close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Ein Bus namens „Lena“, Radkappen heilig wie die Bibel: Bei

EinbettenHerunterladen
R e p o rt
Der V8 wies den Weg
Ein Bus namens „Lena“, Radkappen heilig
wie die Bibel: Bei Schmetterling Reisen
hat der Nachwuchs Diesel im Blut.
Tagesausflügen dabei. „Als dann
frühmorgens das Donnern des V8
erklang, war es um mich gesche­
hen“, erklärt er den Moment, als
­alles begann. Der Weg
ans Bussteuer war je­
„familiengeschädigt“:
doch mit Umwegen
verknüpft. Auf eine ab­
mutter und vater sind
gebrochene Ausbil­
ebenfalls busfahrer
dung zum Groß- und
Handelskauf mann
rer aus Leidenschaft. Nicht ohne
folgten Nebenjobs und eine schuli­
Grund: Der Onkel Fernfahrer,
sche Lehre zum Bürokaufmann
Mutter und Vater beide am Bus­
mit EDV-Spezialisierung.
steuer – das prägt. „Familienge­
„Wäre er ein Jahr später gekom­
schädigt“, nennt Schlegl das.
men, hätten wir ihn angesichts sei­
Schon als kleiner Stepp­
ner Qualifiaktion
ke war er bei
als Azubi
für
die Fachkraft im Fahrbetrieb
eingestellt“, sagt Oliver
Ruhmann, Ausbilder bei
Schmetterling Reisen. Im
gleichen Moment entgegnet
Schlegl: „Ach nö, ich fahr doch so
gern.“ Ein typisches Bild für die
Ausbildung in Busunternehmen:
Der Nachwuchs sitzt lieber am
Lenker, als im Büro.
schmetterling bildet
parallel bkf und fif aus
Ein Grund, warum bei Schmetter­
ling beide Ausbildungsberufe ange­
boten werden: Berufskraftfahrer
(BKF) und Fachkraft im Fahrbe­
trieb (FiF). Die jungen Leute sollen
wissen, wo der Schwerpunkt ihrer
Arbeit liegt. „Der Beruf der FiF ist
mehr kaufmännisch orien­
tiert. Im Bedarfsfall soll
die Fachkraft helfen,
die Spitzen abzude­
cken“, erläutert Ruh­
mann. Die FiF sei im
Vergleich zu einem Bürokaufmann
nicht nur wegen des Busführer­
scheins die bessere Wahl. „Wenn
­jemand schon
am Steuer
saß, tut er
sich leichter,
zum Beispiel bei
der Routenpla–
nung.“ Sven Kißlinger,
20 Jahre und FiF im drit­
ten Lehrjahr, kann das
­bestätigen: „Man kennt die
Wegzeiten und weiß, was am besten
ist, wenn es drauf ankommt.“ Auch
er kam nach der Realschule nicht
direkt zum Bus. Eine Ausbildung
zum Industriemechaniker sollte es
sein, war aber nicht das Richtige.
Das Berufsbild der FiF habe dann
gepasst. „Ich fahre gerne, bin aber
auch gern wieder drin. Die Ab­
wechslung macht‘s.“ In der Dispo
sei es interessant mitzubekommen,
was hinter dem Ganzen stehe.
Kißlinger im Büro, Schlegl am
Steuer – doch im Geiste sind sie
Brüder. Beide beeindruck­
ten Ausbilder Ruhmann
durch ihre Vorkennt­
nisse. „Florian kannte
alle Busmodelle aus­
wendig, Sven das gesamte Li­
niennetz im Verbundgebiet Nürn­
berg-Fürth-Erlangen.“ Für jedes
Unternehmen sei es ein Glücksfall,
wenn der Bewerber sein Hobby
zum Beruf mache.
hatte auch FiF-Azubi Kißlinger, ge­
nauer gesagt zu den frisch lackierten
Radkappen. „Die habe ich in den
­Pausen immer poliert“, schwärmt
doppeldecker? Für Berufskraftfahrer Schlegl kein Problem
fif-azubi kiSSlinger outet
sich als felgen-fetischist
©: Andreas Heise
i
ch weiß noch, als das erste Mal
die Tür aufging, die Leute rein­
kamen und du sagst ,Guten
­Morgen‘. Da warst du der King am
Gräfenberger Bahnhof “, erinnert
sich Florian Schlegl, ausgebildeter
Berufskraftfahrer bei Schmetterling
Reisen, an seine erste Fahrt. Sein
breites Grinsen verrät viel in diesem
Moment: Der 22-Jährige ist Busfah­
Spricht Schlegl über eine Fahrt, wird
ungefragt stets das genaue Busfabri­
kat dazu genannt. Seinen Setra S 415
NF, den er persönlich in Neu-Ulm
abholen durfte, nennt er „Lena“.
„Die Macke habe ich von meiner
Mutter, bei der ist es das Lieserl“, sagt
Schlegl. So bekomme Lena morgens
nach einem sanften Streichler auch
ein „Gut geschlafen?“ zugeflüstert.
Eine enge Bindung zu seinem Bus
fif-azubi Sven Kißlinger ist in der Disposition zu Hause – ihm gefällt‘s
der „Felgen-Fetischist“. Sei ein an­
derer mit seinem Bus gefahren,
habe er drinnen mit einem
Zettel dezent darauf
hingewiesen: „Frisch
lackierte Rad­
kappen – bit­
te aufpas­
sen.“ ah
den job
fÜR Ausbilder
46 BUSFahrer 3.2013
Ruhmann (M.) waren
Schlegl und Kißlinger (r.)
ein echter Glücksgriff
als Busfahrer will Schlegl bis zur Rente machen, wie er sagt
„Lena“ oder „Prinzessin“ nennt der BKF seinen Bus zärtlich
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
2
Dateigröße
1 462 KB
Tags
1/--Seiten
melden