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Den Islam zu verlassen, ist wie das Überschreiten einer - hmk-aem

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EDU-Standpunkt, März 2014, S. 11
Ägypten: Auch mit der neuen Verfassung wird die
Religionsfreiheit nicht garantiert
Den Islam zu verlassen, ist wie
das Überschreiten einer roten Linie
Zweifelsohne haben die modernen
Medien wie Satellitenfernsehen, Internet,
iPhones sowie die sozialen Medien wie
z. B. Facebook einen grossen Anteil an dieser Entwicklung, ist es doch Millionen von
Muslimen heute möglich, einschlägige
Fernsehsendungen zu verfolgen, in denen auch der Islam diskutiert und Fragen
gestellt werden können. Für viele wurden
diese Sendungen zum Augenöffner hin zu
neuen Perspektiven. Während sich einerseits viele vom Islam abwenden und heute
als Atheisten gelten, nimmt andererseits
das Interesse am christlichen Glauben
markant zu und eine namenlose Schar
Muslime kommt zum Glauben an Jesus
Christus! – Kafir, vom Glauben Abgefallene, sind sie aus Sicht des Islam alle beide.
Kalifat
Nicht wenige haben sich gerade wegen
der zunehmenden Islamisierung durch
die Muslimbrüder vom Islam abgewandt.
Obwohl Präsident Mohammed Mursi bei
seinem Amtsantritt im Juni 2012 versprach, auf die Minderheiten Rücksicht zu
nehmen und ein Präsident aller Ägypter
zu sein, wurde bald klar, dass die Muslimbrüder eine eigene Agenda verfolgten.
Während der Tourismus darniederlag und
die Wirtschaft ins Stottern kam, schusterten die Muslimbrüder eilends eine auf den
Grundsätzen der Scharia basierende Verfassung zusammen, die sie im Schnellverfahren durchwinken lassen wollten. Anstatt sich für Arbeitsplätze, Schulbildung
der Kinder und die Sicherheit des Landes
einzusetzen, verkrachten sich die Muslimbrüder mit langfristigen Partnern, so dass
die internationalen Beziehungen kippten.
Gleichzeitig wurde die Sinai-Halbinsel
zum Eldorado für Extremisten und die
Hamas hoch offiziell mit Waffen unterstützt. Einmal mehr zeigte sich, dass das
eigentliche Ziel der Muslimbrüder nicht
das Regieren eines Landes ist, sondern das
Errichten eines Kalifats.
Kurskorrektur
Weltoffene Menschen, und dazu gehört
wohl auch der von Mursi als General eingesetzte Abdel Fattah al-Sisi, begannen zu
realisieren, dass dies eine schlechte Entwicklung war. Er teilte die Auffassung der
demonstrierenden 20 – 30 Mio. Menschen
auf den Strassen und konnte das Land im
letzten Moment vor dem Versinken in
Chaos, Gewalt und Anarchie bewahren.
Er stürzte Mursi nicht um Präsident zu
werden, sondern sein Auftrag war, dem
Willen des Volkes zu entsprechen und
das Land vor dem Untergang zu retten.
Trotzdem ist bis dato noch nicht sicher,
ob er der Versuchung durch Machtgelüste
widerstehen kann und nicht doch für das
Präsidentenamt kandidieren wird.
Kopten
Während des Sturzes von Präsident Mursi
im Sommer 2013 kam es zu einer unheimlichen Welle der Gewalt, die sich über
die Christen entlud. Dutzende Kirchen
wurden in Brand gesteckt (wir berichteten
in Ausgabe 09 – 2013) doch die Christen
äusserten sich meist versöhnend und
vergebend zu diesen Ereignissen. An
mehreren Kirchen war zu lesen: wir
vergeben euch trotzdem! Auch in den Medien wurde das absorbierende Verhalten
der Christen gegenüber der Gewalt thematisiert. Hätten die Christen gleich reagiert
wie die Muslimbrüder, so hätte es einen
Bürgerkrieg gegeben.
Kultur
Auch in Ägypten gibt es Namenschristen,
welche zu Jesus gar keinen Bezug haben,
sie sind weder Kirchgänger noch gläubig,
sondern kulturell als Christen geboren.
Doch auch unter ihnen gibt es grosse Aufbrüche!
Bild: hmk
Obwohl oder gerade weil Ägypten eines
der religiösesten Länder der Welt ist, ist es
im Land am Nil sehr schwierig, Muslime
mit dem Evangelium zu erreichen. Über
die Jahrhunderte haben sich so etwas wie
Parallelkulturen entwickelt, einerseits die
muslimische, andererseits die christliche
Bevölkerungsschicht, dazwischen gibt es
nicht viele Berührungspunkte. Namen,
Grussformen, Kleidung oder Kultursymbole lassen blitzschnell erkennen, ob es
sich um einen Muslim oder einen Christen
handelt. Solange beide Gruppen unter sich
leben, ist das in Ordnung. Bislang stand es
unter Strafe, Muslime zu evangelisieren.
Unter Mubarak galten konvertierte Muslime als Bedrohung der Staatssicherheit.
Konvertiten
Entscheidet sich ein Muslim für Jesus
Christus, so verliert er sein gesellschaftliches Umfeld, denn auf dem Niveau der
Gesellschaft bleibt die Verfolgung wegen
des Ehrenkodexes; da reagiert die Familie. Wird er von zu Hause verstossen, verliert er auch den Arbeitsplatz. Ein grosses
Problem ist auch die Identitätskarte, denn
ab der Geburt ist die Religionszugehörigkeit darin vermerkt.
«Die neue Verfassung anerkennt die historische und kulturelle Bedeutung des
Christentums. Ist jemand als Muslim oder
Christ geboren, so kann er seinen Glauben
frei praktizieren – er ist aber weiterhin
nicht frei, die Religion zu wechseln, d. h.
von einer anderen Religion zum Islam
zu übertreten, ist weiterhin sehr einfach
und erwünscht, doch umgekehrt hört
die Freiheit auf. Es handelt sich um die
berühmte rote Linie, von der auch Mark A.
Gabriel, der wohl bekannteste ägyptische
Konvertit, spricht.
Eveline Rytz
(Dieser Artikel entstand aus einem Gespräch
mit dem Projektleiter Nordafrika der HMK,
siehe auch beiliegende Leseprobe «verfolgt»).
EDU-Standpunkt – März 2014
Im Zuge der revolutionären
Unruhen, die in Tunesien
ihren Anfang nahmen,
wurde vor gut drei Jahren
nebst anderen nordafrikanischen Staaten auch
Ägypten von Umwälzungen
erfasst, welche als Arabischer Frühling in die
Geschichte eingehen und
als historische Zäsur
bezeichnet werden.
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Seele and Geist
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