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Ausbildung ist wie ein 6er im Lotto - ZV Usedom

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Usedomer
Wasser Zeitung
4. JAHRGANG NR. 1/FEBRUAR 2010
Informationen des Zweckverbandes Wasserversorgung & Abwasserbeseitigung Insel Usedom
Ausbildung ist wie ein 6er im Lotto
Azubi Eric Straube ist froh über die Lehre / Neuland im ZV:
erstmals ein Mädchen im Wasserwerk
Ohne Büffeln geht es nicht, die
Ausbildung ist anspruchsvoll,
weiß Azubi Eric Straube. Der
19-Jährige befindet sich im
3. Lehrjahr, will Facharbeiter
für Wasserversorgungstechnik
werden.
„Die Arbeit in den Wasserwerken
macht mir viel Spaß“, erzählt Eric
Straube, der in Ahlbeck zu Hause
ist. „Vor allem die Technik ist beeindruckend, vieles ist vollautomatisch,
muss jedoch regelmäßig überwacht
werden“, sagt der junge Mann.
Dass er die Ausbildung bekommen
habe, sei wie „ein 6er im Lotto“.
Zum Glück sei der Andrang um die
Stelle nicht zu groß gewesen, denn
jährlich werde meist nur ein Lehrling
angenommen.
Ihm liege das Handwerkliche,
meint Straube und fügt hinzu: „Ich
würde mich sehr freuen, wenn ich
übernommen würde. Für die theoretischen Prüfungen muss ich allerdings noch allerhand tun.“
Ausbilder Holger Röpert verlangt
von seinen Schützlingen neben dem
Wissen um physikalische und chemische Prozesse vor allem auch das
nötige Verantwortungsbewusstsein.
„Wasser ist lebenswichtig, das Lebensmittel Nummer 1. Meist merken es die Menschen erst, wenn es
ausbleibt. Aber als Wasserwerker
hat man eine große Verantwortung,
zuverlässig immer gleichbleibende
LANDPARTIE
Es gibt nicht mehr viele Handwerker,
die sich auf das Gerben und Verarbeiten von Fischleder verstehen. Bärbel
Seelig hat es ausprobiert, weil sie
wissen wollte, wie das uralte Handwerk einst funktionierte. „Im letzten
Jahrhundert hat man Treibriemen aus
Fischhaut hergestellt, die waren stärker als Rindsleder“, sagt die 58-Jährige aus Neuendorf/Lütow. Sie habe
die Anregung bei einer TV-Reportage
über Norwegen bekommen. „Ich war
neugierig geworden, habe es einfach versucht und bin noch immer
begeistert“, sagt die Kunsthandwer-
Ausbilder Holger Röpert mit Lehrling Eric Straube an der Schalttafel im Wasserwerk Ahlbeck.
Qualität zu liefern.“ Ausbilder Sebastian Kulz unterstreicht, wie
schwierig es geworden ist, junge
Leute für den Beruf zu gewinnen.
„Es gibt viele Vorurteile, besonders
im Abwasserbereich. Dabei ist die
Arbeit wirklich sauber – allerdings
auch anspruchsvoll.“
Fortsetzung S. 4/5
NACHRICHT
10.000 Euro
zurückerstattet
Über 350 Anträge zur Rückerstattung von Umsatzsteuern wurden
in den vergangenen Monaten
bearbeitet. „Das war ein enormer
Kraftakt“, sagt Dörte Pilsniak,
Sachbearbeiterin in der Finanzbuchhaltung. Rund 10.000 Euro
wurden inzwischen an die Kunden ausgezahlt. Dabei handelt
es sich um Umsatzsteuern, die
für Trinkwasser-Grundstücksanschlüsse bzw. Reparaturen an
Trinkwasserleitungen zwischen
2000 und 2008 zu hoch angesetzt
waren. War damals ein Umsatzsteuersatz von 16 bzw. 19 % üblich, ist die Steuer inzwischen auf
7 % festgelegt und die Differenz
kann rückwirkend geltend gemacht werden. Dies gilt nicht für
Abwasserrechnungen, da diese
keine Umsatzsteuer enthalten,
bzw. auch nicht für TrinkwasserGebührenbescheide, die schon
immer mit 7 % besteuert wurden.
Weiterhin können Kunden einen
Antrag auf Rückerstattung stellen. Vordrucke gibt es auf der
Internetseite des ZV oder auf Anfrage. Es ist auch möglich, einen
formlosen Antrag einzureichen.
Dazu müssen folgende Angaben
gemacht werden: Name, Vorname, Anschrift, Kundennummer,
Bescheid- oder Rechnungsnummer, Bankverbindung sowie eine
Bestätigung, das für die betreffenden Rechnungen keine Vorsteuer gegenüber dem Finanzamt
geltend gemacht wurde.
Taschen und Schmuck aus Fischleder
kerin. Inzwischen kauft sie das Leder
in Norwegen und verarbeitet es zu
kleinen Kunstwerken: zu Broschen,
Armreifen, Taschen, Bucheinbänden
und vielem mehr. Das Störleder, das
an eine Schlangen- oder Krokodilhaut
erinnert, wirkt durch die Knocheneinschlüsse besonders interessant. „Ich
liebe den Stör, weil er so selten und
schön ist. Aber auch der Lachs gehört
zu meinen Lieblingsfischen, aus dem
schöne Leder werden“, meint Bärbel
Seelig.
Erst vor sechs Jahren zog sie mit
ihrem Mann aus dem deutschen
Kohlepott auf die Insel Usedom nach
Neuendorf. „Das Achterwasser war
Liebe auf den ersten Blick“, erzählt
die kleine Frau. Nun ist neben dem
Wohnhaus ein großes Atelier entstanden und fast ein Museum. Mit einer
alten englischen Kutsche um 1920,
Pferdegeschirr und vielen alten Gebrauchsgegenständen, dazu natürlich
die Verkaufsprodukte aus Fischleder.
Bärbel Seelig zeigt das Fischleder, das sie verarbeitet.
Usedomer Fischleder, täglich
geöffnet 11–17 Uhr: Zinnowitzer
Straße 1, 17440 Lütow-Neuendorf; Tel.: 038377 36657
AKTUELLES
SEITE 2
Einsendeflut
Die Leser der Wasserzeitung erwiesen sich als profunde Kenner
bei der Lösung des WeihnachtsKreuzworträtsels. Bei fast 600
Einsendungen, davon 130 Mails,
wurde eine Trefferquote von 98
Prozent erreicht. Absetzbecken
hieß das Zauberwort.
Die Gewinner
1. Preis
Espressokaffeemaschine
Kersten Hacker, Malchin
2. Preis
Zimmer-Schieferbrunnen
Fam. Heinze, Schönberg
3. Preis
Zimmer-Kaskadenbrunnen
Heinz Fechter, Kühlungsborn
4. Preis
Schlauchboot
Harald Kröplin, Wotenitz
5. Preis
Wassersprudler
Helmut Gleimann, Wittenburg
6. Preis
Wasserkocher
H. Radtke, Hohen Luckow
7. Preis
Bügeleisen
Christel Ebert, Basedow
8. Preis
Besuch Meeresmuseum Stralsund
Marianne Brettner, Ahlbeck
9. Preis
Wildrosencremebad
Sieglinde Goldbach, Neubuckow
Wir gratulieren den Gewinnern
und versichern den 585 leer Ausgegangenen, dass am nächsten
Preisausschreiben bereits getüftelt wird.
Redaktion Wasserzeitung
IMPRESSUM
Trinkwasserversorgung in Mecklenburg-Vorpommern auf dem Prüfstand
Modern und äußerst zuverlässig
Es gleicht inzwischen schon
einer kleinen Sensation, wenn
beim Druck auf den Hahn das
Trinkwasser ausbleibt. Heute
fließt das Lebensmittel Nr. 1 zuverlässig an 365 Tagen rund um
die Uhr, abgesehen von kleineren
lokalen Beeinträchtigungen.
Wasserwerken wurden 27 neu gebaut und 51 erweitert. Zugleich gingen rund 250 kleinere Wasserwerke
vom Netz und 800 Eigenversorgungsanlagen außer Betrieb.
Überwachung durch
elektronische Systeme
Während früher aus oft schwer zu
lokalisierenden Lecks Trinkwasser
meist über längere Zeit in Größenordnungen austrat, wird dies heute
mit elektronischen Prozessleitsystemen fast gänzlich vermieden. Bereits
bei geringstem Druckabfall im Netz
lässt sich die Ursache schnell und
präzise bestimmen. Außerdem finden
regelmäßige Leitungsinspektionen
statt, um Schwachstellen im Rohrnetz zu ermitteln und zu beseitigen.
D
abei müssen zwei wichtige
Voraussetzungen erfüllt
werden. Zum einen muss
ausreichend Grundwasser vorhanden sein und zum anderen geht es
um einen reibungslosen Transport
des aufbereiteten Wassers zu den
Kunden. Was Ersteres betrifft, so
verfügt Mecklenburg-Vorpommern
bis auf einige Einzelstandorte über
ausreichende Grundwasservorräte.
Aus der jährlich nutzbaren Menge
von 2,1 Mrd. m³ werden im Land gegenwärtig nur 11 % entnommen.
Wie verhält es sich aber mit der stabilen Versorgung der Verbraucher?
Für diese Leistung lassen die Wasserverluste Rückschlüsse auf den
Betrieb der Rohrnetze zu. Betrugen
diese Verluste zu Wendezeiten bei
den Wasserversorgern in M-V um
die 30 %, so sind es heute nur noch
etwa 10 % oder als technischer Wert
70 Liter pro Stunde und km Leitung
(zu DDR-Zeiten waren es etwa 100
Liter). Ein enormer Schritt vorwärts,
der eine Menge Arbeit erforderte.
Dies verdeutlichen die folgenden
Punkte.
Kompensieren von
Spitzenverbräuchen
Mit Sanierung der Leitungen sanken die Wasserverluste erheblich.
Modernisierung der
Anlagen und Netze
Seit 1990 gab es über 750 größere
Vorhaben in M-V. Diese Projekte
wurden vom Land mit 103,34 Mio.
Euro gefördert. So entstanden
1.270 km neue Leitungen – eine
Entfernung von Rostock nach Mailand. Jährlich werden über 2 % des
gesamten Leitungsnetzes saniert. An
Zu den Tagesspitzen wie mittags
oder abends, an heißen Sommertagen oder zur Urlaubssaison steigt
der Trinkwasserbedarf oft auf das
Anderthalbfache bzw. sogar bis auf
das Doppelte. Darauf haben sich
die Zweckverbände eingestellt und
sichern mithilfe von Trinkwasserspeichern auch zu diesen Zeiten die
Versorgung in gewohnter Qualität.
Diese Behälter verfügen heute über
eine Kapazität, mit der der Durst der
1,7 Mio. Landesbewohner über einen Tag (genau 1,18) gestillt werden
kann.
Die WZ sprach mit Verbandsvorsteher Eckhard Bomball, ZV Grevesmühlen
Wasserwerke saniert, Rohrnetz erneuert
Redaktion und Verlag:
SPREE-PR
Märkisches Ufer 34
10179 Berlin
Telefon: 030 247468-0
E-Mail: agentur@spree-pr.com
Internet: www.spree-pr.com
WZ: Gab es im vergangenen Jahr
in Ihrem Verband Versorgungsunterbrechungen?
Eckhard Bomball: Lediglich in
kleinen Teilgebieten kam es durch
Rohrschäden zu Unterbrechungen
der Wasserversorgung. Unsere Versorgungsanlagen, wie beispielsweise Wasserwerke oder Druckstationen, arbeiteten 2009 ohne jegliche
Ausfälle.
V.i.S.d.P.: Thomas Marquard
Redaktion: Dr. Peter Viertel
Mitarbeit: Anette Pröber,
Kerstin Schröder
Fotos: Alpincenter Wittenburg,
ZV Grevesmühlen, A. Pröber,
K. Schröder, U. Spohler, P. Tertel,
Dr. P. Viertel, Archiv
Layout: SPREE-PR, J. Wollschläger
Druck: Kurierverlags GmbH & Co. KG
Neubrandenburg
Wie hat sich die Zahl der Havarien seit der Verbandsgründung
verringert?
Diese haben wir um ein Vielfaches
gesenkt, wenn man heute überhaupt noch das Wort Havarie in den
Mund nehmen kann. In den meisten
Fällen erkennen wir Abweichungen
vom normalen Betriebsablauf mithil-
Herausgeber:
ZV KÜHLUNG Bad Doberan,
ZV Grevesmühlen, WZV Malchin
Stavenhagen, ZV Sude-Schaale,
ZV Insel Usedom
WASSERZEITUNG
Eckhard
Bomball
fe des Zentralen Prozessleitstandes,
kurz ZPLS, bereits im Vorfeld und
vermeiden damit Auswirkung auf
den Kunden. Trotzdem werden auch
20 Notstromanlagen stationär und/
oder mobil zusätzlich vorgehalten,
weil uns die Sicherheit der Leistung
für unsere Kunden so wichtig ist.
Wie bewerten Sie insgesamt den
Zustand der Wasserwerke und
des Rohrnetzes?
Das Rohrnetz wurde zum großen
Teil erneuert und jährlich werden
weiterhin ältere Leitungen ausgewechselt.
Drei von unseren vier Wasserwerken haben wir komplett und das
in Wotenitz teilsaniert. Die Stabilität unserer Versorgung hängt
auch damit zusammen, dass wir
von ursprünglich 34 Wasserwerken
heute nur noch vier betreiben, die
im Verbundsystem kostengünstiger
arbeiten.
Wie versuchen Sie, die täglichen
und auch die jahreszeitlichen
Verbrauchsspitzen zu kompensieren?
Tagesspitzen wie z. B. zur Mittagszeit oder zur Halbzeit großer Fußballspiele werden durch die Speichermengen in Hochbehältern aus-
geglichen. Diese sorgen zugleich für
einen stabilen Druck und werden in
der versorgungsschwachen Zeit gefüllt. Das spart Energie. Im Sommer
ist der Effekt ähnlich, jedoch müssen dann mehrere Pumpen laufen,
um den Verbrauch auszugleichen.
Durch den Verbund der vier Wasserwerke können große Abnahmen
vollständig kompensiert werden.
Sehen Sie noch Möglichkeiten,
um die Wasserverluste weiter zu
senken?
Wir nutzen unseren ZPLS, um Verbräuche in Teilgebieten, wir nennen
dies Distriktmessungen, exakt zu
prüfen und auszuwerten. So können
Abweichungen in den derzeit 38
Distrikten früh erkannt und Verluste
minimiert werden.
FEBRUAR 2010
J
DAS EHRENAMT IN MECKLENBURG-VORPOMMERN
eder Dritte in Deutschland engagiert sich ehrenamtlich beim Katastrophenschutz,
in Sportvereinen, Umweltverbänden, in der Jugendarbeit oder in den Kirchen. Allein im sozialen Sektor werden jährlich 6,5 Mrd. Stunden ohne Vergütung geleis-
Katastrophenschutz
Sport
SEITE 3
tet. Das entspricht einer Arbeitszeit von 3,2 Millionen Vollzeitbeschäftigten. Die Wasserzeitung möchte in vier Beiträgen den Einsatz aller ehrenamtlichen Helfer in Mecklenburg-Vorpommern würdigen.
Vereinsleben
Kulturbereich
Leben retten und anderen helfen
Bald 30 Jahre bei der freiwilligen Feuerwehr: Torsten Gromm
N
ur sechs Grad warm war
die Ostsee, als die Feuerwehr alarmiert wurde,
weil Fischer mit einem Ruderboot
vor der Küste gekentert waren. „Der
eine konnte sich noch schwimmend
ans Land retten, den anderen haben
wir dann geholt: Völlig entkräftet
trieb er festgeklammert am Boot“,
erzählt Torsten Gromm. „Wir kamen
gerade noch rechtzeitig.“ Der hochgewachsene, kräftige Mann, der
1981 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Klütz wurde, kann viele solcher
Geschichten erzählen.
Torsten
Gromm
„Bei der Feuerwehr zu sein, ist wohl
einer dieser typischen Jungenträume“, gibt Gromm zu.
Faszinierende Technik
Schon mit zwölf Jahren zog es ihn zu
den jungen Brandschutzhelfern. „Damals faszinierte in erster Linie wohl
die Technik, machte es Spaß, etwas
in der Gemeinschaft zu erleben", erinnert sich Gromm. Heute als Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes
und als Kreiswehrführer weiß er vor
allem um die Bedeutung: „Aktiver
bei der Feuerwehr zu sein, ist eine
ernsthafte Verpflichtung. Wohl jeder Mensch erwartet, dass ihm in
Notsituationen geholfen wird. Dann
ist es gut, dass es die Männer und
Frauen von der Feuerwehr gibt, die
für solche Einsätze qualifiziert sind.“
Deshalb gehöre es dazu, sich ständig
weiterzubilden und sportlich fit zu
halten. „Das sind ungezählte Stunden Freizeit, die dafür draufgehen“,
sagt Gromm.
Tatsächlich harte Arbeit
„Ohne die Ehrenamtlichen ginge
nichts“, sagt Andreas Dubbe (47),
Geschäftsführer vom Kreisfeuerwehrverband Nordwestmecklenburg.
Er weiß die Mitarbeit von rund 2.700
aktiven Kameradinnen und Kameraden bei 105 freiwilligen Feuerwehren im Kreis zu schätzen. „Das
ist tatsächlich harte Arbeit und kann
sehr stark belasten. Vor allem, wenn
Unfalltote, Kinder und Frauen, geborgen werden müssen.“
Torsten Gromm ist seit 2007 Kreiswehrführer und damit vor allem
für die Koordination bei größeren
Einsätzen zuständig. „Ich bin immer
dann gefragt, wenn beispielsweise
auf der Autobahn A 20 ein Gefahrguttransporter verunglückt oder wenn
bei einem Großbrand mehr als fünf
Feuerwehren ausrücken müssen“,
erklärt Gromm. In seinem Hauptberuf
ist er Verwaltungsangestellter und
arbeitet im Amt Klütz. Da hat man
sich längst daran gewöhnt, dass der
ruhige Mann ab und an seinen Ar-
INTERVIEW
WZ: Wie lange schon sind Sie bei
der freiwilligen Feuerwehr?
Waltraud Köppe: Begonnen habe
ich 1970 in Zinnowitz. Seit 1988 bin
ich nun Wehrführerin der Gemeinde
Lütow und damit Chefin von 17 Kameraden und muss die Einsätze koordinieren. In wenigen
Wochen werde ich die
Führungsfunktion abgeben.
Bei Großbränden koordiniert Torsten Gromm die Feuerwehren in Nordwestmecklenburg.
Hartes Training.
Ehrung der Besten.
Verdiente Pause.
beitsplatz verlässt – im Dienste der
Feuerwehr. „Aber klar erledige ich
die liegen gebliebene Arbeit dann
später“, meint Gromm.
Die freiwillige Feuerwehr hat bei den
meisten Menschen im ländlichen
Raum einen guten Ruf. Weil sie Hilfe in Not verspricht und weil sie das
Zusammenleben prägt. Ohne die Mitglieder der FF sind Feste, Oster- oder
Neujahrsfeuer undenkbar. „Das soll
sich auch in Zukunft nicht ändern“,
meint der Kreiswehrchef. Auch mit
dem Wasser-Zweckverband in Grevesmühlen arbeite man im Übrigen
sehr gut zusammen. „Wir dürfen
sämtliche Hydranten nutzen, wenn
wir das Wasser benötigen. Es sind
sogar eigens Leitungen für uns zu
Zwecken der Gefahrenabwehr gelegt.“ Das sei nicht selbstverständlich, bemerkt der Kreiswehrchef. Und
gemeinsame Wasserfeste gestalte
man natürlich auch.
Wehrführerin Waltraud Köppe
Und weiter dabeibleiben?
Aber natürlich, ich muss doch ein
Auge auf die Jungs haben. Wir sind
eine eingeschworene Truppe, jeder
kann sich auf den anderen verlassen.
Auch persönlich helfen wir uns.
Warum engagieren Sie sich für die
Feuerwehr?
Schon mein Vater und
meine drei Brüder waren
aktiv in der Feuerwehr.
Anderen Menschen zu
helfen und Leben zu retten, das ist eine wichtige
und verantwortungsvolle
Aufgabe. Auch meine
beiden Söhne Matthias und Mario
ZAHLEN & FAKTEN
Waltraud
Köppe
gehören zur freiwilligen Feuerwehr,
es ist eine Familientradition.
Das Ehrenamt kostet viel Zeit,
jeden Samstag trifft man sich zu
Übungen und Absprachen. Sie
sind im Beruf Köchin. Bleibt Zeit
für Muße?
Die Gartenarbeit habe ich längst aufgegeben. In meiner freien Zeit lese ich.
Freiwillige Feuerwehren
klassische Brandbekämpfung
• 954 Wehren
Brandbekämpfung & techn. Hilfe
• 33 Schwerpunktwehren
• 176 Stützpunktfeuerwehren
Jugendfeuerwehren
• 661 Wehren
• 6.355 Mitglieder
• darunter 1.709 Mädchen
Ausrüstung/Unterhalt
• durch Kommunen
Verteilung Fördermittel
Landkreise
Berufsfeuerwehren
sechs (kreisfreie Städte)
PANORAMA
USEDOMER WASSERZEITUNG – FEBRUAR 2010
Die Leiterin der Finanzbuchhaltung,
Erika Schmurr, hat mit Jahresbeginn in die Ruhephase der Altersteilzeit gewechselt. Seit Gründung
des Zweckverbandes Usedom 1992
hat sie 17 Jahre lang die Finanzgeschäfte verantwortungsvoll verwaltet. „Ich möchte mich bei Frau
Schmurr sehr herzlich für die tatkräftige Mitarbeit über all die Jahre
bedanken. Sie hat den schwierigen
Aufbau des Zweckverbandes gut
begleitet und großen Anteil an seiner positiven Entwicklung“, sagte
Geschäftsführer Kurt Jentsch bei
der Verabschiedung. Jederzeit habe
man sich auf Erika Schmurr verlassen können, ihre ruhige Art sei bei
den Kollegen gut angekommen. Als
Nachfolgerin wird künftig Martina
Kaudasch fungieren, sie wurde von
Frau Schmurr bereits eingearbeitet.
Erika Schmurr freut sich nun, gemeinsam mit ihrem Mann mehr Zeit
mit den Enkelkindern verbringen zu
können. Außerdem wird man sie in
Morgenitz wohl auch noch öfter mit
ihrem Hund spazierengehen sehen.
Geschäftsführer Kurt Jentsch verabschiedet Finanzbuchhalterin
Erika Schmurr in den Ruhestand.
Ausbildung ist ist wie ein 6er …
Fortsetzung von Seite 1
Kein Tag sei wie der andere, berichtet
Kulz. Weil es immer neue Anforderungen zu bewältigen gäbe.
Zum Beispiel sei es enorm unterschiedlich, wie die Wassermengen
anfallen. In der Urlaubssaison werden
oft ungeahnte Spitzen erreicht. Das
erfordert viel Fingerspitzengefühl,
damit es zu keinen Ausfällen kommt.
Dazu kommen Havarien und Kundenkontakte und vieles mehr. Wer sich für
eine Ausbildung interessiere, sollte
schon gute Noten in den naturwis-
senschaftlichen Fächern und Einsatzbereitschaft mitbringen. Zum ersten
Mal ist im vergangenen Sommer ein
Mädchen für die Ausbildung im Wasserwerk gewonnen worden. „Sie hatte
sehr gute Noten und hat uns auch beim
Praktikum von ihren Fertigkeiten überzeugt“, sagt Kulz. Nun beschreite der
Zweckverband Neuland. Denn bislang
gab es keine weiblichen Angestellten
im gewerblichen Bereich. Mal sehen,
meint er, wer in diesem Jahr das
Rennen macht. Dann wird wieder ein
Lehrling für den Beruf des Wasserversorgungstechnikers gesucht.
Können wir uns weiches Wasser leisten?
In Kundenanfragen wird immer wieder kritisch der hohe
Kalkgehalt im Trinkwasser
angesprochen. Die Wasserzeitung sprach zum Thema Wasserhärte mit dem Geschäftsführer des Zweckverbandes
Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Insel Usedom, Kurt Jentsch.
WZ: Was ist Kalk im Trinkwasser?
Kurt Jentsch: Als Kalk bezeichnet
man Calcium- und Magnesiumverbindungen, die im Wasser gelöst sind. Sie
machen die Härte des Wassers aus.
Je mehr Calcium und Magnesium das
Wasser enthält, desto härter ist es.
Welche Auswirkungen hat die
Wasserhärte? Stimmt es, dass
hartes Wasser besser schmeckt?
Ja, das ist richtig und bedingt durch
die Inhaltsstoffe, die Mineralien. Calcium- und Magnesium-Ionen gehören
zu jenen Mineralstoffen, die für den
Menschen lebenswichtig sind. Calcium ist wichtig für Knochen und Zähne
und unentbehrlich für die Blutgerinnung. Magnesium wirkt positiv auf
die Muskelarbeit, auf Nerven und
Arterien.
Auch in Wasserleitungen ist eine gewisse Härte im Wasser notwendig,
um zum einen einen Korrosionsschutz
für die Rohre aufzubauen und zum anderen um aggressive Kohlensäure zu
neutralisieren.
Was ist das Unangenehme an
hartem Wasser?
WASSERCHINESISCH
KURZER DRAHT
Zweckverband
Wasserversorgung und
Abwasserbeseitigung
Insel Usedom
Öffnungszeiten
Di./Do. 8–12 und 13–16 Uhr,
sonst nach Vereinbarung
E-Mail: info@zv-usedom.de
Zum Achterwasser 6
17459 Seebad Ückeritz
www.zv-usedom.de
Tel.:
Fax:
038375 530
038375 20140
Ausbildung vorgestellt
Die Wasserzeitung setzt in loser Folge Fachbegriffe aus der
Wasserwirtschaft in karikaturistischer Weise um.
Heute: die Druckerhöhungsstation. Sie
ist ein Teil des Wasserverteilungssystems. Mit dieser Anlage wird auch in
Magnesium und Calcium gebunden.
Die Regeneration des Ionenaustauschers erfolgt mittels Regeneriersalz.
Andere Methoden der Enthärtung und
Regenerierung, so mit Kohlendioxid,
wurden in Deutschland bislang nur in
wenigen Wasserwerken installiert.
Für einige Verwendungszwecke kann
sich „hartes Wasser“ als nachteilig
erweisen: Die Härtebildner verringern die Waschkraft der Waschmittel. Bei der Erwärmung des Wassers
fallen die Calcium-Ionen nach physikalisch-chemischen Gesetzmäßigkeiten aus, es kommt zu Kesselstein
und lockeren Kalkablagerungen.
Beim Trocknen von hartem Wasser
bleiben deshalb Kalkflecken auf
Armaturen, Kacheln, Waschbecken
oder auch Gläsern zurück.
Wie hart ist das vom ZV Insel Usedom gelieferte Trinkwasser?
Der ZV versorgt seine Kunden mit
Grundwasser aus acht Wasserwerken. In den Bereichen Ahlbeck (2,8 bis 3,1), Bansin
(3,0 bis 4,3), Garz (3,3),
Besonders unsere Jüngsten schätzen den guten Geschmack von hartem Wasser.
Zempin (3,4) und Krummin (3,2) wird
hartes Wasser geliefert, in Karlshagen (2,8) und Usedom (1,6) wird ein
mittlerer Härtewert erreicht. Die
Angaben beziehen sich auf Millimol
Calciumcarbonat je Liter.
Kann man Trinkwasser enthärten?
Technisch ist das möglich. Das einfachste Verfahren ist fast jedem
bekannt, nämlich das aus dem Geschirrspüler. Hier werden über Kunstharze, so genannte Ionenaustauscher,
Was würde die zentrale Enthärtung des Trinkwassers kosten?
Da eine Trinkwasserenthärtung im
Wasserwerk nach dem gegenwärtigen Stand der Technik immer mit
Chemikalieneisatz und zusätzlicher
Energie zu tun hat, entstehen Kosten,
die nicht unerhebliche Auswirkungen
auf die Gebühr haben. Überschlägliche Kostenberechnungen, bezogen
auf die Anlagen des Zweckverbandes,
ergeben Gebührensteigerungen, die
zwischen 0,45 und 0,55 EUR m³ liegen
würden. Dieses entspricht auch einer
Studie unter Leitung des FraunhoferInstitutes Karlsruhe. Hier werden
Kosten für die zentrale Enthärtung
in Höhe von bis zu 0,50 EUR/m³ genannt. Dem gegenüber könnten, laut
der Studie, Ersparnisse beim Kunden
durch sparsamere Dosierung von
Waschmitteln, geringeren Einsatz von
Haushaltschemikalien etc. von bis zu
0,60 EUR/m³ stehen.
Zu bedenken ist auch, dass jede Enthärtung ein Eingriff in die chemische
Zusammensetzung ist und die Natürlichkeit des Trinkwassers verändert.
Für Kunden, die dennoch weiches
Trinkwasser haben möchten, gibt
es genügend Möglichkeiten, Enthärtungsanlagen in der Hausinstallation
einzubauen.
Rätselspaß mit Tröpfchen und Strahl
Liebe Kinder! Holla, hat sich hier jemand verschwommen?
Druckerhöhungsstation
Zeiten hohen Verbrauchs
für höher gelegene Grundstücke und
mehrgeschossige Häuser der notwendige Wasserdruck gesichert. Weiterhin gleicht sie bei längeren Fließstrecken den Druckverlust aus.
Tröpfchen und Strahl beobachten Tiere
am Flussufer. Sie erkennen viele Arten.
Doch plötzlich ruft Tröpfchen „hey, da
stimmt doch etwas nicht!“ Seid ihr auch
dieser Meinung? Welche Tiere erkennt
ihr und wer gehört hier nicht ins Bild,
weil er in unserer Heimat gar nicht vorkommt?
Tiere brauchen gesundes und sauberes Wasser,
sonst können sie in dem jeweligen Lebensraum
nicht überleben. Der farbenfrohe Eisvogel z. B. ist
ein Stoßtaucher, der Fische als Nahrung für seine
Jungen fängt. Wäre das Wasser schmutzig und
trübe, könnte er nichts sehen und müsste verhungern. Deshalb lassen die Wasserbetriebe kein ungeklärtes Wasser in die Natur zurückfließen.
Zeichnung: SPREE-PR/Lange
LÖSUNG: Zu erkennen sind: Wasseramsel, Fischotter,
Schilfrohrsänger, Schermaus, Eisvogel, Ringelnatter,
Bisamratte und Bachstelze. Wohl „verschwommen“ hat sich
der Pinguin, der in der Antarktis zuhause ist.
Erika Schmurr nach 17 Jahren verabschiedet
Auf der Berufsmesse „Kompass“ in Wolgast
Was man von der Wasserhärte wissen muss
Karikatur SPREE-PR
Dank für ihre gute Arbeit
SEITE 4/5
Auf der Berufsmesse in Wolgast (v. l.): Sebastian Kulz, Ausbilder
im Wasserwerk, die Azubis Christin Golz und Maria Smerat, Björn
Jelinski, Ausbilder im Abwasserbereich und Martina Schiemann,
Ausbilderin für Bürokauffrauen.
Traditionell findet immer am
ersten Samstag im November
die Berufsmesse „Kompass“ in
Wolgast statt.
Es ist eine gute Gelegenheit für Schüler und deren Eltern, sich über Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren.
„Für uns als Zweckverband Usedom ist
es die Chance, nach gutem Nachwuchs
Ausschau zu halten“, sagt Martina
Schiemann, zuständig für die Ausbildung der Bürokauflehrlinge im Zweckverband. Und weil Azubis am ehesten
Schülern erklären können, was sie
derzeit lernen und leisten, waren einige
junge Leute mitgekommen. Gern beantworteten sie die Fragen der Lehrstellensuchenden. „Leider war das Interesse
bei den Jugendlichen in Wolgast nicht
so groß, wie wir erhofften“, meint Martina Schiemann. Doch sie geht davon
aus, dass es auch in diesem Jahr wieder ein paar gute Bewerbungen geben
wird. „Immerhin hat der Zweckverband
eine ansprechende, moderne Ausbildung für interessante Berufsbilder zu
bieten. Auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt können sich sehen lassen,
wenn man die Ausbildung gut packt.“
Bei Interesse lädt der Zweckverband
gern Schüler zu Betriebsbesichtigungen
oder Praktika ein, damit sie sich vor Ort
ein Bild machen können.
Ausgebildet werden folgende vier Berufe, für die ein Realschulabschluss
Voraussetzung ist. Die Dauer beträgt
jeweils 3 Jahre.
1. Fachkraft Wasserversorgungstechnik
3. Fachkraft Rohr-, Kanalund Industrieservice
Ausbildungsinhalte: u. a. Grundlagen der Maschinen- und Verfahrenstechnik; Mess-, Steuerungs- und
Regelungstechnik; Umweltschutz;
Wassergewinnung; Wasseraufbereitung; Wasserförderung, -speicherung und -verteilung
Ausbildungsorte: Bildungsinstitut
für Umweltschutz und Wasserwirtschaft Neubrandenburg e. V. (Praxis),
ZV Insel Usedom (Praxis), Berufliche
Schule Ribnitz-Damgarten (Theorie)
Ausbildungsinhalte: u. a. Grundlagen der Maschinen- und Verfahrenstechnik; Mess-, Steuerungs- und
Regelungstechnik; betriebswirtschaftliche Prozesse; Hilfs- und Gefahrstoffe, Sicherheitstechnik und
Umweltschutz, Entsorgung; ökologische Kreisläufe und Hygiene
Ausbildungsorte: wie bei 1.
Zwangsvoraussetzung: Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen der Wasser-, Abwasser oder
Entsorgungswirtschaft
2. Fachkraft
Abwassertechnik
Ausbildungsinhalte: u. a. Grundlagen der Maschinen- und Verfahrenstechnik; Mess-, Steuerungs- und
Regelungstechnik; Betrieb von Entwässerungssystemen; Klärschlammbehandlung; Untersuchung von Abwasser und Schlamm; Elektrische
Anlagen in der Abwassertechnik;
Umweltschutztechnik
Ausbildungsorte: wie bei 1.
4. Bürokaufmann/Bürokauffrau
Ausbildungsinhalte: u. a. Bürowirtschaft und Statistik; Informationsverarbeitung; betriebliches Rechnungswesen (kaufm. Buchführung,
Kostenrechnung); Personalwesen;
Büroorganisation und Lagerhaltung
Ausbildungsorte: ZV Insel Usedom
(Praxis), Berufsschule Wolgast (Theorie)
GESCHICHTE DES TRINKWASSERS
SEITE 6
1
Facetten
des Wassers
2
Antike –
Zweistromland
3
Das römische
Imperium
4
Mittelalter bis zur
Industrialisierung
WASSERZEITUNG
5
Gegenwart –
Perspektiven
Leben auf großem (Wasser)-Fuß
Bei unserer Reise durch die
Geschichte des Trinkwassers
haben wir die heutige Zeit erreicht und glauben aus eigenen
Erfahrungen zu wissen, dass es
um unser Lebensmittel Nr. 1 gut
bestellt ist.
U
m so überraschter mag der
eine oder andere gewesen
sein, als unlängst von Bord
der Internationalen Raumstation ISS
Guy Laliberté, Gründer und Chef von
Cirque du Soleil, mit einem aufrüttelnden Appell zum verantwortungsbewussten Umgang mit den Trinkwasserreserven aufrief.
Für den Transport des kostbaren Wassers sind in Afrika die Frauen oft viele Stunden von der Quelle
bis ins Dorf unterwegs.
Eine Betrachtung
von Dr. Peter Viertel
Und vielleicht braucht man wirklich
diese Fernsicht um zu erkennen, dass
in vielen Teilen der Erde Wasserknappheit herrscht. Es erscheint ja
auch geradezu paradox, dass bei diesen unfassbaren Mengen in den Ozeanen, Flüssen, Seen und Gletschern
über 1 Mrd. Menschen keinen Zugang
zu sauberem Wasser haben.
Über 6 Mrd. Menschen
Der Gründe dafür gibt es viele. Im
großen Wasserkreislauf der Erde
werden die einzelnen Regionen mit
Regen sehr unterschiedlich bedacht
und diese Ungleichbehandlung wird
mit dem Klimawandel eher zunehmen.
Das explosionsartige Anwachsen der
Menschheit im letzten Jahrhundert
von 1,5 Mrd. auf inzwischen über
6 Mrd. Bewohner, insbesondere in
China und Indien, verringert das verfügbare Angebot. Immer mehr Wasser muss für Lebensmittel, „Energiepflanzen“ und Industrieprodukte
eingesetzt werden. Hinzu kommt die
anhaltende Verschmutzung von Flüssen, Seen und Grundwasserleitern in
vielen Ländern, wodurch sich die verfügbare Menge weiter verringert. Die
Schere zwischen den wasserreichen
und wasserarmen Gebieten klafft immer mehr auseinander.
Da können wir uns in MecklenburgVorpommern ob unserer heilen
Wasserwelt doch zufrieden zurücklehnen. Wir stehen auf der Seite der
verantwortungsbewussten Wasserkonsumenten. Na klar, durch unsere
natürlichen Grundwasserressourcen
sind wir schon bevorteilt. Aber wir tun
auch etwas. Dank umweltbewusstem
Verhalten und moderner Technik erreichen wir Spitzenwerte beim Wassersparen. Nur ca. 30.000 Liter (30 m3)
Trinkwasser jährlich verbrauchen wir.
Sind wir jedoch wirklich die großen
Wasserbewahrer?
Wenn wir den sogenannten „WasserFußabdruck“ betrachten, also all das
Wasser, das wir trinken und das für
die Herstellung aller Dinge des täglichen Lebens benötigt wird, sieht die
Bilanz anders aus. Beispielsweise ver-
speisen wir mit einem 1 kg saftigen
Rindersteaks nebenbei unglaubliche
15.500 Liter Wasser.
„Wasserimport“ wächst
Da nehmen sich die 625 Liter für
1 kg Kartoffeln geradezu bescheiden
aus. Auch in sämtlichen Industrieprodukten sprudelt viel Flüssigkeit.
1 kg Papier, also die Sonntagsausgabe einer großen Zeitung, hat
immerhin 324 Liter „aufgesogen“.
So betrachtet klettert der Wasserverbrauch pro Person und Jahr in
Deutschland auf stolze 570.000 Liter.
Doch damit nicht genug. Wir zapfen
auch Quellen in anderen Ländern an.
Mit jedem Kilo Kaffee importieren
wir 20.000 Liter virtuelles Wasser.
Eine künftige Alternative (hier im australischen Perth): eine Anlage zum Gewinnen von Trinkwasser aus Meerwasser.
Der Reisanbau verlangt ausgiebige Bewässerung.
Bananen, Apfelsinen, Ananas oder
Feigen stehen dem in ihrem Durst
nicht nach. Ebenso treiben alle eingeführten Industriegüter, wie Fahrzeuge, Textilien oder Elektronik, die
Wasserbilanz in die Höhe. Bezieht
man all diese Fakten ein, beträgt der
jährliche „Wasser-Fußabdruck“ eines
Deutschen 1,55 Mio. Liter (das sind
12.400 Badewannenfüllungen). Damit
liegen wir zwar im Vergleich zu den
USA mit 2,48 Mio. Litern immer noch
gut im Rennen, aber der nachhaltige
Umgang mit dem Lebensmittel Nr. 1
bleibt auch für uns ein Thema.
Mit diesem Teil endet unsere Serie. Wenn Sie Spaß an wasserhistorischen Themen gefunden
haben, lassen Sie es uns wissen.
Wüsten sind Regionen, die einen Mangel sowohl an ausreichenden
Niederschlägen als auch an verfügbarem Grundwasser aufweisen.
NATIONALPARKS
FEBRUAR 2010
1
Müritz
Vorpommersche
Boddenlandschaft
2
3
SEITE 7
Jasmund
4
Schaalsee
Müritz-Nationalpark – Reich der Adler
In vier Folgen möchte die Wasser
Zeitung die Leser mit der Flora
und Fauna von Nationalparks und
Biosphärenreservaten in M-V
vertraut machen. Den Auftakt
bildet der Müritz-Nationalpark.
A
n dem östlichen Ufer des
norddeutschen Meers, der
Müritz, erstreckt sich eine
nahezu unberührte Landschaft mit
dichten Kiefernwäldern, alten Buchenbeständen, kleinen Seen und
großen Mooren. Ideale Lebensbedingungen für viele Tiere und Pflanzen,
darunter auch für
Arten, die auf
der Roten Liste stehen. Dazu zählen
beispielsweise Rohrdommel, Moorfrosch, Ameisenlöwe, Wollgras und
Greiskraut.
Doch das größte Interesse der jährlich über 500.000 Besucher gehört
den Herrschern der Lüfte, den Adlern. Und wer einmal den geradezu
schwerelosen Flug dieser mächtigen Vögel am Himmel beobachtet
hat, der wird die große Faszination
dieser Greifvögel seit Menschheitsbeginn verstehen. Götterbote bei
den Griechen, Zierde der römischen
Standarten, Sinnbild der Taufe bei
Christen und noch heute Wappenvogel vieler Nationen.
Auch die deutschen
Ein- und Zweieuromünzen
setzen auf
den guten Ruf
der Adler.
Trotz dieses hohen Ansehens wurden die ach so
kühnen Adler in den letzten
Jahrhunderten als Räuber
und Nahrungskonkurrent
von Landwirten und Jägern gnadenlos verfolgt,
ja fast ausgerottet. Das
Gebiet an der Müritz
mit den alten Baumbeständen und unzugänglichen Mooren
bot den See- und
Fischadlern eines
Fischadler (rechts)
(Pandion haliaetus)
Gewicht:
bis zu 1,75 kg
Flügelspannweite:
1,27 m bis 1,74 m
Nahrung:
See- und Süßwasserfische
Alter: bis zu 25 Jahre
Seeadler (unten links)
(Haliaeetus albicilla)
Gewicht:
bis zu 7 kg
Flügelspannweite:
1,93 m bis 2,44 m
Nahrung:
Fische, Wasservögel, Aas
Alter: bis zu 20 Jahre
ihrer letzten Rückzugsgebiete in
Deutschland. Allerdings bedurfte
es erst der Gründung des Nationalparkes 1990, um den Adlern ein eigenes Reich zu schaffen.
Inzwischen kann sich der Nationalpark durchaus als das Refugium dieser Großvögel bezeichnen, denn 2009
zogen die elf Seeadlerpaare sieben
Jungvögel groß und bei den Fischadlern gab es 31 Mal Nachwuchs.
Die Chancen, an den Beobachtungsstellen in Boek, Federow und in der
Nähe von Zinow die imposanten
Großvögel bei ihren Flugmanövern in
Beobachtungspunkte für Vögel
WAREN
Federow
Ankershagen
Beobachtungspunkte
(siehe Legende unten)
Nationalparkgrenze
Schwarzenhof
Kratzeburg
Boek
NEUSTRELITZ
Serrahn
Legende
1, 7 Beobachtungsstände Schnakenburg u. Doppelkieferngraben (Sing- und Zwergschwäne)
2 Zwei Beobachtungsstände am Warnker See
(Wasservögel)
3, 4, 6 Sichtschirm Müritzhof, Beobachtungsstand Rederangsee und Aussichtspunkte Lange Dämme und Lehmhorst (Kraniche 4, 6 vom 1. 9. bis 31. 10. tägl. ab 16 Uhr)
nur im Rahmen einer Führung begehbar,
Anmeldung unter 03991 670091
5, 12 Sichtschirme bei Federow u. in der Zotzenseeniederung
(Fischadler)
8, 9, 10, 11 Beobachtungsstände und Aussichtspunkte an den
Boeker Fischteichen (Wasser- und Greifvögel)
13 Beobachtungsstand am Großen Serrahnsee (Fisch- und
Seeadler)
freier Natur zu verfolgen, stehen also
gut. Selbst ein Blick in die Kinderstube der Fischadler per Videokamera
ist heute möglich.
Exkursionen
(Bitte Fernglas mitbringen)
Termin: 24. April bis 15. August
14.30–16.30 Uhr täglich
Abstecher zu den Federower
Fischadlern
Wanderung zum Beobachtungspunkt am Fischadlerhorst
Treff: Federow, NationalparkInformation
Müritz-Nationalpark
Fläche
322 km²
davon
72 Prozent Wälder, 13 Prozent
Seen, 8 Prozent waldfreie Moore
Nationalparkamt Müritz
Schlossplatz 3
17237 Hohenzieritz
Telefon: 39824 252-0
E-Mail: info@npa-mueritz.
mvnet.de
www.nationalpark-mueritz.de
Live am Adlerhorst
Drei Fragen an Ulrich Meßner,
Leiter des Müritz-Nationalparks
WZ: Wieso fühlen sich die Adler
in Ihrem Nationalpark so wohl?
U. Meßner: Der Nationalpark ist
eine weiträumige und sehr seenreiche Landschaft mit wenigen
Siedlungen, Straßen und Wegen.
Damit stellt das Schutzgebiet ein
gutes Jagdrevier für Fisch- und Seeadler dar, in dem sie kaum durch
den Menschen gestört werden.
Gerade der Fischadler braucht klare
Seen, denn der Sturztaucher ernährt
sich ausschließlich von Fisch.
Zu welcher Tageszeit sind die
Adler am besten zu beobachten?
Fisch- und Seeadler können den
ganzen Tag beobachtet werden.
Allerdings bekommt man den
Fischadler nur von April bis Sep-
tember zu Gesicht, da er in Nordwestafrika überwintert. In Federow südöstlich von Waren (Müritz)
gibt es eine Live-Übertragung aus
einem Fischadlerhorst.
Was verspeist ein Adler pro Tag
an Fischen?
Ein erwachsener Fischadler frisst
300 bis 400 g Fisch pro Tag. Auf
der „Speisekarte“ stehen vor allem
Blei, Plötze, Rotfeder, Schleie,
Karpfen und Barsch.
UMSCHAU
USEDOMER WASSERZEITUNG
VERBANDSMITGLIEDER IM PORTRÄT (11)
SEITE 8
Lütow
Gemeinde Lütow
Landkreis
Ostvorpommern
Die Gemeinde Lütow liegt auf
der Halbinsel Gnitz, einer Landzunge der Insel Usedom am
Achterwasser und nur neun
Kilometer östlich von Wolgast.
Zur kleinen Gemeinde mit derzeit 368 Einwohnern gehören die
drei Orte Lütow, Neuendorf und
Netzelkow.
V
on den Höhenzügen auf dem
Gnitz eröffnen sich grandiose Aussichten auf die
Boddenlandschaften des Krumminer
Wieks, des Achterwassers und des
Peenestroms. Im Naturschutzgebiet
der Südspitze lassen sich wasserliebende Tiere wie Seeadler und
Fischotter und seltene Amphibien
beobachten. Unmittelbar vor dem
Ortseingang Lütow liegt auch das
einzige auf der Insel Usedom erhaltene Großsteingrab aus der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur.
Besonders für natur- und kulturinteressierte Urlauber ist die Gemeinde
eine Augenweide.
Sehenswert ist die St. Marien Kirche in Netzelkow, die aus dem Jahr
1229 stammt und eine der ältesten
Glocken auf Usedom besitzt. Gleich
nebenan steht die alte Pfarrscheune.
Die hat Elke Hannemann – Tochter
einer Usedomer Bauernfamilie
und heute Kunsthandwerkerin und
Betreiberin eines Biergartens – in
liebevoller Kleinarbeit wieder hergerichtet. Wo ehemals des Pastors
Vieh untergebracht war, können
sich nun Gäste in einem schönen
Am biente wohlfühlen. Vor allem
Künstler sind eingeladen, hier eine
zeitlang zu arbeiten und die Ruhe der
Landschaft zu genießen. In der Galerie der Scheune lassen sich dann
auch einige kunsthandwerkliche
Dinge aus der Region erwerben. Elke Hannemann selbst liebt das Filzen
und Spinnen.
Das Neuendorfer Herrenhaus wurde zum Hotel umgebaut.
Auf den Feldern wird seit 1965 Erdöl und
Erdgas gefördert.
Frisch saniert in schönen Farben erstrahlt seit kurzem das Neuendorfer
Herrenhaus aus den Anfängen des
19. Jahrhunderts.
Die alte Kirche in Netzelkow stammt aus
dem Jahr 1229.
Sicherlich ein ungewöhnlicher Anblick für manchen Gast sind die
„Pferdeköpfe“. Die Einheimischen
haben sich längst daran gewöhnt,
Elke Hannemann betreibt Pfarrscheune
und Biergarten.
traud Wessel ist darüber sehr froh,
denn die Steuereinnahmen kann die
Gemeinde Lütow für ihren Haushalt
gut gebrauchen.
denn schon seit 1965 fördern mächtige Pumpen Erdöl und Erdgas auf
den Feldern ringsum die Gemeinde.
Nicht nur die Bürgermeisterin Hil-
Die Wasserzeitung sprach mit Hiltraud Wessel, Bürgermeisterin von Lütow
In den letzten Jahren richtig herausgeputzt
Hiltraud Wessel kennt ihre Gemeinde wie kaum jemand anderes. Sie ist in Lütow geboren,
zur Schule gegangen, hat im Ferienheim und Fahrradverleih gearbeitet und agiert nun seit 1998
in ihrem ehemaligen Schulgebäude – dem heutigen Gemeindehaus – als Bürgermeisterin.
WZ: Wie lebt es sich in der Gemeinde?
H. Wessel: Immer besser. Die drei
Bürgermeisterin
Hiltraud
Wessel
Orte Lütow, Neuendorf und Netzelkow haben sich in den letzten
Jahren richtig herausgeputzt. Viele
Gebäude, auch die elf Wohnungen
der Gemeinde, sind saniert. Die
Lebensbedingungen für die 368 Einwohner haben sich sehr verbessert.
Vor allem die Rentner, die etwa ein
Drittel der Gemeinde ausmachen,
haben viel Spaß miteinander bei
gemeinsamen Ausflügen, beim Kartenspielen, bei Sport und anderen
Geselligkeiten im Gemeindesaal.
Wie steht es um den Zuzug und
vielleicht Nachwuchs?
Wir haben Bauflächen ausgewiesen
und freuen uns über jedes neue Gemeindemitglied. Inzwischen könnten
wir für den Nachwuchs fast schon
eine eigene Kindertagesstätte gebrauchen.
Die Halbinsel Gnitz lockt mit Naturschönheiten. Was bietet die
Gemeinde den Urlaubern?
Es gibt viele Angebote für die Touristen, neben Pensionen, Hotels
und Privatunterkünften schöne Naturcampingplätze, mehrere gastro-
nomische Einrichtungen und Biergärten und sogar eine Schwimmhalle. Es fehlt leider noch ein vernünftiger Radwanderweg. Leider finden
sich bislang keine Partner für die
Finanzierung.
Gibt es größere Bauvorhaben?
Ein Golfplatz ist seit längerem im
Gespräch. Noch nicht im Haushalt
ist der Anschluss von Lütow an das
Abwassernetz. Das wird aber die
nächsten Jahre auf uns zukommen.
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