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(Spitzen-)Stoffe sind so verführerisch wie das Kino. Zugleich ist

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African
Threads
and Laces
(Spitzen-)Stoffe sind so verführerisch wie das Kino. Zugleich ist unsere Kleidung ein wesentliches Moment der Selbst- und der Fremdwahrnehmung: Die Filmreihe, gezeigt in Kooperation
mit dem Museum für Völkerkunde Wien und anlässlich der aktuellen Ausstellung African Lace.
­Österreichische Stoffe für Nigeria (noch bis 14. Februar 2011), unternimmt den Versuch einer
Rückprojektion. Afrikanische Mode in Dakar, Brüssel, New York – und Lustenau steht auf dem
Spielplan, bis heute besteht ein komplexer kultureller Austausch zwischen Vorarlberg und Nigeria.
In Zusammenarbeit mit dem Museum für Völkerkunde Wien
Es kuratieren Katja Wiederspahn und J. Enoka Ayemba
filmheft # 1
7
FILMSCHAU African Threads And Laces
Film/Stoffe
Von Katja Wiederspahn & J Enoka Ayemba
»African Lace« (»Afrikanische« Spitze) werden die
überaus farbenprächtigen, industriell bestickten
Stoffe genannt, die sich verstärkt seit den 1960erJahren in Nigeria und der nigerianischen Diaspora
weltweit größter Beliebtheit erfreuen. Einen Höhepunkt ihrer Popularität erlebten sie in den 1980erJahren, in Zusammenhang mit dem sogenannten
Ölboom in Nigeria und einer neuen Nachfrage
nach Luxusgütern im Land. Bis heute ist »African
Lace« ein wichtiger Bestandteil der nigerianischen
Mode. Die – gerne teuren – Stoffe werden zu
einem großen Teil in Österreich hergestellt, der
erste industrielle Stickereibetrieb in Lustenau, dem
Zentrum der Herstellung in Österreich, öffnete bereits Ende des 19. Jahrhunderts seine Tore. Heute
besuchen über 800 nigerianische Händlerinnen regelmäßig die Stickereibetriebe in Lustenau, um die
neuesten Kreationen – die Designs werden von den
Betrieben zum Teil in enger Zusammenarbeit mit
den Abnehmerinnen entwickelt – zu bestellen. Österreichische Vertreter der einzelnen Unternehmen
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Jänner/Februar 2011
wiederum reisen mehrmals im Jahr nach Nigeria,
um die neuen Kollektionen vorzustellen.
Dass (Spitzen-)Stoffe dazu verführen, an Filme
zu denken und über Filme nachzudenken, liegt
auf der Hand. Stoff und Film sind nicht nur in
metaphorischem Sinne eng miteinander verwoben
(ohne Film-Stoff kein Film), sondern auch in ganz
materieller Hinsicht: Wie wir Textilien und Filme
wahrnehmen, wie sie unsere Sinne ansprechen.
Auch die Geschichte des Filmmaterials selbst steht
mit der Entwicklung der Textilindustrie in enger
Verbindung; über eine Naturfaser, die in beiden
Industriezweigen Verwendung fand bzw. immer
noch findet: die Baumwolle.
Zugleich ist unsere Kleidung, die Art und Weise,
wie wir uns mit Textilien umgeben, ein wesentlicher Aspekt der Selbst- und der Fremdwahrnehmung, der Selbstinszenierung, aber auch der
Konstruktion und Projektion des vermeintlich
Fremden. »African Lace« ist ein – besonders gutes
– Beispiel für diese notwendige Mehrdeutigkeit
In Kooperation mit
eines jeden Selbstentwurfs – wie auch des Kinos,
der Filme in dieser Reihe. Als ein Motto, das die
ausgewählten Arbeiten lose miteinander verbindet, ließe sich »African Lace in action« nennen:
Welchen Stellenwert nimmt die Kleidung – als
Selbstentwurf, Insignie gesellschaftlicher (Macht-)
Stellung und ökonomischen Reichtums, aber auch
als Sinnbild postkolonialen afrikanischen Selbstbewusstseins ein? In ARUGBA (Tunde Kelani) feiert
die junge Generation Nigerias ihre Lust an den
Sprachen, der Musik und anderen »Traditionen«
des Landes, die sie wiederentdecken und erneuern
zugleich, dafür stehen u. a. auch die Tanzshows in
dem Film. Im Zentrum von XALA (Ousmane Sembène) steht die neue Bourgeoisie, die den Westen,
der von ihr profitieren will, imitiert (auch in der
Kleiderordnung). Man hebt sich ab und trägt statt
der lokalen vorkolonialen Tracht Anzug, Weste
und Krawatte. Und zahlt dafür. Kleider in Bewegung. Mode, Outfit als Politikum, Selbsterfindung,
»Africanness«: In den – auch sehr kostbaren –
Gewändern aus »African Lace« sind die vermeintlichen Gegensätze von Tradition und Moderne auf
das Engste verwoben. In Nigeria der 1970er-Jahren
als europäischer Import vor dem Hintergrund der
Besinnung auf die »afrikanische Wurzeln« scharf
kritisiert (»indigenization policy«), werden diese
Stoffe heute von den gefeierten Couturiers in Lagos als eine Art postmodernes Zitat afrikanischer
Tradition verarbeitet.
Wie lässt sich »Africanness« in Bezug auf Kleidung, Mode, Musik und andere Künste auf
afrikanischen Leinwänden definieren? Lässt sich,
über ein halbes Jahrhundert nach dem Ende der
offiziellen Kolonisierung des afrikanischen Kontinents durch Europa, überhaupt so etwas wie eine
afrikanische »Identität« ohne Europa denken?
Und erkennt sich beispielweise die afrikanische
Diaspora in solchen »afrikanischen« Selbstentwürfen wieder? Wie manifestiert sich »Africanness« im Statement einer (scheinbar nur) äußeren
filmheft # 1
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FILMSCHAU African Threads And Laces
Me broni ba, Ghana/US 2009
Erscheinung in den USA der 1960er-Jahre, etwa
im »Black Is Beautiful« der BLACK PANTHERS
(Agnès Varda), in der Avantgarde Schwarzer
Haarmode Ende der 1990er im US-amerikanischen
Detroit (HOT IRONS, Andrew Dosunmu), den
Dragperformances in den New Yorker Ballrooms
(PARIS IS BURNING, Jennie Livingston) oder
SAPE-Shows aus Kinshasa und Brüssel in GHETTO MILLIONAIRES (Gilles Remiche)? Zina SaroWiwa fragt in THIS IS MY AFRICA: »Schließe
Deine Augen und denk an Afrika. Was siehst Du?«
Die Filme der Reihe geben viele, sehr verschiedene Antworten. Die Filmreihe behandelt jedoch
nicht nur die »Laces« (Spitzen), sondern auch die
»Threads« (Fäden) – und auch dies nicht nur in
metaphorischer Weise.
Die Auftragsarbeit FÜR DIE MODE DER WELT
(Robert Polak) zeichnet die »Erfolgstory« der
Vorarlberger Stickerei-Industrie nach. Neben
Nigeria bedient sie viele andere Länder aller Kontinente. In MAMA BENZ (Karin Junger) geht es
um die lange Geschichte von Vlisco, dem größten
niederländischen Textilproduzenten und Exporteur
der berühmten »Waxprints« (Wachsdruckstoffe):
Die Textilien bzw. textile Drucktechnik wurde
ursprünglich aus Indonesien importiert, die Stoffe
sind bis heute in weiten Teilen Westafrikas sehr,
sehr populär. Die Filmemacherin verfolgt die Marketingstrategie des Unternehmens bei der Installation einer neuen Filiale in Burkina Faso. Es wird
deutlich, wie in den Büros des niederländischen
Mutterkonzerns pseudo-afrikanische Ideale
konstruiert werden. – Dass die Vereinnahmung
oder Aneignung von Kulturgütern oder kulturellen
Praktiken in einer historisch segregierten Gesellschaft notwendig an ihre Grenzen stößt, macht
der Film BLACKING UP: HIP-HOP’S REMIX OF
RACE AND IDENTITY (Robert Clift) deutlich.
Von Schwarzen Künstlern in den 1970er-Jahren
ge- und erfunden, später als politisches Ventil von
der Schwarzen Jugend entdeckt, zum Lebens- und
Kleidungsstil geworden, ist Hip-Hop zunehmend
auch ein Magnet für viele weiße Jugendliche. Dies
führt u. a. zu zunächst unüberbrückbaren Mißverständnissen, deren Wurzeln in uralten, oft aufgewärmten Klischees und Stereotypen zu finden sind.
Ben Diogaye Beye zeigt ironisch in LES PRINCES
NOIRS DE SAINT-GERMAIN-DES-PRÈS, wie
diese Klischees auf vergnügliche Weise nutzbar
gemacht werden können.
filmheft # 1
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Programm
1
Eröffnung 10.1.2010
Freier Eintritt. U.a.w.g: 216 13 00-112
oder reservierung@filmarchiv.at
Einführung von Katja Wiederspahn
MO 10.1., 19:00 | SA 22.1., 18:30
in die Vorarl­bergische Tracht Eingang fanden. Dazu
Für die Mode der Welt. Vorarlberger
werden in der guten Stube Stickereilieder gesungen.
Stickerei
Verrucht er­scheint dagegen die 1960er-Modeschau,
OF, 28 Minuten auf der der letzte Schrei an Stickerei aus Vorarlberg
A 1970
REGIE Robert Polak KAMERA Thomas Horvath SCHNITT Theodor
Friedrich
Mama Benz and the Taste of Money
OF mit engl. UT, 78 Minuten
NL 2002
REGIE Karin Junger KAMERA Adri Schrover SCHNITT Maaik
Krijgsman MIT Henk Bremer, Alice Gouba, Madame Pauline Ilboudo,
Kouénon Kamidjigha, Eric Loko, Fabrice Ruiz
FÜR DIE MODE DER WELT ist ein kurzer Dokumentarfilm über die Geschichte der Vorarlberger Stickerei-Industrie. In ethnografischen Bildern werden
frühe Stickereitechnik und -ornamentik vorgestellt,
die, ur­sprünglich aus der Türkei, über die Schweiz
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Jänner/Februar 2011
präsentiert wird.
MAMA BENZ AND THE TASTE OF MONEY: Neben African Lace sind sogenannte Waxprints bis heute in
Westafrika als »traditionell« afrikanische Stoffe überaus populär. Der Film dokumentiert die Firmenstrategie und Expansion des weltweit größten WaxprintHerstellers, der niederländischen Vlisco Wax: Vlisco
ist im Begriff, sich mit einem eigenen Großhandel
in Burkina Faso niederzulassen, zuvor wurden die
Vlisco-Stoffe in dem Land ausschließlich über Händlerinnen vertrieben, die zum Teil über den Stoffhandel
zu erheblichem Wohlstand gelangten – man nennt sie
»Mama Benz«, Frauen, die sich einen Mercedes leisten können. (kw)
AFRICAN THREADS AND LACES FILMSCHAU
2
SA 29.1., 20:30
30 Days
Nigeria 2006
engl. OF, 150 Minuten
REGIE Mildred Okwo Buch Mildred Okwo KAMERA Shona »Cricket«
Peters, Jonathan Gbemutor MUSIK Andre Manga MIT Genevieve
Nnaji, Joke Silva, CBA, Segun Arinze
Seit einigen Wochen herrscht große Unruhe in einem
Land, das Nigeria zum Verwechseln ähnlich sieht:
Korrupte Regierungsmitglieder werden in Serie umgebracht. Presse und Polizei versuchen, die mysteriösen Todesfälle aufzuklären. Eine paramilitärische
Organisation, »Female Revolutionaries Against
Corruption in Africa«, kurz FRACA, hat es sich zur
Aufgabe gemacht, das Land von seiner korrupten
Elite zu befreien. Ihre Mitglieder sind Töchter von
hohen Beamten oder Politikern, die von einer besseren Zukunft für ihr Land träumen. Sie tragen Jeans
und enge T-Shirts und lieben das freie Leben. Der
alarmierte Präsident, der fatal an Nigerias ehemaligen Präsidenten Obasanjo erinnert, beauftragt die
Exekutive, das Rätsel in dreißig Tagen zu lösen. Die
FRACA wiederum sieht in einer Party, zu der ein hoher Beamter geladen hat, die goldene Gelegenheit,
endlich Platz zu schaffen für eine neue Regierung.
Für viele der schick gekleideten Männer in ihren Agbadas, Babban Riga und Frauen in Buba, Iro mit Gele
könnte dies der letzte Abend sein. (jea)
filmheft # 1
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Programm
3
Einführung von Katja Wiederspahn
DI 25.1., 18:30
This Is My Africa
Nigeria/GB 2008
engl. OF, 47 Minuten
REGIE Zina Saro-Wiwa SCHNITT Bert Hunger, Dan Susman KAMERA/TON Ben Bloodwell, David Shulman, Bjorn Bratberg, Sara De
Oliveira Lima, Anne-Marie Lean-Vercoe MIT Yinka Shonibare, Colin
Firth, John Akomfrah, Jon Snow, Chiwetel Ejiofor
Afrique-sur-Seine
Senegal/F 1957 franz. OF mit engl. UT, 21 Minuten
REGIE Paulin Soumanou Vieyra, Mamadou Sarr KAMERA Robert
Caristan SCHNITT Paulin Vieyra MUSIK G. Chouchon MIT Marpessa
Dawn, Philippe Mory, M. Bathily, C. Clairval, D. Dane, I. Diop, M. Leprovot, P. Letourneur
»Was bedeutet Afrika für Dich?« Saro-Wiwa stellt diese Frage zwanzig Migrantinnen und Migranten aus
verschiedenen afrikanischen Ländern – sowie Menschen, die diesen Kontinent ganz einfach lieben. Die
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Jänner/Februar 2011
Interviews in THIS IS MY AFRICA sind in Dekors arrangiert, die an Afrika denken lassen. Die Befragten
lassen sich darin inszenieren und werden so selbst
zu einem Teil des Dekors. Der Film ist ein reizender
Versuch, ein mannigfaches Bild des Kontinents jenseits gängiger Klischees zu entwerfen. – AFRIQUESUR-SEINE wurde vor der Unabhängigkeit aller von
Frankreich kolonisierter Länder gedreht und gibt an,
»einige Aspekte des Lebens von Afrikanern in Paris«
darzustellen. In Schwarzweiß gedreht, begleitet er im
Anzug gekleidete afrikanische Studenten beim Flanieren zu den Sehenswürdigkeiten von Paris und zu ihren
Partys, während aus dem Off Fragen zu ihrer »Identität«, ihrem kulturellen Hintergrund und ihrer Zukunft
gestellt werden. Die Studenten wirken inszeniert, sie
könnten die »Vorfahren« der heutigen Sapeurs sein.
(jea)
FILMSCHAU African Threads And Laces
4
Einführung von Katja Wiederspahn
MO 24.1., 18:30
Black Panthers – Huey!
US/F 1968 engl. OF, 28 Minuten
REGIE Agnès Varda KAMERA David Myers, John Schofill, Paul Aratow,
Agnès Varda SCHNITT Paddy Monk MIT Black Panthers
Hot Irons
US 1998 MIERE
PRE
engl. OF, 46 Minuten
REGIE Andrew Dosunmu KAMERA Karl Kuhn, Jo Molitoris SCHNITT
Noah Herzog MIT Mr. Little, Bryan Shy-Guy
Sommer 1968, Oakland, Kalifornien: Huey P. Newton,
Mitbegründer der Black Panther Party, ist des Mordes
angeklagt. Varda dokumentiert die Demonstrationen
der Black Panthers, die Newstons Verhaftung und
Misshandlung im Gefängnis und die Polizeigewalt
gegen Schwarze AktivistInnen skandalisieren. Bis
heute besticht die Radikalität ihrer Forderungen – sowie das existenzialistische Outfit, in dem die Männer
der Partei auftreten: dunkle Sonnenbrille, schwarzes
Barett, schwarze Lederjacke. Am Ende kommen einige Frauen auf die Befreiung vom Diktat des weißen
Schönheitsideals zu sprechen. Outfit is a question of
politics: Black is beautiful!
In den alljährlichen »Hair Wars« in Detroit, HaarModeschauen, zu denen Schwarze Models und Stylistinnen und Stylisten von weit her anreisen, werden
die ausgefallensten Kreationen präsentiert. Black is
still and again beautiful, allerdings nach heftiger Bearbeitung mit Lockenstab und Glätteisen, dem Einsatz von künstlichen Haarteilen und wildesten Aufbauten, die in die Frisuren einmontiert werden. Es
entstehen Haarskulpturen Weltwundern gleich. (kw)
filmheft # 1
15
Programm
Les Princes Noirs de Saint-Germain-des-Près Senegal/F 1975
Black Panthers – Huey! US/F 1968
➔ Seite 20
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Jänner/Februar 2011
➔ Seite 15
FILMSCHAU African Threads And Laces
Paris Is Burning US 1990
➔ Seite 19
filmheft # 1
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Programm
5
MO 31.1., 20:30
Arugba
Nigeria 2008 MIERE
PRE
OF mit engl. UT, 97 Minuten
REGIE Tunde Kelani KAMERA Lukman Abdulrahman SCHNITT
Hakeem Olowookere, Wale Kelani, Frank Anore MIT Bukola Awoyemi,
Segun Adefila, Peter Badejo
Der König in einer Stadt irgendwo im Südwesten Nigerias hält flammende Reden gegen die grassierende
Korruption und verspricht ökonomische Reformen,
die er mit internationalen Investoren umzusetzen
hofft. Er hat eine große Schwäche für das weibliche
Geschlecht, die ihn ein ganz klein wenig beeinflussbar
macht. Die Frauen in seinem Haus jedoch sind haltlos
zerstritten. Nicht weiter verwunderlich kommen seine Reformen nicht so recht bei jenen an, denen sie
zugute kommen sollten, dem »einfachen Volk« … In
einer Parallelwelt des Films dagegen dreht sich alles
um Musik, Tanz und farbenprächtige Kostüme für
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Jänner/Februar 2011
den großen Auftritt: eine Show auf der Bühne der
Universität des Städtchens. Eine der erfolgreichsten
Truppen wird von einer jungen Frau geleitet, Adetutu
(die als Arugba, mythische Figur der Jungfrau, während des Yoruba-Festivals Osun Osogbo feierlich das
Opfergefäß zum Fluss tragen soll), deren Herz ein
junger Tänzer gewinnen will. Myth and modernity in
contemporary Nigeria. You have to see it – the rags
are crazy! (kw)
FILMSCHAU African Threads And Laces
6
Einführung von Katja Wiederspahn
SO 23.1., 18:30
Paris Is Burning
US 1990 OmU, 71 Minuten
REGIE Jennie Livingston KAMERA Paul Gibson, Maryse Alberti
SCHNITT Jonathan Oppenheim, Kate Davis MIT Pepper La Beija,
Dorian Corey, Anji Xtravaganza, Venus Xtravaganza
Der legendäre, hoch umstrittene Dokumentarfilm
über die Drag-Balls (Abkürzung für »dressed as a
girl«/»dressed as a guy«) im New York der 1980erJahre mit Pepper LaBeija, Dorian Corey, Anji Xtravaganza, Venus Xtravaganza, Willi Ninja u. v. a.
Drag wurde mit der Veröffentlichung von PARIS IS
BURNING zum archimedischen Punkt neuer queerfeministischer Theorien der Weiblichkeit (siehe v. a.
Judith Butler und bell hooks). Im Zentrum des Films
stehen Dragqueens und TransGender-Personen, was
jedoch keineswegs heißen soll, dass schwule Männer im Matrosen-, Military- oder Business-Outfit zu
kurz kämen. Drag steht in diesem Film keineswegs
nur für Crossdressing als Überschreitung der Geschlechtergrenzen bzw. subversive Aneignung herrschender Geschlechterstereotypen, sondern auch
für die Subversion der Klassen- und rassistischen
Unterdrückungsverhältnisse – die zumindest einen
Moment lang, einen Gang auf dem Laufsteg lang,
möglich scheint. In diesem Sinne enthält der Film ein
Versprechen. Ein Versprechen, an das erinnert zu
werden sich immer wieder lohnt. (kw)
filmheft # 1
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Programm
7
Einführung von J. Enoka Ayemba
MI 12.1., 18:30
Les Princes Noirs de Saint-Germaindes-Près
OmU, 14 Minuten
Senegal/F 1975 REGIE Ben Diogaye Bèye BUCH Ben Diogaye Bèye KAMERA Georges
Bracher SCHNITT Andrée Davanture MIT Aziz Diop »Wasis« Mambéty,
Muriel Dovaz, Moussa Sarr, Aurélia Crawford
Ghetto Millionaires
OF mit engl. UT, 54 Minuten
Belgien 2010 REGIE Gilles Remiche KAMERA Gilles Remiche SCHNITT Joel Mann
In seinem ersten Film verspottet der senegalische
Regisseur die gängigen Phantasien und Klischees
des Nordens über Afrika. Ein fürstlich gekleideter,
sehr großer Schwarzer Mann spaziert sorglos durch
die Straßen von Paris. Er kauft sich die besten Kla-
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motten in den teuersten Läden der Stadt. Daneben
lassen sich junge weiße Französinnen von Schwarzen
Männern (Sapeurs) verführen. Die Phantasien der
Männer sind grenzenlos. Um an ihr Ziel zu gelangen,
lassen sie glauben, sie seien Fürsten und Prinzen.
GHETTO MILLIONAIRES ist ein Film über die SAPE
(Société des Ambianceurs et Personnes Elégantes):
Von Brüssel nach Kinshasa folgen wir Tigana Zureta
»Pièce Maîtresse«, Papa Rolls, Trésor Ngando, Florent
Pambani, allesamt SAPEURS, kongolesische Dandys.
Um wie ein Star gekleidet und sich großzügig zeigen
zu können, wenn er in Kinshasa seine Familie besucht,
arbeitet Tigana als »Mann für alles« in einem Brüsseler Unternehmen. In der Demokratischen Republik
Kongo träumen viele junge Männer davon, nach Europa zu gehen und zu großen Sapeurs aufzusteigen.
Aber jenseits des schönen Scheins regiert die Armut
im Leben der elegant gekleideten Menschen. (jea)
FILMSCHAU African Threads And Laces
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Einführung von J. Enoka Ayemba
DI 11.1., 20:30
That’s My Face
US/Brasilien 2001
MIERE
PRE
OmU, 56 Minuten
OT: E minha cara REGIE Thomas Allen Harris KAMERA Thomas
Allen Harris, Albert Sidney Johnson, Jr. SCHNITT Emir Lewis, Thomas
Allen Harris MUSIK Jason Stanyek
Me broni ba
Ghana/US 2009
MIERE
PRE
engl. OF, 22 Minuten
REGIE Akosua Adoma Owusu KAMERA Akosua Adoma Owusu, Dustin Thompson, Romulo Alejandro SCHNITT Romulo Alejandro MUSIK
Sharon Jones & The Dap-Kings
1996 reiste der Filmemacher nach Salvador de Bahia,
die Stadt, von der es heißt, sie verkörpere die afrikanische Seele Brasiliens, um den Geistern nachzuspüren, die durch seine Träume spuken. Zwanzig Jahre
zuvor hatte seine Mutter auf der Suche nach einer
mythischen Heimat die gleiche Reise unternommen.
E MINHA CARA ist auf Super-8 ohne Ton gedreht. Vor
allem das innovative Sounddesign, das Sample-Techniken verwendet, macht den Film zu einem mythischpoetischen Fest der Selbstentdeckung, das sich über
drei Kontinente, drei Generationen und dreißig Jahre
erstreckt. (Berlinale Forum)
ME BRONI BA: Ein Frisörshop in Ghana, Frauen sitzen
und lehnen auf Sesseln auf der Straße und im Shop,
während die Friseurinnen ihnen unzählige kleine
Zöpfe flechten, eingewoben wird Kunsthaar, es entstehen Dutzende verschiedenster Skulpturen und
Muster. Zwischendurch wird an Puppen geübt. Aus
dem Off die Stimme einer Frau: Sie berichtet von ihrer ersten Reise in die USA, als Kind, von ihrem ersten
Schultag unter Weißen und der Faszination, die für sie
dem Haar ihrer Mitschülerinnen innewohnte. (kw)
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Programm
9
FR 28.1., 18:30
One Pussy Show
D 1998 7 Minuten
REGIE Anja Czioska KAMERA Anja Czioska MUSIK Radio X MIT Anja
Czioska
Intermittent Delight
Ghana/US 2007 5 Minuten
REGIE Akosua Adoma Owusu KAMERA, SCHNITT Akosua Adoma
Owusu MUSIK Kari Rae Seekins
Blacking Up: Hip-Hop’s Remix of Race
and Identity
engl. OF, 57 Minuten
US 2010 REGIE Robert A. Clift KAMERA Robert A. Clift, Ole Brereton
SCHNITT Robert A. Clift MUSIK Jørn Lavoll, Eliot Leigh MIT Amiri
Baraka, Nelson George, Chuck D., Vanilla Ice, Aesop Rock, Power (WuTang Clan), Andrea Van Winkle, Sage Francis, M1 (Dead Prez), Russell
Simmons, Paul Mooney, Greg Tate
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Jänner/Februar 2011
ONE PUSSY SHOW, ein Performancefilm: Anja Czioska steht vor der Kamera und führt uns in immer neuen Variationen ihr Outfit der letzten zehn Jahre vor.
Angetan ist die Performerin, immer wieder neu. Und
wir mit ihr. – Der zweite Film ist ein einziger Groove an
Bildern und an Tönen, das Leitmotiv bildet die Emblematik der bis heute in vielen afrikanischen Ländern
populären Wachsdruckstoffe, die in verschiedenen
alltagskulturellen Bilderwelten aufgesucht werden:
im Ethno-Design der 1960er-Jahre, hinter dem das
Ideal der perfekt organisierten Hausfrau in all seiner
Spießigkeit lauert – konterkariert von einem Afrobeat, der die Kühlschränke zittern lässt. (kw) – Ist die
Entdeckung von Rap und Hip-Hop seitens der weißen
Jugendkultur ein Zeichen dafür, dass die US-amerikanische Gesellschaft farbenblind wird oder ist sie
nur ein weiterer Fall von kulturellem Diebstahl? Clifts
provokativer Dokumentarfilm BLACKING UP verfolgt
diese Frage in zahlreichen Interviews. (jea)
FILMSCHAU African Threads And Laces
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Einführung von J. Enoka Ayemba
DI 11.1., 18:30
JuJu Factory
Kongo 2006 OF mit engl. UT, 97 Minuten
REGIE Balufu Bakupa-Kanyinda KAMERA Olivier Pulinckx SCHNITT
Didier Ranz MUSIK So Kalmery MIT Dieudonné Kabongo Bashila, Donatien Katik Bakomba, Carole Karemera, Émile Abossolo Mbo, Aline
Bosuma, Sohder Leta Manesa
JUJU FACTORY erzählt die Geschichte des Schriftstellers Kongo Congo, der in Brüssels »afrikanischem
Viertel« Matongé lebt und von einem Verlag den
Auftrag erhält, ein Buch über sein Quartier zu schreiben. Statt wie gefordert eine Art Touristenführer zu
erstellen, entwickelt Kongo Congo anhand von Notizen über die Menschen, denen er tagtäglich begegnet, eine komplexe historische Narration über sein
Viertel, die über die afrikanische (kongolesische)
/ europäische (belgische) Geschichte und »Identität«, über die »Africanness« seiner Bewohnerinnen
und Bewohner reflektiert. Angesiedelt in einer europäischen Großstadt zeichnet der Film Bilder von
Menschen afrikanischer Herkunft, die in ihrer unaufgeregten Selbstverständlichkeit auf europäischen
Leinwänden als ein Novum gelten können. Die Ideologie des »Wir« und »Ihr«, des Eigenen und Fremden
weicht einer anderen Bilderwelt. Die Menschen in
Matongé begreifen sich nicht als Afrikanerinnen und
Afrikaner, sie sind Afropeans. (jea)
filmheft # 1
23
Programm
11
Einführung von J. Enoka Ayemba
MI 12.1., 20:30
Xala
Senegal 1974
OF mit engl. UT, 123 Minuten
REGIE Ousmane Sembène KAMERA Georges Caristan SCHNITT
Florence Eymon MUSIK El Hadji Mbow MIT Thierno Leye, Seun
Samb, Younnousse Seye, Makhourédia Gueye, Myriam Niang
Sembènes grandiose Satire auf die postkolonialen
Verhältnisse in einem – nicht explizit benannten –
afrikanischen Land ist eine scharfzüngige Analyse
der Selbstinszenierung der neuen Schwarzen Eliten.
Die Unabhängigkeit ist erkämpft, die weißen Machthaber sind vertrieben (sie setzen sich kurz darauf
als Berater mit dicken Geldkoffern im Schoß wieder
in die Büros, die sie gerade erst verlassen hatten).
Schwarze Geschäftemacher, die von Verrat, Korruption und Ausbeutung leben, während des Unabhängigkeitskampfes noch in afrikanische Kleidung gehüllt,
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Jänner/Februar 2011
präsentieren sich, kaum an der Macht, in schicken
Anzügen europäischer Provenienz, fahren dicke
Autos und sind einzig damit beschäftigt, ihren ganz
persönlichen Reichtum zu vermehren. Man spricht
Französisch. Wolof ist die Sprache der Bauern und
Bettler, der Entrechteten, abermals Enteigneten. Und
der Frauen, die aufbegehren. Doch El Hadji, Hauptfigur des Films, trifft ein böser Fluch: »Xala«, Impotenz – just als er seine dritte Frau ehelicht, die doch
nur als ein weiteres, wunderschönes Statussymbol
sein potentes Männerleben schmücken sollte … (kw)
FILMSCHAU African Threads And Laces
12
MI 2.2., 20:30
Women’s Cot
Nigeria 2005
MIERE
PRE
engl. OF, 145 Minuten
REGIE Dickson Iroegbu BUCH Tai Emeka Obasi KAMERA Lucky
Eremosele SCHNITT Linus Akubuilo MUSIK Stanley Okorie MIT Bukky
Ajayi, Rita Edochie, Chidi Ihesie, Bimbo Manuel, Onyeka Onwenu, Zack
Orji, Joke Silva
Ein Vorort von Lagos: Lack und Chrom glänzen in der
Abendsonne. Teure Autos, mit allem nur erdenklichen
Schnickschnack ausgestattet, fahren langsam eine
Rallye. Die Straße ist unwegsam. Die Fahrzeuge halten vor einem Haus an. Die Kamera gibt den Blick auf
eine Gruppe von Frauen frei, alle in Schwarz gekleidet,
mit einem Kopftuch angetan, das zu einem Knoten
verschlungen ist. Der Stil der Knoten spricht Bände
über den gesellschaftlichen Status der eleganten, zugleich mysteriösen, ein wenig unheimlichen Frauen.
Sie alle gehören einer Organisation an, die sich für
benachteiligte Witwen einsetzt. »Widows Freedom!«
murmeln sie verschwörerisch im Chor. Eine frisch
verwitwete Frau erhält eine kräftige finanzielle Unterstützung von der Organisation, die sich schon bald als
geheimer, kultischer Frauenbund entpuppt. Künftige
Mitglieder werden über das Versprechen immensen
Reichtums angeworben. Um dem Bund beitreten zu
können, müssen sie jedoch erst einmal ihre Ehemänner zu Fall bringen – nach dem Motto: »Kill your husband, make your life better!« (jea)
filmheft # 1
25
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Seele and Geist
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