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Krämer Buben spielten zauberhaft wie einst Hajosch - Neue Zeitung

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Neue Zeitung
UNGARNDEUTSCHES WOCHENBLATT
52. Jahrgang, Nr. 34
Preis: 120 Ft
Krämer Buben spielten zauberhaft wie einst
Budapest, 22. August 2008
Aus dem Inhalt
„Diese Kultur darf nicht
verloren gehen“
Im Hof des Franz-Erkel-Kulturhauses in Wudigeß haben schon
etliche gelungene Chortreffen stattgefunden. Doch am 9. August war
es ein ganz besonderes Fest. Der
Frauenchor von Wudigeß besteht
nämlich schon stolze 15 Jahre.
Seite 3
„Wenn Freitag, dann Willand“
Mit viel Musik klang die Kulturreihe „Wenn Freitag, dann Willand“
am Nußbaum-Platz in der Branauer
Weinstadt für dieses Jahr aus.
Seite 4
Sie erschienen einst wie ein Komet am Himmel der
ungarndeutschen Musik, glühten zehn Jahre lang mit vollem
Licht und verglühten dann urplötzlich wieder. Die Rede ist von
den Krämer Buben, die ab 1978 mit völlig neuen Klängen das inund ausländische Publikum verzauberten. Die sechs Jungs von
damals trafen sich nach zwanzig Jahren zu einem einmaligen
Konzert am 17. August in Lippwar wieder.
Gegründet wurde die Band von Johann Kádár (Krämer), nachdem er
als Musiker eines österreichischen
Zirkus viele Länder bereist und sich
in die Oberkrainer Musik verliebt
hatte. Nach seiner Rückkehr nach
Ungarn gründete er seine eigene Formation, die sich anfangs Karawanka
Kapelle nannte. Mit fünf anderen
Musikern aus der Umgebung schuf
er nicht nur etwas bisher in Ungarn
nicht Dagewesenes, sondern es entstand auch sofort eine Diskussion
darüber, ob man diese neue Art der
Musik denn brauche.
Doch er, so Johann Krämer im Gespräch mit der Neuen Zeitung, habe
sich damals so sehr in diese Musik
verliebt, daß er sich sicher gewesen
sei, daß sie den Menschen gefallen
werde. Trotz mancher Zugeständnisse
habe sich seine Voraussage bewahrheitet, bald wurden die sechs Männer
zu hauptberuflichen Wochenendmusikern. Es folgten erste Einladungen
aus dem Ausland, insgesamt wurden
es 91, und etwa 500 Mal spielten sie
in Ungarn. Der Name „Karawanka“,
der zu sehr an Slowenien erinnerte,
wurde in „Krämer Buben“ umgewandelt. Der Höhenflug nahm ein jähes
Ende, als Johann Kádár 1988 nach
Deutschland ging. Unter den Liebhabern ungarndeutscher volkstümlicher
Musik hat der Name „Krämer Buben“
einen bis heute unerreicht glanzvollen
Namen.
Ein gemeinsames Konzert scheiterte in den vergangenen Jahren immer wieder daran, daß Johann Kádár
keine Lust dazu hatte. Erst als er voriges Jahr 60 wurde, änderte er seine
Meinung, erfuhr NZ von Gründungsmitglied Josef Szugfil, dessen neue
Karawanka Kapelle das Konzert organisierte. Eine Entscheidung, die
sich voll mit den Wünschen des Publikums deckte.
(Fortsetzung auf Seite 3)
Hajosch nach 118 Jahren wieder Stadt
Hajosch im Komitat BatschKleinkumanien darf sich nach
118 Jahren wieder Stadt
nennen. Péter Kiss, Leiter des
Kanzleramtes, überreichte am
15. August bei der Stadtweihe
Bürgermeister Franz Schön die
Urkunde.
Die Vorteile, die sich aus dem Stadtrang ergeben, werden alle Bewohner
des Ortes genießen können, und die
Stadt kann sich weiterentwickeln.
75% der Einwohner sind ungarndeutscher Abstammung, betont der Bürgermeister.
Die Stadt Hajosch liegt auf halbem
Wege zwischen Baje und Kolotz im
ehemaligen Flutgebiet der Donau.
Hajosch wird schon im Jahre 1433 als
bewohnte Siedlung aufgeführt. Zur
Zeit der Türkenherrschaft wurde sie
dem Erdboden gleichgemacht.
Mit Hilfe von Imre Csáky, dem
Erzbischof von Kolotz, siedelten
sich in den 1720er Jahren in der Gegend schwäbische Siedler aus Baden-Württemberg an. In den 1780er
Jahren verpflichtete der Kolotzer
Erzbischof die Hajoscher Bevölkerung zum Weinanbau und sicherte
ihnen im Gegenzug zehn Jahre
Steuerfreiheit zu. Mit dem Weinanbau entwickelte sich das heute schon
europaweit berühmte Hajoscher
Kellerdorf. In dem ins Lößgestein
gemeißelten Kellerlabyrinth reifen
auch jetzt noch Hajoscher Cabernet,
Blaufränkischer und Zweigelt. Später bekam Hajosch den Marktfleckenrang, der vor 118 Jahren
abgeschafft wurde. Die Partnerschaft zwischen Hajosch und Hirrlingen in Deutschland ist eine der
ältesten in unserem Land.
Besuch im Ungarndeutschen
Heimatmuseum in Backnang
Am 10. August machten sich die
Mitglieder der Donaudeutschen
Landsmannschaft aus Mutterstadt
auf den Weg, um den Tag zusammen in Ludwigsburg und in Backnang zu verbringen.
Seite 4
Ungarischer Beitrag damals
und heute
Im Rahmen des Karintischen Sommers zeigt das Museum Moderner
Kunst in Klagenfurt unter dem Titel: Emanzipation und Konfrontation – Kunst aus Kärnten von 1945
bis heute – die erste umfassende
Großausstellung zeitgenössischer
Werke.
Seite 6
„Edouard“ wirbelte schwächer
als gedacht
Texas. Woran denken Sie, wenn Sie
dieses Wort hören? Dallas und Öl?
Crawford und die Ranch des unbeliebten Präsidenten der USA? Alles
richtig. Da ist aber noch etwas Charakteristisches an der 1000 Kilometer langen Küste im Golf von Mexiko: Hurrikane.
Seite 11
Kaiser Franz Joseph residiert
im Waldviertel
Friedrich Jares, im Jahr 1946 und
elf Tage vor Kaisers Geburtstag am
7. August in Wien geboren, kam
durch ein schlichtes Kaffeehäferl
auf den Kaiser Franz Joseph.
Seite 12
9 770415 304345
08034
2
BERICHTE
Ungarndeutsches Wochenblatt
Chefredakteur:
Johann Schuth
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Dr. László Kodela
Vorstandsvorsitzender/Generaldirektor
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Burján Norbert
Index: 25/646.92/0233
HU ISSN 0415-3049
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in der Redaktion
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Barockgebäude
in Stuhlweißenburg restauriert
Die zweite Phase der Erneuerung des
Hiemer Font Caraffa Baus in Stuhlweißenburg ist abgeschlossen. Im
Gebäude sind Räume für Trauungen,
Veranstaltungen, Empfänge und
Ausstellungen sowie ein Jugendklub
und die Touristeninformation untergebracht.
Es ist sicher nicht alltäglich, daß
ein ursprünglich schon im Mittelalter
angelegter Bau aus der Barockzeit
teilweise erneuert und der Öffentlichkeit samt umliegenden Plätzen zur
Verfügung gestellt wird. In einem
kleinen Raum wurde eine die Göttin
Justitia darstellende Freske entdeckt.
Das Gemach heißt deshalb JustitiaZimmer; hier kann sich die Braut vor
der Trauung vorbereiten.
Mit der Rekonstruktion wurde
schon vor zwei Jahren begonnen, sie
wurde zunächst mit eigenen Mitteln
und mit Unterstützung des ungarischen Staates und der Europäischen
Union finanziert. Später gab es auch
Geld aus dem Fond des sogenannten
norwegischen Finanzierungsmechanismus. Auf der Grundlage eines 2004
unterzeichneten Vertrages zwischen
der Europäischen Union und dem Europäischen Wirtschaftsraum zahlen
die Nicht-EU-Staaten Norwegen,
Liechtenstein und Island Gelder in
einen speziellen Fond ein. Um diese
Mittel können sich nur bestimmte EUStaaten bewerben. Ungarn erhält aus
dem Fond über fünf Jahre hinweg
rund 6 Milliarden Forint.
Umbenennung der Saswarer
Straßen scheitert an den Kosten
In keiner ungarischen Gemeinde sind
immer noch so viele Straßen nach
früheren Kommunisten benannt wie
in Saswar (Branau). Die Bewohner
des Ortes wollen nicht für Umbenennungen aufkommen.
Bürgermeister János Bék zufolge
heißt die Hälfte der dreißig Straßen
von Saswar nach ehemaligen kommunistischen Politikern, etwa nach
Béla Kun, József Révai, Sándor
Fürst, Ferenc Rózsa, Ottó Korvin,
Máté Zalka, Frigyes Karikás, Imre
Mező und Endre Ságvári. Nach der
Wende sei die Umbenennung vergessen worden, und jetzt wäre es ziemlich teuer, sich endgültig von der
Vergangenheit zu verabschieden.
Die Namensänderungen müßten
nämlich von der Hälfte der Einwohner unterstützt werden, die zudem
ihre persönlichen und geschäftlichen
Dokumente erneuern lassen müßten.
Ganz abgesehen von den Kosten der
neuen Straßenschilder, würde alles
zusammen mehrere Millionen Forint
kosten.
Gummimonteur Ádám Plesz aus
der Béla-Kun-Straße spricht daher
sicher Vielen aus dem Herzen. Sein
Unternehmen in dieser Straße sei
sogar in Budapest bekannt.
Wenn die Straße umbenannt
würde, etwa in Maiglöckchenweg,
würde man seine Werkstatt nicht
mehr finden.
Enzyklopädie
des europäischen Ostens
Unter diesem Titel hat die AlpenAdria Universität Klagenfurt ein
deutschsprachiges Nachschlagewerk
zur Geschichte, Kultur und Politik
von 23 osteuropäischen Ländern entwickelt. Enthalten sind Daten über
Albanien, Bosnien und Herzegowina,
Bulgarien, Estland, Griechenland,
Kroatien, Lettland, Litauen, Makedonien, Moldau, Montenegro, Polen,
Rumänien, Rußland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien,
Türkei, Ukraine, Ungarn, Weißrußland und Zypern. Auftraggeber war
das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur Österreichs.
Im Stile des bekannten Projekts „Wikipedia“ steht dem Nutzer hier ein
alphabetisches Lexikon zur Verfügung. Die Stichwortartikel werden
hier aber von, auf ihrem Fachgebiet
anerkannten, Wissenschaftlern und
Wissenschaftlerinnen erstellt. Zur
Sicherheit werden alle Texte vor der
Veröffentlichung von der wissen-
schaftlichen Redaktion der EEO begutachtet und redigiert. Zusätzlich
findet sich auf der Homepage noch
ein umfassendes Sprachenlexikon
mit über 113 Sprachen der jeweiligen
Länder und Regionen. Enthalten sind
hier eingeteilt in 16 Obergruppen
exotische Sprachen wie zum Beispiel
tscheremissisch aber auch Landessprachen wie ungarisch. Weiterhin
bietet die EEO viele Bilder und Landkarten, die sonst schwer zu finden
sind.
Interessierte finden unter dem
Suchbegriff Budapest sehr umfangreiche Informationen zur Lage, Wirtschaft oder Verkehr und zur Kulturgeschichte. Besonders für Studenten,
Schüler oder einfach jeden, der sich
für die Region Osteuropa interessiert
oder spezielle Informationen sucht,
ist die Enzyklopädie des europäischen Ostens sehr wertvoll.
Zu finden ist sie unter
www.uni-klu.ac.at/eeo
NZ 34/2008
Die Olympischen Spiele
Eine Welt,
ein Traum
Nicht jeder Mensch ist ein Sportfan,
und ein Großteil der Bevölkerung
kann spontan wohl nicht einmal die
Namen von drei Leichtathleten nennen. Das ändert sich aber alle vier
Jahre, und zwar pünktlich zu Beginn
der olympischen Spiele. Mehr als die
Hälfte der Weltbevölkerung, also
über drei Milliarden Menschen, sitzt
dann wie gebannt vor dem Fernseher
und drückt den Teilnehmern die Daumen.
Olympische Wettkämpfe sind viel
mehr als nur ein gewöhnliches
Schwimmfest oder Tennisspiel. Jeder
einigermaßen engagierte Sportler
will einmal in seinem Leben dabei
sein und auf dem Siegertreppchen
stehen. Dieses Gefühl überträgt sich
auf die Zuschauer, und deshalb lassen
sich in diesen Tagen auch so viele
Menschen begeistern, die sonst gar
nichts mit Sport am Hut haben.
Ein Ausnahmezustand scheint eingetreten. Zu Hause muß ein neuer
Fernseher her, in den Gaststätten
werden große Leinwände aufgestellt,
und statt über das Wetter und die
Hitze reden nun alle nur noch über
Olympia. Zu Helden werden dabei
nicht nur die Sieger. Außergewöhnliche Sportler und großartige
Leistungen sind in aller Munde.
Jetzt schaut alle Welt auf Peking.
Über 10.000 Sportler geben dort ihr
Bestes, um für die Ewigkeit ein Zeichen zu setzen. 15.000 Journalisten
berichten Tag und Nacht über das
Geschehen, damit die Zuschauer
Freud und Leid der Sportler fast hautnah erleben können. Ruhm, Jubel,
Erfolg und Enttäuschung liegen wohl
nirgends so dicht beieinander wie bei
olympischen Spielen.
Seit 1896 werden die Olympischen
Spiele der Neuzeit ausgetragen, ursprünglich wurde das Sportfest schon
in der Antike ausgerichtet. Nach dem
Willen von Veranstaltern und Olympischen Funktionären hat Politik
nichts im Sport verloren. Dennoch
gab es schon lange vor den Spielen in
Peking Boykottdrohungen, um den
unterdrückten Tibetern zu helfen.
Massenveranstaltungen dieser Art
sind auch ein beliebtes Ziel für Terroristen, weshalb Sicherheitsvorkehrungen von enormer Bedeutung sind.
1972 schaute die Welt entsetzt und
voll Wut und Trauer nach München,
als israelische Sportler als Geiseln
genommen wurden und 11 Athleten
starben.
Christina Arnold
NZ 34/2008
GEMEINSCHAFTEN DER UNGARNDEUTSCHEN
3
Gedenkfeier zur Ansiedlung der Deutschen in Großturwall
Bekanntlich, und dazu stehen reichlich auch Bücher zur Verfügung, sind
die Ungarndeutschen in mehreren
Schüben, den Schwabenzügen, hierher gekommen, die meisten wohl
unter der Herrschaft Maria Theresias.
Dem Spruch nach fanden sie zuerst
den Tod, dann die Not und erst in
dritter Generation das Brot.
Die Ahnen der Großturwaller Ungarndeutschen, der Schwoweleit,
wurden 1703 in der Umgebung von
Ofenpest angesiedelt, in dem schönen
Gebiet, wo man sich außer mit Getreide- auch mit Obst- und Gemüseanbau beschäftigen konnte. Das
war neben dem Handwerk eine weitere Einkommensquelle für Familien,
weil sie die Bewohner der nahe gelegenen Hauptstadt mitversorgten.
Auch darauf verwiesen am 17. August die Organisatoren und Mitgestalter der Gedenkfeier auf dem
Schwabenplatz in Großturwall. Bei
einem zweisprachigen Vortrag wurden sehr anschaulich Vergangenheit
und Gegenwart heraufbeschworen.
Das erste Kind der Ansiedler soll
hier geboren sein, seiner gedachte
man vor fünf Jahren bei der ersten
offiziellen Veranstaltung zur Erinnerung an die Anfänge in der neuen
Heimat. Viele eifrige Großturwaller
prägten mit ihrer Hingabe, Heimatliebe und ihrer auch nach der Vertrei-
In den vergangenen Jahren gedachte man landesweit schweren
Herzens der Vertreibung der Ungarndeutschen. Doch in manchen
Gemeinden widmete man auch ihren Anfängen ein Augenmerk,
nämlich der Ansiedlung unserer Vorfahren, die nach der
Verwüstung durch die Türken vor etwa 300 Jahren aus deutschen
Landen nach Ungarn gerufen wurden, um das Land wieder
aufzubauen.
bung ungebrochenen Bindung zu
ihrer angestammten Heimat das Leben der Kleinstadt. Zu ihnen zählt
Franz Zeiss aus Graben Neudorf, der
dort sogar ein Großturwaller Heimatmuseum einrichten und in seiner
Heimatstadt ein Mahnmal zum Gedenken an die schrecklichen Geschehnisse errichten ließ. Die Liste
der Heimatverbundenen ließe sich
noch lange fortschreiben.
Gedenkfeiern wurden in den dreißiger Jahren schon von Ludwig Leber initiiert. Seine Vorfahren wurden alle hier geboren. Heute ist es
die deutsche Minderheitenselbstverwaltung unter Leitung von Magdalena Megyasszai Mammel, die diese
Veranstaltungen im Einvernehmen
mit den Vereinen auf die Beine stellt.
Sie wird unterstützt von der Kommunalverwaltung mit Bürgermeister
István Turai, dem schwäbischen
Verein, dem traditionsbewahrenden
Chor und den Musikanten. Sie alle
verwiesen auch auf die jüngste Vergangenheit, also die Vertreibung,
und erinnerten damit an all jene geschichtlichen Wendepunkte der Ungarndeutschen, die für uns prägend
waren.
Die ungarische und die ungarndeutsche Hymne erklangen zum Auftakt der Feier auf dem Schwabenplatz, wo das Denkmal für die angesiedelten ungarndeutschen Ahnen,
ein Werk des ungarndeutschen Bildhauers Franz Trischler, eingeweiht
wurde. Der Gedenkplatz wurde von
Zoltán Kovács geplant und gestaltet
und von Diakon József Nagy eingeweiht. Für den musikalischen Rahmen sorgte der Chor von Großturwall
unter Leitung von Sándor Kaszás mit
schönen Weisen, und zum feinen
Schmalzbrot gab es auch guten Wein.
Die musikalische Tradition der Ungarndeutschen führten in Großturwall der Kapellmeister Johann Troll,
der Trompeter Josef Gruber und viele
andere Musikanten fort. Die alten
Sitten und Bräuche möchte auch
Magdalena Megyasszai Mammel
weiter pflegen. Mit ihrer Mutter und
ihrem Team ist sie stets bemüht, Altes zu bewahren und neue Ideen zu
verwirklichen.
Man wollte möglichst allen Ideen
für die Feier und das Denkmal gerecht werden. Wie schon bei der Errichtung des Dreifaltigkeitsdenkmals,
der Kirche und anderer Objekte hat
sich Mathias Bundt einmal mehr
große Verdienste erworben. Hervorzuheben sind auch die Zusammenarbeit der Kommunalverwaltung, der
deutschen Minderheitenselbstverwaltung und der Vereine, wo es reichlich
Einfälle für schöne Projekte gibt.
Und es gibt noch Leute, die der
alten bayrischen oder fränkischen
Sprache noch mächtig sind, wie die
Holzerczs, Bundts oder Mammels,
die noch prächtige Geschichten verzöhlen kennen: Ich bin in Wien gewest un do bin in e Geschäft gaungen,
do hot mich der Verkeife gfrogt, ja
ver wu san so her, woascheinlich von
de Umgebung von Wien. Na – hob
ich gsogt, i bin von Ungarn, ve Törökbalint. No hod er gsogt, tes gibt’s
toch nich, Sie reden doch so wie mir.
To hob ich gsog, „hat dehogyned, mir
san von Ungarn“.
Árpád Hergenröder
„Diese Kultur darf nicht verloren gehen“
„Die Macht der Musik beginnt dort,
wo das Wort zu Ende ist“, zitierte
Franz Kreisz, Leiter der Abteilung
für Chorgesang innerhalb des Landesrates für Ungarndeutsche Chöre,
Kapellen und Tanzgruppen, in seiner
Festansprache den Komponisten Debussy. Der Gastgeberchor stimmte
danach „Wir sitzen so fröhlich beisammen“ an, es folgten weitere zweiund dreistimmig oder zusammen mit
den Männern gar vierstimmig gesungene Volkslieder und auch klassische
Werke. Chorleiterin Theresia NagyStarcz gab auch auf der Zither ihr
Bestes. Das Programm wurde um die
anspruchsvollen Darbietungen der
befreundeten Chöre noch bereichert.
Aus Schorokschar waren gleich zwei
Chöre angereist, außerdem waren die
Sänger aus Werischwar und Edeck
dabei. Der Schambecker und der Jener Chor wurden auch von Theresia
Nagy-Starcz geleitet. Sie alle sind in
Wudigeß keine Unbekannten.
Theresia Nagy-Starcz kam schon
in ihrer Kindheit mit dem Gesang in
Berührung. Ihre Mutter und ihre
Großmutter hatten beide eine gute
Stimme und gaben die schönen Lieder
an ihre Nachkommen weiter. NagyStarcz hatte deutsche Weisen immer
sehr gern. Das änderte sich auch nicht,
als sie als Schneiderin, Schaffnerin
und Krankenschwester arbeitete. Als
Kind sang sie im von Ferenc Sapszon
geleiteten Gewerkschaftschor, sie
lernte auch viel vom Wuderscher
Im Hof des Franz-Erkel-Kulturhauses in Wudigeß haben schon
etliche gelungene Chortreffen stattgefunden. Doch am 9. August
war es ein ganz besonderes Fest. Der Frauenchor von Wudigeß
besteht nämlich schon stolze 15 Jahre, und das wurde zusammen
mit sechs Chören aus anderen Orten und vielen Liebhabern
deutscher Volkslieder und Chormusik würdig und fröhlich
zugleich gefeiert.
Chorleiter Mathias Szakály. Die Mutter von zwei Söhnen, die früher auch
in dem vor 100 Jahren gegründeten
Zitherkreis „Ritter-Frönlein“ mitmachte, und deren Chor sich auch auf
dem Gebiet der Kirchenmusik hervortut, rief zuerst eine Sammlung zur
Ortsgeschichte sowie den Freundeskreis „Verein zur Pflege der Traditionen“ ins Leben. Dann kam sie auf die
Idee, auch einen Frauenchor zu gründen. „Es ist bei mir eine innere Kraft,
die mich immer wieder weiter treibt,
um diese Kultur nicht verloren gehen
Krämer Buben spielten
zauberhaft wie einst
(Fortsetzung von Seite 1)
Nach den Vorgruppen traten in
Lippwar die Krämer Buben vor etwa
600 Besuchern auf. Es war so voll,
daß man im Festzelt keinen Sitzplatz
mehr finden konnte. Durch das Konzert führte Lorenz Kerner, vormals
Chefredakteur der deutschen Sendung in Fünfkirchen und in dieser
Eigenschaft auch Förderer der Krämer Buben. Danach folgte ein Konzert, wie es selten in Ungarn zu erleben ist. Selbst nach 20 Jahren
Pause fiel es nicht schwer zu begrei-
fen, warum man die Krämer Buben
einst weit und breit so gern hatte,
nämlich wegen ihrer einmaligen und
zauberhaften Musik. Das Wiedersehenskonzert klang mit einem gemeinsamen Musizieren der alten
und neuen Karawanka Kapelle aus.
Dazu gab es eine Torte vom Bürgermeister von Lippó und ein Präsent,
das Zoltán Schmidt, Vizevorsitzender des Komitatsverbandes Deutscher Selbstverwaltungen überreichte.
ani
zu lassen, etwas müssen wir doch für
die Zukunft retten“, sagt sie über ihre
vielfältigen Aufgaben.
Maria Herczeg-Kóthy, Vorsitzende
des Deutschen Stadtrats von Wudigeß
und des Unterrichtsausschusses der
Region Nord der Ungarndeutschen
sowie Schul- und Tanzgruppengründerin in der Stadt, unterstützt alle
Initiativen für den Erhalt der ungarndeutschen Kultur. Die Aufgaben seien
klar, betont sie, die deutschen Traditionen müßten wiederbelebt werden,
und zwar auch über Sprache, Tanz
und Gesang. Der Frauenchor, der mit
Männern auch als Gemischtchor auftreten kann, und der Männerchor
könnten als Kulturgruppen oder zusammengehalten vom traditionswahrenden Verein zu Gemeinwohl und
Kulturpflege sowie der Vertiefung
der Partnerschaften mit Lich, Westenholz, Neckarsulm und Ottobeuren in
Deutschland sowie St. Margarethen
a. d. Raab in Österreich beitragen.
Der Kindergarten mit 140 Kindern
und über 20 Mitarbeiterinnen ist
schon in eigener Trägerschaft des
Vereins, ab September gibt es in Wudigeß zweisprachigen Unterricht.
Zum Abschluß wurden alle Mitglieder des Chores ausgezeichnet. Sie
beschlossen das Konzert mit einem
Liederstrauß, und ernteten dafür viel
Beifall. Auch wir gratulieren dem
Frauenchor herzlich zu seinem 15jährigen Bestehen.
Á. H.
4
GEMEINSCHAFTEN DER UNGARNDEUTSCHEN
NZ 34/2008
Besuch im Ungarndeutschen Heimatmuseum in Backnang
Am 10. August machten sich die Mitglieder der Donaudeutschen
Landsmannschaft aus Mutterstadt bei strahlendem Sonnenschein
auf den Weg, um den Tag zusammen in Ludwigsburg und in
Backnang zu verbringen. Nach einer Stunde Busfahrt gab es eine
längere Pause, um das traditionelle gemeinsame Frühstück
einzunehmen, das aus leckerer Paprikawurst, Brot und
Sauergurken besteht. Anschließend gab es donauschwäbische
Buttermilch (Schnaps).
Erste Station des Tages war das Residenzschloß in Ludwigsburg. Von
dem herrlichen, erst vor kurzem renovierten Bau waren die Teilnehmer
sehr beeindruckt. Bei einer Führung
erfuhren sie, daß der Bauherr, Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg (1676-1733), das Schloß zwischen 1704 und 1733 erbauen ließ.
Nachdem der Herzog im Alter von
sechzehn Jahren für volljährig erklärt
worden war, sollte er sich eigentlich
um die Staatsgeschäfte kümmern.
Stattdessen ging er oft auf die Jagd.
Nach seiner Heirat entschied er sich
für eine militärische Laufbahn. Als
Feldmarschall der schwäbischen
Truppen kam er 1700 nach Versailles
und ließ sich dort zum Bau eines
prächtigen Residenzschlosses inspirieren.
Das Vorhaben konnte auch nach
einer Steuererhöhung nicht vollständig finanziert werden. Deshalb
wohnten die Arbeiter 15 Jahre lang
in der Nähe des künftigen Schlosses,
ohne Steuern entrichten zu müssen;
auf diese Weise entstand Ludwigsburg. Ausgerechnet in dem Jahr, als
die Bauarbeiten endlich abgeschlossen waren, verstarb Eberhard Ludwig. Seine Nachfolger nutzten das
Schloß dafür umso ausgiebiger.
Im nördlichen Teil des Gebäudes
befinden sich die ehemaligen Königsgemächer. Die mit Gold verzierten
Decken, Empfangs-, Schlaf- und Toilettenzimmer der Schloßbewohner
und die Geheimtreppe, die das
Schlafzimmer des Schloßgründers
Eberhard Ludwig mit dem seiner berühmten Mätresse Wilhelmine von
Grävenitz verband, sind bis heute erhalten.
Friedrich I. Wilhelm Karl von
Württemberg war der erste württembergische König, er ließ das Schloßinnere im klassizistischen und Empire-Stil umgestalten. An den Wänden sind Gemälde des ersten Königs,
Friedrich I., und seiner zweiten Frau,
Prinzessin Charlotte Auguste Mathilde von Großbritannien, der Tochter des englischen Königs Georg III.,
zu sehen. Außer dem Residenzschloß
selbst mit dem Theater, der Schloßkapelle und den zahlreichen Museen
lohnt auch ein Spaziergang in den
Der originale Fluchtwagen im Ungarndeutschen Heimatmuseum in Backnang
gesamten Schloßanlagen mit dem
Jagd- und Lustschlößchen Favorit,
dem Seeschloß Monrepos, dem Märchengarten und dem „Blühendes Barock“ genannten Park.
Anschließend besuchte die Gruppe
das Ungarndeutsche Heimatmuseum
in Backnang. Dort wurden die Mutterstädter von dem aus Almasch/
Bácsalmás stammenden Josef Seibert
und seinem Team erwartet. Sie sahen
Wirtschaftsgüter aus der Schwäbischen Türkei, Trachten, Einrichtungsgegenstände und sogar einen
Original-Fluchtwagen. Sie bewun-
„Wenn Freitag, dann Willand“
Mit viel Musik klang die Kulturreihe
„Wenn Freitag, dann Willand“ am
Nußbaum-Platz in der Branauer
Weinstadt am 15. August für dieses
Jahr aus. Der Willander Frauenchor
(Foto) stellte seine neuen Mitglieder
vor und erfreute das Publikum mit
traditionellen Liedern. Die Mitglieder
einer Fünfkirchner Tanzschule beeindruckten mit flotten und gekonnten Schrittfolgen. Bei den Ever-
greens der legendären Judit Szűcs
sangen und tanzten alle mit, und am
Abend sorgte die Kapelle Joy für gute
Laune bei allen Besuchern.
Bei solch ausgelassener Stimmung
verschwendete niemand mehr einen
Gedanken darauf, daß die 15. Auflage
des erfolgreichen Kulturprogramms
im Vorfeld unter keinem guten Stern
stand. Organisator Attila Czinczár
bittet nämlich schon seit Jahren ver-
geblich um finanzielle Unterstützung
bei der Selbstverwaltung, und „Wenn
Freitag, dann Willand“ wäre fast an
fehlenden Geldern gescheitert.
Dann aber griffen die Winzer ein,
für die der frühere Bürgermeister
Georg Mauer „Wenn Freitag, dann
Willand“ ins Leben gerufen hatte.
Die Weinanbauer finanzierten alle
Veranstaltungen aus eigener Tasche,
und um die Organisation der Freitage
und des Rotweinfestes kümmerte
sich ein allein zu diesem Zweck gegründetes Unternehmen. Genau das
wurde von vielen Willandern bemängelt, weil die Veranstaltungen nun
nicht mehr so niveauvoll und vielseitig wie früher seien. Trotz aller Kritik
wurden in diesem Sommer aber nicht
weniger als acht Kultur-Freitagabende organisiert. Und am Ende
feierten die Willander auch nicht weniger ausgelassen als sonst.
Alles in allem war es also ein erfolgreicher und würdiger Abschluß
für das Sommerprogramm. Und
selbst wenn nun bald wieder die etwas kälteren Monate anbrechen,
bleibt uns doch warm ums Herz, weil
es wohl auch 2009 wieder lustige
Freitage auf dem Willander Nußbaumplatz gibt.
M. H.
derten eine komplette Küche, ein
Schlafzimmer und eine „schöne
Stub“ und erfuhren viel über den
pannonischen Baustil, für den lange
offene Gänge typisch sind. Hochinteressant waren auch Einblicke in
verschiedene Werkstätten, darunter
die eines Bürstenbinders. Katharina
Eicher-Müller, Organisatorin des Tagesausfluges, bedankte sich bei den
Landsleuten für die freundliche Aufnahme und Gastfreundschaft. Der
Ausflug klang im Haus Pannonia in
Speyer aus.
K. E.-M.
Errichtung
eines
Kulturhauses
in Tamási
Seit 1996 pflegen die Städte Tamási
und Stollberg im Erzgebirge eine sehr
freundschaftliche Städtepartnerschaft. Stollberg möchte ihre Partnerstadt nun darin unterstützen, ein
Kulturhaus zu bauen. Darin sollen
ein Museum, eine Galerie und Appartements untergebracht werden.
Mit diesem Kulturhaus sollen die
Kontakte und Freundschaften zwischen den Gemeinden, Vereinen und
vor allem den Bürgern noch weiter
vertieft werden und neue geschaffen
werden. Besucher wie zum Beispiel
Schulklassen, auch aus Deutschland
könnten so Gesellschaft, Wirtschaft
und Kultur des Landes und der Stadt
Tamási besser kennenlernen. Da die
Zusammenführung von Menschen
das wichtigste Instrument der langfristigen Völkerverständigung ist,
will Stollberg den Bau mit 35.000
Euro unterstützen. Um die Gesamtkosten von ca. 100.000 Euro zu bewältigen, wird jedoch noch die Hilfe
von Sponsoren benötigt.
NZ 34/2008
B
ölls Vater ist Schreinermeister
und Bildhauer. Im Haus der
Familie finden manchmal
Treffen katholischer Jugendgruppen
statt. Böll beginnt 1936 zu schreiben.
Nach dem Abitur beginnt der Junge
eine Buchhändlerlehre, dann studiert
er an der Universität Köln, wird aber
1939 zur deutschen Wehrmacht einberufen. Im Zweiten Weltkrieg wird
er viermal verwundet. Nach seiner
Rückkehr aus der amerikanischen
Kriegsgefangenschaft studiert Böll
wieder an der Kölner Universität,
daneben arbeitet er in der Tischlerei
seines Bruders, später beim Statistischen Amt. 1951 macht Böll die
Schriftstellerei zu seinem Broterwerb. Später wird er Mitherausgeber
der Zeitschrift „Labyrinth“.
In seinen literarischen Werken befaßt sich Böll mit den Problemen der
Bundesrepublik. In Erzählungen verurteilt er Krieg und sinnlose Zerstörung („Wanderer, kommst du nach
Spa…“, 1950). Kriegs- und Heimkehrmotive sowie die innere Verwirrung der Menschen seiner Zeit sind
wichtiger Gegenstand seines Schaffens. Für seine Erzählung „Die
schwarzen Schafe“ aus dem Jahre
1951 erhält Böll den Preis der Gruppe
47. Nach Erscheinen seines Romans
„Und sagte kein einziges Wort“ im
Jahre 1953 – darin spiegelt er das
Elend einer Familie in einer zerbombten Stadt wider – wird er Mitglied der
deutschen Akademie. Ihm werden
verschiedene hohe Auszeichnungen
zuteil, darunter 1972 der Nobelpreis
für Literatur.
In „Ansichten eines Clowns“
(1963) übt Böll heftig und scharf Kritik an der Gesellschaft. Dieser und
zwei weitere zeitkritische Romane
– „Billiard um halbzehn“ (1959) und
„Gruppenbild mit Dame“ (1971) –
tragen dazu bei, daß Böll zum meistbeachteten deutschen Autor wird.
Aufsätze und Essays ergänzen
Bölls poetisches Werk. Seine Romane und Erzählungen werden in
viele Sprachen übersetzt und teilweise auch verfilmt.
Heinrich Böll stirbt am 16. Juli
1985 nach einer Operation in seinem
Haus in Langenbroich, und wird in
der Nähe von Köln beigesetzt.
*
GESCHICHTEN
Zeitlos und lesenswert
Heinrich Böll:
„Billiard um halbzehn“
„Schreiben wollte ich immer, versuchte es schon früh, fand aber
die Worte erst später.“ Das schreibt Heinrich Böll (Foto), einer der
berühmtesten deutschen Nachkriegsautoren, in seiner Biographie
„Über mich selbst“ aus dem Jahre 1959. Er wurde am 21.
Dezember 1917 in Köln in ärmliche Verhältnisse hineingeboren.
Heinrich Böll beschreibt realistisch
menschliche Schicksale, das Leben
der bürgerlichen Nachkriegsgeneration und die Folgen des Zweiten Weltkrieges, den er persönlich erlebte.
Seine Romane spielen in der Gegenwart; deshalb sind seine Geschichten
in einem ziemlich knappen zeitlichen
Rahmen angesiedelt. Charakteristisch
für seine Romane sind eine novellistisch anmutende Erzählweise, zeitliche Parallelen und die Wiederholung
bestimmter Motive und Situationen.
Meist spielen die Romane in Köln
oder dem Rheinland. In seinen Erzählungen besticht Böll durch die kompromißlose Absage an den Krieg und
christlich-humanistisches Ethos.
*
Der Roman „Billiard um halbzehn“
(1959) ist Bölls bekanntestes Werk.
Er wurde dazu durch traumatische
Erlebnisse veranlaßt. Es handelt sich
DBU auf dem Schloßberg
Es war kalt aber lustig am 17. August
auf dem Nadascher Schloßberg, als
die Seksarder Deutsche Bühne Ungarn ihre Komödie „Diener zweier
Herren“ von Carlo Goldoni vorführte.
Das kleine aber feine Publikum ge-
5
noß die herrliche Naturkulisse und
die lustige Geschichte mit der Burgruine als Schauplatz. Die Schauspieler wurden mit großem Beifall belohnt.
Chr. A.
um ein repräsentatives Panorama der Zeitgeschichte,
zugleich versucht sich
Böll an einer Bewältigung
der Vergangenheit.
Böll befaßt sich mit der
NS-Zeit und ihren Folgen,
konzentriert sich aber zunehmend auf gesellschaftliche, politische und religiöse Fragen der Gegenwart. Der Roman spielt in
Köln, auch wenn die Stadt
namentlich nicht genannt
wird. Dr. Robert Fähmel,
ein anerkannter Baustatiker, will mit dem täglichen
Billiardspiel der „Gegenwärtigkeit der Zeit“ entfliehen.
Innerhalb eines Tages
des Jahres 1958 werden 50 Jahre aus
der Geschichte einer Architektenfamilie enthüllt. Robert ließ in den
letzten Kriegstagen die von seinem
Vater erbaute Sankt Anton-Abtei
sprengen, weil sich die Mönche zur
NS-Herrschaft, zum „Sakrament des
Büffels“, bekannten. Das Vergangene
ist immer noch deutlich spürbar. Von
den Menschen, die Widerstand leisteten und am „Sakrament des
Lammes“ festhielten, sind nur noch
wenige am Leben. Ehemalige Nazis
hingegen machten und machen Karriere, so steigt ein Polizeichef zu
einem bedeutenden Mann in den
Reihen der Konservativen auf. Roberts Mutter schießt aus Verzweiflung auf einen der Wiederaufsteiger.
Am 6. September 1958 feiert Heinrich Fähmel, ein renommierter angesehener Architekt, seinen achtzigsten
Geburtstag. Wir erleben die Vorbereitungen zur Feier und können über
die Erinnerungen der Figuren die
Geschichte einer bürgerlichen Familie verfolgen.
Die beiden Hauptfiguren sind der
alte Fähmel und sein Sohn Robert.
Der alte Fähmel erzählt der Sekretärin seines Sohnes Leonore aus seiner
Jugend. Robert wiederum berichtet
dem Hoteldiener Hugo beim täglichen Billiardspiel von seinen Erinnerungen an Vorkriegs- und Kriegszeit. Als symbolisches Gebäude dient
die Sankt Anton-Abtei, an deren
Wiederaufbau Enkel Joseph beteiligt
ist.
An diesem Tag tauchen Nettlinger,
ein ehemaliger Nationalsozialist, und
Roberts Schwager Schrella auf.
Heinrich Fähmel ist Architekt und
hat sein Leben genau geplant. Er begründet seine Karriere mit dem Bau
der Abtei, er heiratet eine Frau aus
einem Patrizierhaus, er hat Kinder.
Er ist ein freundlicher, höflicher und
angesehener Mann, über den Leonore sagt, er sei „ein Mensch“. Robert, der Statiker, ist Geschäftsmann,
ein korrekter, eleganter und strenger
Chef, ein nüchterner Mensch. Beide
haben ihre Gewohnheiten. Der alte
Fähmel frühstückt jeden Tag Käse
mit Paprika im Café Kroner, das tut
er, seit er im Alter von 29 Jahren in
Köln ankam. Der junge Fähmel wiederum spielt täglich Billiard im Hotel Prinz Heinrich. Der Achtzigjährige wußte immer genau, was er
machen und wie er leben will. Er
steigt bis zum Zweiten Weltkrieg
immer höher auf, wird verehrt und
ist in der Stadt beliebt. Sein Name ist
mit der von ihm geplanten Abtei verbunden. Der Sohn ist gleichfalls begabt, doch wurde ihm durch den
Krieg das Leben vergällt. 22 Jahre
lang hat er auf die Rückkehr seines
Schwagers und Freundes Schrella
aus der Emigration gewartet. Er will
seinen Schulkameraden Nettlinger
nicht empfangen, weil er zu den
„Büffeln“, den Opportunisten, gehört. Die Familie Fähmel wiederum
gehört zu den „Lämmern“, den anständigen Menschen. Dieser Konflikt zwischen den „Parteien“ zieht
sich durch den ganzen Roman.
Agata Gisela Muth
Drillingsgeschichten:
Wieso, weshalb, warum?
Die Aufgaben einer Drillingsmutter ändern sich fast von Tag zu Tag. Während
man am Anfang eher physisch angestrengt war, werden spätestens seit der
Fragephase auch das Gehirn und vor allem die Phantasie schwer gefordert.
Ich habe versucht zusammenzurechnen, wie oft an einem Tag die Fragen
„wieso“ ertönt, bei 100 habe ich aufgehört zu zählen, und es war erst Nachmittag! Dann muß man immer eine Antwort parat haben, egal, wie unerwartet und ungewöhnlich die Frage ist. Wieso hat sich der Onkel den Fuß gebrochen? Weil er hingefallen ist. Wieso? Weil er ein Loch nicht gesehen hat.
Wieso? Weil er unaufmerksam war. Wieso? Und das ginge endlos weiter,
wenn nicht zufällig was Interessanteres auftauchen würde.
Oft haben wir Erwachsenen auch selbst Fragen, die niemand beantworten
kann. Wieso müssen Menschen sterben? Wieso werden Kinder krank? Wieso
hungern Millionen von Menschen? Wieso gibt es Krieg? Es wäre gut, wenn
wir jemanden hätten, der das erklären könnte.
Christina Arnold
6
AUSSTELLUNG/BUCHBESPRECHUNG
NZ 34/2008
Zeitgenössische Kunst aus Kärnten
Ungarischer Beitrag damals und heute
Der dreibändige Katalog erwähnt mit
voller Anerkennung die wichtige Vermittlerrolle der ungarischen Emigranten – namentlich Sándor Bortnyik, Lajos Kassák und Béla Uitz –
zwischen der russischen Avantgarde
und der österreichischen Moderne in
den zwanziger Jahren des vorigen
Jahrhunderts. Dieser bedeutende Beitrag ungarischer Künstler oder Architekten zur österreichischen Entwicklung ist auf der Ausstellung bis heute
weiter zu verfolgen. Der Kunstraum
Skulpturenstraße durchs Krastal
Lakeside z. B. ist ein relativ junger
Bestandteil der Kärntner Kulturlandschaft und stellt ein ziemlich außergewöhnliches Projekt dar. Im Eingangsbereich des Technologieparks ist Andreas Fogarasis vierteilige Fotoarbeit
„Public Brans – Bordeaux (2004)“ zu
sehen. Der Großpreisträger des ungarischen Pavillons der letzten Biennale
in Venedig zeigt am Beispiel der französischen Metropole die Veränderung
der Stadtsymbole. In dem Maße, wie
sich das Selbstverständnis der Stadt
oder ihrer Teile zunehmend unternehmerisch definiert, ändern sich auch
ihre visuellen Zeichen. Logos, Claims
oder Corporate Design ersetzen immer öfter solche traditionellen Insignien staatlicher Macht wie Wappen
Im Rahmen des Karintischen Sommers zeigt das Museum
Moderner Kunst in Klagenfurt – gemeinsam mit anderen neun
Kärntner Kunstinstitutionen – unter dem Titel: Emanzipation
und Konfrontation – Kunst aus Kärnten von 1945 bis heute – die
erste umfassende Großausstellung zeitgenössischer Werke. Der
repräsentative Querschnitt – der bis 2. November zu besichtigen
ist – präsentiert die Kunstentwicklung in den Bereichen Malerei,
Grafik und Skulptur oder Architektur, Fotografie, Installation
und Video. Kunst im öffentlichen Raum und ortsbezogene
Arbeiten stellen einen weiteren Schwerpunkt rund um den
Wörthersee oder zerstreut im ganzen Land dar.
oder Flagge. So erkennt man an der
Einfahrt zum Lakeside-Park ein weiteres Beispiel für die Transformation
von Zeichen und Repräsentation. Hier
findet sich eine Ansammlung von
Flaggen der am Areal situierten Unternehmen. Früher vornehmlich
staatstragenden Institutionen vorbehaltene Insignien (Banner) werden
nun im Sinne der Corporate Identity
von Firmen benutzt.
Die traditionellen Materialien der
Bildhauerei – wie Holz und Stein –
haben nach wie vor einen großen
Stellenwert in der Kärntner Skulptur.
Nicht zuletzt durch die Möglichkeiten
des Steinbruchs Krastal (bei Villach)
als Bezugsquelle und Arbeitsort für
viele – auch ausländische – Künstler.
Hier arbeitet in jedem Sommer eine
jüngere Generation an Bildhauern
wieder verstärkt in Stein und formuliert damit zentrale Aspekte skulpturaler Problemlösungen der Gegenwart. Künstler wie Thomas Győri
haben das Thema Figur auf unkonventionelle Weise weiterentwickelt.
Barna von Sartory hatte in Budapest
mit Architektur begonnen, ging 1956
nach Wien, studierte dort Bildhauerei
an der Akademie der angewandten
Kunst und nach Beteiligungen am St.
Margarether Symposion wurde auch
er in die Szene der renommierten
Galerie Hildebrand aus Klagenfurt
einbezogen. Das Wiener Architektur-
Michael Kos und seine mit Stahldraht
„genähte“ Marmorskulptur
Schloßhotel Velden am Wörthersee
Holzschnitzschule in Bad Warmbrunn
Kunst hat viele Gesichter. Man
kann Worte, Töne, Farben,
Steine und auch das Holz
formen. Das Ergebnis: aus
einer Masse des Materials
entsteht etwas vom Künstler
Gewolltes. Manche Künstler
möchten dem inneren Drang
gehorchend ihre Erkenntnisse
bezüglich des künstlerischen
Schöpfens weitertradieren und
gründen ihre eigenen
Werkstätten und Schulen.
In diesem Sinne entstand die Meisterschule für Holzbildhauer in Bad
Warmbrunn, mit der der Name von
Ernst Rülke eng verbunden ist. Vorliegender Band* stellt die Werke von
Rülke sowie die Tätigkeit in der Schule
vor, dabei werden zahlreiche Werke
des Künstlerkreises präsentiert. Der
im Jahre 1896 in Leipzig geborene
Ernst Rülke begann seine Unterrichtstätigkeit 1922 in Bad Warmbrunn und
übernahm die Leitung der Schule kurz
vor Kriegsende im Jahre 1944. Allerdings mußte auch er nach dem Krieg
Schlesien verlassen und die Schule
wurde von Polen übernommen. Die
Deutsche Meisterschule für Holzbildhauer hat heute demzufolge ihren Sitz
in Stuttgart, wo die Schüler ihre Studien in gebundenem und freiem Zeichnen, in Aktzeichnen, in Schriftgestaltung, Wappenkunde, bzw. in Kunstgeschichte absolvieren können. Eine
besondere Art der Präsentierung der
Arbeit des Bildhauerkreises Ernst
Rülke stellen die regelmäßig veranstalteten Bildhauersymposien dar. Das
erste Symposium wurde 1970 organisiert, und im Rahmen dessen erfolgte
nun eine Zusammenarbeit der Künstler, wobei auch die neuen Arbeitstechniken ausgetauscht, bzw. Kritik an den
entstandenen Werken ausgeübt wurde.
Die Aufträge für die Mitglieder des
Künstlerkreises kommen von Kirchen,
Schulen sowie von Privatleuten, die
wohl auch die Thematik ihrer Werke
prägen. Elsbeth Siebenbürger, die nach
Rülkes Tod (1964) die Leitung des
Bildhauerkreises Ernst Rülke übernahm, würdigt im Band Ernst Rülke
nicht nur als Künstler (zu erwähnen ist
neben zahlreichen Arbeiten „Die Totenmaske Gerhart Hauptmanns“, die
Rülke 1946 fertigte), sondern auch als
Pädagogen, für den die Lehrtätigkeit
im Mittelpunkt stand, und der seinen
Schülern Zeichnungen mit Erklärungen zur Erleichterung ihrer Studien
zur Verfügung stellte. Er erarbeitete
auch die „Anatomie für Bildhauer“ als
Hilfswerk zum Kennenlernen des
menschlichen Körpers.
Karl B. Szabó
*Elsbeth Siebenbürger: Ernst
Rülke und sein Bildhauerkreis.
Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn, Würzburg, 2000, S. 88
büro Jabornegg & Pálffy hat im vorigen Jahr nach einem internationalen
Wettbewerb die Möglichkeit gewonnen, direkt am Wörthersee, an der
eleganten Promenade des mondänen
Badeortes Velden, das viertürmige
Renaissancegebäude des Schloßhotels zu ergänzen. Die u-förmigen,
hypermodernen Zubauten (einerseits
als bequemer Beach Club, andererseits als Nebenflügel) können – statt
volkstümelnde Klischees – als zeitgemäßes Initialprojekt für eine wieder aufblühende Seenarchitektur auf
dem Stand der Zeit sein.
István Wagner
Suchwanderung
Wie entsteht „die zeichen-tragende
Materie des Bildes“? Oder wie baut
sich „Bild-Substanz“ aus Farben, Linien und Strukturen auf? Das sind
nur einige der Fragen des Malers und
Grafikers Otto F. Häusler an sich
selbst und die Kunst. Einblicke in
Stationen seiner „Suchwanderung“
erhalten wir in einem gleichnamigen
Katalog, in dem die vier Jahrzehnte
seines Schaffens dokumentiert sind.
Häuslers Weg führte von Prag
nach Heilbronn. Als Mitglied des
Künstlerbunds Heilbronn, der Künstlergilde Esslingen und des Kunstvereins Heilbronn entfaltete er eine
künstlerische Tätigkeit, durch die er
sich auch internationale Anerkennung verschaffte.
Im vorliegenden Band* finden sich
in Stilleben, Porträts, Figuren-Bildern sowie der Rhythmik untergeordneten Kompositionen Denkanstöße zu wichtigen Problemstellungen
der Malerei. Häuslers Weg gleicht
stets einer Wanderung, der Wanderung eines Künstlers auf der ständigen Suche nach einem eigenen Stil
nämlich.
Häusler experimentiert, er sucht
die Balance zwischen Abstraktion
und Konkretisierung, zwischen Konkretisiertem und Geometrischem.
Anfang der 1990er Jahre findet er
nach zahlreichen Ausstellungen im
In- und Ausland zu neuem Ausdruck
in der Form. Seine letzte Schaffensperiode ist von Rhythmik und Ineinanderfließen von Figuren und Bildgrund geprägt.
Freude am Spiel, am Schaffen, am
Experimentieren schlagen sich in eigenartigen Farben und Spontaneität
nieder. Über die Zeichen in den Bildern erschließen sich nochmals
Häuslers Worte über ein erfülltes
Künstlerleben: „Der Traum hat sich
erfüllt, den ungestüm und immer ich
erhoffte! Bin voll des Glücks! Bin
voll der Gnade!“.
Karl B. Szabó
*Otto F. Häusler. Malerei, Grafik, Collage. Heilbronn, 2005, 131
Seiten
NZ 34/2008
AUSBLICK
11
„Edouard“ wirbelte schwächer als gedacht
Montag, der 4. August, morgens um
8 Uhr. Die Nachrichten berichten,
daß „Edouard“, der gestern noch ein
„tropical storm“ war, in die Kategorie
eines Hurrikans mit Stufe 1 aufgestiegen sei. Der Unterschied zwischen
einem tropischen Sturm und einem
Hurrikan liege an der Stärke des
Windes und am steigenden Wasserpegel: Laut der Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala wird aus einem Sturm
ein Hurrikan, wenn der Wind mit
einer Geschwindigkeit von 119 Km/h
pfeift und die Wassermassen um
knapp zwei Meter steigen. Und das
an einem Ort, der umgeben ist von
Lagunen, Flüssen und Kanälen; wo
Alligatoren und Schlangen leben.
Steigt das Wasser, schwimmen und
kriechen die Reptilien in die Gärten.
Theoretisch sind wir vorbereitet,
denn wir wohnen seit zweieinhalb
Jahren hier. Und zu Beginn der Hurrikan-Saison, 1. Juni, wird immer
wiederholt, was man machen müsse,
wenn… Bis jetzt gab es jedoch kein
„Wenn“.
9 Uhr. Meine Mutter anrufen:
Keine Panik, es zieht ein Hurrikan
auf. „Um Gottes Willen, paßt auf“,
mahnt die besorgte Stimme von der
anderen Seite des Atlantiks.
Im Garten mache ich alles Fliegbare fest: das Fußballtor verankern,
Pflanzen in Töpfen und Stühle in die
Garage tragen. Die Sonne brennt bei
29 Grad, die Luftfeuchtigkeit liegt
bei 65 Prozent – wie im Gewächshaus.
10 Uhr. Schlaftrunken erkundigen
sich die Kinder, warum ich Bilder
abhänge und Fotoalben in wasserdichte Kisten packe. „Yeah, ein echter
Hurrikan“, entfährt es meinem Elfjährigen, als er den Grund meines
Handelns hört; meine Neunjährige
zeigt sich weniger begeistert.
11.30 Uhr. Mein Mann ruft an: Die
Universität in Galveston schließe,
morgen auch kein Arbeitstag. In der
Abteilung der Biochemie sei alles
chaotisch, Forscher klauten einander
das Trockeneis, das sie benötigen, um
ihre Experimente beim Stromausfall
kaltzustellen. Nachschub käme erst
Evakuierungsschilder
Texas. Woran denken Sie, wenn Sie dieses Wort hören? Dallas
und Öl? Crawford und die Ranch des unbeliebten Präsidenten der
USA? Alles richtig. Da ist aber noch etwas Charakteristisches an
der 1000 Kilometer langen Küste im Golf von Mexiko: Hurrikane.
Der jüngste machte mit dem Namen „Edouard“ Schlagzeilen. Wie
sieht so ein Sturm aus? Wie bereitet sich die Bevölkerung vor?
Lesen Sie die Beobachtungen und Erlebnisse einer Augenzeugin
aus League City, gelegen zwischen Houston und der Insel
Galveston.
Alligatoren
am Mittwoch; sorry, meint die Sekretärin! Merkwürdig im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
12 Uhr. Erneut Nachrichten:
„Edouard“ schleiche mit acht Meilen
pro Stunde heran. Wir sehen auf dem
Schirm ein rotes Ding, das sich dreht
– ähnlich wie die Arme einer Galaxie. Der Wettermann warnt auch vor
Tornados und fügt an, daß man sich
auf das Schlimmste gefaßt machen
solle.
Es werden Menschen gezeigt, die
in den Supermärkten die Regale mit
den Wasserflaschen, Taschenlampen
und Konservendosen leerräumen.
Man möge auch Bargeld abheben –
Amerikaner bezahlen selbst einen
Knoblauch mit der Kredit- oder
Bankkarte –, denn bei Stromausfall
funktionieren die Automaten nicht.
14 Uhr. Die Kinder witzeln über
den herannahenden Wirbelsturm.
Mein Junior kommt auf die Newtonsche Idee, in leeren Wasserflaschen Hurrikanluft einzufangen und
in Europa zu verkaufen.
15 Uhr. Mein Mann kommt heim.
Wir füllen unseren XXL-Kühlschrank mit Getränken auf: 24 Liter
Wasser, 5 Liter Cola, einige Flaschen
Bier; Cola mit ihrem Zuckergehalt
sättigt, Bier beruhigt die Nerven
meines Gatten.
16 Uhr. Ich strampele in die Bücherei. An der Autobahn entlang
blinken Warnschilder: „Hurrikan
formt sich im Golf, füllen Sie Ihren
Tank!“ – falls evakuiert werde.
17 Uhr. Rick Perry, der texanische
Gouverneur, erklärt den Katastrophenalarm. Daraus sieht man, daß die
Verantwortlichen auf keinen Fall den
Fehler begehen wollen, der ihnen vor
drei Jahren bei „Kathrina“ und „Rita“
unterlaufen ist: kaum Vorwarnungen.
Bei „Rita“ sollen 107 Menschen während der Evakuierung verdurstet sein,
machten aus einer Mücke einen Elefanten.
19 Uhr. Ich breche zu einer Radtour auf, um zu sehen, wie sich andere vorbereiten. Viele haben den
Basketballkorb vor der Garage auf
den Boden gelegt, damit er nicht
weggeblasen wird. Bei 1450 Häusern
(wirklich gezählt!) sehe ich nur an
vieren einen Fensterschutz.
Eine Frau klettert die Leiter hoch,
um die Dinge festzuschrauben. Warum macht sie es, und alle anderen
kaum? „Mein Mann ist Meteorologe“,
antwortet sie lachend, den Schweiß
von der Stirn wischend.
Dienstag, 7 Uhr. Leise klopfen die
Regentropfen gegen den Hurrikanschutz, kaum hörbarer Wind, kein
Donner – dann weiterpennen.
Unerfüllter Traum für viele Tausende auf der Bolivar-Halbinsel, gelegen zu Galvestons Füßen, wo
„Edouard“ in der Früh an Land kam.
Die Nachrichten werden Bilder zeigen von Palmen, die sich biegen; von
Reportern, denen der Regen ins Gesicht klatscht. Menschen, die schenkelhoch durchs Wasser waten und
daß 20.000 keinen Strom haben. Einige abgedeckte Häuser.
9 Uhr. Es regnet wie auch sonst in
League City, 40 Kilometer vom Golf
entfernt. Mann und Kinder sind sich
beim Frühstück einig: Wenn wir uns
schon sooooo vorbereitet haben, hätte
Hurrikanschutz
im Stau stehend auf der Autobahn.
An die Ereignisse von damals denken
viele mit Schrecken zurück. So auch
unsere indischen Nachbarn, die 26
Stunden brauchten, um mit dem Auto
nach Dallas zu gelangen – normalerweise eine viereinhalbstündige
Fahrt.
18 Uhr. Im Erdgeschoß montiert
mein Mann den Hurrikanschutz an
die Fenster, um sie vor den Auswirkungen des Sturmes zu schützen.
Weil die gewellten Aluminiumstreifen heiß sind von der Sonne, die immer noch heizt (mittlerweile 37 Grad
bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit),
kann man sie kaum halten. Mein Gemahl grollt: Der größte Schaden
werde sein, daß ER einen Sonnenbrand kriege. Er findet, Amerikaner
es ein Kleckschen aufregender sein
können – aber nur für uns.
Das Telefon klingelt. Meine Eltern
berichten, was die Nachrichten gezeigt haben, ob wir? Keine Sorge,
alles verlief glimpflicher als erwartet.
Gleicher Meinung sind auch die
Verantwortlichen. Der City-Manager
von Galveston sagt erleichtert: die
Prävention habe gegriffen, keine nennenswerten Schäden. Es sei ein gutes
Training gewesen für die noch bestehende Hurrikanzeit bis Ende November.
Die Prognosen? 14 Stürme, davon
mindestens fünf in Hurrikanstärke.
Mögen die alle verlaufen wie „Edouard“.
Andrea Hécz
12
AUSBLICK
NZ 34/2008
„Es ist alles sehr kompliziert“
Österreichs Altbundeskanzler Sinowatz mit 79 Jahren verstorben
Österreich trauert um Altkanzler Alfred Sinowatz. Der promovierte Historiker starb am 11. August 2008 in
Wien im Alter von 79 Jahren. Beigesetzt wurde Sinowatz am 21. August
in seinem Geburtsort Neufeld an der
Leitha, wo er ein Ehrengrab erhält.
Geboren wurde Sinowatz am 5.
Februar 1929 als Sohn burgendlandkroatischer Eltern. Auch wer sich
nicht für Politik interessiert, kennt
Sinowatz´ Ausspruch: „Es ist alles
sehr kompliziert“. Der Satz findet
sich in der Regierungserklärung von
1983 und lautet eigentlich: „Ich weiß,
das klingt alles sehr kompliziert“.
Von 1971 bis 1983 war der SPÖPolitiker Bundesminister für Unterricht und Kunst unter Bruno Kreisky.
1981 wurde er Vizekanzler. Nachdem
die SPÖ bei den Nationalratswahlen
1983 die absolute Mehrheit verloren
hatte und Kreisky als Bundeskanzler
zurückgetreten war, übernahm Sinowatz im Mai die Regierungsgeschäfte
und bildete mit der FPÖ die sogenannte Rot-blaue Koalition.
Während er sich als Minister bedeutende Verdienste um Chancengleichheit und ein liberales Geistes- und
Kulturklima erwarb und die Österreicher begeistern konnte, wenn er beispielsweise flott die Bobbahn für die
Olympischen Winterspiele 1976 in
Innsbruck hinuntersauste, agierte er
als Bundeskanzler eher glücklos. In
seine Regierungszeit fallen Skandale
wie der um gepanschten Wein oder die
Krise der tief verschuldeten staatlichen
Industrie. In den Auseinandersetzungen um den Bau eines Kraftwerks
in Hainburg sorgte Sinowatz allerdings, wenngleich auf öffentlichen
Druck, für deutliche Entspannung,
indem er am 22. Dezember 1984 einen
„Weihnachtsfrieden“ verhängte.
Zum politischen Verhängnis wurde
ihm der Wahlkampf um die Bundespräsidentschaft im Jahre 1986. Sinowatz soll in einer Sitzung des Vor-
standes der Burgenländischen SPÖ
angedeutet haben, man werde die
Österreicher rechtzeitig auf die
„braune Vergangenheit“ des ÖVPKandidaten Kurt Waldheim aufmerksam machen. Diese Bemerkung gelangte durch eine Indiskretion an das
Nachrichtenmagazin „Profil“, wodurch die Waldheim-Debatte eröffnet
wurde. Während des gesamten Wahlkampfes stellte sich Sinowatz klar
gegen Waldheim. Auf dessen Versicherung, er sei nicht Mitglied des SAReiterkorps gewesen und dort nur ab
und zu „mitgeritten“, konterte Sinowatz mit der Bemerkung: „Ich nehme
zur Kenntnis, daß er nicht bei der SA
war, sondern nur sein Pferd bei der
SA gewesen ist.“ Fred Sinowatz trat
einen Tag nach Kurt Waldheims Sieg
bei der Bundespräsidentenwahl im
Juni zurück. 1991 wurde er wegen
Falschaussage in der Waldheim-Affäre rechtskräftig verurteilt.
Sinowatz blieb seinen Wurzeln
stets treu. Auch als Bundeskanzler
lebte er weiterhin in Neufeld an der
Leitha. Seine letzten Lebensjahre
widmete er sich geschichtlichen Studien unter Einschluß der Geschichte
seiner Vorfahren.
Den Ungarndeutschen wird Sinowatz vor allem als Präsident der Internationalen Lenau-Gesellschaft
unvergessen bleiben. Er setzte sich
tatkräftig für den Dialog zwischen
Germanisten in Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien, Polen, der
Tschechoslowakei und Jugoslawien
ein, indem jährlich Konferenzen zur
Person und zum Werk von Lenau jeweils in einem anderen Land stattfanden. Der Spiegel berichtete 1983
in diesem Zusammenhang von einer
bemerkenswerten Anekdote: Sinowatz lasse die Auflage des Buches
„Das burgenländische Jahrzehnt des
Dr. Fred Sinowatz“ verstecken, in
dem neben eigenen Reden und Aufsätzen aus den sechziger Jahren eine
salbungsvolle Laudatio abgedruckt
sei. Das Werk war 1979 im Namen
des Vorstandes der Internationalen
Lenau-Gesellschaft zum 50. Geburtstag ihres Präsidenten herausgegeben
worden. Der Band sei weder in der
Nationalbibliothek noch im Buchhandel zu bekommen. Fast die gesamte
Auflage liege vielmehr sicher aufbewahrt in den Räumen der LenauGesellschaft. Sinowatz habe dringend
gebeten, das Werk „nicht mehr auszugeben“ und einen geplanten Nachdruck durch einen interessierten Verlag „verläßlich zu verhindern“. Die
wichtigsten Passagen der SinowatzLaudatio würden deshalb in Wien
photokopiert vertrieben.
Kaiser Franz Joseph residiert im Waldviertel
ein nostalgisches Museum in Wienings
Friedrich Jares, im Jahr 1946 und elf
Tage vor Kaisers Geburtstag am 7.
August in Wien geboren, kam durch
ein schlichtes Kaffeehäferl auf den
Kaiser Franz Joseph. Er wollte sechs
davon haben und begann zu suchen.
Bis er sie beisammen hatte, war er
auf so viele andere kaiserliche Stücke
gestoßen, daß der erste Schritt zum
Beginn der Sammlung damit schon
getan war. In einem gemieteten Haus
in Hörmanns wurden die Exponate
kunstvoll angeordnet, und dort begannen sie sich gleichsam von selber
zu vermehren, all die Uniformen und
Orden, Bilder und Büsten, Dokumente und Zeitungen, Schmuckstücke, Dekorations- und Gebrauchsgegenstände, Gläser, Teller, Häferln
… 4.000 Sammelstücke sind es unterdessen geworden.
Da war es besonders aufwendig,
alle diese Kostbarkeiten nach Wienings zu übersiedeln, weil das Haus
in Hörmanns vom Besitzer gebraucht
wurde. Noch einmal wollten die
Sammler eine Umsiedlung nicht riskieren, deshalb kauften sie das neue
Domizil und residieren jetzt idyllisch
inmitten ihrer Schätze.
Viertausendmal
Kaiser Franz Joseph
Der Kaiser in Wienings
Friedrich und Evelyn Jares sind keine
Monarchisten im politischen Sinn,
aber sie lieben die Zeit Franz Josephs,
und der Stil gefällt ihnen. Auf ihren
Sammelstücken ist überall irgendwo
der Kaiser Franz Joseph drauf. Es
gibt zu viel aus der Zeit, alles zu sammeln, das ginge ins Uferlose, so haben sie sich auf die Abbildung des
Kaisers als verbindendes Element
geeinigt. Kaiser Franz Joseph I. hat
68 Jahre lang regiert, zu jedem Jubiläum der Regierungszeit, des Hauses,
der Familie wurden Erinnerungsgegenstände produziert.
Trotz der vielen vorhandenen Originalstücke hat doch manches ausgesprochenen Seltenheitswert, beispielsweise alltägliche Gebrauchsgegenstände. Die wurden nicht groß
aufgehoben oder repariert, denn das
nächste Jubiläum mit neuen Erinnerungsstücken kam bestimmt. Zudem
gab es Variationen davon in den einzelnen Kronländern, in Böhmen,
Mähren, Ungarn, und wer sonst noch
aller dem Kaiserhaus seine Reverenz
erweisen wollte.
Evelyn Jares, optisch fast eine
„blondgelockte Sisi“, ist immer auf
der Suche nach neuen Originalen, die
in ihrer Summe auch das politische
und kulturelle Leben der Zeit widerspiegeln. Ein solches ist etwa die unauffällige Zeitungsnotiz: „Gold gab
ich für Eisen“ aus den Kriegsjahren
1914-15. Darin wird den Spendern
ihres Gold- und Silberschmucks gedankt, die „dem hartbedrängten Vaterland ihr Gold opferwillig darbieten“. Die persönliche Kriegsfinanzierung wurde mit einem eisernen Fingerring honoriert.
Kaiserliche
Rundumbetreuung
So wie die Exponate vermehren sich
auch Jahr für Jahr die Interessenten.
Um sie in geordnete Bahnen zu brin-
Kaiserhäferl
gen, wurde dem Haus ein separater
Ausstellungsraum angebaut, der sich
so perfekt einfügt, als wäre er ebenfalls hundert Jahre alt wie das ursprüngliche Haus. Hier gibt es kleine
Sonderausstellungen wie beispielsweise „Hausrat aus Urgroßmutters
Küche“. Dieser Zubau kommt auch
Friedrich Jahres entgegen: Obwohl
er in seiner Berufslaufbahn 35 Jahre
lang als Gerichtsbeamter arbeitete,
hat er seine Zuckerbäckerliebe nie
vergessen. Die Besucher können sich
in dem kleinen Museumscafé zu einer „Schale Gold“ an Puntschkrapferln, Topfengolatschen und Apfelstrudel ergötzen, alles hausgemacht
und teilweise nach alten kaiserlichen
Rezepten produziert.
Wenn Friedrich Jares heute durch
sein kleines Wieningser Reich geht,
kann er in Anlehnung an des Kaisers
berühmten Ausspruch mit Überzeugung sagen: „Es ist sehr schön – es
freut mich sehr!“
Traude Walek-Doby
NZ 34/2008
GJU – GEMEINSCHAFT JUNGER UNGARNDEUTSCHER
„Kultur Treff“ mangels
Interesse abgesagt
Das für den
22. bis 24.
August von
der Gemeinschaft Junger
Ungarndeutscher
geplante Jahrest ref fen
„Kultur
Treff“ fällt
aus.
Mitglieder der
GJU
und
weitere Jugend-Kulturgruppen aus
ganz Ungarn sollten hier zusammen-
Voices of Europe in Bautzen
kommen. Leider war das Interesse
am Kulturtreffen deutlich geringer
als erwartet. Das Präsidium und das
Organisationsteam bedauern das besonders vor dem Hintergrund, daß
sich die GJU bei mehreren Ausschreibungen erfolgreich um Gelder
beworben und ein vielfältiges Programm vorbereitet hatte (NZ
32/2008). Das Präsidium dankt in
jedem Fall dem Valeria-Koch-Schülerwohnheim in Fünfkirchen, der
Stefanskapelle aus Nadasch sowie
der Jugendtanzgruppe aus Kier und
Hedjeß für ihre Unterstützung bei
der Vorbereitung.
Tag der offenen Tür im BMI
Am 23. und 24. August ist es wieder
soweit: Das deutsche Bundesministerium des Innern BMI lädt zum
„Staatsbesuch“ und öffnet die Türen! Auch in diesem Jahr können
sich alle Interessenten über die vielfältigen und umfangreichen Aufgaben des Ministeriums und seines
großen Geschäftsbereichs informieren. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BMI führen die Anwesenden
an beiden Tagen durch das Gebäude.
Sie gelangen ins Lagezentrum, wo
Tag und Nacht Tausende von Informationen ausgewertet und auf ihre
sicherheitspolitische Relevanz hin
überprüft werden. Weiter geht es in
die 11. und 12. Etage, wo der Minister und die Staatssekretäre ihre
(Büro-) Türen öffnen. Genießen Sie
zusätzlich den beeindruckenden
Ausblick auf Berlin – ein besonderer
Höhepunkt für viele Besucherinnen
und Besucher.
Einen Eindruck kann man auch
vom BMI als Sportministerium bekommen: Neueste Entwicklungen
beim Skisprung und im Bobsport
können nicht nur angeschaut, sondern
auch selbst ausprobiert werden.
Olympiamedaillengewinner/innen
13
erwarten alle zu Autogrammstunde
und Gesprächen. Lassen Sie sich außerdem auf die deutsche Olympiabewerbung für die Winterspiele im Jahr
2018 einstimmen.
Außerdem bekommen Sie Antworten auf aktuelle Fragen der Innenpolitik an den Informationsständen. Hier erfahren Sie zum Beispiel,
welche Aufgaben das Protokollreferat des BMI hat. Behörden wie das
Bundeskriminalamt, das Bundesamt
für Sicherheit in der Informationstechnik, das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, die Bundeszentrale für politische Bildung, die
Bundespolizei sowie das Technische
Hilfswerk geben Einblick in ihre tägliche Arbeit und stellen neueste Entwicklungen aus ihren Bereichen
vor.
Natürlich kommt auch die Unterhaltung nicht zu kurz – an beiden
Tagen erwartet Sie ein vielfältiges
Unterhaltungsprogramm auf unserer
Bühne. Auch für Kinder wird es ein
Kinderzelt mit abwechslungsreichem
Programm geben.
Geöffnet ist das Ministerium an
beiden Tagen jeweils von 11 bis 19
Uhr.
Partnerschaften
zwischen Theatern
Wanderlust-Fonds unterstützt feste Partnerschaften zwischen deutschen
und ausländischen Theatern für zwei bis drei Spielzeiten. Bei der konkreten Umsetzung sollen dabei – je nach Interessenlage und Ausstattung
der beteiligten Häuser – alle Möglichkeiten offenbleiben. So kann zum
Beispiel im ersten Jahr zunächst der Austausch von künstlerischem
Personal erfolgen, im zweiten Jahr präsentiert man sich am jeweils anderen Ort mit einem Gastspiel und im dritten Jahr entsteht eine gemeinsame Produktion beider Häuser, die an beiden Orten gezeigt wird. Auch
bereits bestehende Partnerschaften können sich um eine Förderung bewerben, insofern damit neue Projekte verknüpft sind.
Die Auswahl der förderungswürdigen Anträge trifft der Vorstand der
Kulturstiftung des Bundes auf der Grundlage von Empfehlungen einer
unabhängigen Fachjury. Maximal kann pro Bühnenpartnerschaft eine
Unterstützung von 150.000 Euro zur Verfügung gestellt werden. 25
Prozent der Gesamtkosten müssen in jedem Fall vom Theater selbst oder
von anderen Förderern getragen werden. Einsendeschluß ist der 15.
Oktober.
Unter der Leitung von Peter Shannon
werden fleißig Lieder professionell
einstudiert und gesungen. Die jungen,
agilen Teilnehmer quer aus Europa,
werden vom Pawk-Team (der sorbischen Jugendorganisation) betreut
und fühlen sich in der wunderschönen
Gegend sichtlich wohl. Natürlich
kommt auch der kulturelle Aspekt
nicht zu kurz. Nach einer abendlichen
Führung quer durch die Altstadt Bautzens konnten die Teilnehmer ein
Stück sorbischer Kultur mitnehmen.
Die Jugend Europäischer Volksgruppen nützt auch die Gelegenheit, um
das erste Arbeitstreffen der Gruppe
Kommunikation abzuhalten. Die
Hauptthemen sind das bevorstehende
Youth Leader Seminar und die Vorbereitung eines Kommunikationsworkshops. Zwischendurch bleibt ein
wenig Zeit, um sich gemeinsam auf
das Hauptereignis, das Voices in concert, einzusingen – welches den krönenden Abschluß bilden wird.
YEN info
n-ost-Medienkonferenz
in Rumänien
„Tigerstaat oder Armenhaus? Rumäniens Gewicht in der EU“ ist der Titel
einer Tagung, die vom 1. bis 5. Oktober in Bukarest stattfindet. 80 ausgewählte Teilnehmer können Rumänien
näher kennenlernen, sich journalistisch weiterbilden und vernetzen.
Die Journalisten nehmen an Workshops mit erfahrenen Medienmachern teil und erkunden bei Recherche-Exkursionen zu Themen wie
„Rumänien zwischen Wirtschaftsboom und Billiglohnland“ oder „Die
Roma-Minderheit in Rumänien“ das
Land. Die Texte der Teilnehmer gehen in eine Dokumentation über die
Konferenz ein.
Bei Podiumsdiskussionen werden
etwa die Rolle Rumäniens in der EU
oder die massive Korruption im Land
thematisiert. Am 4. Oktober wird im
Rahmen der Konferenz zum zweiten
Mal der n-ost-Reportagepreis verliehen.
Die Teilnahmegebühr beträgt 200
Euro für West- und 150 Euro für Osteuropäer. Darin enthalten sind vier
Übernachtungen, Verpflegung und
die Teilnahme am gesamten Konferenzprogramm.
Journalistinnen und Journalisten
können sich bis 1. September um die
Teilnahme an der Konferenz bewerben.
Organisator der Konferenz ist nost, das Netzwerk für OsteuropaBerichterstattung. Das Netzwerk soll
zu einer verbesserten Berichterstattung über das östliche Europa beitragen, zugleich soll die grenzüberschreitende Zusammenarbeit gefördert werden.
Info: www.ifa.de
GJU – Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher
Präsident: Emil Koch
Geschäftsführerin: Éva Adél Pénzes
Budapest, Lendvay u. 22 1062
Tel./Fax: 06/1-269-1084
E-Mail: buro@gju.hu
Internet-Adresse: www.gju.hu
Geschäftszeiten:
Montag, Dienstag, Mittwoch:
9.00-12.30 und 13.00-16.00 Uhr
Donnerstag: 12.00-18.00 Uhr
Freitag: 8.00-13.00 Uhr
Verantwortlich für die GJU-Seite:
Éva Adél Pénzes
14
JUGEND–SPEZIAL
Kinoecke
Der Unglaubliche Hulk
Vor fünf Jahren wurde der Wissenschaftler Bruce Banner (Edward
Norton) bei einem geheimen biochemischen Experiment radioaktiv verstrahlt. Seitdem verwandelt er sich,
wann immer sein Puls die Marke von
200 Schlägen pro Minute übersteigt,
in das grüne Monster Hulk, das in
seiner näheren Umgebung alles kurz
und klein schlägt. Weil General
„Thunderbolt“ Ross (William Hurt)
Hulks Kräfte für militärische Zwecke
ausschlachten wollte, floh Banner
nach Brasilien, wo er seitdem an Entspannungstechniken arbeitet und in
einer Limonaden-Fabrik schuftet.
Durch einen unglücklichen Zufall
stößt das US-Militär jedoch auf die
Spur des Flüchtigen. Banner muß
erneut fliehen und schleicht sich zurück in die USA, wo er mit der Unterstützung von Ross‘ Tochter Betty
(Liv Tyler) nach einem Mittel forschen will, um seinen Zustand zu
ändern. Doch Ross hetzt die versammelte US-Kriegsmaschinerie auf
den grünen Muskelprotz. Als auch
dies nicht dabei hilft, Hulk zu stoppen, setzt sich der kampfbesessene
Marine Emil Blonsky (Tim Roth)
freiwillig ähnlichen Experimenten
wie einst Banner aus, in deren Folge
er zur zerstörerischen Bestie „Abomination“ mutiert und New York
attackiert.
M. H.
110 Minuten
Regie: Louis Leterrier
Darsteller: Edward Norton, Liv Tyler,
William Hurt
Spiele für groß und klein
Seilspringen
Unter der spannend klingenden Bezeichnung „Rope Skipping“ ist Seilspringen auf der ganzen Welt bekannt, dabei ist es eigentlich dasselbe
Kinderspiel, das wir noch aus unserer
Schulhofzeit kennen. Ein Seil, viel
Schwung und sportliches Hüpfen –
aus diesen Elementen setzt sich die
Kunst des Seilspringens zusammen.
Die Geschichte dieser inzwischen
anerkannten Wettsportart ist nicht
ganz aufgeklärt, laut Experten
hüpften die Menschen schon vor
mehreren tausend Jahren über das
Seil, aber die ersten richtigen Beweise stammen erst aus dem 17. Jahrhundert. In den letzten 100 Jahren
erlebte diese Gymnastikform einen
großen Aufschwung und wurde auf
der ganzen Welt bekannt und beliebt.
Vor allem Kinder spielten damit auf
den Schulhöfen in den Pausen. Seit
etwa 20 Jahren werden mit dem Seil
auch Wettkämpfe ausgeführt, vor
allem Kinder- und Jugendaltersklassen springen dabei um die Wette.
Besonders anerkannt ist die Nützlichkeit dieser Sportart im Fitnessbereich, auch Boxer erlebt man oft mit
dem Springseil in der Aufwärmphase
ihres Trainings.
Seilspringen ist eine sehr komplexe
Tätigkeit, die Konzentration auf das
Seil und auf das rhythmische, exakt
plazierte Hüpfen ist hervorragend für
die Motorik, für die Förderung der
Bewegungskoordination und -entwicklung. Deswegen wurde Seilspringen auch in den Unterricht eingebaut, in den Sportstunden wird das
oft geübt. Seilspringen ist besonders
geeignet, um die Kondition in Gang
zu bringen, man kann dabei in kürzester Zeit viele Kalorien verbrennen
und alle Körperteile intensiv bewegen. Es reichen wenige Minuten Dauerhüpfen am Tag, und schon fühlt
man sich fit und sportlich. Außer dem
günstig geringen Zeitaufwand hat
das Seilspringen noch weitere Vorteile, man brauch wenig Platz, notfalls kann es sogar in der Wohnung
ausgeübt werden, das Seil kostet wenig, ist dafür aber sehr robust, praktisch unverwüstlich.
Vor allem Kindern sollte man diese spielerische Sportart früh zeigen.
Um es noch interessanter zu machen,
können sie nach etwas Übung auch
gemeinsam mit Freunden hüpfen: An
den zwei Enden eines längeren Seils
stehen zwei Kinder, die das Seil drehen, und in der Mitte können mehrere
Kinder gleichzeitig springen. Bei der
Profivariante dieses Sports müssen
die Kandidaten mehrere Disziplinen
durchlaufen. Es gibt sogar Choreographien, Schwierigkeitsgrade, Einzel und Doppel und technisch bewertete Sprungfolgen.
Ärzte setzen sich seit Jahren für
das Seilspringen ein, es ist nämlich
besonders gut für das Herz und den
Kreislauf, dabei müssen aber bestimmte Kriterien befolgt werden,
denn bei diesem Intensivsport kann
man sich leicht übernehmen. Deswegen wird empfohlen, das Ganze ruhig
anzugehen und die Dosis an Seilspringen nur stückweise zu erhöhen.
NZ 34/2008
Schlagzeilen
Popsängerin
Sarah Connor (Foto) hat
vier Löwenbabys im Serengeti-Park Hodenhagen getauft. Die Löwenju ngen
kamen am 14.
Juli zur Welt und die Sängerin aus
der Reality-Show „Sarah und Marc.
Crazy in love“ durfte die Namen der
Vierlinge auch selbst aussuchen. Sie
entschied sich für Tyler, Montry, Lex
und Mick: Tyler heißt ihr vierjähriger
Sohn, Montry ist der Name eines
Neffen und Lex und Mick heißen ihre
Zwillingsbrüder. Die Sängerin war in
Begleitung von Ehemann Marc Terenzi. Sie taufte die Löwenbabys mit
ein paar Spritzern Wasser und gab
ihnen das Fläschchen.
Ein liebestoller Dachs hat einen Polizeieinsatz in Rheinland-Pfalz ausgelöst. Aufgeregte Anwohner riefen
am Abend die Polizei an und berichteten, daß aus dem angrenzenden
Wald laute und ängstliche Schreie
einer Frau zu hören seien. Die Einsatzleitung beorderte daraufhin einen
mit Nachtsichtgerät ausgerüsteten
Polizeihubschrauber zum Einsatzort.
Die Besatzung überflog das Waldgebiet, konnte jedoch lediglich Wildtiere finden. Nun geht die Polizei
davon aus, daß die Schreie von einem
Dachs ausgestoßen wurden. Nachfolgende Recherchen haben nämlich
ergeben, daß die Laute eines Dachses
in der Paarungszeit mit menschlichen
Schreien leicht zu verwechseln
sind.
Die US-Illustrierte People hat die
für den Rekordpreis von 14 Millionen
Dollar gekauften Fotos der Zwillinge
von Angelina Jolie und Brad Pitt veröffentlicht. Die Bilder zeigen das
Paar mit ihren wenige Wochen alten
Babys Vivienne Marcheline und
Knox Leon. Als sie und Brad erfuhren, daß sie mit Zwillingen
schwanger war, seien sie schockiert
gewesen, berichtete das Paar dem
Magazin, hätten dann aber gar nicht
mehr aufhören können zu lachen. Die
Zwillinge kamen am 12. Juli in einem
Krankenhaus in Nizza zur Welt, und
schon kurz nach ihrer Geburt begannen die Spekulationen darüber,
welches Prominentenmagazin in den
Bieterkampf um die ersten Fotos einsteigen wird. Jolie und Pitt wollen
aber die Millionensumme für wohltätige Zwecke spenden.
David Beckham (Foto) ist
von den amer i kan ischen
Te e n a g e r n
zum
beliebtesten
Sportidol gekürt worden.
Der britische
Star-Kicker, der für das kalifornische
Team LA Galaxy spielt, hat die Auszeichnung am 3. August bei den Teen
Choice Awards in Los Angeles erhalten. Er hatte sich bei der Wahl
gegen US-Sportstars wie den Fußballspieler Eli Manning durchgesetzt. Bei der Preisverleihung traten
übrigens auch seine Söhne mit ihm
auf die Bühne.
Ein amerikanischer Wissenschaftler hat auf der Karibikinsel Barbados
die kleinste Schlange der Welt entdeckt. Leptotyphlops carlae ist selbst
im Erwachsenenalter weniger als
zehn Zentimeter lang und paßt zusammengekringelt auf eine Geldmünze. Der Evolutionsbiologe Blair
Hedges fand das Minitier unter einem
Stein in einem Wald auf Barbados.
Unter den etwa 3.100 Schlangenarten
sei sie die kleinste bekannte, sagte
der Wissenschaftler, der die ungiftige
Schlange nach seiner Frau Carla Ann
Hass benannte. Bereits seit Charles
Darwin ist Forschern bekannt, daß
auf Inseln oft besonders kleine oder
besonders große Tiere vorkommen.
Die extremen Größen sind vermutlich Folge der Artenarmut auf Inseln.
Tiere können so zu Größen wachsen
oder schrumpfen, die sonst von ganz
anderen Arten besetzt wären. Hedges
entdeckte übrigens bereits die kleinste
Eidechse der Welt in der Dominikanischen Republik und den kleinsten
Frosch in Kuba.
Batman ist zurück – die USA sind
im Batman-Fieber. „Dark Knight“,
das sechste Leinwandabenteuer des
Superhelden, hat in nur zehn Tagen
mehr als 300 Millionen Dollar eingespielt. Der Held des Films ist für
die meisten Fans jedoch nicht der
Mann im Fledermauskostüm, gespielt von Christian Bale, sondern
Bösewicht Joker. Es war die letzte
Rolle des im Januar an einer Medikamentenüberdosis gestorbenen
Schauspielers Heath Ledger, der
nach Meinung von Kritikern selbst
den bislang unübertroffenen Joker
von Jack Nicholson an die Wand
spielte.
„Bis daß der Tod euch scheidet“ –
der Satz, den man vor dem Altar ausspricht, spielte für einen 68jährigen
Franzosen keine Rolle. Der Kunstmaler heiratete nämlich posthum
seine Lebensgefährtin. Er gab seiner
2004 im Alter von 52 Jahren verstorbenen Partnerin das Jawort. An der
Hochzeitsfeier nahmen etwa 50 Angehörige und Freunde teil. Im Trauungszimmer legte Ronzier den Hut
seiner Partnerin auf den Stuhl, auf
dem die Braut normalerweise Platz
genommen hätte. Damit erfüllte er
sein Versprechen, das er ihr noch zu
Lebzeiten gegeben hatte. Übrigens
ist er nicht die einzige Person, die
ihre verstorbene Liebe heiratete. Die
erste posthume Ehe in Frankreich
schloß eine schwangere Witwe bereits 1959.
Verantwortlich für die Seite
„Jugend-Spezial“: Christina
Arnold
NZ 34/2008
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RADIOPROGRAMM
LANDESWEIT!
Die deutschsprachige Radiosendung
von Radio Fünfkirchen ist landesweit
zu hören. „Treffpunkt am Vormittag“
meldet sich täglich von 10 bis 12 Uhr.
Sonntags können die werten Zuhörer
das beliebte „Wunschkonzert“ hören.
Zweiwöchentlich werden deutschsprachige Messen übertragen.
Das Programm wird auf zwei Mittelwellenfrequenzen ausgestrahlt. In
Südungarn und bei Budapest hören
Sie die Sendungen auf MW/AM 873
kHz, über Marcali und Szolnok wird
das Programm auf MW/AM 1188
kHz ausgestrahlt. Hören Sie zu! Wir
sprechen Ihre Sprache!
DEUTSCHSPRACHIGES
FERNSEHPROGRAMM
UNSER BILDSCHIRM
Das Ungarische Fernsehen sendet
während der Zeit der Olympischen
Spiele in Peking keine Minderheitenprogramme.
„Unser Bildschirm“ meldet sich
das erste Mal am 26. August wieder,
ab dann aber jeden Dienstag um 16
Uhr im Programm mtv des Ungarischen Fernsehens.Tel./Fax: 06 72
507406
Adresse: Pécs, Alsóhavi út 16
7626
Die Heimatzeitung der Deutschen aus Ungarn
E-Mail: up@schwabenverlag.de
http://www.schwabenverlag.de
Ungarndeutsche
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können Sie bequem
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hu/publikationen
WIR EMPFEHLEN
Dr. Zoltán Müller
Facharzt für HNO-Krankheiten
Sport und Ernährung zusammen heißt
Sporternährung
Heutzutage wird die
Wichtigkeit regelmäßiger Körperbewegung,
also von Sport, überall
betont und auch viel über
die richtige Ernährung
dabei diskutiert. Sport
und Ernährung sind zusammen Sporternährung. Nur eine vollwertige und abwechslungsreiche Ernährung bietet
die Voraussetzung für Gesundheit
und volle Leistungsfähigkeit. Von
einigen der Olympioniken im alten
Griechenland ist bekannt, daß sie
rohes Fleisch und Blut verzehrten,
wohl im Glauben, auf diese Weise
etwas von der Kraft der Tiere zu gewinnen. So grob geht es heute nicht
mehr, aber körperliche Hochleistungen erfordern doch mehr Energie. Bei den Freizeitsportlern ist
eine ausgewogene, normale Ernährung angesagt. Das heißt, man soll
viel Vollkornbrot, Fisch
und Fleisch essen,
ebenso wie frisches Obst
und Gemüse. Beim
Wettkampfsport bringt
allein mehr essen nichts.
Die Kraftsportler – wie
Bodybuilding oder Gewichtheben – brauchen
vor allem mehr Eiweiß.
Wer Ausdauersportarten
wählt wie Jogging oder
Radfahren, braucht weniger Eiweiß,
aber mehr Kohlenhydrate. Für alle
Sportler ist natürlich wichtig, die ausgeschwitzte Flüssigkeit zu ersetzen
und damit auch die verlorenen Spurenelemente und Mineralstoffe. Also
es ist wichtig, ausreichend zu trinken,
vor allem Mineralwasser, Obstsaft
oder Kräutertee. Schwarzen Tee oder
Kaffee nur in Maßen. Alkohol soll
man nicht als Durstlöscher zu sich
nehmen. Rauchen soll möglichst vermieden werden.
Donauschwäbisches Zentralmuseum
Veranstaltungen im September
Sonntag, 7., 14.00: Öffentliche Führung durch das Museum
Freitag, 12.: Ulmer Festungsfest (uff) geöffnet 11.00- 20.00
18.00 Uhr: Führung durch die Sonderausstellung „Heimat im Koffer. Flüchtlinge und Vertriebene in der Nachkriegszeit“
Samstag, 13.: geöffnet 11.00 – 20.00
15.00 bis 16.30 Uhr: Ein Nachmittag für Eltern und Kinder
15.00 Uhr Führung durch das Museum für Erwachsene
15.00 Uhr: Wellenreiter. Museumspädagogische Aktion für Kinder von 7-11
Jahren. Neben dem Münster und dem Spatz ist die Ulmer Schachtel eines
der Wahrzeichen der Stadt. An vielen Ecken in Ulm können wir Spuren
entdecken, die vom Schachtelbau und der Auswanderung auf der Donau
erzählen. Wir wollen diesen Spuren folgen und abschließend selbst eine
Schachtel bauen.
18.00 Uhr: Führung durch das Museum mit Erläuterungen der Sanierungsarbeiten (einschl. Diavortrag)
Sonntag, 14.: geöffnet 11.00 – 17.00
11.30 Uhr: Führung durch das Museum mit Erläuterungen der Sanierungsarbeiten (einschl. Diavortrag)
14.00 Uhr: Führung durch die Sonderausstellung „Heimat im Koffer. Flüchtlinge und Vertriebene in der Nachkriegszeit“
Samstag, 20., 18.00 – 24.00: 8. Ulm/Neu-Ulmer Kulturnacht, Eintritt mit
dem Kulturnachtbändel. Zur Ulmer Kulturnacht öffnet das Donauschwäbische Zentralmuseum wieder sein Donaucafé. Geboten wird frisches Langosch – eine ungarische Spezialität – und dazu Weine aus den Donauländern.
Für musikalische Stimmung sorgt das Balaton-Ensemble.
Samstag, 20., 19.00: Museumspädagogisches Angebot „Der Kronenraub“. Ein
historischer Krimi für Kinder zwischen 7 und 11 Jahren. Aufruhr in der Plintenburg! Die streng bewachte Stephanskrone, das Zeichen des rechtmäßigen
Herrschers Ungarns, wurde gestohlen! Wie konnte das geschehen? Wer hilft
mit, das Rätsel zu lösen? Anschließend basteln wir unseren eigenen Schatz.
Samstag, 20., 19.00: Führung durch die Dauerausstellung
Samstag, 20., 20.30: Führung durch die Sonderausstellung „Heimat im Koffer – Flüchtlinge und Vertriebene in der Nachkriegszeit“
Sonntag, 21., 14.00: Öffentliche Führung durch das Museum
Sonntag, 28., 14.00: Öffentliche Führung durch die Sonderausstellung „Heimat im Koffer“
Stiftung Donauschwäbisches Zentralmuseum
Schillerstraße 1
D-89077 Ulm
Tel.: ++49 (0) 7 31/9 62 54-0, Fax: ++49 (0) 7 31/9 62 54-200
E-Mail: info@dzm-museum.de
Internet: www.dzm-museum.de
15
Gefahr der Woche
Wochenende
Wochenende: Samstag und Sonntag
Es ist wie Weihnachten. Nicht so
schön, aber ähnlich verrückt. Von den
Weihnachtstagen weiß man auch, daß
sie in der letzten Dezemberwoche unaufhaltsam kommen, trotzdem sind
die meisten nicht darauf vorbereitet.
Bekanntlich macht man da Geschenke,
nichtsdestotrotz rennen viele erst in
letzter Minute in die Läden und kaufen
Dinge, die sie gar nicht wollen, Dinge,
die ihnen gerade in die Hände fallen.
Vom 20. August weiß man auch,
daß er am 20. August stattfindet.
Spätestens am 1. Januar, weil man an
diesem Tag wahrnehmen muß, daß
das neue Jahr angefangen hat, und da
gibt es auch einen 20. August. Man
kann auch nachschauen, auf welchen
Wochentag er fällt, und schon ahnen,
ob wieder mal ein Megawochenende
veranstaltet wird oder ob sich der
Zwanzigste ganz still und bescheiden
zwischen Arbeitstagen versteckt.
Letzteres stört die Ungarn allerdings keineswegs: Sie jonglieren so
lange, bis sie aus einer Woche mit
einem armseligen Feiertag zwei dicke
Wochenenden mit Ferien dazwischen
machen.
Da sie wissen, daß sie zaubern,
könnten sie eigentlich vorsorgen. Das
tun aber nicht alle, und dann stehen
sie erstaunt und beleidigt da, weil alle
Plätzchen am Plattensee oder anderswo, die sie als Geheimadressen
in petto zu haben vermeinten, bereits
besetzt sind.
Diese Spätzünder können unheimlich lästig sein. Sie schrecken nicht
einmal davor zurück, uralte Bekannte, mit denen sie vor Jahren
Krach hatten, anzurufen, ob sie nicht
für sie oder irgendwelche Freunde
oder Verwandte ein Plätzchen hätten.
Sie würden natürlich dafür zahlen –
einen Freundschaftspreis versteht
sich, und sie wären ja ebenso wie ihre
Sippschaft ganz anspruchslos!
Man schluckt: erst wegen des
„Freundschaftspreises“ und dann ob
der schamlosen Beleidigung, daß ja
„anspruchslos“ sein muß, wer uns
besuchen will.
Sogar der Nachbar, der das „Bildungszentrum“ einer großen Firma
verwaltet, wurde bis zum letzten Moment belästigt, obwohl es überhaupt
nicht in seinen Entscheidungsbereich
fällt, wer ins Haus kommt – das wird
in der Zentrale entschieden. Würde
er eigenmächtig handeln, würde er
fliegen.
Am schamlosesten sind allerdings
die breit lächelnden „Vorbeikommer“.
Sie waren ja bloß in der Nähe und
wollten sehen, wie es uns geht. Paßt
man nicht auf, steht bereits eine Flasche Wein auf unserem Gartentisch
samt Würstchen, die man gleich grillen sollte. Der Abend naht und man
weiß nicht wohin. Ob man nicht helfen kann. Am besten gibt man den
Wein zurück, eh das eintrifft.
judit
16
WIR EMPFEHLEN
„Valeria-Koch-Preis“ 2009
Der Bildungsausschuß der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen
erwartet Vorschläge für den „Valeria-Koch-Preis“ 2009. Ziel des Preises ist
es, drei ungarndeutsche MittelschülerInnen für ausgezeichnete schulische
Leistungen und minderheitenspezifische Aktivitäten sowie eine ungarndeutsche Absolventin/einen ungarndeutschen Absolventen einer akademischen
Einrichtung für hervorragende Diplomarbeit mit ungarndeutschem Thema
zu prämieren.
Die Nominierung erfolgt bei MittelschülerInnen durch die betreffende
Bildungseinrichtung, bei Absolventen von akademischen Einrichtungen
durch den Lehrstuhl, wo die Diplomarbeit eingereicht wurde, bzw. durch
eine Deutsche Minderheitenselbstverwaltung oder einen ungarndeutschen
Verein. Bei mehreren Bewerbern werden die Einrichtungen gebeten, eine
Vorentscheidung zu treffen und eine Reihenfolge aufzustellen. Es ist zu
beachten, daß mit dem „Valeria-Koch-Preis“ nur Angehörige der deutschen
Minderheit in Ungarn ausgezeichnet werden können.
Dem Vorschlag sind beizufügen:
a) kurzer Lebenslauf (kein tabellarischer!)
b) Empfehlung der Deutschen Selbstverwaltung des Heimatortes oder der
Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher
c) bei Absolventen die Diplomarbeit sowie ihre Beurteilung durch den
Konsulenten
d) bei Mittelschülern Kopie des Zeugnisses vom 11. Jahrgang sowie ein
Aufsatz von 2-3 DIN A/4 Seiten, betitelt „Was bedeutet mir Ungarndeutsche/r
zu sein“
f) Privatanschrift
Die Vorschläge sind in deutscher Sprache bei der Geschäftsstelle der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (1026 Budapest, Júlia Str. 9) bis
zum 15. Oktober 2008 einzureichen. Zum Auswahlverfahren gehört ein
kurzes Gespräch in der Geschäftsstelle der LdU. Die Kandidaten werden
dazu nach dem Einsendeschluß eingeladen.
Die Preisübergabe findet im Rahmen der LdU-Landesgala 2009 am „Tag
der Ungarndeutschen Selbstverwaltungen“ in Budapest statt.
Ausschreibung der Stiftung
„Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“
Die Geschichtswerkstatt Europa ist ein Programm der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“. Die Förderung von Projekten wird
vom Institut für angewandte Geschichte in Kooperation mit der EuropaUniversität Viadrina koordiniert. Ein Internationales Forum wird vom
Global and European Studies Institute i.G. an der Universität Leipzig ausgerichtet.
Die Geschichtswerkstatt Europa fördert internationale Projekte, in denen
Studenten, Absolventen, Nachwuchswissenschaftler sowie andere geschichtsinteressierte Akteure der Zivilgesellschaft im Alter von 18 bis 35 Jahren im
Zeitraum von April bis Oktober 2009 einer eigenen Frage zu Schichten der
Erinnerung nachgehen.
Sie fördert zudem internationale Projekte zur Analyse europäischer Erinnerungskulturen und ist 2009 dem Thema/Motto „Schichten der Erinnerung“
gewidmet. Ziel ist ein Dialog junger Europäer über die Unterschiede und
Gemeinsamkeiten nationaler, regionaler und lokaler Erinnerungen an die
Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts. Das Institut für angewandte Geschichte ist in Kooperation mit der Europa-Universität Viadrina für die
Förderung von Projekten verantwortlich. Das Institut begleitet Projektideen
beratend von der Skizzenentwicklung über die Antragstellung bis zur Abrechnung und organisiert im Frühjahr 2009 ein Treffen in Frankfurt an der
Oder zur inhaltlichen sowie methodischen Vorbereitung und zur Vernetzung
der Teilnehmer.
Unter http://www.instytut.net/europa finden Sie die wichtigsten Informationen über die aktuelle Ausschreibung auf Deutsch, Englisch, Polnisch und
Russisch im Überblick. Für Rückfragen steht Ihnen jederzeit Bernd Vogenbeck vom Institut für angewandte Geschichte zur Verfügung:
per E-Mail: bernd.vogenbeck@instytut.net
per Telefon: +49 (0) 335 5534 5535
ÖLM vermittelt Pflegekräfte
Die Österreichische Landsmannschaft, vormals Deutscher Schulverein, in
Wien vermittelt Personen der deutschen Volksgruppen als Pflegekräfte nach
Österreich. Es kann allerdings nur Personal aus EU-Ländern beschäftigt
werden, das Deutsch spricht und möglichst über eine einschlägige Ausbildung
verfügt (z. B. Kurs mit 200 Stunden Theorie in der Altenpflege). Wer sich
dafür interessiert, möge sich direkt wenden an Ing. Franz Schachinger unter
f.m.schachinger@aon.at
NZ 34/2008
Kammerausstellung im Sándor-Palast
im Burgviertel Budapests
Eine Kammerausstellung über die Geschichte des Sándor-Palastes (Residenz
des Präsidenten der Republik Ungarn auf der Burg) ist an den Wochenenden
bis zum 28. September im Erdgeschoß zu besichtigen. Der Besuch von 10.00
bis 18.00 Uhr ist kostenlos.
Ähnlich wie in den Vorjahren werden die historischen Räumlichkeiten
des Palastes an den Tagen des Kulturerbes am 20. und 21. September für
Interessenten geöffnet sein. Voranmeldung ist nicht erforderlich, der Einlaß
erfolgt in der Reihenfolge der Ankunft der Besucher. (Auf dem Foto: Gemälde
mit Königin Maria Theresia).
Weitere Informationen können Sie sich von der Webseite des Palastes
einholen: www.keh.hu
Grenzgänger
Die Robert Bosch Stiftung unterstützt in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin Autoren bei den Recherchen für deutschsprachige
Veröffentlichungen, die Mittel-, Ost- und Südosteuropa oder China als Thema
grenzüberschreitend und für ein breites Publikum aufbereiten. Die Veröffentlichungen sollen zu Diskussionen anregen, den Dialog und das gegenseitige Verständnis fördern und können unterschiedliche Themenbereiche, Länder und historische Epochen umfassen. Willkommen sind literarische und
essayistische Prosa, Foto(text)bände, Kinder- und Jugendbücher, aber auch
andere Formen wie Drehbücher für Dokumentarfilme und Hörfunkbeiträge.
Die „Grenzgänger“ können ihre Werke zudem in öffentlichen Veranstaltungen
präsentieren. Für die Durchführung dieser Veranstaltungen stellt die Robert
Bosch Stiftung Mittel zur Verfügung. Interessierte Institutionen können finanzielle Unterstützung für Grenzgänger-Veranstaltungen beantragen.
Was kann gefördert werden?
Es können pauschale Recherchestipendien in Höhe von 2.000 € / 4.000 €
/ 6.000 € / 8.000 € / 10.000 € beantragt werden, abhängig von Rechercheaufwand und -dauer. Damit sollen die Kosten für Reise, Unterkunft, Verpflegung, Visa und Dolmetscher abgedeckt sowie die Lebenshaltungskosten
während der Recherche bezuschußt werden.
Interessierte richten eine schriftliche Bewerbung an das Literarische Colloquium Berlin. Die Bewerbungsunterlagen sind im Internet zu finden unter
www.bosch-stiftung.de/grenzgaenger oder www.lcb.de/grenzgaenger. Nur
vollständige Bewerbungsunterlagen können berücksichtigt werden.
Bewerbungsformular; tabellarischer Lebenslauf; Expose; Erläuterungen
zu Rechercheplanung (Reiseroute und -dauer); Interessenserklärung oder
Vertrag von: Verlag/Sender/Agentur oder Produktionsfirma im deutschsprachigen Raum; bereits veröffentlichte Bücher oder Medienbeiträge, Rezensionen und/oder Arbeitsproben (CD und DVD bitte in 2facher Kopie). Die
Arbeitsproben sollten dem geplanten Vorhaben inhaltlich und formal möglichst nahe kommen.
Den ausgewählten Grenzgänger-Stipendiaten werden Kontakte in den
Zielländern aus dem Netzwerk der Robert Bosch Stiftung und des LCB zur
Unterstützung der Recherchereisen vermittelt.
Bewerbungstermine: jährlich am 30. April und 31. Oktober (Eingangsstempel LCB)
Eine unabhängige Jury wählt aus den eingehenden Bewerbungen Projekte
zur Förderung aus. Die Entscheidungen werden voraussichtlich jeweils Mitte
Juli bzw. Mitte Januar mitgeteilt.
Literarisches Colloquium Berlin e.V. Frau Inga Niemann
Am Sandwerder 5 14109 Berlin Telefon 030 / 81 69 96 64 niemann@lcb.
de www.lcb.de/grenzgaenger
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