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Eliyah Havemann, Wie werde ich Jude? Und wenn ja, warum?

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Eliyah Havemann, Wie werde ich Jude? Und wenn ja, warum?
1. Was kann der Leser aus Ihrem Buch lernen?
Mehr als er erwarten würde. Das Buch ist wie ein kleiner Reiseführer: Das heißt, man
muss nicht alles, was man im Buch findet lernen, sich merken oder sofort verstehen,
um den Rest des Buches weiter genießen zu können. Jeder pickt sich heraus, was ihm
gefällt und für manche wird es eine Motivation sein, tiefer in die Materie
einzusteigen.
2. Was war Ihr erster Berührungspunkt mit dem Judentum?
Die Geschichten über meine Großväter. Der eine war ein Hamburger Jude und
Kommunist und wurde von den Nazis in Auschwitz ermordet. Der andere hat in der
Nazizeit Juden Ariernachweise gefälscht, wurde erwischt und zum Tode wegen
Hochverrats verurteilt. Er wurde jedoch durch die Rote Armee befreit und überlebte.
Mein erster Kontakt mit dem Judentum war also eigentlich ein Kontakt mit dem
Holocaust. So geht es vielen Menschen in Deutschland und ich war unglaublich
überrascht, als ich zum ersten Mal lebendiges Judentum erlebt habe. Es war nicht
mehr schwarz/weiß wie alte Filme, sondern buntes Leben.
3. Glauben Sie, dass die Religion ein Ersatz für eine fehlende Verwurzelung für Sie ist?
Ich glaube, dass ich mit dem Judentum meine mir fehlenden Wurzeln gefunden habe
und die Religion gehörte zu dem Paket einfach dazu.
4. Wie hat Ihr Umfeld v.a. Freunde und Familie darauf reagiert, dass Sie zum
orthodoxen Judentum konvertiert sind?
Keiner war ausgesprochen glücklich darüber. Keiner meiner Freunde und
Familienangehörigen hat etwas gegen Juden, aber Religion ist vielen von ihnen sehr
fremd. Daher war nicht die Konvertierung zum Judentum für sie befremdlich, sondern
die Wandlung von einem Atheisten zu einem religiösen Menschen. Inzwischen haben
sie sich damit abgefunden. Sie sind, denke ich, heilfroh, dass ich einigermaßen
„normal“ geblieben bin, also nicht in schwarzer Robe mit Schläfenlöckchen in einer
Ultraorthodoxen Siedlung tagtäglich in der Jeschiva sitze.
5. Wie gehen Sie mit der Rolle „Als Sohn von Wolf Biermann“ um?
Das hat sich in meiner Kindheit und Jugend oft gewandelt und reichte von damit
anzugeben bis zum Verleugnen. Als Erwachsener freue ich mich einfach, einen so
interessanten Vater zu haben, der wunderschöne Gedichte und Lieder schreibt.
6. Wie wurden Sie von der jüdischen Gemeinde als deutscher Konvertit
aufgenommen?
Ich war ja nicht der einzige. Die Gemeinde beäugt Neuankömmlinge natürlich immer
etwas misstrauisch. Aber als klar war, dass sie mich nicht mehr loswerden, haben sie
mir den Job gegeben, Neuankömmlinge zu begrüßen. Das war ihre süße Rache.
7. Haben Sie Ihre Entscheidung je bereut bzw. daran gezweifelt?
Bereut nie, gezweifelt, andauernd. Wenn man sich selbst nicht regelmäßig in Frage
stellt, dann kommt man nicht vorwärts im Leben.
8. Gibt es etwas, das Sie vermissen?
Nordseekrabbensalat.
ELIYAH HAVEMANN
Wie werde ich Jude?
Und wenn ja, warum?
ORIGINALAUSGABE
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag,
240 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
nur Text
ISBN: 978-3-453-28059-5
Verlag: Ludwig
Erscheinungstermin: 17. März
2014
© Verlagsgruppe Random House
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Kategorie
Seele and Geist
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7
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