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Leistungsdruck in der Mittelschule - wie gehe ich damit um?

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Leistungsdruck in der Mittelschule - wie gehe ich
damit um?
Viele Schülerinnen und Schüler kommen mit dem Leistungsdruck
nicht zurecht. Die Autorin dieses Artikels gibt einige Tipps, wie
man dem Druck etwas entgegenhalten kann.
von Claire Barmettler
Alle kennen sie, die Mittelschüler und -schülerinnen, die locker und scheinbar
ohne Anstrengungen die Mittelschule besuchen. Sie engagieren sich
nebenbei in Jugendvereinen, treiben Sport und können sich am Ende des
Semesters über ihr gutes Zeugnis freuen. Diese Schülerinnen und Schüler
geniessen ihre Freiheiten und haben trotzdem Erfolg in der Schule.
Nicht alle erleben die Mittelschulzeit so. Die Realität sieht zuweilen auch
anders aus.
Stefan lernt täglich mehrere Stunden und bereitet sich auf seine Prüfungen
vor. Seine Noten sind trotz diesem grossen Einsatz nur knapp genügend. Er
verzichtet zuerst auf sein wöchentliches Sporttraining. Später nimmt er
zusätzliche Nachhilfestunden. Und noch immer werden seine Leistungen
nicht besser. Er fühlt sich total überfordert und weiss nicht mehr weiter. So
hat er sich seine Ausbildung nicht vorgestellt. Langsam verliert er die Lust an
der Schule. Auch seine Eltern sind ratlos.
Lisa durchlebt vor jeder grossen Prüfung eine schlaflose Nacht. Wird es ihr
diesmal gelingen, eine gute Note zu machen? Wird sie wieder vor einem
leeren Blatt sitzen und nichts mehr vom Gelernten abrufen können? Nur
schon der Gedanke an diese Situation ängstigt sie. Sie ist sicher, dass sie
genügend gelernt hat. Sie hat sogar auf ihre Reitstunden verzichtet. Schon
jetzt spürt sie die Nervosität in sich aufkommen. Sie hofft, dass ihr das
Beruhigungsmittel auch diesmal zu mehr Ruhe verhilft.
Lukas steht vor der Entscheidung, ob er die Klasse wegen mangelhaften
Leistungen wiederholen oder ob er aus der Schule austreten soll. Er hadert
mit sich und seiner Familie, ob dies sinnvoll sei. Eigentlich hat er genug von
der Schule und möchte am liebsten eine neue Lösung suchen. Und doch
machen auch die Argumente seiner Familie Sinn, die Matura sei wichtig für
seine weitere Zukunft. Er hat keine Ahnung, wie er sich entscheiden soll.
Die Geschichten dieser Mittelschüler sind Bespiele von Krisensituationen, die
während der Mittelschulzeit vorkommen können - aber nicht müssen. Alle
haben sie eine Aufnahmeprüfung bestanden und bringen eine
durchschnittliche Intelligenz mit.
Es gibt verschiedene Gründe für Schulschwierigkeiten und Leistungsdruck.
Fehlende Motivation
Viele Mittelschülerinnen wissen gar nicht, weshalb und mit welchem Ziel sie
an dieser Mittelschule sind. Häufig ist auch nur das Ziel Matura klar. Sie
besuchen zwar die einzelnen Stunden, interessieren sich aber nur für einen
Teil der angebotenen Fächer. Was nach der Matura kommt, wissen sie nicht.
Mangelnde Alternativen zum Schulbesuch
Mittelschüler kennen meist nur den Weg zur Matura und sehen keine
Alternativen für sich. Sie leisten alles, um dieses scheinbar einzige Ziel zu
erreichen. Noch mehr Druck kann die Folge sein.
Mittelschülerinnen haben meistens wenig Ahnung von der Berufs- und
Arbeitswelt. Sie haben die Berufswelt noch nicht konkret erlebt und können
sich selbst nur schlecht in einem Beruf vorstellen.
Zu wenig Bestätigung
Mittelschüler definieren sich vielfach über ihr Schulwissen und ihre
Schulnoten. Sind diese Leistungen über Monate hinweg knapp, leidet auch
die Lebensfreude und das Selbstbewusstsein. Andere persönliche
Fähigkeiten treten in den Hintergrund.
Mangelhafte Lern- und Arbeitstechnik
Mittelschülerinnen sind vor allem mit den Lerninhalten beschäftigt. Sie sind
spezialisiert, Schulstoff auf eine Prüfung hin (auswendig) zu lernen. Über die
Art und Weise, wie sie diese Inhalte beispielsweise strukturieren könnten,
wissen sie wenig.
Konflikte mit Eltern
Junge Erwachsene machen während der Mittelschulzeit einen
Ablösungsprozess durch. Sie möchten selbständig leben – und sind doch von
ihren Eltern finanziell abhängig. Ansprüche, Vorgaben und Wünsche der
Eltern werden plötzlich kritisch hinterfragt. Streit über die Leistung, das
Lernpensum, die Noten und das Engagement für die Schule sind häufig.
Unzufriedenheit auf beiden Seiten sind die Folgen.
TIPPS:
•
Notieren Sie sich die Fächer und Themengebiete, welche Ihnen an der
jetzigen Schulsituation gefallen.
Fassen Sie zusammen, welche Inhalte Ihnen Mühe machen.
Stellen Sie fest, welche der negativen Punkte Sie verändern können und
wo Sie Hilfe brauchen.
Reichen die Motivation und die positiven Aspekte, um die nächsten Jahre
mit Erfolg durchzustehen? Ziehen Sie für sich schriftlich Bilanz.
•
Informieren Sie sich über die Arbeits- und Berufswelt. Besuchen Sie das
Berufsinformationszentrum oder die Studienberatung in Ihrer Nähe.
Machen Sie sich kundig über das Angebot an Lehrberufen und
Ausbildungen, die einen Lehr- oder Mittelschulabschluss voraussetzen.
Sammeln Sie Informationen über die verschiedenen Studienrichtungen.
•
Stellen Sie eine Liste Ihrer schulischen und persönlichen Interessen auf.
Reden Sie mit Ihren Freunden. Überlegen Sie, welche Punkte Sie in einer
späteren Berufstätigkeit integrieren möchten. Suchen Sie Berufsfelder, die
zu diesen Interessen passen.
•
Beginnen Sie damit, Ihren Lebenslauf zu schreiben. Halten Sie fest, in
welchen Bereichen Sie spezielle Kenntnisse und Kompetenzen haben und
welches Ihre starken Schulfächer sind. Weiten Sie diese Suche auch auf
Freizeit und ausserschulische Engagements aus. Befragen Sie dazu Ihre
Freunde.
Gewichten Sie diese Sammlung, in dem Sie die wichtigsten Punkte
speziell hervorheben. Machen Sie eine schriftliche Zusammenfassung
dieser Punkte.
Überlegen Sie sich, welche dieser Kompetenzen Sie später auch in Ihrem
Beruf einsetzen möchten.
•
Beschäftigen Sie sich mit Ihrer Lern- und Arbeitstechnik. Es gibt eine
Vielzahl von Büchern und Hilfsmittel, in denen die neusten Erkenntnisse
zusammengefasst sind. Es gibt kein Rezept und keine schnellen Erfolge.
Auch Lernen muss geübt werden.
Nachdem Sie während vieler Jahre auf Ihre Art gelernt haben, brauchen
Sie nun einige Zeit, um Ihr Verhalten zu ändern und mit neuen Techniken
vertraut zu werden.
Nehmen Sie sich die dazu nötige Zeit – auch wenn Sie meinen, Sie hätten
keine Zeit dafür übrig.
•
Führen Sie einen genauen Wochenplan über Ihre gesamten Aktivitäten
(Schulbesuch, Lernen, Sport, Freizeit, Hobbys, Jobs und sonstige
Verpflichtungen).
Planen Sie Ihr Lernen und die nötigen Prüfungsvorbereitungen im voraus.
Achten Sie auf genügend Ausgleich durch Freizeit und Hobby.
•
Lernen Sie Entspannungstechniken kennen. Für Einzelne reicht ein
regelmässiger Waldlauf, um sich zu entspannen. Vielleicht brauchen Sie
eine gezieltere Form dazu. Autogenes Training oder Yoga sind nur zwei
Techniken, die Ihnen dabei helfen könnten. Bedenken Sie auch hier: Es
braucht Zeit, bis sich eine Wirkung zeigen wird.
•
Bedenken Sie bei Ihren Überlegungen, dass von den 18% der Schweizer
Bevölkerung, die einen Maturitätsabschluss machen, rund ein Fünftel eine
ausseruniversitäre Ausbildung wählt. Es gibt immer berufliche Alternativen
– Sie müssen sie nur kennen!
•
Reden Sie mit einer Vertrauensperson über Ihre Schwierigkeiten. Fragen
Sie auch in Ihrer Studienberatung nach Angeboten und Tipps zu
Lerntechnik.
Claire Barmettler, dipl Psychologin IAP und Berufsberaterin
Geschäftsleiterin und Mitinhaberin
des S&B Institut für Berufs- und Lebensgestaltung in Bülach
Literaturtipp:
„Lernen – aber wie?“, Josef Müller (Eigenverlag), ISBN 3-9520326-1-1
Vertrieb: Josef Müller, 5703 Seon (041 729 50 82)
„Wie lerne ich?“, Christoph Metzger, Verlag Sauerländer, ISBN 3-7941-43639
„Tipps gegen den Lernkater“ (eher für Studierende, ist aber gut)
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Seele and Geist
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