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Geld anlegen wie die Profis - Beobachter

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16. Mai 2008
KOMPAKT
GELD
In Zusammenarbeit mit
Geld anlegen wie die Profis
w Strategien: Aktien, Obligationen, Rohstoffe – so investieren Sie erfolgreich
w Psychologie: Welcher Anlegertyp sind Sie? w Fonds: Die richtige Wahl
GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
GELD
TITELBILD: BRIAN KERSEY/UPI/LAIF (BÖRSE CHICAGO); INHALT: CARLOS J. ORTIZ/POLARIS/LAIF
Mit Köpfchen durch die Krise
Den 3. Oktober 1991 erlebte mein Grossvater nicht mehr. An diesem Tag ging
«seine» Bank, die Spar- und Leihkasse
Thun, pleite. Sie hatte bei der Vergabe von
Immobilienkrediten zu viel riskiert. Bilder
von besorgten Sparern, die vor den Schaltern Schlange standen und ihr Geld zurückforderten, wurden von den TV-Stationen europaweit verbreitet. Für meinen
Grossvater wäre eine Welt untergegangen.
Schweizer Banken waren für ihn Inbegriff
von Verlässlichkeit und Sicherheit.
Heute ist unser Blick auf die Banken nüchterner. Wir ärgern uns über die intransparente
Preispolitik in der Kontoführung, tiefe Sparzinsen, hohe Kaderlöhne. Und spätestens
seit dem Platzen der Internetblase vor acht
Jahren weiss jeder Kleinanleger, dass man
an der Börse nicht nur verdienen, sondern
auch viel verlieren kann – «business as
usual». Bis März dieses Jahres, als die
Bank Bear Stearns kollabierte: das erste
Opfer der US-Immobilienkrise. Auch hiesige Banken gerieten unter Druck. Verunsicherte Kunden fragten sich, wie sicher
ihr Erspartes noch auf der Bank ist. Anleger erlitten zum Teil markante Verluste.
Was tun? Dieses «Kompakt Geld», das mit
Kollegen des Anlegermagazins «Stocks»
entstanden ist, kann keine definitiven Antworten geben. Auf den folgenden Seiten
erklären wir Ihnen aber, worauf bei Geldanlagen zu achten ist, wo Gefahren lauern
und wie Sie Risiken minimieren können.
«Es gibt keinen Besitz, der Nachlässigkeit
vertrüge», pflegte Grossvater den Autor
Thomas Mann zu zitieren. Auch in den
nächsten Monaten ist mit Turbulenzen an
der Börse zu rechnen. Umso wichtiger ist
es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Dieses
«Kompakt» hilft Ihnen dabei.
Remo Leupin
Inhalt
Bilder in dieser Ausgabe: Eine Tour d’Horizon durch Börsensäle rund um die
Welt, wo gemäss Schätzungen jeden Tag Billionen Dollar umgesetzt werden.
Im Bild: Chicago Mercantile Exchange, 2008.
4 Anlegerprofil
Am Risikoverhalten erkennen Finanzberater den Charakter ihrer Kunden
6 Grundregeln
Erfolgreich investiert, wer sein Geld auf verschiedene Anlagen verteilt
12 Anlagefonds
In Fonds lässt sich schon mit einigen tausend Franken investieren – so gehts
20 Aktien
Die Mechanismen der Börse zu kennen ist beim Geschäft mit Aktien zwingend
24 Obligationen
Anleihen seien eine behäbige Form von Investition, denken viele – zu Unrecht
28 Rohstoffe
Ihre Dynamik macht die Rohstoffmärkte für risikofreudige Investoren attraktiv
32 Konto
Wohin mit dem Geld? Das sind die Vor- und Nachteile der diversen Kontoarten
34 Strukturierte Produkte
Diese Angebote werden immer beliebter, verlangen aber viel Fachwissen
39 Buchtipps und Impressum
3
4
GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
ANLEGERPROFIL
Anlegen aus Veranlagung
Sag mir, wie du investierst, und ich sage dir, welcher Typ du bist. Risikobereitschaft
und Risikofähigkeit sind zwei entscheidende Grundzüge, die das Anlageverhalten
massgeblich beeinflussen. Text: Claude Chatelain
S
ind Sie ein Anleger, ein Spekulant
oder ein Gambler? Der Gambler
betrachtet die Börse als Kasino und
handelt mit Optionen. Der Spekulant
kauft und verkauft Aktien im Stundentakt
und vertraut auf seinen guten Riecher. Der
Anleger schliesslich investiert sein Geld
langfristig nach den Erkenntnissen der
modernen Finanztheorie. Wobei es natürlich auch unter den Anlegern die verschiedensten Typen gibt. Sie unterscheiden sich
nach Charakter und nach ihren finanziellen Möglichkeiten.
Der 50-jährige, geschiedene Unternehmer
mit einem Investitionsvermögen von
500 000 Franken ist ein anderer Typ Anleger als der junge Familienvater, der mit
seinen 80 000 Franken dereinst eine Eigentumswohnung finanzieren möchte. Massgebend ist nicht nur, wie viel Geld anzulegen ist. Massgebend ist ebenso die
Frage, wie lange auf dieses Geld verzichtet
werden kann.
Schritt eins: Man erstellt ein Anlegerprofil.
Dieses wird durch verschiedene Faktoren
definiert. Einer der wichtigsten ist die
Risikofähigkeit. Risikofähig ist, wer das
Geld langfristig anzulegen vermag und mit
Marktturbulenzen umzugehen weiss. Je
länger die Anlagedauer, desto grösser darf
der Aktienanteil sein. Gemäss einer Faustregel ergibt sich der ideale Aktienanteil aus
der Differenz zwischen 100 und dem Alter. 100 minus 30 ist 70: Beim 30-Jährigen
darf also der Aktienanteil in seinem Portefeuille 70 Prozent betragen. Beim 60-Jährigen sollte er sich indessen auf 40 Prozent
belaufen. Diese Faustregel ist allerdings
nur dann brauchbar, wenn das Geld der
Vorsorge dienen soll. Beim 30-Jährigen beträgt der Anlagehorizont 35 Jahre; nach
den Vorstellungen von Bundesrat Pascal
Couchepin sogar 37 Jahre.
Falls aber der 30-Jährige in etwa fünf Jahren mit den 80 000 Franken ein Haus kaufen will, reduziert sich der Anlagehorizont
von 35 auf fünf Jahre. Also ist ein tieferer
Strategiefonds: Massgeschneiderte Lösungen
n Aktien n Obligationen n liquide Mittel
Konservativ
Ein konservativer, eher risikoscheuer Anleger wählt
einen Fonds mit einem überdurchschnittlichen
Obligationenanteil – einen Strategiefonds «Income» oder
«Yield». Das Ziel ist Kapitalerhalt bei geringen Kursschwankungen. Der Aktienanteil ist markant kleiner als
der Obligationenanteil. Der Anteil der Wertpapiere in
fremder Währung ist bescheiden.
Mittleres Risiko
Bei einem ausgewogenen Fonds ist der Anleger zu einem
etwas höheren Risiko bereit. Die Kursschwankungen sind
höher. Höher sind aber auch die Renditeerwartungen.
Bei einem ausgewogenen Strategiefonds («Balanced»)
halten sich Aktien und Obligationen in etwa die Waage.
Erhöhtes Risiko
Einen Fonds mit dem Zusatz «Wachstum» oder «Growth»
soll nur wählen, wer das Risiko vorübergehender Kursschwankungen in Kauf nehmen kann. Aktien- und
Fremdwährungsanteil sind überdurchschnittlich hoch.
Hohes Risiko
Bei einer langen Anlagedauer von über zehn Jahren ist
das Geld vorzugsweise in einen Strategiefonds «Capital
Gain» zu investieren. Das lohnt sich meist: In 96 Prozent
aller möglichen Zehnjahresperioden seit 1925 verzeichnete der Schweizer Aktienmarkt einen Kursanstieg.
Aktienanteil zu wählen. Anders gesagt: Es
sollen nur geringe Risiken in Kauf genommen werden. Wobei der Begriff «Risiko»
in die Irre führt. Treffender wäre «Kursschwankungen». Diese sind bei Aktien
höher als bei Obligationen. Somit besteht
bei kurzfristiger Betrachtung das Risiko,
dass die Aktienkurse unter dem Einstandspreis notieren. Je länger die Anlagedauer,
desto geringer das Risiko. In 96 Prozent
aller möglichen Zehnjahresperioden seit
1925 verzeichnete der Schweizer Aktienmarkt einen Kursanstieg.
Was im Lehrbuch logisch daherkommt, kann
in der Praxis fehlschlagen. Denn Anleger
handeln oft irrational. In der dreijährigen
Börsenbaisse zu Beginn des Jahrtausends
haben viele Privatanleger ihre Aktien oder
Anlagefonds verkauft, obschon in jedem
Beratungsgespräch darauf hingewiesen
wird, dass das Investieren in Aktien nur
dann zu empfehlen ist, wenn die Papiere
mehrere Jahre nicht angetastet werden. So
gibt es Leute, die aufgrund der finanziellen
Rahmenbedingungen «risikofähig» wären,
aber nicht «risikobereit» sind.
GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
Banken erstellen im ersten Gespräch ein
Anlegerprofil. Verfügt der Kunde nicht
gerade über Hunderttausende Franken,
wird ihm ein Strategiefonds empfohlen
(siehe «Strategiefonds», links). Die Banken
bieten meist bis zu fünf Strategiefonds an:
Sie heissen «Einkommen», «Rendite»,
«Ausgewogen», «Wachstum», «Kapitalgewinn». Für manche sind die englischen
Bezeichnungen geläufiger: «Income»,
«Yield», «Balanced», «Growth», «Capital
Gain».
Strategiefonds sind praktisch: Die Bank trifft
die Anlageentscheide. Diese Vehikel sind
bei Vermögen bis zu 30 000 Franken auch
aus Risiko- und Ertragsüberlegungen zu
empfehlen. Denn bei kleineren Vermögen
besteht kein Spielraum, um die Vermögensaufteilung – die Asset Allocation – selber
vorzunehmen. Bei grösseren Vermögen ab
30 000 Franken könnte man die Aufteilung
in Aktien-, Obligationen- und Geldmarktanlagen selber vornehmen, sofern man sich
dafür die Zeit nehmen will. Das heisst,
statt das gesamte Vermögen in einen Strategiefonds zu investieren, kauft man reine
Aktien-, reine Obligationen- und reine
Geldmarktfonds. Man muss dann aber wissen, in welche Fonds das Geld zu investieren ist. Der Vorteil liegt in der Flexibilität.
Es gibt Zeiten, da ist es ratsam, Aktien zu
verkaufen und Obligationen zu behalten –
oder umgekehrt. Beim Verkauf von Anteilen eines Strategiefonds verkauft man stets
beides – entsprechend den prozentualen
Anteilen. Führt man aber verschiedene
reine Anlagefonds im Portefeuille, könnte
man gemäss vorliegendem Beispiel Anteile
des Aktienfonds verkaufen und die Obligationenfonds behalten.
Oder Sie vergessen die Erkenntnisse der
modernen Portfoliotheorie und halten sich
an das Rezept des ungarischen Börsenaltmeisters André Kostolany (1906–1999):
Man bestücke sein Portefeuille mit soliden
Blue Chips, kaufe Schlaftabletten und
stelle den Wecker «auf zehn, noch besser
n
auf fünfzehn Jahre».
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GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
Tokyo Stock Exchange, 1985
FOTO: BRUNO BARBEY/MAGNUM PHOTOS
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GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
GRUNDREGELN
Ruhig Blut bei Turbulenzen
Die Aufteilung des Vermögens in unterschiedliche Anlagen ist ein wichtiger Schritt zur
erfolgreichen Geldvermehrung. Wer zudem noch etwas von Börsenpsychologie versteht,
wird sich nicht zu falschen Entscheidungen verleiten lassen. Text: Hanspeter Schreiber
E
FOTO: BRUNO BARBEY/MAGNUM PHOTOS
rfolgreiche Investorinnen und Investoren balancieren ihr Wertschriftendepot durch eine geschickte Kombination verschiedener Anlageformen
zwischen Rendite und Risiko aus. In der
Fachsprache heisst dieses Konzept Asset
Allocation. Dabei wird das Anlagevermögen prozentual auf die verschiedenen Anlageklassen wie etwa Aktien, Obligationen
oder Anlagefonds aufgeteilt. Wer sich beispielsweise für eine ausgewogene Anlagestrategie entschieden hat, wird je 50 Prozent seines Anlagevermögens in Aktien
und Obligationen oder in Fonds aufteilen.
Innerhalb der einzelnen Anlageklassen
werden die Anlagen zusätzlich nach Ländern, Branchen oder Produkten gegliedert.
Ziel der Vermögensaufteilung ist eine
möglichst breite Streuung des Anlagerisikos (Diversifikation).
Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass die
Asset Allocation eine massgebliche Rolle
bei Anlageerfolgen spielt – und nicht etwa
der Einstiegszeitpunkt oder die Titelwahl,
wie viele Anlegerinnen und Anleger glauben. Bei Aktienengagements zum Beispiel
ist die Höhe des gesamten Anlagevermögens von entscheidender Bedeutung.
Wird in Einzelaktien investiert, sollte eine
einzelne Position in der Regel fünf Prozent
des gesamten Anlagevermögens nicht
übersteigen.
Höhere Einzelengagements bergen ein
grosses Klumpenrisiko: Falls die gewählten Aktienpositionen abstürzen, verliert
man auf einen Schlag einen grossen Teil
seines Vermögens. Aus diesem Grund
sollte ein gut diversifiziertes Wertschriftendepot 15 bis 20 verschiedene Aktienpositionen aufweisen – aufgeteilt auf
unterschiedliche Branchen, Produkte und
Fremdwährungen.
Ein Anlagevermögen von weniger als etwa
500 000 Franken sinnvoll und auch kostengünstig mit einzelnen Aktien zu strukturieren ist angesichts der erforderlichen
Zahl von mindestens 15 Einzeltiteln aller-
Wohin mit dem Geld: Lassen Sie sich fachkundig beraten
Falls Sie Zweifel haben, ob Ihre Anlagestrategie tatsächlich Ihren persönlichen Wünschen und Bedürfnissen entspricht, sollten Sie sich von
einer Fachperson beraten lassen. Neben Banken und Versicherungen
bieten grössere und kleinere Finanzgesellschaften bis hin zu Einmannbetrieben ihre Dienstleistungen an. Ein Patentrezept, den richtigen Partner zu finden, gibt es leider nicht. Die Basis einer guten Zusammenarbeit
ist das gegenseitige Vertrauen. Dafür ist nicht die Höhe des Honorars
massgebend, sondern der offene und ehrliche Kontakt, den Sie zu Ihrer
Beraterin oder Ihrem Berater pflegen.
So klappt das Beratungsgespräch
w Hören Sie beim Beratungsgespräch nicht nur zu, sondern stellen Sie
auch Fragen.
w Lassen Sie sich Fachausdrücke so erklären, dass Sie sie verstehen.
w Lassen Sie sich nicht von hohen Gewinnversprechen blenden.
w Gratis arbeitet niemand – auch wenn dies immer wieder
angeboten wird.
w Fragen Sie bei jeder Anlage nach den einmaligen, aber auch den
wiederkehrenden Kosten. Lassen Sie sich die Informationen
schriftlich geben.
w Trauen Sie sich ruhig, über Ihre Ängste vor möglichen Verlusten
zu sprechen.
w Treffen Sie Entscheide nicht sofort: Schlafen Sie darüber.
w Sprechen Sie alle Themen an, die Sie interessieren – auch wenn Sie
das Gefühl haben, dass es nicht so wichtig sei.
w Haben Sie das Gefühl, dass ein Abschluss forciert wird, beenden Sie
das Beratungsgespräch.
Viele nützliche Informationen finden Sie im Internet – zum Beispiel auf der
Internetplattform HelpOnline des Beobachter-Beratungszentrums
(http://beratung.beobachter.ch, Fachbereich «Geld»).
dings eher schwierig. Für kleinere Vermögen sind somit Alternativen aus der
Kategorie der Anlagefonds zu wählen
(siehe auch Seite 13).
Die Aufteilung in die einzelnen Anlageklassen ist nicht in Stein gemeisselt und kann
sich mit der Zeit ändern. Vielleicht haben
Ihre Anlagen im Aktienteil schöne Kursavancen gemacht und plötzlich einen zu
grossen Prozentsatz des gesamten Anlagevermögens erreicht. In diesem Fall lässt
sich der erzielte Gewinn durch Teilver-
käufe relativ einfach realisieren und in
einer anderen, risikoärmeren Anlageklasse
investieren.
Es kann aber auch sein, dass sich Ihr persönliches Anlegerprofil von einer eher
risikoreichen Ausrichtung in eine zurückhaltende geändert hat – zum Beispiel wenn
die Pensionierung näherrückt. Auch in
diesem Fall besteht Handlungsbedarf.
Tipp: Wenn sich der prozentuale Aktienanteil in Ihrem Wertschriftendepot aufgrund von Kursverlusten massiv reduziert
7
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GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
hat, ist genauestens zu prüfen, ob man die
Aktienengagements durch Verkäufe von
Obligationen dem ursprünglichen Prozentsatz anpassen soll.
Grundsätzlich gilt: Anlegerinnen und Anleger sollten ihre Investitionsentscheidungen immer als «Homo oeconomicus» treffen. Die Wirtschaftswissenschaft versteht
darunter das theoretische Modell eines
Menschen, der seine Handlungen allein
auf der Basis der ihm vorliegenden Informationen rational ausrichtet und seine
Entscheidungen nach dem ökonomischen
Prinzip zur Maximierung seines persönlichen Nutzens trifft. Für Anlegerinnen
und Anleger bedeutet dies: Gehen Sie stets
rational vor.
Der Einfluss von psychologischen Faktoren bei Geldanlagen kann gar nicht hoch
genug eingeschätzt werden. Mit der Psychologie der Anleger beschäftigt sich der
Fachbereich «Behavioral Finance». Im
Mittelpunkt des Interesses stehen Anlegerinnen und Anleger als handelnde Personen und ihre typischen Verhaltensweisen. Wenn Sie folgende Regeln und Tipps
beachten, können Sie die Risiken minimieren:
1. Machen Sie die Hausaufgaben
Dass man vor einem Kauf oder Verkauf
möglichst viele Informationen sammelt,
ist selbstverständlich. Aber Vorsicht: Oft
besteht die Tendenz, nach Informationen
zu suchen, die die eigene Einschätzung unterstützen. Suchen Sie deshalb unbedingt
auch nach Gegenargumenten. Vorsicht geboten ist auch bei Aktien, die in den Medien viel Aufmerksamkeit erhalten: Sie
werden eher überbewertet und als Kaufgelegenheit betrachtet. Zudem werden
positive Börsennachrichten dann zu hoch
bewertet, wenn man die jeweiligen Aktien
besitzt. Besonders gefährlich wird es, wenn
man neue, fundamental negative Meldungen verdrängt, weil diese der eigenen
Marktmeinung widersprechen.
Fachleute, aber auch Freunde und Bekannte geben gerne den «ultimativen» Anlagetipp: «Heute unbedingt die Aktie X kaufen. Sie steigt in den nächsten sechs
Monaten garantiert um 30 Prozent.» Sie
können solche Ratschläge zur Kenntnis
nehmen, blindlings danach handeln sollten Sie jedoch nie. Zum «todsicheren» Geheimtipp nur noch so viel: Was mehr als
eine Person weiss, ist kein Geheimnis
mehr. Unter gar keinen Umständen sollten
Sie den Kaufempfehlungen folgen, die via
Massen-E-Mails verbreitet werden.
Tipp: Durchleuchten Sie die Informationen
kritisch und suchen Sie nach Gegenargumenten.
ausländischen Anlageinstrumente sein.
Zudem vertrauen viele Menschen einheimischen Firmen mehr als ausländischen.
So ist etwa die Meinung weit verbreitet,
«Der einzige Investor, der
nicht diversifizieren sollte,
ist derjenige, der immer
100 Prozent richtigliegt.»
John Templeton, Gründer des Templeton Growth Fund
2. Bleiben Sie den eigenen Grundsätzen treu
Bevor Sie Ihr Geld anlegen, sollten Sie Ihre
eigene Risikobereitschaft definiert und vor
allem die Frage beantwortet haben, wie Sie
emotional mit Verlusten umgehen. Anlegerinnen und Anleger neigen bei kontinuierlich steigenden Kursen dazu, immer
risikoreicher zu investieren. Treten dann
wider Erwarten Verluste ein, bedauert
man, ein zu hohes Risiko eingegangen zu
sein. Umgekehrt steht vermehrt die Sicherheit im Vordergrund, wenn sich die Börsen
im Abwärtstrend befinden.
Tipp: Lassen Sie sich nicht von kurz- bis
mittelfristigen Stimmungen verführen,
sondern halten Sie an Ihrer Strategie fest.
Sie können unter Umständen gewinnen,
wenn Sie in vermeintlich schlechten Zeiten Aktien kaufen.
dass sich bei Investments in Aktien von
Schweizer Grossfirmen keine Verluste einstellen können – obwohl die Erfahrung
zeigt, dass dem nicht so ist.
Die Referenzwährung für Personen, die in
der Schweiz leben, ist der Schweizer Franken. Sie denken, rechnen und zahlen in
ihrer Währung. Zu einer guten Diversifikationsstrategie gehört aber auch, einen
Teil des Anlagevermögens ausserhalb der
Referenzwährung zu investieren. Eine geschickte Streuung des gesamten Anlagevermögens auf mehrere Anlageklassen,
Währungen und Branchen ist ein Muss. Je
breiter die Streuung, desto kleiner ist das
Risiko, dass ein Verlust einer einzelnen
Anlage einen grossen Teil des gesamten
Anlagevermögens vernichtet.
Tipp: Bei kleineren und mittleren Vermögen unter 500 000 Franken ist eine optimale Diversifikation eigentlich nur über
Anlagefonds möglich.
3. Diversifizieren Sie
Diversifikation bedeutet, durch eine gezielte Vermögensaufteilung eine ausreichende Streuung des Anlagerisikos zu
erreichen. Die Praxis zeigt, dass viele Anlegerinnen und Anleger ihre Investitionen
mehrheitlich auf den Heimmarkt (Schweizer Aktien) oder die eigene Referenzwährung konzentrieren. Gründe für die Zurückhaltung in Bezug auf Auslandengagements können fehlende Kenntnisse der
4. Legen Sie langfristig an
Wer in Aktien investiert, wird Miteigentümer einer Gesellschaft – und muss daher
als Unternehmer denken. Dies gilt im
Grundsatz auch für Käufer von Anlagefonds mit einem Aktienanteil, obwohl sie
nicht direkt Miteigentümer werden. Miteigentümer beabsichtigen mit ihren Investments eine langfristige Beteiligung. Daher
wird ein unternehmerisch denkender Anleger seine Positionen auch nicht ständig
New York Stock Exchange, 2008
FOTO: RICHARD DREW/AP/KEYSTONE
10 GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
umschichten. Hier mag es helfen, an den
Merksatz zu denken: «Hin und her machts
Konto leer.» Und das freut letztlich nur die
Bank.
5. Überschätzen Sie sich nicht
Selbstüberschätzung bei Geldanlagen ist
verbreitet und kann fatale Folgen haben.
Das Denkmuster, das dahintersteckt: Viele
Anlegerinnen und Anleger neigen dazu,
Börsengewinne der eigenen Geschicklichkeit zuzuschreiben. Sind sie längere Zeit
erfolgreich, kann sich das Gefühl breitmachen, alles irgendwie im Griff zu haben.
Diese Börsenerfolge machen übermütig.
Man glaubt, Kursentwicklungen vorhersehen zu können. Offensichtliche Risiken
werden nicht oder kaum mehr wahrgenommen. Sorglosigkeit macht sich breit.
Treten wider Erwarten wiederholt Verluste
auf, wird diese Verlustserie oft nur als
Pechsträhne eingestuft.
6. Verlustaversion und Dispositionseffekt
Auch bei der sogenannten Verlustaversion
handelt es sich um ein typisch menschliches Verhalten: In der Regel wird ein Verlust stärker empfunden als ein Gewinn in
gleicher Höhe. Diese Strategie, einem Verlust auszuweichen und deshalb Aktien mit
gefallenen Kursen nicht abzustossen, führt
FOTO: RICHARD DREW/AP/KEYSTONE
Buchtipp
Giuseppe Botti:
«Bottis Geldbuch. Sparen,
anlegen und finanzieren mit dem
Beobachter-Geldexperten»
Mit Gratis-Update 2008 zum
Herunterladen. 176 Seiten,
26 Franken (für BeobachterMitglieder 22 Franken)
Erhältlich beim Beobachter-Buchverlag,
Telefon 043 444 53 07, Fax 043 444 53 09 –
oder via Internet: www.beobachter.ch/buchshop;
E-Mail: buchverlag@beobachter.ch
zum sogenannten Dispositionseffekt. Dieser verleitet den Anleger dazu, Aktien mit
(kleinem) Gewinn zu verkaufen. Papiere,
deren Kurs unter den Kaufpreis gefallen
ist, werden in der Hoffnung auf bessere
Zeiten gehalten. Man will einen Verlust
nicht realisieren, denn dies würde bedeuten, eine eigene Fehleinschätzung und
-entscheidung zu akzeptieren. Immer wieder kaufen Anlegerinnen und Anleger
auch Aktien nach, die in der Verlustzone
liegen – mit dem Ziel, die erlittenen Verluste schneller wieder wettzumachen.
Dadurch wird das Problem in der Regel
jedoch eher verschärft.
Tipp: Dass sich in Ihrem Depot nur noch
Verliereraktien befinden, können Sie mit
sogenannten Stop-Loss-Aufträgen weitgehend verhindern. Mit einem solchen
Auftrag werden Aktien bei einem von
Ihnen vorbestimmten Verlust von beispielsweise 20 oder 25 Prozent verkauft.
7. Erliegen Sie nicht dem Herdentrieb
«Die massenpsychologischen Reaktionen
sind an der Börse wie im Theater: Einer
gähnt, und in kürzester Zeit gähnt jeder.
Hustet einer, hustet der ganze Saal.» Der
ungarische Finanzexperte und Börsenspekulant André Kostolany (1906–1999)
war überzeugt davon, dass der Herdentrieb nicht nur Kleinanleger, sondern auch
Profis befällt.
Die eigene Meinung von den hochbezahlten Profis der Finanzwelt bestätigt zu
sehen gibt vielen Anlegerinnen und Anlegern ein sicheres Gefühl. Alle stimmen
überein, und man glaubt, die Sache im
Griff zu haben. Steigen die Kurse der
Aktien im Depot, kann dies zu sorgloser
Risikobereitschaft führen. In der allgemeinen Euphorie glauben selbst risikoscheue
Kleinsparerinnen und Kleinsparer, dass
sich ihr Geld von selbst vermehrt. Schreiben dann auch noch die Boulevardblätter
in fetten Schlagzeilen: «Jetzt in Aktien einsteigen!», wird es äusserst schwierig, einen
kühlen Kopf zu bewahren.
Wenn umgekehrt die Aktienkurse zu bröckeln beginnen, neigen sehr viele Anleger
zu Panikverkäufen: Sie stossen ihre Aktien
zu jedem Preis ab und nehmen dadurch
Verluste in Kauf, in der Befürchtung, sonst
noch grössere Verluste realisieren zu müssen. Panik und Herdentrieb treffen zusammen – es kommt zu einem Crash.
Tipp: Halten Sie an Ihrer Strategie auch in
turbulenten Zeiten fest und bewahren Sie
unter allen Umständen die Ruhe.
«Kaufe nicht, wenn der Kurs
am niedrigsten ist, verkaufe
nicht, wenn er am höchsten
ist, das können nur Lügner.»
Bernard Baruch (1870–1965), Financier und
Börsenspekulant
Natürlich kann niemand eine verbindliche
Aussage darüber machen, was Sie von
einer bestimmten Geldanlage erwarten
dürfen – denn wer weiss heute schon,
was die Zukunft bringt? Ist das gesamte
Anlagevermögen ausschliesslich in Obligationen investiert, sind die künftigen Erträge noch am ehesten abschätzbar. Anders verhält es sich bei Anlagen in Aktien
und Aktienfonds. Anlegerinnen und Anlegern werden in Hochglanzprospekten
immer wieder jährliche Renditen von acht
und mehr Prozent in Aussicht gestellt.
Hier gilt es zu bedenken, dass Aktienkurse
stark schwanken können. Bei allzu vollmundigen Gewinnversprechen ist also
Vorsicht geboten.
Etwas Wichtiges zum Schluss: Besitzen Sie
bereits Aktien oder Aktienfonds? Und rauben Ihnen überraschende und unerwartete
Börsenturbulenzen nachts den Schlaf?
Dann gibt es nur einen Rat: Realisieren Sie
Gewinne und Verluste sofort. Und legen
Sie Ihr Geld so an, dass die Anlagen Ihrem
n
Risikoprofil entsprechen.
11
12 GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
Handelsraum der Sanyo Securities, Tokio, 1993
FOTOS: CHARRET/REA/LAIF, B.S.P.I./CORBIS/RDB
Seoul Stock Exchange, 1999
GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008 13
ANLAGEFONDS
Gut verteilt ist halb gewonnen
Wer sein Vermögen zu optimalen Bedingungen anlegen möchte, sollte sich mit
Anlagefonds beschäftigen. So wird es möglich, bereits mit einigen tausend Franken
an der grossen Investorenwelt teilzuhaben. Text: Hanspeter Schreiber
B
ei einem Anlagefonds werden Gelder
einer Vielzahl von Kundinnen und
Kunden zu einem grossen Vermögen
vereint und anschliessend nach bestimmten, von vornherein festgelegten Richtlinien angelegt. Das Fondsvermögen wird
auf die unterschiedlichsten Anlageklassen
(etwa Aktien, Obligationen) aufgeteilt.
Es gibt ein breites Angebot an Fonds:
Aktienfonds, Obligationenfonds, Anlagefonds für Rohstoffe und Edelmetalle,
Immobilienfonds, Branchenfonds oder
Länderfonds. Aktienfonds investieren
ausschliesslich in Aktien verschiedenster
Firmen. Bei Obligationenfonds wird das
Fondsvermögen in Obligationen verschiedener Qualitäten und Währungen angelegt.
Bei Anlagestrategiefonds wird das Fondsvermögen in Aktien und Obligationen investiert. Anlagefonds können konservativ
oder ausgewogen, aber auch sehr spekulativ ausgerichtet sein (siehe Seite 8).
Das Fondsvermögen wird täglich aufgrund
von Faktoren wie den aktuellen Kursen
der Aktien oder Obligationen bewertet.
Dieses Vermögen, geteilt durch die Anzahl
der im Umlauf befindlichen Fondsanteile,
ergibt den Kurs des Anlagefonds.
Der Vorteil dabei ist die Verteilung des
Fondsvermögens auf viele verschiedene
Drei Fragen zu Anlagefonds
Ich habe gehört, ich könne kein Geld
verlieren, wenn ich einen Anlagefonds
mit einer Aktienquote von 25 Prozent wähle.
Stimmt das?
Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Verluste erleiden, ist zwar längerfristig
tatsächlich eher gering. Aber eine
absolute Sicherheit haben Sie nicht.
Renditen von acht bis zehn Prozent
2 im Jahr seien für Aktienfonds normal,
sagt mein Berater. Übertreibt er hier?
Die Prognose ist sehr optimistisch und
verführerisch zugleich. Richtig ist, dass
Aktienanlagen in der Vergangenheit
durchschnittlich 8,2 Prozent brachten.
1
Positionen: So ist das Vermögen des Anlagefondskäufers einem geringeren Risiko
ausgesetzt als bei Direktanlagen in Einzelaktien und -obligationen. Ohne grosses
Finanzfachwissen besitzen Privatanleger
dank Anlagefonds breitgestreute Anlagen
(sogenannte Diversifikation).
Die Ziele der einzelnen Anlagefonds sind
identisch: Das investierte Vermögen soll
vermehrt werden. Dies in die Tat umzusetzen ist die Aufgabe der Fondsmanager.
Ob diese Renditen – erzielt zwischen
1926 und 2007 – so bleiben, wird die
Zukunft zeigen.
ich mich nach dem Kauf
3 Muss
des Anlagefonds die nächsten Jahre
nicht mehr darum kümmern?
Anlagefonds sollten regelmässig
überwacht werden. Allenfalls ist ein
Verkauf angesagt, wenn der Fonds
längere Zeit der Marktentwicklung
hinterherhinkt. Auch kann das Fondsvermögen unter die erforderliche
Grösse von 100 Millionen Franken
sinken. Dies wäre dann ein Grund,
den Anlagefonds zu verkaufen.
Diese sind an klare Vorgaben gebunden.
Sie dürfen zum Beispiel bei einem Fonds
mit der Strategie «Aktien Schweiz» nur in
Aktien von Schweizer Unternehmen wie
zum Beispiel Nestlé, Novartis oder Zurich
Financial investieren.
Die Leistung des Fondsmanagers ergibt
sich aus dem Vergleich seiner erzielten Rendite mit einer von den Anlagen her ähnlichen Messlatte (Benchmark). Dies kann
etwa der Swiss Leader Index (SLI) sein. w
FOTOS: CHARRET/REA/LAIF, B.S.P.I./CORBIS/RDB
Vermeiden Sie unliebsame Überraschungen: Ein paar Grundregeln
w Kaufen Sie keinen Anlagefonds,
w Prüfen Sie primär Anlagefonds, die
w Rating: Kaufen Sie Anlagefonds mit
dessen Kosten Sie nicht kennen.
Besteht keine Kostentransparenz,
investieren Sie nicht.
w In der Regel sollten Sie höchstens
zwei Prozent Ausgabekommission
und keine Rückgabekommission
bezahlen.
w Lesen Sie vor dem Kauf das Infoblatt
(Factsheet) des Anlagefonds genau
durch, damit Sie wissen, in welche
Art von Fonds Sie investieren.
von Ihrer Hausbank angeboten werden: Sie bezahlen dort tiefere Ausgabekommissionen sowie reduzierte
Depotgebühren. Die hauseigenen
Anlagefonds müssen nicht zwingend
schlechter sein als diejenigen der
Konkurrenz.
w Vergleichen Sie die historischen Renditen: Nehmen Sie für Anlagefonds
derselben Kategorie die Drei- oder
Fünfjahresrenditen.
mindestens drei Sternen (Morningstar) oder einem A- oder B-Rating
(Feri Trust).
w Ein Anlagefonds sollte ein Fondsvermögen von mindestens 100 Millionen Franken aufweisen. Kleinere
Fondsvermögen sind bei den Anlagen
weniger flexibel.
w Wenn Sie Ihre Aufträge via Internet
platzieren, können Sie zusätzlich
Kosten sparen.
14 GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
Termindruck ade: Fondssparpläne geben Sicherheit
Ein Fondssparplan eignet sich für jene,
die längerfristig und kontinuierlich
investieren möchten. Anlegerinnen
und Anleger zahlen in regelmässigen
Abständen einen bestimmten Betrag
ein, mit dem dann Anlagefonds gekauft
werden. Dank den regelmässigen
Käufen verliert der (richtige) Einstiegszeitpunkt an Bedeutung, man erzielt
über den gesamten Investitionszeitraum
einen Durchschnittspreis für den Anlagefonds. Mit anderen Worten: Bei tiefen
Kursen werden für denselben Betrag
automatisch mehr Fondsanteile gekauft
und bei hohen Kursen entsprechend
weniger. Die Angebotsbreite und die
Der SLI enthält die 30 liquidesten und
grössten Titel des Schweizer Aktienmarkts.
DerManagereinesFonds«AktienSchweiz»
versucht nun, durch Über- oder Untergewichtung seiner Anlagen in Schweizer
Aktien diese Benchmark zu übertreffen.
Hat er mit seiner Strategie Erfolg, erwirtschaftet er für die Anlegerinnen und
Anleger eine über der Benchmark liegende
Rendite.
Investorinnen und Investoren dürfen jedoch nicht vergessen, dass es ihnen letztlich nicht viel nützt, wenn der Manager
eines Aktienfonds zwar die Benchmark
um 2,5 Prozent übertroffen hat, der Kurs
des Anlagefonds aber um 15 Prozent gefallen ist.
Grundsätzlich sind zwei grössere Kostenblöcke zu unterscheiden: die einmaligen
Kosten beim Kauf und die jährlich wiederkehrenden.
Einmalige Kosten beim Kauf: In guten Börsenjahren achtet man eher weniger auf die
Kosten, bei sinkenden Börsen realisiert
man hingegen, dass Kosten empfindlich
auf die Performance (Rendite) drücken
können. In der Schweiz sind nur wenige
Bedingungen von Fondssparplänen sind
sehr unterschiedlich. Es ist daher auf
Folgendes zu achten:
Anlagefondsangebot
w Wie viele Anlagefonds stehen
zur Auswahl?
w Wie hoch war die Rendite der Fonds
in der Vergangenheit?
Einzahlungssystem
w Wird eine Ersteinlage verlangt?
w Sind Einzahlungsrhythmus und
Einzahlungsbeträge flexibel?
w Schreibt der Fondssparplan eine
Mindestvertragsdauer vor?
Anlagefonds an der Börse kotiert und werden permanent gehandelt. Dazu zählen
Exchange Traded Funds (Indexfonds mit
dem Ziel, Kurs- und Renditeentwicklung
eines zugrundeliegenden Index nachzubilden) und Immobilienfonds (beide siehe
Seite 16). Bei diesen Anlagefonds fällt für
den Käufer die bankübliche Courtage an,
sie liegt zwischen 0,8 und 1,2 Prozent.
Über die genaue Höhe der Courtage gibt
Ihnen Ihre Bank Auskunft. Online-Banking kann allenfalls zu tieferen Gebühren
führen.
Die Mehrzahl der Schweizer Anlagefonds
wird jedoch nicht permanent an der Börse
gehandelt. In diesem Fall werden dem
Käufer Ausgabekommissionen (Gebühren) belastet. Die Höhe der Ausgabekommissionen hängt von der Art des Anlagefonds, den Anlageschwerpunkten, der
Vertriebsart und der Fondsgesellschaft ab.
Dabei können einmalige Kosten von bis zu
fünf Prozent anfallen.
Je nach Anlagefonds und Gesellschaft
kann bei der Rückgabe der Fonds zusätzlich eine Rücknahmekommission erhoben
werden – die Rendite wird dadurch weiter
w Was sind die Bedingungen für einen
vorzeitigen Ausstieg?
Switch
Ein Switch ist der Umtausch von einem
Fonds in einen anderen. Wie oft und zu
welchen Kosten ist dies möglich?
Kosten
w Wie hoch sind die Ausgabekommissionen?
w Wie hoch sind die anderen Kosten
(etwa Depot- und Kontogebühren)?
w Werden Rücknahmekommissionen
belastet?
w Gibt es eine Einstiegsgebühr?
vermindert. Kluge Anlegerinnen und Anleger meiden solche Anlagefonds.
Beachten Sie, dass die meisten Banken für
den Kauf von Anlagefonds von Drittanbietern höhere Gebühren verlangen als für
ihre hauseigenen.
Jährlich wiederkehrende Kosten: Anlegerinnen und Anleger müssen bei ihrem Finanzinstitut die jährlichen Depotgebühren für
die Aufbewahrung ihrer Wertschriften berappen. Hier kann es zum Teil beträchtliche Unterschiede geben. Bankeigene Anlagefonds sind in der Regel günstiger als
Fremdfonds.
Ein weiterer Kostenblock wird bei Anlagefonds direkt dem Fondsvermögen belastet.
Diese Kosten umfassen in erster Linie die
Aufwendungen, die die Fondsgesellschaft
für die Verwaltung und Leitung tätigen
muss, zum Beispiel Buchhaltung und Administration. Ausserdem können noch
Kosten für die Revision, für verschiedene
Publikationen (Halbjahres- und Jahresbericht) oder für Rechtsberatung anfallen.
Ein Grossteil dieser jährlich anfallenden
Kosten ist in der Total Expense Ratio
16 GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
Den Überblick nicht verlieren: Die wichtigsten Kategorien von Anlagefonds
Aktienfonds
Das Anlagespektrum der Aktienfonds
reicht von Investitionen in grosse
Unternehmen (sogenannte Blue Chips)
der Industrienationen über risikoreichere Investments in kleine und
mittelgrosse Gesellschaften (Small
und Mid Caps) bis hin zu Unternehmen
der Schwellenländer (Emerging
Markets).
Branchenfonds investieren in zukunftsträchtige Bereiche wie Pharma- oder
Technologieunternehmen.
Daneben gibt es auch Spezialitätenfonds, die aufgrund einer bestimmten
Strategie investieren. So wird in den
USA die Dividendenstrategie als «Dogs
of the Dow» bezeichnet: Jedes Jahr investiert der Fondsmanager zu gleichen
Teilen in Aktien des amerikanischen
Dow-Jones-Index, die die höchsten Dividendenrenditen aufweisen.
Eine weitere Spezialitätenfondsart sind
Ökofonds. Sie investieren nur in Aktien
von Gesellschaften, die auf umweltfreundliche Produkte oder Produktionsmethoden setzen. Auch hier gilt es, die
Kosten im Auge zu behalten. Die einmalige Ausgabegebühr sollte etwa bei
einem Aktienfonds, der in Blue Chips
der grossen Industrienationen investiert, nicht höher als 1,5 Prozent sein.
Bei allen anderen Kategorien sollte
das oberste Limit bei zwei Prozent
liegen.
Bei den jährlichen, dem Fondsvermögen direkt belasteten Gebühren, der
Total Expense Ratio (TER), liegt die
Bandbreite etwa zwischen 1,5 Prozent
für Schweizer Blue-Chip-Fonds und
etwa 2,5 Prozent für Emerging-Markets-Anlagefonds mit hochriskanten
Anlagen. Oder mit anderen Worten:
Hohe Gebühren sind nur dann gerechtfertigt, wenn die Fondsstrategie auch
hohe Gewinne erwarten lässt.
Indexfonds (Exchange Traded Funds)
Eine kostengünstige Variante zu Aktienfonds sind Exchange Traded Funds
(ETFs). Dabei handelt es sich um
börsenkotierte Indexfonds. Ziel ist die
möglichst genaue Nachbildung der
Kurs- und Renditeentwicklung eines
zugrundeliegenden Börsenindex. Ein
Börsenindex repräsentiert einen Korb
von Aktien börsenkotierter Unternehmen. Im Swiss Market Index (SMI) etwa
sind die 20 liquidesten und grössten
Schweizer Aktien zusammengefasst.
Der Fondsmanager wird also bei einem
Indexfonds auf den SMI diesen Index
mit den 20 Aktien so genau wie möglich nachbilden.
Indexfonds weisen gegenüber herkömmlichen Aktienfonds einige Vorteile auf:
w Mit Indexfonds kann einfach und
flexibel diversifiziert werden.
w Mit einem einzigen Anlagefonds
erwirbt man einen ganzen Markt
respektive Index.
w Indexfonds werden an der Börse
permanent gehandelt.
w Indexfonds haben einen eindeutigen
Kostenvorteil gegenüber herkömmlichen Aktienfonds.
Insbesondere in Zeiten tiefer oder steigender Zinsen gehören Obligationenfonds daher nicht zwingend zu den
Basisanlagen.
Auch bei Obligationenfonds gilt: Je
höher die Gewinnchancen, desto höher
sind die Risiken. Wer zum Beispiel
einen Fonds auswählt, der primär
in Staats- und Unternehmensanleihen
der europäischen Länder, der USA
und Japans investiert, trägt ein eher
tiefes Risiko.
Für risikofreudigere Anleger bieten
sich Obligationenfonds an, die in Anleihen aus Schwellenländern (Emerging
Markets) investieren. Solche Obligationenschuldner sind weniger kreditwürdig und weisen eine tiefere Bonität
(Sicherheit) als grundsolide Unternehmen auf. Daher müssen sie auch
höhere Zinsen bezahlen.
Geldmarkt- und Obligationenfonds
Beiden Fonds ist gemeinsam, dass sie
in festverzinsliche Papiere investieren.
Das Fondsvermögen von Geldmarktfonds (auch Money-Market-Fonds) wird
am Kapitalmarkt angelegt, und zwar
kurzfristig, in der Regel bis zwölf Monate. Die Vorteile: tiefes Risiko, kurze
Anlagedauer und Anlagemöglichkeit
in verschiedenen Währungen.
Obligationenfonds hingegen investieren ihr Vermögen längerfristig in Anleihen von Staaten oder Unternehmen.
Käufer von Obligationenfonds können
sich dadurch die mühsame Suche nach
einer Anlage in Einzelobligationen sparen. Obligationenfonds erfüllen auch
die Voraussetzungen der Diversifikation (breite Streuung).
Bei Anlagen in Obligationenfonds sind
zwei Komponenten zu berücksichtigen:
die Zinsen und die Kursschwankungen.
Dafür gibt es zwei Hauptgründe. Erstens: Kann der Fondsmanager in Zeiten
tiefer Zinsen nur geringe Einkommenserträge generieren, werden diese
schnell zu einem grossen Teil durch die
Kosten (TER) aufgefressen. Zweitens:
Steigt das allgemeine Zinsniveau nach
einer Phase eher tiefer Zinsen wieder
an, hat dies zur Folge, dass die Obligationen, in denen der Fonds investiert
ist, an Wert verlieren. Damit fällt auch
der Kurs des Obligationenfonds.
Immobilienfonds
Anlagefonds, die direkt in Wohn- und
Geschäftsliegenschaften, aber auch
in Gesellschaften, die Liegenschaften
bewirtschaften, investieren, zählen zu
den Immobilienfonds. Betrachtet man
sie von der Risiko-Rendite-Struktur
her, sind Schweizer Immobilienfonds
am ehesten zwischen Obligationen
und Aktien anzusiedeln. Kurse von
Immobilienfonds, die ausschliesslich
in Wohnliegenschaften investieren,
schwanken in der Regel weniger als
jene von Immobilienfonds, die ihr Geld
in erster Linie in Geschäftsliegenschaften anlegen.
Die für Immobilienfonds wichtigste
Kennzahl ist der Ecart. Er bezeichnet
die Differenz zwischen dem tatsächlichen Vermögenswert eines Immobilienfonds und dessen Börsenwert.
So bedeutet ein Ecart von 23 Prozent
beispielsweise, dass der Börsenwert
des Anlagefonds 23 Prozent höher ist
als der Wert der gesamten im Fonds
enthaltenen Immobilien. Als Faustregel für Immobilienfonds gilt: Der
Ecart sollte nicht höher als 15 Prozent
sein.
Anlagestrategiefonds
Lesen Sie bitte den Artikel auf Seite 4
zu den verschiedenen Strategien im
Zusammenhang mit Fonds.
GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008 19
FOTO: MAURICIO LIMA/AFP
Mercantile & Futures Exchange, São Paulo, 2008
(TER) zusammengefasst. Die Total Expense Ratio wird als Prozentzahl zum gesamten Fondsvermögen ausgedrückt.
So kann sich der Anleger ausrechnen, um
wie viel der Kurs des Anlagefonds steigen
muss, damit sein Kapital erhalten bleibt:
Die Berechnungsgrundlage ist eine ungefähre TER von einem Prozent für einen
Obligationenfonds oder 1,5 Prozent für
einen Aktienfonds. Hinzu kommen ausserdem Depotgebühren von beispielsweise
0,25 Prozent. Schliesslich sollten zusätzlich die Ausgabekommissionen berücksichtigt werden.
Die richtigen Anlagefonds wählen: Welche
Anlagefonds aus der grossen Auswahl sind
nun aber die richtigen? An sich ist die Antwort einfach: Informieren Sie sich gründlich, welche Anlagefonds zu Ihrer Anlagestrategie und Ihrem persönlichen Risikoprofil passen. Lassen Sie sich nicht von zu
hohen Renditeversprechungen in die Irre
führen.
Bei der Wahl der Anlageform ist es in
jedem Fall ratsam, die Bewertungen verschiedener Rating-Agenturen zu verglei-
chen. Die Bewertungsagentur Morningstar
(www.morningstar.ch) etwa stuft die Anlagefonds von Top (fünf Sterne) bis Flop
(ein Stern) ein. Kaufen Sie Anlagefonds
mit mindestens drei Sternen. Die Feri Rating & Research AG (www.fonds-rating.de)
ordnet die Anlagefonds in fünf Kategorien
von «sehr gut» (A) bis «schwach» (E) ein.
Wählen Sie grundsätzlich Anlagefonds mit
dem Rating A oder B.
Ein wesentliches Kriterium ist die sogenannte Renditeentwicklung in der Vergangenheit. Sie zeigt auf, wie sich ein
bestimmter Anlagefonds im Vergleich zu
anderen Anlagefonds derselben Kategorie
entwickelt hat. Überprüfen Sie die Dreiund Fünfjahresrenditen.
Wie kauft man Anlagefonds? Wer Anlagefonds kaufen möchte, dem steht entweder
aktuell ein grösserer Betrag zur sofortigen
Anlage zur Verfügung. Oder man wählt die
Strategie über einen sogenannten Fondssparplan: Dabei werden über einen längeren Zeitraum hinweg mit regelmässigen
Einzahlungen Anteile an Anlagefonds gekauft (siehe Seite 14).
Wenn Sie mit einem grösseren Geldbetrag
Anlagefonds kaufen wollen, empfiehlt sich
eine gestaffelte Kaufstrategie. Kaufen Sie
Anlagefonds zum Beispiel für einen Drittel
oder einen Viertel der gesamten Anlagesumme heute, einen weiteren Drittel oder
Viertel in zwei oder drei Monaten. So vermindern Sie das Risiko, dass Sie die Anlagefonds zu Höchstkursen kaufen. Denn
bei einer Aufteilung auf verschiedene
Kaufzeitpunkte erzielen Sie einen Durchschnittskurs.
Wie werden Anlagefonds abgerechnet? Die
Fondsanteile werden in der Regel nach
dem gebräuchlichsten System in der
Schweizer Fondsindustrie abgerechnet:
dem sogenannten Forward Pricing (Abrechnung am Folgetag). Die Kundin erteilt
ihrer Bank an einem Tag den Auftrag zum
Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen. Am
darauffolgenden Tag werden diese dann
zum Tageskurs abgerechnet. Die abgerechneten Tageskurse können am selben
Tag in den elektronischen Medien eingesehen werden. In den Tageszeitungen finden
n
sich diese erst am Tag darauf.
20 GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
AKTIEN
Keine Rendite ohne Risiko
Aktien versprechen im Vergleich zu Sparkonten oder Obligationen die höchsten Gewinne.
Doch Vorsicht: Schnell geht im Fall von Kurseinbrüchen Kapital verloren. Nur wer die
Mechanismen der Börse kennt, kann sich vor Verlusten schützen. Text: Hans Peter Arnold
B
örsenthemen sorgen vor allem dann
für Schlagzeilen, wenn es zu Extremereignissen kommt: zu Rekordständen oder zu Crashs, bei denen Milliarden
von Franken vernichtet werden. Im medialen Dauergewitter rücken die Börsen in die
Nähe von Spielkasinos; die Anleger sind
verunsichert, und mancher fragt sich: Sind
Aktien nichts für seriöse Investoren, die
versuchen, das Geld dort einzusetzen, wo
sowohl Werterhalt als auch Vermögenszuwachs möglich ist? Sehr wohl. Entscheidend ist aber die Art und Weise, wie der
Anleger den Börsenhandel betreibt. Gefährlich sind kurzfristige Investments.
Zum einen deshalb, weil Anleger eventuell
aufgrund eines grösseren Liquiditätsbedarfs die Aktien vorzeitig, oft zur Unzeit, verkaufen müssen. Zum anderen liegt
der Grund in der bewussten kurzfristigen
Spekulation.
Von Oktober 2007 bis März 2008 haben
die 20 Schwergewichte im Schweizer Börsenindex SMI (Swiss Market Index) im
Schnitt 30 Prozent verloren. Dieser Index
ist sogar von rund 8500 Punkten im Jahr
2000 auf 3600 Punkte im Frühling 2003
gesunken. Letztes Jahr konnte der SMI die
9500-Marke für kurze Zeit überspringen.
Dies verdeutlicht, welch starken Schwankungen die Aktienkurse ausgesetzt sind.
Betrachtet man die Kurse einzelner Titel,
sind die Ausschläge – in der Fachsprache
Volatilität genannt – noch viel grösser. Was
diese Trendkurven ebenfalls nahelegen:
Die Börse ist keine Einbahnstrasse; einzelne Aktien und Indizes (Aktienkörbe) können über eine beträchtliche Zeit zwar stark
schwanken, letztlich aber seitlich tendieren. Das aktuelle Kursniveau des SMI
wurde bereits 1998 erstmals erreicht.
Historisch betrachtet, ist diese zehnjährige
Durststrecke ungewöhnlich lang und eigentlich nicht die beste Werbung für Aktienengagements. Das Abseitsstehen ist aber
ebenfalls gefährlich. Es könnte nämlich
sein, dass der Investor an einer plötzlichen
Drei Fragen zum Thema Aktien
Wie können börsenkotierte
Unternehmen beurteilt werden?
An der Börse wird die Unternehmung
zu jeder Zeit neu beurteilt. Der Aktienpreis, multipliziert mit der Anzahl
Aktien, ergibt den Marktpreis für die
Unternehmung; dafür werden häufig
die Begriffe Börsenwert oder Marktkapitalisierung verwendet. Indem der
aktuelle Aktienkurs mit wichtigen Daten der Unternehmung verglichen wird,
erhält der Börsianer interessante Kennzahlen. Sinnvoll sind insbesondere die
Vergleiche mit Umsatz, Gewinn und
Buchwert. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis
(KGV) von 20 bedeutet, dass der Börsenwert 20-mal höher liegt als der Jahresgewinn. Häufig wird die englische
Abkürzung P/E Ratio (Price-Earnings
Ratio) benutzt. Die in Prozent ausgedrückte Dividendenrendite ist eine
Verhältniszahl von Dividende und
Aktienkurs beziehungsweise Börsenwert. Ein Unternehmen lässt sich aber
auch durch andere Faktoren bewerten:
1
nachhaltigen Aufwärtsbewegung nicht
partizipiert.
Ebenfalls aus historischer Sicht wissen wir,
dass Aktien im Schnitt mit einer jährlichen
Performance von über acht Prozent glänzen. Damit ist die Rendite im Vergleich zu
Obligationen doppelt so hoch. Zur Gesamtperformance von Aktien zählt nicht
nur die Kurssteigerung vom 1. Januar bis
zum 31. Dezember, sondern auch die Gewinnausschüttung (Dividenden). Obwohl
der Swiss Market Index in den vergangenen zehn Jahren keinen Fortschritt gemacht hat, haben viele Anleger dank den
Dividenden jährlich bis zu vier Prozent
verdient.
Alles nur auf eine Aktie zu setzen ist nicht
ratsam. Wer trotzdem Einzelaktien und
Wie sinnvoll ist die Geschäftsstrategie?
Finden die neuen Produkte reissenden
Absatz? Ist das Image positiv?
Wann ist eine Unternehmung unter2 bewertet und wann überbewertet?
Als Faustregel gilt: Traditionelle Substanzaktien mit einer P/E von 13 bis 17
sind moderat, fair bewertet. Oberhalb
dieser Bandbreite spricht man von
einer Überbewertung.
versteht man eigentlich unter
3 Was
Anlagepolitik?
Dieser Begriff findet sowohl bei Privatkunden wie auch bei institutionellen
Kunden (Pensionskassen) Anwendung.
Die Anlagestrategie leitet sich vom Ziel
ab, das mit der Vermögensanlage
verfolgt wird. Je nach Situation wird
der Werterhalt oder der Wertzuwachs
beziehungsweise das Risiko stärker
gewichtet. Entscheidend sind neben
der Risikoneigung des Anlegers auch
seine persönliche Einkommens- und
Vermögenssituation, das Alter sowie
der absehbare Liquiditätsbedarf.
keine Kollektivanlagen wie Fonds und
Indexaktien bevorzugt, sollte Aktien von
mindestens sieben Unternehmen kaufen.
Diese Risikostreuung reduziert die Gefahr
einer überdurchschnittlich schlechten
Wertentwicklung des Aktienportfolios beträchtlich.
Der Einstiegszeitpunkt beeinflusst die Performance ebenso. Das ideale Timing zu
finden ist aber in der Regel schwierig,
sprich: hängt vom Zufall ab. Deshalb fahren Anleger mit der Strategie gut, in regelmässigen Abständen – ungeachtet der aktuellen Börsenlagen – in Aktien zu investieren. Erfahrene Börsianer investieren
zudem dann in die Märkte, wenn Panik
herrscht. Wer etwa im März 2003 auf Aktien setzte, konnte in den folgenden Jahren
GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008 21
Investitionen) bestimmen die maximale
Höhe eines Aktienengagements.
Die Funktion der Börse ist im Grundsatz
einfach: Wie auf jedem anderen Markt
treffen hier Angebot und Nachfrage zusammen. Daraus resultiert der Preis. Im
Handel mit grosskapitalisierten Unternehmen kommen im Sekundentakt Abschlüsse zustande. In der Regel werden Käufe
und Verkäufe von Aktien als limitierte
Aufträge ins Handelssystem eingegeben.
Solche Aufträge lassen sich an die Hausbank delegieren. Selbstverständlich sind
auch für Privatinvestoren, die via Internet
handeln, solche Limit-Order empfehlenswert. Ansonsten besteht insbesondere bei
Aktiengesellschaften mit tiefem Handelsvolumen die Gefahr, dass ein nicht limitierter Auftrag (in der Börsensprache als
Bestens-Auftrag bezeichnet) zu einem sehr
tiefen oder sehr hohen Preis gehandelt
wird, weil zu einem gewissen Zeitpunkt
die Angebote auf der Gegenseite unvorteilhaft sind. Angenommen, Sie wollen eine
Aktie kaufen: Definieren Sie mit einer
Limite, wie viel Sie höchstens zu zahlen
bereit sind. Man spricht vom Geldkurs.
Wer auf der Verkäuferseite steht, legt sich
Ruf Lanz
sehr hohe Kurssteigerungen beobachten.
In Zeiten der Euphorie ist es wiederum
ratsam, «Gewinne mitzunehmen» – also
einen Teil der Aktien zu verkaufen.
Dennoch: Wer auf Aktien setzt, muss sich
zwischenzeitlich hoher Kursschwankungen bewusst sein. Je höher der Anteil an
Aktien, desto ausgeprägter sollte die Risikoneigung des Anlegers sein. Die Risikofähigkeit wiederum basiert auf der jeweiligen wirtschaftlichen Situation des Investors. Insbesondere Einkommen, vorhandenes Vermögen und Liquiditätsbedarf
(Lebensunterhalt und grössere geplante
22 GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
Börse Frankfurt am Main, 2007
FOTOS: RICHARD JONES/SINOPIX LAIF, BOENING/ZENIT/LAIF
Hong Kong Stock Exchange, 2004
FOTOS: RICHARD JONES/SINOPIX LAIF, BOENING/ZENIT/LAIF
GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008 23
auf einen Briefkurs fest. Im Englischen
werden diese beiden Positionen «Bid» und
«Ask» genannt.
Die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs heisst Handelsspanne (Spread). Die
Handelsspanne ist ein Mass dafür, wie flüssig der Handel ist. Ein nicht liquider Markt
mit hohen Spreads ist durch tiefe Handelsvolumina geprägt. Je höher der Spread,
desto teurer wird der Handel. Die Differenzen von Kauf- und Verkaufsangebot
weiten sich generell in Zeiten grosser Kursschwankungen aus. Ein weiteres Indiz:
Nimmt bei steigenden Preisen das täglich
gehandelte Volumen erheblich zu, deutet
dies auf einen anhaltenden Aufwärtstrend
hin. Analysten und Börsianer sprechen
dann vom «Momentum».
Für die Schweizer Börse (SWX) ist neben dem
zentralen und auftragsgesteuerten Markt
und der Marktliquidität sowohl das Prinzip der Markttransparenz als auch die
Gleichbehandlung aller Teilnehmer bedeutsam. Letzteres ist dann nicht garantiert, wenn einzelne Akteure von Insiderwissen profitieren. Kursrelevante Neuigkeiten von Unternehmen müssen allen
Aktionären gleichzeitig zur Verfügung gestellt werden.
Das Gros der börsenkotierten Unternehmen lässt sich in verschiedene Kategorien
einteilen. Gebräuchlich ist beispielsweise
die Unterscheidung in gross- und kleinkapitalisierte, in zyklische und nichtzyklische Firmen oder die Differenzierung nach
Branchen. Zyklische Aktien bewegen sich
parallel zu den Konjunkturzyklen. Geht es
der Wirtschaft gut, steigen sie besonders
stark. Zu zyklischen Aktien gehören beispielsweise Banken- und Technologietitel.
Weniger zyklisch verhalten sich Aktien aus
der Nahrungsmittelbranche.
Aufschlussreich ist für den Aktionär die
Unterteilung in Wachstums- und Substanzaktien; Analysten sprechen dabei von
«Growth» und «Value». Das Charakteristikum von Wachstumsaktien ist ein starkes
Umsatzwachstum. Da dieses Wachstum
Wichtige Begriffe aus der Welt der Börsianer
Aktie
Kauft der Anleger eine Aktie, wird er
Miteigentümer der Unternehmung. Die
Aktie verkörpert einen Anteil am Kapital der Gesellschaft. Als Teilhaber hat
der Aktionär Mitgliedschaftsrechte
(Stimmrecht) und Vermögensrechte
(zum Beispiel das Recht auf Anteil am
Gewinn oder das Bezugsrecht).
Aktienindex
Ein Aktienindex spiegelt die Entwicklung eines Aktienmarktes repräsentativ
wider. Der älteste Index ist der DowJones-Industrial-Index (New York Stock
Exchange). Berühmt sind auch der Standard & Poor’s 500 (USA), der Nasdaq
100 (USA) und der Nikkei-Index (Japan).
In der Schweiz sind der Swiss Market
Index (SMI), der Swiss Leader Index
(SLI) und der Swiss Performance Index
(SPI) am bedeutendsten.
überdurchschnittlich hohe Investitionen
erfordert, schreiben die entsprechenden
Firmen kaum Gewinne. Dividenden können keine ausbezahlt werden. Der Anleger
erwartet aber in Zukunft einen erheblichen
Gewinnstrom. Wachstumsaktien sind im
Vergleich zum Buchwert und zur aktuellen
Profitsituation hoch bewertet; häufig handelt es sich um Firmen der Bio- und Informationstechnologie.
Im Gegensatz dazu sind Substanzaktien
etabliert und zeichnen sich durch eine stabile Umsatzentwicklung und zuverlässige
Gewinnprognosen aus. Firmen mit einem
hohenSubstanzwertsindtendenziellmoderat bewertet oder sogar unterbewertet. Die
Kurse dieser Value-Titel schwanken weniger als jene der Growth-Papiere.
Was bedeutet dies für den Investor? Der
Anleger von jungen Firmen muss mit
viel höheren Kursausschlägen rechnen.
Auftragsbuch
Jeder an der SWX kotierte Titel verfügt
über ein elektronisches Auftragsbuch,
in dem alle eingehenden Aufträge
(Kauf und Verkauf) notiert und nach
Möglichkeit zur Übereinstimmung
gebracht werden.
Blue Chips
Blue Chips ist die Bezeichnung für
Aktien führender Unternehmen mit
erstklassiger Bonität, hoher Ertragskraft und solider Finanzstruktur. Es
handelt sich dabei um grosskapitalisierte Werte, sogenannte Standardwerte.
Depotbank
Für den Aktienhandel ist eine Depotbank unerlässlich. Auf dieser Bank
besitzt der Anleger eine Kontonummer
und ein Depot mit den Wertschriften.
Schlimmstenfalls verliert er sogar sein ganzes Geld. Wer darauf abzielt, an der Börse
schnell viel Geld zu verdienen, kommt an
Wachstumsaktien oder sogar an den von
ihnen abgeleiteten Optionen (mit Hebelwirkung) nicht vorbei. Die Risiken sind
aber hoch. Wenn sich eine Biotechfirma
bei der Forschung und Entwicklung auf
ein einziges Medikament konzentriert und
dabei Schiffbruch erleidet, brechen die
Kurse ein.
Bei Substanztiteln sind die Kurssteigerungen nicht so berauschend. Der Anleger
wird jedoch regelmässig mit Dividendenzahlungen entschädigt. Zu typischen
Substanzaktien gehören Aktien von Versorgern – in der Schweiz vor allem Aktien
von Elektrizitäts- oder von Immobiliengesellschaften. Auch der Nahrungsmittelkonzern Nestlé zum Beispiel ist ein typin
scher Substanztitel.
London Stock Exchange, 1986
FOTO: ERIC PREAU/SYGMA/CORBIS/RDB
24 GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008 25
OBLIGATIONEN
Den Zinsvorteil clever nutzen
Im Bereich der Zinsanlagen gibt es weit mehr als nur Kassenobligationen. Anleihen
bieten allgemein ein breites Spektrum attraktiver Anlagemöglichkeiten. Dabei lassen
sich zudem einige steuerliche Vorteile nutzen. Text: Urs Aeberli
W
FOTO: ERIC PREAU/SYGMA/CORBIS/RDB
er gut essen will, kauft Aktien. Wer
gut schlafen will, kauft Obligationen.» Diese Börsenweisheit
drückt eine übertriebene Schwarzweissmalerei aus. Die aktuelle Finanzmarktkrise
sorgte nämlich bei vielen Obligationenanlegern für ein böses Erwachen: Diverse
Zinspapiere haben in den vergangenen
Monaten dramatisch an Wert eingebüsst.
Wer bei festverzinslichen Anlagen das
Risiko von Kursschwankungen komplett
ausschliessen will, muss auf Kassenobligationen erstklassiger Finanzinstitute setzen.
Diese von den Schweizer Banken und der
Post ausgegebenen Papiere sind während
ihrer meist zwei- bis achtjährigen Laufzeit
nicht handelbar und unterliegen folglich
auch keinen Kursschwankungen.
Anders die an einer Börse gehandelten
Obligationen. Auch diese Papiere bezahlt
der Schuldner zwar am Ende der Laufzeit
zu 100 Prozent zurück. Diese sogenannte
Nominalwertgarantie funktioniert aber
natürlich nur, wenn der Schuldner der
Obligation während der Laufzeit nicht in
finanzielle Schwierigkeiten gerät und zahlungsunfähig wird. Sicherheitsbetonte Anleger setzen daher ausschliesslich auf allerbeste Schuldner mit sogenanntem AAARating und AA-Rating. Das Konkursrisiko
ist hier praktisch null; diese Anleihen eignen sich gewissermassen zum Kaufen und
Liegenlassen.
Etwas mehr Rendite bieten die nächsttieferen Kategorien mit den Noten A und
BBB. Solche Anleihen muss der Anleger
jedoch viel stärker im Auge behalten, denn
BBB ist die Untergrenze des Obligationensegments, das für durchschnittlich risikobereite Anleger noch als empfehlenswert
gilt.
Darunter beginnt der Bereich der Hochzinsanleihen, der sogenannten High Yield
Bonds oder Junk Bonds. Diese Papiere von
finanziell wackligen Firmen sind nur sehr
risikobereiten und versierten Anlegern zu
empfehlen. Ausserdem sollte in diese Titel
Drei Fragen zum Thema Obligationen
Wie kaufe ich Obligationen?
Obligationen haben meist einen
Nominalwert von 1000, 5000 oder
10 000 Franken (beziehungsweise ausländische Währungen). Das heisst, die
Anlage erfordert mindestens den einfachen Nominalwert einer Obligation
oder, wenn mehrere Papiere erworben
werden, das Mehrfache davon. Obligationen lassen sich wie Aktien an Börsen
kaufen und verkaufen, viele davon auch
an der Schweizer Börse. Die Kurse lauten dabei in Prozent des Nominalwerts.
Ein Kurs von 102 Prozent bedeutet also:
Wer einen Betrag von rund 10 000 Franken investiert, muss 10 200 Franken
bezahlen, zuzüglich Marchzinsen (siehe
«Wichtige Begriffe», Seite 26) sowie
Bank- und Börsenspesen.
Ich habe eine Obligation mit
2 4,5 Prozent Zinscoupon gekauft. Bei
der Kursliste in der Zeitung werden aber
nur drei Prozent ausgewiesen. Woher rührt
dieser Unterschied?
Der Zinscoupon bezieht sich auf den
Nominalwert der Obligation. Die Rendite – genauer gesagt: die Rendite auf
Verfall – berücksichtigt neben dem Zinscoupon auch die Kursveränderung bis
1
aus Sicherheitsgründen lediglich über
einen breit diversifizierten Anlagefonds
investiert werden.
Nicht zu vernachlässigen sind aber auch
die Kursschwankungen von durchaus soliden Unternehmen mit den Noten AAA,
AA, A und BBB. Kommen an der Börse
plötzlich Zweifel an der finanziellen Gesundheit einer solchen Firma auf – wie
beispielsweise bei der UBS in der aktuellen
Finanzkrise –, dann sinken die Obligationenkurse schlagartig. Die Kurse fallen in
der Regel auch dann, wenn generell die
Zinsen höherklettern oder wenn – wie es
zur Rückzahlung der Anleihe. Ist die
Rendite auf Verfall tiefer als der Zinscoupon, heisst das, dass bis zum Laufzeitende ein Kursverlust resultiert. Wer
beispielsweise eine 10 000-fränkige
Anleihe mit zehn Jahren Laufzeit und
4,5 Prozent Zinscoupon zum Kurs von
113 Prozent kauft, bezahlt, vereinfacht
gesagt, 11 300 Franken (ohne Marchzinsen, Bank- und Börsenspesen). Bei
der Rückzahlung 2018 erhält er aber
nur 100 Prozent beziehungsweise
10 000 Franken. Diesen Kapitalverlust
mit eingerechnet, beträgt die Rendite
auf Verfall drei Prozent.
Obligation hat eine Laufzeit
3 Meine
bis 2018. Was bedeutet das?
Während der Laufzeit kassiert der Anleger die Zinsen, die der Obligationenschuldner entweder jährlich oder halbjährlich leistet. 2018 zahlt der Schuldner zusammen mit dem letzten Zins
auch den Nominalwert der Obligation
zurück. Während der Laufzeit kann der
Anleger die Obligation jederzeit verkaufen (ausser es handelt sich um eine
Kassenobligation); je nach Marktumfeld
ist der Kurs dabei höher oder tiefer als
der Nominalwert.
derzeit der Fall ist – die Inflation steigt.
Umgekehrt gilt aber auch: Die Obligationenkurse verteuern sich bei verbesserter
Bonität sowie sinkenden Kapitalmarktzinsen und Teuerungsraten. Daraus lässt sich
ableiten, in welchen Phasen sich welche
Obligationen empfehlen:
Fallende Zinsen: Der ideale Moment zum
Verkauf von fest verzinsten Anleihen ist
dann gekommen, wenn die fallenden Zinsen den Boden erreicht haben und nach
oben zu drehen beginnen; zu diesem Zeitpunkt locken bei der Veräusserung maxiw
male Kursgewinne.
D
N
U SIV
U
EU L
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E
Erfolgreich
investieren
mit Fonds
CHF 39.– / EUR 28.–
SWISS
FUND GUIDE
2008
Was bewegt die Fondsbranche
heute und morgen? Der «Swiss Fund
Guide» präsentiert die wichtigsten
Trends und weist auf interressante
Investitionsmöglichkeiten hin.
Dieser praxisorientierte Guide ist ein
hilfreiches Nachschlagewerk für
private und institutionelle Anleger.
Die besten Fonds auf einen Blick
Schwellenländer, Rohstoffe und
Umwelt - die wichtigsten Trends
auf dem Fondsmarkt
Chancen und Risiken der neuen
Anlagetrends
26 GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
Wichtige Begriffe im Zusammenhang mit Zinsanleihen
Marchzinsen
Das sind die bis zum Zinstermin
aufgelaufenen Zinsen. Nehmen wir
das Beispiel einer Anleihe, die jeweils
Ende Juni vier Prozent Zins ausschüttet. Wer kurz vor dem 30. Juni die
Anleihe veräussert, kassiert fast die
ganzen vier Prozent Zins als steuerfreien Kapitalgewinn. Steuerpflichtig
ist nämlich, wer die Obligation beim
Zinstermin besitzt.
Steigende Zinsen: In solchen Phasen
empfehlen sich variabel verzinste Anleihen. Ihre Ausschüttung basiert in der
Regel auf kurzfristigen Geldmarktsätzen. Weil der variable Zinssatz das
Auf und Ab der Märkte auffängt,
schwanken die Kurse von solchen Anleihen nur wenig.
Zinshöhepunkt: Das ist der beste Kaufzeitpunkt für Kassenobligationen und
andere fest verzinste Anleihen, denn
dank dem fixen Zinscoupon lassen sich
die hohen Ausschüttungen «anbinden».
Steigende Inflation: Eine relativ gute Absicherung gegen Inflation lässt sich mit
dem Kauf variabel verzinster Anleihen
erreichen, von denen es im Frankenbereich zahlreiche Angebote gibt. Den
perfekten Schutz bieten spezielle, inflationsgeschützte Anleihen, deren Wert
sich parallel zu den Teuerungsraten
entwickelt. Leider existieren keine inflationsgeschützten Frankenobligationen. Empfehlenswert sind stattdessen
Indexfonds (Exchange Traded Funds,
kurz: ETFs; siehe auch Seite 16), die
breit diversifiziert in inflationsgeschützte Euro-Obligationen investieren.
Leben von den Zinsen: Besonders interessant sind die erwähnten inflationsgeschützten Anleihen auch für den lang-
Pari
Beträgt der Kurs einer Obligation
100 Prozent des Nominalwerts, sagen
Händler, sie notiere «zu pari». Über
100 Prozent spricht man von «über pari», unter 100 Prozent von «unter pari».
Rating (Bonität)
Mass für die finanzielle Vertrauenswürdigkeit des Obligationenschuldners.
Je besser das Rating, desto geringer
fristigen Kapitalerhalt, etwa nach der Pensionierung zur Bewahrung des gesparten
Vorsorgekapitals. Wer dann aber von den
Zinsen leben will, sollte diese Papiere aufgrund ihrer relativ bescheidenen Ausschüttungen meiden.
Bei sämtlichen Anleihen verändert sich
mit dem Kurs jeweils auch die Rendite,
und zwar in entgegengesetzter Richtung.
Nehmen wir beispielsweise eine Anleihe
mit zehn Jahren Laufzeit und vier Prozent
Zinscoupon; bei einem Kurs von 100 Prozent resultieren vier Prozent Rendite. Sinkt
nun der Kurs auf 90 Prozent, verbessert
sich die Rendite auf 5,3 Prozent. Steigt
umgekehrt der Kurs auf 110 Prozent, fällt
die Rendite auf 2,9 Prozent.
Generell etwas mehr Rendite als Frankenobligationen versprechen solche in Fremdwährungen. Attraktiv erscheinen Anlagefonds, die sehr breit diversifiziert in hoch
verzinste Lokalwährungsanleihen von
Schwellenländern investieren. Oft aber
wird die bessere Verzinsung einer Fremdwährung durch das erhöhte Währungsrisiko weitgehend wieder aufgefressen –
beispielsweise bei exotischen Währungen
wie der türkischen Lira, dem südafrikanischen Rand oder der isländischen Krone,
aber auch beim US-Dollar. Am ehesten
lohnt sich das Währungsrisiko beim Euro,
weil sich der Frankenkurs langfristig eng
Menschen, die den Fondsmarkt
bewegen
Glossar mit allen wichtigen
Begriffen zum Fonds-Geschäft
Zahlenbeispiel: Entscheidend sind die Steuern
Berechnungen ohne Berücksichtigung von Kosten (Kauf-, Depotgebühren)
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Zins
Kaufkurs
5,0% 100,0%
7,5% 119,5%
3,0% 84,0%
Kaufbetrag
Rückzahlung Zins für Zins nach
n. 10 Jahren 10 Jahre Steuern*
Kursgewinn/ Gesamtertrag
Kursverlust 10 Jahre n. St.
50 000
59 750
42 000
50 000
50 000
50 000
–9750
8000
*Grenzsteuersatz: 30 Prozent
Bestellung unter:
www.stocks.ch/guides
25 000
37 500
15 000
17 500
26 250
10 500
17 500
16 500
18 500
Rendite auf Verfall (Gesamtrendite)
Gesamtertrag aus Zinscoupon und
Kursveränderung bis zur Rückzahlung
der Obligation bei Laufzeitende. Die
Rendite auf Verfall ist umso höher, je
schlechter die Bonität beziehungsweise Vertrauenswürdigkeit des
Schuldners ist, je länger die Laufzeit
bis zur Rückzahlung der Anleihe
dauert sowie je höher das allgemeine
Zinsniveau und die Inflation sind.
Restlaufzeit
Anzahl Jahre vom jetzigen Datum bis
zur Rückzahlung der Obligation.
Zinscoupon
Periodische Zinszahlung in Prozent
des Nominalwerts.
Investieren nach Noten: Aussagekraft der Bewertungsstufen
Rating
AAA
Risikoqualität
praktisch risikolos
AA
sehr gut bis gut
A
BBB
gut bis befriedigend
befriedigend bis
genügend
mangelhaft
ungenügend
Kapital vermutlich
verloren
BB, B
CCC, CC, C
D
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Neben diesen Ratings werden noch feinere Differenzierungen vorgenommen:
zum Beispiel AA+ oder BB–.
an der europäischen Gemeinschaftswährung orientiert.
Insgesamt sollte der Fremdwährungsanteil im Obligationendepot nicht zu
gross ausfallen; für Schweizer Anleger
empfiehlt es sich, mindestens 60 Prozent
in Franken zu halten. Diese Quote sollte
umso höher sein, je pessimistischer die
geopolitische Lage eingeschätzt wird.
Bei Krisen suchen nämlich internationale Investoren regelmässig Frankenanlagen als sicheren Hafen und treiben
so den Wert der Schweizer Landeswährung in die Höhe.
Langfristig gesehen, versprechen Frankenobligationen nur 4,4 Prozent Rendite; das zeigen Statistiken der Genfer
Privatbank Pictet & Cie für den Zeitraum von 1926 bis 2007. In derselben
Periode erreichten Aktien eine stolze
Jahresperformance von durchschnittlich
8,2 Prozent. Aber trotz dem Renditevorteil von Aktien ist es sinnvoll, im Depot
auch Obligationen zu halten. Sie helfen,
dank geringeren Kursausschlägen die
Wertentwicklung eines gemischten Wert-
schriftendepots zu stabilisieren – mit
einer positiven Wirkung auf die Gesamtperformance wie beispielsweise 2000 bis
2003 oder auch in den ersten Monaten
des laufenden Jahres 2008.
Zu berücksichtigen sind aber bei Obligationen stets die fiskalischen Aspekte,
denn die Zinsausschüttungen sind als
Einkommen zu versteuern. Jede der folgenden drei Anleihen mit zehn Jahren
Laufzeit rentiert mit fünf Prozent (genaue Zahlen in der Tabelle «Zahlenbeispiel», links): fünf Prozent Zins und
Kurs 100 Prozent des Nominalwerts, 7,5
Prozent Zins und Kurs 119,5 Prozent,
drei Prozent Zins und Kurs 84 Prozent.
Steuerlich am interessantesten ist klar
die letzte Obligation, denn ein grosser
Teil der fünfprozentigen Gesamtrendite
macht der steuerfreie Kursgewinn aus,
wenn die zu 84 Prozent gekaufte Anleihe
zu 100 Prozent zurückbezahlt wird. Es
wäre somit falsch, einfach nach dem
Grundsatz zu verfahren: Je höher der
Zinscoupon, desto besser. Bei Zinsanlan
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806
das Risiko für den Anleger und umso
tiefer auch die Rendite auf Verfall.
Bleiben Sie
bei Kasse
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GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008 27
28 GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
Amsterdam Stock Exchange, neunziger Jahre
FOTOS: YASSER AL-ZAYYAT/AFP, SERGIO PITAMITZ/CORBIS/RDB
Kuwait Stock Exchange, 2005
GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008 29
ROHSTOFFE
Mangelware bringt Profit
Das Angebot ist knapp, die Nachfrage riesig – in der Folge steigen die Preise:
Das macht Rohstoffe zu einer beliebten Anlageform. In den ärmsten Ländern der Welt
sorgt diese Entwicklung allerdings für gewaltige Probleme. Text: Ulrich W. Hanke
E
FOTOS: YASSER AL-ZAYYAT/AFP, SERGIO PITAMITZ/CORBIS/RDB
s beginnt mit dem Einschalten des
Lichts am Morgen. Zum Frühstück
gibts Kaffee und Weizenmehlbrötchen. Der Morgenmantel ist aus Baumwolle, und die Armbanduhr ist vergoldet.
Dann gehts zur Arbeit – mit dem Auto, das
aus diversen Metallen besteht und betankt
ist mit Benzin oder Diesel.
Der Tag fängt mit Rohstoffen an – und sie
begleiten uns bis am Abend. Trotzdem
investieren nur wenige Privatanleger in
diesen Bereich. Obwohl im Zusammenhang mit Rohstoffanlagen seit geraumer
Zeit von einem «Megatrend» die Rede ist,
bei dem grosse Gewinne möglich sind.
Das war früher schon mal anders: In den
achtziger Jahren gab es Basis- und Edelmetalle sowie Agrarrohstoffe im Überfluss
– und niemand sprach von Energieproblemen. Die Preise für Rohstoffe dümpelten
vor sich hin, und Investitionen, etwa für
die Erschliessung neuer Vorkommen, blieben weitgehend aus. Folge: Die Produktion nahm ab, bis sich ab 2002 ein Nachfrageüberhang gebildet hatte. Das knappe
Angebot – das auch noch unelastisch ist,
denn Rohstoffe sind nicht von heute auf
morgen abbaubar – führte zu höheren
Preisen.
Dieser Trend ist noch immer an den Rohstoffmärkten zu beobachten und wird die
nächsten Jahre anhalten. Grund dafür ist
der wirtschaftliche Aufbruch in Schwellenländern wie zum Beispiel Brasilien und
vor allem die rasante Entwicklung in China. Die Volksrepublik mit ihren rund 1,3
Milliarden Menschen hat einen fast unstillbaren Energiehunger. Der Nachholbedarf
gegenüber den Wohlstandsländern ist riesig, das Wachstum rasant. Ein Beispiel:
Auf 1000 Einwohner kommen in China
acht Autos, in den USA sind es 770.
In welche Rohstoffe können Anleger investieren, und wo lohnt es sich am meisten?
Einen Anhaltspunkt können die Lagerbestände an den Rohstoffbörsen wie zum
Beispiel der London Metal Exchange
Drei Fragen zum Thema Rohstoffe
Gibt es einen wertvolleren Rohstoff
als Gold?
Ja. Platin kostet etwa doppelt so viel
pro Feinunze (31,1 Gramm). Der Grund:
Platin ist 30-mal seltener als Gold. Zudem liegen die grössten Vorkommen
von Platin, rund 80 Prozent, konzentriert auf einem Fleck der Erde: im
südafrikanischen Bushveld-Komplex
nördlich von Johannesburg.
Wie viel Gold gibt es noch in der Erde?
2 Nach Schätzungen des US-Geologiedienstes sind weltweit noch rund
42 000 Tonnen abbaubare Goldreserven
im Boden. Beim heutigen Stand der
Technik sind diese in 17 Jahren geför-
1
(www.lme.com) bieten. Grundsätzlich
gibt es vier Möglichkeiten zum Kauf: die
Rohstoffe selbst (über Terminwarengeschäfte oder teils physisch), strukturierte Produkte auf die Rohstoffpreisentwicklung oder ein Rohstoffindex, Fonds mit
Rohstoffaktien (Minen, Gas- und Ölförderer) oder einzelne Rohstofftitel. Dabei
variiert vor allem das Risiko. Einzelne
Minenaktien sind besonders spekulativ,
weil der Anleger mit ihnen auch erhebliche
Risiken eingeht. Das können Minenunglücke oder schlechtes Management
sein. Sicherer sind Rohstofffonds, die
einen Korb aus Minenaktien abbilden und
die Risiken verteilen. Auch dabei ist der
Privatanleger praktisch Aktionär.
Anders ist dies wiederum bei strukturierten Produkten (siehe Seite 34). Diese
bilden den einzelnen Rohstoffpreis oder
einen Rohstoffindex nach. Bekannte Rohstoffindizes sind etwa der Commodity Research Bureau Index (CRB-Index), der
Rogers International Commodity Index
(RICI) und der Goldman Sachs Commodity Index (GSCI). Um deren Entwicklung
nachzubilden, verwenden die Emittenten
dert. Dann ist Schluss. Es sei denn, die
bis heute nicht abbaubaren 50 000 Tonnen können dank neuen Technologien
gehoben werden. Die weltweite Goldmenge beträgt rund 252 000 Tonnen.
es Möglichkeiten, in Rohstoff3 Gibt
aktien zu investieren, ohne auf Minen
oder Öl- und Gasförderer zu setzen?
Durchaus. Die Chancen bei Unternehmen, die Equipment zur Förderung
oder zum Anbau von Agrarrohstoffen
herstellen, sind sogar sehr gut. Allerdings kauft der Anleger damit oft nicht
ein reines Rohstoffunternehmen und
investiert so auch nicht in die reine
Rohstoffpreisentwicklung.
der Produkte Warentermingeschäfte (Futures). Dabei wird ein Rohstoff zu einem
bestimmten Termin in der Zukunft gekauft. Da der Finanzinvestor – im Gegensatz zum verarbeitenden Unternehmen –
aber den Rohstoff zu diesem Termin gar
nicht geliefert bekommen möchte, muss er
den Future vor Ablauf der vereinbarten
Frist wieder verkaufen und in den nächsten einsteigen (Fachbegriff: Rollen). Nun
kommt es darauf an, ob das nächste Termingeschäft zu günstigen oder weniger günstigen Konditionen abgeschlossen werden
kann. Das hängt von der Marktmeinung
ab. Ist der nächste Future teurer, nennt
man das Contango. Der umgekehrte Fall
wird mit Backwardation bezeichnet. Warum ist das wichtig? Bei strukturierten
Produkten können so zusätzliche Gewinne
oder Verluste entstehen.
Als Alternative bietet sich der Kauf von
Futures selbst an. Dies ist für Privatanleger
bisher nur über wenige Broker und Direktbanken möglich. Der Anleger muss dabei
einen Teil des Kapitals als Sicherheit hinterlegen. Dieses kann jedoch zinsbringend
angelegt werden und gleicht so oftmals
Karachi Stock Exchange, 2008
FOTO: FAREED KHAN/AP/KEYSTONE
30 GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008 31
Rohstoffzyklus: Wechselspiel von Angebot und Nachfrage
hohe
Nachfrage- Rohstoffüberhang
preise
niedrigere
Produktion
Investitionen
im Rohstoffsektor
Rohstoff-
ausbleibende
Investitionen
19
82
20
Preiszerfall
zyklus
2010
199 0
95
2002
06
19
Jede Hausse hat ein Ende: Beim Rohstoffzyklus ist voraussichtlich um
das Jahr 2015 Schluss. Seinen Anfang nahm der Zyklus 1982, als Rohstoffe billig waren. Dadurch lohnten sich Investitionen für die Rohstofffirmen kaum, die Produktion nahm ab. Die Nachfrage konnte dann ab
2002 nicht mehr befriedigt werden. Dadurch stiegen wiederum die Preise.
höhere
Produktion
Angebotsüberhang
5
1
0
2
FOTO: FAREED KHAN/AP/KEYSTONE
Quelle: Deutsche Rohstoff AG
etwaige Verluste (durch den Contango)
aus. Zu guter Letzt hat ein Anleger noch
die Möglichkeit, Rohstoffe physisch zu erwerben. Was beispielsweise bei Gold sinnvoll und möglich ist, ist bei Schweinebäuchen oder Jungrindern graue Theorie.
Es sei denn, man besitzt ein Kühlhaus oder
eine Weide.
Bei lagerbaren Rohstoffen gilt: Es fallen
Gebühren für die Aufbewahrung an. Wer
die Münzen oder Barren nicht im Bankschliessfach lagert oder unters Kopfkissen
legt, der muss darauf achten, dass ihm im
Zweifelsfall auch der Gold- oder Silberbarren ausgeliefert werden kann. Das ist
etwa bei Edelmetallkonten im Fall einer
Insolvenz der Bank nicht der Fall. Auch
Exchange Traded Funds beschränken sich
bei der Sachauszahlung auf ganze Barren,
was bei kleinen Anteilen die tatsächliche
Auslieferung zur rein theoretischen Variante macht. Wer Münzen kauft, der zahlt
ein Aufgeld, das für Massenmünzen bei
rund vier Prozent über dem eigentlichen
Materialwert liegt. Als Faustregel gilt: Je
grösser die Einheit, desto günstiger. Allerdings kann sich nicht jeder Anleger einen
12,5 Kilogramm schweren Goldbarren für
rund 30 000 Franken leisten.
Im Mittelpunkt des Interesses stehen oft der
Gold- und der Erdölpreis. Wie viele andere
Rohstoffe werden sie aus historischen
Gründen in US-Dollar gehandelt. Daher
ist für Rohstoffinvestoren wichtig, sich gegebenenfalls gegen Währungsverluste abzusichern. Sowohl Gold als auch Öl sind
jedoch mehr als reine Rohstoffe: Das gelbe
Edelmetall gilt als sicherer Hafen – insbesondere bei der momentanen Dollarschwäche –, das schwarze Gold wiederum
ist Spielball der Spekulanten und der Politik. Dennoch können Anleger von beiden
Rohstoffen profitieren, die langfristig weitere Höchstkurse ansteuern werden.
Der Goldboom wird angesichts der florierenden Schmuckindustrie weiter anhalten,
und Erdöl ist der Motor der Weltwirtschaft. Die aufstrebenden asiatischen
Staaten benötigen Kupfer für den Aufbau
der elektrischen Infrastruktur sowie Stahl
(aus Eisenerz und Kohle) für die Bauwirtschaft. Und der Trend zu Biosprit treibt die
Agrarrohstoffpreise (Weizen, Mais, Soja,
Zucker) zusätzlich in die Höhe – mit dem
negativen Effekt, dass die Preise für Lebensmittel weltweit weiter steigen werden, was
in Schwellenländern zu Hungerkrisen
führt. Mitte April haben Uno und Hilfsorganisationen Alarm geschlagen: Sie befürchten Unruhen in zahlreichen armen
Ländern. Die kräftig steigenden Lebensmittelpreise hatten bereits in Haiti, Ägypten, Mexiko oder in Burkina Faso gewalttätige Proteste zur Folge.
Wann ist diese Spirale zu Ende? Der renommierte Rohstoffinvestor Jim Rogers geht
in einem Interview mit dem Schweizer
Anlegermagazin «Stocks» davon aus, dass
dies zwischen 2018 und 2020 der Fall sein
wird. Denn bis neue Rohstoffvorkommen
erschlossen und auf den Markt gebracht
werden können, dauert es in der Regel
n
rund zehn Jahre.
Weitere Infos
w Buchtipp
Jim Rogers: «Rohstoffe – der attraktivste Markt der Welt»; FinanzbuchVerlag, 2005, 292 Seiten, Fr. 44.90
32 GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
KONTO
Für jeden Batzen ein Plätzchen
Wegen der aktuell tiefen Zinsen sind Bankkonten eher unbeliebt. Aber ohne ein Konto läuft
nichts. Oder kennen Sie jemanden, der sein Geld unter der Matratze hortet? Beim Zahlen,
Sparen oder Vorsorgen sind massgeschneiderte Lösungen gefragt. Text: Hanspeter Schreiber
H
eutzutage kommt kaum noch jemand ohne Konto bei einer Bank
oder bei der Postfinance aus. Man
braucht ein Konto, um sich den Lohn
überweisen zu lassen, die Miete per Dauerauftrag zu zahlen oder seine Einkäufe mit
der Kreditkarte abrechnen zu lassen. Ein
Konto kann man auch führen, um Geld für
eine lang ersehnte Reise oder für ein neues
Cabriolet zu sparen. Die Patin oder der
Pate kann mit regelmässigen Einzahlungen
oder einem einmaligen Betrag dem Neugeborenen einen Zustupf für später
sichern. Und wer Geld für seinen Lebensabend beiseitelegen möchte, kann mit
einem steuerbegünstigten Säule-3a-Konto
vorsorgen.
Oft werden Konten für bestimmte Zielgruppen mit Vorzugskonditionen angeboten: Von einem höheren Zins und tieferen
Kontogebühren profitieren etwa Jugendliche (Jugendprivatkonto), Personen ab 60
(Seniorensparkonto) oder Gotten- und
Enkelkinder (Geschenksparkonto).
Konten kann man ihrem Zweck nach in
drei grosse Gruppen einteilen:
1. Konten zum Zahlen
Diese Konten werden in erster Linie dazu
benutzt, private Bankgeschäfte zu tätigen.
Sie werden häufig als Privatkonto bezeichnet und eignen sich für
w die Verbuchung der Lohneingänge,
w Bargeldbezüge am Automaten,
w Buchungen von Kredit- und MaestroKarten-Transaktionen,
w den Zahlungsverkehr,
w Wertschriftentransaktionen,
w E-Banking (Internetbanking).
Bei diesen Konten handelt es sich um sogenannte Transaktionskonten: Es werden
regelmässig Geldbeträge gutgeschrieben
respektive belastet. Da die Guthaben eher
tief verzinst werden, sollten diese Konten
nicht zum Sparen verwendet werden.
Wichtig: Vergleichen Sie die verschiedenen Angebote vor allem auch in Bezug auf
die Spesen.
Drei Fragen rund ums Konto
Wäre es angesichts der bescheidenen
Zinsen für Schweizer Franken nicht
sinnvoller, das Geld auf ein Eurokonto im
Ausland zu überweisen?
Anlagen in Fremdwährungen sind ein
zweischneidiges Schwert. Einerseits
wird in Euro zwar ein höherer Zins bezahlt als in Schweizer Franken, anderseits kann das Guthaben wegen Kursschwankungen an Wert verlieren. Zudem fallen beim Kauf von Euro etwa
1,25 Prozent Kosten auf dem Wechselbetrag an. Und beim späteren Verkauf
muss nochmals mit 1,25 Prozent gerechnet werden. Nur der Währungstausch allein kostet somit rund 2,5 Prozent. Entscheidend ist letztlich, dass
der Mehrertrag (also die Differenz zwischen Zinsen auf Franken- und Euro-
1
konto) nicht durch Kosten und Wechselkursschwankungen zunichtegemacht
wird.
Vorsorgesparen ist auch im Interesse
2 des Staates: Garantiert im Fall eines
Bankenkonkurses die Eidgenossenschaft für
die Säule-3a-Guthaben?
Nein. Der maximale Einlegerschutz von
30 000 Franken bei Geschäftsbanken
schliesst Säule-3a-Konten mit ein. Sie
sind nicht zusätzlich geschützt.
es richtig, dass Sparkonten von
3 Ist
Kindern, solange sie minderjährig sind,
nicht zu versteuern sind?
Nein, das ist falsch. Die Eltern müssen
Konten und Zinseinkommen der
minderjährigen Kinder in ihrer eigenen
Steuererklärung deklarieren und
versteuern.
2. Konten zum Sparen
Sparkonten bieten die Möglichkeit, Geld
risikolos anzulegen oder sich ein Vermögen
aufzubauen. Hier gibt es bereits etwas
mehr Zins als auf Privatkonten. Ein kleiner
Nachteil sind die Rückzugsbeschränkungen: Je nach Kontoart können ohne Kündigung lediglich 10 000 Franken pro Monat oder Jahr bezogen werden. Für Auszahlungen, die diesen Betrag überschreiten, muss eine drei- oder sechsmonatige
Kündigungsfrist eingehalten werden – was
je nach Sparziel eine ärgerliche Einschränkung bedeuten kann.
Sparkonten eignen sich für kurz-, mittelund langfristige Sparziele. Wer sich in zwei
Jahren eine neue Wohnungseinrichtung
kaufen will oder eine mehrmonatige Weltreise plant, verfolgt kurzfristige Ziele (bis
drei Jahre). Wer sich in einigen Jahren den
Traum eines eigenen Hauses erfüllen oder
eine Ferienwohnung am Meer kaufen
möchte, hat ein mittelfristiges Ziel (vier
bis neun Jahre). Eher langfristige Ziele von
zehn Jahren und mehr haben Leute, die im
Hinblick auf die Pensionierung oder Frühpensionierung sparen – zum Beispiel wenn
die Möglichkeiten der zweiten Säule (Pensionskasse) und der Säule 3a (gebundene
Vorsorge) ausgeschöpft sind.
Je nach Sparziel bieten sich verschiedene
Konten an. Wer etwa seinem Patenkind
Geld für die Aus- und Weiterbildung oder
einfach einen Sparbatzen bei Erreichen
der Volljährigkeit bereitstellen möchte, eröffnet am besten ein Geschenksparkonto.
Rechtzeitig vor dem 18. Geburtstag stellt
die Bank eine Urkunde aus, mit der dem
Heranwachsenden das Guthaben überwiesen wird. Das Geschenksparkonto lautet
bis zur Übergabe der Urkunde auf den Namen der einzahlenden Person, die bis zu
diesem Zeitpunkt auch verfügungsberechtigt bleibt.
Tipp: Eröffnen Sie kein Sparkonto auf den
Namen des Kindes. Denn in diesem Fall
zählt das Guthaben zum Kindesvermögen,
und Sie können Ihre Schenkung nicht
Nach Milliardenverlusten: Wie sicher ist meine Bank?
Bankenkonkurse im Ausland und Milliardenabschreiber von schweizerischen Grossbanken – die Folgen der US-Hypothekenkrise verunsichern
auch hierzulande Anlegerinnen und Sparer. Viele fragen sich: Wie sicher
ist eigentlich «meine» Bank? Bei der Beantwortung dieser Frage muss
man immer vom schlimmsten Fall ausgehen: einem Bankenkonkurs.
In einem solchen Fall wird der Einlegerschutz wichtig: Alle Arten von
Konten und Kassenobligationen sind bis zu einem Betrag von maximal
30 000 Franken pro Kunde (nicht pro Konto) geschützt. Dieser Betrag
wird von der Schweizerischen Bankiervereinigung garantiert und innert
dreier Monate nach der Zahlungsunfähigkeit der Bank an die Kunden
ausbezahlt. Beträge, die über dieser Limite liegen, fallen in die dritte
Konkursklasse und sind unter Umständen nur noch teilweise durch die
Konkursmasse gedeckt. Für die Grossbanken UBS und Credit Suisse
sowie alle anderen, dem Bankengesetz unterstehenden Bankinstitute
(etwa WIR-Bank, Raiffeisenbank, Migros-, Coop-Bank) gilt derselbe
Einlegerschutz bis zum Maximalbetrag von 30 000 Franken. Bei den
meisten Kantonalbanken (Ausnahmen: BE, GE und VD) und der Post sind
alle Kontoguthaben und Kassenobligationen geschützt, auch jene über
30 000 Franken. Der jeweilige Kanton garantiert für die Einlagen bei den
Kantonalbanken, die Eidgenossenschaft für die Guthaben bei der Post.
mehr rückgängig machen. Mit Erreichen
des 18. Altersjahrs allerdings verfügt das
Kind automatisch über das Geld – auch
gegen Ihren Willen.
3. Konten zum Vorsorgen
Das Vorsorgekonzept der Schweiz basiert
auf dem Drei-Säulen-Prinzip:
w Erste Säule: Die staatliche Vorsorge der
AHV soll die Existenz sichern.
w Zweite Säule: Die berufliche Vorsorge
(Pensionskasse) dient der Fortsetzung der
gewohnten Lebenshaltung im Alter.
w Dritte Säule: Die private Vorsorge ist die
individuelle Ergänzung der beiden ersten
Säulen. Sie wird in die gebundene Vorsorge 3a und die freie Vorsorge 3b unterteilt. Zur freien Vorsorge 3b zählen sämtliche Vermögenswerte, die nicht der Säule
3a zugeordnet werden können: Bankkonten (Privat-, Sparkonto), Lebensversicherungen, Wertschriften und Wohneigentum. Über diese Vermögenswerte kann in
der Regel jederzeit frei verfügt werden.
Guthaben in der Säule 3a hingegen sind
grundsätzlich für die Altersvorsorge reserviert und daher – mit wenigen Ausnahmen
– bis fünf Jahre vor Erreichen des ordentlichen Pensionsalters blockiert. Als Gegenleistung für die langfristige Bindung werden den Sparern beim Aufbau wie auch
beim Bezug der Vorsorgegelder Renditeund steuerliche Vorteile geboten.
Lösungen für die gebundene Vorsorge 3a
werden von Banken und Versicherungen
angeboten. Bei der Versicherung wird
durch den Abschluss einer Vorsorgepolice der Risikoschutz für Tod oder
Erwerbsunfähigkeit infolge Invalidität
mit dem Alterssparen kombiniert. Banklösungen decken keine Risiken: Bei
Vorsorgeprodukten der Banken steht
das Sparen im Vordergrund. Bei der
Bank- wie auch bei der Versicherungsvariante kann mittels fester Verzinsung
gespart werden – oder das Geld wird in
Anlagefonds investiert.
Für Hausbesitzer interessant ist die indirekte Amortisation von Hypotheken
mit Hilfe der Säule 3a. Bei der direkten
Amortisation wird jährlich ein gleichbleibender Betrag zurückbezahlt. Dadurch reduziert sich die Hypothek
jährlich, und auch der Aufwand für Hypothekarzinsen sinkt. Bei der indirekten
Amortisation werden die Raten nicht
direkt an der Hypothek abbezahlt, sondern fliessen bis zum Zeitpunkt der
tatsächlichen Hypothekar(teil)rückzahlung als Vorsorgeguthaben auf ein Säule-3a-Konto oder in eine 3a-Police.
Bei der indirekten Amortisation fallen
die Steuern gesamthaft gesehen tiefer
aus als bei der direkten. Der Grund: Die
Einzahlungen in die gebundene Vorsorge können in der Steuererklärung
vom Einkommen abgezogen werden,
die Hypothekarschuld und die steuerlich absetzbaren Schuldzinsen bleiben
n
dagegen unverändert.
34 GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
STRUKTURIERTE PRODUKTE
Trendanlagen mit Tücken
Strukturierte Produkte sind eine komplexe Anlageform. Wer einige Grundregeln
befolgt, findet aber interessante Anlagemöglichkeiten. Oberstes Gebot ist allerdings:
Bilden Sie sich vor dem Kauf eine klare Meinung zum Markt. Text: Volker Strohm
E
ine Aktie gewinnt innert Wochenfrist
fünf Prozent an Wert – und gleichzeitig verdient der Anleger 20 Prozent.
Hokuspokus? Überproportional verdienen, also mit sogenanntem Hebeleffekt,
wenn sich ein Titel in die erwartete Richtung bewegt: Das mutet für viele Anleger
wie die Quadratur des Kreises an. Entsprechend trauen sie der Sache nicht, scheuen
Derivate oder strukturierte Produkte wie
der Teufel das Weihwasser und deklarieren sie als «Zockerinstrumente». Wenig
zur Vertrauensbildung tragen auch Namen
wie Bloc, Booster, Barrier Triple Reverse
Convertible oder Long Mini-Future bei.
Und dennoch: Derivate und strukturierte
Produkte sind die Anlageerfolgsgeschichte
par excellence. Seit Jahren befindet sich die
Derivatbranche auf der Überholspur und
generiert Wachstumsraten, von denen andere nur träumen. Waren es zunächst nur
die Hebelprodukte, die vorab in den neunziger Jahren die boomenden Aktienmärkte
begleiteten und für so manch fetten Gewinn sorgten, gesellten sich seit der Jahrtausendwende vermehrt Anlageprodukte
dazu, die Partizipation, Renditeoptimierung oder auch Kapitalschutz ermöglichen.
Der Erfolg kommt nicht von ungefähr.
Viele strukturierte Produkte haben es Privatanlegern erst ermöglicht, in gewisse
Anlagethemen zu investieren: Neue geographische Regionen, Zinsen, Währungen,
Hedge-Fund-Strategien und vor allem das
riesige Feld der Rohstoffe haben sich kostengünstig erschlossen.
Strukturierte Produkte bergen aber auch
Risiken, wie die Turbulenzen an den
Aktienmärkten zeigen: Viele Anleger
wurden in den vergangenen Monaten
«ausgeknockt». Dieser Fachbegriff steht
für die Erreichung einer Preislimite, die im
Voraus definiert worden ist und die das
Auszahlungsprofil (Pay-off) verändert.
Diese Veränderung sieht in aller Regel vor,
dass dem Anleger nun anstelle des Kapitals eine abgemachte Anzahl Aktien ins
Drei Fragen zum Thema strukturierte Produkte
Warum soll ich überhaupt ein strukturiertes Produkt kaufen, statt direkt
in die Aktie zu investieren?
Ein Aktienkauf ist nur dann sinnvoll,
wenn in Zukunft steigende Kurse
erwartet werden. Bei einer Seitwärtsperformance liegt das investierte Geld
brach, im Fall von sinkenden Kursen
verliert man Geld. Strukturierte Produkte bieten für jede Markterwartung
eine Lösung: Hat eine Aktie wenig
Kurspotential, kann es sich lohnen,
mit Bonus- oder Discount-Zertifikaten
sowie Reverse Convertibles die Rendite
zu optimieren. Rechnet man gar mit
einem Kurszerfall, ist der Einsatz von
Short Mini-Futures denkbar. Noch
einmal der wichtigste Grundsatz: Erst
eine klare Marktmeinung bilden, dann
investieren.
An strukturierten Produkten verdienen
2 in erster Linie die Banken, also die
Emittenten, lautet ein oft gehörter Vorwurf.
Wer überwacht eigentlich den Markt?
Der Markt für strukturierte Produkte
ist in der Tat wenig reguliert, doch
genau dies ist dessen Vorteil. Anders
sieht es bei den Anlagefonds aus: Sie
sind dem Kollektivanlagengesetz (KAG)
unterstellt, was aber nebst dem zusätzlichen Anlegerschutz auch mit sich
bringt, dass die Zulassung eines neuen
Produkts vergleichsweise behäbig
daherkommt. Mit strukturierten Produkten hingegen kann man sehr rasch
auf geänderte Marktsituationen oder
allgemeine Trends reagieren. Für
1
Depot gelegt wird, und zwar nicht unbedingt die Aktien, die man sich wünscht.
Die massenhaften Knock-outs haben
manchem Anleger schmerzlich aufgezeigt,
dass der eigentliche Funktionsmechanismus des Produkts nicht ausreichend
an der Börse kotierte Produkte bilden
immerhin die Zulassungsbedingungen
eine Art Regulatorium, für den riesigen
Markt des OTC-Handels («over the
counter», ausserbörslich) haben sich
die Emittenten auf eine «vereinfachte
Prospektpflicht» geeinigt. Diese sagt
aus, welche Mindestangaben in einem
Produktbeschrieb veröffentlicht werden
müssen. Mit dieser Offensive haben die
Banken die immer wieder geforderte
KAG-Unterstellung für strukturierte
Produkte ad acta gelegt.
es sich nach der Finanzkrise
3 Lohnt
überhaupt noch, in strukturierte
Produkte zu investieren?
Durchaus. Wer vorsichtig investieren
will, greift zu Kapitalschutzprodukten.
Dazu kommt, dass die massiv gestiegene Volatilität – also die Schwankungsbreite einzelner Basiswerte – Produkte
wie Bonus- oder Discount-Zertifikate
sowie Reverse Convertibles attraktiver
gemacht hat. Die Emittenten können
höhere Coupon- oder Bonuszahlungen
in Aussicht stellen – und der sogenannte Risikopuffer, also die Differenz von
aktuellem Kurs bis zu einer Knock-inSchwelle, ist grösser geworden. Aus
steuerlicher Optik sollten Schweizer
Anleger übrigens Bonus- und DiscountZertifikate den Reverse Convertibles
vorziehen: Deren Couponzahlungen
müssen zumindest teilweise (Zinskomponente) versteuert werden, bilden
aber dennoch den derzeit beliebtesten
Produkttyp im Markt.
verstanden wurde. Weder vom Anleger
selbst, aber vielfach auch nicht von dessen
Berater.
Zu Knock-outs später noch mehr – doch
so viel vorweg: Schmerzliche Erfahrungen
mit strukturierten Produkten müssen nicht
GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008 35
sein, werden die wichtigsten Regeln befolgt. Über allem steht das Muss, dass der
Anleger sich vor dem Kauf eines Produkts
eine klare Marktmeinung bildet: Aktie A
tendiert in den kommenden 18 Monaten
seitwärts; die Nachfrage nach Agrarrohstoffen wird in den nächsten fünf Jahren
weiter steigen; der Dollar verliert gegenüber dem Schweizer Franken bis Ende
2008 nicht weiter an Wert. Dies sind nur
einige Beispiele dafür, wie sich der Anleger
auf die Suche nach dem passenden Produkt machen kann.
Doch damit ist es nicht getan. Anleger
müssen auch beachten, dass die Mehrheit
der strukturierten Produkte in der Schweiz
nicht an der Börse kotiert ist, sondern dass
der Handel nur über den Emittenten stattfindet, also den Herausgeber der Produkte.
Das hat für den Anleger zwei Nachteile:
Zum einen geht die Übersichtlichkeit verloren, zum andern sind die Preise schlicht
nicht vergleichbar.
Seit Herbst 2005 geht der Trend allerdings
in Richtung Kotierung – zumindest hat die
Zahl der gelisteten Produkte markant zugenommen. An der Derivatbörse Scoach
(www.scoach.ch), einem schweizerischdeutschen Schulterschluss, werden derzeit
über 20 000 Produkte gehandelt. Der verschärfte Konkurrenzkampf unter den
Emittenten (immer neue stossen auch
aus dem Ausland hinzu) führt zusätzlich
dazu, dass die Preise «kompetitiv» sein
müssen.
Die Intransparenz bei den Gebühren ist ein oft
gehörter Vorwurf. Dazu ein Rat: Das Produkt soll nur gekauft werden, wenn der
Beipackzettel, das Termsheet, im Detail
Aufschluss darüber gibt, welche Kosten
eingerechnet werden. Wie hoch ist die Managementgebühr? Werden Dividenden der
zugrundeliegenden Aktien ausbezahlt oder
zur Finanzierung der Strukturierung einbehalten? Ist der maximale Spread, also
die Differenz zwischen denjenigen Preisen,
zu denen ein Produkt gekauft, aber auch
wieder verkauft werden kann, zugunsten
des Emittenten «grosszügig» angesetzt?
Nicht selten werden diese Informationen
verschwiegen. Dann gilt die Regel: Hände
weg!
Die Strukturierung von Produkten ist eine
höchst komplexe Angelegenheit – hier
können sich die einzelnen Emittenten profilieren und dabei voneinander abheben.
Wie der schlaue Druide Miraculix in den
«Asterix»-Comics mit dem Zaubertrank
hält man sich punkto Zusammensetzung
wohlweislich bedeckt. Dann kann es sehr
gut sein, dass ein vollumfänglich kapitalgeschütztes Produkt auf Rohstoffe mit
einer attraktiven Verzinsung daherkommt.
Wie das zustande kommt, bleibt entweder
das Geheimnis des Emittenten oder ist für
den Käufer des Produkts Nebensache. «Es
verhält sich wie bei Medikamenten», hat
Roger Studer, Präsident des Schweizerischen Verbands für strukturierte Produkte
(SVSP), einmal zu Protokoll gegeben: «Sie
müssen die Wirkung kennen – nicht den
Inhalt.»
Der SVSP (www.svsp-verband.ch) teilt in
seiner «Swiss Derivative Map» seit 2006
die strukturierten Produkte in vier Hauptkategorien ein (siehe unten).
Hebelprodukte: Die risikoreichste Kategorie
bilden die Hebelprodukte. Hier ist auch
der Warrant zu finden. Er verkörpert das
Recht, einen bestimmten Basiswert zu
einem im Voraus fixierten Preis zu kaufen
(Call) respektive zu verkaufen (Put). Es
handelt sich dabei um die klassische Form
von Option – der Begriff Warrant wird
dann verwendet, wenn es sich um verbriefte Varianten handelt. Optionen bilden, wie
Die Produkttypen-Übersicht: Swiss Derivative Map
Hebelprodukte
Warrants
Spread Warrants
Knock-out Warrants
Mini-Futures
Partizipationsprodukte
Tracker-Zertifikate
Bonus-Zertifikate
Outperformance-Zertifikate
Outperformance-Bonus-Zertifikate
Airbag-Zertifikate
Twin-Win-Zertifikate
Renditeoptimierungsprodukte
Discount-Zertifikate
Barrier-Discount-Zertifikate
Reverse Convertibles
Barrier Reverse Convertibles
Barrier Range Reverse Convertibles
Capped-Outperformance-Zertifikate
Capped-Bonus-Zertifikate
Kapitalschutzprodukte
Kapitalschutz ohne Cap
Kapitalschutz mit Cap
Kapitalschutz mit Coupon
Der Schweizerische Verband für strukturierte Produkte (SVSP) hat
mittlerweile nicht nur 18 Emittenten ins Boot geholt, die 95 Prozent
des hiesigen Derivatmarktes abdecken – er hat mit der Publikation der
«Swiss Derivative Map» auch die Produktkategorien und -typen übersichtlich gruppiert. Bis Mitte 2008 soll diese Matrix um die nichtkotierten
strukturierten Produkte ergänzt werden, ohne dabei an Übersichtlichkeit
zu verlieren. «Keine einfache Sache», wie SVSP-Geschäftsführer Eric
Wasescha sagt. Dank der «Map» wird transparent, dass sich beispielsweise hinter ICE Units, Defender Vontis und Léman Défensif dasselbe
verbirgt – ein Barrier Reverse Convertible nämlich.
New York Stock Exchange, 1979
FOTO: BURT GLINN/MAGNUM PHOTOS
36 GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008
GELD BEOBACHTER KOMPAKT 10/2008 37
bereits erwähnt, in aller Regel Bausteine
von strukturierten Produkten. Sie ermöglichen ein bestimmtes Auszahlungsprofil
an einem Tag X oder sichern das Kapital
im definierten Umfang ab.
Ebenfalls zu den Hebelprodukten zählen
Mini-Futures, die lange Zeit vor der Markteinführung in der Schweiz in Deutschland
und den Niederlanden unter dem Namen
Mini-Zertifikate einen regelrechten Sieges-
zug hielten. Nun wird auch hierzulande
geschätzt, dass mit diesem Produkttyp
nicht nur in Erwartung steigender Märkte
(Long Mini-Future), sondern insbesondere
auch bei negativer Stimmung (Short MiniFuture) ein Basiswert mit geringem Kapitalaufwand mit Hebeleffekt bewegt werden kann.
Von der Art her ähneln Mini-Futures ihren
«grossen Brüdern», den Futures-Kontrak-
ten. Allerdings: Eine Nachschusspflicht
besteht nicht, der Anleger kennt seinen
maximalen Kapitaleinsatz von Beginn an.
Das Produkt entspricht immer dem sogenannten inneren Wert, so dass eine
schwankende Volatilität keinen Einfluss
auf die Preisbildung ausübt. Und da MiniFutures ohne Verfall (Open End) emittiert
werden, findet – im Gegensatz zu herkömmlichen Optionen – kein Zeitwert-
Wichtige Begriffe im Zusammenhang mit strukturierten Produkten
Knock-out/Knock-in
Preisschwelle, bei deren Erreichen sich
das Auszahlungsprofil des strukturierten Produkts verändert: So wird beispielsweise nicht mehr der eingesetzte
Nominalwert zurückbezahlt, sondern
eine Anzahl Aktien ins Depot gelegt.
FOTO: BURT GLINN/MAGNUM PHOTOS
Verbriefung
Die Verbriefung umschreibt grundsätzlich die Schaffung von handelbaren
Wertschriften. Im Fall von Optionen
werden Kontrakte beispielsweise an
den grossen Terminbörsen wie Eurex
gehandelt – sobald es sich um verbriefte Varianten (Warrants) handelt,
geht der Anleger wie bei allen strukturierten Produkten ein Gegenparteirisiko
(mit dem Emittenten) ein. Weiteres
wichtiges Unterscheidungsmerkmal:
Mit Warrants können keine Leerverkäufe getätigt werden.
Long Mini-Future/Short Mini-Future
Strukturiertes Produkt, mit dem mit
geringem Einsatz viel Kapital bewegt
werden kann. Dadurch entsteht ein
«Hebel», der ausdrückt, um wie viele
Prozentpunkte der Mini-Future steigt
oder fällt, wenn sich der Basiswert
um ein Prozent bewegt. «Long» steht
für die Erwartung steigender Kurse,
«Short» für fallende Kurse.
Futures-Kontrakte
Form von Termingeschäft, die bei der
Idee von Mini-Futures Pate stand. Anders
als beim strukturierten Produkt schiesst
hier der Anleger den ersten Geldbetrag
(Initial Margin) ein, ist dann aber stets
nachschusspflichtig – muss also zahlen,
sollte sich der Basiswert nicht in die
gewünschte Richtung bewegen.
Stop-Loss
Auftragsart für Börsengeschäfte. Bei
diesem Preis wird ein limitierter zu
einem Bestens-Auftrag. Im Fall von
Mini-Futures bedeutet dieser Wert,
dass das Produkt sofort getilgt wird –
der Anleger erhält nur noch einen
kleinen Geldbetrag ausbezahlt.
also einer Maximalrendite (oder Cap).
Dies ist bei allen Produkten der Kategorie «Renditeoptimierung» der Fall, aber
auch Kapitalschutzprodukte partizipieren – teilweise nicht grenzenlos – an
einem steigenden Basiswert. Grundsätzlich gilt die Faustregel: Je niedriger
das Cap angesetzt ist, desto höher ist
die Partizipationsrate respektive das
Kapitalschutzniveau.
Tracker-Zertifikate
Von englisch «to keep track» – was
so viel heisst wie: «einer Spur folgen».
Die in einem Tracker zusammengefassten Basiswerte (etwa Index, Aktien zu
einem bestimmten Thema, aus einem
bestimmten Land) werden im Massstab
1:1 (unter anderem abzüglich Gebühren, einbehaltener Dividenden) nachgebildet.
Discount-Zertifikate/Reverse Convertibles
Vom Auszahlungsprofil her sind die
beiden Produkttypen identisch, werden
aber unterschiedlich strukturiert, was
für den Anleger Konsequenzen hat.
Discount-Zertifikate ermöglichen dem
Anleger, einen Basiswert zu einem
reduzierten Preis zu kaufen. Da diese
Differenz (reduzierter Kaufpreis bis
Rückzahlungsbetrag) als Kapitalgewinn
gilt, ist der Ertrag in der Regel steuerfrei. Reverse Convertibles haben einen
obligationenähnlichen Charakter und
zahlen dem Anleger zum Laufzeitende
einen Zinscoupon aus. Dieser setzt sich
aus einer Options- und einer Zinskomponente zusammen. Letztere ist
als Einkommen zu versteuern.
Cap
Bei einigen strukturierten Produkten ist
der Ertrag «gedeckelt», er entspricht
Volatilität
Schwankungsbreite des Basiswerts
in Prozent.
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verlust statt. Eine vorzeitige Rückzahlung
seitens des Emittenten erfolgt nur in dem
Fall, wenn das Stop-Loss-Niveau erreicht
wird.
Partizipationsprodukte: Gemächlicher geht
es bei den Partizipationsprodukten zu. Ein
Klassiker ist das Tracker-Zertifikat, das
den Basiswert im Massstab 1:1 abbildet
und in direkter Konkurrenz zum Anlagefonds steht. Während sich Tracker-Zertifikate und Anlagefonds von der Funktionsweise her kaum noch unterscheiden, gibt
es eine rechtliche Besonderheit, der sich
die Anleger unbedingt bewusst sein müssen: Das in einen Anlagefonds investierte
Geld wird in sogenanntes Sondervermögen ausgelagert. Es fällt im Fall eines
«Groundings» der Bank nicht in die Konkursmasse. Der Käufer von strukturierten
Produkten geht hingegen ein Gegenparteirisiko ein. Mit anderen Worten: Das Produkt ist letztlich nur so sicher wie der Emittent. Obwohl das Risiko in der Praxis rein
theoretischer Natur sein dürfte, lohnt es
sich allemal, auch bei der Wahl des Emittenten eine Diversifikation anzustreben –
die (Risiko-)Last also quasi auf mehrere
Schultern zu verteilen.
Auch für Seitwärtsmärkte, bei denen sich
die Kurse weder nach oben noch nach unten bewegen, hält die Kategorie der Partizipationsprodukte Lösungen bereit: Das
Bonus-Zertifikat garantiert dem Anleger
grundsätzlich eine im Voraus definierte
Bonuszahlung. Sie ist bis zur Knock-inSchwelle gesichert (bedingter Kapitalschutz). Wird die Preisschwelle unterschritten, wandelt sich das Produkt in
einen normalen Tracker, oberhalb des Bonusniveaus ebenfalls – mit anderen Worten:
Auch an weiter steigenden Märkten partizipiert der Investor. Dieser muss sich aber
bewusst sein, dass Schutzmechanismen in
einem strukturierten Produkt nicht umsonst zu haben sind. So werden beim Bonus-Zertifikat laufende Erträge wie etwa
Dividenden zur Finanzierung der Teilschutzstrategie verwendet.
Einen regelrechten Hype erlebten kurzzeitig die ebenfalls zur Kategorie der
Partizipationsprodukte gehörenden TwinWin-Zertifikate: Das Auszahlungsprofil
sieht vor, dass der Anleger sowohl bei
steigenden wie auch fallenden Märkten
verdient – auch hier allerdings nur bis zur
definierten Knock-in-Schwelle.
Renditeoptimierungsprodukte: Nochmals zurück zu den Seitwärtsmärkten, die für Direktanlagen uninteressant sind: Für diese
Marktbewegung sind diverse Renditeoptimierungsprodukte entwickelt worden
– allen voran Discount-Zertifikate und
Reverse Convertibles als die Klassiker.
Nach wie vor am beliebtesten bei den an
der Scoach gelisteten Produkten sind Barrier Reverse Convertibles: Um einen höheren Coupon erzielen zu können, werden
hierbei zwei oder meist mehrere Basiswerte kombiniert. Damit der Anleger allerdings eine klare Marktmeinung formulieren kann, sollten diese Werte nicht allzu
themenfremd sein.
Grundsätzlich gilt: Je höher die Korrelation, desto niedriger die Couponzahlung,
wobei diese für einen Anlegeentscheid
nicht ausschlaggebend sein darf. Die
Knock-in-Schwelle (Barrier) federt das
Risiko zwar leicht ab – im schlechtesten
Fall trägt der Anleger aber das Risiko des
schwächsten zugrundeliegenden Basiswerts («Worst of»-Prinzip), wie dies im
Zuge der Finanzkrise und der folgenden
Börsenturbulenzen festzustellen war. Aus
vermeintlichen Zinsanlegern (Couponzahlung) wurden Aktionäre. Und es wurde
deutlich, dass zu oft ein Klumpenrisiko
vorhanden war oder noch immer ist: Wer
UBS-Aktien in seinem Depot hat und noch
zusätzlich einen Barrier Reverse Convertible auf UBS und einen auf das Bankentrio
UBS/CS/Julius Bär kauft, muss sich immer
das Worst-Case-Szenario, die schlechteste
aller Varianten, vor Augen führen: Es droht
bei beiden strukturierten Produkten am
Ende der Laufzeit eine (zusätzliche) Lieferung von UBS-Titeln.
Weiterentwicklungen gibts natürlich längst
– etwa in Form von Barrier Range Reverse
Convertibles, die eine obere und untere
Knock-in-Schwelle kennen, in Form von
Verdopplungen des Coupons (mittels
Digital Option), in Form von frühzeitiger
Rückzahlung im Fall eines Barrier-Ereignisses oder – aufgrund der durch den USHypothekenmarkt ausgelösten Börsenbaisse – in Form von (Crash-)Kapitalschutz, falls gleich alle Basiswerte unter
die Knock-in-Schwelle abstürzen.
Kapitalschutzprodukte: Bleibt noch die
vierte Kategorie, deren Produkten häufig
ein konservatives Image anhaftet – was gar
nicht sein müsste. Prinzipiell stehen bei
Kapitalschutzprodukten folgende Fragen
im Vordergrund: Wie hoch ist die Partizipationsrate an steigenden Kursen des Basiswerts? Wo ist das Kapitalschutzniveau
(Floor) angesetzt? Und ebenfalls wichtig:
Wie wird der Schutz finanziert? Da sehr
häufig eine festverzinsliche Komponente
bei der Produktstrukturierung eingesetzt
wird, war das lange sehr tiefe Zinsniveau
attraktiven Konditionen nicht eben zuträglich. Das ist jetzt anders. Selbst Produkte
(mit oder ohne Cap) auf Aktienindizes wie
etwa den Swiss Market Index (SMI) sind
auch für Obligationen- oder Geldmarktanleger willkommene Alternativen, da das
Risiko beschränkt ist. Zu beachten ist aber:
Der Kapitalschutz greift meist erst auf den
Verfalltermin hin, Wertschwankungen
während der Laufzeit sind möglich.
Eines sollten Anleger bei allen strukturierten Produkten beherzigen: Beim Kauf dürfen nicht blumige Versprechen, hohe Coupons oder trendige Slogans entscheiden,
sondern eine klare Marktmeinung zum
entsprechenden Basiswert. Das Termsheet
zeigt die Funktionsweise und «versteckte»
Kosten auf. Es ist zwar eine Mär, dass
Derivat-Emittenten gegen den Anleger
spekulieren würden. Es ist aber wichtig,
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Art Director: Regina Kriewall
Layout: Rudi-Renoir Appoldt, rrenoir.com
Bildredaktion: Marina Roth
Verlag Verlagsleiter: Roland Wahrenberger
Internet Fred Frohofer, Markus Röösli
Auflage 311 910 Exemplare (WEMF-beglaubigt
2007); 999 000 Leserinnen und Leser
(MACH Basic 2007-2)
«Kompakt Geld» ist eine gemeinsame
Beilage der Zeitschriften «Beobachter» und
«Stocks» und erscheint einmal jährlich.
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