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Jacke wie Hose und alles als Kraftwerk - derStandard.at

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14 der Standard
FORSCHUNG SPEZIAL
Montag, 19. April 2004
Jacke wie Hose und alles als Kraftwerk
Der Minicomputer in der Kleidung:
Viele Unternehmen glauben an
diese Idee, doch die passende
Stromquelle, die nicht rucksackgroß
ist, muss erst entwickelt werden.
Österreichische Forscher arbeiten
daran. Die textile Batterie kommt.
Gregor Kucera
Wearable
Computing
ist derzeit
noch nicht
so komfortabel, wie
sich das
Anwender
vielleicht
wünschen
würden.
Foto: Reuters
Das Display in der Sonnenbrille, den Computer in der Kleidung und ein Eingabegerät an
der Hand – so sehen viele Wissenschafter die gar nicht allzu
weit entfernte Zukunft. Während Chips immer kleiner
werden, vergessen die Hersteller aber einen wichtigen
Punkt – die Stromquelle. Was
nützt der kleinste Computer,
wenn man eine riesige Batterie mitschleppen muss?
„Alle reden von Wearable
Computing, vergessen aber
die Energiequelle dazu“, sagt
Rainer Hasenauer von der
Beraterfirma Trust & Value,
der versucht, Forschungsergebnisse marktreif zu machen.
Bei den Resultaten von Energy
on Demand (En-o-De), einem
Spin-off der SeibersdorfTochter Funktionswerkstoffe
Forschungs- und Entwicklungs GmbH (FWG), sieht er
gute Chancen. Der Bedarf für
Neuentwicklungen sei jedenfalls gegeben, sagt die Forscherin Martha Schreiber, geschäftsführende Gesellschafterin von En-o-De. Nicht zuletzt als Stromquelle, um auch
in entlegenen Gebieten die
Energieversorgung zu ermöglichen. Für Rettungsdienste
zum Beispiel.
En-o-De arbeitet derzeit an
einer weniger als einen Millimeter dicken textilen Batterie.
Sie lässt sich problemlos in
die Kleidung integrieren und
sollte so zum „Kraftwerk in
der Jackentasche“ werden.
Dank der Druckknopftechnologie – der Verschlussmechanismus dient als Ein- und Ausschaltknopf – ist eine einfache
Bedienung möglich. Die Herzstücke der textilen Batterie
sind das so genannte Flat Pad,
am besten wohl als flach gedrückte flexible Batterie zu beschreiben, und das TexiBoard,
eine Zwischenschicht aus verkupfertem Polyestergewebe,
die die sinnvolle Nutzung der
Batterie und die Stromverteilung ermöglicht. „Unser Ziel
ist eine zentrale Energiequelle
für unterschiedliche Geräte.
Im Idealfall wird es in der Zukunft einen Universalstecker
geben, an dem verschiedene
Geräte andocken können“, so
Hasenauer.
In der Flüssigkeit
Während die textile Batterie
noch im Anfangsstadium
steckt und eine Marktreife
nicht wirklich abzusehen ist,
kamen die Forscher bei einer
zweiten Entwicklungsarbeit
einen großen Schritt weiter:
Die Vandium-Redox-Batterie
wird in wenigen Wochen in einem groß angelegten Feldversuch erprobt. Sie besteht aus
zwei Komponenten: zum einen aus Tanks, die mit dem
seltenen, weichen und zähen
Element Vanadium in flüssiger Form gefüllt wurden. Zum
anderen aus Plastikelektroden, die je nach benötigter
Leistung erweiterbar sind. Die
Bandbreite reicht dabei derzeit von 250 W bis zu einem
KW. Die Energie ist in der
Flüssigkeit gespeichert: Diese
Art der elektrochemischen
Massenspeicherung kann aufgrund der Fähigkeit, chemische in elektrische Energie
umzuwandeln, zur Überbrückung von Spitzenverbrauchszeiten eingesetzt werden. Sie ermöglicht aber
auch eine unterbrechungsfreie Stromversorgung für
Systeme, die nicht ausfallen
dürfen und vielleicht entlegen
liegen. Bei der Entwicklung
wurde vollständig auf die Verwendung von Blei, Kadmium
und Zink verzichtet.
Paradigmenwechsel
„Batterien machen viele andere auch“, sagt Hasenauer.
„Uns kam es darauf an, Ressourcen zu reduzieren, Nachhaltigkeit zu schaffen, dabei
aber eine leichte Handhabung
und Wartungsfreiheit sowie
einen modularen Aufbau, der
die bestmöglichen Ergebnisse
je nach Anforderung bringt, zu
gewährleisten.“ Sowohl Hasenauer als auch Schreiber
sprechen von einem Paradigmenwechsel. „Wir sehen eine
neue
Batteriephilosophie.“
Rettungsleute könnten nun
mit Hightech ausgestattet werden, um effizienter arbeiten zu
können.
Auch Mobilfunkbetreiber
dürften sich freuen: keine mühevollen Verkabelungen von
Handymasten mehr – und die
liegen ja wirklich in entlegenen Regionen.
der Standard Webtipp:
www.materials-technology.at
TERMINE
Q Rot-Weiß-Rot im All:
Österreichische
Weltraumforscher sind seit
etwa 35 Jahren an zahlreichen großen Missionen beteiligt: ob die Erkundung der Marsoberfläche oder des Kometen
Churyumov-Gerasimenko – nicht selten ist österreichische Technologie
dabei. Anlass für einen
zweitägigen Workshop
des Instituts für Weltraumforschung in Graz,
das selbst an zahlreichen
Projekten beteiligt ist:
„Austria’s History in
Space.“
19. April, 13 bis 19 Uhr,
und 20. April, 9.30 bis
15.30 Uhr, Forschungszentrum Graz, 8042
Graz, Schmiedlstr. 6.
J (0316) 4120-414
der Standard Webtipp:
www.iwf.oeaw.ac.at
www.esa.int/esaCP/
Austria.html
Q Rot-Weiß-Rot
mit
mehr Frauen: Nach wie
vor wird nur ein Drittel
aller neu gegründeten
Unternehmen mit oder
ohne
Technologieschwerpunkt in Österreich von Frauen geführt. Das RIZ Niederösterreich bemüht sich um
Chancengleichheit und
veranstaltet unter anderem eine Podiumsdiskussion in Amstetten, in
deren Rahmen die Frage
beantwortet werden soll:
„Warum Männer Maschinen bauen und Frauen Haare waschen.“ Mit
ORF-Moderatorin Barbara van Melle.
23. 4., RIZ Amstetten,
3300 Amstetten, Franz
Kollmann-Straße 4.
J (07472) 655 10-110,
E-Mail: amstetten@
riz.co.at. ab 15.00
der Standard Webtipp:
www.riz.at
Ein Netz wird geworfen
Wiens IT-Enterprise startet mit Workshop
Etwa 8000 Unternehmen gibt
es in Wien, die man der Informations- und Telekommunikationsbranche
zurechnen
kann. Der Wiener Wirtschaftsförderungsfonds
(WWFF),
will sie, wie berichtet, vernetzen, um ihnen zum Beispiel
Projektkooperationen in der
Entwicklungsarbeit zu erleichtern.
Die ersten Arbeitsgruppen
von Vienna IT Enterprises
(VITE) starten bereits kommende Woche mit einem
Workshop, bei dem heimische
IT-Experten über ihre Erfahrungen im Berufsalltag sprechen werden: Hans-Peter Ritt
von der Milestone Projektmanagement GmbH berichtet von
internationalen Märkten, Pe-
ter Hössl von den Austrian Research Centers Seibersdorf
wählte das Thema Forschungs- und Entwicklungskooperation. Irene Czurda von
der Online Schulungs- und
Beratungsges. mbH
spricht
über Qualifizierung. Vienna
IT Enterprises wird zur Hälfte
vom WWFF und zur anderen
Hälfte aus EU-Mitteln mitfinanziert und hat seinen
Schwerpunkt im Ziel-2-Gebiet
am Standort Höchstädtplatz in
Wien Brigittenau. (red)
20. 4., 1020 Wien, Taborstraße
1-3, 16.00-17.30. Tel.: (01)
960 90. E-Mail: info@vite.at
der Standard Webtipp:
www.wwff.gv.at
www.vite.at
NAMEN
Zuerst Politik, jetzt Forschung
Das Wiener E-Commerce Competence
Center (EC 3) hat einen neuen kaufmännischen Geschäftsführer: Der 32jährige Günther Simonitsch (Foto),
zuvor Büroleiter bei Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer, wechselt
von der Politik in die Forschung. Simonitsch studierte Rechtswissenschaften
und Statistik in Wien, arbeitete auch
als Webdesigner, in einer Rechtsanwaltskanzlei und Ende der Neunzigerjahre auch als Projektassistent am Institut für Statistik – beim Konzernprojekt Databased Marketing der Basler Versicherung. Simonitsch ist leidenschaftlicher Tennisspieler und Motorradfahrer. Karl Fröschl bleibt
wissenschaftlicher Geschäftsführer des EC 3. (red)
Millennium-Preis für WWW-Entwickler
Der britische Physiker Tim Berners-Lee erhält als Erster den
neu gestifteten Millennium-Technologiepreis für seine
„bahnbrechenden Leistungen bei der Schaffung des World
Wide Web“. Wie das finnische Preiskomitee in Helsinki mitteilte, ist die Auszeichnung mit einer Million Euro dotiert
und soll künftig alle zwei Jahre vergeben werden. BernersLee habe mit seinen Vorarbeiten für das Web Entscheidendes
für das Knüpfen neuer sozialer Netzwerke geleistet, hieß es
zur Begründung. (red)
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