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Ernst-Zimmer-Haus - Johanneshaus

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JOHANNESHAUS
Rundschau
Herbst 2011- Ausgabe Nr. 56
St. Michael - nur noch ein Wort?
Zur Namensgebung „Ernst-Zimmer-Haus“
Wie mag es einst hier ausgeschaut haben?
Fotos: Konrad Barkhoff
Inhalt
St. Michael – nur noch ein Wort?
3
Wie mag es einst hier ausgeschaut haben?
Annedore Friedrich
Aus der Geschäftsleitung
4
Zur Namensfindung „Ernst-Zimmer-Haus“
5
6
Pflegebedürftige Menschen …
7
Das Johanneshaus kommt ...
7
Mitarbeiterjubiläen
Die Projektgruppe Begleitung …
8
9
Adelheid Kast
18
Deutsches grünes Kreuz
Das Gedicht – Folge 2
19
Hans Krauss
Liebe ist …
9
Else Rens
Das Konzert des Boccerini-Sextettes
20
Johannes Ziemann
Notizen vom Eichhof
Die vier DA-men
10
11
Lilotte Wenzler
Menschen, die zu uns gekommen sind
Menschen, die das Haus verlassen haben
Der Apfelbaum
12
12
12
Rose Rauther
Vier Eurythmieaufführungen
20
Helga Beeck, Erika Müller
Veranstaltungen im Johanneshaus
125 Jahre Automobil
21
22
Gerhard Lehmann
Die Redaktion bedankt sich
23
Karin Barkhoff
Menschen, die von uns gegangen sind
Bittgedanke dir zu füßen
13
13
Impressum
Hände
Claudia Frischauf
Titelbild: Foto Stefan Kreuzer
2 Johanneshaus Rundschau
17
Lothar Hoppe
Ratschläge für Normalhörende …
Ursula Weidmann
16
Angelika Heinze
Lebendiges Wasser
Karin Barkhoff
15
Ulrich Burandt
Misteluntersuchungen und Mistelanzucht
Hans Krauss
14
Irmgard Kalmbacher
Aus unserer Vogelwelt
Ursula Weidmann
Worte der Alten an die Jungen
Reiner Kunze
Lothar Hoppe
Gedanken
Thomas Kirst
14
23
24
St. Michael –
nur noch ein Wort?
Es gibt im ganzen Land und weit darüber hinaus Michaelberge, Michaelkapellen, Michaelkirchen, aber wer die Menschen in deren Umgebung
fragt, was ihnen der Erzengel Michael bedeutet,
bekommt, wenn überhaupt, nur vage Antworten.
Michael ist den Menschen abhanden gekommen.
Wer ist Michael?
Aus der Blickrichtung auf die aktuelle Jahreszeit: einer der vier Jahreszeiten-Erzengel; er
regiert die Herbsteszeit, die Zeit der Reife, aber
auch die Zeit des Absterbens der Natur. Die Ernte
wird gesichtet, die guten Früchte gehortet und
die unbrauchbaren ausgesondert – vielleicht
schon ein Anklang an eine der weiteren Aufgaben Michaels?
Aus einem anderen Blickwinkel ist Michael der
Drachentöter, aber mit diesem Wort wird seine
Aufgabe entstellt. Der Drache ist ebensowenig
wie Michael ein irdisches Wesen, auch wenn er
im Irdischen sein Wesen oder Unwesen treibt.
Geistige Wesen aber können nicht getötet werden. Michaels Schwert ist rein, er hält den Drachen damit nur nieder, töten kann er ihn nicht.
Und der Drache? Die bildlichen Darstellungen
der vergangenen Jahrhunderte zeigen ihn sehr
unterschiedlich, zumeist als wildes, Feuer speiendes Fabelwesen, manchmal auch mit einem
menschlichen Körper. Will uns diese Darstellung
darauf hinweisen, dass der Drachenkampf nicht
nur eine kosmische Seite, sondern – und das vor
allem – auch eine zutiefst menschliche Seite
hat? Aber wer bezieht den Drachenkampf schon
auf sich selber? Der Drache wird als das Böse
schlechthin verstanden, das – wohlgemerkt –
nicht in mir, sondern außerhalb von mir herrscht!
Die Bösen sind immer die Anderen! Da war Goethe ein Ausnahmemensch, wenn er sagt, der
Mensch besitzt in seinem Innern die ganze Skala
von Gut bis Böse, er ist neben dem Guten auch
eines jeden Verbrechens fähig – jeder Mensch!
In der Malerei der Renaissance finden sich
auch Bilder von Michael mit der Waage, also im
Gegensatz zu den eher irdischen Aufgaben eine
solche, die in die höchsten Welten weist. Michael
wirkt hier unmittelbar unter dem Weltenrichter,
und von seinem Spruch hängt es ab, ob die Seelen der Verstorbenen in das Licht aufsteigen oder
in die Finsternis versinken.
Und schließlich wirkt Michael seit Ende des
19. Jahrhunderts als Zeitgeist. In den alten Weisheitsschulen hat man gewusst, dass aus einem
Kreis von sieben Erzengeln jeweils einer für eine
Epoche von rund 350 Jahren die Regentschaft
der Erdenkultur übernimmt. Jeder dieser Erzengel
hat eine andere Aufgabe. Die Aufgabe Michaels
in unserer Zeitepoche besteht unter anderem
darin, der Menschheit, ganz freilassend, die notwendige Kraft zu schenken, damit sie ihr wahres
Ziel erreichen kann.
Anthroposophen ringen seit langem darum,
ein Michaelfest ins Leben zu rufen, das dem gerecht wird, was Michael für die Menschheit tut.
Schwierig ist dieser Prozess aber schon allein dadurch, dass kein äußerer Anlass dafür besteht, wie
es beim Weihnachts- und Osterfest der Fall ist,
Geburt, Tod und Auferstehung des Christus. Für
dieses Fest, das Michaelfest, muss die Grundlage
aber ebenso im Kosmos gesucht werden wie für
die beiden andern Feste. Es setzt mithin voraus,
dass die Menschen, die dieses Fest feiern wollen, sich ein neues Geist-Bewusstsein erschaffen
oder besser formuliert: eine tiefe Bindung an die
kosmischen, die michaelischen Kräfte erstreben.
Wenn es gelänge, ein solches Fest zu begründen, das weite Kreise zieht, dann wäre bald das
Wort Sankt Michael nicht mehr nur ein Wort,
sondern es könnte vielleicht das Geheimnis ein
wenig gelüftet werden, das in der deutschen
Übersetzung des Namens Michael liegt: Michael
– „Wer ist wie Gott?“ Wahrlich ein großes Geheimnis!
Annedore Friedrich
Johanneshaus Rundschau 3
Aus der Geschäftsleitung
Liebe Freunde des
Johanneshauses!
Einige Monate und zwei Ausgaben der Johanneshaus-Rundschau sind ins Land gezogen,
seit zuletzt an dieser Stelle vom Fortschritt des
„Ernst-Zimmer-Hauses“ berichtet wurde. Zwar
wissen die aufmerksamen Bewohner des Johanneshauses aus den Bewohnerversammlungen über die fortschreitende Planung, doch soll
auch hier wieder der Planungsstand dargestellt
werden.
Die zuletzt angekündigten Änderungen führten zu einem deutlich höheren Planungsaufwand, als dies zunächst angenommen wurde.
Sodann beschäftigte den Baukreis die Problematik der mit den Umplanungen und aktuellen gesetzlichen Anforderungen einhergehende
Kostensteigerung. Es wurden Maßnahmen zur
Kostensenkung überlegt und letztendlich konnte erst im Frühjahr der Startschuss für die so
genannte „Ausführungsplanung“ gegeben werden.
Da wir für das „Ernst-Zimmer-Haus“ ja öffentliche Zuschüsse erhalten, sind wir gezwungen, die einzelnen Baugewerke öffentlich auszuschreiben. Der Aufwand für diese öffentliche
Ausschreibung ist ein wesentlich höherer als
der für eine freie Ausschreibung, da viele Details
schon mit der Ausschreibung festgelegt werden
müssen, die sonst nachverhandelt und im Bauprozess noch verändert werden können. Das bedingt eine deutlich längere Planungszeit „bis zur
letzten Schraube“ vor der Ausschreibung.
Nunmehr sind wir soweit, dass der Auftrag
für den Abriss der früheren Mitarbeiterhäuser
und für die so genannte „Bodenverbesserung“
vergeben werden kann und mit diesen Maßnahmen noch Ende September begonnen werden
kann. Damit einher geht die Herstellung der
Baustellenzufahrt zwischen Kindergarten und
dem zunächst stehen bleibenden Mitarbeiterhaus. Im Garten des Kindergartens wurde hier-
4 Johanneshaus Rundschau
für bereits ein Sichtschutzzaun zum Schutz aufgestellt, da die Hecke weichen musste.
Die Ausschreibungen für die Hauptgewerke sind weitestgehend fertig gestellt und kurz
vor der Veröffentlichung. Termine für die Auswertung wurden bereits festgelegt und noch in
diesem Jahr sollen die ersten Aufträge vergeben
werden, damit dann – zwar deutlich später als
zunächst geplant – nach dem Winter unmittelbar mit dem Rohbau begonnen werden kann.
Neben den Roh- und Ausbaugewerken wurde auch mit der Planung der Außenanlagen begonnen. Hier konnte ein Landschaftsarchitekt
gewonnen werden, der bereits für ein anderes
Haus aus dem Nikodemuswerk eine Gartenanlage geplant hat. Hier wird besonderer Wert auf
eine dementengerechte Gartengestaltung gelegt. Weiterhin erhielt der Landschaftsarchitekt
den Auftrag, einen Ersatz für den Fußweg zu
schaffen, der jetzt vor den Mitarbeiterhäusern
entlang führt und den Bewohnern des grünen
Hauses einen steigungsarmen Gang zur Oberen
Bachstrasse ermöglicht.
Auch am Konzept wurde unter der Leitung
von Frau Lassalle intensiv gearbeitet. Hierüber
wird an eigener Stelle berichtet werden.
Bereits jetzt wurden 50 neue Pflegebetten
bestellt, von denen die zukünftigen Bewohner
des „Ernst-Zimmer-Hauses“ schon vor ihrem
Umzug profitieren können.
Schon bald wollen wir einen Spendenaufruf
gestalten für Bereiche, die nicht gefördert und
finanziert sind, die wir aber für eine würdevolle
und konzeptgemäße Betreuung für sinnvoll und
notwendig erachten. Wir möchten schon jetzt
bitten, das Johanneshaus bei diesem Ansinnen
zu unterstützen!
Es grüßt Sie herzlich Ihr
Thomas Kirst, Geschäftsführer
Zur Namensfindung
„Ernst-Zimmer-Haus“
Jede Bewohnerversammlung ist mir wichtiger
Termin, den ich wahrnehmen möchte, auch wenn
ich nicht immer pünktlich bin. Denn diese Treffen sind immer informativ: ich erfahre Wichtiges,
Interessantes, lerne neue Bewohner kennen und
vieles mehr.
Auch zur Bewohnerversammlung im Juli
kam ich verspätet und leise durch den oberen
Saaleingang geschlüpft und fand mich mitten
in der Rede von Michel Barkhoff wieder, der uns
die Hintergründe zur Namenswahl des neuen Demenzhauses erläuterte. Michel Barkhoff reden zu
hören, ist für mich schon ein Genuss, und was er
mit ruhiger, wohlklingend modulierender Stimme
erzählte und dabei den großen Bogen von den
Hirten aus den Oberuferer Weihnachtsspielen zu
Friedrich Hölderlin und Ernst Zimmer fand, hat
mich stark berührt.
Ich wusste zwar, dass Friedrich Hölderlin
„geistig umnachtet“ im Hölderlinturm gelebt hat
und dort auch gestorben ist. Von Ernst Zimmer
dagegen wusste ich bis letztes Jahr gar nichts.
Erst als die Jury der öffentlich ausgelobten Namenssuche für das Demenzhaus den Vorschlag
von Dieter Kissel prämiierte, erfuhr ich ein wenig
mehr. Und ich fand es bewundernswert, dass sich
ein einfacher Schreinermeister, ein schwäbischer
Handwerker aus Tübingen, des kranken Friedrich
Hölderlin angenommen und ihn jahrzehntelang
betreut hat.
Als einer der ersten Patienten des Arztes Authenrieth wird Hölderlin 1806 zur Behandlung in
das Tübinger Universitätsklinikum gebracht, aus
dem er nach 231 Tagen als „unheilbar“ entlassen
wird und ab diesem Zeitpunkt als von der Welt
entmündigt gilt. Bis heute gibt es unterschiedliche Theorien zu Hölderlins Krankheitsbild, einig ist man sich, dass er nicht an Demenz litt.
Auf Empfehlung des Arztes Authenrieth nimmt
ihn 1807 Ernst Friedrich Zimmer, der kurz zuvor
das Haus am Neckar – den heutigen Hölderlinturm - erworben hatte, in Kost und Logis. Für
den »Pflegsohn« der Stadt Nürtingen (ein Antrag
von Hölderlins Mutter hatte dies erwirkt) stellt
Ernst Zimmer vierteljährlich die Rechnungen
an die Stadt und begleitet sie mit ausführlichen
Nachrichten über das »Wohlergehen des Herrn
Pflegsohns«.
Michel Barkhoff führte behutsam erläuternd
aus, mit welcher Sensibilität Ernst Zimmer den
kranken Hölderlin 36 Jahre lang (die Hälfte seines
Lebens!) als »stillen Gast am Herd« in einem Zimmer im ersten Stock des Hölderlinturmes beherbergte und versorgte, ihn wohlmeinend beobachtete und daraus sehr hilfreiche Rückschlüsse für
die Betreuung des kranken Dichters zog. So war
Zimmer aufgefallen, dass Musik seinen Schützling im Innern erreichte und besorgte für ihn ein
Klavier. Als Ernst Zimmer 1838 starb, übernahm
seine Tochter Charlotte die Aufgabe ihres Vaters
und kümmerte sich fortan um den kranken Hölderlin. Hölderlin starb am 7. Juni 1843 im Tübinger Turm.
Während der Turmzeit schrieb Hölderlin übrigens weiterhin – meist unter dem Pseudonym
Scardanelli – und empfing auch Besucher, wie
beispielsweise die Dichter und damaligen Studenten am Tübinger Stift Wilhelm Waiblinger
und Eduard Mörike. Hermann Hesse beschreibt
1914 in seiner Erzählung „Im Presselschen Gartenhaus“ einen Besuch der beiden bei dem kranken Hölderlin im Turm.
Im Schreiben stütze ihn Ernst Zimmer ebenfalls
und notierte selbst gewissenhaft seine Beobachtungen. Allein die Akte der Jahre 1833-1843 (die
erst 1993 wieder aufgefunden wurden) enthält
42 Briefe der Familie Zimmer, die Einblick geben
in Hölderlins Alltag. Eine Notiz aus der Turmzeit
resümiert: „Nun versteh ich den Menschen erst,
da ich ferne von ihm und in der Einsamkeit lebe.“
Zimmer selbst ist aus dieser Zeit folgendes Gedicht gewidmet:
An Zimmern
Die Linien des Lebens sind verschieden
Wie Wege sind, und wie der Berge Grenzen.
Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen
Mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden.
Johanneshaus Rundschau 5
Heute weiß die medizinische Forschung um
die Bedeutung einer beobachtenden liebevollen
Zuwendung bei der Betreuung nicht nur (alters-)
verwirrter Menschen; heute wissen wir auch,
welch große Rolle es spielt, dass ein verwirrter
Mensch sich an früheren Betätigungen aus gesunden Tagen orientieren kann. Beides wusste
oder spürte Ernst Zimmer schon Anfang des 19.
Jahrhunderts und unterstützte Hölderlin weiter
zu schreiben und besorgte ihm eben auch das
Klavier, als ihm auffiel, dass die Musik einen heilsamen Einfluss auf den Dichter hatte. Ernst Zimmer, der Hölderlins Hyperion bewunderte, hat es
intuitiv erspürt und war seinem Schützling sehr
nahe. Dieses liebevolle, sich in den Patienten einspürende Betreuung, die Ernst Zimmer zu Eigen
war, gerade diese Eigenschaft ist es, die das Johanneshaus pflegen möchte. Gibt es einen passenderen Namen als „Ernst-Zimmer-Haus“ für
ein Gebäude, in dem wir ein Zuhause für Menschen, die an dementiellen Erkrankungen leiden,
schaffen wollen?
Ursula Weidmann
Anmerkung der Redaktion:
Frau Rödelberger konnte während der Bewohnerversammlung zum oben zitierten Gedicht
noch beitragen, dass Hölderlin sich von Zimmer
ein Stück Holz geben ließ, auf welches er eben
dieses Gedicht schrieb. Sie hat nun auch noch
das historisch belegte Briefzitat Ernst Zimmers an
Hölderlins Mutter von 1812 ausfindig gemacht
und der Redaktion zur Verfügung gestellt. Hierin
heißt es: „Sein dichterischer Geist zeigt sich immer thätig, so sah Er bey mir eine Zeichnung von
einem Tempel Er sagte mir ich solte einen von
Holzmachen, ich versetzte darauf dass ich um
Brod arbeiten müsste, ich sey nicht so glücklich
so in Philosofischer ruh zu leben wie Er, gleich
versetzte Er, Ach ich bin doch ein armer Mensch,
und in der vernehmlichen Minute schrieb er mir
folgenden Vers mit Bleistift auf ein Brett.“
Zu Hölderlin siehe auch Seite 19:
Das Gedicht - Folge 2 „Der Spaziergang“
6 Johanneshaus Rundschau
Worte der Alten an die Jungen
So ist es mit den hehren Alten:
Man soll sie fein in Ehren halten,
die einst nicht mit des Tadels Ruten geizten,
wodurch sie Euch zum Tun des Guten reizten.
Zwar war dies Euren Ohren Pein,
doch drang‘s in alle Poren ein.
Das Alter ist zwar oft vor Torheit nicht geschützt,
doch öfters hat es uns in tiefer Schicht genützt.
Und wo der Sinne Wonne sinkt,
der Altersfreuden Sonne winkt.
Ihr denkt, je länger die Erfahrung währt,
das Alter gut nur mit Bewahrung fährt.
Doch nein: Es muss der Mensch wie einst in
Jugendtagen
im Alter noch erneut nach Tugend jagen.
Und wer Bewahrung jetzt als stete Treue nimmt,
fährt schlecht, weil er sich dabei nie aufs Neue
trimmt.
Doch wer sich recht bereitet gleich,
wird bis zuletzt begleitet reich.
Hans Krauss
„Pflegebedürftige Menschen
sollen ihre Gewohnheiten beibehalten können“
Das Johanneshaus kommt zu
Ihnen
Am 01. April 2011 hat Nina Lambacher die Leitung des Ambulanten Dienstes mit viel Schwung
und neuen Ideen übernommen. Da wird es Zeit,
sie hier einmal vorzustellen:
Nina Lambacher ist 28 Jahre alt, gelernte Altenpflegerin und war vor ihrem Eintritt ins Johanneshaus lange Jahre im Raum Ludwigsburg bei
einem Pflegedienstleister mit 26 Wohnheimen als
Hausleitung tätig. Für einen Wechsel zum Johanneshaus hat sie sich dann entschieden, weil ihr
hier das Konzept des Hauses, der wertschätzende
Umgang mit den hilfsbedürftigen Menschen und
auch der menschenkundliche Hintergrund des
Johanneshauses sehr zusagt. Wichtig in ihrer
Arbeit ist ihr, dass Menschen, auch wenn sie der
Pflege bedürfen, ihre Gewohnheiten beibehalten
können. Inzwischen hat sie sich sehr gut im Haus,
in Ihre neue Aufgabe eingelebt, „dank der herzlichen Aufnahme und Unterstützung meiner Mitmenschen.“ Verraten dürfen wir noch, dass Nina
Lambacher begeistert zwei Hobbys pflegt: den
Hundesport und das Reisen „um die verschiedenen Kulturen unseres Erdballs kennen zu lernen“.
Die Redaktion wünscht ihr weiterhin viel Freude
in Ihrem Einsatz für die Menschen.
Wer pflegebedürftig ist, muss nicht immer in
ein Pflegeheim: 70 Prozent der pflegebedürftigen Menschen leben zu Hause und werden von
Familienangehörigen und/oder ambulanten Pflegediensten versorgt, die es – getreu der Prämisse „ambulant vor stationär“ – überall gibt. Viele
Pflegeheime haben einen mobilen Pflegedienst,
der ergänzend zum stationären Angebot Menschen zu Hause pflegt. Auch das Johanneshaus
Öschelbronn, Zentrum für Lebensgestaltung im
Alter, pflegt und versorgt mit dem Ambulanten
Dienst „Pflege mobil“ viele Menschen rund um
Niefern-Öschelbronn. Seit April 2011 hat Nina
Lambacher (28) die Leitung des Ambulanten
Dienstes und expandiert mit „Pflege mobil“ kräftig.
Lambacher: „Wir kommen für Grund- (Körperpflege, Nahrungsaufnahme, Toilettengänge,
Mobilisation) und Behandlungspflege (z.B. Medikamente verabreichen, Blutdruckmessung, Injektionen usw.) ins Haus. Wir bieten Fahrdienste,
24-Stunden-Rufbereitschaft, „Essen auf Rädern“,
haushaltsnahe Dienstleistungen wie Einkaufen,
Wäsche waschen, Rasen mähen oder den Hund
ausführen. Auch Menschen mit erheblichem Bedarf an Beaufsichtigung und Betreuung begleiten wir (§45 a/b SGB XI).“
Die gelernte Altenpflegerin Nina Lambacher
hat über 12 Jahre Erfahrung in der Pflege und
schätzt Kundennähe: „Ein Frühaufsteher möchte die Morgentoilette nicht am späten Vormittag, der Theaterfreund möchte versorgt werden,
wenn er nach dem Theaterbesuch nach Hause
kommt. Also haben wir weitere Zeitkapazitäten
geschaffen zwischen 8:00 und 10:00 Uhr, 12:00
bis 16:00 Uhr, 18:00 Uhr bis „Open end“, weil wir
wollen, dass unsere Kunden ihre Gewohnheiten
beibehalten können. Übrigens haben wir Elemente aus der anthroposophisch-orientierten Pflege
im Leistungsangebot, wie z.B. – Öldispersionsbäder, Fußbäder mit speziellen Essenzen, Körpermassagen, Wickel und Auflagen.“
Karin Barkhoff
Ursula Weidmann
Johanneshaus Rundschau 7
Mitarbeiter-Jubiläen
Für die langjährige Mitarbeit im Johanneshaus möchten wir uns ganz herzlich bedanken.
5-jähriges Jubiläum
Rosemarie Renz
am 01.11.2011
Pflege III/5
Ann-Christin Urban
am 15.11.2011
Ambulanter Dienst
Nicole Reinhard
am 01.12.2011
Ambulanter Dienst
10-jähriges Jubiläum
Ahmet Cakir
am 01.11.2011
Küche
Britta Jahn
am 01.12.2011
Ambulanter Dienst
15-jähriges Jubiläum
Daniele Thomas
Ein Luxus der nur für mich sichtbar ist,
weil YSIS nur für mich gemacht wird.
am 01.10.2011
Ambulater Dienst
20-jähriges Jubiläum
Gisela Krieger
am 01.10.2011
Therapie
Bojkica Boskovic
am 01.11.2011
Hausreinigung
Renate Jokiel
am 05.11.2011
Hausreinigung
Maria Santos
am 05.12.2011
Wäscherei
J Ä G E R PA S S A G E
75172 PFORZHEIM
TEL.: 0 72 31-35 18 91
FAX: 0 72 31-35 77 38
Jeden Monat im Haus
Refraktion, Beratung, Service u. Verkauf
Sehhilfen aller Art
Ambulante Pflege
und Versorgung aus dem
Johanneshaus Öschelbronn
Unverbindliche Beratung unter Tel. 07233 67-9711
direkt neben der Klinik Öschelbronn
Am Eichhof 20 · 75223 Niefern-Öschelbronn · Tel. 07233 67-9711 · Fax 67-9210
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8 Johanneshaus Rundschau
Die Projektgruppe Begleitung
Sterbender im Johanneshaus
Seit 5 Jahren gibt es diesen Kreis von 15 - 18
Menschen, die sich um die würdige und individuelle Gestaltung des Lebens im Sterben
jedes Einzelnen im Johanneshaus
bemühen - wenn es gewünscht wird.
Die Gruppe wurde 2006 von Thomas
Schott initiiert, und wir versuchen,
in die ganze Vielfalt dieser Aufgabe einzutauchen. Von Anfang an
bewegte Bewohner und Mitarbeiter mit den Pfarrern der Christengemeinschaft gemeinsam die Frage
nach dem „rechten“ Sterben - und
das ist so vielfältig wie wir selbst.
Deshalb ist die wichtigste Grundlage unseres Wirkens das Lauschen
auf das, was gewollt sein mag. Wir
fühlen uns alle geeint in dem Wissen um eine geistige Dimension der
Weiterexistenz und den großen Bogen, der alle
Glaubensrichtungen umspannt.
Mit großem Einfühlungsvermögen hat in den
letzten 5 Jahren Ursula Weingart die Fäden der
Informationen gehalten und verwoben, wir danken ihr herzlich und wünschen ihr in ihrem zukünftigen Arbeitsfeld der Demenzbetreuung alles
Gute. Jetzt übernimmt Adelheid Kast von der
Pflegestation 3/1 die Koordinierung der Arbeitsgruppe.
Bei der von uns angeregten farblichen Neugestaltung des Aufbahrungsraumes haben wir Unterstützung durch die Verwaltung bekommen. So
gelingt es immer wieder, kleine Schritte auf dem
Wege zu einem würdigen Handeln im Umkreis
des Todes zu tun. Als nächstes werden im November 4 Menschen aus der Pflege, Verwaltung
und Betreuung zur großen Sterbekulturtagung
nach Dornach fahren.
Wir laden auf diesem Wege alle interessierten Menschen ein, die in der Begleitung der
Sterbenden eine Aufgabe für sich und uns alle
sehen können, sich an dieser Gruppe zu beteili-
gen. Sprechen Sie mit einem der im Folgenden
Genannten darüber, es wird sicher ein Name darunter sein, den Sie kennen oder auf dem Foto ein
Gesicht, das Ihnen vertraut ist.
Adelheid Kast
Von links nach rechts sitzend: Frau Lüdemann-Ravit, Frau Mäckler u. Herr Ziemann (Bewohner), stehend Frau Kast (Pflege 3/1),
Herr und Frau Kietzig(Christengemeinschaft), Frau Krohn u. Frau
v. Wedemeyer (Bewohnerinnen), Frau Zülcher-Schuster (Pflege
3/5), Frau Kissel (Therapie), Frau Bünder (Betreuung);
nicht auf dem Foto: Frau Hagemann (Therapie), Frau Kost (Bewohnerin), Herr Kother (Christengemeinschaft), Frau Wolf (Ehrenamtliche); uns unterstützend und zeitweilig anwesend: Frau
Lambacher (Pflegedienstleitung vom Ambulanten Dienst), Frau
Klinge (Qualitätsbeauftragte);
Liebe ist
einander
in eine höhere Potenz
zu erheben.
Else Rens
Johanneshaus Rundschau 9
Notizen vom Eichhof
Heimbeirat neu gewählt
te mit einem Blumengruß am 16. Juni 2011
den beiden neugewählten Heimbeiräten Irene
Glatz und Rosemarie Koch sowie den wieder
gewählten Heimbeiräten Dorothea Kowald, Ilse
Mäckler und Kristina Wachsmuth. Nicht zur
Wiederwahl standen Lisa Brändle und Heinz
Burger, denen Frau Lassalle für ihre engagierte
ehrenamtliche Arbeit in den vergangenen zwei
Jahren herzlich dankte.
Bewohnerrat neu gewählt
vordere Reihe v.l.n.r.: Ilse Mäckler, Kristina
Wachsmuth, Lisa Brändle, hintere Reihe v.l.n.r.:
Irene Glatz, Brigitte Lassalle, Rosemarie Koch,
Heinz Burger, Dr. Klaus Mahner (Wahlausschuss),
Dorothea Kowald, Renate Dennerlein (Wahlausschuss).
Im Johanneshaus Öschelbronn wurde im
Juni der fünfköpfige Heimbeirat neu gewählt.
Durch das Heimgesetz (HeimG) wird älteren,
pflegebedürftigen oder behinderten Menschen,
die in einem Heim leben, ein Mitwirkungsrecht
in Angelegenheiten des Heimbetriebs garantiert. Der Heimbeirat ist zentrales Mitwirkungsgremium und Interessenvertretung für
die Heimbewohner.
Der Heimbeirat wird von den Bewohnern des
Johanneshauses alle zwei Jahre neu gewählt
und setzt sich aus Bewohnern wie auch externen Menschen zusammen (z.B. Angehörige,
Vertrauenspersonen oder Mitglieder von Senioren- und Behindertenorganisationen sowie
von der Heimaufsicht vorgeschlagene Personen). Die Gesamtzahl der Heimbeiratsmitglieder, die zu wählen sind, richtet sich nach der
Größe der Einrichtung, d.h. nach der Anzahl
der Bewohner. Im Johanneshaus Öschelbronn
umfasst der Heimbeirat fünf Mitglieder.
Brigitte Lassalle (Heimleitung) gratulier-
10 Johanneshaus Rundschau
Im Juni wurde auch der Bewohnerrat für die
Dauer von 2 Jahren neu gewählt. Der Bewohnerrat im Johanneshaus setzt sich zusammen aus
Bewohnern des Betreuten Wohnens und wird
von den Bewohnern des Betreuten Wohnens gewählt. Wählbar ist jeder Bewohner, der die Ziele des "Vereins für Lebensgestaltung im Alter,
Öschelbronn e.V." und die Motive des Leitbildes
des Johanneshauses fördern möchte.
Der Bewohnerrat nimmt die Interessen aller Bewohner des Betreuten Wohnens wahr
und vertritt diese gegenüber Geschäftsleitung,
Heimleitung und Aufsichtsrat und ist bestrebt,
einvernehmliche Lösungen zu finden. Die Mitglieder des Bewohnerrates, Geschäftsleitung,
Heimleitung, sowie der Aufsichtsrat der Johanneshaus gGmbH informieren sich gegenseitig.
Mitglieder des neu gewählten Bewohnerrates sind: als Sprecher Ursula Langellotti,
Renate Dennerlein und Beate Händler; als Ersatzmitglieder Veerle von Wedemeyer, Raffaele
Langellotti und Wolf Dieter Krause; Nachrücker
ist Hans Lenz. Für eine Wiederwahl nicht mehr
zur Verfügung stand Marianne Worel.
Förderverein Johanneshaus e.V.
Auch im Förderverein des Johanneshauses
gab es Neuwahlen. Ruth Schneppat gab ihre
Vorstandsstätigkeit aus persönlichen Gründen
auf. Neu in den Vorstand wählte die Mitgliederversammlung am 25. Mai dieses Jahres Ute
Kutscher. Wiedergewählt wurden Karin Barkhoff, Gabriele Glasser und Erika Müller. In den
Beirat wurde neu gewählt Margot Schilling.
Weiterhin Mitglieder des Beirats sind Christel
Kissel und Gabriele Rescheleit.
In einer Vorstandsitzung am 02.08.2011
wurde beschlossen, am Martinibasar mit einem Stand vertreten zu sein. Geboten werden
an diesem Stand neben der Möglichkeit, sich
über den Förderverein zu informieren oder eigene Anliegen „an die Frau“ zu bringen, musikalische Darbietungen und ein attraktives
Preisrätsel zum Thema Förderverein. Schauen
Sie doch mal vorbei!
Ohne Zivis kein Martini-Bazar?
Das Johanneshaus ist wie viele andere Einrichtungen schmerzlich vom Wegfall der Zivildienststellen im Zuge der Bundeswehrreform
betroffen. Dies wird sich u. a. auch beim Aufbau des traditionellen Martini-Bazars in der
Zeit vom 30.10. - 04.11. und am Bazar-Sonntag selbst, dem 06.11.2011, bemerkbar machen.
Damit der Bazar trotzdem wie gewohnt stattfinden kann, brauchen wir dringend Ihre Hilfe.
Wer kann uns an den genannten Tagen ehrenamtlich unterstützen? Bitte melden Sie sich bei
Frau Giuliana, Tel. 07233 / 679 711. Wir freuen
uns auf Sie.
Die vier DA-men
Vier Damen in unserem Hausratbasar
sind flink zur Hand,
staunend wurde mir bekannt,
dass ich vier Herren dort fand.
Denn:
Kunz mann
Nie mann
Solt mann
Gutt mann
sind sie genannt.
Lilotte Wenzler
Nach „Kanaan“ und „Im Inneren Galiläas“ liegt nun
der dritte Gedichtband von Dieter Kissel vor. Er
konfrontiert in seinen Gedichten das Geschehen
im „Heiligen Land“ der Zeitenwende in gewaltigen
Sprachbildern mit der unmittelbaren Gegenwart.
Mond zu Nazareth
Zu Johanni 2011 ist der dritte Gedichtband
von Dieter Kissel mit dem Titel „Mond von Nazareth“ erschienen. Damit ist die Trilogie der
Gedichtbände mit Kurzerzählungen in und um
das Heilige Land der Erde zu Ende gekommen
(Kanaan 1988, Im Innern Galiläas 1998).
Dieter Kissel gelingt es in seinen Gedichten,
durch gewaltige Sprachbilder zu zeigen, dass
auch auf der Nachtseite des Daseins (der Rückseite des Mondes) die Blumen des Bösen verwandelt werden in strahlende Sonnenblumen.
„Der Mond von Nazareth leuchtet durch die
Kraft der Sonne.“ (Das Buch ist auch erhältlich
im Buchladen des Johanneshauses.)
ISBN: 978-3-86386-010-3
bestellbar im Online Buchshop,
bei Amazon und im Buchhandel.
12,80€
Johanneshaus Rundschau 11
Der Apfelbaum
Menschen, die zu
uns gekommen sind
Hedwig Best
Ruth Stiefbold
Albert Scheuffele
Hannes Reisser
Karl-Heinz Burger
Margarete Burger
Dr. Klaus Wilde
am 07.06.2011
am 08.06.2011
am 01.07.2011
am 27.07.2011
am 04.08.2011
am 04.08.2011
am 15.08.2011
Menschen, die das Haus
verlassen haben
Marion Beck
Dr. Wulf Gutjahr
Gerda Schwarz
am 31.08.2011
am 31.08.2011
am 31.08.2011
Fest verwurzelt stehst du da
alter Baum.
Unsichtbar, was dir Kraft gibt und Halt.
Gegangen sind, die dich einst gepflanzt
und gepflegt mit Liebe und Sorgfalt.
Stürme sind über dich hinweggefegt;
die Säge hat Narben hinterlassen.
Ein dürrer Ast zwischen deinem Laub wann wird er brechen?
Ob du noch Früchte trägst?
Viele kleine und ein paar große vielleicht,
der Mühe wert, dass einer sie pflückt
um den Geschmack zu prüfen
und sich wundert:
Die Sorte fremd geworden – namenlos,
auf dem Markt nicht mehr zu kaufen.
Wie oft wirst du noch blühen?
Wie oft wird das Abendleuchten
noch durch deine Zweige schimmern,
alter Baum---?
Rose Rauther
12 Johanneshaus Rundschau
Menschen, die von uns
gegangen sind
Dr. Inge Bergen
Helene Buikat Helga Bielinski
Lina Dietrich
Hertha Alpen
Brigitte Thorn
Erna Jouvenal
am 12.06.2011
am 09.07.2011
am 10.07.2011
am 25.07.2011
am 30.07.2011
am 20.08.2011
am 30.08.2011
Bittgedanke
dir zu füßen
Stirb früher als ich, um ein weniges früher
damit nicht du
den weg zum haus
allein zurückgehen musst
Reiner Kunze geb. 1933
Johanneshaus Rundschau 13
Wie mag es hier einst ausgeschaut haben?
Das war so manches Mal mein Gedanke, wenn
ich abends im Park dem Vogelgezwitscher lauschte und das Bächlein plätschern hörte. Auf jeden
Fall müssen da wohl Genies am Werk gewesen
sein! Die letzte Johanneshaus-Rundschau hat es
uns nun eindrucksvoll offenbart: Es ist kaum wieder zu erkennen, aus der Wildnis wurde tatsächlich ein Paradies.
Vor 75 Jahren, als meine Eltern – aus der Not
geboren – einen “Allzweckgarten“ im Kleinen
schufen, brauchte ich nichts anderes mehr. Auch
meinen Kindern gönnte ich so ein Kindheitsparadies. Trotz aller Schicksalsschläge schuf ich danach immer wieder solch einen Ruhepunkt. Die
Jahre flogen nur so dahin, und eh ich mich versah, war ich bereits in hohem Alter. Es wollte alles
nicht mehr so recht wie es nötig wäre. „Was hast
du nun vor?“, fragte eine teilnahmsvolle Seele.
„Ein kleines Domizil suchen, ohne Schnee schippen, Hecken schneiden, putzen, kochen, waschen,
flicken – wenn es nicht nur für mich allein wäre,
hätte es ja noch einen Sinn…“ „Komm doch mal
mit nach Öschelbronn und schau dir das Johanneshaus an“, sagte sie. Ich erinnere mich: „Ach ja,
in der Klinik war damals meine zweite Frau für
kurze Zeit und später auch meine dritte, wie lange ist das nun schon her. Na, lass uns mal schauen …“ Ich fand alles hell und sauber, man zeigte
mir ein Appartement im 6. Obergeschoss. „Ja, das
ist annehmbar, gibt es auch eines mit Balkon?“
„Ja, ein paar Türen weiter.“ Meine Augen hatten
alles in der Runde erfasst, dann schaute ich aus
dem Fenster über den Park, drehte mich um und
sagte: „Das ist es!“ Gemessen und geplant hatte
ich schnell, dann musste ich noch etliche Tage
daheim Möbel ändern, anpassen und ergänzen.
Nun kam das Einpacken usw.….usw. Ihr kennt das
ja…. Inzwischen konnte ich schon den Frühling
2010 ahnen. Nach meiner ersten Nacht schien
mir die aufgehende Sonne genau ins Gesicht und
vergoldete das ganze Zimmer. Ich war also angekommen! Es war genau der richtige Zeitpunkt in
meinem Lebenslauf, so konnte ich gerade noch
14 Johanneshaus Rundschau
alles selbst bewerkstelligen und bekam sogar zu
meinem 85. Geburtstag das erste Ständchen meines Lebens vom Chor des Johanneshauses dargeboten. Noch lange wurde ich gefragt: „Haben
Sie sich gut eingelebt?“ Es gab aber für mich gar
nichts einzuleben, und mit Kranken und Behinderten hatte ich auch keine Probleme, musste ich
doch mehrmals Krankenpfleger mit allen Begleitumständen sein. Da zeigte es sich, wie wertvoll es
ist, wenn beide, Kranke und Pflegende, auch mit
der seelisch-geistigen Seite des Mensch-Seins
vertraut sind und alles, was auf sie zukommt,
annehmen können. Schon als kaum Erwachsener
war es mir klar, dass wir das letzte Wort unserem Schöpfer überlassen müssen. Heute hege ich
insgeheim die Hoffnung, dass ich niemandem
zur Last werden möge. Aber selbst dann müsste
ich mich dazu überwinden können, alles anzunehmen, denn es kommt doch von Herzen, auch
wenn notwendigerweise der Verstand dabei am
Werk sein muss.
In diesem Sinne grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr Mitbewohner
Lothar Hoppe
Gedanken
So kommt, was da kommen mag,
Solange du lebst, ist es ein Tag.
Und geht es in die Welt hinaus,
Wo du mir bist, bin ich zu Haus.
Ich seh dein liebes Angesicht,
Ich seh‘ die Schatten der Zukunft nicht.
Menschen zu finden, die mit uns fühlen
und empfinden, ist wohl das schönste
Glück auf Erden.
Freu dich mit mir, es ist so traurig, allein
sich zu freuen.
Irmgard Kalmbacher
Aus unserer Vogelwelt
In der Ausgabe 54, Frühling 2011 stellte ich
mich mit einer Einführung in den Vogelbestand
unseres Parks und der umliegenden Feld- und
Waldstücke vor, in denen wir uns bewegen. Ich
habe nun Gelegenheit, über meine Beobachtung
im vergangenen Frühjahr bis jetzt zu berichten.
Der zwischenzeitliche Beitrag, in dem Frau Friedrich über ihre Beobachtungen am Elsternnest berichtete, hat viele von uns erfreut und gezeigt,
dass Interesse an diesem Thema besteht. Ob meine eher nüchterne Art zu berichten ebenso willkommen ist, wird sich zeigen.
Gleich vorab eine betrübliche Nachricht: Die
Artenvielfalt der Vögel in unserem Park verringert sich. Es ist ein Trend, den ich nun schon seit
meinem Einzug ins Johanneshaus beobachte und
jedem von uns, der an der Vogelwelt interessiert
ist, wahrscheinlich ebenfalls aufgefallen sein
wird. Die Feststellung: "Sie sind nicht da" kann
aber nicht leicht belegt werden. Ein Vogel, den
ich zufällig über den Park fliegen sehe, war natürlich da, aber damit gehört noch nicht zu unseren Parkbewohnern. So auch nicht der Geier,
von dem wir wissen, dass er hier vorüber flog.
Er war eindeutig ein Durchzügler. Mein Beurteilungskriterium beruht auf der Frage, ob der Vogel
(das Vogelpaar) hier gebrütet hat oder nicht. Die
richtige Antwort ergibt sich aus der Häufigkeit
der Wiederbeobachtung und einem sichtbaren
Bruterfolg. So wissenschaftlich gehe ich hier
aber auch nicht zu Werke. Darum stelle ich die
Frage: Welche Vögel haben sich hier in diesem
Jahre nicht mehr länger aufgehalten und offensichtlich auch nicht vermehrt? Ich nenne also die
Vögel, die ich in diesem Jahr nicht wieder erlebt
habe: Türkentaube, Kernbeißer, Wachholderdrossel, Schafstelze, Hausrotschwanz, Dompfaff,
Dorngrasmücke, Fitis und Zilpzalp (Laubsänger),
Feldlerche, Goldhähnchen, Stieglitz, Grauschnäpper. Alle diese Arten haben hier in den Vorjahren
noch gebrütet. Warum blieben die Türkentauben
in diesem Jahr aus? Sie gehörten in den vergangenen Jahren so selbstverständlich in unseren
Park wie Ringeltauben. Sie werden bemerkt ha-
ben: auch Rauchschwalbe, Mehlschwalbe, Mauersegler, Star, Sperling, Baumläufer, Laubsänger,
Zaunkönig, Rotkehlchen haben sich rar gemacht.
Der Schwund betrifft etwa 21 Arten!
Es gibt aber auch Erfreuliches zu berichten:
Im Walde oberhalb vom Hauptparkplatz, wo die
Sitzbank steht, und wo es dem Waldrand entlang
zu den Apfelwiesen geht, flötete ab Ende Juni ein
Pirol - leider nur knapp 4 Wochen, dann rief ihn
der Süden. Mich machten Mitbewohner auf diese Besonderheit aufmerksam und glücklich. Zur
gleichen Zeit verließen uns auch die wenigen uns
in diesem Jahr noch treu gebliebenen Schwalben.
Mögen es im nächsten Jahr bitte wieder mehr
werden. Wie aber sollte das? Offene Viehställe
gibt es hier nicht mehr und kaum noch genügend Insekten, die den Schwalben schmecken.
Man darf den Bürgern im Dorf keine Vorhaltungen machen, wenn sie die Brutbretter unter den
Regenrinnen abreißen, den Schmutz wegkratzen
und die Flecken sauber tünchen: Das Dorf muss
schmuck sein, das Haus sauber. Ja, so ist es. Die
Vögel werden sich schon zu helfen wissen. Und
wir können es nicht ändern, dass die spezifischen
Lebensgrundlagen sich auch für weitere Vogelarten ändern werden.
Hier im Hause werde ich gelegentlich gefragt,
warum ich keine vogelkundlichen Führungen anbiete. Drei Argumente: 1.) aus mir unerklärlichen
Gründen ist der "Frühchoral" der Vögel hier bei
uns deutlich kürzer als im Rheinland. Kaum ist
man vor Ort, ist das Singen auch schon vorbei.
2.) Unser Hörvermögen setzt Grenzen. Wer nicht
mehr gut hört, kann auch den Vogelgesang nicht
richtig - wenn überhaupt - hören. 3.) Man muss
die Vögel auch noch ausreichend schnell und
gut entdecken und im Auge behalten können.
Wer von uns vermag das noch? Nur durch die
Gesamtgestalt seines Gehabes offenbart sich uns
das Wesen eines Vogels: sein Name.
Nun noch eine Sorge, mit der man mich oft
Hilfe suchend befragt: Was, wenn ein unachtsamer Vogel gegen ihre Scheibe fliegt und dann benommen zu Boden geht? Antwort: Lassen sie ihn
dort bitte zunächst ganz gelassen liegen. Sehr oft
kommt er wieder zu sich und macht sich selbst
Johanneshaus Rundschau 15
davon, bevor ihn die Katze sich holen kann. Zu
dem Unfall konnte es nur kommen, weil sie die
Scheiben bedenkenlos putzen. Die Scheiben dürfen nicht spiegelblank sein. Lassen sie sie mindestens von August bis November unangetastet!
- Das ist die kritischste Zeit für Flugunfälle. Es
gibt aber auch spezielle Filzstifte (BIRDPEN) im
Handel, deren Schreibspuren nicht der Mensch,
wohl aber der Vogel sehen kann. Sie wirken etwa
4 Monate und müssen dann weggeputzt und erneuert werden. BIRDPEN liefert auch Aufkleber,
die für Menschenaugen unsichtbar durchsichtig sind und den Ausblick nicht beeinträchtigen
(gem. Werbung). Greifvogelsilhouetten beeindrucken keinen Singvogel. Ihre Wirkung wird angezweifelt.
Ulrich Burandt
Misteluntersuchungen
und Mistelanzucht im
Carl Gustav Carus-Institut
In der vorigen Ausgabe der JohanneshausRundschau wurde über das Gewächshaus des
Carus-Instituts berichtet. Dort ist aber nicht nur
die botanische Sammlung untergebracht, sondern es wird auch genutzt, um bestimmte Untersuchungen an der Mistel und anderen Pflanzen
durchzuführen.
In den ersten Öschelbronner Jahren des Instituts waren zum Beispiel im Kalthaus drei Apfelbäume mit „ausgesäten“ - das heißt mit ihrem
eigenen Leim aufgeklebten - Mistelbeeren sowie
Kameras und weitere technische Ausrüstung untergebracht, um das Wachstum der Mistel zu dokumentieren. Diese mehrjährigen, schon die Keimung einschließenden Untersuchungen führten
zu einer wichtigen Entdeckung über die Entstehung der kugeligen Gestalt der Mistel. Während
ihrer Jugendphase wächst die Mistel, wie es für
Pflanzen typisch ist, entgegen der Erdenschwere
dem Licht zu. Sobald sie aber blühfähig wird, finden eine bestimmte Zeit lang Wachstumsbewegungen statt. Danach sind die Triebe nicht mehr
16 Johanneshaus Rundschau
nur nach oben, sondern in alle Raumesrichtungen
angeordnet, mit dem Anwachspunkt der Mistel
am Baum als Zentrum. Solche Wachstumsbewegungen finden dann jedes Jahr an den neuen,
zunächst aufrecht wachsenden Trieben statt und
führen zu der typischen, um den eigenen Mittelpunkt orientierten Kugelgestalt der Mistel.
Heute forschen wir unter anderem an Fragen
zur Endogenität dieser rhythmischen Wachstumsbewegungen. Es geht also darum, ob die
Bewegungen von Umgebungsfaktoren ausgelöst
werden oder von der Mistel selbst. Untersuchungen, bei denen Temperatur, Luftfeuchtigkeit und
Belichtung steuerbar sein müssen, werden nicht
mehr im Gewächshaus, sondern in Klimakammern durchgeführt.
Diese und auch andere biologische Fragestellungen kann man nicht an abgeschnittenen
Mistelbüschen untersuchen, sondern es werden
auf dem Wirtsbaum lebende Misteln benötigt.
Für Versuche muss also der ganze misteltragende Baum transportabel sein. Da Apfelbäume in
Topfkultur über viele Jahre vital bleiben können,
Rückschnitt vertragen und sich auf ihnen recht
gut Misteln etablieren lassen, haben wir uns für
Apfelmisteln als Untersuchungsobjekte entschieden.
Wir führen die Anzucht der Mistel selbst durch,
indem wir gekaufte Apfelbaum-Halbstämmchen
in Töpfen weiterkultivieren und sie mit Mistelbeeren bekleben. Wenn alles gut geht, sind dann
nach etwa 6-7 Jahren die Misteln so weit entwickelt, dass sie für Versuche eingesetzt werden
können. Zurzeit haben wir ca. 50 Apfelbäumchen
verschiedenen Alters und für spätere vergleichende Untersuchungen 7 Kiefern mit Misteln,
dazu noch einige seltenere Mistelwirtsbäume.
Diese Bäume stehen zum Teil am Gewächshaus,
zum Teil im Garten in der Nähe des Bienenhauses.
Die Versuchspflanzen dienen darüber hinaus
als Anschauungsmaterial bei den Führungen, die
zum Kennen lernen der Mistel angeboten werden. Hier kann man ganz bequem auf Augenhöhe
verschiedene Entwicklungsstadien der Mistel betrachten. Eine Führung dauert etwa eine Stunde,
und ein Plakat mit Datum und Uhrzeit wird je-
weils auch im Johanneshaus ausgehängt. Wenn
Sie sich für die Mistel und ihre Entwicklung interessieren, sind Sie herzlich zur Teilnahme eingeladen.
Angelika Heinze
Lebendes Wasser
Wasser, wie eilst du
von den Felsen herab,
dein Rauschen klingt
meinen Ohren wohl,
du erglänzest silbern
im Licht der Sonne,
bist meinen Augen
ein liebliches Spiel.
Wo kommst du her,
du warst noch vor Tagen
im unendlichen Ozean,
hat dich wohl die Sonne
zu sich hinauf gelockt
und du ließest dich
aus einer eilenden Wolke
hier hernieder fallen?
Du labst meinen Körper
Und all meine Sinne,
labst du nicht auch
mein brennendes Herz?
Dein Herz , oh Wanderer,
kann ich nicht laben,
ich bin von der Erde
und erhalte das Leben,
doch deine suchende Seele
braucht anderes Wasser,
das Wasser des Lebens,
aus Gottes ewigem Quell,
der niemals versiegt.
Deinen Leib hab ich
Gelabt und gereinigt,
nun reinige du auch
dein sehnendes Herz,
dein rastloses Denken,
und dein eiliges Handeln,
dann formt sich willig
dein irdischer Körper
zum reinen Gefäß,
würdig, zu empfangen,
das lebende Wasser.
Lothar Hoppe
Johanneshaus Rundschau 17
Ratschläge für Normalhörende
im Umgang mit Schwerhörigen
Wer gut hört, kann sich oft nicht in die Situation eines Schwerhörigen hineinversetzen.
Normalhörende neigen dazu, die Probleme Hörgeschädigter zu unterschätzen - mangelnde
Rücksichtnahme, Überforderung der Betroffenen
und Verständnislosigkeit sind nicht selten die unbeabsichtigten Folgen.
Es gibt einige Regeln und Verhaltensweisen,
die dazu beitragen, das Verstehen und das Zusammenleben von Normalhörenden und Hörgeschädigten zu erleichtern:
• Nehmen Sie Rücksicht auf die Hörbehinderung Ihres Gesprächspartners, versuchen Sie, sich
in seine Lage zu versetzen und verständig zu reagieren.
• Sehen Sie Ihren Gesprächspartner beim
Sprechen an, damit er - auch wenn er HörgeräteTräger ist - zusätzlich von Ihren Lippen ablesen
kann. Für das Mundablesen ist es wichtig, dass
Ihr Gesicht gut zu sehen ist.
• Denken Sie daran, ruhig und nicht zu schnell
zu sprechen. Artikulieren Sie jedes Wort deutlich,
aber übertreiben Sie die Mundbewegungen nicht.
Kurze Sätze und geläufige Wörter tragen ebenfalls zum besseren Verständnis bei.
• Sprechen Sie den Schwerhörigen nicht von
hinten an. Versuchen Sie nicht seine Aufmerksamkeit zu erwecken, indem sie ihn anstoßen
oder ein lautes Geräusch machen, er würde dadurch erschreckt.
• Beim Sprechen sollten Sie weder etwas im
Mund (z. B. Kaugummi) noch zwischen den Lippen (z. B. Zigarette) haben. Achten Sie darauf,
dass der Mund während des Gesprächs nicht verdeckt ist, zum Beispiel durch eine Hand. Auch ein
Bart kann das Ablesen vom Mund erschweren.
• Das Kommunizieren erfordert für den
Schwerhörigen ein großes Maß an Konzentration. Achten Sie darauf, ob Ihr Gesprächspartner
möglicherweise eine Pause benötigt. Hören und
das Ablesen vom Mund sind anstrengender als
nur das normale Hören.
• Schreien Sie den Schwerhörigen nicht an,
18 Johanneshaus Rundschau
das verzerrt den Ton und kann schmerzhaft wirken. Außerdem haben viele Schwerhörige zwar
Schwierigkeiten leises Sprechen zu verstehen, zugleich ist aber die Schwelle herabgesetzt, bei der
laute Geräusche als unangenehm oder schmerzhaft empfunden werden.
• Hintergrund-Geräusche, wie zum Beispiel
Radiomusik, erschweren das Hören und Verstehen unnötig. Eine ruhige Umgebung ist für ein
Gespräch daher besser geeignet.
• Beziehen Sie den Schwerhörigen in ein Gespräch in geselliger Runde mit ein. Informieren
Sie ihn von Zeit zu Zeit über den Fortgang der
Unterhaltung, falls Sie merken, dass er dem Gesprächsverlauf nicht ganz folgen kann. Sprechen
Sie ihn öfter direkt an.
• Werden Sie nicht gleich ungeduldig, wenn
der Schwerhörige Sie nicht verstanden hat. Wiederholen Sie den ganzen Satz-Zusammenhang
oder wählen Sie eine andere Formulierung. Wichtige Mitteilungen müssen notfalls aufgeschrieben werden, um Missverständnisse zu vermeiden.
• Helfen Sie bei Problemen.
DEUTSCHES GRÜNES KREUZ, Marburg
JOHANNESHAUS ÖSCHELBRONN
CAFETERIA
Dienstag, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 14.30-16.30 Uhr
Herzlich
Willkommen
Das Gedicht – Folge 2
Der Spaziergang (nach 1806)
Ihr Wälder schön an der Seite
Am grünen Abhang gemalt,
wo ich umher mich leite,
durch süße Ruhe bezahlt
für jeden Stachel im Herzen,
wenn dunkel mir ist der Sinn,
denn Kunst und Sinnen hat Schmerzen
gekostet von Anbeginn
Ihr lieblichen Bilder im Tale,
zum Beispiel Gärten und Baum,
und dann der Steg, der schmale,
der Bach zu sehen kaum.
Wie schön aus heiterer Ferne
Glänzt einem das herrliche Bild
Der Landschaft, die ich gerne
besuch in Witterung mild.
Die Gottheit freundlich geleitet
Und uns erstlich mit Blau,
hernach mit Wolken bereitet,
gebildet wölbig und grau,
mit sengenden Blitzen und Rollen
des Donners, mit Reiz des Gefilds,
mit Schönheit, die gequollen
vom Quell ursprünglichen Bilds.
Friedrich Hölderlin (1770-1843)
Zur Form: In den langen Tübinger Jahren seiner „geistigen Umnachtung“ fiel Hölderlin unter
Aufgabe der freien Rhythmen und weiterer Formen wieder in die einfachen gereimten Strophen
seines Anfangs zurück.
Zum Anlass: Der heute vergessene Dichter
Wilhelm Waiblinger (1804-1830), Freund Hölderlins und sein erster Biograph, nahm den Kranken
gelegentlich mit in sein Gartenhaus oberhalb der
Stadt.
Zur Datierung „nach 1806“: Alles Schriftliche, das wir von Hölderlins Hand haben nach den
Jahren seiner Einlieferung in die Autenrieth‘sche
Klinik, ist nicht datierbar. Man mag das bedauern,
doch wären gesicherte Daten kaum hilfreich, wo
keine Entwicklung des Schöpferischen mehr erkennbar ist.
Dieses Gedicht des kranken Hölderlin ist bei
großer Klarheit zugleich von anrührender Tiefe
und einer Schönheit, die für sich selbst spricht.
Zu Beginn die Landschaftsschilderung, kurz
unterbrochen und dann über die ganze zweite
Strophe hin weitergeführt, lauter erfreuende Bilder: Das Land glänzt schön, lieblich, heiter, herrlich und mild.
Aber der Preis dieser „süßen Ruhe“ ist sehr
hoch angesichts des lebenslangen Ringens um
die Dichtung, um „…das Heilige, das am Herzen
mir liegt, das Gedicht…“
Dann, in der letzten Strophe, zunächst noch
gelassen und wie aus großem Abstand – hierin
ähnlich der zweiten Strophe – sein Lebensweg
als Wetterverschlechterung vom Blau bis zum
verheerenden Gewitter, der Krankheit. Und jetzt,
ganz am Ende, zeigt sich die Katastrophe auch
sprachlich im schauerlichen Wegbrechen der
Formungskräfte. Nichts geht mehr.
„Friedlich und heiter ist dann das Alter“ lautet
vorausschauend der Schluss eines weiteren Gedichtes des noch Gesunden. So aber wird man,
von außen betrachtet, Hölderlins Lebensabend
nur sehr eingeschränkt sehen können. Und doch
liegt ein Abglanz davon auch noch über dem späten „Spaziergang“.
Es kann eine Bereicherung sein, sich dieses
Gedicht anzueignen.
Hans Krauss
Johanneshaus Rundschau 19
Kultur im Johanneshaus
Das Konzert des BoccheriniSextettes am 9. Juli 2011
Die Zuhörer des Konzertes waren auf Grund
der Halbjahres-Vorschau gespannt auf das darin
angekündigte Programm des Boccherini-Sextettes mit den dort angegebenen Spielern.
Aber es gab ein neues Programm, das jeder
Zuhörer in die Hand bekam, und anstelle von
vier der erwarteten Streicher wurden vier neue
im Programm genannt. - Was war geschehen?
Frau Irene Genal ist selbst Cellistin im SinfonieOrchester des SWR in Stuttgart. Sie bestreitet
und vermittelt schon seit etwa 35 Jahren dem
Johanneshaus die schönsten Konzerte der Kammermusik, in denen sie selbst am Cello mitwirkt.
Zunächst waren es Abende mit Klavierbegleitung; dann erweiterte sich die Spielerzahl über
Streichtrio, Streichquartett zum Streichquintett,
das den Namen Boccherini-Quintett erhielt und
seit 2002 fast jährlich im Johanneshaus aufgetreten ist. Frau Genal musiziert in Stuttgart in
mehreren Kammermusik-Ensembles mit freiberuflich tätigen Musikern oder auch mit Mitgliedern aus anderen Orchestern, die dort ihre Verpflichtungen haben. So musste Frau Genal, als sie
diesmal mit dem Boccherini-Sextett zu uns kam,
wegen Terminüberschneidungen vier neue Spieler finden und mit ihnen ein anderes, ganz neues
Programm vorbereiten. Wir bekamen statt des
Sextetts "Souvenir de Florence" von Tschaikowsky
ein Streichquintett von Boccherini "Das Aufziehen der militärischen Nachtwache in Madrid" zu
hören.
Wie sah unser neues Programm aus? - Als
erstes Werk hörten wir das gern gespielte C-Moll
Streichquintett KV 406 von W.A. Mozart aus dem
Jahr 1787. Mozart hatte selbst seine Bläserserenade KV 388 zu dieser Komposition für fünf
Streicher umgearbeitet. Das Anfangs-Allegro wie
auch das gemütvoll sich ausdehnende Andante
in seinem lyrischen Charakter wurden schön ge-
20 Johanneshaus Rundschau
staltet. Menuett und Trio boten kräftige Kontraste, und das Schluss-Allegro wurde frisch gespielt.
Dann, noch vor der Pause, trat das Quintett
zackig im Gleichschritt auf, es gab Tuschs und
Soli bei Boccherinis Parade, brillant imponierten
die Flageolett-Schwünge der zweiten Geige. Man
nahm an der Musik von Luigi Boccherini die musikgeschichtliche Nähe zu Josef Haydns Kammermusik wahr. Doch sind sich beide Komponisten
im Leben nie begegnet.
Als Höhepunkt im Programm erklang nach
der Pause das 2. Streichsextett Opus 36 von Johannes Brahms, das er 1865 komponiert hat. Es
wurde kompetent gespielt, und wir erfreuten uns
an den schwelgenden Melodien, bei denen die
je zwei Geigen, Violen und Celli fast die Dichte
eines Orchesterklanges erreichten. Die zeitliche
Nähe zu der hier oft gehörten Cellosonate in EMoll war zu spüren. Ein großer Beifall belohnte
die Musiker nach dem Konzert.
Ein Wunsch blieb offen: In einem späteren
Konzert des Ensembles auch das diesmal nicht
gehörte Sextett von Tschaikowsky zu hören.
Johannes Ziemann
Vier Eurythmieaufführungen
Wieder hatten wir in diesem Sommer die Abschlussklassen von 3 verschiedenen Eurythmieausbildungen bei uns zu Gast. Nach 4-jährigem
Studium zeigten die Gruppen vom Eurythmeum
Stuttgart, der Akademie für Eurythmie Budapest
und der Eurythmieausbildung in Witten-Annen
ihr Können in drei abendfüllenden Aufführungen.
Sehr interessant war zu erleben, welche Verschiedenartigkeit sowohl in der Programmgestaltung als auch in der Ausführung der Texte,
Musiken, Märchen oder stummen Formen zu
Tage trat.
Die Gruppe aus Stuttgart zeigte ein abwechslungsreiches Programm. Es wechselten poetisch
schöne Darstellungen mit solchen, die sehr stark
geformt waren. Besonders eindrucksvoll war der
„Friedenstanz“, eine von Rudolf Steiner gegebene Gemeinschaftsform. In der heutigen Zeit kann
eine ganz aus dem Rhythmischen gestaltete Bewegung von 12 Eurythmisten Zukunftsquell bilden. Die ausgesprochen beseelten Bewegungen
der Eurythmistinnen aus Budapest beschwingten
und belebten die Zuschauer. Es war ein farbiges,
reiches Programm.
Exakt und gut durchgearbeitet zeigten sich die
Musiken und Texte der Eurythmisten aus WittenAnnen.
So ist es immer wieder eine Freude, zu erleben,
welche verschiedenartigen Möglichkeiten die Eurythmie hat.
Als letzte Aufführung im Reigen dieses Sommers kam nun die Stuttgarter Märchengruppe
am Ende ihrer Tournee noch zu uns und zeigte
das norwegische Märchen „Die schlaue Katze“.
Diese wirklich internationale Gruppe unter Leitung von Michael Leber bewies, dass man die
Bühne mit ganzen Herden von Schafen, Schweinen, Ziegen und Rindern bevölkern kann – und
doch stehen am Ende nur sieben Darsteller zum
Applaus vor uns. Die Geschmeidigkeit der Katze,
die liebenswürdige Durchtragekraft des Jünglings, die Verwandlungsfähigkeit der Herdentiere,
das Können der übrigen Darsteller und die Ideen
des Regisseurs verdienten sich einen von Herzen
kommenden Applaus.
Mögen die vielen jungen Menschen, die wir
in diesen Wochen hier auf der Bühne sahen, nun
auf ihrem Berufsweg das finden und leisten können, was sie sich durch ihre Ausbildung erhofft
haben!
Helga Beeck, Erika Müller
Veranstaltungen im Johanneshaus Oktober bis Dezember 2011
Oktober 08.10.2011
15.10.2011
21.10.2011
29.10.2011
30.10.2011
Klavierabend
Klavierabend
Vortrag
Galerie
Liederzyklus /
Eurythmie
19.30 Uhr
19.30 Uhr
19.30 Uhr
11.00 Uhr
Aleksandra Mikulska
Karolin u. Friederike Stegmann
Bodo von Plato, Goetheanum
Vernissage Markus Hauser
19.30 Uhr
Duo Chagall
November05.11.2011
12.11.2011
25.11.2011
Galerie-Konzert 16.00 Uhr
Klavierabend
19.30 Uhr
Eurythmie
19.30 Uhr
Ensemble Liuto Concertato
Tilman Krämer
Else-Klink-Ensemble
Dezember04.12.2011
11.12.2011
17.12.2011
Konzert
Konzert
Galerie
Eichhoftrio
Freie Eurythmiegruppe Pforzheim
Vernissage Ortwin Pennemann
16.00 Uhr
16.00 Uhr
11.00 Uhr
Gerne senden wir Ihnen den ausführlichen Veranstaltungskalender: Tel. 07233 / 679711
Johanneshaus Rundschau 21
125 Jahre Automobil
2011 steht ganz im Zeichen des Automobils.
Angebote für Berta-Benz- Wanderungen, BertaBenz-Radtouren und natürlich Oldtimerfahrten
in fast allen Ländern der Bundesrepublik – vor
allem natürlich in Baden-Württemberg, wo vor
123 Jahren Berta Benz, Ehefrau von Carl Benz,
die allererste Überlandfahrt mit einem Auto gewagt hatte.
Carl Benz hat nicht das erste Auto gebaut.
Doch er gilt als dessen Erfinder, weil ihm als erstem ein Patent darauf erteilt wurde. Seine Frau
Berta, eine gebürtige Pforzheimerin, war nicht
nur die erste Autofahrerin, sondern auch die
erste, die bewies, dass man mit diesen motorisierten Vehikeln mehr konnte, als bei Ausstellungen damit herum zu knattern. Nur wer dieses
schwach motorisierte Dreirad einmal genau besehen hat oder gar damit gefahren ist, bekommt
einen Eindruck von der ungeheuren Courage
dieser Frau, die dem selbstfahrenden Wagen das
Tor zum Erfolg ihres Mannes aufgestoßen hat.
Ein heute fast völlig vergessener Förderer
des Reisens mit dem Automobil war Otto Julius
Bierbaum, ein bekannter Lyriker und Schriftsteller zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ihm stellten die Frankfurter Adlerwerke und der Scherl
Verlag 1902 ein einfaches Auto mit Chauffeur
zur Verfügung, mit dem seine Frau und er circa
drei Monate unterwegs waren. Die Aufzeichnungen dieser Reise erschienen 1903 unter dem
Titel „Eine empfindsame Reise im Automobil von
Berlin nach Sorrent und zurück an den Rhein“.
Es war die erste in Buchform veröffentlichte
Reise mit einem Auto in Deutschland. Es ist eine
auch heute noch lesenswerte Reisebeschreibung in einer ausgesprochen schönen Sprache.
Der Wagen war natürlich offen und hatte nur
ein Notverdeck. Angetrieben wurde er von einem Einzylindermotor mit 8 PS.
Nach dieser Reise postulierte Otto Julius
Bierbaum, dass es nicht mehr lange dauern
werde, bis das Reisen im Automobil etwas ganz
Gewöhnliches sei. Er hat Recht behalten. Bereits
sechs Jahre später brachte Henry Ford das legendäre „T“ Modell auf den Markt. Es war ein
22 Johanneshaus Rundschau
einfaches, sehr robustes Fahrzeug, wurde 15
Millionen Mal gebaut und motorisierte so einen
ganzen Kontinent.
Vom 14. bis 17. Juli war ich mit meiner Frau
in einem Ford „A“, dem Nachfolgemodell des „T“,
Baujahr 1929, bei einer Otto-Julius-BierbaumGedächtnisfahrt in Greinau. Das älteste Fahrzeug hatte das Baujahr 1901 und wurde von
zwei fast ebenso antik aussehenden Engländern gesteuert. Wir waren automäßig gesehen
die jüngsten Teilnehmer. Alle 44 Fahrzeuge legten die Strecke von über 200 km einschließlich
der Fahrt von Kochel bis zum Walchensee ohne
Ausfälle zurück. Das Fahren mit diesen Autos
ist nicht unbedingt bequem, es ist laut und anstrengend, aber es hat immer noch ein klein
wenig von Abenteuer an sich und macht jemandem, der sich für alte Mechanik interessiert, viel
Spaß und den zahlreichen Zuschauern große
Freude.
Gerhard Lehmann
Die Redaktion bedankt sich
Wir, die Redaktion der Rundschau, möchten
uns auf diesem Weg ganz herzlich bedanken für
die vielen positiven Rückmeldungen, die wir in
den vergangenen Monaten von Ihnen, sehr geehrte Leser, erhalten haben. Diese Rückmeldungen betrafen die Vielseitigkeit und die Qualität
der Beiträge, das geänderte Layout und ebenso
die Umstellung auf umweltfreundliches Papier
und umweltfreundliche Druckfarbe.
Uns ist natürlich bewusst, dass Druckerfarbe
immer die Umwelt belastet, auch die von Greenpeace für unbedenklich eingestufte Farbe. Aber
auch eine möglichst geringe Belastung ist ein
Beitrag zum Umweltschutz.
Ihr großes Lob für die Artikel der Rundschau
möchten wir hiermit an alle Autoren weitergeben, denn Sie, liebe Autoren, sind es, die mit Ihren
Beiträgen unserer Rundschau ein Gesicht geben!
Wir freuen uns immer sehr auf Ihre Artikel.
Ein weiteres ganz herzliches Dankeschön geht
an die Geschäftsleitung, die insbesondere dem
letzten Heft mit einem Umfang von 36 Seiten
und damit einem wesentlich höheren Kostenaufwand ohne zu zögern zugestimmt hat. Nur
so war es möglich, ein wirklich umfassendes Bild
zur Garten- und Parkentwicklung aufzuzeigen.
Natürlich hätten wir uns gewünscht, die vielen
Garten- und Parkbilder größer drucken zu können, aber irgendwo sind dann doch Grenzen und
die Beiträge waren uns in diesem Fall wichtiger
als die Größe der Bilder.
Kritik ist immer notwendig für eine fortwährende Entwicklung, deshalb freuen wir uns über
jede Rückmeldung, auch Beanstandungen sind
uns wichtig und bringen uns weiter. Vielen Dank!
Karin Barkhoff
Die Rundschau wird auf umweltfreundliches Papier (blauer Umweltschutzengel)
mit umweltverträglicher Farbe (Greenpeace geprüft) gedruckt.
Impressum
Die Rundschau
Herausgeber
Johanneshaus gemeinnützige GmbH
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Tel. 07233 / 670 · Fax 07233 / 679210
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Redaktion:
Karin Barkhoff
Hedi Delfino
Dorette Jensen
Hans Krauss
Madlen Kost
Gerd Kutscher
Jutta Lauer
Erika Müller
Layout:
Konrad Barkhoff
Anzeigen:
Druckauflage:
Karin Barkhoff
Tel. 07233 / 97 31 56
karin.barkhoff@t-online.de
800 Stück
Druck: Butscher Pforzheim
- steht im Internet zum kostenlosen Download bereit
unter:
www.johanneshaus-oeschelbronn.de/rundschau.htm
- erscheint viermal jährlich zu den Jahresfesten:
Ostern – Johanni – Michaeli – Weihnachten
- lebt von den Beiträgen der Bewohner und Mitarbeiter.
Insofern freuen wir uns über jede Zuschrift! Die Redaktion kann jedoch keine Zusage über den Zeitpunkt der
Veröffentlichung geben, ebenso kann keine Haftung für
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werden.
Für Inhalt und sachliche Richtigkeit der Beiträge zeichnet der jeweilige Autor verantwortlich. Die Redaktion
behält sich Überarbeitungen und Kürzungen vor. Aus
Gründen der besseren Lesbarkeit wurde in der Regel die
männliche Schreibweise verwendet. Wir weisen jedoch
ausdrücklich darauf hin, dass die männliche Schreibweise die weibliche stets mit einbezieht.
Redaktionsschluss für die kommende
Ausgabe ist am 30.11.2011
Johanneshaus Rundschau 23
Hände
es werden immer
Hände sein
die dich begleiten
ein Händedruck nur
kühl
und hart fordernd
eine kurze
Berührung
leicht gleitend
ein Tipp
auf die Schulter
hier bin ich
oder
weiche warme
zärtlich
streichelnd
sanft
damit du sie
nicht vergisst
geben dir Kraft
oder nehmen dich
mit in den Tod
Claudia Frischauf
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Kategorie
Seele and Geist
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