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Ein Holzhaus wie ein Massivbau - Forum-HolzBau

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Ein Holzhaus wie ein Massivbau
Holzbau und Elemente-Fertigung
Das Passivhaus aus dem Baukasten: einfach wie Massivbau
”Nicht der Zimmerer muss passivhaustauglich sein, sondern die Bauweise!”, ist ein Bekenntnis von
Günther Kaufmann nicht nur zum Holzbau, sondern auch zum energiesparenden Bauen und zu
einer handwerkergerechten, unkomplizierten Bauausführung. Was 1992 als Ein-Mann-Betrieb im
Treppenbau begann, kann sich heute im Industriegebiet des Oberschwäbischen Oberstadion mit
zwei Firmen im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen. Die Kaufmann Holzbau GmbH baute im
vergangenen Jahr 31 Häuser und die Kaufmann Massivholz GmbH fertigte 41.000 m2 Elemente
für den Holzbau.
”Unser Schwerpunkt liegt im energetischen Holzbau und in der Herstellung von Komponenten
dafür”, erklärt Günther Kaufmann, seine Erfolgsstory. Denn von Erfolg kann man reden, wenn man
in heutiger, wirtschaftlich schwieriger Zeit jährlich den Umsatz um 20 bis 25 % erhöht und den
Betrieb mit 27 Mitarbeitern voll auslastet. Mehr noch: der Zimmermeister im Oberschwäbischen
Oberstadion hält zwei Betriebe am Laufen - oder besser gesagt, am Wachsen: erstens die
Fertigung von Massivholz-Elementen zum Bauen von Häusern bis zum Passivhaus-Standard und
zweitens das ebenso erfolgreiche Holzbau-Unternehmen mit Schwerpunkt 3-Liter-Haus bzw.
Passivhaus. Dazu Kaufmann: ”In zehn Jahren wird das Heizöl etwa das Vierfache des heutigen
Preises kosten. Da verursacht ein normales Wohnhaus ca. 5.000 Euro Heizkosten. Das muss ich
dem Kunden doch sagen!”
1992 machte sich Günther Kaufmann als Zimmerer-Meister selbständig und begann als
Ein-Mann-Betrieb. Schon bald folgten den Treppen andere Zimmererarbeiten und 1994 waren 20
Mitarbeiter beschäftigt und mit dem geschäftlichen Erfolg wurden auch Meister eingestellt. Es
kamen Aufträge für Einfamilienhäuser in Holz und 1997 wurde die erste Halle gebaut. Kaufmann
spürte den (damals beginnenden) Trend zum energiesparenden Bauen und bildete sich
konsequent fort, besuchte Tagungen und informierte sich bei Institutionen und Verbänden. ”Selbst
auf den Fachschulen waren Themen wie etwa ”Passivhaus” ganz selten angeboten. Neben
größeren Anforderungen an die Dämmung wurde mir damals klar, dass auch der oft mangelnde
Schallschutz gerade bei den leichten Holzrahmenbauten ein Punkt der Skepsis gegenüber
Holzbauten war. Diesen Konstruktionen fehlte generell die Masse, die u.a. Grundlage für
Schallschutz und für komfortables Wohngefühl ist. Daher begann ich die Herstellung von massiven
Holzdecken”, erinnert sich Kaufmann. 1999 bekamen sein Unternehmen vom Bauträger Vogel den
Auftrag für 13 Passivhäuser auf der Expo-2000-Außenstelle in Ulm. In Kooperation mit der
”Holzindustrie Wolfegg” realisierte Kaufmann erstmalig diesen Baustandard, die Decken waren
Brettstapel-Konstruktionen. Zur Luftdichtigkeit der Gebäudehülle sagte Kaufmann schon damals,
für ihn kämen statt Folien nur verklebte OSB-Platten zum Einsatz, und wie zur Bestätigung lagen
die gemessenen Luftdichtheitswerte der von ihm derart ausgeführten Reihenhäuser bei 0,30 h-1
(mikado berichtete in seiner Ausgabe 5-2001 über dieses Projekt).
In diese Zeit fiel die Idee, Brettstapelemente mit Buchendübel zu verbinden und mit einem
Schweizer Partner entwickelte Kaufmann eine Produktionsanlage für derartige Elemente, die er im
eigenen Unternehmen in Betrieb nahm. Die Massivholzelemente nannte Kaufmann ”Dübelholz”
und sie stellen bis heute das Rückrat seines Holzhausbaus dar, der ganz auf massives Bauen mit
Holz ausgerichtet ist.
In seinen Broschüren für den Bauherrn ist das KaufmannMassivhaus in
HolzTrockenMassivBauweise (HTMB) die zentrale Aussage, bei der die dort propagierte HTBMDübelholztechnik für Solidität, massive Gebäudehülle und den natürlichen Baustoff Holz steht. Die
von Kaufmann erstellten Einfamilienhäuser und Doppelhäuser werden von Architekten geplant, die
von den Bauherrn beauftragt oder von Kaufmann empfohlen worden sind.
”Viele Zimmerer gehen bei ihren Kostenvorstellungen immer vom sichtbaren Holzbau aus und
sagen, das Holzhaus sei zu teuer. Das kann ich mit unserem System widerlegen. Einige mir
bekannte Architekten haben bereits Massivholzhäuser mit unseren Elementen angeboten, die
gleichpreisig wie ein Mauerwerksbau waren. Ich musste zuerst den Zimmerer und den Kunden
überzeugen, dass Holz als tragendes Element und als Material, das die unnachahmliche HolzAtmosphäre erzeugt, innen wie außen nicht sichtbar sein muss. Die Zimmerer meinen immer noch,
sie müssten das Holz in sichtbarer Ausführung verkaufen, der Kunde will das gar nicht unbedingt.
Nicht jeder Kunde will Holz sehen, aber viele Bauherren wollen in einem Holzhaus wohnen”, erklärt
Kaufmann, dessen Frau das Wirtschaftliche überwacht und der zwei Meister zu Planung und
Kundenkontakt im Büro beschäftigt.
Heute wird bei Kaufmann KMH im Zweischichtbetrieb produziert, an drei Monaten pro Jahr in drei
Schichten, Werksferien oder freie Samstage sind wegen voller Auftragsbücher nicht möglich.
Erstellt werden pro Tag 240 m2 Wände, Decken und Dächer im Zweischichtbetrieb mit jew. einem
Mitarbeiter an den zwei Maschinen. ”Das ist der industrielle Gedanke”, sagt Kaufmann; das Holz
werde in die Maschine eingelegt wie beim Brettschichtholz, dann verdübelt; ”das ergibt eine viel
höhere Qualität gegenüber genagelten Elementen. (Die Buchendübel sind heruntergetrocknet auf
6-8% Feuchtigkeit, das technisch getrocknete Holz hat 15%.) Mit einer gehobelten Ware wären wir
preislich dem Brettschichtholz sehr ähnlich. Je größer die geforderte Stärke der Elemente, desto
preisgünstiger wird unser System. Aber das war nicht mein Gedanke - ich will das Material, wie es
bei uns im Wald wächst, verarbeiten.” Und damit Kosten sparen. Grundgedanke des Produktes
”Dübelholz” (hergestellt ohne Leim und Nägel) ist die Verwendung sägeroher Hölzer ohne
Vorhobelung, weil es nicht im Gebäude sichtbar verarbeitet wird. Dazu Kaufmann: ”Jedes
Sichtelement, ob Leimholz oder Brettstapel hat ca. 25-28% Hobelverlust. Auch der Leimer muss
seine Lamellen vorhobeln, leimen und wieder hobeln. Auch wir haben Sichtelemente im
Programm, diese werden gehobelt und dann elementiert. Ein Kubikmeter Holz bringt 0,75
Kubikmeter gehobelte Ware, 0,25 gehen in den Späneturm. Bei unserem Dübelholz liegt dieser
Wert bei 5-7%. Wichtig für den Hausbau: Das Dübelholz sorgt für Holzmasse und Statik, innen gibt
es Gipskartonplatten, Sichtholzverkleidung oder Lehmputz, außen die (beliebig starke) Dämmung
bis zum Passivhaus-Standard und als Abschluss Außenputz oder Holzfassade. Warum gerade
sein Massivholzsystem mit Dübelholz für den Bau von Niedrigstenergiehäusern sehr gut geeignet
ist, fasst Kaufmann in bestechend einfache Worte: ”Nicht der Zimmerer muss Passivhaus-tauglich
sein, sondern das System. Einfache Systeme wie der Mauerwerksbau sind daher so verbreitet. Mit
der Massivholzbauweise kommt die Einfachheit des Mauerwerks in den Holzbau. Zum Thema
Luftdichtheit: Beim Massivholzbau liegt die luftdichte Ebene außerhalb der Tragkonstruktion. Der
Zimmerer muss sich bei der Massivholzbauweise gar nichts überlegen. Wie der Maurer auch, stellt
er seine Wände auf. Dann kommt ein Mann und klebt außen alle Stöße an der OSB-Platte ab,
dann die Stöße des Sockelbereichs, die Deckenanschlussbretter, dann im Dachbereich, er klebt
auch die Fenster ab. Mehr nicht. Ein Mann ist verantwortlich für die komplette Luftdichtigkeit. Dann
wird Blower-Door-Messung durchgeführt. Bei den Massivholzwänden können wir sicher sein, dass
jeder Zimmerer eine Luftwechselrate von 0,4 - 0,5 erreicht.”
Was für die Außenwände gilt, ist auch gut für Decken und Dach und sogar für die Kellerdecke. Mit
dieser Philosophie baute Kaufmann 2004 in der Region 31 Häuser, die dazugehörigen Elemente
lieferte die KaufmannMassivholz GmbH, die nur 15% ihrer Produktion in die nebenan gelegene
Vorfertigungshalle nach Oberstadion ausliefert, 85 % gehen an Zimmerer, die damit ihrerseits
ca.60 Massivholz-Häuser anbieten.
70% der Massivholzproduktion besteht aus nicht-sichtbar verbauten Dübelholzelementen, der Rest
in Sichtelementen. Zusätzlich finden ca.80.000 lfm. in Form des ”PN-Dämmständers” ihren Weg zu
den Zimmereien. Der PN-Dämmständer mit Holzweichfaser-Dämmung ist eine eigene
Produktionslinie, die auf den gleichen Maschinen läuft und auch mit Holzdübeln versehen ist. ”Bei
den von uns gebauten Massivholzhäusern gibt es keine PN-Dämmständer, da er für das
Holzrahmenhaus konzipiert ist und an Zimmereien als Elemente verkauft wird. In Zukunft wird die
Holzrahmenbauweise mit ihren diversen Schichten und Dichtfolien auf praktikable Einfachheit hin
optimiert werden müssen. Für die gewohnte Holzrahmenbauweise, jedoch ohne Probleme, haben
wir den PN-Dämmständer entwickelt, bei dem alles in einer Schicht untergebracht ist, links und
rechts eine OSB- oder eine Putzplatte drauf - fertig”, erläutert Kaufmann seine Auffassung des
Rahmenbaues.
Laut Kaufmann werden von Zimmerern in Holland, Luxemburg, Belgien, Österreich, Schweiz,
Südtirol und der BRD jährlich etwa 200 Passivhäuser mit PN-Dämmständern gebaut - und auch
hier sei das Marktpotential noch riesig.
Im Deckenbereich gibt es Dübelholz-Elemente, die bis 12 m Länge geliefert oder fertig
zugeschnitten werden. Dazu Akustik-Decken in Sichtausführung, Schallschutz-Konstruktionen mit
Beton oder die gedämmte Decke für Keller mit luftdichter Ebene oben.
Doch mit der Materiallieferung an Kollegen, seien es Wand-, Decken- oder Dachelemente, ist es
für funktionierende 3-Liter oder Passivhäuser nicht getan. Als Zimmermann, für den im Baualltag
ein Passivhaus mit keiner wesentlichen Neuheit verbunden ist, gibt Kaufmann seinen ElementKunden umfangreiche Planungsunterlagen an die Hand. Er liefert die wichtigsten Details für die
Wärmebrückenberechnung sowie statische und bauphysikalische Berechnungen gratis mit. Wenn
Zimmerer sich im Hausbau fit machen wollen, inklusive eigener Dübelholz-Anlage, gibt es bei
Kaufmann eine Werksbesichtigung für die Kollegen und eine pralle Info-Mappe mit
Detailzeichnungen und Berechnungen dazu. Auf die Frage, ob er bei der Weitergabe seiner
Technologie hier nicht Material plus Wissen an die Konkurrenz weitergibt, sagt Kaufmann:
”Vielleicht nehmen mir diese neuen Dübelholzproduzenten kurzfristig einige Aufträge weg, aber
um wirtschaftlich arbeiten zu können, müssen sie etwa 20.000 m2 Dübelholzelemente produzieren.
Um diese Menge zu erreichen, müssen die Unternehmen aber eine recht wirkungsvolle Werbung
für das Massivholzhaus sowie für Dübelholzelemente machen. Diese verstärkte Nachfrage kommt
schließlich doch auf uns zurück. Und wenn Dübelholz überall bekannt wird, dann ist es doch auch
für uns noch leichter zu verkaufen.”
Werbung in Form von Anzeigen macht Kaufmann seit drei Jahren nicht mehr, er investiert dafür in
dieser Zeit ca. EUR 50.000 für Messeauftritte, so auch auf der BAU 2005, dem jährlichen
Internationalen Holzbau-Forum in Garmisch oder auf der im zweijahres Rhythmus stattfindenden
Holzbau& Ausbau und einigen regionalen Messen. Im Sommer 2004 habe er erstmals bei einem
im Bau befindlichen Holzhaus ein Baustellenschild mit seinem Logo aufgestellt, berichtet
Kaufmann. Bis dahin wurden die Häuser nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda verkauft.
Ein weiteres Standbein sind Fertiggauben, die vor allem bei Sanierungsobjekten Verwendung
finden.
Günther Kaufmann mit seinem Sohn in der Schreinerei
In Sachen Schallschutz und in der Qualitätssicherung der Elemente arbeitet Kaufmann mit
diversen Instituten zusammen (u.a. FH Biberach) und kümmert sich um Prüfungen und Tests.
Trotz eines Umsatzes von 8,5 Mio. EUR (bei beiden Firmen zusammen) gibt sich Kaufmann
bodenständig. Seine beiden Söhne lernen Zimmermann, von den derzeit 27 Mitarbeitern (weitere
sieben werden demnächst eingestellt) sind sieben Meister. ”Ich schätze auch ältere Mitarbeiter,
denn sie haben viel Erfahrung”, sagt Kaufmann, der er sich zum Ziel gesetzt hat, dass innerhalb
der nächsten vier Jahre 1.000 Häuser mit seinen Elementen gebaut werden. Dafür entsteht derzeit
neben den vier Hallen die fünfte, die eine noch schnellere Anlage für die Elemente-Produktion
aufnehmen soll.
Jörg Pfäffinger
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Seele and Geist
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