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A wie Aktuar B wie Beisitzer C wie «Chropfläärete» - Bieler Tagblatt

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V E R E I N S L E X I KO N
A wie Aktuar
mr. Der Aktuar oder die Aktuarin führt bei Sitzungen und Versammlungen das Protokoll.
Vielfach wird er auch Protokollführer genannt. Das Protokollieren erfordert eine hohe
Konzentration und die Gabe, das Wesentliche aus den Diskussionen zu erkennen und zu
schriftlich festzuhalten. Aussagen der Teilnehmer müssen wortgetreu festgehalten werden,
insbesondere wenn es zu Schlichtungsfällen (vereinsintern oder gar vor Gericht) kommt.
Deshalb darf diese Urkunde nicht manipuliert werden. Oft wird das Protokoll nicht vom
Sekretär, sondern von einem separat eingesetzten Aktuar geführt.
Im Protokoll sind verschiedene Punkte zwingend festzuhalten: Ort, Datum, Zeit (Beginn und
Ende) der Sitzung, Vorsitz, Anwesende, Entschuldigungen. In der Vergangenheit hat der
Aktuar handschriftlich das Geschehen festgehalten. Wunderschöne alte Protokolle, vom
Archivar gehütet, sind oft hervorragende Zeitzeugen.
Heutzutage ist der Einsatz eines Laptops an der Sitzung üblich. Bei hitzigen Debatten ist auch
ein Tonaufnahmegerät ratsam. Das Protokoll wird häufig als Führungsinstrument eingesetzt,
weil offene Punkte, Zuständigkeiten und Termine festzuhalten sind.
B wie Beisitzer
mr. Beisitzer sind Mitglieder des Vorstandes, haben jedoch kein bestimmtes Ressort inne. Sie
unterstützen die übrigen Vorstandsmitglieder in deren Arbeit und haben üblicherweise volles
Stimmrecht. Sie sind jedoch nicht Vorstandsmitglieder zweiter Klasse. Oft werden Personen
als Beisitzer in den Vorstand gewählt, damit sie später ein eigenes Ressort übernehmen
können. So lernen sie die Arbeit im Vorstand kennen und werden so auf andere Aufgaben
vorbereitet. Wer als Beisitzer in den Vorstand gewählt wird, muss die allgemeinen
Hauptvoraussetzungen erfüllen, wie die Ressortverantwortlichen: Führungs- und
Organisationsgeschick, Teamfähigkeit, Begeisterung, guter Wille und die nötige Zeit.
C wie «Chropfläärete»
mr. Krisen im Verein sollten möglichst früh erkannt und aufgearbeitet werden. Eine
Möglichkeit bietet die «Chropfläärete». Hier können die Mitglieder Wünsche, Anregungen
und Kritik anbringen. Ob dies nun anlässlich einer Sitzung geschieht oder schriftlich: Das Ziel
soll sein, Kritik zu üben. Was ist am Vereinsleben nicht (mehr) in Ordnung? Aber als
Spielregel gilt: Keine Kritik gegen bestimmte Personen, sondern an Ereignissen, Situationen.
Manöverkritik ist auch nach einer Veranstaltung wünschenswert, damit abgeklärt werden
kann, was beim nächsten Mal besser laufen soll.
Offene Aussprachen stellen hohe Anforderungen an die Gesprächsleitung. Es braucht eine
konsequente und unparteiische Führung, damit die Aussprache ihren Zweck erfüllen kann und
nicht in gegenseitige Beschimpfungen ausartet. Bei problematischen Fällen oder wenn die
Krise im Verein schon lange schwelt, ist es gar ratsam, eine aussenstehende Person
beizuziehen. Geschulte Moderatoren sind oft in der Lage, Konflikte in sachlichere Bahnen zu
lenken.
D wie Delegierte
mr. Vereine sind oft in regionalen, kantonalen oder eidgenössischen Verbänden
zusammengeschlossen.
Diese Verbände halten ihre Delegiertenversammlungen ab. Die Delegierten der lokalen
Vereine vertreten dabei nicht primär ihren persönlichen Standpunkt, ihre Meinung, sondern
jene ihres Vereins. Sie sind Vertreter an der Delegiertenversammlung. Dies betrifft auch die
politischen Parteien in der Schweiz, die häufig als Vereine organisiert sind und meist mehrere
Delegiertenversammlungen pro Jahr abhalten.
Nach einem bestimmten Zahlenschlüssel wird die Anzahl Delegierte bestimmt, die der Verein
abordnen kann.
Deshalb ist auch der Begriff «Abgeordnetenversammlung» noch gebräuchlich.
Das Abtreten des Stimm- und Wahlrechts der Vereinsmitglieder an die Delegierten ist vom
Bundesgericht zugelassen, obschon nach Art. 67 ZGB dieses Recht jedem einzelnen
Vereinsmitglied zusteht. Der Delegierte erhält vom Verein ein Mandat und muss das eigene
Urteil dem Willen der Repräsentierten unterordnen.
E wie Events
mr. Auf Events oder Veranstaltungen sind die meisten Vereine angewiesen: Diese Anlässe
sollen Geld in die Kasse spülen und den Verein in einer breiteren Öffentlichkeit bekannt
machen. Wer allerdings sehr grosse Veranstaltungen plant, ist unter Umständen gut beraten,
eine spezialisierte Event-Agentur einzuschalten. Wenns allerdings darum geht, einen Anlass
auf kommunaler oder regionaler Ebene zu organisieren, sind doch ein paar Fragen zu
beantworten: Stösst der geplante Anlass bei der Bevölkerung auf Anerkennung? Hat ein
anderer Verein etwas Ähnliches vor? Allerdings: Wer bewährte Ideen von anderen Vereinen
übernimmt, stellt sich und seinen Verein in ein schiefes Licht.
Gemeinsam eine Veranstaltung vorbereiten und durchführen ist für manche Vereinsmitglieder
zwar mit Aufwand verbunden, ist aber auch ein Erlebnis und es gibt Kitt im Verein. Ob eine
Veloputz-Aktion, eine Tombola oder ein Lottomatch: Die Vereinsmitglieder sollten diesen
Anlass als sinnvolles Engagement empfinden und dahinter stehen können. Und: Zu beachten,
je nach Anlass ist eine allfällige Bewilligung notwendig.
F wie freiwillig
mr. Freiwilliges und unbezahltes Mitwirken ist das A und O des Vereinslebens.
Ohne Freiwilligenarbeit sind Vereine kaum überlebensfähig. Ob als Funktionär oder im
Vereinsvorstand: Freiwillige (nicht nur in den Vereinen) generieren laut Bundesamt für
Statistik pro Jahr einen Marktwert von rund 20 Milliarden Franken. Über 20 Prozent der
Bevölkerung leisten Freiwilligenarbeit. Meist werden dem Vereinsvorstand die Spesen
vergütet (Telefon, Porti und so weiter). Ratsam ist es allerdings, die Spesenregelung klar zu
formulieren, damit keine Unstimmigkeiten entstehen: Wie werden Auslagen für Reisen mit
Bahn oder eigenem Auto zurückerstattet, welche Kosten übernimmt der Verein für
Verpflegung oder Übernachtung bei auswärtigem Einsatz oder Repräsentation? Nicht selten
lassen sich Vereinsvorstände und Funktionäre ihre Sitzungsgelder und Spesenentschädigung
auszahlen, um sie postwendend als Spende dem Verein zukommen zu lassen. Wer sich als
Freiwilliger im Vereinsvorstand engagiert, kann vom Verein durchaus ein Zeugnis verlangen,
in dem die ehrenamtliche Arbeit im Verein festgehalten wird.
Die im Verein erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen bringen auch im Berufsalltag
Vorteile.
G wie Gründung
mr. Oft wird ein Verein gegründet auf Zeit: Als Organisator eines Grossanlasses zum
Beispiel. Weil der Verein mit seinem Vermögen haftbar ist, nicht jedoch jedes einzelne
Mitglied mit seinem Privatvermögen, wird hie und da diese Rechtsform gewählt.
Grundsätzlich können allerdings zwei Personen zusammen einen Verein gründen, doch ist es
ratsam, dieses Gebilde breiter abzustützen (siehe BT vom 11. Februar 2009).
Einer Vereinsgründung gehen oft wochenlange Vorarbeiten voraus: Es muss geklärt werden,
ob das Vorhaben auf Interesse bei der Bevölkerung stösst, und es ist die finanzielle und
personelle Situation zu regeln. Dann geht es auch darum zu klären, ob der Verein im
Handelsregister eingetragen werden soll. Auf der Suche nach Gleichgesinnten bis zur
eigentlichen Gründung des Vereins ist meist ein steiniger aber oft lohnender Weg zu
beschreiten. Nach dem Höhepunkt, der Gründungsversammlung, folgen nicht selten
Durststrecken, die zur Bewährungsprobe werden: Die breite Bevölkerung hat vielleicht nicht
auf dieses Angebot gewartet oder ist nur zögernd bereit, es zu nutzen.
H wie Haftung
mr. Wer haftet, wenn der Vereinspräsident einen Kaufvertrag im Namen des Vereins
unterschreibt? Für Geschäfte und Handlungen des Vorstandes oder einzelner
Vorstandsmitglieder ist der Verein verantwortlich. Er haftet also für Rechtsgeschäfte, die ein
Vorstandsmitglied abschliesst. Selbst dann wird der Verein zur Kasse gebeten, wenn der
Vereinspräsident mit seiner Unterschrift unter einen Kaufvertrag seine Finanzkompetenzen
überschritten hat. Nicht nur mit dem Abschluss von Verträgen, sondern auch durch übrige
Handlungen verpflichten die Vorstandsmitglieder ihren Verein. Der Verein haftet sogar dann,
wenn ein Vorstandsmitglied statuten- oder vertragswidrig handelt oder jemandem
widerrechtlich Schaden zufügt, sofern diese Handlungen durch den Vereinszweck abgedeckt
werden. Nach Schweizerischem Zivilgesetzbuch (ZGB Art. 75a) haftet für die
Verbindlichkeiten des Vereins ausschliesslich das Vereinsvermögen, sofern die Statuten
nichts anderes bestimmen. An der Hauptversammlung des Vereins wird der Vorstand in der
Regel auch entlastet, also es wird Décharge erteilt.
I wie Internet
mr. Viele Vereine im Seeland gehen mit der Zeit: Sie haben eine Internetseite geschaffen.
Diese ist für manche Mitglieder zur Drehscheibe geworden: Hier holen sie sich die
notwendigen Informationen, hier sind Anmeldungen für den nächsten Wettkampf, den
nächsten Kurs möglich. Oft kommt man über die Homepage der Gemeinde, meist unter der
Rubrik «Freizeit/ Vereine» zu den gesuchten Vereinsauftritten im Netz.
Wer einen Internetauftritt plant, muss sich vorerst ein paar Fragen beantworten: Wen wollen
wir erreichen (Mitglieder, Partner, Sponsoren, Medien)? Wozu und für welche Aufgaben soll
der Auftritt sein? Ist er bloss eine Präsentation des Vereins, soll er ein Kommunikationsforum
sein? Welche administrativen Aufgaben können zusätzlich über diese Webseite abgewickelt
werden? Und nicht zuletzt: Wer ist für den Webauftritt zuständig, für die grafische
Gestaltung, für die Aktualisierung? Die Euphorie der ersten Zeit hat (leider) bei vielen
Vereinen der Realität weichen müssen: Die Aktualität hinkt teilweise Monate hinterher. Und
somit ist das Medium weder für den Verein noch für allfällige Sponsoren interessant.
J wie Jahresversammlung
mr. Die Jahresversammlung, häufig auch Haupt-, Generaloder Mitgliederversammlung
genannt, ist das oberste Organ eines Vereins. Hier werden die Weichen gestellt, hier
entscheidet sich, wie es mit dem Verein weitergeht.
Hier wird die Führung, der Vorstand gewählt.
Die Kompetenzen der Jahresversammlung sind vielfältig: Die Organe, also der Vorstand, wird
kontrolliert, Jahresberichte und Jahresrechnung werden akzeptiert. Und bei positivem
Ausgang entlässt die Versammlung den Vorstand aus seiner Verantwortung für das
vergangene Vereinsjahr. Die Versammlung genehmigt Änderungen der Statuten, setzt den
Jahresbeitrag fest und sie wählt (je nach Statuten) den Vorstand. Die Versammlung ist aber
auch befugt, den Vorstand oder andere Organe abzuberufen oder Mitglieder auszuschliessen.
Sie bestimmt in der Regel auch über die Aufnahme von neuen Mitgliedern. Das oberste
Organ, also die Jahresversammlung, bestimmt über eine Fusion mit einem anderen Verein
oder die Auflösung des eigenen. Die ordentliche Hauptversammlung findet normalerweise
einmal im Jahr statt. Häufig ist das Vereinsjahr identisch mit dem Kalenderjahr.
K wie Kassier
mr. Wer im Verein für die Finanzen verantwortlich zeichnet, kann (je nach Tradition)
unterschiedlich benannt werden: Kassier, Quästor, Finanzchef, Säckelmeister, Schatzmeister,
Rechnungsführer, Kassenwart.
Weil das Thema «Geld» meist mit grossen Emotionen verbunden ist, sollte eine sehr
vertrauenswürdige Person in dieses Amt gewählt werden.
Diese ist absolut ehrlich und integer, liebt den Umgang mit Zahlen, verfügt über einen
ausgesprochenen Ordnungssinn und: Sie muss unbedingt privates Geld vom Vereinsgeld
trennen können. Zudem soll der Kassier offen sein für die Anliegen des Vereins und ihn in
finanziellen Fragen fair und offen beraten.
Der Kassier verwaltet das Vereinsvermögen, erledigt den Zahlungsverkehr, fordert
Mitgliederbeiträge und andere Guthaben des Vereins ein, überwacht die Einhaltung des
Budgets und erstellt die Jahresrechnung. Entsprechend intensiv arbeitet der Kassier mit dem
Gesamtvorstand zusammen und informiert diesen über die finanzielle Situation.
L wie Lokal
mr. Im Lokal oder Vereinslokal werden oft die Vereinsfahne und Auszeichnungen präsentiert.
Es ist jener Ort, wo sich die Vereinsmitglieder treffen, ob zum Ausüben der gemeinsamen
Aktivitäten oder beispielsweise nach dem Training auf dem Sportplatz.
Einige Vereine verfügen sogar über ein eigenes Vereinslokal, ein Klubhaus. Weit verbreitet
sind die Klubhäuser der Hornusser: Während diese der Hornusser von Kappelen, Lyss und
Busswil in der Nähe der Autobahn A6 angesiedelt sind, ist jenes der Hornussergesellschaft
Diessbach beispielsweise oberhalb des Dorfes in idyllischer Lage am Waldrand zu finden.
Der Kynologische Verein Lyss und Umgebung trifft sich jeweils im Klublokal mit grossem
Übungsplatz im Grien Lyss zu seinen Aktivitäten. Der Fussballklub Radelfingen hat sein
letzthin abgebranntes Klublokal in der Radelfingerau, direkt an der Aare gelegen, wieder
aufgebaut. Originelle Klubhäuser in Form eines Eisenbahnwagens haben beispielsweise der
N-Bahn Club Stumpengleis 31 Busswil und die Vogelfreunde Arch. Weit verbreitet und als
zusätzliche Einnahmequelle für die Vereine willkommen: Manche vereinseigene Klublokale
werden auch für Anlässe vermietet.
M wie Mitgliederkategorie
mr. Oft kennen die Vereine verschiedene Mitgliederkategorien, die unterschiedliche Rechte,
aber auch unterschiedliche Beiträge zu entrichten haben. Aktivmitglieder bezahlen einen
höheren Beitrag als Passive, Kinder weniger als Junioren. Meist ab etwa 60 Jahren zählen die
Mitglieder zu den Senioren.
Veteranen beteiligen sich noch aktiv am Vereinsleben, bezahlen jedoch einen tieferen
Jahresbeitrag als die Senioren. Passivmitglieder dagegen unterstützen den Verein mit ihrem
finanziellen Beitrag, nehmen aber kaum am aktiven Vereinsleben teil. Wer sich finanziell
stärker engagieren will, als Aktiv- oder Passivmitglied, wird als Gönner bezeichnet. Die
Ehrenmitglieder haben sich jahrelang für den Verein eingesetzt und sind dafür geehrt worden.
Oft wird von ihnen kein Vereinsbeitrag erhoben.
Je nach Statuten erlangt ein Mitglied, das 30 oder mehr Jahre dem Verein angehört, die
Freimitgliedschaft. Dies bedeutet auch die Befreiung von der Beitragspflicht. Weiter sind
Gemeinden und Städte zu nennen, die Mitglied eines Verbundes oder eines
Unterstützungsvereins sind. Oder Firmen sind Mitglied eines Industrie- und
Arbeitgebervereins. Hier richtet sich der Beitrag nach der Zahl der Beschäftigten.
N wie Neueintritt
mr. Wer nicht zu den Gründungsmitgliedern eines Vereins gehört, kann diesem später
beitreten. Am besten, wenn sich die Interessierten erst mal Unterlagen wie Statuten und
Beitrittserklärung zustellen lassen. Oft sind die notwendigen Informationen auch im Internet
abrufbar.
Jedes Gesuch um einen Eintritt in den Verein wird nach dem Wortlaut der Statuten behandelt.
Hier steht auch, welche Arten von Mitgliedschaften vorgesehen sind: Natürliche Personen als
Aktivmitglieder, natürliche und juristische Personen als Passivmitglieder zum Beispiel.
Aus den Statuten geht auch hervor, wer die Aufnahme eines Neumitglieds beschliesst, der
Vorstand oder die Mitgliederversammlung. Der vollzogene Neueintritt wird protokolliert und
der Name des neuen Mitgliedes wird ins Mitgliederverzeichnis aufgenommen. Ja nach
Statuten ist auch eine mündliche Erklärung zum Beitritt möglich. In vielen karitativ tätigen
Vereinen ist man mit einer Spende automatisch Mitglied.
O wie Öffentlichkeitsarbeit
mr. Ob die Mädchenriege im Frühling eine VeloputzAktion durchführt oder der
Naturschutzverein eine Exkursion organisiert: Für die Vereine gehören diese öffentlichen
Auftritte im weitesten Sinn zur Öffentlichkeitsarbeit oder Public Relations (PR).
Oft wird jedoch die Öffentlichkeitsarbeit mit der Medienarbeit gleichgesetzt.
In der Kommunikationsbranche wird als Hauptziel der externen PR der Aufbau einer
Beziehung zwischen dem Unternehmen und der Öffentlichkeit genannt. Die grundsätzliche
Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit sei es, den Kontakt zwischen einem Auftraggeber und einer
definierten Zielgruppe herzustellen, zu festigen oder auszubauen, heisst es weiter in der
Fachliteratur. Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit bei den Vereinen können neben den
eingangs erwähnten Aktionen beispielsweise ein Tag der offenen Türe, der Internetauftritt
oder das Vereinsbulletin sein, wobei stets auch die Zielgruppe zu definieren ist. Diese umfasst
Personen, die dem Verein nahestehen, Sponsoren, Spender, Eigentümer des Übungslokals,
Lieferanten, Gewerbe, Behörden, aber auch Vertreter der kantonalen und nationalen
Verbände.
P wie Präsident
mr. Der Präsident leitet zusammen mit seinen Vorstandsmitgliedern den Verein. Er
übernimmt eine besondere Verantwortung für das Gedeihen des Vereins, identifiziert sich voll
mit dessen Zielen und versucht diese zum Wohle aller Mitglieder zu erreichen. Dazu setzt er
besondere Kenntnisse und Fähigkeiten ein, einen beträchtlichen Teil der Freizeit, Energie und
Arbeitskraft.
Der Präsident repräsentiert den Verein nach aussen, vertritt ihn, führt Verhandlungen und
schliesst im Namen des Vereins Verträge ab. Meist unterzeichnet der Präsident, in dessen
Verhinderungsfall der Vize-Präsident, zusammen mit dem Kassier, Sekretär oder einem
anderen Vorstandsmitglied die verbindlichen Dokumente kollektiv zu zweien. Intern leitet er
die Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen, initiiert Projekte und entwickelt
Visionen. In der Regel wird der Präsident von der Versammlung in sein Amt gewählt,
während die übrigen Mitglieder in den Vorstand gewählt werden und sich danach selber
organisieren, konstituieren.
Q wie Quartierverein
mr. In grösseren Orten schliessen sich die Bewohner von Quartieren in einem Verein, einem
Quartierverein oder Quartierleist zusammen. Diese haben meist das Ziel, das Zusammenleben
im Quartier zu fördern, sich gegenseitig zu unterstützen, aber auch die Interessen der
Geschäftsinhaber zu wahren. Während in Zürich ein paar Dutzend derartige Quartiervereine
aufgelistet sind, gibt es in Biel etwas mehr als ein Dutzend Quartiervereine oder -leiste. Sehr
aktiv ist der 1982 gegründete Quartierverein Möösli, mit einem eigenen Mööslitreff am
Beundenweg 21. Oft sind die Quartiervereine als Quartierleiste bezeichnet, aber als Verein
organisiert, beispielsweise der Nidaugass-Leist (seit 1926) oder der Bözingen-Leist (seit
1937). Weitere Leiste in Biel sind in der Altstadt, in Vingelz, im Rebberg Beaumont, Plänke,
an der Neumarktstrasse-Oberer Quai, beim Stadtpark, im Bahnhofquartier, im Mühlefeld, im
Lindenquartier sowie im Ostquartier. In Nidau sind es beispielsweise die Quartierleiste
Hofmatten/Gotthelf/Gurnigel, Burgerbeunden-Grasgarten, Nidau West. In Lyss ist der
Quartierleist Sonnhalde sehr aktiv, führt regelmässig ein Quartierfest durch und wahrt die
Interessen der Bewohner.
R wie Revisor
mr. Die Buchhaltung eines Vereins sollte von einer Instanz geprüft werden, die nicht dem
Vorstand angehört, einem unabhängigen Revisor oder einer Revisorin. Gesetzlich ist die
Revision im Verein nicht vorgeschrieben, aber sehr empfehlenswert. Vor der
Hauptversammlung wird die Jahresrechnung vom Revisor geprüft. Auf dessen Empfehlung,
dem Revisorenbericht, wird die Rechnung von der Hauptversammlung angenommen und
damit der Vorstand entlastet, Décharge erteilt.
Die Revisoren werden von der Hauptversammlung in ihr Amt gewählt. In der Regel sind zwei
Personen damit beauftragt. Manche Vereine wählen zusätzlich einen Ersatz-Revisor, der nach
zwei Jahren nachrückt.
Die Hauptaufgabe besteht in der Kontrolle von Buchhaltung und Jahresabschluss, die beide
übereinstimmen müssen. Sind diese ordentlich geführt, entsprechen sie den gesetzlichen und
statutarischen Vorschriften? Geprüft werden ferner die Darstellung des Rechnungsergebnisses
und der Vermögenslage, die Vollständigkeit der Einnahmen und Ausgaben. Der Revisor muss
aber auch mögliche Unterschlagungen feststellen.
S wie Statuten
mr. Wer als Gruppierung die Rechtsform Verein erlangen will, braucht Statuten. Sie werden
auch Satzung, Statut, Verfassung oder Reglement genannt. Statuten sind also nichts anderes
als die Verfassung des Vereins. Sie müssen in schriftlicher Form vorliegen und geben
Auskunft über den Zweck des Vereins, seine Mittel und seine Organisation.
Der Verein und seine Statuten können recht frei gestaltet werden. Bestimmungen in der
Bundesverfassung und im Zivilgesetzbuch (ZGB, ab Artikel 60 ff.) regeln das Nötigste.
Gesetzlich zwingend vorgeschrieben ist ein ideeller Vereinszweck. Die Statuten müssen in
schriftlicher Form vorliegen mit Angaben des Vereinszwecks.
Manchmal muss dieses Regelwerk, die Statuten, angepasst werden. Die Revision oder
Statutenänderung fällt in den Kompetenzbereich der Vereinsversammlung. Beispielsweise
wenn man in den Statuten den Mitgliederbeitrag in Franken und Rappen festgelegt hat und
später feststellt, dass dieser Beitrag nicht genügt. Oder die Mindestzahl der
Vorstandsmitglieder zu hoch angesetzt ist. Entsprechend sind diese Teile der Statuten
anzupassen.
T wie Tätigkeitsbericht
mr. Zum Ende des Vereinsjahres legt der Präsident der Hauptversammlung einen Tätigkeitsoder Jahresbericht vor. Hier wird über die hauptsächlichen Aktivitäten des Vereins, die
wichtigsten Ereignisse und die Entwicklung des Mitgliederbestandes Auskunft gegeben. Es ist
aber auch der Moment für einen Ausblick auf das kommende Vereinsjahr. Der
Tätigkeitsbericht wird nicht selten in schriftlicher Form abgegeben, oft sogar mit der
Einladung zur Hauptversammlung verschickt. Rechenschaftsbericht und Jahresrechnung mit
Revisorenbericht sind häufig auch die Basis, dass die Mitglieder an der Hauptversammlung
den Vorstand aus seiner alleinigen Verantwortung entlassen.
An der Hauptversammlung werden auch die Ressortleiter einen Tätigkeitsbericht
präsentieren, der Jugendriegen-Leiter über seine Schützlinge, der Präsident der
Spielkommission (Spiko) über das Abschneiden der verschiedenen Mannschaften des
Fussball-Clubs, der Musikkommissions-Präsident über die Aktivitäten der Gesellschaft. Nicht
selten werden aufgrund der verschiedenen Tätigkeitsberichte auch die Weichen fürs nächste
Jahr gelegt, mit einem attraktiven Tätigkeitsprogramm für jeden Geschmack.
U wie Unkosten
mr. Der Kassier eines Seeländer Vereins definiert «Unkosten» so: «In der Buchhaltung
kennen wir sonstige Betriebskosten, übriger Aufwand, allgemeiner Betriebsaufwand.
Unkosten dagegen ist als unzuteilbarer Betriebswaufwand zu erklären. Also Kosten, die nicht
einem Produkt oder einer Aktivität zuzuordnen sind. Im Verein sind es Kosten, die niemand
gerne hat und wohl nur der Kassier die genaue Herkunft kennt.» Es sind also unerwartete,
nicht budgetierte Kosten oder Auslagen. Die Umgangssprache kennt auch den Begriff
Unkostenbeitrag, der im Grunde einen Beitrag zur Deckung der eigenen Selbstkosten meint.
Und schliesslich meint der Duden, dass Unkosten keine schöne Sache seien. «Das Wort klingt
immer nach Dingen, die man bezahlen muss, aber eigentlich gar nicht bezahlen will.
V wie Vereinsfreiheit
mr. Vereinsfreiheit, in der Bundesverfassung der Eidgenossenschaft als Vereinigungsfreiheit
aufgeführt, ist ein Grundrecht in unserem Rechtsstaat. Artikel 23 der genannten Verfassung
erklärt, dass die Vereinsfreiheit gewährleistet ist. Und weiter: «Jede Person hat das Recht,
Vereinigungen zu bilden, ihnen beizutreten oder anzugehören und sich an den Tätigkeiten von
Vereinen zu beteiligen.» In Absatz drei wird aber auch aufgeführt, dass «niemand gezwungen
werden darf, einer Vereinigung beizutreten oder anzugehören».
Beispielsweise dürfen Lehrlinge Vereinen beitreten, selbst wenn der Lehrmeister dagegen ist
oder sich ein vertragliches Einwilligungsrecht vorbehalten hat. Dies gilt auch für
Gewerkschaften.
Auch Ehegatten können sich gegenseitig nicht an Vereinsbeitritten hindern. Ebenfalls dürfen
Beamte und Schüler Vereinen beitreten. Gesetze oder Verordnungen, die solchen Personen
die Mitgliedschaft in einem Verein verbieten oder diese einschränken, dürfen nicht gegen das
verfassungsmässige Recht auf Vereinsfreiheit verstossen.
W wie Weiterbildung
mr. Lebenslanges Lernen ist beinahe selbstverständlich – sowohl für den Beruf als auch für
die Freiwilligenarbeit. Firmen, Verwaltungen, aber auch Vereine legen heute grossen Wert
darauf, dass Belegschaft und Vereinsvorstand mit den Entwicklungen Schritt halten können.
Immer mehr bieten Vereine und Verbände eine kontinuierliche Weiterbildung an für
Vorstandsmitglieder, Funktionäre aber auch für Nachwuchskräfte in den Vereinen.
Schweizweit besteht ein breites Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten für Vereine und
andere Non-Profit-Organisationen. Häufig organisieren auch die Dachverbände günstige
Kurse für Mitglieder der eigenen Sektionen. So bietet beispielsweise der Bernische KantonalMusikverband sowohl für Instrumentalisten wie für Dirigenten spezifische Kurse an.
Sportverbände offerieren Kurse für Administration oder spezifisch für die entsprechende
Sportart. Aus- und Weiterbildung hat auch hohe Priorität bei Schiedsrichtern, Kampf- und
Wertungsrichtern, damit sie stets auf dem neuesten Stand sind.
X wie x-beliebig
mr. Wer einen Verein gründen will, macht sich zwangsläufig Gedanken über dessen Namen.
Grundsätzlich kann es ein x-beliebiger Name sein, der sich leicht einprägen lässt. Bei der
Namenswahl ist man völlig frei. Der Vereinsname darf jedoch nicht täuschen und muss sich
eindeutig von den Bezeichnungen anderer Organisationen unterscheiden. Sonst könnte der
Verein wegen Namensanmassung (ZGB 29) eingeklagt werden. Der Verein geniesst wie ein
Mensch den Persönlichkeitsschutz (ZGB 28).
Deshalb können auch Vereine wegen Ehrverletzung Klage führen.
Im Namen braucht die Bezeichnung «Verein» nicht vorzukommen – entscheidend ist die
tatsächliche Organisations- oder Rechtsform. Der Verein kann also auch Club, Forum,
Komitee, Verband, Vereinigung, Gesellschaft, Zirkel heissen. Wer den Vereinsnamen später
ändern will, muss die Statuten entsprechend anpassen – und die Folgekosten (Briefpapier,
Couverts, Einzahlungsscheine) bedenken. Ratsam sind zudem auch Vereinsnamen ohne Ä, Ö
oder Ü, wenn man diesen Namen auch in der Website verwenden will.
Y wie Yo-Yo
mr. Das kleine Spielzeug mit der Schnur und den zwei Scheiben, das Yo-Yo (auch Jo-Jo
geschrieben) hat seinen Ursprung im Mittelalter.
Möglicherweise kommt es ursprünglich aus China, aber auch Griechenland und die
Philippinen gelten als mögliche Ursprungsländer. Mitte der 80er Jahre hat das Yo-Yo eine
Wiederbelebung erfahren.
Das Spielzeug besteht aus zwei durch einen Mittelsteg miteinander verbundenen Scheiben.
Am Mittelsteg ist eine Schnur befestigt und aufgewickelt. Dadurch können die Scheiben aufund abwärts bewegt werden.
Durch die Zentrifugalkraft drehen sich die Scheiben und wickeln, je nach Geschicklichkeit
des Spielers, die Schnur immer wieder auf.
Die verbesserte Technik, zum Beispiel mit Fliehkraftkupplungen, bewirkt, dass in letzter Zeit
verschiedene Varianten möglich geworden sind.
Zahlreiche Spielarten sind so entstanden und es werden Wettbewerbe veranstaltet mit
Einzelspielern oder im Teamwettkampf. In der Schweiz sind keine Vereine bekannt.
Dagegen gibt es internationale Wettbewerbe und nationale Verbände in ganz Europa, ja sogar
weltweit. Bekannt ist auch der sogenannte «Jo-JoEffekt» bei Diäten.
Z wie Zweckartikel
mr. Vereine dürfen sich laut Gesetz nur politischen, religiösen, wissenschaftlichen,
künstlerischen, wohltätigen oder anderen nicht-wirtschaftlichen Aufgaben widmen. Was als
wirtschaftlich oder als nicht-wirtschaftliches Ziel anzusehen ist, hängt vom Zweck und den
Mitteln ab, die der Verein dafür einsetzt. Das Ziel des Vereins darf nicht der finanzielle
Gewinn sein, sondern er muss ein Ideal anstreben. Darunter fallen beispielsweise die
Gesangsvereine, der Minigolfclub, die astronomische Gesellschaft, aber auch politische
Parteien oder religiöse Vereinigungen. Die Mittel, die hier eingesetzt werden, um das
Vereinsideal zu erreichen, dürfen hingegen sehr wohl wirtschaftlicher Natur sein. So kann ein
Sportverein durchaus seine Mittel aus einem Flohmarkt generieren oder aus einem Dorffest.
Wirtschaftliche oder nicht-wirtschaftliche Zielsetzungen hängen letztlich davon ab, ob durch
die Vereinstätigkeit die Mitglieder persönlich profitieren oder Drittpersonen. Erlaubt sind
gewinnorientierte Tätigkeiten, wenn damit Drittpersonen unterstützt werden, beispielsweise
Personen mit einer Behinderung. Ein Club, der die finanzielle Situation seiner Mitglieder
durch gemeinsame Börsengeschäfte aufbessern will, kann sich nicht als Verein organisieren,
sondern als Einfache Gesellschaft.
QUELLE: Beobachter Ratgeber: «Unser Verein»
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