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! wie neugeboren november 2008 - Universität Augsburg

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... wie neugeboren
november 2008
Zeitschrift für Sozialwissenschaften an der Universität Augsburg
VERANSTALTUNGSHINWEISE
Gedanken zum …
Wintereinbruch
•
Verleihung des DAADPreises für
hervorragende
Leistungen ausländischer Studierende DO 27.11., 1900 Physik-Hörsaalzentrum HS 1001
(ab 1830 Romanistik - Bücherbasar, Insidertip für Lektüre- und Bildbänder aller Art)
•
Vorlesung von Rainer Erlinger (bekannt aus
der Südd.Zeitung - “Gewissensfrage”):. “‘Was Du
nicht willst…’ Die goldene
Regel – und ihre Schwächen” DO 4.12. 1915 HS IV
•
CAMPUSKUNST - studentische Aufführungstalente MI 26.11 1930 Alte Cafete
•
POL&IS : interaktives
Simulationsplanspiel
zur internationalen Politik
vom 28.11. - 30.11. - Kosten
10 Euro - Infos & Anmeldung
www.ass-augsburg.de
•
Fachschaft
SoWiSo lädt ein zur Kneipentour - Treffpunkt ist DO
27.11 2015 im Hörsaalzentrum - Tourzeit unbegrenzt ;)
•
Ringvorlesung Kanadistik - nächste Veranstaltung
Steffen Schneider: “Going to
the Polls, US and Canadian
Style” MO 8.12. 1930 HS 2110
Wenn der Augsburger die
Kunst des Autofahrens vergisst und die Studentenschaft
ihr inneres Kind wiederentdeckt dann ist es soweit - der
Winter ist da.
Auf dem Campus entsteht
eine eigene Kulturbewegung
und der Duft von Glühwein
entströmt so mancher Leihtasse. Die Fachschaften ver-
weiter
KINO
auf
an
Seite
2:
der
UNI
suchen sich als Handelsunternehmer und bieten Lebkuchen,
Kekse und ebenjenen sagenumwobenen außergewöhnlichen
Wintergeschmack aus der Tasse feil.
Derweil entstehen die seltsamsten Gebilde auf dem Campus.
Überall schießen Schneemänner und –frauen aus dem Boden.
In fast allen Formen verteilen sie sich. Sitzen gemütlich vor
der Cafete, stehen unsinnvoll im Park oder lümmeln einfach
irgendwo rum. Vollkommen ungeplant und ohne zutun einer
Instanz wird der Gedanke wahr – jeder Mensch ist ein Künstler, zumindest unter 0°C.
Zwischen den „coolen“ Gestalten verteilen sich vereinzelt studentische Sportgruppen, die sich dem kollektiven Eiskristalldynamisieren hingeben. Spontanes Lachen erfüllt die Wege,
wenn der Schneeball trifft.
An sich ganz hübsch so ein Wintereinbruch.
- F.H.
IN DIESER AUSGABE:
•
•
•
•
•
•
•
•
•
Editorial
S.
Veranstaltungsanzeiger
S.
1
Featured
Event
S.
Special: Alternative Glühmärkte S. 2 Soziologischer
Garten
S.
Band
im
Blickfeld
S.
3
Die
etwas andere Geschichte S. 5 SurReal
Life
S.
Impressum
S.
Auch als e-zine erhältlich: http://www.student.uni-augsburg.de/fachschaften/soziologie/
1
2
2
3
3
4
6
6
6
KINO an der UNI
FEATURED
Ar- EVENT
•
Fachschaft
beitslehre
“NIGHTMARE
BEFORE
CHRISTMAS” DI 2.12 1930 R2123
•
Asta-Kino
jeden
DO 1915 HS1 - Eintritt 2
Euro - To Be Announced
•
Fachschaft Anglistik „Woody Allen‘s MATCH
POINT“ MO 1.12 1915 R2110
•
Fachschaft SoWiSo
„THE MILLION DOLLAR
HOTEL“ MO 8.12 20 Uhr
R2124 (Phil.-Büro)
Fragen / Anregungen /
Vorschläge / Feedback?
E-mail an
fachschaft-soziologie@
gmx.de
mit Betreff: „Magazin“
Glühmarkt – mal woanders
Die Zeit der Glühmärkte
(augschburgerisch für: Weihnachtsmarkt) hat begonnen.
Ganz zentral gelegen in der
Stadt der allseits bekannte
Christkindlsmarkt auf dem
Rathausplatz. Aber Augsburg
bietet mehr. Wer also nicht
unbedingt auf Massenveranstaltungen mit extrem großem Andrang steht, kann es
ja mal abseits probieren. Im
Auftrag von SoWiSo hab ich
mal nachgeforscht und eine
lose Sammlung „alternativer“
Glühmärkte zusammengestellt. Viel Spaß beim Ausprobieren!
–
das
Jugendkulturfestival
für
Augsburg
Der Stadtjugendring Augsturparkwest) anbietet. Soburg (SJR) startet wieder
weit als möglich werden die
durch. Nach x-large und
Aspekte von Jugendkultur
Popcity haben die kreativen
angeboten. Jungen Menschen
Köpfe jetzt “Modular” ausgesoll damit (auch für wenig
heckt. Worum geht es dabei?
Geld) die Möglichkeit gegeJugendkultur soll dort hin
ben werden ihren Platz in
wo sie hingehört – Mitten ins der Jugendkultur zu finden
Herz der Stadt, in die Köpfe
und so bietet man eine sehr
der Menschen und in den
große Palette an MöglichkeiFokus der Öffentlichkeit.
ten an. Egal ob Grafisch oder
Das Konzept von Modular
Musikalisch, ob Tanzen oder
sieht vor, dass neben MuPoetry Slam, für (fast) Jeden
sik auch andere Aspekte
ist etwas dabei. Und wenn es
der Jugendkultur bekannt
noch nicht dabei ist, so bietet
gemacht werden und den
Modular jedem InteressierJugendlichen der Stadt die
ten auch die Möglichkeit
Gelegenheit gegeben wird,
sich und seine Jugendkultur
ihre Kultur einer breiten
einzubringen. AnsprechpartÖffentlichkeit zu präsentiener für Interessenten ist hier
ren. Modular ist nicht nur
das selbsternannte „Trüffeldas Festival das an ganz
schwein“ Markus Mehr.
unterschiedlichen Orten
Man darf gespannt sein, wie
vom 02-04. April 2009 stattsich Modular entwickelt und
finden wird. Modular sind
wer genauer hinsehen will,
auch die Workshops die der
der guckt dabei zu: http://
Stadtjugendring zurzeit mit
www.myspace.com/modularerfahrenen Künstlern und
festival
Einrichtungen (u.a. vhs, Kul- - F.H.
Weihnachtsmarkt in der Alten Silberschmiede
•
Einer der ältesten „alternativen“ Weihnachtsmärkte im Herzen der Altstadt
in der Pfladergasse besticht
durch seine wunderschöne
Lage und Dekoration. Betrieben wird der Glühmarkt
durch das Rote Kreuz. Täglich ist hier geöffnet und das
Ambiente ist unübertroffen.
Weihnachtsmarkt am Zeughaus
•
Wer Met liebt ist hier
absolut richtig. In direkter Nachbarschaft zum gro-
ßen Weihnachtsmarkt auf
dem Rathausplatz liegt in
der Nähe des Moritzplatzes
der Weihnachtsmarkt am
Zeughaus. Auch hier ist es
meist eher gemütlich als eng.
Weihnachtsmarkt am Moritzplatz
•
Direkt am Moritzplatz
liegt der eher für´s kleine
Publikum gedachte Weihnachtsmarkt. Mit Karussell
und
Märchenschaubühne
absolut geeignet für die eigenen und ausgeliehenen Kinder, da man hier zumindest
die Übersicht behalten kann.
von Seite 2
Weihnachtsmarkt am Bahnhof
•
Weil überall die Weihnachtsmärkte schon waren
hat man auch am Bahnhof
noch einen aufgemacht. Nach
meiner Meinung nicht unbedingt der absolute Burner.
Ohne Flair wird´s halt nichts
mit
Weihnachtsstimmung.
Und sonst so: Weihnachtsmärkte in den Stadtteilen
•
Aus eigener Erfahrung
lassen sich hier die Christkindlsmärkte in Haunstetten
und Göggingen, beide am 2./3.
Adventswochenende empfehlen, wer aber mit den Nachbarn einen heben gehen und
dabei die stade Zeit nicht außer Acht lassen will schaut sich
um, fast jeder Stadtteil hat
seinen Weihnachtsmarkt mit
dem ganz besonderen Flair.
Weihnachtsmärkte in der
Region
•
Fast jeder kleine Flecken hat an den Advent-
BAND IM BLICKFELD: MONO
Geniale Bösewichte, Männer
die in geheimen Konferenzzentren via Satellit nach
Masterplan uns perfekt, unbemerkt manipulieren lassen
– das ist ebenso ein modernes
Märchen wie „Rufen Sie uns
nicht an – wir rufen Sie an!“
oder Richtertalkshows.
Das soll aber nicht heißen,
dass man nicht beeinflussbar wäre, eben zum Beispiel
durch die Kulturindustrie.
Es kommt darauf an wie man
Kultur, Literatur, Musik,
Kunst wahrnimmt, als Bildungs- oder Unterhaltungskonsument, aus emotionaler
oder struktureller Wahrnehmung, aber bei intensiver
Auseinandersetzung kommt
irgendwann der Punkt, an
dem der mehlige Beigeschmack von Einheitsbrei
nicht mehr zu leugnen ist,
besonders in der Musik, die
wochenenden einen Weihnachtsmarkt. Meist ist hier
die Gemütlichkeit zu Hause
und die regionalen Eigentümlichkeiten machen die
Weihnachtsmärkte so besonders. Besonders zu empfehlen sind die Weihnachtsmärkte in Neusäß, Friedberg
und wer etwas weiter fahren kann oder will der fährt
am Besten nach Scherneck.
- F.H.
sich oft zwischen sentimentaler Nostalgie und tradierter
Illusion verliert.
Gerade aber in der
Funktion als reflektierender
Autor, als Kulturproduzent,
fällt es schwer, trotz der anhäufenden Zeichen, trotz den
scharfen oder gar beißenden
kritischen Beobachtungen eines Adornos oder eines Horkheimers, sich dem Kulturpessimismus hinzugeben. Man
wird nie frei von Einflüssen
des weltlichen sein (und wa-
SOZIOLOGISCHER GARTEN
-L.L.
rum sollte man es denn sein?
„Gedanken ohne Inhalt sind
leer“, sagt uns Schachmatttheoretiker Kant, Empirie
darf man ruhig leben!). Aber
den Glauben an eine Kunst,
die nicht ökonomisch überformt ist, kann man vielleicht
dennoch beibehalten. So beginnt die Suche nach Idioten,
Querulanten und auch subtilere Devianten, die bewusst
die vorherrschende Kulturnormen transzendieren und
neue Wege bereitet (und
nicht nur bei vergangenheitsgerichtete Kritik bleiben,
wie ein Horkheimer oder ein
Adorno).
Post-Rock. Das verlorene Kind der Postmoderne,
das sich von ihr emanzipiert
hat aber die grundsätzliche
Enttäuschung von Mainstream-Rock und der industrialisierten Kultur weiter
mit sich trägt. Der erhobene
bildungsbürgerliche Zeigefinger soll hier endlich wieder
eingesteckt werden, doch der
Kontext ist wichtig, um die
Relevanz einer Band einordnen zu können, deren Pfad
bei diesem Genre beginnt
und sich eine ungeahnte Losgelöstheit erstreckt: MONO
(japanisch: „Ding“). MONO
ist das musikalische Erlebnis
an sich – eine neue, direkte
Emotionalität in der Musik,
die Gefühle vermittelt, ohne
gezielt vom Denken abzulenken. Vom Moment an, in dem
sie die Bühne betreten bis zu
dem, wo sie sie wieder verlassen, fällt kein Wort. Die
Gesichter sieht man kaum,
im eigenen Haar verhüllt, bewusst wird die eigene Persönlichkeit ausgeklammert. Es
beginnt verhalten, melodisch,
und steigert sich in unmerklich in kleinen Intervallen zu
einem white noise Inferno.
Und sie spielen, als hätte es
vor ihnen keine Musik gegeben, als hätten sie selbst
diesen Lebensbereich erfun-
< MONO bei einem ihrer viel zu
seltenen Konzerte in München
den – und alle rationale Kritik wird vorweggenommen.
Kinder des Lichts auf einen
selbstbestimmten Pfad ins
Ungewisse, nicht eingeklammert durch Vorstellungen
von „sein“ und „sollen“, aber
ebenso wenig willkürlich.
Wie soll man es benennen? „Anschauungen ohne
Begriffe sind blind,“ sagt
unser erleuchtete Kant auch,
und so muss man zaghaft die
Verbindung zum Tabu gestehen: dass ist in gewissen
Sinne Erotik. Das ungefilterte Gefühl, ein immanente
Aesthetik, die nicht begründet werden muss. Eine aufregende Umhüllung, die die
Seele versklavt, ohne Zwang
auszuüben. Eine brennende
Ekstase im Herzen, blind
und hohl in den Augen des
Alltags, aber übermächtig in
der Überzeugung des Augenblicks. Es ist erlaubt, und
nichts darf dagegen sprechen.
Und ich hätte nie geglaubt,
dass MONOtonie so schön
sein könnte.
- M.R.
Article
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in
l e
cooperation
n / l e g
www.fallen-legen.de
with
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„Ein Großteil der Befragten bekannte sich, sogenannte „Thrills“ durch Musik erlebt zu haben: körperliche Reaktionen wie z.B. Lachen,
Kribbeln, Schwitzen, sexuelle Erregung, Herzschlagen. Befragte die ein Musikinstrument
spielte erlebten öfter Thrills, als jene die keines spielten. Frauen wiesen einen weitaus höheren Mittelwert an Thrills auf als Männer
– außer beim Schwitzen und beim Gähnen.“
-Seminarvortrag: „Musik und Emotionen“ (Koleva, Marquardt, Meyer, Neykova), Seminar
Musiksoziologie (Böhle), Universität Augsburg
Die etwas andere
Geschichte:
tuna fish salad salad bowl
Sonja liebt die Gezeiten.
Jeden morgen steht sie auf
und geht zum Strand, ganz
vor bis zu dem kurzen Streifen, wo die klobigen Steine
dem kalten Sand weichen.
Sie wiegelt mit ihren Füßen
auf und ab, bis diese sich zu
etwas mehr als drei Teile von
vier unter lockeren, gelbgrauen Flocken einnisten. Das
kribbelt auch beim hundertsten Mal an ungewohnten
Stellen an der Haut, aber
gar nicht unbequem, so, dass
man versucht ist, laut loszulachen. So steht Sonja nun
fest im Sand und sieht auf
den Horizont, der hell ist, so
wie er nur am frühen Morgen
hell ist, und wartet, steht nur
da, manchmal bis kurz vor
dem Mittagessen. Sie wartet,
und nur sie weiß warum: sie
wartet auf die Flut, auf das
Wasser, das sie liebt.
Sonja ist eine Bärin.
Gute zwei Meter Groß, dunkele, samt-schmeidige Haare,
die ihr von Kopf bis Fuß reichen. Dieses Land war nicht
immer ihr Zuhause gewesen.
Als sie damals hier her kam,
wunderte sie sich über diese
nackten Affen, die sich hier
aufhielten – nun, nackter
Affe ist nicht fair, wenn sie
aufrecht stehen sehen sie
manchmal fast so aus, wie
dünne Bären. Sie hat sie einigermaßen liebgewonnen mit
der Zeit, die Menschen sind
mittlerweile nicht unfreundlich zu ihr, man trifft sich in
Dorf, pflegt einen höflichen
Ton. Nur wirklich verstehen,
sie verstehen, das werden sie
nie.
Das Wasser rast heu-
te auf sie zu. Für ihn ist das
ganze keine große Anstrengung, er hebt sich dabei
kaum einen halben Meter.
Aber dieser halbe Meter ist
zum Grund geworden, warum Sonja jeden Tag trotzdem aufsteht. Vielleicht das
wichtigste ist die Erwartung,
die Spannung, wie er, das
geliebte, endlose Meer unmerklich näher kommt. Sonja
zittert, und nicht nur von
der kühlen Meeresbrise, die
Vorbotin ihres Geliebten; ihre
Haare stehen zu Berge, wie
elektrisiert. Als nur noch ein
paar Zentimeter zu überwinden sind, schließt sie gerne
die Augen, lässt sich vom
frischen Hauch umwehen,
hört auf das kaum merkbare
plätschern der vordersten
Wellen, ihr voller, salziger
Geruch, und spannt ihre
Haut auf den vollkommenen
Moment, in dem die ersten
Tropfen sie erreichen, versucht ihren Atem, den schweren Brustkorb im Zaum zu
halten, um das Empfinden zu
maximieren.
Das Wasser kriecht
leicht über ihr Füße und
sinkt ab, biss es auch die
vorderen Ballen umschlingt.
Es blubbert, und sprudelt,
und beruhigt in der Berührung. Es umspielt liebevoll
ihre Knöchel, und schiebt
sich langsam durch ihre
Beine hindurch, pulsierend,
im natürlichsten Rhythmus;
eine Musik, die sich auch
im kleinsten Tropfen, im
kleinsten Sandkorn befindet, wenn man sich davon
finden lässt. Sonja krallt
lustvoll ihre Füße im Sand
fest, und es entwischt ihr ein
fast melancholisches Brüllen
über die Lippen, und sie fällt,
zunächst auf allen Vieren,
dann legt sie sich ganz hin,
um eins mit den Gezeiten zu
sein, eins mit der Bewegung,
mit der sanften Musik.
Es war nicht immer so
gewesen, dass Sonja allein
zum Strand ging. Noch vor
dem Sand war da Sandra.
Sandra. Sie dachte ungern an
diesen Namen, unweigerlich
wurden Erinnerungen an
diese letzte Nacht unter dem
vollsten aller Monde wach.
„Um dich ist es kalt geworden. Warum verbirgst du
dein Licht?“
Sandra saß abgewandt von
ihr auf einen Felsvorsprung,
und starrte in den Himmel
mit funkelnden Augen. Hätte
sie das nicht sagen sollen?
Jedes Mal, wenn sie daran
dachte, brennte ihre Haut,
als ob jemand tausende
Eisflocken darauf gepustet
hätte.
„Ich muss hier weg. Ich kann
nicht länger hier bleiben.
Hier bewegt sich nichts.“
Sie sah Sonja lange an, und
erst nach einigen Augenblicken rutsche es ihr wie ein
Nichts aus dem Mund heraus.
„Du bewegst dich nicht.“
Und durch wallende Tränen
sah Sonja ihr Herzens Kleinod im Mondlicht verschwimmen, zerfließen, als wäre sie
nie gewesen.
Es folgten viele Worte,
aber an den Gesprächsverlauf konnte sich Sonja nicht
so gut erinnern… Wortfetzen
wie „…festgekettet …“, „…
ersticken …“, „…anhänglich
...“, „… im Kreis drehen …“
hingegen steckten Tief hinein
bis unter ihre Haut, dort, wo
selbst die stärksten Bärinnen
verwundbar sind.
An leeren Nachmittagen hatte sie sich doch hin
und wieder darüber Gedanken gemacht. Und es ärgerte
sie, denn sie wusste – und
wusste es schon damals –
dass das Leben immer ein
Kreis ist. Und durchbrach
man einen Kreis, so fiel man
doch immer auf einen neuen,
um dort zu Kreisen, annähernd ewig, mit wankenden
Bahnen, bis auch dieser zerbrach, und der nächste, und
der nächste, bis keiner mehr
übrig war. Und sie wusste
auch dass nichts einen Kreis,
einmal durchbrochen, nichts
mehr schließen konnte. Das
wusste doch jedes Bärenkind.
Und sie machte es ihr
zum Vorwurf – ihre Behutsamkeit, ihr Wunsch, diesen goldenen Kreis nicht zu
SurReal Life
stören. Ihr Verstehen, ihre
Weisheit schien wertloser als
ein zweigeteiltes Netz. Sandra lachte darüber. Sandra
lächelte darüber. Sandra ging
hindurch, als wäre es nie da
gewesen.
Eines Tages war sie
fort. Ebenso Serra, die auch
Fremde hier gewesen war:
aber anders, sie war jung,
exotisch, rastlos. Eine Unerfahrene, die sich nichts
gefallen lies – und sich doch
von jedem ziehen ließ. Eine
blöde Schlampe, wie Sonja
fand. Sie erinnerte sie an sich
selbst.
Das Wasser ist nicht
schlampig. Er weiß, so viel,
ist erfahren, und ist stetig –
er versteht durch sein bloßes
Sein. Und so fiel Sonja der
Ersatz nach einer kurzen Zeit
gar nicht mehr so schwierig.
Es half, dass das Wasser, der
Sand manchmal nach Lachs
roch, so, wie die Fische die
sie in ihrer Kindheit gefangen hatte, als sie an einem
anderen Ort war; so, wie Sandra es manchmal getan hatte, kurz nach dem aufstehen,
ihre trocknender Schweiß der
die Sonnenstrahlen erst zum
leuchten brachte.
Sonja weiß, dass das
Wasser mit Sicherheit wieder
gehen wird; es ist die Natur
der Bewegung. Meistens lässt
sie es nicht dazu kommen,
und geht vorher selbst, um
nicht verlassen zu werden.
Es mag sein, dass das Wasser
auch ohne sie kommen und
gehen würde – aber wenigstens kommt es immer wieder,
und bleibt nicht fort. Und sie
gibt ihm auch etwas – einen Sinn, den es sonst nicht
gehabt hätte. Das Meer ist
am Morgen um so viel größer,
dadurch, dass sie daran Anteil nimmt. Und die Welt ist
besser, dadurch dass sie ihre
Kreise vollzieht.
So ist sie zufrieden,
lebt mit offenen Augen zwischen Dorf und Wälder auf
ihrem Halbinselparadies.
Und sitzt abends oft draußen,
und dankt den Mond für den
Reichtum dieser, ihrer Erde.
Aber wenn er ganz voll ist,
weint sie doch manchmal um
Sandra.
- M.R.
IMPRESSUM:
Sowiso! wird herausgegeben von der Fachschaft für Sozialwissenschaften, Politik, und Soziolgie an der Universität Augsburg
(Fachschaft SoWiSo, Universitätsstrasse 10 86135 Augsburg, V.i.S.d.P.: Matthias Roche)
Sprechstunde R 2124, Di + Do 14 Uhr -16 Uhr
Redaktion: Florian Hofmann [F.H.](Events)
Laura Lechner [L.L.](Soziologischer Garten)
Matthias Roche [M.R.](Layout / Fotos)
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Seele and Geist
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