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Grund zur Beunruhigung? Ja und Nein Einst war Suter so gut wie

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SPORT
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Tages-Anzeiger · Montag, 11. Februar 2008
IM BRENNPUNKT: DIE SLALOM-MISERE IM SCHWEIZER MÄNNER-TEAM
Grund zur Beunruhigung? Ja und Nein
Von Christian Andiel, Garmisch
V
or ein paar Jahren wäre das noch
eine der üblichen Meldungen gewesen: «Schweizer Nullnummer
beim Männerslalom in Garmisch.»
Die kurzen Schwünge zwischen den engen
Toren waren nie die Spezialdisziplin der
Schweiz. Den Slalomweltcup hat bislang
nur Dumeng Giovanoli in grauer Vorzeit
(1968) gewonnen, ein Didier Plaschy war
stets ein Aussenseiter.
Silvan Zurbriggen (momentan verletzt),
Marc Berthod, Marc Gini und Daniel Albrecht haben dies mit zwei Siegen und
etlichen Top-Resultaten geändert. Eine
Nullnummer wie am Samstag in Garmisch
ist also keine übliche Meldung mehr.
Ist dieses erneute Debakel aber Grund zur
Beunruhigung? Ja und nein, möchte man
in bester Schweizer Kompromissbereitschaft sagen. Ja, weil in diesem Winter nur
Gini kontinuierlich Punkte holte, zuletzt
aber dreimal in Folge ausschied. Albrecht
kam einmal in die Top 10, Berthod nie.
Ja, weil derartige Negativerlebnisse keinem Sportler gut tun. Zumal, wenn sie so
zu Stande kommen wie in Garmisch: Da
fädelte Berthod im ersten Lauf beim zweiten Tor ein. Gini kam als einziger Schweizer
im zweiten Lauf gar nur halb so weit, Endstation bei Tor 1. Nun ist es im Endeffekt
völlig egal, ob man am ersten oder letzten
Tor ausscheidet, aber so sieht es halt ungeschickt aus, und das wissen die Athleten
selbst am besten. Berthod blieb in Garmisch
ganz lange ganz oben am Hang stehen,
hätte er eine Schaufel gehabt, die Grabungen für den direkten Tunnel heim ins Engadin wären zumindest begonnen worden.
Kommen wir nun aber zum «Nein» auf
die Frage nach der Beunruhigung. Keine
Disziplin im alpinen Skisport ist unberechenbarer als der Slalom. Und in keiner ist
die Bereitschaft zum Risiko des Ausscheidens bei jedem Tor so gefragt. Der Wettkampf in Garmisch war dafür ein beredtes
Zeugnis. Bis zu den ganz hohen Startnummern zeigte sich: Wer alles riskiert, war
schnell oder schied aus. Das Niveau ist auf
sehr breiter Basis geradezu unheimlich
hoch, weil man in keiner anderen Disziplin schneller nach vorne kommt, weil
nirgends die Trainingsmöglichkeiten
einfacher zu realisieren sind. Schon der
Üetliberg würde dafür reichen.
Kein Wunder, waren in Garmisch drei
Slowenen unter den Top 12, sind die Kroaten stark und die Finnen, treten die Schweden gleich im Schwarm an. Ausser Andrej
Jerman hat kein Athlet dieser Nationen
einen Weltcup-Sieg in der Abfahrt feiern
können, weil die Fahrer aus der Schweiz,
Österreich und Italien hier vom Vorteil
des regelmässigen Speedtrainings auf den
heimischen Gletschern profitieren.
Die «kleineren» Nationen sind im Slalom
stärker vertreten, erhöhen Konkurrenz
und Zwang, alles zu riskieren für ein vernünftiges Resultat. Die jungen Schweizer
sind sehr schnell, das haben sie zigfach
bewiesen. Was aber brauchen sie, um der
momentanen Negativspirale zu entkommen? Arbeit, Arbeit, Arbeit. Und was
braucht der Fan? Geduld, Geduld, Geduld.
ÜBERRASCHUNG DES WOCHENENDES
Einst war Suter
so gut wie Gut
Fabienne Suter schien für
den Skirennsport verloren
– gestern Sonntag gewann
sie in Sestriere ihr erstes
Weltcuprennen.
Von Martin Born
BILD DORIS FANCONI
Sie war ein Talent und eine Hoffnung wie Lara Gut. Fabienne Suter
war die erste und bisher einzige
Schweizerin, die von U-16-Schweizer-Meisterschaften mit 5 Medaillen nach Hause kam. Mit 17 wurde
sie Juniorenmeisterin im Slalom,
im Dezember danach gewann sie
ihre ersten Europacuprennen, und
einen Tag vor ihrem 18. Geburtstag
sicherte sie sich in Bormio als 25.
des Riesenslaloms ihre ersten
Weltcuppunkte.
Im Sommer 2003 durfte sie mit
Abfahrerinnen zum Training nach
Las Leñas reisen, um erste Erfahrungen für die schnellen Disziplinen zu sammeln. Sie wollte mehr.
Bei einem schweren Sturz erlitt sie
einen Trümmerbruch des Schienbeinkopfs. Behoben wurde der
Schaden in drei Operationen mit
einem Stück aus dem Hüftknochen. Schon fünf Monate später
stand sie wieder auf den Ski. Oft
begleitet von ihrem Onkel Osi Inglin, der damals Rennleiter bei
Stöckli war und später für ein Jahr
Cheftrainer bei den Frauen wurde.
Angriff vor eigenem Anhang: Predrag Milicic (r.), einziger Ausländer im Team von Gelb-Schwarz, beobachtet seinen Kollegen.
Zurück ins Büro
ORTSTERMIN: BEI DEN AUFSTIEGSBEREITEN HANDBALLERN VON STÄFA
Neue Hoffnungen an der Goldküste
Von Werner Reimann, Stäfa
anz oben in Stäfa, über
Goldküstenvillen und letzten verbliebenen Rebbergen, steht die Frohberghalle, fast
bis in die letzte Ecke eine Kopie
der Schaffhauser Schweizersbildhalle, wo Handballmeister Kadetten daheim ist. Als der Zweckbau
vor neun Jahren eröffnet wurde,
hegte man am Zürichsee ähnliche
Hoffnungen wie in der Nordecke
der Schweiz. Soeben waren die
Handballer von Gelb-Schwarz
Stäfa in die höchste Spielklasse
aufgestiegen, hatten ihr Budget auf
650 000 Franken erhöht und sich
erheblich verstärkt. Man träumte
vom Europacup – und stieg zwei
Jahre später, als die Liga reduziert
wurde, wieder ab. Was blieb,
waren schöne Erinnerungen und
170 000 Franken Schulden.
Auch jetzt träumt man wieder in
Stäfa. Vom Wiederaufstieg zumindest und davon, sich mit etwas
Glück oben halten zu können.
«Der Vorstand hat in den letzten
Jahren sehr gute Arbeit geleistet»,
lobt Trainer Markus Jud, der erst
auf diese Saison hin von Usters
G
Frauen nach Stäfa wechselte. Der
Klub ist unterdessen breit abgestützt. Das zeigt sich an der grossen Zahl von Werbetafeln örtlicher
Gewerbebetriebe und Dienstleister, die in der Halle hängen.
Es zeigt sich aber auch am Zulauf und Erfolg, den die Nachwuchsabteilung hat. Insgesamt 150
Junioren und 45 Juniorinnen tummeln sich regelmässig im Frohberg. Die U-17-Mannschaft mit drei
Spielern, die zur Landesauswahl
gehören, steht in der Finalrunde
der Elite ungeschlagen an der
Spitze. Und bei den U-15 ist man
gleich in drei Leistungsklassen vertreten. Grund dafür seien «die
starke Vernetzung mit der Schule
und gute Trainer», stellt Silvio
Solenthaler, TK-Chef des Klubs,
stolz fest. Und dies, obwohl gleich
nebenan der Fussballklub lockt,
wo mit dem ehemaligen Nationalteam-Verteidiger Georges Bregy
ein Grosser von einst am Werk ist.
as gibt dem Verein eine
Basis, die am Samstagnachmittag sichtbar wird, wenn
das Fanionteam antritt. Trotz
Sportferien und schönstem Frühlingswetter ist die eine Seite der
D
Tribüne in der Frohberghalle gut
gefüllt. «Wir trainieren teamübergreifend», erklärt Markus Jud.
«Zum Beispiel sind regelmässig
einzelne U-17-Junioren bei den
Trainings des Fanionteams dabei.
Das fördert die Verbundenheit.»
Ein bunt gemischtes Publikum
sitzt deshalb hier, vom kleinen
Knirps bis zum grauhaarigen Grosi.
her verhalten feuern sie ihre
Equipe an. Dabei gäbe es
Grund für Applaus. Denn
die Mannschaft von Markus Jud,
auf vielen Positionen gegenüber
dem Vorjahr umbesetzt, legt gegen
die Spielgemeinschaft von Kadettens Reserven und Gelb-Schwarz
Schaffhausen gleich von Anfang an
heftig los. Nach 16 Minuten heisst
es bereits 9:3. Christian Meisterhans, der gegnerische Goalie, der
zu seinen besten Zeiten im Tor des
Nationalteams stand, geht entnervt vom Feld.
Immer wieder gelingt es Stäfas
Verteidigung mit dem erst 18-jährigen Tobias Bosshard als vorgestelltem Mann, gegnerische Angriffe abzufangen und mit schnellen Kontern selbst zum Torerfolg
zu kommen. Und im Angriff verrät
E
Juds Team einigen Spielwitz, auch
wenn noch nicht alles gelingt. Als
Torschütze fällt vor allem der
robuste 24-jährige Aufbauer Misha
Kaufmann auf. Der Bosnier Predrag Milicic, der einzige Ausländer, wirkt eher diskret. «Er ist ein
sehr guter Ausbildner», lobt aber
Jud. Milicic arbeitet in Stäfa auch
als Juniorentrainer. Sein Vertrag
wurde bereits bis 2010 verlängert.
Auch neun weitere Spieler und der
Trainer bleiben, egal ob der Aufstieg gelingt.
m Schluss des animierten,
aber recht einseitigen
Spiels
gewinnt
GelbSchwarz klar 37:25 und bleibt mit
bloss einem Verlustpunkt an der
Tabellenspitze der Nationalliga B.
Der Aufstieg rückt immer näher,
und am Zürichsee freut man sich
jetzt schon. «Man kann ja nicht immer unten bleiben», meint Solenthaler trocken. Das Mannschaftsbudget von 250 000 Franken könnten die Stäfner auch dann nur unwesentlich erhöhen und lägen damit klar im Nachteil gegenüber
den A-Spitzenklubs mit ihren
1-Millionenbudgets. Aber nur wer
hoch hinaufsteigt, kann tief fallen.
A
Im Dezember 2004 kehrte sie in
den Weltcup zurück, doch nach einem weiteren Sturz im Januar ging
plötzlich nichts mehr. Sie tingelte von Arzt zu Arzt. Über
ein Jahr lang. Jeder hatte
Ideen, jeder andere, doch
keiner konnte ihr helfen.
«Ich habe mir oft überlegt aufzuhören», sagt
sie heute. «Ich war zu
Hause und konnte nichts
tun. Temporär habe
ich in einem
Büro bei meinem Onkel gearbeitet,
aber das war ja nicht mein Traumberuf, obwohl ich einst das KV gemacht habe. Ich überlegte mir,
nochmals eine neue Lehre anzufangen – aber eigentlich wollte ich
immer Ski fahren.» Dann stiess sie
in einem «Heftli», wie sie sagt, auf
einen Artikel über Osteopathie
und kam zum Schluss: «Das könnte
etwas für mich sein.»
Es war etwas für sie. Nach wenigen Behandlungen konnte sie wieder Ski fahren, sogar wieder mit
dem Team trainieren. Nur zu gerne
hätte sie im Januar 2006 gleich wieder Rennen bestritten, doch die
Trainer bremsten sie. Oberstes Ziel
für sie war: Sie soll gesund in den
Sommer kommen, um für die WMSaison 06/07 bereit zu sein.
Von Rang 900 zum Sieg
Suter lag auf Rang 900 der FisRangliste. Sie kämpfte sich in Fisund Nor-Am-Rennen zurück, qualifizierte sich für den Europacup
und gleich wieder für den Weltcup. Und dank den Rängen 22 und
20 in den Super-G von San Sicario
(ganz in der Nähe von Sestriere)
sicherte sie sich das Ticket für Are.
Dort erzielte sie als 11. im Super-G
und 13. im Riesenslalom ihre besten Ergebnisse. Und fand, dass
mehr möglich gewesen wäre.
Eine Karriere, die schon zu Ende
ging, kam im letzten Winter wieder in Schwung. Und die Ergebnisse in diesem Winter deuteten
an, dass es nur noch etwas Glück
brauchte zum Durchbruch: 10. im
Super-G von Lake Louise, 11. und 8.
in Cortina, 7. bei ihrer ersten Weltcup-Abfahrt in St. Moritz. Und
jetzt der Sprung ganz zuoberst aufs Podest.
In den drei schweren
Jahren, sagt Fabienne
Suter, sei ihr bewusst
geworden, «dass nichts
von selber geht und
man um alles kämpfen
muss. Deshalb kann ich
den heutigen Tag geniessen.»
DIE FRAGE DES WOCHENENDES
Hattrick, das seltene Ereignis
GC-Stürmer Raul Bobadilla
gelang gegen die Young Boys
in 36 Minuten ein Hattrick.
Wem war dies in der Super
League letztmals geglückt?
Es war ebenfalls ein GC-Spieler
gewesen: Antonio dos Santos –
allerdings vor eineinhalb Jahren.
So war Bobadillas Hattrick der
erste der Saison. Dos Santos
steuerte am 29. Juli 2006 gegen
Thun 3 Tore zum 4:1 bei; 30 Minuten hatte er hierfür gebraucht.
2005 erzielten zwei Basler je
einen Hattrick: Christian Gimenez am 4. Mai in 24 Minuten zum
Endstand von 4:0 in Neuenburg.
Und Mladen Petric, ebenfalls gegen den FC Thun am 2. Oktober.
Dies ist auch der schnellste Hattrick der jüngsten Zeit, in 18 Minuten traf der heutige Dortmund-Stürmer dreimal.
Etwas weiter zurück liegt der
4. Dezember 1988, als sich, wie
gestern, YB und GC gegenüberstanden. Die Berner gewannen
4:3, doch der Hattrick war einem
Zürcher Spieler gelungen: Martin Andermatt, der gestern
Bobadillas Kunststück als YBTrainer von der Bank miterleben durfte. (wie)
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