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Interview mit Prof. Wiederin Wie sieht für Sie die optimale

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Interview mit Prof. Wiederin
Wie sieht für Sie die optimale Prüfungsvorbereitung aus?
Ich halte den Besuch von Übungen für wichtig und empfehle allen, sich nicht auf das Lehrbuch zu
beschränken. Man muss den Gesetzestext kennen, man muss die Strukturen erfassen und die
Zusammenhänge verstehen, man muss den ganzen Stoff vernetzt anwenden können.
Welche Lehrbücher empfehlen Sie?
Im Verfassungsrecht sind die Lehrbücher von Berka, Öhlinger und Walter/Mayer/Kucsko-Stadlmayer
empfehlenswert. Wer mit Walter/Mayer/Kucsko-Stadlmayer arbeitet, muss aber berücksichtigen,
dass die Novellen von 2008 noch nicht verarbeitet worden sind. Um diese Lücke zu füllen, hilft das
Skript von Weichselbaum. Mein Rat: Lernen Sie nach dem Lehrbuch, das Sie am meisten anspricht.
Wie viele Fragen stellen Sie?
Ich stelle drei Fragen, die den ganzen Prüfungsstoff abdecken sollen. Die erste Frage betrifft etwas
Grundsätzliches – von den Baugesetzen bis zur allgemeinen Staatslehre –, die zweite Frage ein
stärker technisches organisationsrechtliches Thema, die dritte ein grundrechtliches oder ein
verfassungsprozessrechtliches Problem.
Werden Sie besondere Schwerpunkte setzen?
Nein, aus voller Überzeugung nicht. Die Kandidaten müssen damit rechnen, dass der gesamte
Prüfungsstoff abgefragt wird, bis hin zur Finanzverfassung.
Wie sieht der Prüfungsablauf aus?
Die Prüfung soll ein Gespräch werden. Die Fragen bilden den Einstieg, ich frage nach und hake nach,
und wohin sich das Gespräch entwickelt, das hängt von den Antworten und vom Wissen des
Prüfungskandidaten ab. Fragen gebe ich grundsätzlich nicht weiter. Die Prüfung wird ca. 15-20
Minuten dauern.
Wie wichtig ist Ihnen Detailwissen?
Das hängt davon ab, wie wichtig die Details für das Verständnis sind. Im Verfassungsrecht ist die
Grenzlinie zwischen Grundwissen und Detailwissen nicht einfach zu ziehen. Vielleicht kann ich es so
besser verdeutlichen: Listen finde ich komplett uninteressant. Ich verlange z.B. nicht, dass mir die
Kandidaten alle Kompetenzen des Rechnungshofs aufzählen. Aber über die „Details“ der
Bedarfskompetenz für das Verwaltungsverfahren muss man Bescheid wissen, weil man ohne die
Details die ganze Kompetenz nicht versteht.
Grundsätzlich darf man mit dem Verfassungstext arbeiten. Wer aber im Kodex nachschlägt, bevor er
auch nur den Mund aufmacht, von dem erwarte ich eine detaillierte und perfektere Antwort.
Außerdem fließt in die Bewertung ein, ob jemand das Stichwortverzeichnis braucht, um die
einschlägige Stelle zu finden.
Was erwarten Sie sich für eine positive Note?
Das Wichtigste ist ein allgemeines Verständnis vom Verfassungsrecht und das Wissen um Strukturen
und Zusammenhänge. Ich vermeide Fragen, die auf die Abrufung von reinem Lernstoff abzielen.
Oder, krasser formuliert: Mit Auswendiglernen allein soll man bei der Prüfung nicht durchkommen
können.
Können Sie uns kurz Ihren beruflichen Werdegang schildern?
Nach meinem Studium in Wien war ich Assistent am Juridicum bis zu meiner Habilitation. Danach
habe ich im Verfassungsdienst des Bundeskanzleramts gearbeitet, und nach diesem Abstecher in die
Praxis bin ich wieder ans Juridicum zurückgekehrt. Im Jahr 2000 habe ich einen Ruf nach Salzburg
angenommen, und seit 1. Oktober 2009 bin ich wieder in Wien.
Warum haben Sie Jus studiert?
Ich war im Grunde zu feige, um Mathematik oder Literatur zu studieren. Bei Mathematik wusste ich
nicht, ob meine Begabung dafür reicht, bei den Literaturwissenschaften nicht, ob man davon leben
kann. Jus war ein Kompromiss, dafür kann man die analytischen wie die sprachlichen Fähigkeiten
brauchen.
Hat es während Ihres Studiums ein Fach gegeben, welches Sie nicht gerne gelernt haben?
Grundsätzlich war ich für alle Fächer offen, aber natürlich habe ich in manche Fächer mehr Zeit
investiert als in andere. Für ZGV war die Zeit so knapp, dass ich mich nach der Prüfung geschüttelt
habe und alles schon wieder vergessen hatte. Das hat mir gezeigt, dass es sinnlos ist, sich den Stoff
nur schnell ins Kurzzeitgedächtnis zu laden.
Was halten Sie von Sommerpraktika?
Viel – sie sind sicher eine Bereicherung, weil die Studierenden sehen, dass das Uniwissen längst nicht
alles ist, dass es ohne Uniwissen aber auch nicht geht. Es muss nicht immer die klassische
Anwaltskanzlei sein, auch ein Praktikum bei einer Bezirkshauptmannschaft oder bei einem
unabhängigen Verwaltungssenat ist empfehlenswert.
Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?
Ich lese sehr gerne, betreibe den einen und anderen Sport, höre gerne Musik und reise gerne.
Fragen zur FÜM3
Gibt es eine Stoffabgrenzung im besonderen Teil?
Nein, ganz im Gegenteil. Ich möchte mir für die schriftliche Prüfung die Freiheit bewahren, Materien
zu prüfen, die die Studierenden vorher nie gesehen haben und auch nachher nie mehr sehen
werden, um zu testen, ob sie mit Gesetzestexten umgehen können, ob sie sie lesen und verstehen
können. Denn genau das wird in der Praxis erwartet, dort gibt es auch keine Stoffabgrenzung. Aber in
Materien des besonderen Verwaltungsrechts, die im Lehrbuch von Bachmann nicht behandelt sind,
erwarte ich natürlich keinerlei Vorwissen.
Wie lauten Ihre Literaturempfehlungen für die FÜM3?
AT: Raschauer, Adamovich/Funk/Holzinger/Frank
Verfahren: Hengstschläger, Thienel/Schulev-Steindl, Walter/Mayer ist schon etwas veraltert.
BT: Bachmann
Wie wird die Fragestellung lauten?
Ich bemühe mich um einen komplexen Fall und stelle grundsätzlich nur wenige Fragen. Es geht also
eher in die Richtung „Wie ist die Rechtslage?“ und nicht um eine Abfolge von Detailfragen, in der
man nur die dritte Frage lesen muss, um die zweite beantworten zu können. Am Schwersten, aber
auch am Wichtigsten ist es nach meiner Überzeugung, die Probleme zu erkennen, und das sollen die
Kandidaten unter Beweis stellen. Wer das Problem sieht, hat es meist auch schon halb gelöst, und
über die richtige Lösung kann man oft streiten. Wer keine Probleme sieht, der ist in der juristischen
Praxis verloren.
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