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Heimtraining gleich gut wie pulmonale Rehabilitation im - Evimed

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www.evimed.ch
Heimtraining gleich gut wie pulmonale Rehabilitation im Spital für
COPD Patienten
Frage:
Ist ein selbstständig durchgeführtes Heimtraining gleich effektiv wie ein Standard
Rehabilitationsprogramm in einem Spital zur Verbesserung der Dyspnoe bei Patienten mit
mittelschwerer bis schwerer COPD?
Hintergrund:
Die pulmonale Rehabilitation, eine Kombination aus Training und Schulung, ist effektiv um die
Lebensqualität und den gesundheitlichen Zustand von COPD Patienten zu verbessern.
Trotzdem haben erst wenige Patienten Zugang zu dieser Therapieform. Ziel ist es nun,
alternative Trainingsmöglichkeiten zu erschliessen, damit mehr Patienten von dieser
Therapieform profitieren können.
Einschlusskriterien:
 Patienten mit stabiler COPD, ≥40 Jahre alt
 FEV1 <70% des Vorhersagewertes, FEV1/FVC<0.70
 Aktuelle oder frühere Raucher mit mindestens 10 pack years
 Medical Research Council Score für Dyspnoe ≥2
 Beherrschen der englischen oder französischen Sprache
 Keine bisherige Teilnahme an einer pulmonalen Rehabilitation oder Aufenthalt in einem
Pflegeheim
 Keine Diagnose von Asthma, Linksherzinsuffizienz als grundlegende Krankheit, terminale
Krankheit, Demenz oder unkontrollierte psychiatrische Krankheit.
Studiendesign und Methode:
Randomisierte, multizentrische Studie („non-inferiority trial“). Alle Teilnehmer nahmen zuerst
an einem identischen 4-wöchigen Schulungsprogramm teil und wurden dann randomisiert zu
einem 8-wöchigen, selbst überwachten, Heimtraining (Interventionsgruppe), oder zu einem 8wöchigen Standard Rehabilitationsprogramm in einem Spital (Kontrollgruppe). Bei beiden
Gruppen beinhaltete das Training eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining dreimal
wöchentlich. Beide Gruppen führten ein Trainingstagebuch und wurden wöchentlich
kontaktiert, um Probleme zu klären und die Patienten zu motivieren. Nebenwirkungen wurden
monatlich erhoben. Beide Gruppen wurden nach Abschluss des Trainings motiviert, mit einem
Heimtraining fortzufahren (3x wöchentliches Training). In der Zwischenphase zwischen Ende
des offiziellen Trainingsprogrammes und Erhebung des Outcomes fanden Kontaktaufnahmen in
Form von telefonischen Interviews alle 2 Monate statt.
Primärer Outcome:
 Veränderung des Dyspnoe Sub-Scores des „Chronic Respiratory Questionnaire“ (CRQ) nach
3 Monaten und nach 1 Jahr (7-Punkteskala).
Studienort:
10 medizinische Zentren in Kanada
www.evimed.ch
Resultat:
 252 Teilnehmer nahmen an der Schulung teil und konnten randomisiert werden, je 126 pro
Gruppe. Die Patienten waren im Schnitt 66 Jahre alt, hatten zu 50% ein GOLD Stadium III
und waren zu 55% männlich. Der FEV1 war im Schnitt 44% des Vorhersagewertes und der
6 Minuten-Gehtest 369 Meter.
 In beiden Gruppen zeigte sich nach 3 Monaten gegenüber den Ausgangswerten eine
signifikante und klinisch relevante Verbesserung im Dsypnoe-Score des CRQ
(Interventionsgruppe: Differenz 0.82, 95%CI 0.64-1.01; Kontrollgruppe: Differenz 0.78,
95%CI 0.60-0.96).
 Nach einem Jahr war aber nur in der Gruppe mit Heimtraining das Ergebnis klinisch
relevant besser (Interventionsgruppe: Differenz 0.62, 95%CI 0.43-0.80; Kontrollgruppe:
Differenz 0.46, 95%CI 0.28-0.64, bei einer minimalen klinisch bedeutsamen Differenz von
0.5).
 Bezüglich des primären Outcomes war das Heimtraining gegenüber dem Standardtraining
im Spital nicht unterlegen (Differenz Heimtraining/Spitaltraining nach 3 Monaten: 0.05,
95%CI -0.21-0.29, Differenz nach 1 Jahr: 0.16, 95%CI -0.08-0.40).
 Auch bei den sekundären Outcomes (6-Minutengehtest, Ausdauer, St. George Respiratory
Questionnaire) zeigte sich im Zwischengruppenvergleich zu beiden Zeitpunkten kein
wesentlicher Unterschied bezüglich Effektivität.
 Bei den Nebenwirkungen handelte es sich in erster Linie nicht um trainingsbezogene
Ereignisse (i.e. Exazerbationen und Folgeereignisse).
Kommentar:
 Die Autoren schliessen aus den Ergebnissen, dass das Heimtraining eine Alternative zu
einem etablierten Rehabilitationsprogramm in einem Spital für Patienten mit einer
mittelschweren bis schweren COPD ist.
 Die Studie ist methodologisch gut gemacht und die Ergebnisse bringen einen wichtigen
Beitrag in einer aktuellen Diskussion um den besten Ort und die Zeit für die pulmonale
Rehabilitation bei COPD Patienten.
 Fraglich ist, inwieweit die Patienten, die zu Hause trainierten, wirklich so intensiv
trainierten, wie die supervisierten Patienten im Spital. Dies würde aber eher bedeuten, dass
die Ergebnisse die tatsächliche Wirkung des Heimtrainings eher unterschätzen würden, was
die mindestens gleichwertige Wirksamkeit der Heimtherapie nur unterstützen würde.
Literatur:
Maltais F. et al: Effects of home-based pulmonary rehabilitation in patients with chronic
obstructive pulmonary disease: a randomized trial. Ann Intern Med. 2008 Dec
16;149(12):869-78.
Verfasser:
Anne Spaar
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Kategorie
Gesundheitswesen
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