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1. Wie so vieles im Leben, fing es auch diesmal mit - Autorenherz

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1.
Wie so vieles im Leben, fing es auch diesmal mit der zwar lapidaren, nichtsdestotrotz doch
elementarsten Frage an, der ich mich als Mann in den besten Jahren seit zwei Jahrzehnten
ausgesetzt sah. Wobei eine halbwegs befriedigende Antwort mir schon deswegen nicht
möglich war, weil ich mir diese Frage selbst stellte und eine Beantwortung nur aus
subjektiver Sicht des Fragestellers hätte erfolgen können.
Und da bekanntlich meist die dümmsten Antworten das Ergebnis selbstgestellter Fragen sind
kam ich zu dem weisen Entschluss, die Frage erst einmal unbeantwortet in der Unendlichkeit
des Raumes so stehen zu lassen.
Die Frage lautete:
WAT NU?
Gut, es ist kein reines Hochdeutsch, zugegeben, aber ich denke als geborener und
überzeugter Rheinländer auch kein reines Hochdeutsch.
Ich denke wat, statt was, dat, statt das, jut, statt gut, hann, statt habe, kütt, statt kommen,
hässte, statt hast du, ahl Omma, statt ältere Dame, luur ens, statt ja, da schau mal einer an,
um nur einige erklärende Beispiele zu nennen. Allerdings werde ich mich hier sehr bemühen,
sofern Sie der weitere Werdegang meiner fast gescheiterten Existenz überhaupt interessiert,
diese rheinischen verbal-Injurien durch allgemein verständliches deutsch zu ersetzen.
Also:
Wat nu?
Sorry….(ist Deutsch, oder? Hört sich auf jeden Fall sehr neudeutsch an)…also, Sorry, ich
meinte natürlich:
Was nun?
Allein, die Frage an sich entbehrte nicht einer gewissen Berechtigung. Das will ich hier unter
Betonung aller Silben einmal klar herausstellen!
Fahren Sie doch mal an einem Samstagmorgen um halb vier in Ihrem Auto, beladen mit drei
Pappkartons und einem mittelgroßen Koffer herum und stellen sich die „was nun“ Frage.
Da hilft Ihnen die Aussicht auf einen kommenden, wunderbaren Sommertag herzlich wenig.
Denn eines war sicher und damit Fakt:
Meine Frau hat mich verlassen!
Nein, ich habe meine Frau verlassen!
Das trifft es auch nicht wirklich.
Also, es war so:
Meine Frau hatte für sich eine neue Liebhaberei entdeckt, die sie Tag und Nacht doch sehr
in Anspruch nahm. Wobei vom Standpunkt des schwer arbeitenden Ehegatten gesehen,
eigentlich gegen ein neues Hobby meiner Gattin nichts einzuwenden gewesen wäre. Sofern
es sich nicht um ein Hobby mit dem Vornamen „Günter“ gehandelt hätte mit welchem ich
mich, vielleicht verständlicherweise, überhaupt nicht so recht anfreunden konnte.
Günter übt den ehrenwerten Berufs eines Polizisten im Fahndungsdienst aus und fährt ein
dickes, fettes Motorrad.
Ich bin Niederlassungsleiter in einem Dienstleistungsunternehmen und mag noch nicht mal
kleine Mopeds.
Die –nicht nur geistige- Zuwendung meiner lieben Gattin, hin zu besagtem Günter, war ganz
sicher ein Teilauslöser welcher mit dazu führte, dass ich nun mit drei Pappkartons und einem
mittelgroßen Koffer bei mittlerweile herrlichem Sonnenaufgang durch die Gegend fuhr.
Ein wegwerfend ausgesprochener Satz meiner –bis gestern noch- lieben Gattin tat ein
Übriges. Sie drückte damit den berühmten Knopf, um so den mir bevorstehenden,
zukünftigen Ereignissen aus den Starblöcken zu verhelfen.
„Ich liebe Günter und du kannst gehen.“
Gut, ich bin dann doch lieber mit dem Auto gefahren.
Mit mir gingen, oder fuhren, ebenfalls ein Laptop, den ich ihr einmal geschenkt hatte, damit
sie ihrem Wunsche entsprechend im Internet chatten konnte und ein Mobiltelefon, welches
zwar meins, von mir jedoch nie benutzt worden war, weil ich es vorzog gebührenfrei mit dem
Firmenhandy zu telefonieren.
So fuhr ich nun dahin.
Wohin also.
Den Gedanken mich sofort zu Günter zu begeben, um ihn heute noch stehenden Fußes
umzubringen, verschob ich aus zwei Gründen erst einmal auf die kommenden Tage, oder
Wochen.
Zum ersten, weil Günter in seiner Eigenschaft als Polizist einer Fahndungseinheit doch
sicher, also gewissermaßen, über eine nicht zu unterschätzende körperliche Tüchtigkeit
verfügen musste, die mir leider mit der Zeit doch ein klein wenig abhanden gekommen war.
Und zum zweiten, weil ich auch gar nicht wusste wo der Kerl überhaupt wohnt.
Ebenso wenig machte es Sinn meine liebe Gattin in Persona vom Leben zum Tode zu
befördern, obwohl dies körperlich gesehen, sicherlich zu schaffen gewesen wäre. Und
später, entsprechend bußbereit und bei einem einigermaßen günstigen Verhandlungsverlauf,
wäre ich vielleicht sogar mit einer relativ geringen Gefängnisstrafe davon gekommen. Aber
dann hätte ich das wohl vor einigen Stunden bereits erledigen müssen, um wenigstens eine
gewisse bewusstseinsgestörte Affekthandlung vorweisen zu können. Leider, oder Gott sei
Dank, war diese Chance endgültig vertan.
Also schlug ich erst einmal den Weg ins Büro ein, wozu war ich schließlich Chef der
Niederlassung. Außerdem war heute Samstag und eh kein Mensch dort. Außerdem gab es
da eine Kaffeemaschine. Außerdem eine Dusche. Außerdem eine Couch. Außerdem eine
kleine, eingebaute Küche. Außerdem hatte ich Hunger. Außerdem hatte mich meine liebe
Gattin vor die Tür gesetzt. Außerdem, jo, war ich ab heute Single……
Und außerdem gab es im Büro einen Internet Anschluss und den benötigte ich dringend.
2.
Es ist wirklich nicht so, als hätte mein Verstand das Bild meiner ehemals geliebten Gattin
bereits in völliger Gleichgültigkeit im tiefen See des Vergessens verschwinden lassen. Das
geht auch gar nicht, nach über zwanzig Jahren Ehelebens. Allerdings muss ich zugeben,
dass sich meine Zuneigung ihr gegenüber ab dem Zeitpunkt des Karton- und Kofferpackens
doch in sehr bescheidenen Grenzen hielt. Wobei natürlich die Vermutung, dass sie mir in
gewisser Weise ebenfalls nicht mehr sehr wohl gesonnen war, nicht ganz von der Hand zu
weisen ist.
Hätte ich nur sofort die Festplatten des Laptops formatiert, alles wäre gut gewesen.
Aber nein, ich musste natürlich erst einmal nachschauen, was es in der virtuellen Welt
meiner lieben Gattin so alles zu besichtigen gab. Es war selbstverständlich eine rein
informative Angelegenheit, die absolut nichts mit Neugierde zu tun hatte.
Hallo, ich bin ein Mann!
Wäre ich neugierig, dann wäre ich logischerweise eine Frau.
Ich informierte mich also.
Etwa eineinhalb Stunden später informierte ich mich immer noch und ehrlich gesagt konnte
ich mich des Eindrucks nicht mehr erwehren, dass meine liebe Gattin in den letzten Wochen
und Monaten ein…..hm…. eine Art virtuelles Doppelleben führte, wovon ich Depp absolut
keinen Schimmer hatte. So lernte ich einen Menschen neu kennen, der mir über zwanzig
Jahre wohl mehr oder weniger völlig fremd gewesen ist. Und deshalb war es kaum
verwunderlich, dass ich in der ersten Erregungsphase begann, meine neu erworbene
Menschenkenntnis durch eine stille Mordlust zu ersetzen.
„Lookme“, so lautete der Name des Programms eines ihrer virtuellen Tummelplätze, dem sie
wohl am meisten abgewinnen konnte.
Ein Chatroom, so wie ich anhand des Internetverlaufs feststellte. Gut, und weiter? Erst mal
gucken, womit ich es eigentlich zu tun hatte. Denn, ich schwöre, von der psychologischen
Kraft eines Chatrooms als Lebensqualität steigerndes Kulturgut, hatte ich nicht den
blassesten Schimmer.
Ich rief die entsprechende Seite auf und meldete mich unter meinem Namen an. Das war
nicht schwer.
Per e-mail erhielt ich einen Zugangscode, den gab ich ein und schon hieß man mich als
neues Mitglied in der großen Lookme-Familie herzlich willkommen, was sehr nett war.
Ich konnte nun ein eigenes Profil erstellen, wozu ich zu diesem Zeitpunkt allerdings wenig
Lust verspürte. „Profile suchen“, las ich auf einem Button und auf einem anderen einfach nur:
„hier suchen“. Es war also recht einfach wie es schien, um herauszubekommen, wem alles
meine Gattin in den vergangenen Wochen und Monaten, beziehungsweise zukünftig, ihre
ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken gedachte.
Mit Hilfe des ebenfalls konfiszierten Mobiltelefons ließen sich die Jungs aus „Lookme“ doch
leicht herausfinden. Ich musste halt lediglich mir völlig unbekannte Namen oder Begriffe aus
den abgespeicherten Rufnummern heraussuchen und im Chat, unter „hier suchen“
eingeben, was ich auch tat. Und da meine liebe Gattin einen Faible für SMS Nachrichten zu
besitzen schien –von dem ich bis Dato ebenfalls nicht die Spur einer Ahnung besaß- konnte
ich nicht nur recht einfach feststellen wer denn nun eigentlich als Günter meine Nachfolge
bei ihr angetreten hatte, sondern durfte auch noch ihre gesammelten Nachrichten lesen, die
einem aus grauer Vorzeit stammenden, pubertären Liebesgestammel nicht unähnlich waren.
Günter wurde, laut SMS und Nummernkennung auch „Sturmvogel“ genannt, oder vielleicht
von seiner Mutter gerufen, so genau habe ich es nie herausgefunden. Der Einfachheit halber
übertrug ich die Mordabsichten meiner Gattin gegenüber gleich auf ihn mit. Im Falle eines
Falles wäre es ein Abwasch gewesen.
Um der Wahrheit genüge zu tun scheint es mir wichtig anzumerken, dass nach diesen, doch
auf mich relativ unvorbereitet hereinbrechenden neuen Erkenntnissen, der Zustand der
inneren Ruhe und Ausgeglichenheit, mir gewissermaßen wohl oder übel entfremdet wurde.
In der allgemein üblichen Vulgärsprache wäre ein „Mann, mir geht es total Scheisse!“
durchaus angebracht gewesen, würde diese Form der Ausdrucksweise nicht im
vollkommenen Gegensatz zu meiner doch eher humanitären Erziehung stehen.
Ich gab „Sturmvogel“ in „hier suchen“ ein, drückte Enter und siehe da… “Sturmvogel“
erschien. Allerdings schien der Name nicht wirklich selten in diesem Chat zu sein, denn eine
ganze Sturmvogelkolonie tat sich vor meinen Augen auf. Ich ließ diesen Eindruck für einen
Moment auf mich wirken und begann dann, die Sturmvögel zu sortieren. Sturmvögelinnen –
klar, auch die muss es geben- sortierte ich ebenso aus, wie Jungvögel bis zu einem zarten
Alter von 30 Jahren. Zum Teil sah ich kleine Fotos und da meine Gattin, wie viele andere
auch, doch einen bestimmten Wert auf das äußere Erscheinungsbild eines Menschen legt,
konnte ich die Vögel ohne Foto ebenso außeracht lassen wie diejenigen Sturmvögel, die
scheinbar irgendwann in einen schweren Hagelschauer hineingeraten waren. Also ihrem
Aussehen nach, meine ich.
Entschuldigung an alle Sturmvögel, hab`s nicht so gemeint.
Also gut, was übrig blieb und somit in die engere Wahl kam, um letztendlich als Günter
geoutet zu werden, waren vier Sturmvögel.
M38 Sturmvogel-BC
M44 STURMVOGEL62
M50 sturmvogel_klm, und
M48 Sturmvogel-G
Ich schrieb alles genau ab was ich sah und gab die Namen dann noch einmal einzeln ein.
Sturmvogel-BC wohnte in Berlin, weg damit.
M44 Sturmvogel…….
Na, was soll ich Sie noch weiter auf die Folter spannen. Ich bemerke doch, wie unerträglich
die Spannung geworden ist und Sie dem bevorstehenden Günter-Outing vor Erregung
förmlich entgegen beben.
M48 Sturmvogel-G, das war unser Günter.
Nachdem ich seine Seite vor mir sah und mit dem Mauszeiger auf alles klickte, was es zum
anzuklicken gab, da wusste ich, dass KANN nur mein, Entschuldigung, IHR Günter sein. Ich
sah sein Motorrad, ich sah Günter mit seinem Motorrad irgendwo in den Bergen, ich sah
Günter mit ohne Motorrad, verschwitzt einen Kaffee trinken, Günter lachend beim Frühstück,
Günter in Polizeiuniform, Günter in Polizeiuniform auf einem anderen Motorrad und so
weiter, und so weiter…..
Unsympathischer Kerl wie ich fand….einfach widerlich…ein Angebertyp halt, der nach
meiner unmaßgeblichen Meinung sein Motorrad als Phallussymbol mit sich herum schleppte.
Unten rechts auf der Seite erkannte ich einige weitere komische Namen, daneben kleine
Bildchen, welche zweifellos die realen Personen hinter den Namen darstellten.
Und schau mal an….neben „W41 Charmade01“ lächelte meine „liebe“ Gattin mir direkt vom
Bildschirm entgegen.
Es war mir selbstverständlich ein persönliches Informationsbedürfnis ihren Namen ebenfalls
anzuklicken…..
Moment, das Bürotelefon klingelt gerade….
3
Acht Minuten später.
Kurzes Resumè des gerade beendeten Telefonates mit meinem bis vor kurzem noch
geliebten Eheweibes.
Erstens: Meine Gattin sieht sich mittelprächtigen Panikattacken ausgesetzt.
Zweitens: Es bleibt festzustellen, dass eine gewisse psychomentale Fehlbelastung meines
Denkvermögens nicht ganz von der Hand zu weisen ist.
Erstgenanntes störte mich weniger.
Die Panik welche meine ehemals beste Dame ergriffen hatte, war voraussehbar und ist
sicher nicht von langer Dauer. Sobald sie die Konsequenzen ihres eigenen Tuns besser
begriff und sie die Scherben aufkehren konnte, würden die Attacken nachlassen.
Und, so stellte ich mir zähneknirschend vor, sobald Günter live und in Farbe bei ihr
auftauchte, würde sie ganz gewiss wieder das Schnurren anfangen. Gut, der Verlust
ihres/meines Handys und somit auch aller gespeicherten Rufnummern und SMS Nachrichten
wog schon schwer und hatte sie hart getroffen. Ich könnte ja zu ihrem Schaden Gott weiß
was damit anstellen. Aber das Teil lag bereits wieder ausgeschaltet in der
Schreibtischschublade. Ehrlich gesagt hatte ich nicht vor das Handy, oder das was dort
gespeichert war, in irgendeiner Form gegen sie zu verwenden solange sie mich in Ruhe ließ.
Im Übrigen sollte man sich als halbwegs erwachsener Mensch über sein Handeln und Tun
eigentlich bereits im Vorfeld im Klaren sein.
Sagte ich mir….aber, wie sagt man so schön, das Blöde an den Erfahrungen die man macht
ist, dass man sie erst dann macht, nachdem man sie dringend gebraucht hätte.
Die oben unter Punkt zwei gemachte Aussage machte mir persönlich doch erheblich mehr
Kopfzerbrechen. Denn hatten die lieben Chatroom-Freunde meiner lieben Gattin sie doch
sofort und unverzüglich telefonisch –auf unserer Festnetznummer!!- darüber in Kenntnis
gesetzt, dass ihr Mann, also ICH, dieser Warmduscher, dieser Rockzipfellutscher, dieser
Vollhorst, dieser Vorwärtseinparker, diese weinerliche Pudelmütze, diese Bauer-sucht-FrauType, oder einfacher, ich Idiot hatte mich unter meinem eigenen Namen in`s Chat
eingeloggt und war auf die verschiedensten Profile gestiegen, deren Inhaber in Kontakt zu
meiner Gattin standen.
Als Neuling in diesem Metier hatte ich mir über die Bedeutung meines Tun`s und die fällige
Konsequenz überhaupt keine Gedanken gemacht und die höhnisch dahingeworfenen Worte
meiner Gattin „Du Blödmann loggst dich unter eigenem Namen in Lookme ein, tz, tz, tz…So
doof kannst auch nur du sein.“ waren deshalb so unwahr nicht. Sie hatte –leider- einfach
Recht. Ich hatte mich bei meiner informativen Spionagetätigkeit so einfach erwischen lassen,
wie ein Schuljunge beim rauchen.
Und der Gedanke kam mir kurz in den Sinn, bevor ich ihn wieder genauso kurz entschlossen
als unwahr abtat, dass ich in der nun bestehenden Situation als dummer August
abgestempelt wurde. Ich schwor mir, DAS auf jeden Fall zu verhindern.
Ich schaute auf den Display meines Laptops und traute meinen Augen nicht.
Die erste Lookme Nachricht an mich lag bereit und wartete geduldig darauf, von mir gelesen
zu werden. Ich kann nicht verhehlen, dass eine leichte Nervosität begann, zaghaft von mir
Besitz zu ergreifen.
Absender war ein gewisser „Sailor12“ aus der südlichen Nachbarstadt, den ich ebenfalls den
Bekannten/Freunden/Lovern meiner Gattin zuordnen konnte, auch wenn ich bezüglich der
genauen Verwendung des Herrn in ihrer Zweitexistenz als „Charmade“ völlig im Dunkeln
tappte. „Sailor12“ schien nach meiner nicht gänzlich objektiven Betrachtungsweise doch ein
Mensch der etwas rabiateren Art zu sein. Das kleine Foto, welches ihn ohne Zweifel
darstellte, offenbarte einen jungen, 35 Jahre zählenden unkonventionellen Herren, den ich
aufgrund seiner Glatzköpfigkeit, seinen Tätowierungen, dem nackten Oberkörper und den
wunderbar ins Bild gerückten Armmuskelsträngen, auf den ersten Blick nicht sofort als
ehemaligen Besucher einer Walldorfschule identifizieren wollte.
Auf der anderen Seite, das weiß ich als intelligenter, weitgereister und weltoffener
mitteleuropäischer Mensch natürlich, ist es ohne Frage grundfalsch, verbohrt und fast schon
diskriminierend, jemanden nur wegen seines unkonventionellen Äußeren, direkt als
gefährliches, asoziales Subjekt einzuordnen. Von solchen Zwängen hatte ich mich, dank
meiner in langen Jahren erworbenen, hervorragenden Menschenkenntnis, schon lange
gelöst. Bei mir hat jeder die Chance zu zeigen, welch ein großartiger Mensch er ist.
Mail von M35 Sailor12:
„Hey du schlitzpisser wenn ich dich pimmelfriseur nochma beim schnüffeln auf mein profil
erwisch dann brech ich dir alle knochen kaputt !!!!!!!!
Ich weiss wer du bist denk dran !!“
Okay……..soweit…..sooo….hm…..
Gut, sagen wir mal so, „Sailor12“ hatte –ganz sicher unbewusst und unter dem negativen
Einfluss meiner Gattin stehend- bereits mit dieser ersten Nachricht dem möglichen Beginn
einer länger andauernden Männerfreundschaft eine klare Absage erteilt.
Meine adhoc Überlegung, „Sailor12“ in aller Höflichkeit darauf hinzuweisen sich doch bitte
die simpelsten Formen einer einfachen Schreibkultur anzueignen, bevor er den Rest der
Welt mit seinen sicherlich interessanten Nachrichten ergötzte, legte ich ebenso adhoc wieder
zu den Akten.
Ich setzte statt dessen den mehrheitlich von mir gefassten Entschluss durch und
verabschiedete mich nicht nur von „Sailor12“, „Sturmvogel“, „Chamade“ und allen anderen
ehemaligen und noch vor der Tür stehenden „Hengsten“, die einvernehmlich mit der
ausgelebten Zweitexistenz meiner lieben Gattin noch scharf aufeinander werden würden,
sondern ich verabschiedete mich auch aus dem Chatroom selbst.
Ein Grund war sicherlich auch der aufkeimende Gedanke, hier in diesem Programm als der
dumme, ehemalige Ehemann eines flotten Fegers abgestempelt zu werden, der zweifellos
vorher auch schon ziemlich blöde gewesen sein musste.
Ich meldete mich wieder ab.
Okay, das war`s……
So, dann wäre somit hier an dieser Stelle das Ende der Geschichte.
Ist aber nicht so.
Denn sofern Ihnen das Lesen bis hierher ein wenig Spaß bereitet und neugierig gemacht
hat, bin ich durchaus bereit, Sie weiterhin an den kommenden Geschehnissen teilhaben zu
lassen.
Die eigentliche Geschichte, mein Leben als virtueller Held, als Frauenversteher, als Mann für
–fast- alle Liebes…äähh….Lebenslagen, die beginnt ja erst.
Das heißt: Ab jetzt, im nächsten Kapitel.
Denn Chatrooms gab und gibt es, richtig eingegeben bei Google, wie Sand am Meer.
4.
Wer nach Kenntnisnahme der vorangegangenen Zeilen den Gedanken hegt, die Trennung
von meiner Frau sowie das Scheitern meiner Ehe wäre relativ spurlos an mir vorüber
gegangen, dem sei mitgeteilt, dass es ganz sicher nicht so gewesen ist.
Ich habe gelitten wie ein Hund und es war verdammt hart, plötzlich vor dem Nichts zu stehen
und mit mir alleine klar zu kommen. Bis auf meine drei Kartons und dem Koffer besaß ich
nichts mehr. Mein neues Zuhause war das Büro. Tagsüber wurde gearbeitet und abends,
sowie am Wochenende wurde daraus für mich mein privater Lebensmittelpunkt. Und das für
die nächsten zwei Monate.
Ebenso schlimm war es, meinen Verpflichtungen im Job weiterhin gerecht zu werden. Mein
Verstand war auf völlig andere Dinge ausgerichtet. Würde die Zukunft mir ein neues Leben,
oder nur ein Überleben bescheren? Ich wusste es zu der Zeit nicht. Die Situation, mit allem
was dazu gehörte, war ja völlig neu für mich und noch vor einem Monat hätte ich mir das
alles überhaupt nicht vorstellen können.
Und dass ich nun begann mich in die Kommunikativen Möglichkeiten des Internets
einzuarbeiten, sprich, mich in Chatrooms aller Art herum zu tummeln, das geschah aus
zweierlei Gründen.
Erstens wollte ich dumme Fragen vermeiden und deshalb auch erst einmal niemanden von
„unseren“ Freunden und Bekannten sehen und noch weniger sprechen.
Zweitens interessierte es mich einfach, wie die Art Chats (von mir aus auch Partnerbörsen)
funktionierten. Was ging da ab, wie man so zu sagen pflegt.
Wie gesagt, entwickelt hat sich alles was noch folgte, aus einer sehr negativen Situation
heraus. Aber die Situation als solche ist ein anderes Thema, welches hier nicht wirklich von
Interesse sein sollte.
Ich erzähle es Ihnen gerne ein anderes Mal, sofern Sie Zeit dazu haben.
Aber jetzt und hier steht erst einmal der Beginn meiner Karriere als Chatter an, die ich Ihnen
gerne in allen Einzelheiten schildern möchte. Sehen Sie es als eine Art Lebenshilfe an,
sollten Sie jemals Ihrem stinklangweiligem, oder hektischem, von schlechter Laune
geprägtem realem Leben den Rücken kehren und sich in einer neuen, virtuellen Welt
niederlassen wollen.
Sie sollten in diesem Falle allerdings wissen, auf was Sie sich einlassen und ich darf Sie
deshalb schon in Ihrem eigenen Interesse bitten, die weitern Kapitel genau zu studieren.
Ansonsten werden Sie immer der zu belächelnde Rookie bleiben und Sie werden nichts
dazu lernen.
Aber dafür, als lebendiges, warnendes Beispiel sozusagen, haben Sie mich ja nun kennen
gelernt.
Schwierige Entscheidungen standen an.
Ich benötigte dringend ein Pseudonym, ein Inkognito, eine geheime Identität, einen
Nickname, mit der ich mir in der Parallelwelt des World Wide Web eine Identität einrichten
konnte. Nachforschend kam ich zu der Erkenntnis, dass Namen wie „Steelhammer“,
„Playboy“, „Liebesgott“,“ Muscelmen“, „MrBody“, „Steeldrummer“, „Starfighter“, „Einsamer“,
„Cowboy“, „Bluboy“, „Blueeyes“ oder auch „Kamikatsepaul“, „Lovemachine“, „Romantiker“,
„Sternendeuter“, „Blackhunter“, „Bikerdriver“, „Rock`nRoller“ „Sweetdreamer“, „Wihtebull“
oder „Kuschelweich“, mir auf der einen Seite doch etwas übertrieben maskulin, oder aber
etwas zu träumerisch sentimental erschienen.
Die Frage muss im Übrigen erlaubt sein, welch besondere Spezies der holden Damenwelt
sich zu solcherart Herren der Schöpfung hingezogen fühlten und einen regen
Gedankenaustausch per E-Mail anstrebten? Wobei, weiter ausführend, es absolut nicht
auszuschließen war, dass es in dem einen oder anderen Fall sicherlich zu persönlichen
Kontakten kam, die dann in noch persönlichere Kontakte ausuferten……
Wenn sie wissen was ich meine…..
Allein der Gedanke, dass „Kamikatsepaul“ nach einem romantisch, bei Kerzenschein
ausgerichtetem Diner für Zwei, mit seiner Angebeteten, ein Glas besten andalusischen
Rotwein verkostend, in einem wallenden Gewand hingegossen vor dem offenen Kamin lag
und ihr Prosa vorlas, ließ mich irgendwie schaudern.
Natürlich werde auch ich einer möglichen persönlichen Begegnung mit einer netten Dame
zukünftig sicherlich nicht ablehnend gegenüberstehen. Aber bitte, eine gewisse Klasse sollte
die potentielle Bewerberin um meine Person schon mitbringen. Auch ich hatte schließlich ein
nicht zu verachtendes Niveau zu bieten, welches von einer kulturellen Vielfältigkeit bis hin zu
einem großartigen Allgemeinwissen reicht. Und da ich auch ein für bestimmte –naja,
intimere- Situationen wunderbares Ambiente zu schätzen weiss und im Grunde ein höflicher
und zurückhaltender Mensch bin, glaubte ich nicht, bei den Damen die ich anzuschreiben
gedachte, auf eine grundsätzlich ablehnende Haltung zu stoßen.
Nein, diese genannten Nicknamen waren nichts für mich.
Ich benötigte einen Namen, der eine gewisse Souveränität ausstrahlte, Stärke ebenso
selbstverständlich herausstellte, wie er Wärme, Geborgenheit und Zuverlässigkeit verhieß.
Jeder Chatteilnehmer, Damen bevorzugt, sollten ihn auf Anhieb erkennen und –ganz wichtigauch im Kopf behalten und meiner Person zuordnen können, ohne ihre Augen zu verdrehen
oder mit dem Kopf schütteln zu müssen.
Er sollte einfach Vertrauen schaffen und mein freundliches Wesen, meine positiven
Charakterzüge zum Ausdruck bringen und herausstellen.
Ich nannte mich „Pandabär“ !
Zufrieden mit meinem zukünftigen, virtuellen ICH konnte ich endlich damit beginnen, ein
entsprechendes Profil zu erstellen.
Der Chat, den ich mir ausgesucht hatte, trug den schönen Namen „Lovelight“ und gefiel mir
nicht nur wegen seiner schönen Aufmachung, sondern auch deswegen, weil in ihrer
Selbstdarstellung viel Wert auf Bildung und Niveau gelegt wurde und man sich in erster Linie
als eine Community für junge Manager und Akademiker beiderseitigen Geschlechts
verstand. Was einen nicht unwesentlichen Faktor darstellte, da es selbstverständlich auf
mich zutraf.
Ich trug meine persönlichen Daten in die Anmeldung ein, wie Größe, Geschlecht, Alter,
Haarfarbe, Augenfarbe, Figur, Gewicht, Hobbys, Sonstige Interessen, Beruf, ob Raucher
oder Nichtraucher, ob Verheiratet, Geschieden, Alleinerziehend, Single, Zusammenlebend,
Getrennt Lebend oder Verwitwet, um nur einige der wichtigsten zu nennen.
Nach meinem Ermessen war ich seit kurzem Single, ich war/bin 185 cm groß, Gewichts- und
Figurmäßig entschied ich mich für „Normal“, Haarfarbe „Blond“, was auch bezüglich der
Grundfarbe der Richtigkeit entsprach. Ein „angegrautes, mittleres Dunkelblond“ war leider
innerhalb der vorgegeben Möglichkeiten nicht vorhanden. Meinen ausgeübten Job konnte
ich ebenfalls nicht korrekt eingeben. Als Alternative entschied ich mich für „Forschung“, was
ich im Falle Lovelight auch als stimmend ansah. Schließlich war ich hier. um in diesem
Programm einige, für mich bedeutende Forschungen zu betreiben. Meine Hobbys und
weiteren Interessen passte ich nach langem Nachdenken den Dingen an, denen Frauen
meiner Meinung nach immer offen gegenüber standen.
Ja, für solche kleinen Raffinessen war ich immer zu haben.
Also liebte ich profilmäßig plötzlich den Gemeinschaftstanz, ging gerne Spazieren, war ein
ganz hervorragender Hobbykoch, liebte es in Cafès zu sitzen und über Trödelmärkte zu
flanieren. Außerdem besuchte ich gerne Konzerte, liebte Theateraufführungen, war ganz
verrückt nach Radtouren, mochte Katzen, ging gerne shoppen, war ein Verfechter des
Taijiquan, von dem, so hoffte ich, eh niemand wusste was das ist und spielte außerdem
leidenschaftlich gerne Klarinette.
Es war vollbracht.
Nun wurde es auch schon Zeit, mich mittels geschriebener Nachrichten bei einigen
„Lovelight“ Mitgliedern bekannt zu machen. Das heißt, ich bereitete meine erste Nachricht
vor.
Dazu hatte ich mir etwas ganz besonderes ausgedacht. Ich entwickelte eine Art
Begrüßungsformel, die ich für alle ersten Anschreiben zu verwenden gedachte.
Natürlich mussten die darin niedergeschriebenen Worte dem gehobenen Niveau der
„Freundschaftsbörse“, wie sich „Lovelight“ selbst auch nannte, in entsprechender Weise
angepasst sein. Auf gar keinen Fall wollte ich als jemand scheinen, der dem sicherlich
vorhandenen Intellekt der Mitglieder nicht gewachsen schien.
Ich schrieb:
„Einen wunderschönen guten Tag wünsche ich Dir.
Ich darf mich Dir in aller Form vorstellen: Mein Name ist Peter.
Als neues Mitglied in dieser Freundschaftsbörse würde ich mich sehr darüber freuen, von Dir
eine Antwort auf mein Schreiben zu erhalten.
Mit freundlichem Gruss
Peter“
Der Text war meiner Meinung nach freundlich, aber unverbindlich und auf keinen Fall zu
aufdringlich gestaltet. Ich speicherte das Schreiben entsprechend ab, so dass ich es nur
jeweils in das entsprechende Textfeld bei „Lovelight“ zu kopieren brauchte. Dies ersparte mir
bei den hunderten Damen, die sich in meiner altermäßigen Zielgruppe befanden und die ich
anzuschreiben gedachte, immerhin eine Menge Zeit. Dann suchte ich eine mögliche
Empfängerin und fand sie nach einiger Zeit schließlich in „W34 Felicitas09“.
Die Dame machte auf mich auf Anhieb einen sehr sympathischen Eindruck. Blond, dunkle
Augen und ein bezauberndes Lächeln. Ihr persönlicher Status sagte aus, dass sie Single war
und aus einem Ort Namens Meuselwitz stammte, wo immer das auch sein mochte. Als ich
mir ihre Hobbys und weiteren Interessen anschaute, stellte ich fest, dass sie ebenfalls Cafès
liebte, gerne zu Konzerten ging und außerdem gerne reiste.
Also flugs meinen vorgefertigten Text in das entsprechende Textfeld auf ihrem Profil kopiert
und auf „Senden“ gedrückt.
Nun hiess es warten.
Mal sehen, vielleicht würde ich mit ihr über Musik schreiben, oder sie vielleicht sogar für
Literatur begeistern können, sofern sie das nicht bereits war. Hoffentlich war sie einem
erheiternden, schriftlichen Schlagabtausch zugetan. Das würde mir schon zusagen,
schließlich war ich für meinen Wortwitz bekannt. Was sie wohl beruflich machte? Das Foto
abschätzend und meine gesamte Menschenkenntnis auf dieses kleine bunte Foto
konzentriert konnte ich sie mir sehr gut als Erzieherin, oder Lehrerin vorstellen. Sportlehrerin,
dem äußeren Erscheinungsbild nach zu urteilen.
Ich würde es erfahren und freute mich darauf, einen intellektuellen Kontakt zu der jungen
Dame aufzubauen, welcher vielleicht tatsächlich einmal mit einem persönlichen Treffen
gekrönt werden würde.
Es tat sich etwas auf meinem Profil.
1 Neue Nachricht
„W34 Felicitas09“ hatte bereits auf meine Mail geantwortet und das doch eigentlich recht
zügig, wie ich fand.
Mail von W34 Felicitas09:
„Verpiss dich, du Arsch !!!“
Hm…..
Okay, zugegebenermaßen war es nicht wirklich die von mir erhoffte Antwort auf meine
wohlformulierte und freundliche Begrüßungsmail. Aber immerhin, sie HATTE geantwortet.
Also ließ ich mich nicht entmutigen und stellte schriftlich an sie fest.
An W34 Felicitas09:
„Liebe Felicitas, sollte ich dich unbewusst beleidigt haben, so bitte ich dies vielmals zu
entschuldigen.
Muss ich aufgrund deiner leider etwas knapp gehalten Antwort davon ausgehen, dass du
kein Interesse hast mit mir zu schreiben?
Oder liegt es vielmehr daran, dass du mich –noch- nicht kennst?
Freundlichst
Peter“
Ihre Antwort ließ nicht lange auf sich warten.
Mail von W34 Felicitas09:
„Bist du doof, oder was? Willst du mich blöd anmachen oder quatschst du immer so`n
dämliches Zeug?“
Schlagartig kam ich zu der ernüchternden Erkenntnis, dass „W34 Felicitas09“ wohl nicht
ganz dem von „Lovelight“ propagierten Niveau entsprechen konnte. Im Gegenteil, ihre recht
burschikose Wortwahl und die dadurch offensichtlichen verbalen Entgleisungen lassen in
aller Vorbehaltlosigkeit doch den Schluss zu, dass man die Dame wohl kaum zur Riege der
Jungakademikerinnen zählen konnte. Vielleicht benötigte sie aber auch lediglich jemanden
der ihr zeigte, dass der Wert einer gepflegten Unterhaltung nicht unterschätzt werden sollte.
An W34 Felicitas09:
„Liebe Felicitas,
ich möchte mich wirklich nur nett mit dir in schriftlicher Form unterhalten.
Deshalb verstehe ich den Grund deiner Beschimpfungen nicht.
Würdest du mir bitte einmal mitteilen, was ich falsch gemacht habe?
Peter“
Ich drückte den Button „Nachricht senden“.
Die Antwort kam postwendend.
„Das Übermitteln deiner Nachricht ist nicht möglich. Du wirst vom Empfänger ignoriert.“
Wie bitte?????
5.
Aufgrund des vorangegangenen, ersten Kontaktversuches wäre es ganz sicher nicht korrekt,
von einem zu einhundert Prozent gelungenen Einstand in die virtuelle Wunderwelt zu
sprechen.
Bei genauerer Analyse des bisher Geschehenen blieb mir leider kein anderer Schluss als
festzustellen, dass die Antworten von „Felicitas09“ noch nicht einmal zu einem Bruchteil
eines mickrigen Prozents dem entsprachen, was ich enthusiastisch und hoffnungsfroh
erwartet hatte. In nüchterner Realität betrachtet kam ich nicht umhin feststellen, dass sie
überhaupt nicht mit meinen Vorstellungen über eine nette, gepflegte Chatunterhaltung
konform gingen. Ich verweigerte mich allerdings den Gedanken, dass es sich in Form und
Ausdruck der erhaltenen Antworten auf meine Anschreiben um eine hier übliche, weibliche
Reaktion handelte. Vielmehr verwies ich Frau Felicitas09 aufgrund ihres mehr oder weniger
vulgären Schreibstils in die Schublade der Damen, die hier in dieser Freundschaftsbörse für
Jungmanager und Akademiker darauf aus waren, sich einem solchen an den Hals zu werfen.
Worauf sich mir anschließend die Frage aufdrängte, ob es unter den männlichen „Lovelight“
Mitgliedern tatsächlich den einen oder anderen gab, der gegenüber solcher Damen wie
„Feliitas09“ die Contenance verlor und sich, ein Foto anhimmelnd, aber blind gegenüber
allen anderen offensichtlichen Fallstricken, in ihren fein gesponnenen Netzen verfing?
Natürlich, sagte ich mir. Die Möglichkeit bestand.
Beim Anblick des Fotos von Frau Felicitas09 konnte man als Mann vor einem gewissen
erotischen Reiz kaum seine Augen verschließen. Und bei vielen meiner Artgenossen ist ja
gerade dies ein elementarer Schwachpunkt ihrer ansonsten starken Charaktereigenschaften.
Okay, durch meine jahrelange Fixierung im erotischen Bereich auf eine einzige Frau, stand
es mir bis Dato –noch- nicht zu, mich in dem Falle als jemanden zu sehen, der in fachlich
versierter Manier wirklich mitreden konnte. Allerdings hatte auch ich natürlich viel darüber
gehört und gelesen, dass selbst starke Charaktere maskuliner Bewohner dieses Planeten
von Fall zu Fall in Situationen gerieten, die ihr strikt geradeaus gerichtetes Denkvermögen
auf einen kleinen Umweg schickten, der dann unterhalb des Bauchnabels endete.
Also, hatte ich gehört.
Diese mehr oder weniger ausgeprägte Charaktereigenschaft der Herren der Schöpfung ist
sicherlich etwas, was man aus weiblicher Sicht gerne einmal als Schwäche darzustellen
versucht. Wobei im femininen Lager sehr gerne verschwiegen wird, dass bei einem
entsprechend appetitlich zubereitetem Köder, selbst der stärkste Fisch der Versuchung
selten widerstehen kann.
Es war alles eine Frage der Willensstärke und der war bei mir von Kindesbeinen an immer
schon recht ausgeprägt. So leicht würde ich mich nicht einfangen lassen! Schon gar nicht
von solch einer wenig sozialen Person wie Frau Felicitas09. Selbst wenn sie weniger
ablehnend auf meine Nachrichten geantwortet und statt dessen begonnen hätte, ihr feines
Netzwerk zu spinnen um mich für sich einzunehmen.
Nicht mit mir!
Dazu waren mein analytisches Denkvermögen und die damit verbundene Intelligenz bei mir
doch viel zu sehr ausgeprägt, als dass ich mit stoischer Dummheit auf eine solche Hyäne
hereinfallen könnte.
Ich war froh, es schon aus beruflichen Gründen gewohnt zu sein, die knallharten Fakten aus
vorangegangenen Geschehnissen heraus zu filtern. So wurde mir doch schnell klar, dass ich
mit meiner Auswahl hinsichtlich Frau Felicitas09 wohl die falscheste Anschreibperson aus
dem gesamten „Lovelight“ Damenpool gewählt haben mochte.
Aber das war halt ein Problem, welches ich irgendwie für mich lösen musste. Wie konnte ich
feststellen, dass die Person die ich anschrieb, meine hehren und ehrlichen Absichten
tatsächlich zu schätzen wusste? Die Betrachtung eines Fotos reichte, wie meine erste
Erfahrung zeigte, einfach nicht aus. Also blieb nur die Möglichkeit, das entsprechende Profil
einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Alle Damen hatten ihre mehr oder weniger
privaten Wünsche wie, und auf welche Art und Weise sie sich einen ersten Kontakt
vorstellten, auf ihrem Profil kenntlich gemacht. Mochten es die weisen Gedanken des Herrn
Konfuzius sein, oder die aufklärenden Texte eines Herrn Sartre, oder den zufällig sinnvollen
Zeilen aus dem Liedgut einer Dame aus dem Bereich des französischen Chansons.
Die Lage sofort erkennend wurde mir bewusst, dass natürlich auch mein Profil
entsprechende Hinweise enthalten musste. Denn dort, wo sich bei vielen „Lovelight“
Mitgliedern kunstvoll gestaltete Seiten auftaten, da gähnte auf meinem Profil doch eine nicht
wegzuredende Leere, die ich nun begann entsprechend mit Leben zu füllen.
Als erstes, so mein Gedanke, war eine markante Beschreibung vonnöten, die auf meine
Persönlichkeit hinwies. So eine Art virtueller Fingerabdruck, der keinen Zweifel zuließ, als
was mein Anliegen in „Lovelight“ in erster Linie zu sehen war. Nämlich die Möglichkeit eine
gepflegte, wenn möglich geistreiche Unterhaltung in schriftlicher Form zu pflegen. Natürlich
durfte ein versteckter Hinweis nicht fehlen, dass ich mich einem eventuellen späteren, realen
Treffen in einem Cafè, oder zu einem schönen Essen in einem netten Restaurant, nicht
gänzlich zu verschließen gedachte.
Ich durchstöberte also das Internet nach prägnanten, kurzen Gedichten die sich nicht nur
schön reimten, sondern aus denen nach Möglichkeit auch eine verständliche Aussage für
Jedermann hervorging, dass man es bei mir nicht mit einem hergelaufenen Hallodri zu tun
hatte, sondern mit einem Menschen der nicht nur in der Lage war sich mit ernsthaftem
Gedankengut auseinander zu setzen, sondern auch eine gewisse Heiterkeit im Wesen mit
brachte.
Nach intensivem Suchen favorisierte ich schließlich ein kleines, prägnantes Gedicht von
Wilhelm Busch, welches ich direkt auf meine Begrüßungsseite bei „Lovelight“ kopierte.
„Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.“
Ich war es zufrieden.
Nein, ich werde hier nicht versuchen auch Sie von der sinnvollen Vielfalt des kleinen
Gedichtes zu überzeugen. Jeder möge sich selbst einmal seine eigenen Gedanken dazu
machen.
Wilhelm Busch hatte das schließlich auch getan.
Nur so viel:
Sucht nicht ein jeder Mensch nach Glück?
Genug nun der aufkommenden Sentimentalitäten.
Ich benötigte ein Foto! Und zwar von mir.
Zwar bin ich von Kindesbeinen an so erzogen worden, mich niemals irgendwelchen
narzistischen Exzessen hinzugeben, wie sie heute leider scheinbar oft anzutreffen sind.
Hervorstechende Modeattribute, wie zum Beispiel durch Gel geformtes Haupthaar, oder die
Verzierung meines männlichen Körpers mittels eines Tattoo`s, haben bisher noch nicht
meine Zustimmung gefunden. Auch war es mir immer ein ausgesprochenes Gräuel, wenn
jemand ein Foto von mir machen wollte.
Der Typ Mann, der anschließend von den Abzügen grinste, hatte nach meinem dafür halten
entweder ein total dummes Gesicht, abstehende Ohren, eine krumme Nase, den Mund halb
geöffnet, was einem möglichen Betrachter meines Foto einen zusätzlichen, äußerst
unintelligenten Eindruck vermittelte, oder meine Haare standen wirr vom Kopfe weg.
Im Übrigen bin ich auch nicht der Mensch, der sich aus reiner Eitelkeit fotografieren lässt.
Aber nun brauchte ich ein Foto, wollte ich meine Profilseite nicht im halbfertigen Zustand
belassen. Nicht wenige der bei „Lovelight“ anwesenden Damen gaben klipp und klar den
Hinweis:
„Kein Bild, keine Antwort“
Das hatte ich, als ich die Profile der weiblichen „Lovelight“ Mitglieder nach ansprechenden,
potentiellen Schreibpartnerinnen durchforstete, leider feststellen müssen. Auf der einen Seite
verstand ich das, auf der anderen Seite zeigte mir persönlich ein solcher Hinweis aber auch
mal wieder, wie sehr doch gerade Frauen auf schnöde, visuelle Eindrücke fixiert waren.
Leider hatte ich aus meinem früheren Leben nicht ein einziges Foto in die Jetztzeit hinüber
retten können wobei ich stark bezweifelte, ob aus dieser Zeit überhaupt noch Fotos
existierten. Zuviel war in der Zwischenzeit geschehen, denn mein Singledasein dauerte nun
bereits zwei Wochen an.
Schließlich stellte man mir seitens der Firma in der ich tätig bin ein Foto zur Verfügung,
welches mich zur Feier des 10-jährigen Firmenjubiläums, während einer Ansprache auf einer
Bühne zeigte und womit ich zwei Fliegen mit einer Klappe zu erwischen gedachte. Erstens
zeigte mich das Foto im Ganzen, das heißt, eine genaue Inaugenscheinnahme potentiell
interessierter Damen an meiner Person bezüglich eventuell vorhandener, übermäßiger
Gesichtsfalten oder sonstiger negativer Schönheitsmerkmale waren nicht so einfach möglich.
Tja, und zum Zweiten wusste ja niemand, dass es sich nur um eine kurze Ansprache
aufgrund eines Jubiläums handelte. Ich stand, die Arme ausgebreitet auf einer Bühne, vor
einem Mikrophon. Mochten sich alle die es interessierte, ihren eigenen Reim darauf machen.
Ich pflegte das Foto auf die vorgegebene Stelle meines Profils ein und „Lovelight“
Teilte mir umgehend mit das Foto zu prüfen und wenn es für gut und echt befunden würde,
es schließlich frei zu geben.
Bis dahin gedachte ich noch mich zu gedulden und zu warten.
Aber dann, liebe und aufmerksame Leser dieser Zeilen, würde ich loslegen.
6.
Der „Lovelight-Big Brother“, oder wer auch immer die Installation hochgeladener Fotos
insofern überwachte, ob es sich bei den Bildern nicht um sogenannte „Fakes“ handelte, hatte
mein Foto als unbedenklich eingestuft und somit eine Veröffentlichung auf meinem Profil für
würdig erachtet. Warum der Große, unbekannte Bruder dazu einen halben Tag und die
ganze Nacht benötigte, entzieht sich leider vollkommen meiner Kenntnis. Aber da es sich um
ein Foto handelte welches mich vor einem Mikrofon in Pose auf einer Bühne zeigte, könnte
man fast der Meinung sein, der Große Bruder wollte auf jeden Fall einer eventuellen
Verwechslung mit Robbie Williams oder George Clooney vorbeugen.
Wie auch immer. Mein Profil war nun eigentlich komplett.
Endlich.
Natürlich war ich in der Zeit der Fotoprüfung nicht ganz untätig geblieben und so einige
Profile herausgesucht, die ich anzuschreiben gedachte. Dass es sich dabei ausschließlich
um weibliche Chatmitglieder handelte….nun gut, das war nicht wirklich zufällig. Mich
sprechen nette, junge Damen eben erheblich mehr an, als nette junge Herren meines
Alters….
Also wirklich.... bleiben Sie bitte Ernst…..!
Auf jeden Fall standen, fein säuberlich auf ein DIN A4 Blatt, akkurat und sauber
hingeschrieben, angefangen mit dem Buchstaben „A“ und dann in absteigender Reihenfolge,
die Nicknamen vor mir, die ich anzuschreiben gedachte. Es handelte sich selbstverständlich
um eine Auswahl von Persönlichkeiten, die ich nach der mir eigenen, kritischen
Beobachtungsgabe ausgesucht und ihre Profiltexte einer strengen Analyse unterzogen hatte,
um so in einem expliziten Auswahlverfahren die potentiellen Chat-Freundinnen herausfiltern
zu können.
Es durften sich glücklich schätzen:
„Angie“
„Blütenzauber“
“Chantal”
„Coolemama“
„Engelshaar“
„Erdbeertorte“
„Freche Mieze“
„Frühlingsbrise“
„Lichterglanz“
„Liebstdumich“
„Liebestraum“
„MaryPoppins“
„Nachfalter“
„Sahneschnitte“
„SüsseMaus“
„Träumerin“
„Waldblume“
„Wolke7“
„Zauberfee“
Außerdem, sozusagen in stiller Reserve:
Blacklady
Chinchilla
Elbenkönigin
Engelstaub
Hexe
Kaffeetante
Safran
sarahB
Schmetterling
und
Sternenkind.
Der Eine oder Andere geneigte Leser wird aufgrund der Profilvielfalt und Menge bemerkt
haben, dass mir ein akribischer Fleiss nicht abzusprechen ist, der mir auch in diesem Falle
wieder einmal sehr hilfreich zur Seite stehen würde.
Und so, mit der nötigen Sorgfalt, meinen analytischen Fähigkeiten, einer kühlen, strikt auf
Erfolg ausgerichteten Denkweise, meiner langjährig trainierten Fähigkeit, mich auch in
ungewohnter Umgebung schnell und sicher zurecht zu finden und nicht zuletzt wegen meiner
inneren Ruhe und Gelassenheit, begann ich meine Nachrichten in der obigen Reihenfolge zu
versenden. Immer mit der Ruhe, ein Profil nach dem anderen mir vornehmend, total relaxt
und frohen Mutes. Schließlich war „Lovelight“ nichts anderes, als ein kleines, nettes
Freizeitvergnügen für mich, dem ich ab und zu meine Aufmerksamkeit zu schenken
gedachte, ohne jemals meinen klaren Blick für die Realität zu verlieren.
Ich hatte zwischenzeitlich einiges darüber gelesen, dass arme, labile Menschen, die sich zu
sehr in die virtuelle Welt hineinsteigerten, sehr schnell den Boden unter ihren Füßen
verloren. Einige Studien beklagten gar, dass das Chatten zu einer Sucht werden konnte und
äußerst gefährlich sei und dass es willensschwache, arme Teufel geben sollte, denen ein
reales Denkvermögen völlig abhanden gekommen sei, die ausschließlich nur noch für ihren
Nicknamen lebten und sich auch tatsächlich für ihr künstlich erschaffenes, neue „Ich“ hielten.
Natürlich traf dies alles auf mich nicht zu. Die Warnungen, so gut sie auch gemeint zu sein
schienen, waren doch mehr etwas für den Alltag völlig entrückte Personen. In der harten
Wirklichkeit jedoch in der ich lebte, fanden sie absolut keinen Zugang.
Niemand würde mich jemals als Sklaven einer solch dummen, lachhaften, von einem Stück
Blech Namens Computer abhängigen Spielwiese bezeichnen können.
Ein Mann wie ich, der zwar private Probleme hatte, der aber ohne jeden Zweifel mit beiden
Beinen fest auf dem Boden stand und eine nicht zu unterschätzende Charakterstärke besaß,
der war gegen diese Suchtgefahr auf jeden Fall gefeit.
Ich mochte mir ob dieses Gedankens ein Lächeln nicht verkneifen. Ein zukünftiges
–und in meinen Augen-, derart abwegiges, der realen Wirklichkeit entrücktes Verhalten
überhaupt in Erwägung zu ziehen, war unvorstellbar und geradezu lächerlich, liebe Freunde.
Ich bin doch kein Hampelmann.
Während ich Ihnen dies alles erzähle, war ich natürlich nicht untätig geblieben und einige
meiner Nachrichten hatten inzwischen sicherlich den Empfänger erreicht, waren gelesen und
–so dachte ich hoffnungsfroh- einer Antwort für würdig befunden worden.
Bis es soweit war, möchte ich Ihnen gerne etwas erklären.
Diejenigen unter Ihnen, die –bisher- noch niemals das Vergnügen hatten, die Profilseite
einer Freundschafts-, Partner-, Single- oder sonstigen Chatseite zu betrachten, oder gar zu
kennen, mögen mir nun ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenken.
Ihre Profilseite in einer virtuellen Freundschaftsbörse, wie „Lovelight“ sie darstellt,
ist sozusagen Ihr Aushängeschild, Ihr Reisepass, Ihre Visitenkarte, Ihr Fotoalbum, Ihr
Werkzeugkasten, Ihr Briefkasten, Ihre gemütliche Couch, Ihr Wohnzimmer und Sie hoffen,
dass jeder sich wohlfühlt, der Ihre Profilseite anklickt. Je interessanter sie für den geneigten
Besuches ist, umso größer ist natürlich die Chance zu bewerten, mit netten Menschen in
Kontakt zu kommen.
Sie haben die Möglichkeit ihren Profilbesuchern mitzuteilen, in welcher Stimmungslage Sie
sich gerade befinden, wo Sie wohnen, was Ihr Begehren ist, Sie können Ihre private
Meinung kundtun, Sie können ein Diskussionsthema einstellen, Sie können Grüße in Form
von netten Bildchen versenden oder empfangen (wobei die Bandbreite vom Glitzerbildchen
bis zum halb Pornographischen Foto reicht), Sie können über eine bestimmte Funktion die
Profile anderer Mitglieder ansehen und wenn Sie möchten, diese dann anschreiben indem
Sie den dafür vorgesehenen Button drücken. Es öffnet sich umgehend ein Fenster, und sie
können loslegen. Sie können sich Listen mit Ihren Freunden anlegen, Ihre Meinung zu ihnen
kund tun und so weiter, und so fort, und so weiter, und so fort…..
Sie dürfen allerdings getrost davon ausgehen, dass ich von der gesamten Vielfalt des
Produktes „Lovelight“ noch nicht die geringste Ahnung hatte, als –ich versuchte gerade
meine Begrüßungsmail an „Süsse Maus“ abzusetzen- die ersten Früchte meiner
Bemühungen in Form einer Antwortmail meinem Profil zugestellt wurde.
7.
Mail von: W39 Lichterglanz:
„Na, du…….“
Immerhin, das war bedeutend angenehmer zu lesen, als die ersten geschriebenen Worte
von Frau Felicitas09. Ich bemühte mich deshalb auch um eine gleich freundliche Antwort und
es entspann sich der nachfolgende, für den einen oder anderen sicherlich richtungsweisende
Dialog.
An W39 Lichterglanz:
„Hallo, wie geht es dir?“
Mail von W39 Lichterglanz:
„Mir geht es gut. Und wie geht es dir?“
An W39 Lichterglanz:
„Auch gut.“
Mail von W39 Lichterglanz:
„Was machst du so?“
An W39 Lichterglanz:
„Ich bin neu hier und möchte gerne nette Menschen kennen lernen.“
Mail von W 39 Lichterglanz:
„Ja, einige sind ganz nett hier.“
An W39 Lichterglanz:
„Das liest sich so, als hättest du nicht nur gute Erfahrungen hier gemacht? Bezieht sich deine
Aussage auf die Männer und deren Verhalten hier im Chat, oder schreibst du aus einer
realen, persönlichen Erfahrung heraus?“
Mail von W39 Lichterglanz:
„Nein, habe ich nicht.“
Innere Stimme fragt: ???
Mail von W39 Lichterglanz (nachgeschoben)
„Viele sind doof.“
Innere Stimme meint: Ah so ! ! !
An W39 Lichterglanz:
„Na, dann wollen wir doch mal beide hoffen, dass du mich, wenn wir uns einmal länger
schreiben, nicht auch zu den „Doofen“ zählen wirst.“
Mail von W39 Lichterglanz:
„Ja, mal sehen.“
Innere Stimme, überrascht: Oh !
An W39 Lichterglanz:
„Wie ich eben geschrieben habe, bin ich neu hier. Deshalb entschuldige bitte die vielleicht
etwas indiskrete Frage: Darf man eigentlich nach dem Vornamen fragen?“
Mail von M39 Lichterglanz:
„Ich weiss nicht.“
An W39 Lichterglanz:
„Bitte, was weisst du nicht? Ob ich irgendwann von dir zu den Doofen gezählt werde, oder ob
es zu indiskret ist, jemanden nach seinem Vornamen zu fragen?“
Mail von W39 Lichterglanz:
„Ich esse gerade.“
Innere Stimme: Gäääähn !
An W39 Lichterglanz:
„Das ist ja toll. Was gibt es denn heute bei dir feines zu essen?“
Mail von W39 Lichterglanz:
„Nein.“
Innere Stimme, verwirrt: ? ! ? !
An W39 Lichterglanz:
„Könntest du mir etwas genauer mitteilen, was du mit „Nein“ meintest?“
Mail von W39 Lichterglanz:
„Du bist nicht doof.“
Innere Stimme erkennt: Stimmt !
Mail von W39 Lichterglanz: (nachgeschoben)
„Wie heisst du?“
An W39 Lichterglanz:
„Mein Name steht in meiner ersten Mail. Aber ich nenne ihn dir gerne noch einmal. Ich
heisse Peter mit Vornamen. Und du?
Mail von W39 Lichterglanz:
„Du bist nett.“
Innere Stimme, nickend: Jo !
An W39 Lichterglanz:
„Woran merkst du denn so schnell, dass ich nett bin?“
Mail von W39 Lichterglanz:
„Wie du so schreibst.“
Innere Stimme, erleuchtend: Ach so !
Mail von W39 Lichterglanz: (nachgeschoben)
„Du schreibst nett.“
An W39 Lichterglanz:
„Ich entnehme deiner Antwort: Andere hier im Chat sind nicht nett?“
Mail von W39 Lichterglanz:
„Heisst du wirklich Peter?“
Innere Stimme: Häh?
An W39 Lichterglanz:
„Ich schrieb doch bereits, dass mein Name Peter ist.“
Mail von W39 Lichterglanz:
„Ich weiss nicht.“
Innere Stimme, ein wenig verwirrt: Sorry, wo waren wir?
An W39 Lichterglanz:
„Was weisst du nicht?“ Das verstehe ICH nicht.
Mail von W39 Lichterglanz:
„Was verstehst du denn nicht?“
An W39 Lichterglanz:
„Doch, ich verstehe. Ich fragte nur, was verstehst du nicht? Ich verstehe nicht, was du nicht
verstehst…..
Mail von W39 Lichterglanz:
„Das verstehe ich nicht.“
Innere Stimme: Booooaaaarrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr…….!!!
An W39 Lichterglanz:
„Ich danke dir recht vielmals für deine weitreichenden Ausführungen und dein Interesse
bezüglich meiner Person.
Wenn du mir jetzt noch deinen Vornamen verrätst, dann wäre es mir möglich auch dich mit
Namen anzusprechen, was unserem gemeinsamen Dialog doch eine etwas persönlichere
Note verleihen würde. Das Ansprechen mit dem Vornamen beinhaltet sicherlich auch eine
gewisse Vertrautheit, welche, sofern man an einer weiteren Kommunikation interessiert ist,
mit der Zeit von großem Nutzen sein kann. So wären weiterführende Gesprächsthemen,
etwa über Hobbys, Beruf oder gar Private Interessen durchaus denkbar, sofern man sich
etwas genauer mit seinem Gegenüber auseinander gesetzt und sich dem Gedanken nicht
völlig verschließt, und eine realistische Einschätzung der kommunikativen Möglichkeiten
aufgrund vorhandener schriftlicher Nachweise hier im Chat auf eine gewisse Intelligenz
schließen lassen. Ich von meiner Seite bin durchaus bereit, mich einer solchen eventuellen
Prüfung zu unterziehen. Ebenfalls erkläre ich hiermit, mich für eine Inaugenscheinnahme im
dreidimensionalen Bereich durch eine potentielle Person der femininen Lebensform, bei
Bedarf selbstverständlich zur Verfügung zu stellen.
Für ein diesbezügliches, der Sache dienendes Antwortschreiben wäre ich sehr dankbar.
Peter.“
Als Newcomer in „Lovelight“, der Singlebörse für junge Manager und so weiter, und so
weiter, drängte sich mir ein wenig die bange Frage auf, ob es lediglich ein unglücklicher
Zufall war, oder ob das soeben beschriebene, virtuelle Zwiegespräch bereits den Höhepunkt
an spannender Konversation darstellte. Ich muss auch gestehen, dass meine ehedem
gerade, aufrechte und vor allen Dingen aufmerksame Sitzhaltung vor dem Laptop doch ein
wenig zu wünschen übrig liess. Ermüdungserscheinungen machten sich bemerkbar.
Zwischenzeitlich hatte ich – fast ein wenig lustlos - meine restlichen Begrüßungsmails an die
noch verbliebenen vier Damen, plus zehn Reservistinnen abgesetzt.
Ich tat dies aus der schwachen Überzeugung heraus, dass es mir mit ein wenig Glück
einfach gelingen musste, unter meinen vierzehn auserwählten Damen einen NOCH
interessanteren Kontakt ausfindig zu machen. War mir doch in den vergangenen Minuten ein
wenig der Glaube abhanden gekommen, dass zwischen Frau Lichterglanz und meiner
Wenigkeit jemals ein wahnsinnig interessanter und nachhaltiger Nachrichtenaustausch
stattfinden könnte.
Und dann war ich von einer Sekunde auf die andere wieder hellwach.
Eine neue Mail.
Mail von W40 Angie:
„Hi, mein Freund, freut mich dich hier begrüßen zu dürfen…lächel…“
An W40 Angie:
„Ich danke dir. Nett, dass du dich freust.“
Eine neue Mail.
Mail von W37 Träumerin:
„Hallo Peter,
Ich weiss zwar nicht, ob du in meine Beuteschema passt, aber ich sag dir mal Guten Tag.
Mary.“
An W37 Träumerin:
„Hallo Mary, schön, dass du mir deinen Namen verraten hast. Es ist doch erheblich einfacher
wenn man weiss, mit wem man es zu tun hat.
Peter.“
Eine neue Mail.
Mail von W38 Erdbeertorte:
„Bemüh dich nicht, du bist mir nicht knackig genug..grins…“
Innere Stimme, Brauen hochziehend: Hallo !!
An W38 Erdbeertorte:
„Aber du hältst dich für knackig genug?“
Mail von W40 Angie:
„Was hat dich denn nach Lovelight verschlagen?“
Innere Stimme: Hm !
An W40 Angie:
„Das ist eine etwas längere Geschichte. Kannst du mir deinen Vornamen verraten? Meiner
ist Peter.“
Eine neue Mail:
Mail von W35 Hexe:
Hi Peter, spielst du in `ner Band?“
Innere Stimme, sagt: Ööööhhhh….
An W35 Hexe:
„Also früher mal, da hab ich in einer Band gespielt.“
Mail von W39 Blacklady:
„Hallöchen, mein Kleiner.
Was hat dich auf mein Profil verschlagen?
Susi“
Innere Stimme: Kleiner? Hallo…!
Mail von W37 Träumerin:
„Oh, ein Klarinettenspieler. Ich spiele lieber auf der Querflöte...lächel..“
Innere Stimme: 1. Klarinette ändern in Schlagzeug, 2. Querflöte ?
Mail von W38 Erdbeertorte:
„Nee, du bist mir zu alt.“
Innere Stimme: Bin entsetzt !
An W38 Erdbeertorte:
„Meine Güte, 43 ist doch kein Alter. Seh ich so alt aus?“
Mail von W40 Angie:
„Ich mag Geschichten. Ob traurig, lustig oder spannend.
Mein Name steht im Nick.“
Mail von W39 Lichterglanz:
„Das verstehe ich nicht? Was meinst du?“
Innere Stimme: Mama, Hilf mir….. !!!!!!
Mail von W39 Blacklady:
„Sprichst du nicht mit jeder? Keine Angst Bübchen, ich beisse dich nicht.
Susi“
Innere Stimme: Oijoijoi….
Mail von M42 Nachtfalter:
„Hey Mann, biste schwul?“
Innere Stimme: Was war das denn?
An W40 Angie:
„Hallo Angie, also das würde zu lange dauern.“
An W37 Träumerin:
„Querflöte spielst du? Das ist ein recht interessantes Instrument.“
An W39 Blacklady:
„Hallo…ich bin über 1,85 Meter. Von wegen „Kleiner“.
Mail von W35 Hexe:
„Was war das denn für ne Band? Kennt man die?“
Innere Stimme: Uups...
An W35 Hexe:
„Das wäre eventuell möglich. Wo wohnst du denn?“
An M42 Nachfalter:
„Entschuldigung, hab mich vertan. Bin neu hier…Tut mir leid.“
Mail von Lovelight-Server:
„Deine Nachricht kann nicht übermittelt werden.
Du wirst vom Empfänger ignoriert.“
Innere Stimme: Auch gut…..
Mail von W37 Träumerin:
„Kicher, Kicher.“
Innere Stimme: Wieso „Kicher“ ? Überprüfen !
Mail von W38 Erdbeertorte:
„Männer ab 40 sind für mich zu alt.“
An W37 Träumerin:
„Kann es sein, dass wir uns beim Thema Querflöte im verbal erotischen Bereich befinden?“
Mail von W35 Hexe:
„In der Gegend von Neu Brandenburg.“
Innere Stimme: Das ist gut !
Mail von W39 Lichterglanz:
„Ich habe deine letzte Nachricht noch einmal durchgelesen. Aber ich habe nicht alles
verstanden.“
Innere Stimme: Booooooooooooaaaaaaarrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr !!!!!!!!!
Mail von W39 Blacklady:
„Trifft sich gut. Ich auch.“
Innere Stimme: Um was ging es nochmal?
An W38 Erdbeertorte:
„Du verstehst nix, weil du doof bist.“
Innere Stimme: Scheisse, vertan !
An W38 Erdbeertorte:
„Sorry, ich hab mich verschrieben. Du warst nicht gemeint.“
Mail von W38 Erdbeertorte:
„Hallo, geht’s noch?“
An W38 Erdbeertorte:
„Du warst mit dieser Mail nicht gemeint, entschuldige bitte.“
Innere Stimme: Ach ja, weiss wieder….
Mail an W39 Blacklady:
„Eine große Dame also, im wahrsten Sinne des Wortes.“
Mail von W39 Lichterglanz:
„Was meinst du mit Inaugenscheinnahme in Dreidimensional?
Innere Stimme: Ruuuuuhig, Brauner….ruuuuuhig…..
Mail von W 38 Erdbeertorte:
„Wen hattest du denn gemeint? Mit wem schreibst du denn noch?“
Mail von W37 Träumerin:
„Erotisch? Vielleicht…Kommt ganz darauf an, was man unter Erotik versteht.“
Innere Stimme: Jetzt kurzen Pfiff ausstoßen !
An W35 Hexe:
„Bandname war The Lucky Bats und wir waren bekannt am Niederrhein.
Früher mal.“
Mail von W39 Blacklady:
„Na, bücken brauchst du dich bei mir nicht….grins…
Mail von W40 Angie:
„Nun, möchtest du mir nicht verraten, wie du zu Lovelight gekommen bist?“
Innere Stimme: Doch…nee, lieber nicht !
Mail von W38 Erdbeertorte:
„Hey, in deinem Alter noch so einen Verschleiß. Respekt, du führst dich gut ein….grins..“
Innere Stimme: Wo waren wir stehen geblieben ?
An W37 Träumerin:
„Erotisch kann vieles sein. Ein Blick, der Gang einer Frau, die Stimme einer Frau….vieles
halt“
An W40 Angie:
„Doch Angie, ich hab doch nichts zu verbergen. Aber das ist nicht der richtige Zeitpunkt.“
An W39 Blacklady:
„Also Susi, ich hab auch nicht vor mich zu bücken…Grinsemann zurück…“
Mail von W39 Lichterglanz:
„Gut, wenn du nun keine Zeit hast mit mir zu schreiben, dann morgen.
Ich finde dich nämlich wirklich nett.“
Innere Stimme: NEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIIIIIINNNNNNNNNNNN……!!!
An W39 Blacklady
An W40 Angie
An W38 Erdbeertorte
An W35 Hexe
An W37 Träumerin
An W39 Lichterglanz
„War wirklich nett, dass ich mit dir plaudern durfte. Aber nun bin ich müde. Morgen muss ich
wieder sehr früh raus.
Ich wünsche eine gute Nacht.
Vielleicht bis Morgen.
Peter“
Mail von W39 Lichterglanz:
„Ich freue mich schon, es war schön mit dir zu schreiben.“
glg Margot (lächel)
Innere Stimme: Ruhig, Junge,,,gaaaanz ruhig….
Das war, stark verkürzt, mein erster wirklicher Abend, den ich im Kreise der großen Lovelight
Familie verbringen durfte.
Und ich war in Schweiss gebadet, völlig fertig mit der Welt.
Das war kein relaxtes Freizeitvergnügen, das war harte Arbeit. Und aufpassen musste man
wie ein Luchs.
War es ein Erfolg? Keine Ahnung ! Aber ich hoffte doch, einen relativ guten Eindruck bei den
Damen hinterlassen zu haben. Na gut, bei einer war das ganz sicher der Fall, auch wenn
meine Begeisterung für diese Dame sich doch in sehr engen Grenzen hielt.
Ich musste unter die Dusche.
Morgen, am Freitag, würde ich mehr Zeit und Muße besitzen um meine neuen Kontakte
etwas genauer kennen zu lernen.
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