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(…) Wie groß ist das Gebiet unter dem einen - Bistum Münster

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Der Bischof und sein Volk – zur Popularität des Bischofs
M 35
Bischof Clemens August Graf von Galen war trotz seiner adeligen Herkunft und seines mitunter auftretenden westfälischen Starrsinns ein Mann Gottes, der im Volk beliebt war und
großen Rückhalt fand. Immer wieder suchte er zwischen 1933 und 1945 auf seinen zahlreichen
Reisen durch das Bistum den Kontakt zu den Gläubigen seiner Diözese. Zehntausende katholischer Mädchen und Jungen empfingen in dieser Zeit von ihm persönlich das Sakrament der
Firmung. Immer wieder schlug ihm spontan große Begeisterung entgegen. Sein langjähriger
Kaplan und Geheimsekretär Heinrich Portmann schreibt dazu Folgendes:
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(…) Wie groß ist das Gebiet unter dem einen
Hirtenstab, vom Rhein bis in den Teutoburgerwald, von der Lippe und Ruhr bis an die Nordsee. Wie verschieden gestaltet und gegliedert ist
das Bistum. (…)
Jubelnd winkten die Tausenden von Gläubigen(…), wenn sich der Bischofwagen nahte.
Immer wieder hob der Bischof die Hand zum
Segen; die Menschen knieten für einen Augenblick still nieder, den Segen zu empfangen, um Während einer Firmreise im Dekanat Cloppendann aufs neue zu winken und zu jubeln. (…) burg 1942
Man muss in die Augen dieser Menschen gesehen haben, - die Kinderaugen, vor Staunen starr und gebannt, - die Augen der Jugendlichen voll
Glanz und strahlendem Feuer, - bei den Alten mischten sich Tränen in die leuchtend offenen
Gesichter. Wenn man das all die Jahre gesehen hat, dann weiß man um die Echtheit und Ehrlichkeit, um die Tiefe der Liebe der Gläubigen zu ihrem großen Bischof. (…) In der Kirche folgte die
Predigt. Kopf an Kopf standen die Menschen. Seine Worte brachten Freude und Trost, Zuversicht
und Kraft in die Herzen; klar und unmissverständlich sprach er über die Zeit und ihren Ungeist.
In einer dunklen Ecke unter der Orgelbühne standen die Spitzel der Gestapo; das wusste er, aber
es kümmerte ihn nicht. (…) Diese Volksmenge im Gotteshaus, auf dem Kirchplatz, in den Straßen, war die Antwort. Und diese Tausende, von niemand kommandiert, völlig freiwillig, ja auf
die Gefahr hin, denunziert, vielleicht benachteiligt zu werden, - sie jubelten, wenn der Bischof erschien. (…) Schlicht und kindlich fromm sprach er zu den Kleinen und zu den Erwachsenen (…);
die Worte kamen aus dem Herzen, und darum gingen sie auch in die Herzen. (…) Eine furchtbare Tragik, menschlich gesprochen, war seine letzte Fahrt durch das Bistum im Jahre 1945. Sie
führte ihn dorthin, wo der Krieg die Gemeinden mitsamt den Gotteshäusern zerschlagen hatte,
durch das Industriegebiet, durch das westliche Münsterland, durch das Oldenburger Land und
an den am meisten heimgesuchten Niederrhein. Ein bitterer Weg, diese seine letzten Straßen.
(…) Alle Dekanate hatte er im Laufe der Jahre besucht, jede Kirche und jedes Kapellchen hatte
sein Fuß betreten. (…) Er, der von hoher Geburt war und dem Volk natürlicherweise ferner stand,
wurde im Fluge ein Volksbischof in des Wortes bester Bedeutung. (…); dieser starke Mann, das
spürten alle, hat ein Herz für uns, ein weiches, fühlendes Herz. (…) Und sie, die schlichten, die
braven, die unentwegt katholischen Christen waren ihm ans Herz gewachsen. In der Verbundenheit mit ihnen fühlte er sich stark; sie waren für ihn der große Rückhalt. (…)
(aus: Heinrich Portmann, Kardinal von Galen, Ein Gottesmann seiner Zeit, Münster 1957, S. 105-120, i.A.)
Mensch bleiben in schwieriger Zeit
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Seele and Geist
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