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Lebens-Art
Foto: getty Images
Herzschmerz. 24.000
Österreicher erleiden
jährlich einen Infarkt.
Die Risikofaktoren und
wie man richtig vorsorgt.
Die Angst
vor dem
88
Schicksale. Vier Patienten
berichten vom Tag, an dem
ihr Herz schlappmachte, und
wie sich ihr Leben dadurch
grundlegend veränderte.
Infarkt
89
Lebens-Art
Franz Ratay:
Infarkt im Urlaub
gonnen, die bestehenden Herzkatheterzentren in die Versorgung von akuten Infarktpatienten einzubinden“, sagt Kurt Huber, Vorstand der Kardiologie
im Wiener Wilhelminenspital.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei
die Wiener Rettung: Sie bringt
den Patienten so schnell wie
möglich ins nächste Herzkatheterlabor. „Dieses Netzwerk hat
die Spitalssterblichkeit auf fünf
Prozent gesenkt. Das ist ein internationaler Spitzenwert“, so
Huber.
Typische Symptome. Der 53-Jährige verspürte in seinem TunesienUrlaub plötzlich einen brennenden
Schmerz in der Brust, begleitet
von kaltem Schweiß. Trotzdem
ging er schlafen. Am nächsten
Morgen rief er einen befreundeten
Arzt an, der ihm nahelegte, sofort
ins nächste Krankenhaus zu fahren. Diagnose: Herzinfarkt. Ratay
wurde ein Stent eingesetzt, die
Nachbehandlung erfolgte dann im
Wiener SMZ Ost. „Seitdem habe
ich meine Ernährung umgestellt
und treibe öfters Sport“, so der
Unternehmer, der keine Angst vor
einem zweiten Infarkt hat.
Der Engpass in der Blutbahn.
So plötzlich ein Herzinfarkt beginnt, so lange ist seine Entstehungsgeschichte“, weiß Wolfgang Schreiber, Notarzt und
Chefarzt des Österreichischen
Roten Kreuzes. „Prinzipiell
kommt es bei einem Infarkt zur
Verstopfung von einem oder
mehreren Herzkranzgefäßen
durch ein Blutgerinnsel. Der
Grund dafür sind Ablagerungen in den Herzkranzarterien“,
erklärt Irene Lang von der Kardiologie im AKH Wien.
Diese Plaques und Verkalkungen schreiten dabei oft
über Jahrzehnte unbemerkt
Frauen weisen oft ganz andere Infarktsymptome auf als Männer.
90
tereingriff wieder geöffnet und
ein Stent eingesetzt.
„Der Patient hatte großes
Glück, dass er keine lang­
fristigen Schäden davontrug,
schließlich entscheiden im
Normalfall die ersten zwei
Stunden über die Folgeschäden“, so David Weidenauer
(www.puls.or.at), der befreundete Arzt, der Ratay ins Spital geschickt hatte. „Wäre ich im UrZahl der Infarkte steigt
Weniger Tote, aber mehr Fälle.
Dank besserer Behandlungsmethoden nimmt die Zahl der
Todesopfer laufend ab.
laub nicht zum Arzt gegangen,
dann wäre ich wahrscheinlich in
Tunesien gestorben“, so der
heute wohlbehaltene Patient.
Todesursache Nummer 1.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
sind in Österreich ungebrochen die Todesursache Nummer eins. Laut Statistik Austria
gingen im Jahr 2010 beachtliche 43 Prozent aller Todesfälle
DAS geschädigte HErz
Beim Herzinfarkt kommt es zu
einem Verschluss der Herzkranzgefäße. Die Blut- und
Sauerstoffsättigung nimmt ab.
– das sind rund 33.200 Betroffene – auf das Konto von Herzund Kreislaufinsuffizienz. Rund
24.000 Personen erleiden jährlich einen Herzinfarkt, für
5.285 endete er 2010 tödlich.
Die Statistik weist jedoch
auch einen durchaus positiven
Trend auf: Die Zahl der Herzinfarkttoten hat sich 2010 gegenüber dem Jahr 2001 um
fast ein Drittel verringert. Eine
Tendenz, die weniger einem
gesunden und damit herz­
schonenden Lebensstil (siehe
Risikofaktoren, Seite 93) der
österreichischen Bevölkerung
zuzuschreiben ist als den immer rascheren und effizienteren Behandlungsmethoden.
Die richtige Behandlung.
Dabei ist die Herzkathetertherapie bei akuten Infarkten die
Methode der ersten Wahl. Das
verschlossene Gefäß wird dabei im Herzkatheterlabor wieder geöffnet. Um einen erneuten Verschluss zu verhindern,
wird dann ein Stent – das ist
ein Metallröhrchen – in das geöffnete Gefäß eingesetzt. „In
Wien wurde bereits 2003 be 09/12
Ernst erkannt, Gefahr gebannt.
Langjähriges Rauchen und privater Stress dürften bei Annemarie R. zum Herzinfarkt geführt haben. „Mir wurde in der
Nacht plötzlich übel. Ich hab
mir sofort gedacht, das muss
ein Herzinfarkt sein, und rief
die Rettung. Danach versuchte
ich, ruhig zu atmen, um nicht
panisch zu werden, bis die
Franz Radl: Fünf Medikamente täglich
Herzschwäche. Mit 45 Jahren erlitt der Wiener den ersten HinterwandInfarkt, der zweite folgte im April 2000. „Der Auslöser war Arbeitsstress. Ich fühlte mich nicht wohl, hatte Magenschmerzen und Druck
auf der Brust“, so der ehemalige Pendler. Die Ärzte stellten eine Herzschwäche fest. Mit Medikamenten geht es dem 65-Jährigen wieder gut.
Beta-Blocker, Pillen gegen Rhythmusstörungen, Schmerzen und hohen
Blutdruck sowie entwässernde Mittel gehören seither aber zum Alltag.
Annemarie R.:
Sechs Bypässe
Fotos: marcus e. Deak (2), martin vukovits
E
s ist ein schöner
­Urlaubstag in Tunesien. Franz Ratay
­genießt Sonne und
Meer und findet endlich Abstand von seinem stressigen Joballtag. Die
Idylle ist perfekt. Bis der
53-Jährige am Abend plötzlich
ein starkes Brennen in der
Brust verspürt, das sich bis in
den Unterkiefer zieht. Der
Schmerz dauert etwa eine
Stunde, Ratay geht zu Bett,
denkt sich nichts Böses.
„Als ich am nächsten Morgen müde und wie gerädert
aufwachte, rief ich zur Sicherheit einen befreundeten Arzt
an, der mir dringend nahelegte, sofort ins nächste Spital zu
fahren.“ Und dann geht alles
ganz schnell. Mit Verdacht auf
Herzinfarkt wird Ratay ans
EKG angeschlossen. Das ist
vorerst unauffällig, die Laborwerte aber weisen alarmierende Ergebnisse auf. Tatsächlich
ist ein Herzkranzgefäß verschlossen. Logische Diagnose:
Herzinfarkt. Jetzt handeln die
Ärzte: Das verschlossene Gefäß wird bei einem Herzkathe-
voran. Rauchen, Bluthochdruck, schlechte Cholesterinwerte oder aber Diabetes hinterlassen in den Gefäßen fatale Spuren. Meist reißt irgendwann ein kleines Stück der
Ablagerungen an den Wänden
der Herzkranzgefäße auf. An
dieser Stelle bleiben Blutplättchen hängen, und es bildet sich
ein Pfropfen, der die Ader vollständig verstopft. Dann ist der
Blutfluss unterbrochen, und
der Herzmuskel wird nicht
mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Es kommt zum
Infarkt. „Wenn zu viel Herzmuskelgewebe abstirbt, kann
das Herz auch die anderen Organe nicht mehr mit Blut versorgen. Dann besteht Lebensgefahr“, so Lang.
Schwierige OP. Zehn Zigaretten
rauchte die Niederösterreicherin
früher täglich – nach dem Infarkt
im Oktober 2000 war von einem
Tag auf den anderen Schluss. Ein
sofortiger Herzkathetereingriff war
zu riskant, die sechsfache Bypassoperation erfolgte Wochen später.
Nach dem achtstündigen Eingriff
lag Annemarie eine Woche im Tiefschlaf, wegen einer Entzündung an
der Wunde blieb sie einen Monat
im Spital: „Als ich auf Kur ging, war
ich so schwach, dass ich den Kopf
beim Haarewaschen nicht halten
konnte. Ich habe mich aber erholt
und mache seither bewusster Sport
– wie Tennis und Gymnastik.“
09/12 91
Lebens-Art
cherweise wurde er vom Manager des Tennisclubs gefunden und mit dem Defibrillator
gerettet. „Mein Glück war,
dass ein Gerät vor Ort war und
der Manager auch wusste, wie
er damit umgehen muss“, so
der Sportler.
So heldenhaft der Einsatz
auch war, Erste Hilfe sollte eine Selbstverständlichkeit sein.
„Hilfeleistung ist eine Verpflichtung für jeden Mitmenschen. Man kann dabei nichts
falsch machen“, so Notarzt
Schreiber. Schließlich stehen
auf jedem Defibrillator genaue
Anweisungen. Und ist im Notfall kein Gerät zur Hand, werden die Angehörigen von der
Notrufzentrale bei Erste-HilfeMaßnahmen wie etwa Herzmassage telefonisch begleitet.
Sprechstunde
Karin Gutiérrez-Lobos,
Vize-Rektorin der Med Uni
Wien und Psychiaterin.
Der kleine
Unterschied
92
Thomas Stöphl: Zusammenbruch nach dem Tennismatch
Topfit. Vor zwei Jahren brach der damals 58-Jährige bewusstlos unter der Dusche zusammen. „Ich fühlte mich
den ganzen Tag über schon verspannt.“ Doch er hatte Glück: Der Manager des Tennisclubs, in dem er spielte,
war sofort mit einem Defibrillator zur Stelle. Am nächsten Morgen wachte Stöphl auf der Intensivstation auf.
Es folgten vier Wochen Reha und eine Raucherentwöhnung. „Ich bin mir sicher, dass mich neben dem Erst­
helfer auch meine physische Verfassung vor dem Tod gerettet hat“, so Stöphl, der täglich Sport treibt.
Ein gesunder Lebensstil schützt Herz und Gefäße
Einsatzkräfte kommen“,
schildert die Pensionistin. Und
sie hat alles richtig gemacht.
Notarzt Schreiber bestätigt:
„Der, der als Erster reagieren
muss, ist der Betroffene selbst.
Schließlich verliert man beim
Infarkt ja nicht gleich alle Sinne.“ Wenn auch geschlechtsspezifisch unterschiedlich (siehe Kolumne von Dr. Gutiérrez
links) – die Symptomatik eines
Herzinfarkts ist dann doch
meist recht eindeutig. „Da wären einmal starke Brustschmerzen, die auch in Arme und Rücken ausstrahlen können. Weiters Todesangst, Blässe, kalter
Schweiß, Übelkeit, Erbrechen
und Atemnot“, so Schreiber.
Je schneller man nach Auftreten dieser Symptome handelt, desto besser. „Und schnell
handeln heißt: sofort die Rettung rufen“, so Schreiber.
Auf rasche Hilfe kommt es an.
Denn je rascher es gelingt, das
verstopfte Gefäß zu öffnen,
desto weniger Folgeschäden
erwarten den Betroffenen.
Kardiologin Lang: „Ab der
­Diagnose sind 90 Minuten ein
empfohlener Richtwert. Innerhalb dieser Zeit sollte das verstopfte Gefäß wieder geöffnet
werden.“ (Report aus dem AKH
siehe Seite 94.)
»Wien hat bei
der akuten
Infarktversorgung einen
Spitzenplatz.«
Kurt Huber
Die Erstversorgung wird
gleich von den Einsatzkräften
vor Ort durchgeführt. Ein
transportables EKG hilft, die
Diagnose zu erstellen. Darüber
hinaus wird der Blutdruck gemessen, Herz und Lunge werden abgehört sowie ein Venenzugang gelegt. Auch die ersten
Therapieschritte erfolgen noch
vor Ort. Nach der Diagnose
Herzinfarkt erhält der Patient
Schmerzmittel, Aspirin oder
Heparin zur Blutverdünnung,
und dann geht’s mit Blaulicht
ins Krankenhaus der Wahl, das
in der Zwischenzeit schon verständigt wurde.
Wenn die Uhr tickt …
Was aber, wenn der Betroffene
nach einem Herzinfarkt nicht
bei Bewusstsein ist, wie es zum
Beispiel im Fall von Thomas
Stöphl war? Der Sportler aus
Leidenschaft brach nach einem Tennismatch in der Dusche zusammen und war nicht
mehr ansprechbar. Glückli 09/12
Fotos: marcus E. Deak, www.picturedesk.com
Schmerzen und Engegefühl
im Brustkorb, Ausstrahlung
in den Arm, kalter Schweiß
und Todesangst – typische
Symptome für den Herzinfarkt. Bei Männern. Heute
weiß man, dass sich ein
Infarkt bei Frauen anders
ankündigt.
Oft stehen Beschwerden
wie Kurzatmigkeit, ungewöhnliche Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen oder ungewöhnlich heftige Schmerzen im Nacken, Kiefer, in der
Schulter oder im Oberbauch
im Vordergrund. Die Beschwerden werden daher oft
von den Frauen selbst und
auch von den Ärzten falsch
eingeschätzt. So verstreicht
wertvolle Zeit. EKG und Ultraschall liefern zudem bei
Frauen öfter als bei Männern
falsche Resultate, und Medikamente wirken bei Frauen
anders. Die geschlechts­
spezifischen Unterschiede
wurden bisher nicht ausreichend bei der Arzneimittelentwicklung berücksichtigt.
Herzinfarkt galt lange als typisch männliche Erkrankung.
Diagnose und Therapien
­waren dementsprechend für
Männer maßgeschneidert.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
sind aber auch bei Frauen
die häufigste Todesursache.
­Aufklärung über die geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Diagnosekriterien und Behandlungsmethoden kann Leben retten –
von Männern und Frauen.
Das Leben nach dem Infarkt.
Nach dem Herzinfarkt muss
man auch wieder in den Alltag
zurückfinden. Und das kann
schwer sein, wie Annemarie R.
weiß. Nach einer sechsfachen
Bypassoperation und einer
Woche Tiefschlaf war sie auf
der Reha so schwach, dass sie
sich nicht einmal selbst die
Haare waschen konnte. „Ich
habe mich aber gut erholt und
lebe seitdem bewusster, treibe
einmal pro Woche Sport und
habe mit dem Rauchen aufgehört“, so die Pensionistin. Heute geht es ihr wieder gut – auch
wenn sie nicht mehr zu hundert Prozent belastbar ist.
Den Lebensstil von Grund
auf umgestellt hat auch Franz
Ratay. „Ich achte auf gesunde
Ernährung und treibe regelmäßig Sport.“ Außerdem
sorgt er sich auch um seine
Mitarbeiter: „Ich plane, demnächst einen Defibrillator in
meiner Firma anzubringen,
und ermögliche den Mitarbeitern Erste-Hilfe-Schulungen.“
■ Ulrike Krestel; Mitarbeit:
M. Dlugokecki, I. Zöhrer
09/12 Die Risikofaktoren
1
2
3
Tabakkonsum
Nikotin erhöht Blutdruck sowie Cholesterin und senkt den Sauerstoffgehalt im Blut. Der Körper
will den Mangel ausgleichen und produziert mehr Blutplättchen (Erythrozyten) für den Sauerstofftransport. Dadurch wird das Blut dicker, und die Gefahr einer Ader-Verstopfung steigt.
Bluthochdruck
Dauerhaft erhöhter Druck in den Adern beschädigt die glatte Innenseite der Blutgefäße.
An Engstellen und Verzweigungen können sich Blutfette somit leichter anlagern, und es kommt zur
Arterienverkalkung. Gefährlich sind Werte über 135/80 (Druck unter An-/Entspannung im Herzen).
Hohes Cholesterin
Blutfette, vor allem Cholesterin, sind die Hauptbestandteile von Ablagerungen in den Arterien.
Besonders LDL-Cholesterin verkalkt Gefäßwände – Werte über 120 gelten daher als ungesund.
HDL-Cholesterin schützt vor Verkalkung und sollte daher über dem Wert 55 liegen.
4
5
Hoher Blutzucker
Personen mit Diabetes mellitus gelten als Risikopersonen. Zu viel Zucker im Blut schädigt die
Gefäßwände und begünstigt Ablagerungen. Ab einem Zuckerwert von 110 sollte daher ein
­Diabetes-Test durchgeführt werden. Wichtig sind eine zuckerarme Ernährung und Bewegung.
Übergewicht und Vererbung
Als gefährdet gelten Menschen mit einem erhöhten Body-Mass-Index sowie Körperfett um den
Bauch oder Adipositas. Auch eine familiäre Vorbelastung wird kritisch eingestuft: Sie besteht,
wenn Vater/Bruder unter 60 Jahren oder Mutter/Schwester unter 65 Jahren einen Infarkt erleiden.
TESTEN SIE AUF WWW.NEWS.AT IHR HERZINFARKTRISIKO!
Machen Sie den Check: Anhand von Familiengeschichte, Lebensstil, Ernährung, Gewicht und
Blutwerten sowie Stressfaktoren lässt sich Ihre individuelle Gefährdung berechnen.
Die Tipps für ein fittes Herz
1
2
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Mindern Sie die Risikofaktoren
Übergewicht, schlechte Ernährung, Rauchen und Stress sind Faktoren, die das Herz b
­ elasten.
Wer sich zum Beispiel dauerhaft von Nikotin verabschiedet, senkt sein Risiko für Herz-KreislaufErkrankungen nach 15 Jahren auf jenes von Nichtrauchern!
Bringen Sie Bewegung ins Leben
Es gilt: Alles, was in Bewegung hält, tut dem Herzen gut. Bauen Sie also regelmäßig Fitness
in den Alltag ein – auch durch Treppensteigen –, und beginnen Sie mit Ausdauersport. Das
richtige Tempo: so flott, dass man sich dabei immer noch unterhalten kann.
Achten Sie auf eine gesunde Ernährung
Gesunde Ernährung schont das Herz und reduziert gefährliches Übergewicht. Verzichten Sie
öfter auf Fleisch und Wurst, und essen Sie mindestens einmal pro Woche Fisch. Gut für das Herz
sind Ballaststoffe, täglich Obst und Gemüse sowie ungesättigte Fette wie jene in Pflanzenölen.
4
5
Verbannen Sie Stress aus Ihrem Leben
Auf die richtige Work-Life-Balance kommt es an! Bauen Sie in stressigen Zeiten Entspannungsübungen in den Alltag ein. Benennen Sie Stressauslöser, und reduzieren Sie diese. Achten Sie
auf ein gesundes Sozialleben, und nehmen Sie bei Problemen professionelle Hilfe an.
Gehen Sie zum Herz-Check
Checken Sie regelmäßig Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker. Alle zwei Jahre ist eine Grunduntersuchung beim Hausarzt angebracht. Wenn nahe Verwandte vor ihrem 60. Lebensjahr
einen Herzinfarkt erlitten haben, machen Sie ab 35 Jahren einen Herz-Check.
93
7.55 Uhr Ein Anruf
Lebens-Art
geht in der Notruf­
zentrale 144 ein: Ein
48-jähriger Malermeister ist daheim
mit Brustschmerzen
zusammengebrochen.
Wenn jede
Minute zählt
8 Uhr Die Notärzte
treffen beim Patienten ein und beginnen
sofort mit der Erstversorgung. Schon jetzt
können sie via EKG
die Diagnose stellen:
Herzinfarkt.
Ernstfall. Vom Notruf bis ins Herzkatheterlabor – so schnell werden InfarktPatienten versorgt. NEWS war vor Ort.
in der Notfallambulanz des AKH Wien.
8.42 Uhr Der Pa-
tient wird ins Katheterlabor überstellt.
gen“, sagt Irene Lang von der
Kardiologie im Wiener AKH.
Fünf Minuten nach dem Notruf ist die Rettung vor Ort. „Das
sollte in Wien der Normalfall
sein, am Land dauert das natürlich etwas länger“, so Lang. An
Ort und Stelle wird ein EKG angelegt, der Blutdruck gemessen,
Herz und Lunge abgehört.
„Trifft die Diagnose Herzinfarkt
tatsächlich zu, werden die ersten
8.55 Uhr Der „An-
stich“ erfolgt: Dem
Patienten wird mit
einer Kanüle ein
Stent über die Leiste
gesetzt, um das verschlossene Herzkranzgefäß zu öffnen.
9.06 Uhr Gefäß
ist offen, innerhalb
von knapp 90 Minuten ist der Patient stabilisiert und versorgt.
9.55 Uhr Die
Punktionsstelle in
der Leiste wird zugenäht, Patient kommt
auf die Bettenstation.
»Bei Herzinfarkt
bleiben für die
optimale Versorgung
nur 90 Minuten.«
Irene Lang, AKH
Therapiemaßnahmen eingeleitet, gleichzeitig wird ein geeig­
netes Krankenhaus verständigt“,
sagt der Chefarzt des Roten
Kreuzes, Wolfgang Schreiber.
Um halb neun trifft der Pa­
tient im Wiener AKH ein, wird
nach einem Briefing dem zuständigen Arzt übergeben und
sofort ins Katheterlabor überstellt. Nach weniger als 90 Minuten ist das verschlossene Gefäß mittels Katheter wieder geöffnet und ein Stent (feines Gittergeflecht) zur Verhinderung
eines erneuten Gefäßverschlusses gesetzt. „Der Patient fühlt
94
sich auf Anhieb besser“, erklärt
Kardiologin Lang. Noch im
­Labor wird der Patient über
die Risikofaktoren aufgeklärt.
Dann geht es in die Betten­
station zur Nachsorge. Schließlich könnten Komplikationen –
etwa ein weiterer Gefäßverschluss – auftreten. „Eine Woche später wird der Patient in
die Reha entlassen. Laut WHO
ist die größte Gefahr nämlich
zwei Wochen nach dem Infarkt
■ U. K.
gebannt.“
Adressen. Von Erste Hilfe bis
Reha: wo man Experten findet.
09/12
Fotos: Marcus E. Deak (3), beigestellt
F
ünf vor acht. In der Notrufzentrale des Roten
Kreuzes geht ein Anruf
ein. Im 5. Wiener Bezirk klagt ein Mann
über Schmerzen in der Brust,
Atemnot: Verdacht auf Herz­
infarkt. Ab jetzt beginnt die Uhr
zu ticken. „Bestätigt sich der
Verdacht auf Herzinfarkt, sind
nur 90 Minuten Zeit, um den
Patienten optimal zu versor-
8.25 Uhr Ankunft
Lebens-Art
Lehrbuch. „Tertiale Notfall- & Intensivmedizin“.
Springer, 44,95 Euro.
Erste Hilfe
In Österreich ist jeder gesetzlich
verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten.
Hier kann man Wissen auffrischen.
Österreichisches Rotes Kreuz. Das Jugendrotkreuz bietet auch
Kurse für Kinder und Jugendliche an. www.roteskreuz.at
Grünes Kreuz. Der Erste-Hilfe-Kurs umfasst sechs Lerneinheiten.
Alle Ausbildungstermine gibt’s unter: www.grueneskreuz.at
Samariterbund. Schulungen werden in allen neun Bundesländern
angeboten. Mehr Informationen unter: www.samariterbund.net
Malteser Hospitaldienst. Teil des Erste-Hilfe-Kurses: der richtige
Umgang mit einem Defibrillator. www.malteser.at
Johanniter Unfallhilfe. Hier wird der Unterricht durch zahlreiche
interaktive Elemente zum Erlebnis. www.johanniter.at
Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Bietet EUzertifizierte Grundkurse für betriebliche Ersthelfer. www.auva.at
Rehabilitation
Die besten auf Herzkrankheiten spezialisierten
Reha-Zentren Österreichs auf einen Blick.
Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs. Privatklinik inmitten
der Waldviertler Naturlandschaft. www.herz-kreislauf.at
Reha-Zentrum Münster. Der Schwerpunkt im Tiroler Klinikum liegt
bei Neurologie, Herz-Kreislauf und Lunge. www.reha-muenster.at
Herz Reha. In dem Reha-Zentrum in Bad Ischl werden die
Patienten in kleinen Teams umfassend betreut. www.herzreha.at
Cardiomed. Ambulantes Kardiologie-Zentrum in Linz. Zweigstellen
sind auch in Wien, Innsbruck & St. Pölten geplant. cardiomed.at
Zentrum für ambulante Rehabilitation Wien. Bewegungstherapie
und psychologische Behandlung. www.pv-rehabzentrum-wien.at
Reha Bad Tatzmannsdorf. Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes & andere Stoffwechselerkrankungen. ska-badtatzmannsdorf.at
Verbände und Vereine
Diese Institutionen setzen sich für Betroffene ein
und klären über Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf.
Puls. Verein zur Bekämpfung des Plötzlichen Herztodes. Fördern
unter anderem die Installation von Defibrillatoren. www.puls.or.at
Österr. Kardiologische Gesellschaft. Förderung der Kenntnisse
über Kreislaufkrankheiten und Prävention. www.atcardio.at
Petition für Erste-Hilfe-Unterricht in Schulen. Wollen Erste-HilfeUnterricht in den österr. Lehrplan integrieren. www.lebenretten.at
Österreichischer Herzverband. Neben Unterstützung für Herzpa­
tienten gibt es hier auch Präventionsprojekte. www.herzverband.at
Österreichischer Herzfonds. Fördert die Herzforschung, hilft herzkranken Kindern und bietet Vorsorgeberatung. www.herzfonds.at
Herzselbsthilfe Wiener Neustadt. Erfahrungsaustausch für Herzpatienten & Angehörige, Sportprogramme. www.herzselbsthilfe-wn.at
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