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1 ‚Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Ein Therapievorschlag für die

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‚Wer bin ich und wenn
Medienwissenschaft/en
ja,
wie
viele?’
Ein
Therapievorschlag
für
die
Christian Filk, Episteme der Medienwissenschaft. Systemtheoretische Studien
Wissenschaftsforschung eines transdisziplinären Feldes, Bielefeld (transcript) 2009
zur
Besprochen von: Sven Grampp (Erlangen-Nürnberg)
Ein Gespenst geht um in deutschsprachigen Forschungsgefilden, vor allem dort, wo man
sich hauptamtlich mit ‚Medien’ beschäftigt. Es ist das Gespenst der Selbstbefragung, das
diese ‚Medienwissenschaften’ unermüdlich umtreibt. Allein schon die Bezeichnung
‚Medienwissenschaften’ provoziert eine dementsprechende doppelte selbstreflexive Schleife:
Wer bin ich und wenn, ja wie viele?1 Egal, ob es um den vermeintlichen ‚deutschen
Sonderweg’ der Medienwissenschaft(en?) geht,2 um ein Positionsbestimmung der
Gesellschaft für Medienwissenschaft,3 die Festlegung vermeintlicher Eckpunkte der
Kommunikations- und Medienwissenschaft durch die Deutsche Gesellschaft für Publizistikund Kommunikationswissenschaft4 oder um die Gründung medienwissenschaftlicher
Zeitschriften5 – die Frage nach der Identität der Medienwissenschaft/en scheint den
beteiligten Akteuren unter den Nägeln zu brennen. Das ist nur allzu verständlich, geht es
doch neben identitätslogischen Fragen dabei eben auch ganz praktisch und existenziell um
Forschungsgelder, institutionelle Verankerungsoptionen, biografische Entscheidungen,
sprich um Zukunft.6
1
Um es mit dem Titel eines der erfolgreichsten populärwissenschaftlichen Büchern der
letzten Jahre zu pointieren – siehe: Richard David Precht, Wer bin ich und wenn ja, wie
viele?, München (Goldmann) 2007.
2
Siehe dazu den Stein des Anstoßes: Geoffrey Winthrop-Young, Von gelobten und
verfluchten Medienländern, Kanadischer Gesprächsvorschlag zu einem deutschen
Theoriephänomen (samt Repliken von Friedrich Balke, Rüdiger Campe, Helmut Lethen,
Ludwig Pfeiffer und einem Schlusswort von Geoffrey Winthrop-Young), in: Zeitschrift für
Kulturwissenschaften
2,
2008,
113-152.
Online
zugänglich
unter:
http://medienumbrueche.unisiegen.de/groups/medienwissenschaften/weblog/fe17f/attachments/ed237/Zeitschrift%20für
%20Kulturwissenschaften%202-2008-2.pdf
(gesehen
am
02.12.09).
Vgl.
dazu
kommentierend: Claudia Breger, Zur Debatte um den ‚Sonderweg deutscher
Medienwissenschaft’, in: Zeitschrift für Medienwissenschaft, 1, 2009, 124-127.
3
Siehe: Kernbereiche der Medienwissenschaft Ein Strategiepapier der Gesellschaft für
Medienwissenschaft.
Online
abrufbar
unter:
http://www.gfmedienwissenschaft.de/gfm/webcontent/files/GfM_MedWissKernbereiche2.pdf
(dort datiert 03.11.08; gesehen am 02.12.09)
4
Siehe: Selbstverständnispapier der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und
Kommunikationswissenschaft
(DGPuK),
Online
abrufbar
unter:
http://www.dgpuk.de/index.cfm?id=3376 (dort datiert 01.05.08; gesehen am 09.12.09).
5
Siehe zur Selbstbeschreibung der Zeitschrift für Medienwissenschaft (zfm):
http://www.zfmedienwissenschaft.de/index.php (gesehen am 02.12.09); siehe zur
Selbstverortung der Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung (ZMK) das Editorial von
Lorenz Engell und Bernhard Siegert in deren ersten Ausgabe – auch Online zugänglich
unter:
http://ikkmweimar.de/publikationen/zeitschrift/editorial_01/prm/206/ses_id__4308165081f23c
471f36608e3e2c3a1e/cs__11/index.html (gesehen am 09.12.09).
6
Vgl. zu den wissenschaftspolitischen Zwängen zur Identitätsfindung auch die Einschätzung
und Vorgaben des Wissenschaftsrates: Empfehlungen zur Weiterentwicklung der
1
Gedanken um die Zukunft der Medienwissenschaft/en macht sich auch Christian Filk –
inzwischen Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Hochschule für
Technik und Wirtschaft im schweizerischen Chur. In seiner unlängst im Transcript-Verlag
erschienenen Dissertation unterbreitet er in einer gleichermaßen voluminösen wie
kenntnisreichen Studie einen diskussionswürdigen Vorschlag, worin diese Zukunft bestehen
könnte und wie ihre Verlaufsform vor dem Hintergrund historischer Prozesse zu beschreiben
sei.
Bis Filk jedoch auf diese Zukunft genauer zu sprechen kommt, müssen wir, seine Leser,
einen langen Atem beweisen. Werden doch zuvor zunächst einmal ganz generell „zentrale
Standpunkte zur Theorie, Historie und Funktion der Wissenschaftsforschung“ (S. 32) in den
Blick genommen. Vorrangig wird hierbei auf Probleme dieser Standpunkte hingewiesen (vgl.
S. 43ff.). In einem zweiten Schritt wird dann eine systemtheoretisch fundierte
Wissenschaftsforschung als Problemlösungsstrategie entworfen (vgl. S. 118ff.). Mit solch
einem systemtheoretischen Vokabular ausgestattet, wendet sich Filk anschließend der
historischen Verlaufsformen der Medienforschung zu (vgl. S. 171ff.). Anhand zweier
Tendenzen, nämlich der Diskussion um die Medienphilosophie (vgl. S. 209ff.) und der
institutionellen Etablierung der Medieninformatik (vgl. S. 259ff.), wird rekonstruiert, welche
Entwicklungslinien sich in jüngster Zeit in der Medienforschung abzeichnen. Im
Schlusskapitel werden dann die Zukunftsoptionen der Medienforschung genauer in den Blick
genommen (vgl. 317ff.).
Den Auftakt des Buches bildet indes das komplementäre Gegenstück zum Schlusskapitel.
Dort erläutert Filk nämlich, worin die Zukunft der Medienforschung gerade nicht bestehen
soll. Der immer wiederkehrende Verlauf medienwissenschaftlicher Selbstfindungsdebatten
vollziehe sich zumeist im Modus eines unerbittlichen Freund-Feind-Schemas. Dieser Modus
sei aber kaum produktiv, geschweige denn ein geeignetes Zukunftsmodell. Für diese
Einschätzung Filks spricht doch vieles. Um nur einige gängige Varianten solcher
Dichotomien zu nennen: Wir, die reflektierte (und permanent reflektierende)
Medienwissenschaft
gegen
die
‚Anderen’,
die
Erbsen
zählenden
Kommunikationswissenschaft. Wahlweise umgekehrt: Die methodologisch redlichen
Kommunikationswissenschaftler gegen die Hirngespinste der Medienwissenschaftler.7 Oder
auch in einer kleinteiligeren Variante formuliert: Die vermeintlich technikvergessene
Medienphilologie wird gegen eine technikorientierte Medienhistoriografie ins Feld geführt.8
Gern und häufig werden dabei en passant auch Hegemonialansprüche angemeldet, in der
die Medienwissenschaft dann etwa zur „diensthabende[n] Fundamentaldisziplin“9 ausgerufen
wird. Ganz ähnlich sieht es aus, wenn ‚Kommunikationswissenschaftler’ davon überzeugt
sind, dass das, was die ‚Medienwissenschaftler’ machen, eigentlich immer schon Teil der
Kommunikationswissenschaft ist, und dementsprechend strukturlogisch wie institutionell
Kommunikations- und Medienwissenschaften in Deutschland. Drucksache 7901-07,
Oldenburg, 25.5.2007, Online zugänglich unter: www.wissenschaftsrat.de/texte/7901-07.pdf,
(gesehen am 02.12.2009).
7
Siehe zur Reflexion und Kritik dieser Gegenüberstellungen bereits: Gudrun Schäfer, „Sie
stehen Rücken an Rücken und schauen in unterschiedliche Richtungen“. Zum Verhältnis
zwischen Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und Medienwissenschaft, in: HeinzB. Heller u.a (Hg.), Über Bilder Sprechen. Positionen und Perspektiven der
Medienwissenschaft, Marburg (Schüren) 2000, 23-34.
8
Prominent besetzt ist diese Position durch Friedrich Kittler – vgl. bspw.:
Aufschreibesysteme 1800/1900 [1985], München (Fink) 31995, 520.
9
Jochen Hörisch, Der Sinn und die Sinne. Eine Geschichte der Medien, Frankfurt/M.
(Eichborn) 2001, 17.
2
darin aufzuheben sein müsste.10 Welche Variante des Freund-Feind-Schemas auch gewählt
wird, sie führt zu Spannungen und – wenig verwunderlich – schnell in zähe Grabenkämpfe.
Genau deshalb glaubt Filk nicht, dass diese Art der Selbstbeschreibung eine allzu produktive
und zukunftsträchtige Option darstelle.
Genauso wenig scheint es aber für Filk eine Option zu sein, Medienwissenschaft/en über
einen klaren Gegenstandsbezug Identität zu verleihen oder durch Festlegung eines Sets an
Methodiken oder gar eines Theoriekanons. Auch das ist fraglos nachvollziehbar, sind doch
die Forschungsausrichtungen im medienwissenschaftlichen Feld bekanntlich sehr vielfältig
und widerstrebend. Aber das Gegenteil, nämlich die Möglichkeit, Medienwissenschaft als
eine ‚wilde Wissenschaft’ zu verstehen, die als unentwegte Avantgarde sich jedweder
disziplinären Ordnung verweigert, ist ebenso wenig eine Option, für die sich Filk begeistern
kann. 11
Aber was bleibt dann noch übrig, wenn man all diese Möglichkeiten, das Freund-FeindSchema, Identitätsfindung via Gegenstandsbestimmung oder Methodiken, ja selbst die
anything goes-Option ausschlägt? Filk schlägt vor, medienwissenschaftliche Forschung als
transdisziplinäres Unternehmen zu konturieren. Um diese Perspektivierung auch begrifflich
Plausibilität zu verleihen, nimmt Filk zuvorderst eine Begriffsrevision vor: Anstelle des
Ausdrucks Medienwissenschaft (obwohl der prominent und damit etwas missverständlich im
Titel platziert ist) wird der sehr viel unspezifischere Begriff der Medienforschung gesetzt. 12
Medienforschung bezeichnet hier schlicht all diejenigen Forschungsgebiete, die sich primär
mit medialen Prozessen auseinandersetzen. Und das kann dann eben Medienwissenschaft,
Kommunikationswissenschaft oder auch Mediensoziologie sein. Einen Vorzug dürfte man
dieser recht unscharfen Bestimmung kaum absprechen, sie umgeht zumindest begrifflich
das gängige Schisma zwischen Medien- und Kommunikationswissenschaft.
Der Vorschlag, Medienforschung als transdisziplinäres Unternehmen zu konzipieren, ist nicht
gerade neu (wenngleich Filks Variante gegenüber anderen Vorschlägen eine durchaus
beeindruckende
Reflexionstiefe
bereithält).
So
forderte
beispielsweise
der
‚Medienwissenschaftler’ Werner Faulstich eine transdisziplinäre Medienforschung in einer
seiner vielen Einführungen schon vor Jahren.13 Auch von ‚kommunikationswissenschaftlicher’
Seite ist solch ein Vorschlag unterbreitet worden.14 Transdisziplinarität bedeutet in all diesen
Fällen im Sinne des Wissenschaftstheoretikers Jürgen Mittelstraß so etwas wie ein
übergeordnetes
„Forschungsprinzip“,
das
die
„Problemwahrnehmungen
und
10
Siehe bspw.: Selbstverständnispapier der DGPuK.
Siehe dazu beispielsweise sehr pointiert die Aussage Bernhard Dotzlers, der
wortspielerisch formuliert: „Es ist gerade das Tolle an dem Fach [der Medienwissenschaft,
S.G.], dass es so toll ist.“ (Rudolf Maresch, „Medienwissenschaft ist eine sichtbar machende
Wissenschaft“. Ein Gespräch mit dem Medien- und Literaturwissenschaftler Bernhard Dotzler
über die Dynamik des Fachs, seine Probleme und den Hype, der mit ihrem Modischwerden
entstanden ist, in: telepolis, 21.11.2005, http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21366/1.html
[gesehen am 04.12.09]. Zu den Implikationen des Begriffs ‚wilde Wissenschaft’ und der Kritik
der Medienwissenschaft als wilder Wissenschaft siehe: Stephan Porombka, Nach den
Medien ist in den Medien. Einige Bemerkungen zur aktuellen Medienwissenschaft, in:
Zeitschrift für Germanistik XIII, 2, 2003, 350-356.
12
Womit sich Filk an eine Beschreibung dieses Forschungsfeldes anschließt, die Siegfried J.
Schmidt vor knapp 15 Jahren bereits vorgeschlagen hat – bspw. in: Die Welten der Medien.
Grundlagen und Perspektiven der Medienbeobachtung, Braunschweig, Wiesbaden 1996.
13
Siehe: Werner Faulstich, Einführung in die Medienwissenschaft, München (Fink) 2002,
70ff.
14
Siehe: Rudolf Stöber, Kommunikations- und Medienwissenschaft. Eine Einführung,
München (Beck) 2008, 10ff.
11
3
Problemlösungen“ leitet, sich aber „nicht in theoretischen Formen“ verfestigt.15 Wie auch
immer solch ein ‚Forschungsprinzip’ genau aussehen mag, auf jeden Fall soll es variabel
sein und problemorientiert organisiert über fachliche und disziplinäre Grenzen hinausgehen.
Kurzum: Forschung soll je nach Problemstellung ausgerichtet werden und damit eben nicht
gemäß disziplinärer Logiken operieren. Disziplinäre Gräben werden so je nach Bedarf
überwunden und nicht ausgehoben, aber ebenso wenig eingeebnet. So das hehre Ziel der
Transdisziplinarität.
Der Mehrwert, den Filks Studie gegenüber vorhergehenden Arbeiten verspricht, die ebenfalls
auf Transdisziplinarität setzen, besteht darin, dass eine transdisziplinäre Ausrichtung nicht
einfach normativ eingefordert wird, um dann eine vage Zukunftsoption einer solchen kurz zu
skizzieren. Vielmehr macht sich Filk in seiner Studie zur Aufgabe, die Forderung nach
Transdisziplinarität historisch und prozesslogisch aus der Forschungspraxis selbst
abzuleiten. Dabei geht es um nicht weniger als, wie es im Titel recht vollmundig heißt, die
Episteme solch einer Medienforschung, also um deren „irreduzibles Set kognitiver Werte und
sozialer Praxen“ (S. 25). Um diese zu erkunden, will Filk die „Medienforschung im
deutschsprachigen Raum mit dem Schwerpunkt Deutschland seit der Nachkriegszeit aus
medien- und kommunikationswissenschaftlicher Sicht“ (S. 336) untersuchen. Genau in
diesem Zeitraum sei auch eine signifikante Verschiebung der ‚Episteme’ auszumachen,
nämlich eine Verschiebung von den Autonomisierungs- und Abgrenzungsstrategien
innerhalb der Medienforschung hin zur Kooperation: Ihren „Ausgang nimmt die
Konzeptualisierung bei der [...] Arbeitshypothese, dass sich ab den frühen 1980er Jahren
sukzessive eine Medienforschung veränderten Couleur konfiguriert, welche in ihrer
Pragmatik und Programmatik hergebrachte disziplinäre Forschungskalküle transzendiert.“
(S. 191; Herv. v. mir, S.G.) Aufgrund dieser ‚Arbeitshypothese’ zieht Filk drei Konsequenzen:
eine perspektivische, eine methodische und eine normative. Erstens sei es ratsam, die
historische Entwicklung der Medienforschung vor dem Hintergrund ihrer sich gegenwärtig
abzeichnenden transdisziplinären Formation (neu) zu perspektivieren. Dafür müsse,
zweitens, zuallererst methodisch ein geeignetes Vokabular entwickelt werden, um diese
Entwicklung beschreibbar und somit überhaupt erst angemessen verstehbar zu machen.
Und drittens soll Medienforschung generell transdisziplinär ausgerichtet werden, da sie nur
so zukunftsfähig zu machen sei.
Mit Filks Arbeit soll also, wie am Ende der Studie noch einmal unterstrichen wird, ein
„konzeptueller Beitrag zur Beschreibung und Beschreibbarkeit einer multi- bzw.
transdisziplinären Medienforschung“ (S. 339) geleistet werden. Dafür wird zunächst sehr
ausführlich und elaboriert ein Vokabular entfaltet, das die Grundlage der historischen
Untersuchung legt. Dieses Vokabular ist überwiegend der Luhmannschen Systemtheorie
entlehnt. Explizit soll diese die „forschungsleitende Heuristik“ (S. 331) darstellen. Mit etlichen
Verweisen auf weitere systemtheoretische bzw. konstruktivistisch ausgerichtete
Wissenschaftsforschung werden vor allem die systemtheoretischen Basiskonzepte
‚funktionale Ausdifferenzierung’, ‚gesellschaftlicher Selbstbeschreibung’ und ‚strukturelle
Kopplung’ aufgegriffen und entfaltet. Damit will Filk auch gleich über den vergleichsweise
engen Rahmen der Medienforschung hinausgehend nicht weniger als ein allgemeines
Modell für die Beschreibbarkeit von Forschungsgenesen entwickeln. Mit „Hilfe eines
Studiendesigns aus Sicht einer integrierten, systemtheoretischen Wissenschaftsforschung“
(S. 27) sollen so bisherige Defizite der Wissenschaftsforschung behoben werden.16
15
Jürgen Mittelstraß, Transdisziplinarität – wissenschaftliche Zukunft und institutionelle
Wirklichkeit, Konstanz (Universitätsverlag) 2003, 11; zitiert bei Filk: 23.
16
Deren maßgebliche Modelle Filk von Rudolf Carnap über Karl Popper und Thomas S.
Kuhn bis hin zur Akteur-Netzwerk-Theorie im zweiten Kapitel seiner Studie kritisch diskutiert
(S. 43-121). Als Hauptdefizit der bisherigen Ansätze macht Filk aus, dass dort die
wissenschaftlichen Entwicklungen entweder als ausschließlich fremd- oder als ausschließlich
4
Nachdem das theoretische Vokabular entfaltet ist, wendet sich Filk den historischen
Phänomenen zu. Auch hier bleibt der Autor seiner systemtheoretischen Grundlinie treu. Der
klassischen systemtheoretischen Medienhistoriografie Luhmanns folgend setzt Filk die
zentrale Zäsur für die moderne, ausdifferenzierte Gesellschaft mit dem Buchdruck,17 die er
dann entlang von Ausführungen Michael Gieseckes näher beschreibt (vgl. S. 162ff.). 18 Damit
ist der Buchdruck auch dafür verantwortlich gemacht, dass sich ein ‚System Wissenschaft’
überhaupt erst entfalten konnte. Für die konkrete Beschreibung der funktionalen
Ausdifferenzierung des Wissenschaftssystems und deren interner Unterteilungslogik in
Disziplinen seit dem 18. Jahrhundert bezieht sich Filk auf einen weiteren maßgeblichen
Systemtheoretiker, nämlich Rudolf Stichweh19 Filk überführt und konkretisiert in der Folge
Stichwehs Ausführungen anhand der Ausdifferenzierung der Kommunikations- und
Medienwissenschaft „mit dem Schwerpunkt Deutschland seit der Nachkriegszeit“ (S. 336).20
In diesem Kontext wird denn auch die zentrale Hypothese der Studie ausbuchstabiert, dass
sich in den letzten Dekaden – und damit anlog zum Aufstieg „interaktive[r] und
kollaborative[r] Informations- und Kommunikationstechnologien“ (S. 10) wie dem World Wide
Web – eine „Umstellung auf ‚transdisziplinäre’ Differenzierung und Evolution“ (S. 336)
vollzogen habe:
Doch die gegenwärtigen Evolutionslinien der Medienforschung transzendieren jene
spezifische bidisziplinäre Reflexion aus Medien- und Kommunikationswissenschaft.
Die
wissenschaftliche
Auseinandersetzung
mit
‚Medien’,
‚Medialität’,
‚Medienkommunikation’ und ‚Medienmaterialität’ ist seit rund 20 Jahren eben nicht
mehr ausschließlich für die medien- und kommunikationswissenschaftliche
Community reserviert. Zu wesentlichen Anteilen folgen Neukonstituierungen und
Ausdifferenzierungen innerhalb dieser Wissensdomäne einer stabilen Tendenz zur
Interdiskursivität. Augenauffällige Indikatoren dafür sind all diejenigen Subdisziplinen
mit dem Präfix ‚Medien’ und ‚Kommunikation’, die sich partiell im Laufe der letzten
eineinhalb Dekaden ausgebildet haben. (S. 337)
Die ‚Tendenz zur Interdiskursivität’ soll laut Filk zwischen unterschiedlichen Disziplinen/
Fächern
bzw.
tradierten,
bisher
klar
voneinander
unterschiedenen
selbstreguliert verstanden worden seien. Im Anschluss an Wolfgang Krohns und Günter
Kuppers’ Beschreibung der Selbstorganisation der Wissenschaft argumentiert Filk, dass ein
systemtheoretischer Zugang es erlaubt, diese Entweder-Oder-Option zu umgehen. Soll es
doch dieser Zugang erlauben, Wissenschaft als sich selbstorganisierendes System zu
behandeln und gleichzeitig, da dieses System vielerlei strukturelle Kopplungen mit anderen
Systemen eingeht, als fremdgesteuertes und also von Außen irritierbares System zu
verstehen.
17
Vgl. bspw. Niklas Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt/M. (Suhrkamp)
1999, 291ff.
18
Vgl. vor allem Michael Giesecke, Der Buchdruck in der frühen Neuzeit. Eine historische
Fallstudie über die Durchsetzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien,
Frankfurt/M. (Suhrkamp) 1991.
19
Vgl. Rudolf Stichweh, Zur Entstehung des modernen Systems wissenschaftlicher
Disziplinen. Physik in Deutschland 1740-1890, Frankfurt/M. (Suhrkamp) 1984.
20
Leider wird diese Geschichte der Ausdifferenzierung auf knapp zehn Seiten verdichtet
dargestellt (S. 179-189). Hier wäre eine ausführlichere und präzisere Darstellung
wünschenswert gewesen. Denn genau eine solche vergleichende Darstellung hätte die
Differenzen, Ähnlichkeiten und die Entwicklungslogik der Forschungszusammenhänge der
Medien- und Kommunikationswissenschaft(en) genauer aufzeigen können als das gängige
Gegenüberstellungen machen. So bleibt aber auch Filks Rekonstruktion an einer
entscheidenden Stelle leider ebenfalls zu holzschnittartig.
5
Forschungszusammenhängen stattfinden,
somit ebenfalls
eine
Tendenz
zum
interdisziplinären Arbeiten anzeigen und sukzessive in ein transdisziplinäres
Forschungsdesign münden. Diese Entwicklungslogik wird ausführlich an zwei Beispielen
aufgezeigt, erstens am Diskurs über die Medienphilosophie (S. 209-257) und zweitens an
dem über die Medieninformatik (S. 259-313). In beiden Fällen macht Filk unterschiedliche
Denk- und Forschungstraditionen aus, die hier zusammenkommen, zum einen zwischen
Philosophie und Medienwissenschaft, zum andern zwischen „informatorische[n],
psychologische[n], organisationswissenschaftliche[n] und betriebswissenschaftliche[n]
Konzepte[n] und Paradigme[n]“ (S. 309). Filk bezeichnet diese Zusammenkunft
unterschiedlicher Diskurse mit einem Begriff aus seinem systemtheoretischen Theoriedesign
als strukturelle Kopplung.21
Im Fall der Medienphilosophie beobachtet Filk eine schwache strukturelle Kopplung
zwischen den Diskursen Medienwissenschaft und Philosophie. Das sagt zunächst nichts
weiter, als dass die (inter-)diskursiven Verläufe in diesem Feld vielfältig und heterogen sind.
Als Zentralfunktion diese Diskurses jedoch macht Filk – und hier wird es dann schon
interessanter – eine gegenseitige Befruchtung aus: Medienphilosophie habe
„Korrekturpotenzial“ (S. 255); es lasse „sich nach beiden Seiten hin profilieren: als
‚Wiedereinschreibung des Geistes in die Medienwissenschaft’ und als ‚Einführung des
Materiell-Technischen in die Philosophie’“ (ebd.). Im Fall der Medieninformatik wiederum
führe die Gemengelage unterschiedlicher ‚Konzepte und Paradigmen’ letztlich zu einer
starken strukturellen Kopplung – und das heißt zur (auch institutionellen) Etablierung einer
Medieninformatik, die per se transdisziplinär ausgerichtet sein soll.
Obwohl in den Fallbeispielen, die Filk vorlegt, die Facetten und Verlaufsformen der (Interund Trans-)Diskurse souverän und instruktiv nachgezeichnet werden, lassen sich doch
gerade hier einige Bedenken generellerer Natur formulieren. Ihre Schärfe erhalten diese
Kritikpunkte insbesondere vor dem Hintergrund der doch recht groß angelegten Ziele der
Studie. Fünf problematische Punkte seien im Folgenden benannt:
1. Eine historische Gegenprobe wäre wünschenswert gewesen. Anhand dieser hätte
präziser geklärt werden können, ob solche Interdiskurse, wie sie Filk beschreibt, tatsächlich
erst ‚seit rund 20 Jahren’ existieren bzw. signifikant sind oder ob sie nicht schon sehr viel
früher gang und gebe waren in der Medienforschung, ja die Medienforschung vielleicht sogar
historisch aus nichts anderem als aus Interdiskursen besteht.
2. Es ist interessant und – wie ich behaupten möchte – symptomatisch, welche zwei
Interdiskurse Filk analysiert. Es sind nämlich zwei Diskussionszusammenhänge, die das
basale Schisma zwischen Medien- und Kommunikationswissenschaft gerade nicht tangieren!
Vielmehr ließe sich anhand der Filkschen Fallbeispiele behaupten, Medienwissenschaft und
Kommunikationswissenschaft suchten sich unterschiedliche Partner, gerade um ihre
hegemonialen Ansprüche auszuweiten. Bezeichnenderweise wird im einen Fall ein
‚Wahlverwandter’ in der Geisteswissenschaft gesucht und im andern Fall in
21
Der Begriff der strukturellen Kopplung passt im Übrigen wunderbar zur Idee der
Transdisziplinarität. (Und ist damit auch ein Beispiel dafür, wie überaus geschickt Filk
systemtheoretisches Vokabular aufnimmt und seinen Zwecken gemäß neu justiert). Folgt
man Jürgen Mittelstraß, dann führt transdisziplinäre Forschung nicht zur Auflösung
disziplinäre Selbstständigkeit, sie führt aber durchaus zu einem neuen Problembewusstsein
in den beteiligten Fächern, ja wird geradezu zum Motor derselben (und kann überdies zu
neuen Disziplingründungen führen). Genau dies ist ein Mechanismus, der mit der
strukturellen Kopplung sehr viel universeller und abstrakter mit Bezug auf autopoetisch
operierende Systeme formuliert wird. Siehe bspw. folgende Beschreibung der strukturellen
Kopplung bei Luhmann (siehe bspw.: Luhmann, Gesellschaft der Gesellschaft, 101f.)
6
naturwissenschaftlichen oder doch naturwissenschaftsaffinen Gefilden. Das Schisma
zwischen Medien- und Kommunikationswissenschaft wird damit nicht abgemildert, sondern
vergrößert. Das ließe sich zumindest mit einer gewissen Plausibilität aufgrund des Materials,
das Filk liefert, gegen Filks Konklusion behaupten.
3.
Trotz
aller
Elaboriertheit
der
systemtheoretischen
Grundlegung
einer
Wissenschaftsforschung fällt auf, dass Filks Studie doch auch ein wenig an dem krankt, was
viele systemtheoretisch fundierte Medienhistoriografien kennzeichnet, nämlich am Problem
der angemessenen Integration medientechnischer Entwicklungen. Luhmann selbst entfaltet
ja ein recht grobschlächtiges Entwicklungsmodell von Medientechniken, die er mit
denjenigen gesellschaftlicher Stadien in Zusammenhang bringt. So heißt es bei ihm: „Die
Kommunikationstechniken haben die Welt zumindest zweimal revolutioniert: Durch die
Erfindung der Schrift und durch die Erfindung des Buchdrucks.“22 Im ersten Fall soll damit
eine segmentäre geordnete Gesellschaft ermöglicht worden sein, im zweiten Fall die
moderne, funktional ausdifferenziert Gesellschaft, mitsamt ihren spezifisch modernen
Erkenntnisformen und der Etablierung eines Systems Wissenschaft. Eine dritte Zäsur wird
noch am Ende des letzten Buches Luhmanns eher dunkel und raunend mit dem aufkommen
des vernetzten Computers prognostiziert, die das Potenzial haben könnte, die funktional
ausdifferenzierte Gesellschaft (und damit eben auch deren Erkenntnisweisen) zu
‚revolutionieren’. 23
Filk
folgt
Luhmann
in
den
groben
Zügen
dieser
Mediengeschichtsschreibung. Der Buchdruck ist auch bei Filk die Bedingung für die
Etablierung eines Systems Wissenschaft (vgl. S. 162ff.) und die neusten medientechnischen
Entwicklungen werden ebenfalls als einschneidend für die Art und Weise der
Erkenntnisgenerierung verstanden (vgl. S. 10ff.). Das Problem einer solchen
Mediengeschichtsschreibung ist nun nicht (oder doch nicht primär), dass sie fürchterlich
grobschlächtig ist. Sehr viel problematischer ist die Unklarheit darüber, wie das Verhältnis
von Medientechniken und gesellschaftlichen Prozessen, hier im speziellen der
wissenschaftlichen Erkenntnisformen genau zu verstehen ist. Folgt einfach aus der
vorherrschenden
medialen
Konstellation
kausal
die
Art
und
Weise
des
Selbstverständnisses? Oder stellt es nur einen recht unbestimmten Möglichkeitshorizont
bereit für kommunikative Ausformungen? Sind vielleicht anders herum die entscheidenden
Triebfedern für die Entwicklung von Medientechniken die kommunikativen Prozesse? Zwar
vergisst Filk nicht anzumerken, dass die medientechnischen Veränderungen „als Moment
und Faktor gesellschaftlicher Wandlungsprozesse“ (S. 10; Hervorhebung von mir, S.G.)
figurieren. Aber auch hier ist zu fragen: Was heißt es eigentlich, dass Medientechnik
‚Moment und Faktor’ sind? Oder genauer noch: Wie zeigt sich diese Wechselwirkung
zwischen ‚Moment und Faktor’ am historischen Material genau? So elaboriert Filk eine
systemtheoretische Grundlegung der Wissenschaftsforschung vornimmt, so karg und
unscharf bleiben dagegen seine systemtheoretisch fundierten medienhistoriografischen
Beschreibungen der Wissen(schaft)sdynamik.
4. Auch fallen die beiden von Filk gewählten exemplarischen Anwendungsbeispiele hinter die
theoretische Vorarbeit der Studie zurück. Pointierter formuliert: Die Versuchsanordnung ist
um einiges interessanter und elaborierter als die Durchführung des Versuchs selbst. Zwar
wird ein komplexes systemtheoretisches Vokabular eingeführt, um Wissenschaftsforschung
und deren Dynamiken zu beschreiben. Aber in den Fallbeispielen selbst werden dann nur –
22
Niklas Luhmann, Das Problem der Epochenbildung und die Evolutionstheorie, in. Hans
Ulrich Gumbrecht / Ursula Link-Heer (Hg.), Epochenschwellen und Epochenstrukturen im
Diskurs der Literatur- und Sprachgeschichte. Frankfurt/Main (Suhrkamp) 1984, 11-33, hier
20f.
23
Siehe dazu: Luhmann, Gesellschaft der Gesellschaft, S. 310ff.; siehe zu dieser dritten
Zäsur ausführlicher: Dirk Baecker, Studien zur nächsten Gesellschaft, Frankfurt/ Main
(Suhrkamp) 2007
7
recht konventionell – (Inter-)Diskurse analysiert, ohne diese wiederum in einem zweiten
Schritt an das zuvor entwickelte Interdependenzmodell zurückzubinden. Zwar wird ein
Modell von Wolfgang Krohn und Günter Küppers eingeführt, das diese in ihrer Arbeit Die
Selbstorganisation der Wissenschaft vorgestellt haben.24 Damit wollen die Autoren die
Interdependenzen und Ausdifferenzierungen von Forschungsprozessen in Form
„[s]ystemische[r] ‚Umweltschleifen’“ (S. 340) abbilden. Dieses Modell zur Beschreibung von
Wechselbeziehungen wird in Filks Arbeit zwar eingeführt, aber eben nicht konsequent auf
die beiden Fallbeispiele der Studie angewendet.
5. Dementsprechend blass fällt das Plädoyer für die Transdisziplinarität aus: Es wird nämlich
durch die Vagheit der Fallstudien nicht genau klar, warum transdisziplinäres Forschen
strukturlogisch das Gebot der Stunde ist. Überdies müsste im Plädoyer für die
transdisziplinäre Medienforschung noch plausibler gemacht werden, warum die
Medienwissenschaften auf Teufel komm raus transdisziplinär arbeiten müssen. Denn selbst
wenn diese Tendenz als eine strukturlogische nachgewiesen wäre, folgt doch daraus immer
noch nicht, dass man dieser folgen muss oder sollte. Vielleicht ist ja gerade Abschottung das
strategische Gebot der Stunde oder vielleicht fährt man besser als ‚wilde Wissenschaft’, die
sich weder um Disziplinarität noch um Inter- oder Transdisziplinarität schert. Solche
Gegenpositionen sind vielleicht nicht gerade besonders überzeugend, wahrscheinlich
unhaltbar. Filk versäumt es aber, solche Zweifel und Gegenvorstellungen konsequent genug
anhand seiner wissenschaftshistorischen Fallbeispiele zu entkräften.
Die systemtheoretische Studie Episteme der Medienwissenschaft schließt salomonisch. Im
letzten Abschnitt wird darin ein bekannter Satz aus Ludwig Wittgensteins Philosophische
Untersuchungen zitiert, der besagt, dass nicht die eine Methode der Philosophie gebe; statt
dessen ständen nur „verschiedene Therapien“25 zur Verfügung. Auch vorliegende Rezension
soll salomonisch beschlossen werden, indem diese Metapher der Therapie aufgegriffen wird:
Filk liefert vielleicht mit seiner Studie nicht die Therapie, nach der wir, die ‚Medienforscher’,
nun wüssten, wer wir sind, geschweige denn wie viele. Vielmehr stellt Filks Studie, die noch
in ihrer Variante als Dissertation passenderweise als „Vorstudie“26 bezeichnet wird, ein sehr
elaboriertes therapeutisches Vorgespräch dar. Die eigentliche Therapie ist sie hingegen
noch nicht. Und wie im echten Leben sollte man sich noch nach anderen
Therapiemöglichkeiten umschauen27 und sorgfältig abwägen, ob man zu Dr. Filks Methode
zurückkehren möchte. Allerdings, überhaupt sich Gedanken über geeignete
Therapiemöglichkeiten zu machen und nicht nur in neurotischen Selbstbefragungen vor dem
24
Wolfgang Krohn, Günter Kuppers, Die Selbstorganisation der Wissenschaft, Frankfurt/M.
(Suhrkamp) 1989, 125.
25
Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen (Hg. v. Gertrude E. Anscombe,
Georg H. v. Wright u. Rush Rhees), Werkausgabe Bd. 1, Frankfurt/M. (Suhrkamp) 41988,
§133, 305; zitiert bei Filk: 342.
26
Genauer Titel der Dissertation: Zur Logik der Medienforschung – Grundlegung und
Vorstudien zu einer systemtheoretischen Wissenschaftsforschung, Kassel 2006.
27
Um nur auf eine andere therapeutische Möglichkeit hinzuweisen: Wenn es doch um
transdisziplinäre Vermischungen geht und wenn es darüber hinaus, gerade in diesem Feld,
immer auch um die Durchsetzung von Definitionsmacht geht und wenn schließlich,
Medientechnik und Semantik interdependent sein sollen, wovon Filk ausgeht,, wenn man es
also auf unterschiedlichen Ebenen mit Hybridphänomenen zu tun hat – dann läge es meines
Erachtens sehr nahe, den Ansatz der Akteur-Netzwerk-Theorie, den Filk im Übrigen sträflich
verkürzt auf knapp drei Seiten darstellt und kritisiert (S. 115-117), vielleicht gegenüber einem
rein systemtheoretischen Zuschnitt zu präferieren. (Aber freilich: Der mäkelnde,
besserwisserische Rezensent hat es leicht, insofern er das nicht selbst umsetzen muss, was
er fordert.)
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Hintergrund des immer gleichen Freund-Feind-Schemas stecken zu bleiben, dies leistet die
Studie Filks allemal. Und das ist beileibe kein geringer therapeutischer Verdienst.
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Seele and Geist
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