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Lehrstellensuche: Wie wars bei Ihnen? «Situation ist so gut wie seit

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Aktuell
24. Januar 2013
Seite 3
«Situation ist so gut wie seit Jahren nicht mehr»
AMRISWIL Ein Gespräch über die Entspannung auf dem Lehrstellenmarkt und die damit einhergehenden Probleme für die Ausbildungsbetriebe
Zum Start der Lehrstellen-Serie sprachen die Oberthurgauer Nachrichten mit Ueli Rüfenacht von der Berufs- und Studienberatung Amriswil über
die derzeitige Situation auf
dem Lehrstellenmarkt.
kannte Berufe aufmerksam machen.
Herr Rüfenacht, welche Berufe
sind derzeit ganz oben auf der Beliebtheitsskala der Jugendlichen?
Das sind Büroberufe, Verkauf, Informatik, Gesundheitsberufe und
gestalterische Berufe. Allgemein
kann gesagt werden, dass Berufe
mit geregelten Arbeitszeiten sehr
beliebt sind.
Stimmen Angebot und Nachfrage
bei der Lehrstellensuche überein?
Gemessen an der Anzahl offener
Lehrstellen, könnten praktisch alle Schulabgängerinnen und Schulabgänger eine Lehrstelle finden.
Die Anbieter der beliebtesten Berufe werden mit Anfragen überhäuft. Die weniger prestigeträchtigen Branchen haben jedoch je
länger je mehr Mühe, Nachwuchskräfte zu finden. Dies sind
Bau, Haustechnik, Metall- und Maschinenbau sowie die Landwirtschaft. Diese Entwicklung ist sehr
schade, denn ich befürchte, dass
es längerfristig an guten Facharbeitern in diesen Branchen mangeln wird.
«In den letzten Jahren ist das
Niveau in den Berufsschulen
grundsätzlich gestiegen»
Die Lehrstellensituation insgesamt beurteilen Sie demnach aber
positiv.
Die Situation ist so gut wie schon
seit Jahren nicht mehr. Die Zahl der
Ausbildungsplätze ist angestiegen
und die Zahlen der Schulabgängerinnen und Schulabgänger gin-
Bild: bg
Ueli Rüfenacht von der Berufs- und Studienberatung Amriswil: «Die Lehrverträge werden immer früher abgeschlossen.»
gen leicht zurück. Eigentlich kann
man also von einer Entspannung
auf dem Lehrstellenmarkt sprechen. Vor vier oder fünf Jahren war
es deutlich schwerer, eine Lehrstelle zu finden.
Woran liegt das?
Die Betriebe haben gelernt, auch
in wirtschaftlich schwierigeren
Zeiten Lernende auszubilden, sodass bei anziehender Konjunktur
auch wieder Fachkräfte auf dem
Arbeitsmarkt zu finden sind.
Trotzdem muss festgehalten werden, dass es für Jugendliche, die
wenig bis keine familiäre Unterstützung
erhalten,
schwache
Schulleistungen bringen oder
Probleme mit der deutschen Sprache haben, immer noch schwierig
ist, eine Lehrstelle zu finden.
Und doch gibt es Lehrbetriebe, die
Mühe haben, Lehrlinge zu finden.
In den letzten Jahren ist das Niveau in den Berufsschulen grundsätzlich gestiegen. So kommt es,
dass die zum Teil sehr hohen Anforderungen, welche die Berufs-
schulen stellen und das Wissen, das
die
Schulabgängerinnen
und
Schulabgänger mitbringen, weit
auseinander liegen. Nicht selten
haben deshalb Berufe wie zum Beispiel Elektroniker viele Bewerberinnen und Bewerber für eine
Lehrstelle, doch genügen oft die
schulischen Leistungen nicht, um
die Lehre durchzustehen. Zudem
ist neuerdings gar ein Wettstreit
zwischen den Mittelschulen und
den Lehrfirmen anspruchsvoller
Lehrberufe zu beobachten. Beide
buhlen um die kognitiv starken
Schülerinnen und Schüler.
Was ist mit der «Fairplay»-Vereinbarung, wonach vor dem 1. November keine Lehrstellen vergeben werden?
Fairplay gibt es noch immer, nur
halten sich wenige daran. Die
Lehrverträge werden immer früher abgeschlossen. Das hat dazu
geführt, dass leider zum Teil schon
vor den Sommerferien, also wenn
die Schülerinnen und Schüler noch
die zweite Oberstufe besuchen,
Lehrstellen vergeben werden.
Manche Schüler geraten so unter
Druck, dass sie leichtfertig eine
Stelle annehmen, womit sie glauben, das Problem gelöst zu haben.
Nicht selten finden sie später noch
eine ihren Neigungen besser entsprechende Lehrstelle und lösen
den bereits unterschriebenen
Lehrvertrag wieder auf.
Sehen Sie sich als Berufs- und
Laufbahnberater als eine Art «Umverteiler», damit auch Lehrstellen, die nicht im Trend liegen, vergeben werden?
Das Wort Umverteiler ist sicher
nicht richtig. Die Berufsberatung
hilft Jugendlichen beim Kennenlernen ihrer Interessen und Fähigkeiten. Dazu werden neben dem
Gespräch auch diagnostische Mittel eingesetzt. Die gemeinsam gewonnenen Erkenntnisse führen
dann zu konkreten Berufsvorschlägen. Bei einem Angebot von
über 200 Grundberufen ist es für
die Jugendlichen und Eltern
schwierig geworden, die Übersicht
zu wahren. Die Berufsberatung
kann deshalb auch auf weniger be-
Es gibt viele Lehrstellen, Brückenangebote und die Berufsberatung wird genutzt. Alles in allem sieht die Situation für die
Schulabgänger gar nicht so
schlecht aus, oder?
Das kann man grundsätzlich so sagen. Ich würde mir teilweise etwas
mehr Geduld bei den Eltern und etwas mehr Flexibilität bei den Jugendlichen wünschen. Es wäre
schön, wenn die Jugendlichen,
sollte es nicht gleich auf Anhieb mit
dem Wunschberuf klappen, vermehrt auch offen für verwandte Berufe wären. In vielen Köpfen
herrscht leider immer noch die
Meinung, eine erste Lehre müsse
die Vorbereitung für den Beruf des
Lebens sein. Das setzt die Jugendlichen zusätzlich unter Druck.
Wichtig ist es, einmal die Grundrichtung zu finden, so dass man für
die Lehre Motivation entwickeln
und diese abschliessen kann. Danach stehen viele Weiterbildungsmöglichkeiten zur Auswahl. Unser
durchlässiges Bildungssystem erlaubt es jedem, auch nach der Lehre, seine beruflichen Träume zu
verwirklichen.
Interview: Benjamin Gahlinger
Zur Person:
Ueli Rüfenacht hat Psychologie
studiert und ist diplomierter Berufs- und Laufbahnberater. Seit
acht Jahren ist er in diesem Beruf tätig. Dass in der heutigen Zeit
der erlernte Beruf nicht unbedingt ein Beruf auf Lebenszeit
sein muss, zeigt seine eigene
Biografie. Rüfenacht war vor seinem Psychologie-Studium als
Landwirt tätig.
Lehrstellensuche: Wie war's bei Ihnen?
Patrick Schärer, getr. in Arbon
Hezi Berisha, Amriswil
Rrezarta Alii, Amriswil
Sabrina Ehrbar, Amriswil
Ivo Wüthrich, getr. in Arbon
Ich hatte bei der Lehrstellensuche
keine Probleme. Ich ging zum BIZ
und wusste eigentlich schon, dass
ich Monteur werden möchte. Ich
bin nun fertig mit der Ausbildung.
Ich finde die Berufsberatung sinnvoll. Anhand von Hobbys und Interessen sucht der Berufsberater
Berufe aus, die in Frage kommen
könnten.
Ich bin zur Berufsberatung gegangen, da ich nicht genau wusste, was ich lernen möchte. Ich habe mich für das KV beworben, aber
nur Absagen bekommen. Ich habe
dann als Pharmaassistentin und als
Detailhandelsfachfrau geschnuppert. Ich bekam dann glücklicherweise eine Lehrstelle im Detailhandel.
Ich habe mich als Dentalassistentin beworben und sehr viele Absagen erhalten. Ich habe dann im
Detailhandel geschnuppert und
mich an vielen Orten um eine
Lehrstelle beworben. Schliesslich
hat es dann geklappt mit einer
Lehrstelle. Die Unterstützung der
Lehrer war gut, auch die Berufsberatung hat mir geholfen.
Ich hatte es schwer bei der Lehr- Die Berufsberatung war bei mir
stellensuche und besuchte des- nicht so hilfreich und ich wusste
halb das zehnte Schuljahr. Ich ohnehin bereits, dass ich etwas
wusste nicht was ich wollte und die Handwerkliches machen möchte.
Berufsberatung hat mir persönlich Nach meiner zweiten Bewerbung
nicht geholfen. In der Schule wur- hatte ich bereits eine Zusage für eiden wir gut auf das Berufsleben vor- ne Steinwerker-Lehre erhalten.
beireitet. Nun habe ich nach dem Meine Lehrzeit habe ich positiv in
zehnten Schuljahr eine Lehrstelle Erinnerung, die Arbeit war jedoch
als Coiffeuse gefunden.
körperlich anstrengend.
Für Sie waren unterwegs: Stefanie Rohner und Benjamin Gahlinger
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