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Ein Frühlingsgottesdienst am Sonntag Kantate. - St. Salvator Gera

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Literatur-Gottesdienst zu Eduard Mörike am Sonntag Kantate (6. Mai 2012) in St. Michael,
Gera-Pforten.
Glocken
Harmonium zum Eingang
Eingangsliturgie
Eingangslied EG 501, 1-4 Wie lieblich ist der Maien
Psalm 98
Singet dem Herrn ein neues Lied;
denn er tut Wunder.
Er schafft Heil mit seiner Rechten
und mit seinem heiligen Arm.
Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel.
Das Meer brause und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.
Die Ströme sollen frohlocken,
und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;
denn er kommt, das Erdreich zu richten.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit
und die Völker, wie es recht ist.
Gloria Patri
Kyrievorspruch Denk es, o Seele!
Ein Tännlein grünet wo,
Wer weiß, im Walde,
Ein Rosenstrauch, wer sagt,
In welchem Garten?
Sie sind erlesen schon,
Denk es, o Seele,
Auf deinem Grab zu wurzeln
Und zu wachsen.
Zwei schwarze Rösslein weiden
Auf der Wiese,
Sie kehren heim zur Stadt
In muntern Sprüngen.
Sie werden schrittweis gehn
Mit deiner Leiche;
Vielleicht, vielleicht noch eh
An ihren Hufen
Das Eisen los wird,
Das ich blitzen sehe!
Kyrie
Gloriavorspruch Eduard Mörike . "Er ist's", 1829.
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!
Gloria & Glorialied EG 179, 2
Kollektengebet
Großer Gott,
nicht immer wieder das alte Lied –
nicht immer wieder das
ja aber
ach vielleicht
und eigentlich
gewissermaßen,
sondern: gepriesen seist du
mit Herzen, Mund und Händen
jeden Tag neu.
Nicht immer wieder das alte Lied.
Amen.
Wochenlied EG 243, 1-3, 6 Lob Gott getrost mit Singen
Literarische Lesung Mörike, Eduard, Auf eine Lampe, 1846.
Noch unverrückt, o schöne Lampe, schmückest du,
An leichten Ketten zierlich aufgehangen hier,
Die Decke des nun fast vergessnen Lustgemachs.
Auf deiner weißen Marmorschale, deren Rand
Der Efeukranz von goldengrünem Erz umflicht,
Schlingt fröhlich eine Kinderschar den Ringelreihn.
Wie reizend alles! lachend, und ein sanfter Geist
Des Ernstes doch ergossen um die ganze Form Ein Kunstgebild der echten Art. Wer achtet sein?
Was aber schön ist, selig scheint es in ihm selbst.
Kommentar
Idylle, ein zurückgezogener Ort,
der vom Dichter entdeckt wird,
ein Ding, das Ausstrahlung hat,
aber nur hier, wäre im Lampenladen nicht auffällig,
das Gemüt des Dichters muss besonders gestimmt sein,
der heimliche Ort bestimmt die Empfindung mit.
Ein paradoxer Satz.
Eigentlich sagt er im Kontext des Gedichtes nur,
dass diese Lampe keinen Betrachter braucht, um schön zu sein.
Gleichzeitig formuliert er,
konkret an Objekt und Situation das Grundprinzip der klassischen Ästhetik:
„Bei der Betrachtung des Schönen aber
wälze ich den Zweck aus mir
in den Gegenstand selbst zurück:
ich betrachte ihn, als etwas, nicht in mir,
sondern in sich selbst Vollendetes,
das also in sich ein Ganzes ausmacht
und mir um sein selbst willen Vergnügen gewährt;
indem ich dem schönen Gegenstande
nicht sowohl eine Beziehung auf mich,
als mir vielmehr eine Beziehung auf ihn gebe.“1
Gibt es eigentlich Idyllen in der Bibel?
Lied EG 302, 1, 2 Du meine Seele singe
1. Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;
ich will Ihn herzlich loben, solang ich leben werd.
2. Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig ungetrübt.
Biblische Lesung Genesis 3
Da gingen den beiden die Augen auf,
und sie erkannten, dass sie nackt waren.
Und sie flochten Feigenblätter
und machten sich Schurze.
Und sie hörten die Schritte des HERRN, Gottes,
wie er beim Abendwind im Garten wandelte.
Da versteckten sich
der Mensch und seine Frau vor dem HERRN, Gott,
unter den Bäumen des Gartens.
Aber der HERR, Gott, rief den Menschen
und sprach zu ihm: Wo bist du?
Da sprach er:
Ich habe deine Schritte im Garten gehört.
Moritz, Karl Philipp. „Versuch einer Vereinigung aller schönen Künste und Wissenschaften unter dem
Begriff des in sich selbst Vollendeten“ (1785). In: Ders. Beiträge zur Ästhetik. Kommentiert und herausgegeben
von Hans Joachim Schrimpf und Hans Adler. Mainz: Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, 1989. S. 7–18.
Hier: S. 8.
1
Da fürchtete ich mich, weil ich nackt bin,
und verbarg mich.
Und er sprach:
Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?
Hast du von dem Baum gegessen,
von dem zu essen ich dir verboten habe?
Und der Mensch sprach:
Die Frau, die du mir zugesellt hast,
sie hat mir von dem Baum gegeben.
Da habe ich gegessen.
Da sprach der HERR, Gott, zur Frau:
Was hast du da getan!
Und die Frau sprach:
Die Schlange hat mich getäuscht.
Da habe ich gegessen.
Credo
Literarische Lesung
Auf ein altes Bild
In grüner Landschaft Sommerflor,
Bei kühlem Wasser, Schilf und Rohr,
Schau, wie das Knäblein Sündelos
Frei spielet auf der Jungfrau Schoss!
Und dort im Walde wonnesam,
Ach, grünet schon des Kreuzes Stamm!
Die schöne Buche
Ganz verborgen im Wald kenn ich ein Plätzchen, da stehet
Eine Buche, man sieht schöner im Bilde sie nicht.
Rein und glatt, in gediegenem Wuchs erhebt sie sich einzeln,
Keiner der Nachbarn rührt ihr an den seidenen Schmuck.
Rings, soweit sein Gezweig der stattliche Baum ausbreitet,
Grünet der Rasen, das Aug still zu erquicken, umher;
Gleich nach allen Seiten umzirkt er den Stamm in der Mitte;
Kunstlos schuf die Natur selber dies liebliche Rund.
Zartes Gebüsch umkränzet es erst; hochstämmige Bäume,
Folgend in dichtem Gedräng, wehren dem himmlischen Blau.
Neben der dunkleren Fülle des Eichbaums wieget die Birke
Ihr jungfräuliches Haupt schüchtern im goldenen Licht.
Nur wo, verdeckt vom Felsen, der Fußsteig jäh sich hinabschlingt,
Lässet die Hellung mich ahnen das offene Feld.
- Als ich unlängst einsam, von neuen Gestalten des Sommers
Ab dem Pfade gelockt, dort im Gebüsch mich verlor,
Führt' ein freundlicher Geist, des Hains auflauschende Gottheit,
Hier mich zum ersten Mal, plötzlich, den Staunenden, ein.
Welch Entzücken! Es war um die hohe Stunde des Mittags,
Lautlos alles, es schwieg selber der Vogel im Laub.
Und ich zauderte noch, auf den zierlichen Teppich zu treten;
Festlich empfing er den Fuß, leise beschnitt ich ihn nur.
Jetzo gelehnt an den Stamm (er trägt sein breites Gewölbe
Nicht zu hoch), ließ ich rundum die Augen ergehn,
Wo den beschatteten Kreis die feurig strahlende Sonne,
Fast gleich messend umher, säumte mit blendendem Rand.
Aber ich stand und rührte mich nicht; dämonischer Stille,
Unergründlicher Ruh lauschte mein innerer Sinn.
Eingeschlossen mit dir in diesem sonnigen ZauberGürtel, o Einsamkeit, fühlt ich und dachte nur dich!
Kommentar
In der Idylle lauert die dunkle Seite der Welt, im Gedicht die Einsamkeit.
Am idealen Ort also verschmilzt man nicht mit der Welt, bzw. der Schöpfung,
sondern man wird mit sich selbst konfrontiert.
Genesis 3: In der Idylle lauerte die Gefallenheit der Welt.
Die einzige biblische Idylle: Gott ging im Garten in der Abendkühle
und genau in der Situation wird er wahrnehmen, dass seine Schöpfung gefallen ist.
(Ansonsten gibt es in der Bibel viele Utopien, z.B. den Tierfrieden in Jesaja 11, aber
Utopien sind von unserer Sehnsucht zusammen monitiert, z.B. Stroh fressender Löwe,
Idyllen ergeben sich gewaltlos aus dem, was ist: „Kunstlos schuf die Natur selber dies
liebliche Rund.“.)
Mörike, einer der nicht zurecht kommt in der Welt (1805 – 1875),
schlechter Schüler, viele unangenehme Vikariatsstationen, dann endlich Pfarrer, aber
schon mit 39 in den Ruhestand. Er bezog ein Gnadengehalt und
tatsächlich verarmte er, weil er für seine Brüder bürgt,
die bei diversen Aufständen agierten,
Karl Mörike saß in Hohenasperg ein.
Lied EG 302, 3, 4 Du meine Seele singe
3. Hier sind die starken Kräfte, die unerschöpfte Macht;
das weisen die Geschäfte, die Seine Hand gemacht:
der Himmel und die Erde mit ihrem ganzen Heer,
der Fisch unzähl´ge Herde im großen wilden Meer.
4. Hier sind die treuen Sinnen, die niemand Unrecht tun,
all denen Gutes gönnen, die in der Treu beruhn.
Gott hält sein Wort mit Freuden, und was Er spricht, geschicht,
und wer Gewalt muss leiden, den schützt Er im Gericht.
Kommentar
Was in der Mitte der Idyllen plötzlich auftaucht: Sex & Crime. Achten Sie mal auf die
zweite Sinnschicht in diesen Texten. Sie ist manifest pornographisch:
Biblische Lesung
Hoheslied 5, 2-7
Ich schlief, doch es wachte mein Herz horch, da klopfte mein Geliebter:
„Tue mir auf, meine Schwester,
meine Freundin,
mein Täubchen,
meine Traute!
Denn mein Haupt ist voll Tau,
meine Locken voll Tropfen der Nacht.“
„Ich habe mein Röcklein ausgezogen;
wie könnt' ich es wieder anziehen?
Ich habe meine Füße gewaschen;
wie könnt' ich sie wieder beschmutzen?“
Mein Geliebter streckte die Hand durch die Luke in der Türe;
da wallte mein Herz in mir,
mir schwanden die Sinne bei seinem Reden.
Ich stand auf, um zu öffnen,
die Hand an den Griffen des Riegels.
Da troffen meine Hände von Myrrhe,
von flüssiger Myrrhe meine Finger.
Ich tat meinem Geliebten auf;
doch mein Geliebter war weggegangen, war fort.
Ich suchte ihn, aber ich fand ihn nicht;
ich rief nach ihm, doch er gab mir keine Antwort.
Mich fanden die Wächter, die die Stadt durchstreiften,
sie schlugen mich und verwundeten mich;
sie rissen mir meinen Überwurf weg,
die Wächter der Mauern.
„Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems:
wenn ihr meinem Geliebten begegnet,
was sollt ihr ihm sagen? Dass ich krank bin vor Liebe!“
Literarische Lesung
Erstes Liebeslied eines Mädchens
Was im Netze? Schau einmal!
Aber ich bin bange;
Greif ich einen süßen Aal?
Greif ich eine Schlange?
Lieb ist blinde
Fischerin;
Sagt dem Kinde,
Wo greifts hin?
Schon schnellt mirs in Händen!
Ach Jammer! o Lust!
Mit Schmiegen und Wenden
Mir schlüpfts an die Brust.
Es beißt sich, o Wunder!
Mir keck durch die Haut,
Schießt's Herze hinunter!
O Liebe, mir graut!
Was tun, was beginnen?
Das schaurige Ding,
Es schnalzet da drinnen,
Es legt sich im Ring.
Gift muss ich haben!
Hier schleicht es herum,
Tut wonniglich graben
Und bringt mich noch um!
Lied EG 302, 5, 6 Du meine Seele singe
5. Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod,
ernährt und gibet Speisen zur Zeit der Hungersnot,
macht schöne rote Wangen oft bei geringem Mahl;
und die da sind gefangen, die reißt Er aus der Qual.
6. Er ist das Licht der Blinden, erleuchtet ihr Gesicht;
und die sich schwach befinden, die stellt Er aufgericht´.
Er liebet alle Frommen, und die Ihm günstig seind,
die finden, wenn sie kommen, an Ihm den besten Freund.
Kommentar
Das Gemüt hält die tollsten Reisen bereit
und die größten Schrecken
und die Gefahren des Eros.
Der neugierige sanfte Mann
wird überall in Fallen gelockt.
Daher dies Gebet, das so bekannt ist.
Aber hören sie die Zwiespältigkeit mit,
denn Mörike ist letztlich immer auch ein Sucher und Sammler,
der solange er lebt,
immer wieder vom Gift in der Idylle
und der heftigen, in ihn eindringenden Emotion
affiziert werden wird.
Literarische Lesung
Gebet
Herr! schicke, was du willst,
Ein Liebes oder Leides;
Ich bin vergnügt, dass beides
Aus deinen Händen quillt.
Wollest mit Freuden
Und wollest mit Leiden
Mich nicht überschütten!
Doch in der Mitten
Liegt holdes Bescheiden.
Lied EG 302, 7, 8 Du meine Seele singe
7. Er ist der Fremden Hütte, die Waisen nimmt Er an,
erfüllt der Witwen Bitte, wird selbst ihr Trost und Mann.
Die aber, die Ihn hassen, bezahlet Er mit Grimm,
ihr Haus und wo sie saßen, das wirft Er um und um.
8. Ach ich bin viel zu wenig, zu rühmen Seinen Ruhm;
der Herr allein ist König, ich eine welke Blum.
Jedoch weil ich gehöre gen Zion in Sein Zelt,
ist´s billig, daß ich mehre Sein Lob vor aller Welt.
Fürbittengebet
Herr wir bitten dich für alle,
die ihr Leben nicht mehr aushalten können,
weil es zu schwierig und zu anstrengend ist
und die Pausen fehlen gib Ihnen ein Lied, auch im Dunkel der Nacht.
Herr wir bitten dich für alle,
deren Leben gefährdet ist,
durch Armut, körperliche Bedrohung, Gefangenschaft
und die Schmerzen haben gib Ihnen ein Lied, auch im Dunkel der Nacht.
Herr wir bitten dich für alle,
die sich nach einem besseren Leben sehnen.
Die wacher, achtsamer, lebendiger werden wollen
und dies mit ihren Freunden gib Ihnen ein Lied, auch im Dunkel der Nacht.
Vater Unser
Schlusslied EG 482, 1-3 Der Mond ist aufgegangen
Sendung & Segen
Harmonium zum Ausgang
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