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G e s u n d h e i t s re f o rm: Wie lange werden noch die Kurven

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Gesundheitsreform: Wie lange werden noch die Kurven flimmern?
Medizintechnik, Diakonie und Effizienz: Ansbacher Rangauklinik stellt sich neuen Herausforderungen
Es sind die besorgten Ehefrauen,
denen es zuerst auffällt: Für wenige
Augenblicke zunächst nur „vergisst“
ihr Mann nachts das Schnarchen.
Besorgt lauscht sie, zählt die Sekunden. Endlich setzen die Geräusche
wieder ein. Sooft sie seine „Sägerei“
in den vergangenen Jahren genervt
hat – jetzt ist sie richtig froh und lässt
sich beruhigt wieder in die Kissen fallen. Nach einer halben Stunde
schreckt sie erneut hoch: Wieder –
nichts. Zum Glück nicht lange. Aber
es wiederholt sich so oft ...
Am Frühstückstisch sind beide
schlecht gelaunt, wie gerädert. Er
kann sich an nichts erinnern – sie
dringt auf eine Untersuchung. Darauf er: „Das ist halt so, wenn man in
die Jahre kommt. Schließlich haben
wir doch wegen deiner demenzkranken Mutter all’ die Sorgen am Hals.
Kein Wu n d e r, dass ich unruhig
schlafe.“
Was zunächst wie unvermeidliche Begleitmusik einer langjährigen
Ehe klingt, kann richtig gefährlich
werden. Dringend notwendig ist also
eine Untersuchung und Therapie
dieser Schlafstörung. Sie ist keinesfalls „Anstellerei“, sondern hilft viel
menschliches Leid und auch hohe
medizinische Folgekosten zu spa-
und schläft sofort wieder
ein. Davon hat er jedoch
nichts gemerkt – auch
wenn sein Körper extrem
gestresst ist. Die Konsequenz: starke Ta g e s m üdigkeit bis hin zum Sekundenschlaf – selbst während einer Autofahrt.
Dann sind die Folgen oft
tödlich – ein häufiger
Grund für schwere Auffahrunfälle. Gerade betagtere Männer sind davon betroffen. Dies ist
aber nicht zwingend so,
selbst Kinder können unter Schlafapnoe leiden.
In der Rangauklinik ist
nach einem halben Jahr Markus Horneber, Geschäftsführer und Verwaltungsdirektor der Diakonie Neuendettelsau zieht zu mit der Führungsspitze der Rangauklinik, dem Pflegedienstleiter Hardy Ziessler, dem
Zeit für eine erste Bilanz. sammen
Kaufmännischen Leiter Hans-Jürgen Götz und dem ärztlichen Leiter Heye Heyenga, Bilanz über
Sie fällt positiv aus – auch das erste halbe Jahr nach der Übernahme (von links). Sie lassen sich von Oberarzt Gerhard Dorn
Foto: Borée
wenn die neue Stufe der (sitzend) eine Beobachtungsstation für das Schlaflabor zeigen.
Gesundheitsreform vor einem Vierteljahr, zum 1. April, griff. Der orthopädischen Komplexbehandlun- gen die Ausgaben für ihre Betreuung
um rund 25 Prozent. Intensiv wird
Rehabilitationsbereich für den lang- gen optimal abstimmen.“
Die Herausforderungen neuer zwischen Krankenkassen und Klinifristigen Kampf gegen Allergien,
Atemwegs- und Krebserkrankungen Medizintechnik, Effizienz und diako- ken um Kostemübernahme gerunwird ausgebaut, stärkere Vorsorge nische Prinzipien – gerade an Klini- gen. Und dennoch investierte die Disowie die Vernetzung mit den beste- ken in konfessioneller Trägerschaft akonie Neuendettelsau nach der
henden Diakonie-Kliniken wird weiter werden hohe Erwartungen herange- Übernahme in die Rangauklinik. Als
vorangetrieben. Effizienz ist ange- tragen. Und rund jede dritte deutsche eine der ersten Maßnahmen danach
sagt, aber alle bisherigen 160 Mitar- Klinik befindet sich wie die Rangau- wurde neben der Erneuerung des
beiter wurden klinik in konfessioneller Trägerschaft. Computersystems dort gerade das
ü b e r n o m m e n . Kann man allen Eckpunkten gerecht Schlaflabor erweitert und zusätzlich
„Kündigungen werden und somit praktisch die Qua- zu den bestehenden sechs Möglichkeiten ein weiterer Messplatz geaus betrieb- dratur des Kreises schaffen?
Die Rangauklinik versucht es. Sie schaffen – solcher Vorsorge gehört
lichen Gründen
hat es nicht ge- übernimmt etwa Patienten aus den offenbar die Zukunft. Schließlich lageben und wird Intensivstationen anderer Kliniken, gen die Wartezeiten für eine Beobes nicht ge- die nach Operationen nicht mehr achtung dort bei etwa drei Monaten,
ben“, so Mar- von einer maschinellen Atemunter- vorher war kein Platz zu haben.
Über den Bildschirm von Oberkus Horneber, stützung loskommen. Oft hilft dann
G e s c h ä f t s f ü h- nur noch ein Luftröhrenschnitt, um arzt Gerhard Dorn flimmern viele
rer und Verwal- dort direkt einen Beatmungs- bunte Kurven. Seine Mitarbeiter hat u n g s d i r e k t o r schlauch einzuführen. Viel weniger ben sie während der ganzen Nacht
der Diakonie gefährlich ist eine Beatmung über beobachtet: Hirnströme, A u g e n b eN e u e n d e t t e l- Gesichtsmasken. Die Patienten wegungen, Atmung, Muskelspansau. Für die müssen dann nicht mehr so genau nung oder Sauerstoffsättigung des
neue Stufe der beobachtet werden, können die In- Blutes – alles wird registriert. Auf
Luftaufnahme vom weiten Areal der Rangauklinik bei Ansbach.
G e s u n d h e i t s- tensivstationen verlassen – und die dieser Grundlage kann ein genaues
Foto: Lutz
reform ist man Pflegekosten sinken. In der Ran- Profil der Schlafstörungen erstellt
ren. Im westmittelfränkischen Raum nach eigenen Angaben gut aufge- gauklinik nun werden Pflegekräfte werden. Bei der häufigen Schlafapist dies zum Beispiel ein Fall für die stellt. Schließlich müssen nun auch gezielt zu Atmungstherapeuten aus- noe muss der Patient nun jede Nacht
Rangau-Klinik bei Ansbach, die zum Reha-Maßnahmen verstärkt von gebildet, die genau diesen Über- eine Art Atemmaske aufsetzen.
Jahresbeginn von der Diakonie Krankenkassen bezahlt werden. Kli- gang ermöglichen sollen. Und der Wenn sie einmal individuell auf ihn
Neuendettelsau übernommen wur- niken können jetzt auch Kassenpa- Patient muss nicht mehr an Schläu- eingestellt wurde, kann sie eff i z i e n t
de. „Apnoe“ heißt die häufigste Ur- tienten ambulant behandeln. A l l e r- chen hängen, die in seinem Kehl- einen zeitweiligen Atemstillstand verhindern. So verhindert diese vorbeusache der Schlafstörung. Der Atem dings wolle man in der Rangauklinik kopf verschwinden.
setzt kurzzeitig aus. Aufgrund feh- keine Konkurrenz zu den niedergeIn den vergangenen 20 Jahren genden Maßnahme Gesundheitsgelenden Sauerstoffs schreit der Kör- lassenen Ärzten am Ort aufbauen, so sank die Verweildauer der vieler fährdungen mit schweren oder leper Alarm, der Betroffene wacht für der ärztliche Leiter Heye Heyenga, Kassenpatienten in Krankenhäusern bensbedrohlichen Folgen.
Susanne Borée
Sekunden auf, kann wieder atmen sondern „die Angebotskette etwa bei um etwa die Hälfte. Trotzdem stieEvangelisches Sonntagsblatt aus Bayern · Nr. 26 vom 1. 7. 2007
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