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Albert Drach Aus der Tiefe Ein Platz wie eine Narbe - Mystiek.net

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Albert Drach
Aus der Tiefe
Ein Platz wie eine Narbe, Leidens satt,
Wie eine Trommel, abgetönt und platt.
Die Welt sank langsam abwärts wie ein Blatt,
das fern ein Zweig verloren hat.
Sturm schreit und reisst uns an den Ketten wund
und schmettert in der hingehauchten Sterne Bund.
Die Berge sind hoch, aber hohl, wie kraterkrüge rund.
Der Sumpf schwillt. Es versickert See und Sund.
Frucht in der Faust, sonder Kern und Keim.
Schluchzen versteckt sich in schmutzigem Schleim.
Wir haben die Haut und haben kein Heim.
Unser Leben ist eitel Reim und Leim.
Tod
Eis geht un welken Brand.
Geknickte Flamme biegt sich aus verbrauchtem Docht.
Hohles Schauern greift die Seele, die düster pocht,
Lüstern nach letzer Letzung, und verraucht im Sand.
Auf Rädernm angefahren grell und gell
wirblen in Hast Erinnerung und Erlebnis.
Die Welt steht werbend, sehnsüchtig und hell,
zu Häupten beugt sich das fremde, äusserste Begebnis.
Davon sind die Umgebenden seltsam behaucht,
als stürben sie für den so tief Entfernten.
Sein Schlaf ist einsam und erlaucht,
der Atem fällt von dem Entkernten.
Winter
Der Winter wiegt im Weiss die Welt zutode.
Vergehend fleht der Tag zum ersten Sterne
und fasst nach einem Zipfel seiner Ferne,
dass nicht die Nacht ihn aus der Erde rode.
Die Armen frieren bei versteintem Brode.
Die kalte Hand gibt nichts und geisselt gerne,
dass der Verlassne auch das Schauern lerne,
denn Not und Furcht sind von der gleichen Mode.
Mit kranken Perlen aus der Kälte Zwang
will sich im Schlaf der schlichte Sinn beflittern.
Und unten geht die Zeit mit lahmen Gang.
Doch während Greise nun in Siechtum zittern,
erhebt der Knabe sich im Überschwang
durch weisse Nacht zu Höhn und Ungewittern.
Die Menge an Gott
Zu wählen ernst,
Zu folgen furchtbar
Den weiteren Weg
Durch Irrnis vor ihn.
Gestampf der Massen
Verruft die Spur.
Was bleibt, liegt vorbei.
Was flieht, das zerstiebt.
In Staub und Grau
Vielleicht spielen Kinder
Vor verborgener Pforte
Zum Herzen des Herrn.
Aber der Atem
Des Nebels nährt
Mit Dunst unser Dunkles.
Steine schmiedet
An die Fersen uns Furcht.
Hunger höhlt
Den Traum der Seele.
Wie auch ausserdem
Hätten wir Himmel
Als gefeit vom Feuer
Der Hölle gegen Teufel,
Als geheiligt vom Leid
Und vom Grauen gekrönt?
Verdrängt in der Menge
Jeder von allen
Wie Spreu versprengt,
Weit einsamer einer
Als wer allein
Auf schmalem Pfad
Hellen Höhn
Sich in Andacht nähert.
Breite Strasse
Zu treten, die ohne Trost
Zur Verdammuis sich dehnt,
Hat uns die Macht vermocht.
Breite Stra:Be zu schreiten,
Die durch Verdammuis sich windet,
Durch Kerker sich krümmt,
Durch Höllen sich bäumt
Bis vor Gott,
Hat ein Funken im Blut
Dumpf uns berufen,
Der nicht untergehn will.
Stiller steigen Sterne
Von Flügeln geführt
Zu begnadetem Gang.
Süsser küssen
Blumen den Duft
Liebenden Blühns in das All.
Strahlender bahnt Gesang
Sich ins Blau, und entblösster
Legen Engel ihr Herz
Auf die Waage der Wahrheit.
Wir, in Wolken vermummt,
Wir, in Ketten gezerrt
Tief hinab in die Nacht,
Blutig und brennenden Munds
Gleich entkommenem Strolch,
Gleich gezeichnetem Kain
Pochen wir an das Tor
Zärtlich nicht, doch zögernd.
Denn uns duckt das Verbot.
Blinzelnd ins Grelle der Pracht
Drückt uns Armut erdwärts
Und geschulterte Schuld.
Hinter gehütetem Tore,
Herr, erhöre uns, du!
Grässliche Nacktheit
Sparen wir deinem Aug,
Göttlichem Auge des Rechts.
Aber noch immer die Sehnsucht
Schluchzt uns im Blut,
Glück am Gifte geprüft,
Kind des Himmels, verirrt in uns.
lm Schlamm eingeschlossen,
Mit Schmutz geschminkt,
Durchs Joch gejagt,
Tragen wir trotzig
Die Last unser Los
U nd entsagen der Klage.
Doch dein Kind, das wir
An unsren Seelen gesäugt,
Stillten mit unsrem Blut,
So in Qualen uns quoll
Aus zerhämmerten Herzen,
Nimm es rettend zurück!
Unser Schutz wurde schwach.
Unser Tag wurde müd.
Unser Glühn ist versiegt
Am Durste deines Kinds.
Doch hat es teil an uns tief,
Weil es aus Tiefen uns trank,
Weil es aus niederster Neige
Noch erlechzte sein Licht.
Leuchten mög es drum
Über uns und leuchten,
Nicht von Schwielen entstellt,
Noch vom Gebreste zernagt,
Noch am Jammer verfault.
Preisen mög es drum
Über uns und preisen
All die Hoheit der Not
Und das Edle des Elends
Und in der Schande noch Schönheit!
Beten mög es für uns
Über uns und für uns,
Besser als wir, weil seliger.
Ora pro nobis.
Die Ferne, der wir verfallen sind
Die Ferne, der wir verfallen sind,
Weit jenseits dem Weg, weit au6er dem Traum,
Befiehlt uns Jungen zu folgen,
Bekehrt uns Männer zu kämpfen,
Betört uns Greise zu glauben.
Fremd uns, aber willkommen
Steht sie vor dem Tor eines Tags, eines Nachts.
Wie sollten wir uns wundern,
Die wir auf Wunder warten
AlleTage des Alltags.
Lauert ausser der Mauer
Ein Licht, Geborgene lockt es
Zurück in den Sturm,
Besonnene holt es
Hinaus in das Grauen,
Entwindet dem Willen
Die Gnade der Wahl.
Ihr Licht und doch Lächeln
Um den Mund des Kindes, der Schönen,
Glitzernd in der Stille der Firne,
Funkelnd durch das Dunkel des Grunds.
Ihre Stimme bestürmt uns,
Ihr Ruf erreicht uns
In heissestem Herzen.
Ihr Wink gewinnt uns
Aus Verzug und Verzicht.
Wie wollten wir uns weigern,
Die wir offen sind für Gott
Aus allen Poren der Ahnung.
Im Lärm des Lebens
Bei ratterndem Rad,
Bei humpelndem Hebel,
Bei keuchendem Kran
Ihre Weise verworren,
Verloren ihr Lied.
Man greift seinen Grund nicht,
Besitzt seinen Sinn nicht.
O Sang unsagbar.
Tief unter der Ruhe
Liegt ein See
In schlafender Schlucht.
Drin verklärt der Himmel sich,
Betränt von Gestirnen,
Drin beschaut der Herrgott sich,
Doch niemand sieht ihn.
Tief unter der Ruhe
Bleibt alles geheim.
Sucht uns ihr Ruf?
Das Schweigen schreit.
Ein Zeichen zieht uns,
Die Ferne führt uns.
Ihr Zauber besitzt uns
Wie Lippen der Liebsten,
Doch entzieht sich dem Kuss.
Wir kämpfen für Könige,
Wir sterben für Sterne.
Die Ferne, der wir verfallen sind,
Lauert ausser der Mauer.
Ihre Stimme bestürmt uns
Im Lärm des Lebens.
Tief unter der Ruhe
Sucht uns ihr Ruf.
O Licht, gib Antwort
O Licht, gib Antwort!
Gib Brot uns, Licht!
Wir finden nicht hin.
Wir zerren am Kleid.
Wir hängen am Saum.
Wir fragen, wir fordern.
Des Himmels Brust
Ist karg den Armen.
Ja wird nie gesagt,
Brot wird nie verschenkt.
Wir bleiben wie Blei.
Der Boden hat uns.
Der Boden behält uns.
Flügel gehören uns nicht.
Wir können sie stehlen,
Um an Höhn zu verbrennen.
Das Feuer verzehrt uns,
Das Licht erlöst uns nicht.
Und Grenzen schneiden.
Wo dürfen wir glücklich sein?
Das Glück ist verboten,
Die Welt ist begrenzt.
Wir rühren an Ränder
Mit blutigem Finger.
Trüb in den Tiefen
Taumelt der Blick.
Fest ist es dort nicht,
Fuß fasst dort niemand.
O unter dem Leben
Schläft ein Abgrund.
O unter dem Leben
Klafft der Tod.
Die Welten entzwei
Hält ein Verhängnis.
Drunten die Wurzeln
Im Ernst der Erde
Gebückt in den Boden
Verbluten in Blüten
Ihr Mark und die Macht,
Verschenken die Schönheit
Verwunderten Blumen.
Die spielen mit Düften,
Tanzen mit Faltern,
Lispeln dem Lichte,
Küssen mit Göttern.
Denn die Blüten
Werden erwählt,
Aber die Wurzeln
Wurden verworfen.
O Licht, gib Antwort!
Wir bleiben wie Blei,
Und Grenzen schneiden
Die Welten entzwei.
Die Nähe, die uns verhängt ist
Die Nähe, die uns verhängt ist,
Umklammert mit Mauern den Mut uns,
Behält unser Herz in lauen Händen,
Drückt ein Dach uns zwischen das Haupt und den Himmel.
Nicht weiter reichen, als wo die Füße
Schon Festes fühlen oder die Arme
Sich noch halten im Hang oder der Rumpf
Noch folgt Schwere bürdend dem Geist.
Nicht sichrer sehen als bis an die Finger,
Die uns gebunden und fremd bedienen,
Aber im Rasten verkappen ein Lauern.
Niemand auch sieht sich ins Gesicht.
Nicht heller hören als unser Echo,
Allein das Echo gehört nicht zu uns.
Es ist verfälscht durch die Stimme der Wände
Und doch von der Stimme der Wände verschieden.
Nicht tiefer tasten als nach dem Ausweg,
Nur daß es einen Ausweg nicht gibt.
Niemals durchdringt der Mut die Mauern.
Das Herz bleibt in lauen Händen behalten.
Nicht uns zu eigen und niemand sonst.
Der Geist eines Gottes ergeht nicht an uns,
Denn niemals dringt das Draußen nach drinnen,
Aber drinnen ist nichts mehr Gott.
Die lauen Hände, in die wir gelegt sind,
Sie sind von keinem Sinn geführt,
Sie sind an keinem Körper gewachsen,
Und ohne Gnade und Fluch des Bluts.
Wir tragen das Dach als wären es Welten,
Zu starr, um zu heben, zu schwer, um zu schweben,
Aber vor Tiefen taumelnd und schaudernd.
Niemand taucht dem Tod auf den Grund.
Und so geht der Nächste nicht ferner.
Keiner der Kommenden stößt mit dem Haupt
Durch sein Schicksal hindurch, welches
Den Mut ihm umklammert mit Mauern.
Der Tag ist vertan
Der Tag ist vertan.
Der Gläubiger Nacht
Verlangt seine Schuld
Ohne Gnad und Geduld,
Denn er hat jetzt Macht
Uns fordernd zu nahn.
Der Tag
Späte Fassung
Der Tag reift in den Tod hinaus.
Nacht fällt herab aus deinem Traum.
Leis gehn in dir die Lichter aus.
Schwer schwebst du über tiefem Raum.
Es wird so sein, wie es immer war,
Nur dass sich deine Fahrt erfüllt
Und dass sich langsam bang und klar
Hinter dem Blick das Nichts enthüllt.
Südlicher Sang
Frühe Fassung
Heller Himmel
Umarmt das All.
Schwellend schwelgt
Die Erde im Ewigen.
Föhn durch die Föhren.
Blut in den Blumen.
Heimat im Hauch.
Es gab dir der Geber
Süße des Südens
Und reichliche Reife,
Du fromme Frucht!
Atme die Angst aus!
Lachendes Leben
Streut seine Strahlen
Und tötet den Tod.
Herbstlich hüten dich
Klammernde Kleider
Wider Frühling und Frost.
Weißt du, wie weit
Der Nachen der Nacht
In den Traum hinaustreibt,
In den See des Sehnens -?
Die Spangen entspannen sich.
Wunsch verweht die Gewänder ...
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