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Hürlimann: Wie gemacht für die Schweiz?

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TECHNIK
vom Fahrpedal zu nehmen. Auf dem
Feld ist diese Funktion ebenfalls nützlich, denn sie ermöglicht eine gute
Kontrolle über die Ausbringmenge des
Güllefasses oder des Mistzetters.
Wenn wir mit dem Güllefass unterwegs waren, ist uns noch etwas anderes aufgefallen: Das Zapfwellengetriebe verfügt zwar über drei Gänge
(540, 540E und 1000), diese lassen
sich aber nur mit viel Geduld schalten. In einigen Fällen war viel List und
in anderen nicht weniger Gewalt nötig, um vom 1000er- in den 540erGang zu wechseln. Dafür gibt es aber
eine praktische Zapfwellenautomatik.
Aber zurück zum V-Drive: Es lässt
sich im Automatik- oder Zapfwellenmodus sehr feinfühlig regeln. Das ist
nicht nur beim Rangieren von Vorteil.
Auch bei Arbeiten mit dem Ladewagen oder mit dem Frontmähwerk im
steilen Gelände haben wir das sehr
geschätzt.
Gute Gewichtsverteilung
Hürlimann: Wie gemacht für
die Schweiz?
Same Deutz-Fahr lässt den neuen Hürlimann im altbekannten Kleid erscheinen. Was
der Neue kann, haben wir den ganzen Sommer über in einem Praxistest untersucht.
E
s war eine kleine Sensation, als
Same Deutz-Fahr im letzten Jahr
die neue Hürlimann XM-Serie an
der Sima in Paris präsentierte. Überrascht hatte nicht nur die Technik,
sondern auch das Design nach dem
Vorbild der legendären Hürlimann
H12 Traktoren. Same Deutz-Fahr
(SDF) will damit an die Erfolge dieser
Serie anknüpfen.
Ob die XM-Traktoren das Zeug dazu
haben, untersuchten wir an einem
XM 120 T4i mit dem stufenlos-leistungsverzweigten Getriebe V-Drive.
Wir setzten ihn während über 200
Stunden in der Praxis ein.
Motor überzeugte
Die von Giugiaro designte Motor­
haube ist mehrteilig und lässt sich leider nicht allzu weit öffnen. Der Motor
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aber überzeugte. Der Vierzylinder von
Deutz erfüllt die Abgasnorm Tier 4i
mit einer Abgasrückführung und einem wartungsfreien Dieseloxydations-Katalysator. Damit benötigt er
kein AdBlue und hat auch keinen Dieselpartikelfilter an Bord. In der Praxis
zeigte sich das Aggregat durchzugsstark und liess uns nie im Stich. Ob
vor dem Vierscharpflug, dem grossen
Miststreuer, dem Güllefass oder bei
anderen schweren Transportarbeiten,
der Deutz hat bei uns einen guten Eindruck hinterlassen. Auch die Mess­
ergebnisse an der Agroscope in Tänikon konnten überzeugen (siehe Kasten).
Mindestens so gut gefallen hat uns
aber das stufenlos-leistungsverzweigte Getriebe V-Drive. Es ist sehr
feinfühlig über das Gaspedal und einen Hebel in der Bedienarmlehne zu
steuern. Drei Modi sind verfügbar:
Manuell, Zapfwelle und Automatik.
Im manuellen Modus fährt sich das
V-Drive wie ein herkömmliches
Schaltgetriebe. Mit dem Unterschied,
dass fast unendlich viele Übersetzungen zur Verfügung stehen. Diese Einstellung benutzten wir aber höchst
selten. Sehr viel komfortabler ist nämlich der Automatik-Modus. Ist dieser
aktiviert, wird das Gaspedal zum
Fahrpedal. Die Elektronik wählt Motordrehzahl und Übersetzung selbst.
Sparsam im Eco-Modus
Über ein Drehpoti kann der Fahrer
einstellen, ob der Motor eher im oberen Drehzahlbereich laufen soll und
damit durchzugsstark ist, oder ob er
im Eco-Modus mit tiefen Drehzahlen
und weniger Dieselverbrauch arbeiten soll. Wenn wir im Eco-Modus
arbeiteten, waren wir mit dem Dieselverbrauch des Hürlimann zufrieden.
Nicht zuletzt darum, weil er auch mit
reduzierter Drehzahl die Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h erreicht
hat.
Den Automatik-Modus haben wir
fast immer verwendet. Er eignet sich
für Transportarbeiten genauso gut
wie fürs Pflügen oder für Frontladerarbeiten. In diesem Modus ist der
Traktor sehr einfach zu bedienen.
Einzig bei Talfahrten mit einem
schweren Anhänger muss man sich
zuerst an diesen Modus gewöhnen.
Dafür ist die Streckbremse, die mit einer Taste am Armaturenbrett aktiviert
wird, sehr praktisch. Sie hat uns im
Einsatz mit dem Rückewagen vor
brenzligen Situationen bewahrt.
XM 120 T4i
• Maximalleistung an
Zapfwelle: 101 PS*
• Gewicht ohne Frontlader-
konsolen: 5,53 t*
• Wendekreis: 10,8 m*
• Bereifung: 540/65 R24 vo
600/65 R34 hi
• Listenpreis in Testaus stattung: 150 000 CHF
*Messwerte ART
Hang. Gerade bei Bergfahrten mit
dem 8 m3-Güllefass wussten wir das
zu schätzen. Richtig begeistert waren
wir von der wirklich guten Gewichtsverteilung des XM 120 T4i. Wir staunten, wie steil wir fahren konnten,
ohne dass einzelne Räder entlastet
worden wären. Für Frontladerarbeiten haben wir kein einziges Mal ein
Heckgewicht gebraucht.
Apropos Frontladerarbeiten: Dafür
eignet sich der XM 120 T4i gut. Er ist
nicht nur standfest, sondern auch
sehr wendig. Mit der Funktion SDD
kann man mit nur einer halben Lenkradumdrehung voll einschlagen. Das
spart Zeit und Nerven.
Die Sicht auf den Frontlader ist
dank des Dachfensters und des
schmalen Kabinenrahmens optimal.
Und die Steuerung ist denkbar einfach. Unser Testtraktor war mit der
Fotos: Luzi
Der Hürlimann
hat auch mit
dem 3 m breiten Mähaufbereiter eine gute
Figur gemacht.
Trotz seines Gewichts war der Hürlimann dank seiner Bereifung und vor
allem dank dieser feinfühligen Steuerung sehr narbenschonend unterwegs. Selbst wenn wir an die Einsatzgrenzen gingen, fühlten wir uns
immer sicher. Neben der starken Federspeicherbremse und der kräftig
zupackenden Vierradbremse hat auch
der aktive Stillstand für Sicherheit gesorgt. Sobald man das Fahrpedal loslässt, steht der Traktor sicher im
Datenkompass
TECHNIK
Zapfwellenschaltung
ist mühsam
Sobald man die Zapfwelle einschaltet, wird automatisch der Zapfwellenmodus aktiviert. Dann kann der Fahrer
über das Handgas die Motordrehzahl
festlegen und mit dem Fussgas die Fahrgeschwindigkeit regeln. Das hat uns gut
gefallen − vor allem bei Arbeiten mit
der Ballenpresse oder dem Säkombi.
Das Getriebe verfügt übrigens auch
über eine Tempomat-Funktion. Sie erlaubte uns, auf der Strasse den Fuss
Besonders geschätzt haben wir den wendigen Traktor im Einsatz mit dem Frontlader.
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TECHNIK
TECHNIK
Praxistest: Was uns sonst noch auffiel
Negativ
Positiv
Der Monitor ist übersichtlich und bei allen Lichtverhältnissen gut zu lesen.
Das Gitter vor dem Kühler
lässt sich nur ausziehen,
wenn die Räder auf die richtige Seite eingeschlagen
sind. Das ist lästig.
Die Hubstreben des Heckkrafthebers kann man beidseitig einstellen.
Die Werkzeugkiste ist dieses
Traktors nicht würdig. Mehr
gibt es hier nicht zu sagen.
Zapfwelle und Hubwerk
kann man auf beiden Kotflügeln bedienen. Die Zapfwelle kann hier nicht nur
aus- sondern auch eingeschaltet werden.
Die Kabine ist hochwertig
verarbeitet und einfach zu
reinigen.
Die Hydraulikanschlüsse im
Heck verfügen zwar über
praktische Leckölsammler.
Die vier Steckplätze rechts
sind aber von der linken
Seite her schwer zu erreichen, wenn der Oberlenker
im Weg hängt.
Die Kotflügel vorne schwenken ein paar Grad mit den
Rädern mit. Dann kommt ein
Anschlag, damit sie nicht
mit dem Tank kollidieren.
Dieser Anschlag ist aber
deutlich zu schwach dimensioniert und schnell verbogen.
mit einer Taste entriegelt hat. Das ist
vom Gesetzgeber so vorgeschrieben.
Trotzdem ging es uns anfänglich gewaltig auf die Nerven. Zum Glück haben wir uns nach einigen Stunden daran gewöhnt.
Komfort pur
Sonst gibt es an der grosszügigen
Kabine wenig zu meckern. Alle
Bedien­elemente sind nach Funktionseinheit farblich markiert und ohne
Verrenkungen zu erreichen.
Auch das einfach einstellbare Lenkrad ist sehr ergonomisch und die Bedienarmlehne lässt keine Wünsche offen. Für die zweite Armlehne gilt das
allerdings nicht, sie ist für grosse Fahrer zu kurz. Die Rundumsicht ist mustergültig − dank der grossen, ausstellbaren Heckscheibe auch nach hinten.
So viel Glas sorgt normalerweise für
hohe Temperaturen in der Kabine.
Nicht so beim Xm 120 T4i – die Klimaanlage machte auch an heissen Tagen einen guten Job. Ausserdem sorgen der luftgefederte Fahrersitz und
die Vorderachsfederung für einen hohen Fahrkomfort. Gefallen hat uns
auch die Beleuchtungsanlage. Sie
leuchtet den Arbeitsbereich sehr gut
aus und lässt sich in einem logischen
Bedienfeld steuern.
Zusammenfassend lässt sich sagen,
dass Same Deutz-Fahr mit dem neuen
Hürlimann der Anschluss an die alten
Vorbilder gelungen ist. In unserem
200-stündigen Test hat er uns mit
sauberer Verarbeitung, Zuverlässigkeit, Komfort und Leistung überzeugt.
Töni Gujan und Simon Peter Luzi,
LANDfreund Maschinentestteam
Wir haben
den Hürlimann oft mit
schweren Anhängern auf
Bergstrassen
eingesetzt.
Die starke Beleuchtung des
XM 120 T4i lässt
die Nacht zum
Tag werden. Da
kann man auch
mitten in der
Nacht pflügen.
Plus
Fahrkomfort
Getriebe
Übersichtlichkeit
Gewichtsverteilung
optionalen, elektronischen Hydrauliksteuerung ausgerüstet. Serie sind mechanische Steuergeräte. Den Frontlader konnten wir über einen kleinen
Kreuzhebel sehr genau bedienen.
Was die Hydraulik angeht, durften
wir uns sowieso nicht beklagen: Wir
hatten vier doppelt wirkende Steuergeräte hinten und eines vorne zur
Verfügung. Die «load sensing»-Pumpe
leistete auf dem Prüfstand bei der
ART satte 85 Liter pro Minute bei
174 bar Druck. Alle Steuergeräte wa-
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ren proportional zu bedienen und
hatten eine Schwimmstellung. Drei
davon verfügten zusätzlich über eine
Zeit- und Mengensteuerung.
Alle Ventile (inkl. Front- und Heckkraftheber), die Zapfwellen, die
Sperre und der Allrad können in das
Vorgewende-Management integriert
werden. Die «Comfort Tip» genannte
Einrichtung erlaubt dem Fahrer, gewisse Sequenzen zu speichern und
dann auf Knopfdruck abzurufen.
Leider kann man die Sequenz nicht
mit einem Knopfdruck auslösen, sondern muss für jeden Schritt wieder die
Taste drücken.
Sicherheit geht über alles
Die Bedienung der Hürlimann ist
kinderleicht − aber erst, wenn man
begriffen hat, wo sich die verschiedenen Funktionsbereiche entriegeln lassen. Der Heckkraftheber oder die Hydraulikanlage sind beispielsweise erst
dann betriebsbereit, wenn man sie
Bremsen
Minus
Werkzeugkiste
Zapfwellenschaltung
lästige Sicherheitseinrichtungen
Die Bedienelemente sind nach
Funktionsbereich farblich
markiert. Das
macht die Bedienung kinderleicht.
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Seele and Geist
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