine
der Hauptabteilungen des Amtes und
war Referent für Unterrichtsangelegenheiten sowie die slowakische und
polnische Minderheit. Der bisherige
Vorsitzende Antal Heizer ist seit dem
15. Oktober im Außenministerium tätig und wird Botschafter in Preßburg.
NZ 44/2006
GEMEINSCHAFTEN DER UNGARNDEUTSCHEN
3
Später Renaissance-Typ
Wendelin Hambuch porträtiert Universitätsprofessor Dr. János (Johannes) Szentágothai
Wenn ein Knabe von 16 Jahren von
seinen Eltern ein Mikroskop geschenkt bekommt, so ist nicht unbedingt zu erwarten, daß aus ihm einer
der bedeutendsten Hirnmorphologen seiner Zeit wird. Nun muß man
aber hinzufügen, daß Johannes
Szentágothai in eine Familie hineinwuchs, die schon seit sieben Generationen Ärzte hervorgebracht hat.
Szentágothai vertrat später selbst die
Auffassung, daß es neben den Erbfaktoren besonders die frühen Kindheitsjahre im Elternhaus sind, die
die charakterlichen Eigenschaften
eines Menschen prägen. Wendelin
Hambuch (Foto) stützte sich in seinem Vortrag, den er am 19. Oktober
im Haus der Ungarndeutschen im
Rahmen der Reihe „Ungarndeutsche
Persönlichkeiten“ hielt, auf Gespräche mit Professor Szentágothai, die
er für seine Publikationen „Markante Gesichter“ (1983) und „Unser
gemeinsames Erbe“ (2001) führte.
Als Sohn eines Siebenbürger
Sachsen, der aus Hermannstadt
stammte und noch den deutschen
Namen Schimert trug,
wurde er 1912 in Budapest geboren. Der Vater
war es auch, der seinen
Söhnen neben ihrem Bewußtsein für ihre deutsche
Abstammung zugleich
auch den Respekt gegenüber der ungarischen Kultur anerzog. Die Gleichberechtigung der Kulturen
auf der Grundlage einer
ehrlichen Denk- und Verhaltensweise stellten Maximen dar, die Szentágothai als Kind
auf den Weg bekam, und die sein
Leben prägen sollten.
Schon als Kind sprach er Ungarisch und Deutsch auf demselben
Niveau. Die Erziehung in einer toleranten und kulturoffenen Familie
und nicht zuletzt der Besuch der damaligen „Reichsdeutschen Schule“,
deren Schülerschaft sich aus Kindern des ungarischen, deutschen,
österreichischen, schweizerischen
und jüdischen Budapester Großbürgertums zusammensetzte, förderten
seine Entwicklung nachhaltig. Diese
Bildungseinrichtung, die im Gegensatz zu anderen damaligen Schulen
unpolitisch war und stark zum eigenständigen Denken anregte, sowie
Szentágothais eigene Belesenheit
formten aus ihm eine Person mit
großer Allgemeinbildung in den Bereichen Geschichte, Kunst, Philosophie und Religion. Seine starke Verbundenheit mit der Antike, deren
Lebensformen und Lebensgefühl
sowie deren Wiederaufleben in der
späteren europäischen Literatur ihn
60 Jahre Vertreibung
Gedenkfeier in Kumbai
Im Herbst 2006 wurde in Kumbai/Kunbaja eine Gedenkfeier veranstaltet, um an die Opfer der Ereignisse vor 60 Jahren zu erinnern. Damals, 1946, wurde fast die gesamte
deutsche Bevölkerung des im südlichen Teil des Komitats BatschKleinkumanien liegenden Dorfes
verschleppt und vertrieben. Das geschah im Sinne der „kollektiven
Verantwortung der Deutschen“ in
der Nachkriegszeit. Menschen wurden in dieser Periode danach beurteilt, wer welcher Nationalität ist.
Zum Fest waren zahlreiche Gäste
aus der deutschen Partnergemeinde
Dinkelscherben sowie aus den ungarndeutschen Siedlungen Schorokschar, Baja und Waschkut gekommen. Eine große Ehre bedeutete,
daß auch viele Leiter des Ungarndeutschtums erschienen. Die Gedenkfeier begann mit einer zweisprachigen Messe in der römischkatholischen Kirche, zelebriert von
den Priestern Matthias Schindler
(Baja), Tibor Földi (Kumbai) und
dem Claretinermönch Josef Wetzstein (Frankfurt a. M.). Anschließend wurde auf dem Kirchhof ein
sechs Meter hohes Holzkreuz eingeweiht, das von einem ehemaligen
Kumbaier, und zwar von Jeromos
Tamás, zum Andenken an die Vertriebenen und die nach Kormócpuszta verschleppten Zwangsarbeiter gestiftet wurde. Er hat die grausame Zeit auch miterlebt.
Josef Ollmann, Vorsitzender der
Deutschen Minderheitenselbstverwaltung, begrüßte in seiner Eröffnungsrede zuerst diejenigen, die
nach der Zwangsaussiedlung in
Deutschland dort zwar wieder Wurzeln gefaßt, aber die „alte Heimat“
nicht vergessen haben, und von denen manche noch „Ungarn“ geblieben sind. Besondere Ehre gelte den
heimatverbliebenen Ungarndeutschen, die nach der Enteignung
1945 – 47 fast mit leeren Händen
wieder zu arbeiten begonnen haben.
Bürgermeister István Nagy erzählte, daß 80 Prozent der damaligen Dorfbevölkerung ihren Wohnort
verlassen mußten. Sie hatten sich als
ungarische
Staatsbürger
zum
Deutschtum bekannt, was ihnen
nachher zum Verhängnis wurde. Nur
noch wenige leben von den damaligen Vertriebenen, die nicht gern an
die Ereignisse vor 60 Jahren zurückdenken. Er hat alle Anwesenden ver-
sichert, daß die ehemals Vertriebenen heute willkommen im Dorf
sind. Man darf nicht vergessen, daß
die zu Hause Gebliebenen wegen
der unmenschlichen Zwangsarbeit
und der Demütigungen viel leiden
mußten.
Am Nachmittag des Gedenktages
kamen schon lustige Stunden: Im
Programm traten der Schwabenchor
und die „Rentnermajoretten“ aus
Schorokschar auf und ernteten großen Beifall. Dem Tanz der örtlichen
Schüler folgte die Blaskapelle aus
Dinkelscherben, zu deren Musik viele
zu tanzen begannen. Die Teilnehmer
waren sich einig: Es muß sich um die
Zukunft, die Jugend und die weitere
Pflege der ungarndeutschen Traditionen gekümmert werden.
Josef Ollmann – Lajos Káposzta
faszinierten, brachte ihm den Spitznamen „Renaissancemensch“ ein.
Szentágothai vereinigte also vielerlei Interessen, als er 1930 an der
Budapester Pázmány-Universität
mit dem Medizinstudium begann
und somit den Grundstein für seine
Karriere im medizinischen Bereich
legte. Bereits frühzeitig zog er die
Aufmerksamkeit seiner Dozenten
auf sich, da er einer der wenigen
Studenten war, die kleinere wissenschaftliche Abhandlungen auf
deutsch verfassen konnten. Wissenschaftliche Arbeiten zum Muskel im
Mittelohr, zum Hirn- und Gesichtsnerv banden ihn schließlich an die
Hirnforschung, mit der er sich nach
dem Abschluß seines Studiums
ausschließlich beschäftigte. Seine
Einberufung in die Armee 1944
führte ihn schließlich nach Deutschland, wo er in amerikanische Gefangenschaft geriet und später das ungarische Sonder-Lazarett bei Fulda
leitete. Die nationalsozialistische
Pfeilkreuzler-Bewegung im SzálasiUngarn lehnte er stets ab – er sah in
den Pfeilkreuzlern Vaterlandsverräter.
Nach seiner Rückkehr nach Ungarn wurde er Professor für Anatomie an der medizinischen Fakultät
in Fünfkirchen. Während der Zeit in
Südungarn, die er selbst als schönste
Zeit seines Lebens bezeichnete,
wurde ihm, dem bekennenden und
praktizierenden Christen, der Kossuth-Preis verliehen. Zudem wurde
seine wissenschaftliche Arbeit, die
sich vor allem mit der Struktur des
zentralen Nervensystems und der
Verbindungen der Nervenelemente
beschäftigte, 1970 mit einem Staatspreis geehrt. Zu dieser Zeit hatte er
bereits seit drei Jahren die Leitung
des Lehrstuhls für Anatomie in Budapest inne. Seine wissenschaftlichen Forschungsergebnisse brachten ihm auch im Ausland viel Ruhm
und Anerkennung ein. So wurde er
Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Akademien und einziges Mitglied der Päpstlichen Akademie der
Gelehrten aus einem osteuropäischen Land. Zwischen 1977 und
1985 war er Präsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, für die er sich mit seiner Vielseitigkeit und seinen verschiedenen
Interessenlagen einsetzte.
Bei allem Ehrgeiz für seine wissenschaftlichen Tätigkeiten vergaß
Szentágothai seine deutschen Ursprünge nicht. Die deutsche Minderheit in Ungarn maß seiner Teilnahme am 6. Kongreß der Ungarndeutschen im Dezember 1983 große
Bedeutung bei. In seiner Rede wies
er besonders auf die Bedeutung der
deutschen Sprachkenntnisse hin und
ermutigte die Anwesenden zur Erhaltung des deutschen Geisteserbes.
Szentágothai war eben nicht nur der
Knabe mit dem Mikroskop, sondern
auch Ungarndeutscher.
A. B.
4
GEMEINSCHAFTEN DER UNGARNDEUTSCHEN
Ein Niveau wie nie zuvor
(Fortsetzung von Seite 1)
Der Vorsitzende der Fachjury,
Árpád Apáti, Direktor der Musikhochschule Franz Liszt in Fünfkirchen, dankte vor allem den Musikern
und hob hervor, daß die erweiterten
Repertoires trotzdem auch der
Brauchtumspflege ein gewichtiges
Augenmerk widmen. Nicht wenige
im Publikum waren von Stücken entzückt, die man in Ungarn lange nicht
mehr hören konnte, und so fand manche Mazurka oder manches böhmische Blasmusikstück schnell den
Weg in die Herzen der Musikfreunde.
Die Landesgala begann auch diesmal mit dem Wettbewerbsprogramm
der Kapellen, das vom Vormittag an
vor einem zahlenstarken Publikum
abrollte. Ein Beleg dafür, so Heilig,
daß Großmanok ein guter Austragungsort sei, da es dort und in der
Umgebung genügend Ungarndeutsche gebe, die diese Musik schätzen.
Auch die Einstellung der Helfer an
Ort sei lobenswert, kein Wunder
Der Josef-Gung’l-Preis ging an Johann
Fódi, Vizevorsitzender des Landesrates, Vorsitzender des Musikverbandes,
Árpád Apáthy, Musikhochschuldirektor
in Fünfkirchen, Dr. Erich Sepp, Bayern,
Robert Rohr, München und Siegfried
Rundel, Frankfurt.
Das Ehrenzeichen in Gold (für Musiker,
die 50 Jahre lang regelmäßig und beispielhaft mitgewirkt hatten) erhielten
Stefan Turi, Waschkut, Niklaus Uresch,
Dorog und Johann Hesz, Mase.
Das Ehrenzeichen in Silber (für Musiker,
die mindestens 25 Jahre lang regelmäßig und beispielhaft mitgewirkt hatten)
bekamen Gyula Schnetz, Großmanok,
Zoltán Csermák, Mase, Friedrich Cellik,
Agendorf, Ladislaus Arató und Wilhelm
Gmehling, Budapest.
Franz Heilig überreicht Johann
Fódi den Josef Gung’l-Preis
also, daß Großmanok bereits zum
dritten Mal als Austragungsort ausgewählt wurde. Beim Galaprogramm
und bei der Preisverleihung am
Abend war die Sporthalle ganz voll,
und niemand fand es langweilig, die
Überreichung der doch zahlreichen
Preise und Titel mitverfolgen zu
können. Da übrigens die beim ersten
Landesfestival gestiftete Wanderfahne dreimal von der Maser Bergmannskapelle gewonnen wurde, ist
sie endgültig in ihren Besitz übergegangen. Der höchste Preis ist nun der
Festivalpreis, der diesmal auch –
welch ein Wunder – an die Maser
Bergmannskapelle ging. Übergeben
wurde der Preis vom Vizevorsitzenden der LdU für kulturelle Angelegenheiten, Franz Erdei.
Im Rahmen der Landesgala werden auch jene Kapellen ausgewählt,
die in den nächsten Jahren im Galaprogramm der ungarndeutschen
Selbstverwaltungen auftreten dürfen.
2007 werden es die Wetschescher
sein, 2008 die Magyarszéker Blaskapelle und 2009 die Bawazer Dorfmusikanten.
char
Eröffnung des Rundkellers in Edek
„Weingarten von Budapest“
Der vom Verein der Edeker Deutschen genutzte sog. Rundkeller in
der Ortschaft ist am 24. September in feierlichem Rahmen schön
instandgesetzt eingeweiht worden. Der Keller war früher, zu
Zeiten der Edeker deutschen
Blaskapelle, als Museum genutzt
worden. Die Sammlung der dort
ausgestellten Weinfässer, Spritzund sonstigen Geräte betrieben
die Kapellenmitglieder ebenso
wie die Wartung dieser. Daß dieser Keller unbedingt renovierungsbedürftig war, fiel auch den
immer wieder ihren Heimatort
besuchenden vertriebenen Edekern auf.
Es war Martin Geng, der mit einer
Spendensammlung begann, indem
er sich in einem Aufruf an alle in
Deutschland lebenden Edeker
wandte. Josef Dörner erfuhr von
dieser Sammlung und suchte die
Vorsitzende des Vereins persönlich
auf, um die Erneuerung des Kellers
zu finanzieren. Das alles erzählte
Ágnes Geng, die Vereinsvorsitzende, bei der Eröffnungsfeier und
dankte Josef Dörner dafür, daß er
zusammen mit seinem Bruder Anton
Engagement im Bildungsbereich
Die Deutsche Selbstverwaltung
von Seksard und der Caritasverband Tauberbischofsheim intensivieren ihre Zusammenarbeit im
Bildungsbereich. Eine entsprechende Vereinbarung wurde in Seksard am 20. Oktober unterzeichnet.
Wie NZ von Dr. Michael JózanJilling, dem Vorsitzenden der
Selbstverwaltung, erfuhr, brauche
vor allem der vom Gremium 2005
in die eigene Trägerschaft übernommene Kindergarten eine fundierte fachliche Hilfe. Die Kinder,
die dort die drei oder vier Jahre verbringen, sollen am Ende besser
Deutsch sprechen und mehr über
die Kultur erfahren haben. Die Vereinbarung sieht deshalb vor, daß
Erzieher aus den Einrichtungen der
Seksarder Deutschen Selbstverwaltung ab dem Kindergartenjahr
2007/2008 ein mehrwöchiges Prak-
tikum bei den Netzwerkpartnern im
Main-Tauber-Kreis
verbringen
können. Diese Möglichkeit wird
auch den Besuchern von Fachschulen oder Hochschulen vor Ort angeboten, was aus Seksarder Sicht
heißt, daß etwa Studentinnen der in
der Stadt befindlichen Hochschule
ein solches Praktikum in Anspruch
nehmen könnten. Im Gegenzug sichert die Deutsche Selbstverwaltung interessierten Schülerinnen
und Schülern aus Fachschulen für
Sozialpädagogik im Main-TauberKreis die Möglichkeit eines Praktikums im Seksarder „WunderlandKindergarten“ zu. Da zwischen
dem Caritasverband und der Deutschen Selbstverwaltung von Seksard seit vielen Jahren gute Kontakte bestehen, bedeute die Erweiterung der Zusammenarbeit auf den
Bildungsbereich eine Bereicherung
NZ 44/2006
dieser Beziehungen, wobei die Vereinbarung nur der erste Schritt sei,
so Józan-Jilling. Da die Deutsche
Selbstverwaltung auch für behinderte Kinder in der Stadt etwas tun
wolle, werde der nächste Schritt sicherlich auf diesem Gebiet erfolgen.
Daß die Kontakte zu den Partnern vom Caritasverband ernstgenommen werden, belegt die Tatsache, daß aus Tauberbischofsheim
die beiden Geschäftsführer Erhard
Stephan und Oliver Sitko sowie der
Dekan und erste Vorsitzende Werner Florian angereist waren. Unterstützt und gefördert wird das Projekt auch vom Caritasverband Seksard, wie dies die Unterschrift seiner Vorsitzenden Dr. Elisabeth
Pasterak belegt.
hor
die gesamten Renovierungskosten
übernahm. Sie dankte des weiteren
Martin Geng und Johann Windeisen
für die von den vertriebenen Edekern bzw. der Partnerstadt erhaltenen Spenden sowie den hiesigen
Edekern für die finanzielle Unterstützung, dank derer Einrichtungsgegenstände und Lampen für den
Rundkeller gekauft werden konnten.
Sie sprach all denen, so namentlich
auch Mihály Windeisen für die Gedenktafel, sowie Tibor Molnár und
János Vida jun., die uneigennützig
halfen, damit der Keller renoviert
werden konnte, ihren von Herzen
kommenden Dank aus.
Danach trat Martin Geng ans
Mikkrofon und hieß alle „willkommen in diesem schönen Gewölbe.
Mein allererster Dank gilt unseren
schwäbischen Großvätern, die diesen Rundkeller sowie auch die
Geißgrube und andere schöne Keller
mit primitiven Werkzeugen gebaut
und uns hinterlassen haben. Ohne
sie würden wir jetzt nicht hier stehen. Danken möchte ich auch der
Etyeker Gemeindeverwaltung, die
im Namen des Bürgermeisters die
Nutzung des Deutschen Hauses und
des Kellers hier bis 2030 verlängert
hat. Ich möchte auch den hier lebenden Etyekern für ihr Engagement
danken. Denn nur durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten ist es
uns gelungen, meine Idee in die Tat
umzusetzen. Wir wollen den Ruhm
als ‘Weingarten von Budapest’ mit
Verschönerungen in der Gemeinde
und mit Gastfreundschaft Rechnung
tragen. Ich selbst erzähle allen meinen Bekannten in Stuttgart (und das
sind viele) mit Stolz, daß mein Edeker Bauerndorf sich nun der ‘Weingarten Budapests’ nennen darf. Dies
ist ein Verdienst der früheren sowie
aller heutigen Bewohner meiner alten Heimat Edek“.
Musikalisch umrahmt wurde die
Eröffnungsfeier durch den Edeker
„Rozmaring“-Volksliedkreis. Die
Edeker deutsche Blaskapelle trieb
dann mit ihren Polkas, Walzern und
Märschen die Stimmung der Tischgesellschaften auf den Höhepunkt.
Dieser schöne Rundkeller soll
fortan nicht nur als Museum dienen,
sondern auch als Ort von freundschaftlichen Treffen, Kellerpartys
und geselligem Beisammensein
auch mit Gästen aus Deutschland.
Mátyás Poszlovszki
Deutsche Selbstverwaltung
NZ 44/2006
GESCHICHTEN
5
Erkenntnisse aus dem Intercity
Karl Hell
Fremdsprache als neue Heimat
Ungarisches allzu ungarisch
Fahrt mit dem Intercity Budapest –
München. Der Zug ist nicht sehr voll.
In meinem Abteil leistet mir nur eine
junge Dame Gesellschaft, so daß wir
beide sozusagen gezwungenermaßen
miteinander ins Gespräch kommen;
und das entwickelt sich umso
schneller und angenehmer, als wir
uns fließend in Deutsch unterhalten
können. Wie das so vom Schnellzug
diktiert wird, bleibt es nicht lange
beim Blabla des Woher-Wohin, und
wir waren noch nicht einmal bei
Straßsommerein, da wußte ich das
Wesentliche über den typischen Werdegang einer Szegediner Studentin,
die kurz vor der Abschlußprüfung in
Germanistik und deutscher Literatur
steht. Da sie jedoch noch etwas unsicher war über den weiteren Werdegang „danach und so“, gab sie sich
noch eine halbjährige Pause, um in
Deutschland bei einer befreundeten
Familie etwas ausländischen Wind
zu schnuppern. Sie meinte, das tue
sie deshalb, weil sie sich noch nicht
endgültig entscheiden konnte, welchen Beruf mit verlangten Deutschkenntnissen sie nach dem Abschluß
ergreifen sollte.
Die Chancen sind vielfältig,
meinte ich. Ja, doch fast alle seien
schlecht bezahlt. Es gäbe die Wahl,
außer im Lehrerberuf noch im Fremdenverkehr unterzukommen. Und da
wisse man nicht, was von beidem
schlechter bezahlt ist. Warum dann
überhaupt eines von beidem, weshalb habe sie im Hauptfach nicht etwas Außerdeutsches studiert, z. B.
für Handel oder Industrie, mit vielen
Aufstiegsmöglichkeiten bis zur
Chefsekretärin? Das wollte sie auf
keinen Fall. Es mußte etwas mit dem
Hauptfach Deutsch sein, denn dazu
fühle sie sich schon seit dem Gymnasium hingezogen, nur dabei fühle
sie sich wohl – und zu Hause.
*
In dem Dorf meiner Geburt erlernte ich die Sprache meiner slawischen-schokazischen Umgebung pa-
November
Dichter Nebel
liegt über dem Tal.
Graue Wolken,
der Morgen ist kalt.
Unter den Füßen
das dicke Laub.
Traurige Zapfen
am Tannenbaum.
Kahl ist der Wald,
frieren die Zweige.
Die Wandervögel
fliegen ins Weite.
Krähen sitzen
für den Winter bereit.
Der bunte Herbst
kleidet sich
ins Trauerkleid.
2004
Klara Burghardt
rallel zur schwäbischen meiner Eltern. Schule und Straße prägten mein
Wesen genauso wie das meiner andersnationalen Freunde, der Serben
und Kroaten. Dann kam in meinem
elften Lebensjahr unsere Internierung in eine rein deutsche Gemeinde
– und ich verlernte in dreieinhalb
Jahren das zusammenhängende slawische Sprechen und Denken. Dabei
blieb es aber nicht: Berufslehre und schule, danach Studium in wiederum
mehrheitlich serbischsprechender
Umgebung gaben mir das Verlorene
für einige Jahre zurück. Die Umsiedlung nach Deutschland und vollständiges Aufgehen im Deutschen bauten
auf dem uneinheitlichen Sprachfundament nach und nach einen neuen
Sprachbau, der durch selbstverständliche Kontinuität von Jahr zu Jahr
fest und dauerhaft wurde. Dann kam
aber eine weitere sprachliche Herausforderung durch meinen Rückumzug ins Zwischenstromland. Mein
ungarischer Alltag verhalf mir, leicht
ein drittes kommunikatives Haus mit
ungarischem Sprachinterieur einzurichten. Und nun, nach 25 Jahren,
kann ich behaupten, daß ich mich
auch im dritten sprachlichen Zuhause nicht weniger wohl fühle als
im deutschen. Zusammenfassend
kann daher die bleibende Erkenntnis
verfestigt werden, daß sich durch
Mehrsprachigkeit die Lebensqualität
unbedingt erweitern läßt.
Konrad Gerescher
Für die Bezeichnung des Begriffs
Oberst hatte der Ungar das Wort
„ezredes“ geprägt, dessen Stammwort ezer = tausend ist, weil ein
Oberst – zumindest in früheren
Zeiten – ungefähr tausend Mann
befehligte.
Dies sei vorausgeschickt, um die
Pointe der nachfolgenden Begebenheit zu verstehen.
Der Oberst des 7. k. u. k. Husarenregiments war ein Österreicher
und verstand fast kein Wort Ungarisch. Die Mannschaft des Husarenregiments hinwieder bestand
fast ausschließlich aus Ungarn, die
kein Wort Deutsch verstanden.
Es geschah nun, daß am 1. Oktober – wie es das Reglement vorschrieb – die Rekruten einrückten,
und da wollte der Oberst das
„Menschenmaterial“ mustern. Laut
Regimentskommandobefehl standen darum am 3. Oktober die Rekruten in Reih und Glied auf dem
Kasernenhof, durchaus Söhne des
„magyar alföld“ (der ungarischen
Tiefebene) und warteten auf den
Regimentsgewaltigen.
Auf die Minute pünktlich, für
welche die Musterung angesagt
war, kam der Oberst, gefolgt von etlichen Offizieren, herangeschritten
und richtete, nachdem die bereits
eingedrillte Ehrenbezeigung geleistet worden war, die Frage an den
Flügelmann, ob er Deutsch könne.
„Nix Daitsch“, war die Antwort.
So ging es fort, bis der achte eine
„positive“ Antwort erteilte. Sie lautete: „Jawohl, Herr Tausender, ich
bin kann.“
Der Oberst und seine Gesellschaft brachen in ein Gelächter aus,
und die Fragerei hatte ein Ende.
In einer Gesellschaft von Deutschen und Ungarn kam man auch
auf das Thema, wie schwer es fälle,
eine Fremdsprache zu erlernen. Die
Deutschen führten als Beweis an,
daß die ungarische Sprache mit
keiner europäischen verwandt sei.
Auch bereite die Aussprache jedem
Nichtungarn große Schwierigkeiten.
Die Ungarn wider waren einstimmig der Ansicht, daß die deutsche Sprache – besonders wegen
dem verfluchten „der, die das“ –
die schwerste Sprache sei.
Als Beweis für die Schwierigkeiten bei der Anwendung des „der,
die, das“ führe einer der Ungarn
zwei Sätze vor: „Die Macht der
Gewohnheit“ und „Das macht die
Gewohnheit“.
Die Deutschen schmunzelten,
und die Debatte hatte mit dem Sieg
der Ungar ein Ende. „Daitsche
Sprock, verfluchte Sprock.“
(Aus: Die Erinnerung bleibt.
Donauschwäbische Anthologie)
Béla Bayer
Lilienpfad
n der Kreuzung hatte sich
Martin abgesetzt, kurz vor der
neuen Schule. Beim Friseursalon bog er nach rechts ab. Über den
Friedhof, auf dem Lilienpfad, wie die
Einheimischen diesen Weg nannten,
wollte er den Eingang des Gebäudeflügels erreichen. Wie gewöhnlich
hielt er vor dem Grab des Árpád
Bergmann an. Was die Mistgabel
nicht geschafft hat“, stellte er fest,
„erledigte eine Grubenexplosion.“
Vor der Geschichte des gefälligen Zigeunerburschen aus seinem Dorf
hatte er großen Respekt. Die Erzählung war geheimnisvoll, romantisch
und mit der Zeit eine Legende geworden. Wenn der Lehrer nur daran
dachte, bekam er Gänsehaut. Ein eifersüchtiger Bauer hatte das linke
Bein des Roma durchstochen. Natürlich hat der Bauer, der den Jungen als
verwahrloste Waise in seiner Familie
aufgenommen hatte, seine Gründe
gehabt. Mit den Jahren wuchs der
Bub zu einem tüchtigen Mann heran.
Selbst die Bürgermädchen warfen
Blicke auf ihn. Besonders klug war
er nicht, aber fleißig. Man konnte ihn
gut als Arbeitskraft im Kuhstall einsetzen. An einem Spätsommernachmittag war es geschehen. Der Traktor
der Genossenschaft brachte Futter
A
für die Tiere. Árpád half beim Abladen. Unerwartet stand die junge Gattin des Wirtes, die dieser nach dem
Verlust seiner ersten Ehefrau geheiratet hatte, vor ihm und bot als Erfrischung ein Glas kaltes Wasser an.
„Danke für die Aufmerksamkeit, es
wird bestimmt gut tun!“ Während er
trank, beobachtete ihn die Frau. Seinen Körper, seine Muskulatur, die
Schweißperlen auf seiner Haut.
„Wenn du ausgetrunken hast, komm
bitte ins Haus“, sagte die Wirtin,
„wasch deine Hände!“ „Jawohl, tue
ich.“
Als sie ihm das Handtuch reichte,
berührten sich unbeabsichtigt ihre
Finger. Ihr war, als hätte sie der Blitz
getroffen, ein unerklärbares Gefühl.
Instinktiv umarmte sie ihn und streichelte ihm übers Haar. Ohne zu wis
.sen, wie ihr geschah, hörte sie wenig
später den rhythmischen Atem des
Mannes und verspürte eine kitzelnde
Wärme in ihrem Schoß. Eine Woge
von Wundern strömte durch ihr Inneres wie Millionen winziger Nadelstiche; lähmende Schwäche schwebte
um sie herum. „Was spielt sich hier
ab?“ donnerte eintretend der Hausherr, „welch eine Schande!“ Er stach
mit der Mistgabel, die er noch in der
Hand hatte, zu. Glücklicherweise
konnte Árpád ohne größere Verletzungen wegrennen. Seine Rolle in
dieser Gesellschaft hatte er jedoch
für immer verspielt. Viele Monate
war er wie vom Erdboden verschluckt. Letztendlich bekam er Arbeit in der Grube. Die Kumpels hießen ihn willkommen und gaben ihm
einen neuen Namen. Sie nannten ihn
fortan Bergmann. Seine neue Lage
konnte er nicht lange genießen, denn
zwei Monate später verunglückte er
bei einer Explosion tödlich.
Soweit war Martin in seinen Gedanken gekommen, als er Geräusche
hörte. Hinter einer Zypresse erblickt
er eine sich nähernde Gestalt. Er zog
sich zurück. Es war eine Frau, die
sich, sobald sie das Grab erreichte,
darauf warf.
„Oh du Armer! Mein Liebster!
Wie sehr habe ich dich geliebt!
Trotzdem mußtest du sterben! Nun
kann mein böser Mann uns nichts
mehr antun! Heute Mittag habe ich
ihn umgebracht! Niemanden kann er
mehr demütigen! Hast du das gehört?
Hast du das dort oben gehört?“
Zunächst starrte Martin in das
Nichts, dann auf die Frau. „Mörderin, Mörderin!“ raunten die Lilien
neben ihm. Es war wie in einer
Ballade.
6
BUCHBESPRECHUNG
NZ 44/2006
Hans Jurg: Apatin
Dieses Buch erschien im Selbstverlag des Verfassers 1940 in
Apatin. Jurg (Johann Jovan, János) hatte die Absicht, seinen
Landsleuten ein Werk zu hinterlassen, das von ihren Ahnen und
deren Herkunft und Leben im
Heimatort erzählt. Er schreibt im
Vorwort: „Dieses Buch ist die
Frucht einer zehnjährigen Arbeit, es fußt auf wissenschaftlicher Grundlage und ist für
meine lieben Apatiner Landsleute geschrieben und nicht für
Berufshistoriker.“
In einer Handschrift aus dem Jahr
1958 erinnert er sich an das Entstehen seines ersten Buches, bzw. seiner ersten Studie „Stapar i Staparci“ (in serbischer Sprache,
1937). Während er die entsprechende Literatur in mehreren Sprachen las, mußte er feststellen, ständig Kontradiktionen zu finden.
Dann faßte er den Entschluß, selbst
die Archive der ehemaligen Monarchie durchzustöbern. Zwei Monate
lang schluckte er den Staub der Archive in Wien, einen Monat lang in
Budapest, nachher im erzbischöflichen Archiv in Kalotscha. Jahrelang forschte er im Komitatsarchiv
in Sombor, dann in den Kirchenarchiven im Ort, in Sombor, Prigrevica, Sonta, Peterwardein, Esseg...
Ständig hielt er sich an das Prinzip, nur dokumentierte Wahrheit
kundzutun, ohne darauf zu achten,
wie es seine Landsleute, denen er
es widmete, aufnehmen würden.
Sein Buch hatte wirklich einen
kühlen Empfang: von den erschienenen 1000 Exemplaren verschenkte er 70, kaum 300 konnte er
verkaufen, die übrigen „verschwanden in den Kämpfen an der Apatiner Donau“.
Anfangs der 50er Jahre bekam er
den Auftrag vom Kreisamt in Sombor, sein Buch erweitert in serbischer Sprache zusammenzustellen.
Als er 1955 in den Ruhestand ging,
setzte er seine Forschungen fort.
Einige Wochen verbrachte er in der
Lika, um die Geschichte der neuen
Apatiner Bevölkerung zu erforschen und die zweite erneuerte
Auflage des Heimatbuches in serbischer Sprache herauszugeben. Dieses Manuskript lag einige Jahre in
einer Schublade des Apatiner Gemeindevorstandes und wurde leider
niemals gedruckt. Doch neuere Daten sind zu finden im Buch des
Schriftstellers Milan Bukvic „Apatin kroz vekove“ (Apatin durch
Jahrhunderte), herausgegeben 1963
und erweitert 2003.
Jurg schrieb dann in ungarischer
Sprache die Geschichte der Nachbarortschaft Szilágyi, deren Manuskript vorhanden ist, beendet
1961.
Seine „lieben Landsleute“ wußten, daß er der „Singlehrer“ ist, ...
immer gut gelaunt, ... hat spöttischen Humor, ... lebt unabhängig
wie ein alter Junggeselle, ... ist
Stammgast „beim Valdin“, ... war
mal eingesperrt...
Aber, vieles wußten sie nicht: Geboren wurde er am 1. September
1898, in die 1. Klasse ging er am 1.
September 1904, in die Bürgerschule
am 1. September 1908, in die Lehrerbildungsanstalt in Baja am 1. September 1912, Hilfslehrer in Batschsentiwan war er seit 1. September
1916.
Das war die Zeit des Ersten Weltkrieges. 1919 wurde auch er einberufen, kam an die Ostfront. Als in Ungarn die Revolution ausbrach, schloß
er sich freiwillig an; mußte aber seinen Entschluß büßen, sogar im strengen Kerker „Csillagbörtön“ in Szegedin. Anfang 1921 kehrte er heim,
um in seinem Beruf zu arbeiten.
Doch das wurde ihm verweigert. Im
nächsten Schuljahr bekam er eine
Lehrerstelle in Siwatz. Mit Leichtigkeit legte er die Ergänzungsprüfung
der Lehrkräfte in serbischer Sprache
ab. Hier befreundete er sich mit dem
fünf Jahre älteren Arzt Kornel Szenteleky, der schon damals ein bekannter ungarischer Schriftsteller war,
Herausgeber der Zeitschrift „Kalangya“ (Sombor), die sich mit gesellschaftlichen und kulturellen Fragen
befaßte. Auch musizierten sie gemeinsam. Durch Dr. Szenteleky kam
er in den Kreis der damaligen Intelligenz in Sombor und wurde Mitglied
der Somborer Historischen Gesellschaft, die ihre Jahresberichte zuerst
(seit 1860?) in ungarischer, jetzt in
serbischer Sprache in Buchform herausgab.
Jurg hatte schon aus Baja neben
dem Lehrerdiplom auch ein Diplom
für Musikunterricht. Er studierte pri-
Was passierte 1956?
Aufarbeitungsversuch eines Schriftstellers
Über die Tage von Ende Oktober
bis Anfang November 1956 sind
angeblich bereits ganze Bibliotheken vollgeschrieben worden. Das
mag durchaus stimmen, aber dennoch gibt es ganz offensichtlich
auch nach 50 Jahren immer noch
ein großes Aufklärungsbedürfnis.
Man sollte meinen, daß inzwischen
eigentlich über fast jede einzelne
Minute des ungarischen Aufstandes
detaillierte Schilderungen vorliegen müßten – nur scheint sich niemand zu finden, der eine echte Aufarbeitung wagt.
Der Schriftsteller György Dalos*, der glücklicherweise im
„Nebenberuf“ auch noch Historiker
ist, hat nun für den deutschsprachigen Leserkreis einen weiteren Versuch einer Aufarbeitung vorgelegt.
Dalos schildert beinahe minutiös
den Beginn des Aufstandes, erläutert mit viel Sachkenntnis die
Hintergründe der Unzufriedenheit
der Menschen und die Fehler der
Partei und der Regierung. Er beschreibt und charakterisiert agie-
rende Personen, und man spürt
deutlich, daß es ihm vor allem darauf ankommt, Zusammenhänge zu
beleuchten.
Wenn sich auch kaum noch feststellen läßt, das wievielte Buch
über 1956 damit veröffentlicht
wurde, so lohnt sich dennoch die
Lektüre. Dalos hat bereits oft nachgewiesen, daß er ein guter Beobachter ist, und ein brillanter Schilderer obendrein, wodurch sein
Werk „1956“ Seite für Seite lesenswert ist. Obwohl er sich deutlich
darum bemüht, die Ereignisse für
nicht ungarische Leser nachvollziehbar zu machen, kann auch er so
manche Frage nicht beantworten.
Dennoch hebt sich dieses Buch
wohltuend von den Darstellungen
ab, die gerade in diesen Tagen über
die Medien verbreitet werden.
U. B.
*György Dalos
1956
Der Aufstand in Ungarn
Verlag C.H.Beck, September 2006
Mit 16 Aufnahmen des MagnumPhotographen Erich Lessing
Gebunden, 247 Seiten
vat an der Pädagogischen Hochschule zu Agram Musikunterricht
und bekam so auch eine Lehrerstelle
in Apatin, um Gesang zu unterrichten
(1923). Schon im nächsten Schuljahr
begann er sein Studium an der Werklehrerhochschule zu Dortmund, deren Diplom er 1928 erwarb. Jetzt
unterrichtete er auch schon in der
Bürgerschule Gesang und Handarbeit, allmählich auch deutsche Sprache. Später erhielt er in Szegedin ein
Diplom in deutscher und ungarische
Sprache.
Daneben befaßte er sich ständig
mit Musik: In der Bürgerschule leitete er den Schülerchor, den Chor der
Sokos-Gesellschaft, er war Kapellmeister der Pfadfinderkapelle und
spielte jahrelang die Baßgeige im
Apatiner Salonorchester. Auch Vorträge hielt er über Musik und andere
Themen.
Seine Zeitschrift „Die Lüge“ erschien in der Faschingszeit seit 1928
und in den 30er Jahren jährlich. Doch
schon 1923 gab es in ungarischer
Sprache eine „Pfujság“, obwohl auch
dieses Witzblatt nicht unter seinem
Namen herauskam, wußte man allbekannt, daß er der Verfasser war.
Geheiratet hat er auch. Sogar zweimal. Seine erste Frau war seine Kollegin, Bürgerschullehrerin Maria
Panaotovic. Nach kurzer Ehe ließen
sie sich scheiden. Sie wanderte nach
Südamerika aus. Seine zweite Frau
war Gisela Meisl, mit der er jahrelang befreundet war, aber als sie
wegen ihrer jüdischen Abstammung
in den letzten Kriegsjahren gefährdet
war, nahm er sie zur Frau. Sie war
gerettet, aber er verlor seine Stelle.
Doch erlaubte man ihm, in der
Volksschule zu unterrichten, bis er
zuletzt zum Kriegsdienst einberufen
wurde. Dort wurde er wegen einer
Anzeige verhaftet; nur durch einen
Zufall freigelassen, konnte er Ende
des Kriegs heimkehren.
In den letzten Jahren (von 1947 bis
1955) unterrichtete er in der Apatiner
achtklassigen Volksschule ungarische und deutsche Sprache, Geschichte, Gesang und Zeichnen. Zuletzt ordnete er noch die Artikel des
Gemeindearchivs. 1955 ging er in
den Ruhestand.
„Jurg János (1898 – 1968)“ steht
auf seinem Grabstein. Doch sein Todestag war der 3. September 1962. Es
waren gerade 100 Jahre vergangen,
seit sich Johann Jurg, sein Großvater,
in Apatin seßhaft machte. Er war ein
Einsiedler aus Böhmen. In Apatin
lebten die Jurgs, drei Generationen:
Johann, Konrad, Johann, nur 100
Jahre.
Drei Schriftsteller hatten die
Apatiner: Hans Jurg, Chroniker,
geb. 1. 9. 1898; Andam Berenz,
Journalist, geb. 19. 9. 1898; Franz
Spitzer (Sinkó Ervin), Romancier,
geb. 6. 10. 1998; sie gingen in dieselbe Klasse der Bürgerschule wie
Jurg.
Margit Pogány-Fertner
NZ 44/2006
11
AUSSTELLUNGEN
Künstlergenerationen in drei Jahrhunderten
Promis in der Familie Giergl-Györgyi-Gelley
Der sogenannte „enge Familienkreis“ hat den Barockhof der
Ofener Burg komplett gefüllt. An
den Vorbereitungsarbeiten der
Ausstellung „Künstlergenerationen – drei Jahrhunderte der Familie Györgyi-Giergl“ haben
mehrere Museen aus der Hauptstadt und Provinz ebenso teilgenommen wie Familienmitglieder
mit
Sachkenntnissen.
Die
Schirmherrschaft übernahm der
Oberste Staatsanwalt i. R. Dr.
Kálmán Györgyi, der sich bei der
Vernissage an die erste Familienausstellung erinnerte, die
von seiner Mutter in der Ofener
Wohnung der Familie in der
Erzsébet-Szilágyi-Allee zusammengestellt worden war, und
vom Akademiemitglied Dr. Ferenc Glatz, der über Würde und
Stolz des ehemaligen deutschen
Bürgertums in Ungarn sprach,
eröffnet wurde.
Stiftungsprofessur
der Bundesrepublik
Deutschland für das
Fachgebiet
Deutsche Geschichte
und Kultur
im südöstlichen
Mitteleuropa
Zwillingspaläste Klotild auf dem „Schlangenplatz“ in Budapest
Die Eröffnungsrede hielt diesmal
der Fachstaatssekretär des Bildungsministeriums, Dr. Karl Manherz, der besonders die wichtige
Rolle der Budapester Bürger deutscher Abstammung bei der Entwicklung der ungarländischen Kultur und Gesellschaft betonte, die
später, halb magyarisiert, mit
doppelter Identität, eine solide
Brücke nach Europa bauten. Letztendlich würdigte der mit dem YblPreis dekorierte Architekt Béla Pazár mehrere Mitglieder der Familie, die das Antlitz der ungarischen
Hauptstadt und teilweise auch die
Provinz der ehemaligen Monarchie
mitgeprägt haben.
Der Tiroler Schneidermeister
Martin Giergl kam Anfang des 18.
Jahrhunderts nach Pesth und wurde
im Jahre 1728 ins Zunftbuch der
deutschen Schneider eingetragen.
Die nachkommenden Generationen
traten in die Fußstapfen der Ahnen
und übten denselben Beruf aus. Das
Enkelkind erwarb 1788 Pesther
Bürgerrecht und sorgte für die Fortbildung seiner Kinder. Drei von ihnen waren künstlerisch besonders
begabt, ihr Talent konnten sie in
ganz unterschiedliche Richtungen
weiterentwickeln. Alois ist Silberschmied, Ignaz Glaskünstler und
Carl Spielkartenmaler geworden.
Das bis dahin berühmteste Mitglied der Familie kam aus der
nächsten Generation: der Sohn von
Alois, Alajos Giergl-Györgyi
(1821-1863), wurde einer der populärsten Porträtmaler des 19.
Jahrhunderts in Pesth und Ofen
wie auch auf dem Lande. Er studierte in den 1840-er Jahren an der
Wiener Akademie Malerei und
schuf am Anfang seiner Karriere
An der Philosophischen
Fakultät der Universität
Fünfkirchen/Pécs (Ungarn) ist
zum 01. 02. 2007
eine
romantische Genreszenen (z. B.
Der überraschte Kavalier, Die verfolgten Wilderer usw.). Im Jahre
1857 unternahm er zusammen mit
seinem berühmten Wiener Malerkollegen Karl Rahl eine Italienreise, woraufhin seine Palette farbenprächtiger wurde. Er arbeitete
auf den Landsitzen des ungarischen Adels und war derart beschäftigt, daß einige von seinen
Porträts heutzutage ziemlich konventionell wirken. Angenehme
Ausnahmen sind die Mitglieder
seiner eigenen Familie – unter anderen die „engelsgute Mama“ seiner zweiten Ehefrau –, die in gefühlvollen Kompositionen gemalt
sind. Neben Mitgliedern der Aristokratie verewigte er Politiker wie
Stefan von Széchenyi oder den
Vorbereiter des österreichisch-ungarischen Ausgleichs Ferenc Deák
ebenso wie den deutschstämmigen
Komponisten Franz Erkel. Nachdem er bei einem Künstlerwettbewerb gewonnen hatte, durfte er als
Ehrung ein Nebenaltarbild mit der
Madonna für die Basilika malen.
Der Sohn von Ignaz, Henrik,
studierte in Wien bei Lobmeyr,
dem besten Meister. Deshalb ist
nicht verwunderlich, daß später
sein Glasatelier in der ungarischen
Metropole als das beste galt. Er
schrieb gerne Gedichte, „LebensBiographie“, Tagebücher oder
„Reisebeschreibungen“ über seine
Wanderschaften in Europa, die
jetzt im Original in den Vitrinen
der Ausstellung zu sehen sind und
vor ein paar Jahren aus dem Deutschen ins Ungarische übersetzt
wurden und erschienen sind. Die
Söhne von Carl – János und István
– sind die bekanntesten Spielkar-
tenmaler des 19. Jahrhunderts geworden. Die nächste Generation in
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist interessanterweise Architekt geworden: der Sohn von Henrik – Kálmán Giergl – ebenso wie
der Sohn von Alajos – Géza Györgyi. Ersterer hat zusammen mit
Florian Korb und Alajos Hauszmann die Details des Palais New
York oder der Kurie ebenso wie
der Musikakademie und der Zwillingspaläste Klotild (Foto) auf dem
„Schlangenplatz“ entworfen. Géza
arbeitete im Atelier von Nikolaus
Ybl und später von Alajos Hauszmann und hat an solchen monumentalen Aufgaben wie der Ofner
Burg, dem Pesther Opernhaus oder
der Technischen Universität mitgewirkt. Sein Bruder Kálmán Györgyi war Direktor der Ungarischen
Kunstgewerbegesellschaft
und
dessen Sohn, Dénes Györgyi, hat
zwischen den zwei Weltkriegen –
neben den ungarischen Pavillons
auf mehreren internationalen Weltausstellungen – die Elektrischen
Werke in Budapest, das BalatonMuseum in Keszthely und das
Déri-Museum in Debrezin gebaut.
Und schließlich sei von den in
die Familie eingeheirateten Mitgliedern nur eine einzige Künstlerin erwähnt, und zwar die Gattin
von András Gelley, die Textilkünstlerin Ritta Hager. Sie hatte –
unter anderem – einen monumentalen Wandteppich für den Meditationsraum in der unmittelbaren
Nähe des Brandenburger Tores in
Berlin geschaffen.
Die Ausstellung im Erdgeschoß
des Budapester Historischen Museums ist bis 20. Januar 2007 geIstván Wagner
öffnet.
zu besetzen. Aufgabe der Professur ist es, in Forschung und
Lehre die deutsche Geschichte
und Kultur im südöstlichen Mitteleuropa mit Schwerpunkt auf
der neueren Geschichte und Zeitgeschichte (18. - 20. Jh.) in ihren
Wechselbeziehungen zu anderen
Völkern dieses Raumes darzustellen und zu weiterer Beschäftigung mit diesem Gegenstand
anzuregen. Voraussetzungen:
Habilitation oder habilitationsadäquate Leistungen, wissenschaftliche Publikationen, insbesondere zur deutschen Geschichte und Kultur im südöstlichen Mitteleuropa. Kenntnis
der deutschen und ungarischen
Sprache sowie möglichst einer
weiteren Sprache der südöstlichen Nachbarländer (Kroatisch,
Rumänisch, Serbisch, Slowenisch etc.).
Bewerbungen mit den üblichen
Unterlagen nebst Forschungsund Arbeitsplan für die ersten
drei Jahre sind zweisprachig –
deutsch und ungarisch – bis 20.
November 2006 zu richten an:
Prof. Dr. Ferenc Fischer, Pécsi
Tudományegyetem, Bölcsészettudományi Kar, Modernkori Történeti Tanszék, Rókus u. 2.,
H-7624 Pécs/Ungarn. Die Bewerbungen sind gebührenfrei.
Zusätzliche Information erteilen
Dr. Juliane Brandt vom Institut
für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e. V. an
der Ludwig-Maximilians-Universität München,
D-81379 München,
Halskestraße 15,
Tel.: 0049 (0) 89/780609-0,
E-Mail Juliane.Brandt@ikgs.de
und Cecilia Holzhammer, Pécsi
Tudományegyetem, Bölcsészettudományi Kar, Modernkori Történeti Tanszék,
Rókus u. 2.,
H-7624 Pécs/Ungarn,
Tel. (0036) 0630-31 22 031,
HCecilia@btk.pte.hu.
Die Ausschreibung wurde am
19. Okt. 2006 in der Wochenschrift „Die Zeit“ veröffentlicht.
12
AUSBLICK
NZ 44/2006
Dialog als Lebenseinstellung
Walter Engel hat als Direktor das
Gerhart-Hauptmann-Haus zum
Forum für alle gemacht, die miteinander und nicht übereinander
reden wollen.
Der gebürtige Banater Schwabe Dr.
Walter Engel wird in diesem Herbst
seine langjährige Tätigkeit als Direktor des Düsseldorfer GerhartHauptmann-Hauses beenden. Es ist
jedoch abzusehen, daß sich der Moderator in Sachen Heimat und Kultur auch in seinem neuen Lebensabschnitt dem Ost-West-Dialog widmen wird.
Nahezu zwei Jahrzehnte leitete
Dr. Engel das Kultur-, Bildungsund Informationszentrum an der
Bismarckstraße, das ehemals Haus
des Deutschen Ostens hieß und inzwischen den Namen des schlesischen Dichters von Weltgeltung
trägt. Von Anbeginn hat Dr. Engel
den Weg der Kommunikation und
des Dialoges eingeschlagen.
Aus der Erkenntnis heraus, daß
man über den Osten zu wenig weiß,
initiierte er Veranstaltungsreihen,
die das gegenseitige Kennenlernen
der Menschen aus Ost und West, ihrer Bräuche, Sitten und kulturellen
Werte zum Ziel hatten. Der Direktor
und sein Team betreuten ferner das
mittlerweile überregional bekannte
„Literaturforum
OstWest“, heute „Literaturforum Neues Europa“, die
Informationsreihe „Botschafter stellen ihr Land
vor“, unzählige Vernissagen von Dokumentarund Kunstausstellungen
sowie nicht zuletzt die
systematische Entwickklung von Bibliothek und
Artothek.
Nicht zu übersehen
sind die vielen grenzüberschreitenden Projekte:
kulturpolitische Studien- Im Gerhart-Hauptmann-Haus war die ungarn reisen in die östlichen deutsche Literatur und Kunst stets willkom und südöstlichen Her- men. Walter Engel eröffnet die Ausstellung
kunftsgebiete, Austausch mit Werken von János Wagner.
von Referenten und
Walter Engel, am 13. November
Künstlern, Publikumsaktionen wie
„Tag der offenen Tür“, „Mittel- und 1942 in Deutschsanktmichael im ruostdeutscher
Weihnachtsmarkt“ mänischen Banat geboren, besuchte
oder Chorfestivals und Darbietun- das Hatzfelder Gymnasium und abgen von jugendlichen Theater- und solvierte sein Germanistikstudium
Musikgruppen. Ein besonderes En- an der Temeswarer Universität.
gagement hat Walter Engel in all Seine berufliche Laufbahn begann er
den Jahren als Vorsitzender der Ar- als Lehrer im siebenbürgischen
beitsgemeinschaft ostdeutscher Mu- Städtchen Heltau. Von 1968 bis 1972
seen und Heimatstuben gezeigt, gehörte er der Redaktion der „Herüberzeugt davon, daß diese größten- mannstädter Zeitung“ an und war
teils ehrenamtlich betreuten Einrich- anschließend als Dozent am Germatungen effektiv zur Bewahrung und nistiklehrstuhl Temeswar tätig.
1980, nach der Aussiedlung in die
Pflege des ostdeutschen Kulturgutes
Bundesrepublik Deutschland, probeitragen.
Impressionen eines
Beachspazierganges
Was zieht Menschen zum Ozean?
NZ-Reporterin Andrea Hécz ging der
Frage in Texas am Golf von Mexiko
nach. Sie begab sich auf einen mehrstündigen Beachspaziergang in Galveston, einer Insel, die 1900 durch einen Hurrikan fast ausradiert wurde:
6000 bis 8000 Menschen sollen ums
Leben gekommen sein. Danach
wurde ein drei Meter hoher Deich
errichtet; jenseits dieser Mauer
herrscht jetzt Friede: Die Gischt spült
Seegras ans Sandufer, über dem
Meer ziehen Pelikane, die plötzlich
im Tiefflug ins Wasser stürzen und
mit einem Fisch wieder auftauchen.
Teil (7): Beflügelt durch die
Liebe
Eine bunte Decke, ein Bikini für
sie, eine Badehose für ihn, Sonnenbrillen, Sonnencreme und eine Flasche Cola. Dazu eine Sandküste mit
Blick ins Unendliche. Das reicht Veronica und Cali, um glücklich zu sein.
Gestern waren sie noch in Arkansas,
dem einzigen Bundesstaat mit natürlichem Vorkommen an Diamanten in
den USA. „Wir haben spontan beschlossen, ans Meer zu fahren“, sagt
Cali mit einer Selbstverständlichkeit,
als ob das große Salzwasser um die
Veronica und Cali
Ecke liege. Es brandet für Veronica
und Cali in Texas – 12 Autostunden
entfernt. Das soll aber egal sein,
wenn man verliebt ist. Nun lauscht
das Paar der Wellenbewegung. „Wir
lieben diese Art von Musik“, sagen
beide. Werden sie auch baden? „Zu
kalt“, meint Veronica und ihr Freund
pflichtet ihr bei. Sie würden drei
Stunden bleiben, sagen sie, und sich
dann wieder auf den Weg nach Arkansas machen.
movierte Walter Engel in Heidelberg und absolvierte eine bibliothekswissenschaftliche Ausbildung
in Frankfurt am Main. Fünf Jahre
lang war Dr. Engel Präsident des
Kulturverbandes der Banater Deutschen. Bevor er 1988 die Leitung
des Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Hauses übernahm, war er als
Mitarbeiter der Frankfurter Stadtund Universitätsbibliothek und dann
beim dortigen Amt für Wissenschaft
und Kunst tätig.
Dr. Walter Engel setzte seine in
Rumänien begonnene publizistische
Arbeit fort. Er war Mitbetreuer der
Vierteljahresschrift „Der Gemeinsamen Weg“, herausgegeben von der
Stiftung Ostdeutscher Kulturrat, ist
Chefredakteur der von der Stiftung
Gerhart-Hauptmann-Haus. Deutschosteuropäisches Forum herausgegebenen
Vierteljahreszeitschrift
„West-Ost-Journal“. Desgleichen
hat Dr. Engel eine beachtliche Reihe
eigener Schriften veröffentlicht.
Dazu zählen Lehrbücher, Anthologien, Dokumentationen, Kunstkataloge und Rezensionen, deren Inhalte
sich auf deutsche Literatur, Medien
oder Kunstausstellungen beziehen.
2005 erhielt Dr. Engel die Verdienstmedaille des Verdienstordens der
Bundesrepublik Deutschland.
Dieter Göllner (KK)
Keine Flüge mehr zwischen
Fünfkirchen und Wien
Am 26. März 2006 landete die erste
Maschine von Austrian Airlines auf
dem neu umgebauten FünfkirchenPogányer Flughafen (NZ 13/2006).
Am Anfang wurden wöchentlich
viermal Flüge zwischen Fünfkirchen
und Wien angeboten und die Fluggesellschaft wollte von hier aus die
ganze Welt erreichen. Doch der
Traum ist innerhalb von nur sieben
Monaten ausgeträumt. Ab dem 10.
November fliegen keine Maschinen
mehr zwischen Schwechat und Pogány. Wie bekannt wurde, hat der
österreichische Partner den Vertrag
vor kurzem gekündigt und seinen
Sitz nach Preßburg verlegt.
Der Grund für diese Entscheidung
ist auf die Finanzen zurückzuführen.
Die Zahl der Passagiere verringerte
sich von Woche zu Woche. Viele der
Flüge wurden nicht einmal gestartet,
da es zu wenige oder manchmal gar
keine Passagiere gab, was wahrscheinlich am hohen Ticketpreis lag.
Denn immerhin betrug dieser 50 000
Forint pro Flug. Péter Tasnádi, der
neue Bürgermeister Fünnfkirchens,
sieht die Sache aber noch nicht als
verloren. Er versucht mit den Österreichern eine Lösung für das Problem zu finden, was angesichts der
niederschmetternden Lage eher
schwierig erscheint.
Fest steht, daß die Ungarische
Fluggesellschaft MALÉV trotz aller
Meldungen keine Linie zwischen
Fünfkirchen und der Hauptstadt Budapest plant. Ein Lichtblick scheint
eine deutsche Fluggesellschaft zu
sein, die ab April 2007 zweiwöchentlich eine Direktlinie zwischen
Deutschland und Ungarn anbieten
will. Die Maschinen der Kurflieger
Airlines landen bereits in Sármellék
(Plattensee) und in Debrezin, und
nun soll Fünfkirchen die nächste
Station sein. Laut Plänen sollen die
Flüge aus Leipzig, Erfurt, Dortmund und Stuttgart die deutschen
Touristen direkt in die Branau, besonders zum Heilbad Harkány, und
in die Siklós-Willander Weingegend
befördern. Und das für einen Preis
von 150 Euro.
Doch der Flughafen wird nur
dann gewinnbringend laufen können, wenn jährlich 120-130000
Passagiere befördert werden können. Deshalb laufen Verhandlungen
mit weiteren deutschen Fluggesellschaften über Direktflüge, und hiesige holländische Investoren scheinen der Idee einer Fluglinie zwischen Holland und Ungarn nicht abgeneigt zu sein.
Eine Lösung für das Problem
muß allerdings schnell gefunden
werden, damit die Lichter des Fünfkirchen-Pogányer Flughafens nicht
endgültig ausgehen.
M. H.
NZ 44/2006
GJU – GEMEINSCHAFT JUNGER UNGARNDEUTSCHER
13
Junge TeilnehmerInnen des
GJU-Medienseminars rücken
raus mit der deutschen Sprache
Grundkenntnisse in den Bereichen Print und Hörfunk haben sich
deutschlernende Jugendliche auf dem „Rück raus mit der (deutschen)
Sprache“-Medienseminar im Haus der Ungarndeutschen in Budapest angeeignet. Die 12 Teilnehmer im Alter von 17 bis 19 Jahren beschäftigten
sich mit den journalistischen Gattungen Nachricht, Reportage und Interview. Vermittelt wurden die Themen von den Workshopleitern Peter
Bognar (Die Presse) und Christian Erde (Radio Fünfkirchen).In der Zeitungsgruppe wurden Reportagen über die Budapester Markthalle erstellt. Die Radiogruppe produzierte O-Ton-Beiträge zu den Themen
„Studiengebühren, Fremdsprachen und Fast-Food“. Die GJU präsentiert
in der aktuellen Ausgabe die Reportage von Ánges Kocsis sowie einen
kurzen Einblick im Nachrichtenstil in die Arbeit der Hörfunkgruppe.
Grundkenntnisse des Hörfunks haben sich ungarndeutsche Jugendliche
im Haus der Ungarndeutschen in Budapest am 27. 10. erworben. Im Rahmen eines Medienseminars beschäftigte sich die Gruppe mit Geräuschcollagen, Nachrichten und OriginalTönen (O-Töne). Diese Weiterbildung wurde von der Gemeinschaft
Junger Ungarndeutscher und dem Institut für Auslandsbeziehungen gemeinsam organisiert.
Am zweiten Tag des Medienseminars der GJU haben die Teilnehmer
die Produktion eines Radiobeitrags
besprochen. Dazu recherchierten sie
Themen, kümmerten sich selbständig
um ihre Interviewpartner und holten
O-Töne ein. Die Teilnehmer der drei
Gruppen verfaßten Moderationstexte
und produzierten ihren Radiobeitrag
mit einer professionellen SchnittSoftware.
Zum Abschluß des Jugendmedienseminars haben die Jugendlichen in
der Radiogruppe ihre Projekte fertiggestellt. Es entstanden drei Beiträge zu den Themen „Studiengebühren“, „Fremdsprachen“ und „Fast
Food“. Auf einer Abschlußsitzung
präsentierten die Teilnehmer ihre Arbeiten und erhielten dafür ein Zertifikat. Die sendefertigen Beiträge werden in Radio Fünfkirchen ausgestrahlt.
Foto links: Die Gruppe. Foto rechts: Teilnehmer des Radioworkshops mit dem Referenten Christian Erdei
Ein Ort der Gegensätze – Wer hätte es geglaubt...
Straßenbahnhaltestelle Fôvám tér,
Budapest: Bei der Haltestelle sitzt ein
bettelnder alter Mann neben seinem
Rollstuhl auf dem Boden. Auf der
gegenüberliegenden Straßenseite stehen zwei Obdachlose, die die Passanten um Kleingeld anflehen. Die Menschen gehen teilnahmslos an ihnen
vorbei.
Beim Betreten des imposanten Gebäudes der Großen Markthalle eröffnet sich dem Besucher ein Reigen
von Farben, Geräuschen und Gerüchen. Es ist wie eine kleine Welt, in
der die Totalität des Lebens zu spüren
ist, gleichsam die Gesellschaft im
kleinen.
Menschen aus allen sozialen
Schichten und aus aller Herren Länder sind hier anzutreffen (aus Kanada, China, USA usw.). Das Thema,
das die Touristen derzeit am meisten
beschäftigt, sind die Demonstrationen und Ereignisse vom 23. Oktober.
Immer wieder kommen sie darauf zu
sprechen.
Auch sind viele alte Frauen zu sehen, die sich hier treffen, um zu tratschen. Sie tauschen Rezepte aus und
beobachten das Geschehen in der
Halle. „Ich besuche die Markthalle
seit 43 Jahren. Die Waren sind billig
und die Atmosphäre ist sehr familiär“, sagt die 80jährige Rózsa. Und
die alte Frau erzählt weiter: „Ich gehe
lieber auf den Markt einkaufen, als in
den Supermarkt, weil es viel billiger
ist. Außerdem haben die Waren bessere Qualität. Ich mag die ständige
Bewegung hier.“ Allgemein ist zu beobachten, daß sowohl die Stammkunden des Marktes als auch die
GJU – Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher
Präsident: Dávid László
Geschäftsführerin: Éva Adél Pénzes
Budapest, Lendvay u. 22 1062, Tel./Fax: 06/1-269-1084
E-Mail: buro@gju.hu, Internet-Adresse: www.gju.hu
Geschäftszeiten:
Montag, Dienstag, Mittwoch: 9.00-12.30 und 13.00-16.00 Uhr
Donnerstag: 12.00-18.00 Uhr; Freitag: 8.00-13.00 Uhr
Verantwortlich für die GJU-Seite: Éva Adél Pénzes
Touristen positive Eindrücke mit auf
den Weg nehmen. „Die Mehrheit der
Verkäufer ist nett und hilfsbereit und
zum Glück nicht aufdringlich“, meint
eine deutsche Touristin.
Auch die Stammkundin Gizella ist
zufrieden: „In den Märkten sind die
wichtigsten Waren zu finden. Die
Preise sind nicht zu hoch und die Lebensmittel sind frisch.“ Wer hätte gedacht, daß die Preise so günstig sind,
wird doch die Große Markthalle von
so vielen Touristen besucht.
Von den Fremden wird die Halle
vor allem als Sehenswürdigkeit besichtigt. Das Gebäude wurde von Samuel Pecz im Jahr 1897 errichtet.
Die Halle beherbergt etwa 180 Geschäfte, Stände sowie ein Bistro im
Obergeschoß. Viele Touristen kommen aus dem Staunen nicht heraus.
Der österreichische Student Christian
zeigt sich verblüfft: „Ich hätte mir
nicht gedacht, daß es hier so sauber
und ordentlich ist. Außerdem sind die
Ungarn sehr freundlich und hilfsbereit.“
Einige Verkäufer wiederum sehen
die Situation anders: „Die Halle ist
nicht mehr das, was sie vor einigen
Jahren war“, meint die Schmuckverkäuferin Ilona. Sie erzählt, daß die
Kunden respektlos und schroff seien.
Einige seien sogar so dreist, daß sie
vor dem Stand furzen. Das sei sehr
unangenehm. Es werde auch viel gestohlen, insbesondere von den Touristen. Ilona verweist darauf, daß die
Touristen die Waren immer wieder
beschädigen. „Auch behandeln uns
viele Ausländer sehr schlecht. Manche werfen uns das Geld einfach so
hin. Viele grüßen nicht einmal. Ja, es
ist sogar vorgekommen, daß sie nicht
den vollen Preis bezahlt haben und
einfach gegangen sind“, so die
Schmuckverkäuferin. Ein Markt
birgt viele Überraschungen und
Gegensätze.
Nach dem Verlassen der Halle gehen mit einem Schlag die Düfte verloren, der Reigen von Farben und die
wohlige Atmosphäre. Der Besucher
geht wieder in die graue Realität hinaus, eine Realität, die der Markt für
einige Stunden vergessen gemacht
hat.
Und noch immer sitzt der alte
Mann neben seinem Rollstuhl auf
dem Boden, bei der Straßenbahnhaltestelle auf dem Fôvám tér...
Ágnes Kocsis
Teilnehmerin des Workshops Print
14
JUGEND-SPEZIAL
NZ 44/2006
Die besten Sportler unserer Zeit:
Kinoecke
Martin Schmitt
Monster House
Martin Schmitt (geboren am 29. Januar 1978 in Vilingen-Schwenningen) ist einer der erfolgreichsten
jungen deutschen Skispringer aller
Zeiten. Seine Erfolge machten das
Skispringen zu einer der populärsten Sportarten in Deutschland.
Martin Schmitt gehörte insbesondere von 1999 bis 2001 zur absoluten Weltspitze im Skispringen. Zwei
Weltcupgesamtsiege konnte er in
diesen Jahren einheimsen. Bei
Olympischen Spielen gewann er
einmal Gold und einmal Silber jeweils im Teamspringen, und bei Skiflug-Weltmeisterschaften gewann er
einmal Silber. Erste große Erfolge
erzielte er bereits als Schüler des
Skiinternats Furtwangen. 1998/99
konnte Schmitt erstmals den Ge-
Schlagzeilen
Aus Angst vor tödlichen Krankheitskeimen hat eine Italienerin 26 Jahre
lang in völliger Isolation gelebt: Die
heute 56jährige verbrachte ihr halbes
Leben in einer ungelüfteten Wohnung. Die Fenster- und Türritzen waren mit Klebeband versiegelt. Die
offenbar psychisch Gestörte nahm
lediglich homogenisierte Lebensmittel zu sich. Als die Polizei in ihre
Festung eindrang, wog sie nur noch
etwa 30 Kilogramm und hatte zwei
Meter lange Haare. Die Frau wurde
ins Krankenhaus eingeliefert.
Auf einer Stadtautobahn in Deutschland ist ein Baby zur Welt gekommen. Die werdende Mutter und der
Vater waren mit dem Auto auf dem
Weg zur Klinik, als sie die Polizei
wegen der immer näher rückenden
Geburt um Unterstützung baten. Polizeiwagen eskortierten das Paar auf
der Fahrt. Dennoch wollte das Baby
nicht mehr warten und der Vater
mußte den Wagen anhalten. Als die
Polizeibeamten sich darüber wunderten und zurückkehrten, war der
Nachwuchs bereits auf der Welt. Ein
Notarztwagen brachte Mutter und
M. Sz.
Kind dann in eine Klinik.
Funkfabrik
Wenn Ihr Euren Beitrag auch
hier sehen wollt oder gern Eure
Meinung zu unseren Themen
äußern möchtet, dann schreibt an:
Christian Erdei
Kontaktadresse:
Radio Fünfkirchen,
Deutsche Redaktion
„Funkfabrik“
7621 Pécs, Szt. Mór Str. 1.
Tel.: 72 518 333
E-Mail: funkfabrik@freemail.hu
Die Sendung Funkfabrik könnt
Ihr jeden Samstag von 10.3011.00 Uhr auf Mittelwelle 873 kHz
hören.
samtweltcup gewinnen und siegte
bei der nordischen Ski-WM 1999
sowohl auf der Großschanze als
auch im Mannschaftsspringen.
Er verteidigte seinen Sieg im Gesamtweltcup 1999/2000 und in der
Saison 2000/01 erreichte er im
Weltcup erneut Spitzenresultate. Somit ist er der einzige Skispringer,
der bei einer Skisprung-WM vier
Medaillen gewann.
Nach der Saison 2001 wurde
Schmitt zunehmend von Verletzungsproblemen zurückgeworfen
und konnte seither nicht mehr an
seine früheren Erfolge anknüpfen.
Nach vielen Rückschlägen in der
Saison 2004/05 stieg er für mehrere
Wochen aus dem Weltcup aus, um
sich auf die bevorstehende WM
2005 vorbereiten zu können, bei der
er im Teamspringen von der Normalschanze die Silbermedaille gewann. Im Jahre 2006 nahm Schmitt
zum dritten Mal an Olympischen
Winterspielen teil.
Mónika Szeifert
Was gibt es Schlimmeres als einen
verbitterten bösen Nachbarn? Als
Kind wohl kaum etwas, schließlich
stört so ein Miesepeter beim Spielen.
Wer mal wieder genug von elenden
Gartenzaundiskussionen hat, der
kann sich ins Kino flüchten und mitfiebern, wenn der junge DJ und seine
Freunde gegen ihren kinderhassenden Nachbarn und dessen noch fieseres Monsterhaus in den Kampf ziehen. Denn insgeheim wußten wir es
als Kinder doch schon immer, wenn
das Lieblingsspielzeug plötzlich wie
vom Erdboden verschluckt war:
Häuser haben ein Eigenleben, und
was für eins. Gil Kenans AnimationsGruselkomödie „Monster House“
stützt jedenfalls diese These.
Genau das denkt auch der zwölfjährige DJ. Irgendwas stimmt nicht
mit dem alten Gemäuer auf der
gegenüberliegenden Straßenseite.
Nicht nur, daß dessen Bewohner, der
alte Mr. Nebbercracker, die gesamte
Nachbarschaft mit seinen Flüchen
terrorisiert, sondern auch sein Haus
scheint sich gegen nervige Kinder
zur Wehr zu setzen. Doch trotz ständiger Spionage kommt DJ einfach
nicht hinter das Geheimnis der Monstervilla. Da bleibt den Kindern
nichts anderes übrig, als nach dem
Motto zu leben: Was immer du tust,
betrete niemals Nebbercrackers Rasen! Aber was einfach klingt, hat
ernsthafte Konsequenzen, als DJs bester Freund Chowder aus Versehen
seinen Basketball in die verbotenen
Originaltitel: Monster House
Regie: Gil Kenan
Schauspieler: Animation
Zone befördert. Bei dem Versuch,
den verlorenen Ball vom verhexten
Grundstück zu angeln, begegnet DJ
ausgerechnet Mr. Nebbercracker.
Und wie es das Schicksal will, bricht
der alte Mann rasend vor Wut zusammen. Ein Vorfall, der nicht nur
DJ nahegeht. Die Monstervilla
scheint ihn zu beobachten, terrorisiert ihn mit Anrufen und hat es sogar
auf seine Freunde abgesehen. Als das
Gruselgemäuer auch noch versucht,
DJs Freundin Jenny zu verspeisen, ist
es den Nachbarskindern zu viel. Wagemutig beschließen DJ, Chowder
und Jenny, dem Spuk ein für allemal
ein Ende zu bereiten und dem Haus
den Garaus zu machen. Dafür müssen sie allerdings in die Höhle des
Löwen und dem Monster aus Stein
und Mörtel das Herz ausschalten.
M. H.
Traumziele zum Relaxen: Schweiz
Die Schweizerische Eidgenossenschaft ist ein Binnenstaat in Mitteleuropa. Das Land gliedert sich in
fünf geographische Teile: den Jura,
das Mittelland, die Voralpen, die Alpen und die Alpensüdseite. Neben
den Bergen machen die zahlreichen
Seen das Landschaftsbild besonders
abwechslungsreich.
Die größte Stadt der Schweiz ist
Zürich mit rund 367 000 Einwohnern. Weitere Großstädte sind: Genf,
Bern sowie Lausanne. Dominant
sind hier der Handel, das Gesundheits- und Bildungswesen sowie das
Banken- und das Versicherungswesen. Seit etwa 150 Jahren ist auch der
Fremdenverkehr ein Wirtschaftszweig in der Schweiz, begünstigt
durch die Alpen, die Schönheit des
Landes und die zentrale Lage in
Europa. Als geeignete Reiseziele für
eine Städtereise empfehlen sich unter
anderen Basel, Bern, Genéve oder
Winterthur
Basel, die älteste Universitätsstadt
der Schweiz, ist von weltoffenem
Charakter geprägt. Sie liegt im Dreiländereck Schweiz-Deutschland-
Frankreich. Diese Vielseitigkeit beeinflußt das Kunst- und Kulturangebot der Stadt: Neben kontrastreicher
Architektur, über 30 Museen und Galerien können auch Aufführungen auf
zahlreichen Kleinbühnen, dem
Stadttheater mit Oper, Operette,
Schauspiel und dem ersten Musicaltheater der Schweiz besucht werden.
Die Berner Altstadt, eingetragen in
die Liste des Unesco-Welterbes, besitzt mit sechs Kilometern Arkaden
eine der längsten wettergeschützten
Einkaufspromenaden Europas. Die
mittelalterliche Atmosphäre mit den
Geschäften in Kellergewölben ist
wohl einmalig. Zahlreiche Museen,
Theater, Sehenswürdigkeiten, Gaststätten, Geschäfte sowie die wöchentlichen Märkte (schöner Weihnachtsmarkt) sind leicht zu Fuß erreichbar.
Genf, die kleinste aller Weltmetropolen, kennzeichnet ein internationaler Mix der Bevölkerung. Hier ist sowohl der Sitz der UNO als auch jener
des Internationalen Roten Kreuzes.
Winterthur ist geprägt von Menschen, die ihren Wohnort zu genießen wissen. Sie teilen ihn darum
gerne mit ihren Gästen. Die Stadt
der Künste vereint überschaubar den
Charme ihrer mittelalterlichen Altstadt mit der Natur und einer selbstbewußten Weltoffenheit.
Mónika Szeifert
NZ 44/2006
WIR EMPFEHLEN
Dr. Zoltán Müller
Facharzt für HNO-Krankheiten
Körpergewicht und Ernährung der
Krebspatienten
Krebs ist die zweithäufigste Ursache der Todesfälle in Ungarn. Bei
vielen Patienten, die eine
bösartige Geschwulst
haben, ist der Körpergewichtsverlust ein Symptom. Ein anderes Symptom ist die Appetitlosigkeit. Die Krebszellen
brauchen viel Energie
und Nährstoffe, die sie
dem menschlichen Körper wegnehmen. Das Muskelgewebe wird abgebaut, der Körper wird schwächer
und die Immunität geringer. Die Erhaltung des Körpergewichts ist also
sehr wichtig. So kann man die Operationen, die Strahlungsbehandlung,
Deutsch-ungarischer
Übersetzer/
Dolmetscher
sucht Arbeit und bietet
Ungarischunterricht.
06 70 596 2340,
aforditas@yahoo.de
die Chemotherapie besser vertragen, kommen
seltener Komplikationen
vor und ist die Wundheilung schneller. Wenn
man sich nicht gut und
richtig ernährt, kann der
Körper die zu seiner
Funktion nötigen Nährstoffe und Energie nicht
bekommen. Blähende
oder sehr fette Speisen
soll man weglassen, denn sie können Verdauungsprobleme hervorrufen. Das heißt, keine Hülsenfrüchte
oder Zwiebeln, frittierten Gerichte
und fettigen Backwaren. Empfehlenswert sind frisches Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fisch und
nicht fettes Fleisch. Man muß reichlich Flüssigkeit zu sich nehmen, vor
allem Tee, Obstsaft und Mineralwasser. Ein übermäßiger Alkoholkonsum ist unangebracht, aber ein
Glas Wein oder Bier kann man konsumieren. Herkömmliche Ernährung reicht häufig nicht, der Patient
soll auch Nährmittel zu sich nehmen. Dies soll möglichst sofort nach
der Feststellung der Krebserkrankung erfolgen.
15
Ich kann das Wort
ges Glücksspiel
Begriff der Woche
nicht mehr hören.
und die MenschDabei prasselt es
heit nunmehr aufaus allen Ecken auf
geteilt in Gewinner
mich herab: Bei
und Verlierer? Und
zufällig mitgekriegten Gesprächen das bereits in einem Alter, in dem
auf der Straße taucht es ebenso oft noch nichts entschieden ist, in dem
auf wie in Fernsehserien oder Shows. man sich fröhlich den HerausfordeHaßerfüllt schreit in der (wohlbe- rungen stellen sollte, ohne Hasardiemerkt ungarischen) Serie der böse ren, nur eben den Erfolg anstreben.
Junge dem netten nach, „du bist ein
Man spricht aber nicht mehr von
Loser!“. Und eine halbe Stunde spä- Erfolg und im anderen Fall davon,
ter steht ein junges, hübsches, gesun- daß man eben nicht perfekt ist, aber
des Mädchen hinter dem numerierten immer eine neue Chance hat.
Koffer und heult „ich bin ein Loser!“.
Eines bewundere ich an den AmeEin anderer sagt es von sich selbst, rikanern: Im Normalfall sagen Famiresigniert, jedoch fast stolz – gleich lienmitglieder und Freunde so oft wie
Zwei im bekannten Fernsehspiel um es nur geht, daß sie sich lieben, sie
das große Geld.
spornen einander an, den Kampf mit
Ein Loser ist mehr als ein Verlie- den Aufgaben aufzunehmen, bestärrer, er ist der Verlierertyp an sich. Das ken und unterstützen sich gegenseiWort selbst scheint heutzutage zu- tig. Sie trösten sich, wenn etwas
gleich eines der kräftigsten Schimpf- schiefgeht, nennen denjenigen aber,
wörter zu sein. Wenn es nur das wäre, dem etwas mißlungen ist, keinesfalls
ein Schimpfwort, dann würde es einen Loser, sondern helfen ihm damich nur halb so sehr irritieren. Es ist bei, wieder auf die Beine zu komaber schädlich: Die Schreihälse, die men.
Rohlinge, die sogenannten Gewinner
Dieses Loser-Geschrei hier ist einstempeln damit nicht nur die Schwä- fach schädlich, es lähmt die Handcheren ab, sondern einfach alle, die lungsbereitschaft, initiiert negatives
nicht so hemmungslos durchs Leben Denken. Die kleine junge Dame im
rennen wie sie, ungeachtet dessen, Kofferspiel sollte Spaß am Spiel hawohin und wen sie treten. Die Loser ben, sich freuen, wenn sie viel gesind dabei nicht unbedingt Verlierer, winnt, wenn nicht, dann eben lachen.
sondern eben etwas zarter besaitet, Wenn mal etwas nicht ganz so klappt,
eventuell mit einem Gewissen be- wie man sich es vorgestellt hat – dalastet, nachdenklich oder grüblerisch. von wird man noch lange nicht zum
Und was soll das Ganze über- Loser.
judit
haupt? Ist denn das Leben ein einzi-
Der Verlag Magyar Hivatalos Közlönykiadó eröffnete im
September 2005 sein Zentrum für juristischen Service
und Informationen, das landesweit einzige Büro, in dem
alle – auch Interessenten, die über keinen
Internetzugang verfügen – kostenlos Zugriff auf die
geltenden Gesetze haben.
Nötigenfalls bekommt bei uns auch der juristische Laie
sachverständige Hilfe bei der Suche in den Amtlichen
Rechtsverordnungen und den EU-Rechtsverordnungen.
Darüber hinaus kann er in einer angenehmen
Umgebung viele andere Dienstleistungen
(Amtsblattgeschäft, Internetcafé, CD-Brennen, Leseecke
usw.) in Anspruch nehmen.
Loser
16
WIR EMPFEHLEN
NZ 44/2006
Fortbildungsmöglichkeit für
Grundschullehrer/innen
Budapest, VI., Lendvay u. 22.
„Ihr Männer auf, jetzt ruft die Zeit“: Deutsche
Texte aus Ungarn zur Revolution und zum
Freiheitskampf 1848/1849.
Buchvorstellung
8. November, 18.00 Uhr
Präsentation: Mária Rózsa
Moderation: András F. Balogh (ELTE Budapest)
„Ihr Männer auf, jetzt ruft die Zeit“ Deutsche Texte aus Ungarn zur Revolution und zum Freiheitskampf 1848/1849. Auswahl, Einleitung und
Nachwort von Mária Rózsa. Herausgegeben von András F. Balogh und
László Tarnói. Budapest: Argumentum 2006 (= Deutschsprachige Texte
aus Ungarn 5).
Maria Rózsa beschäftigt sich seit zwei Jahrzehnten mit der deutschen
Presse aus Ungarn und mit den deutsch-ungarischen Literaturbeziehungen. In ihrem neuesten Buch präsentiert sie die bedeutendsten deutschsprachigen Zeitungsartikel und Flugblätter aus den Revolutionsjahren.
Diese Texte öffneten dem deutschen Leserpublikum die Bestrebungen
der Revolution, die Maria Rózsa mit großer Kennerschaft analysierte.
Die Buchpräsentation wird von András F. Balogh geleitet, der als Germanist an der ELTE Universität in Budapest und in Klausenburg tätig
ist.
*
Ungarndeutsche Winzer –
ungarndeutsche Weine
Region Moor
Vortrag mit Weinprobe
13. November, 18.00 Uhr
Element der Gelöstheit, des Spielerischen und der selbstvergessenen Heiterkeit. Die Rede ist vom Wein. Wenn der Wein in den Fässern reift, ist es
wieder Zeit für die Reihe „Ungarndeutsche Winzer – ungarndeutsche
Weine“. Diesmal wird die Weinregion Moor im Komitat Weißenburg vorgestellt. Dieses Weingebiet, bereits zur Römerzeit als solches bekannt, erfuhr nach der Ansiedlung der Deutschen einen starken Entwicklungsschub.
Katalin Tálos vom Verein der „Weinliebenden Frauen“ stellt die Region Moor und ihren Weinbau näher vor. Sie wird von ihrem Vater Tamás Tálos, dem Großmeister des Weinordens heiliger Lorenz von Brindisi, begleitet. Die schwäbische Winzerfamilie Frey, die sich seit 1993
mit der Weinproduktion beschäftigt, serviert dazu einen passenden Tropfen – darunter den berühmten Moorer Tausendgut; ein Wein, der der Legende nach für die männlichen Nachkommen sorgte.
Die Reihe „Ungarndeutsche Winzer – ungarndeutsche Weine“ wurde
im vergangenen Jahr ins Leben gerufen. Ziel dieser Veranstaltung ist es,
Winzern der deutschen Minderheit in Ungarn ein Forum zu geben und
zugleich verschiedene Regionen und ihren Weinbau vorzustellen. In der
ersten Folge der Reihe wurde die südungarische Weißweinstraße präsentiert.
Die Veranstaltungen werden vom Institut für Auslandsbeziehung (ifa)
sowie von der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) gefördert und finden in deutscher Sprache statt.
*
Für weitere Informationen steht Ihnen gerne das ifa-Büro im Haus der
Ungarndeutschen telefonisch unter (1) 269 1081 oder
per E-Mail: hdu-info@zentrum.hu zur Verfügung. Die Veranstaltungen
des HdU sind auch unter www.zentrum.hu/hdu einzusehen.
Die Eötvös-József-Hochschule Baja bietet an:
eine Fortbildung für deutschsprachigen Fachunterricht (DFU)
in den Fächern Musik, Sport, Mathematik, Visuelle Erziehung,
Sachunterricht und Technisches Gestalten.
Insgesamt stehen 80 Stunden zur Verfügung, von denen die Hälfte an der
Hochschule unterrichtet, die andere Hälfte mit Hospitationen an deutschen
Schulen abgeleistet wird. Vom 7. bis 12. Januar 2007 ist daher eine Fahrt
nach Melle in Niedersachsen geplant. Es können bis zu 9 Teilnehmer/innen
berücksichtigt werden. Die Fortbildung, d. h. Unterricht und Fahrt nach
Deutschland, ist kostenlos. Das ungarische Bildungsministerium übernimmt die Finanzierung.
Bitte melden Sie sich für die Teilnahme bis zum 17. November 2006 am
Lehrstuhl für Minderheiten- und Fremdsprachen, 6500 Baja, Szegedi út. 2,
Tel. 79-524-624/173 oder schreiben Sie eine E-Mail an: dezsi.dora@ejf.hu
oder manzadelheid@ejf.hu
Ungarndeutscher Kulturabend der Batschka
Der Verband der Deutschen Minderheitenselbstverwaltungen des Komitates Batsch-Kleinkumanien lädt zum Batschkaer Ungarndeutschen Kulturabend ein. Im Rahmen der Veranstaltung wird die Auszeichnung „Für das
Ungarndeutschtum im Komitat Bács-Kiskun“ verliehen.
Zeitpunkt: 11. November (Samstag,) 18 Uhr
Ort: Baja, Ungarndeutsches Bildungszentrum, Aula (Duna-Straße 33)
Festveranstaltungen in Moor
Die Ungarndeutsche Selbstverwaltung Moor und das Haus für Kultur laden
im Rahmen der Festveranstaltungen vom 3. - 19. November zu zahlreichen
Programmen ein. Wir veröffentlichen eine kleine Auswahl:
6. 11. um 17.00 Uhr: Ausstellungseröffnung „Eine Geschichte der alltäglichen Stationen“ von Josef Bauhoffer im Schloß Lamberg. Eröffnungsrede: Franz Erdei, Vizevorsitzender der LdU. Die Ausstellung
ist bis 18. November während der Öffnungszeit des Hauses für Kultur zu besichtigen.
9. 11. um 18.00 Uhr: Theatercafé der zwanziger Jahre; Aufführung der
DBU Szekszárd; Ort: Kulturhaus
11. 11. um 19.00 Uhr: Martinsball mit der UnterRock-Kapelle. Mitwirkende: Tanzgruppe Rosmarein; Ort: Kulturhaus
14. 11. um 17.00 Uhr: Festsitzung der Ungarndeutschen Selbstverwaltung
Moor; Ort: Bürgermeisteramt der Stadt Moor
15. 11. um 13.00 Uhr: Kulturprogramm des Nationalitätenklassenzuges anläßlich des Martinstages; Ort: Táncsics-Gymnasium
17. 11. um 17.00 Uhr: Jugendkonzert der Schüler der Musikschule M.
Pászti; Ort: Musikschule
18. 11. um 18.00 Uhr: Einstufungs- und Jubiläumskonzert der Moorer Jugendblaskapelle; Ort: Freizeitzentrum A. Wekerle
Schiller-Tage in Werischwar
Im Rahmen der „Schiller-Tage“ am 16. und 17. November im Deutschen
Nationalitätengymnasium und der Wirschafts-Fachmittelschule in Werischwar wird die Einrichtrung den Namen des berühmten deutschen Dichters
Friedrich Schiller annehmen. Schirmherr der Veranstaltungsreihe ist Prof.
Dr. Karl Manherz, Fachstaatssekretär für Hochschulwesen und Wissenschaft.
Programm
Donnerstag, 16. November:
Nationalitätentag mit kreativen Gruppenbeschäftigungen; Fußballwettkampf für Grundschulen; Jakob-Bleyer-Sprachwettbewerb für Grundschulschüler/innen; Namensgebungsfeier unter Mitwirkung des Schulchors.
Freitag, 17. November
Ausstellung über das Bauprojekt der Schule; Namensgebungsfeier;
Klassisches Konzert des Symphonieorchesters Ventoscala, Dirigentin: Ilona
Meskó.
Deutscher Kulturtag in Szegedin
Am 14. November (Dienstag) um 17.00 Uhr findet in gemeinsamer Organisation des Vereins der Ungarndeutschen im Komitat Tschongrad und der
Deutschen Selbstverwaltung in Szegedin im Haus der Nationalitäten ein
Deutscher Kulturtag statt. Szeged, Osztróvszky u. 6,
Tel.: (62) 424-248, 424-249, 547-966/fax, Web: www.minority-szeged.hu,
E-Mail: minority@axelero.hu. minority@t-online.hu
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