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Innen wie Außen – Das neue innerräumliche - ebn24.de

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1 Sanierung –
Schwarzwaldhalle
Baiersbronn
Renovation –
Schwarzwaldhalle
Baiersbronn
Innenarchitektur
102
Innen wie Außen –
Das neue innerräumliche Qualitätsbewusstsein
Interior and exterior –
The new quality awareness of interior spaces
Von
Prof. Rudolf Schricker
In Baden-Württemberg ist eine der
Wie­­gen moderner Innenarchitektur zu
konstatieren. Beinahe schon legendär ist
der Studiengang Innenarchitektur an
der Staatlichen Akademie der Bilden­­
den Künste am Stuttgarter Weißenhof
in den siebziger und achtziger Jahren.
Seit­dem ist Innenarchitektur in Deutsch­
­land zum Markenzeichen geworden und
die aktuelle Diskussion um Qualität und
Dif­­ferenzierung zur Architektur findet
die Wurzeln nach wie vor in der „Stutt­
gar­ter Schule“.
Aus dem bewährten Blickwinkel der Ins­
titutionen scheint seit Jahren alles klar:
Architekten planen und bauen Gebäude,
meist planen und bauen sie das Innere
gleich mit. Innenarchitekten sind auch
Architekten, allerdings spezialisiert auf
dieses Innere, und in ihrem interdisziplinär und synergetisch angelegten Be­­
rufsverständnis stets auf der Suche nach
Partnern. Diese feine Differen­zie­rung der
Kompetenzen ist den meisten Men­schen
nicht geläufig und hat zu Vorurteilen
und Komplexen geführt. Es ist eben an­­
ders als in der Medizin, wo Allge­mein­
mediziner ganz selbstverständlich zu
Internisten überweisen und die Ge­­sund­
heit der Menschen arbeitsteilig gewährleistet wird.
Erst jüngst – der Verbraucherschutz und
die Bedürfnisformulierung mündiger
Bür­­ger in einer freien Gesellschaft stehen hoch im Kurs – verlangen Menschen
nach Qualitätskriterien von beruflichen
Dienstleistungen, die mit den an­­spruchs­
vollen Erwartungen der Aufgeklärten
kom­­patibel sind. Die Frage nach Kom­
petenzen stellen mit einem Mal andere, und in eine völlig neue Richtung.
Investoren wollen den „Mehrwert“ eines
Bauprojektes, das stets auch ein Raum­
objekt ist, rechtzeitig erkennen. Pro­
jekt­entwickler leben zunehmend von
inhaltlichen Visionen, weniger von den
Ge­­­­­bäu­destrukturen und Konstruktionen.
Bau­herren fragen nach der „Botschaft“
– Corporate Architecture ist nur noch
eine Unterform von Corporate Identity.
Wer man ist und was man ausdrücken
will, sind keine reinen Architekturfra­
gen. Zahlreiche Bauherren verbinden
mit den Renditevorstellungen ihrer In­­
ves­ti­tionen die Erwartung, in diesen Ge­­­­
bäud­­en Identifikation, Motivation, In­­for­
­­mation zu vermitteln – und das mit
einem Höchst­maß an Glaub­würdig­keit
und Au­­then­ti­zität.
Die Erschöpfung der Neubautätigkeit bei
gleichzeitiger Sanierungs- und Moder­
nisierungseuphorie bestehender alter
Bausubstanz zeigt Wirkung: Der Fokus
der allgemeinen Aufmerksamkeit verlagert sich spürbar in das Innere. Jetzt
wird plötzlich jedem klar: Das Innere der
Architektur ist zu komplex, zu vielseitig,
zu interessant, zu abwechselungsreich,
letztlich zu verantwortungsbewusst, um
es verkürzt in einem allgemeinen Be­­
griff ausdrücken und au­­to­matisch als
Verlängerung der Hoch­bauaufgaben sub­
­sumieren zu können. Das Innere von
Architektur gewinnt Qua­lität und Be­­deu­
tung nicht mehr allein durch die be­­
währten Instrumente Konstruktion und
Ästhetik, vielmehr wird deutlich, dass
es die Menschen sind, die in ihrer Re­­
lation zum Innenraum und dessen Ein­
­richtung eben diese Qualität und diese
Bedeutung individuell fordern und er­­
wartungsfroh definieren.
Die Innenräume werden wieder verstärkt
von innen heraus konzipiert, geplant
und realisiert, und sie sind nicht mehr
automatisch Konsequenz einer architek­
tonischen Idee. Das Innere reflektier­t
zunehmend die Konfliktsituation, in die
Menschen das Phänomen „Zeit“ in
Rela­tion zum Aufenthaltsort „Raum“ stel­
­len und damit an ihrem eigenen Leben
messen. Das Innere wird Begleiter und
Erlebnis, temporär und permanent. Die
architektonische Dimension der Ewig­
keit verliert in der alltäglichen Vergäng­
lichkeit des individuellen Erlebens rasch
an Bedeutung. Das Innere ist gleichbedeutend mit „Leben jetzt!“. Eine neue
Form räumlichen Bewusstseins entsteht:
lebendige Menschen im Raum. Leben­
digkeit als innenräumliches Phä­no­men.
Zeitgemäße Innenarchitektur definiert
soziale Verantwortung neu: An Körper
und Geist angeschlagene Menschen be­­­
nötigen Räume, die ihnen helfen, ge­­sund
zu werden. Junge Menschen sind auf
Räume angewiesen, in denen sie sich
entfalten können. Alte Menschen brauchen dringend eine Raumkultur der po­­
sitiven Erinnerungen, um in Würde in
Räumen steinalt zu werden. Das Innere
zeichnet auch verantwortlich für das
Interior Design
103
1
One of the cradles of modern interior
design can be found in Baden-Würt­
tem­­berg. The degree course of interior
de­­sign at the Staatliche Akademie der
Bildenden Künste am Stuttgarter Weiß­
enhof (State Academy of Art and De­­
sign Stuttgart) in the 70s and 80s is
al­­most legendary. Since then, interior
design has been a German trademark and
the current discussion about quality and
its differentiation from architecture still
finds its roots in the “Stuttgarter Schu­
le” (style of architecture).
From the established perspective of the
institutions, everything seems to be clear:
Architects plan and construct buildings
and in most cases they also plan and
construct the interior. Interior designers are also architects, but they are
specialized in this interior and, according to their interdisciplinary and synergetic view of their profession, always in
search of partners. Most people do not
know this fine differentiation of competencies and this led to prejudices and
complexes. It is different from medicine, where general practitioners refer
patients to an internist as a matter of
course and where the health of people
is ensured by the division of labour.
Only recently – consumer protection
and the formulation of needs of mature
citizens in a free society are very popular – have people been asking for quality aspects of professional services which
are compatible with their de­­manding
expectations. The question about competencies is suddenly asked by other
persons and it goes in an absolutely new
direction.
Investors want to know early enough
the “added value” of a construction pro­­
ject, which is always also an object with
rooms. Project developers increasingly
live on visions as regards the interior
and less on building structures and
constructions. Principals ask for the
“message” – corporate architecture is
only a subform of corporate identity.
Who you are and what you want to ex­­
press are no pure architectural questions. Many principals associate with the
net yield conceptions of their investments the expectation to provide identification, motivation and information
with these buildings – and this with a
maximum of credibility and authenticity.
Today, interior spaces are largely de­­
sign­ed, planned and realized from an in­­
ternal perspective and they are not the
automatic consequence of an architectural idea. The interior increasingly re­­
flects the conflict situation in which
people relate the phenomenon “time”
to the place of living “space” and compare it with their own lives. The interior
turns into a companion and an experience, temporarily and permanently.
The architectural dimension of eternity
quickly becomes less important in the
everyday transitoriness of individual
experience. The interior is equivalent to
“living now!” A new form of spatial a­­­
wareness is developing: lively people in
a space. Liveliness as a phenomenon
of interior spaces.
The decreasing construction of new
buildings and the concurrent renovation and modernization euphoria of
existing, old structures is effective: The
focus of general attention noticeably
shifts to the interior. Suddenly every­
body realizes: The interior of architecture
is too complex, too multi-faceted, too
interesting, too diversified and finally
too responsible and it cannot be ex­­
pressed by a general term and automa­
tically included in building construction. The interior of architecture gains
quality and meaning not alone due to
proven instruments like construction
and aesthetics. It becomes rather clear
that the people individually ask for and
define just this quality and this meaning in their relation to the interior space
and its furnishing.
Contemporary interior design redefines
social responsibility: Physically and psy­­
chi­cally troubled people need spaces
that contribute to their recovery. Young
people require rooms in which they can
develop. Old people urgently need a
room culture that reflects positive me­­m­­
ories in order to grow old in these
rooms with dignity. The interior is also
responsible for the successful living
together of people; it supports their mo­­
tivation at work and in their spare time;
it generates joy and happiness and in
the end, it leads to the meaning of all
this.
Motivated principals demand to abandon the resentments between the disciplines. In our society it is necessary
to jointly master the increased expec-
Innenarchitektur
104
2
Funktionieren des Zusammenlebens von
Menschen; fördert deren Leistungs­be­
reitschaft bei der Arbeit und in der Frei­
zeit; generiert Freude und Spaß und
führt letztlich zum Sinn von allem.
Die motivierten Auftraggeber fordern ei­­
ne Abkehr der Ressentiments zwischen
den Disziplinen. Gesellschaftlich ist es
dringend geboten, den gestiegenen Er­­
wartungen und Anforderungen gemeinsam zu begegnen, indem Synergien ge­­
sucht und gefunden werden. Es geht
nicht mehr um Kompetenz­beschnei­
dung, vielmehr steht Kompetenz­steige­
rung durch Kooperation im Vordergrund.
Die Zahl der Hochbauarchitekten in
Deutschland liegt weit im sechsstelligen Bereich; dagegen erscheint die vier­
stellige Zahl der Innenarchitekten denk­
bar gering und für Architekten keinesfalls bedrohlich. Allerdings basiert die
Kompetenz der Spezialisten für das In­­
nere qualitativ besonders auf den Ge­­
bieten Gestalttherapie, Gestaltungs­psy­
chologie, Gestaltungssoziologie und un­­­
termauert das dezidierte Wissen um
Medien im Raum, Wirkung des medialen Raumes und Raumbedeutung in
der individuellen Interpretation ebenso
wie die klassischen Anwendungs­berei­
che Licht- und Klangtechnik, Ausbau­
kons­truktionen und funktionale As­­pekte.
Die Divergenzen zwischen innen und
außen sind bislang viel zu sehr hoch­
gespielt worden, wohl auch, um verdeckt bestimmte Interessen zu bedie-
nen. Die Konvergenzen, die es ja auch
gibt, und die in Zukunft Beispiele von
sinnvoller Kooperation für die nächste
Generation darstellen können, werden
immer noch zu wenig beachtet. Dabei
ist das Kooperationsmodell „ArchitektIn­­nenarchitekt“ schon lange ein Er­­
folgsmodell. Nahezu jedes große und
er­­folgrei­che Architekturbüro hat einen
um­­fangreichen Stab an qualifizierten
Mit­­­arbeitern, die sich um die In­­nen­
architektur kümmern, meist auch schon
vor dem Hintergrund der differenzierten Spezialfelder Licht, Akustik, Medien,
Klima, Einrichtung und Aus­stattung. Es
gibt die erfolgreichen Part­nerschaften
zwischen Architekten und Innenarchitek­
ten in Koexistenz.
Die Komplexität des Planens und Ge­­
staltens verändert sich von der reinen
Baukompliziertheit hin zur nicht minder komplizierten Welt des Innen­rau­
mes, oder vielmehr der Komplexität der
Mensch-Raum-Relationen. Diese wiede­r­
um weiten das Gestaltungsspektrum von
der baulichen Realität bis hin zu Aus­
stattung und Einrichtung, die häufig
mobil und veränderbar über ein hohes
Maß an Designqualität verfügen. Archi­
tektur, Innenarchitektur und Design ver­
einen sich unter der Prämisse „Ge­­stal­
ten für Menschen im Raum“. Diese ge­­­
sellschaftlichen Herausforderungen sind
nur noch gemeinsam und frei von Hier­
archien zu bewältigen. Innen und au­­ßen
auf gleicher Augenhöhe behandelt, hat
den zufriedenen, oft auch begeisterten
Auftraggeber zur Folge. Dieser be­­kommt
heu­­te mehr als nur ein „richtiges“
Gebäude, mehr als nur einen „schö­­nen“
Raum. Er kann vielmehr eine richtig
„gute“ In­­nen­­architektur erwarten, und
zwar im physischen, psychischen und
sozialen Sinne.
Die Aktualität gängiger Planungspraxis
zeugt von neuer Kollegialität und von
vernünftigem Umgang miteinander. Drei
angeführte Beispiele dokumentieren
stell­­vertretend die erfolgreiche Ko­­ope­
ration Architekt/Innenarchitekt: zu­­nächst
der Neubau des Kommunika­tions­zent­
rums WMF AG in Geislingen/Steige. Wolf­
gang Vögele, renommierter Entwurfs­ar­
chitekt in Stuttgart, ist von der Syn­the­se
„Gebäude von außen und von in­­nen erleben“ überzeugt: „Die Zusammen­arbeit
mit einem Innenarchitekten von Anfang
an, bereits im Wettbewerb­ssta­dium, hat
letztlich zum Wettbe­werbs­erfolg ge­­führt.
Die Synthese von Cor­porate Architecture
und Corporate Iden­tity ist gelungen, weil
äußerer und innerer Aus­druck synchron
wirken und Hochbau, Licht-, Klang-,
Medien- und Erlebnisar­chitektur keinen
Widerspruch erkennen lassen“. Gus­tav
Bund, Leiter der Fabrikplanung der
WMF AG, er­­gänzt: „Als Bauherr hat die
WMF AG aus der Zusammenarbeit zwischen Ar­­chitekten und Innenarchitekten
nur profitiert, da das neue Kom­­muni­­ka­
tions­­zent­rum nicht nur architektonisch,
son­­dern auch durch den Ge­­stal­tungs­­
an­spruch und durch die Vielfalt der
Aus­drucks­­mög­lichkeiten im Inneren
105
3 + 4 Neues Wohngefühl im
Seniorenwohnheim
Evangelisches Stift
Freiburg
New ambiance in
the senior residence
Evangelisches Stift
Freiburg
3
same level results in a satisfied and
often enthusiastic principal. Today, he
receives more than only a “real” building, more than a “nice” room. He may
expect real “good” interior design, in a
physical, psychical and social context.
4
tations and requirements by searching
and finding synergies. It is not about
the curtailment of competencies; the
in­­cre­ase of competencies by means of
co­­operation is in the fore. The number
of architects in Germany amounts to a
six-digit figure; in contrast, the four-di­g­
it number of interior designers seems
to be very low and it does not pose a
thread to architects. However, the competence of the experts for the interior
is qualitatively based on the fields of de­­
sign therapy, design psychology, design
sociology and it supports the specific
knowledge about media in space, the
effects of multimedia space and the
meaning of space within an individual
interpretation as well as the classic fields
of application like light and sound technology, interior construction and functional aspects.
So far, the divergences between the in­­
terior and the exterior have been exaggerated, probably to serve certain in­­
terests. The convergences, which actually exist and which could be examples
of a reasonable cooperation for the next
generation, still do not find enough attention. However, the cooperation model
“architect – interior designer” has been
a successful model for a long time.
From the viewpoint of the differentiated special fields like light, acoustics,
media, climate, fur­nish­ing and equipment, almost each large and successful architectural office offers a wide
range of qualified employees who are
responsible for interior design. There
are suc­cess­ful partnerships between
architects and interior designers in
coexistence.
The complexity of planning and designing changes from the pure complexity
of construction to a world of the interior, which is not less complicated, or
rather to the complexity of the relations between human being and space.
They extend the design spectrum ranging from constructional reality to the
equipment and furnishing, which are
often mobile and changeable and have
a high degree of design quality. Ar­­chi­
tecture, interior design and design
joint­ly form the premise “designing for
people within the space”. These social
challenges can only be met together
and without any hierarchies. The treatment of the interior and exterior on a
The current practice of planning displays a new colleagueship and reasonable cooperation. The three following
examples document the successful co­­
operation between architects and interior designers: firstly, the new construction of the communication centre
of the WMF AG in Geislingen/Steige.
Wolfang Vögele, renowned design architect in Stuttgart, is convinced of the
synthesis “experience buildings from the
exterior and the interior”: “Thanks to
the cooperation with an interior designer right from the start, already in the
competition stage, we could finally win
the competition. The synthesis of corporate architecture and corporate identity was successful because of the fact
that exterior and interior expression
have a synchronous effect, and structural engineering, light, sound, media
and event architecture are no contradiction.” Gustav Bund, project manager
of the factory planning for the WMF
AG, adds: “As principal, the WMF AG
could only profit from the cooperation
between architects and interior designers as the new communication centre
is not only convincing thanks to its
architecture but also thanks to its claim
to design and to the various forms of
expression in the interior. It completely
supports the company philosophy”.
Interior Design
2 Alt und Neu:
Schwarzwaldhalle Baiersbronn
Old and new:
Schwarzwaldhalle Baiersbronn
Innenarchitektur
106
5
über­­zeugt und die Unterneh­mensphi­lo­
so­phie voll un­­ter­­stützt“.
Die Sanierung und Modernisierung der
Schwarzwaldhalle in Baiersbronn zu
einem modernen und zukunftssicheres
Ver­an­staltungszentrum ist unter anderem
des­­halb gelungen, weil bauliche Belan­ge
und innovative technische Möglichkeiten
der digitalen und medialen Gestal­tungs­
welt partnerschaftlich entwickelt werden konnten. Die Moderation innenarchitektonischer Aspekte und denkmalgeschützter Vorgaben macht mit einem
Innenarchitekten, der die gleiche Spra­
che spricht und argumentsicher in
Licht-, Klang- und Mediendesign ist, sehr
viel Freude. Wobei die Ver­ant­wort­lichen
der Gemeinde und vor allem Mar­ketingund Tourismusexperten konstatieren:
Die Sanierung der Schwarz­wald­halle ist
voll und ganz gelungen; heute verfügt
die Gemeinde über moderne und flexible Veranstaltungsräume, die den
Herausforderungen eines zeitgemäßen
Kulturbetriebes Rechnung tragen. Ein
Glücksfall für die Gemeinde: Erfahrene
Architekten im Bauamt und versierte
6
Innenarchitekten wirken Seit an Seit.
Etwas Besseres konnte den Beteiligten
gar nicht passieren. Das Ergebnis sorgt
für Imagegewinn, Mehrwert und Nach­
haltigkeit.
Die Erweiterung des Seniorenheims
„Müns­terblick“ des Evangelischen Stifts
in Freiburg ist ein weiterer Beleg für die
sehr fruchtbare Zusammenarbeit aller
am Bau Beteiligten. Das Architekturbüro
Bauer und Kanzler in der Rolle des Mo­­
derators, das Planungsatelier Schri­cker
als Inspirator und Imageentwickler und
die zahlreichen Fachingenieure gewähren das, was Auftraggeber im harten
Wettbewerb um das Vertrauen der älteren Menschen erwarten: Sicherheit, Kom­
fort, Individualität und eine würdige
und wertige Umgebung, die die Be­­dürf­
nisse betagter Menschen berücksichtigt.
Wahrnehmungspsychologie und So­­­zio­
lo­gie vereint mit hoher Designqualität
und Gestaltungsanspruch prämieren die­­­­
ses außergewöhnliche Altenheim­pro­jekt
zur exemplarischen Vorzeige­einrich­tung,
die eher an die Annehmlichkeiten eines
Hotels und einer Topadresse erinnert.
Die Gesellschaft fordert Allianzen. Ar­­
beiten verschiedene Kompetenzen eng
zusammen, profitieren alle Beteiligten.
Das Ganze ist auch hier mehr als die
Addition der Einzelkompetenzen. Der
Mehrwert resultiert aus dieser vertrau­
ensvoll­­­en und von gegenseitiger Wert­
schätzung getragenen Zusammen­­ar­
beit. Unerwähnt bleiben sollte nicht, dass
dieses Ganze und dieser Mehr­wert fragil sind; und dass die Ver­ant­wortlichen
gut daran tun, bislang be­­trächtliche Hür­
den für eine Weitung dieser Kooperation
abzutragen: Notwendig ist eine öffentliche Diskussion über die Qualität von
konzeptioneller, gestalterischer, planerischer Arbeit im Innenraum und die
Bewertung dieser Arbeit. Die Frage „Wel­
chen Wert hat Innenarchitektur für die­
se Gesellschaft?“ sollte möglichst rasch
von Verantwortungsträgern be­­ant­wortet
werden. Ansonsten schafft der Markt
eigene Fakten und Realitäten. Ar­­chi­tek­
tur, Innenarchitektur und Design haben
sich auf die Lösung der Probleme einer
sich entwickelnden Gesellschaft zu konzentrieren, denn sie fordert die entsprechenden Räume.
Interior Design
107
5–7 Hell und großzügig:
Kommunikationszentrum WMF AG,
Geislingen
Light and generous:
communication centre WMF AG,
Geislingen
7
The renovation and modernization of
the Schwarzwaldhalle in Baiersbronn,
which was turned into a modern and
future-proof event centre, were success­
ful because of the fact that constructional tasks and innovative technical so­­
lutions concerning the digital and multimedia world of design could be de­­
veloped in partnership. The realization
of aspects concerning interior design
and specifications in terms of monument protection with an interior designer who speaks the same language and
who is able to cope with light, sound
and media design is a great pleasure.
The responsible persons of the community and particularly marketing and
tourism experts state: The renovation
of the Schwarzwaldhalle was absolu­te­ly
successful. Today, the community has
modern and flexible function rooms that
can cope with the challenges of a contemporary culture life. A stroke of luck
for the community: Experienced ar­­
chitects at the building authorities and
skilled interior designers worked shoulder to shoulder. Nothing better could
happen to the persons involved. The re­­­
sult provides an improved reputation,
added value and sustainability.
The extension of the senior residence
“Münsterblick”, operated by the Evan­
gelisches Stift in Freiburg, is another
proof of a very successful cooperation
of all persons involved in the construc­
t­ion project. The architectural office Bau­
er und Kanzler in the role of the moderator, the Planungsatelier Schricker as
inspiring force and image developer and
numerous specialist engineers guarantee what the principal expects in a se­­
vere competition for the confidence of
older people: safety, comfort, individuality and a dignified and high-quality
environment that considers the needs
of older people.
Psychology of perception and sociology
together with a high design quality and a
claim of validity turn this exceptional
senior residence project into an exemplary institution that rather reminds of a
hotel or an excellent address.
Prof. Rudolf Schricker
Our society asks for alliances. If various experts work closely together, all
persons involved will profit. The whole
is more than the addition of single
com­ponents. The added value results
from the cooperation which is full of
trust and mutual appreciation. However,
the fragile aspects of the whole and
the added value should also be mentioned. And that the responsible persons would be well advised to remove
the obstacles which hinder the further
extension of this cooperation: A public
discussion about the quality of conceptual, creative and planning work in
the interior space and the assessment
of this work is necessary. The question
“Which value has interior design for
our society” should be quickly answered
by the responsible persons. Otherwise
the market will develop its own facts
and realities. Architecture, interior
architecture and design have to concentrate on the solving of problems of
a developing society because it asks
for adequate spaces.
Der Autor hat an der Staatlichen Akademie
der Bildenden Künste in Stuttgart Innen­
archi­tektur und Design studiert. Seit 1984
ist Schricker als In­­nenarchitekt und Designer
freiberuflich in Stuttgart tätig. Ab 1993 an
der Hoch­schule Wismar, Standort Heiligen­
damm, Professor für Design/Innenarchitek­
tur, folgte 2002 die Berufung zum Professor
an der Hochschule Coburg in der Fakultät
Design. Rudolf Schricker ist Präsident des
Bundes Deutscher Innenarchitekten BDIA.
The author studied interior architecture and
design at the Staatliche Akademie der Bil­
denden Künste in Stuttgart. Since 1984 Rudolf
Schricker has been a free-lance interior architect and designer in Stuttgart. In 1993 he
became professor for design/interior design
at the Hochschule Wismar, Heiligendamm
(University of Technology, Business and De­­
sign), since 2002 he has been a professor at
the Hochschule Coburg (University of Applied
Sciences) at the faculty of design. Rudolf
Schricker is the president of the Bund
Deutscher Innenarchitekten BDIA (Union of
German Interior Architects/Designers).
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