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1. Wie wird man Mitglied einer Gesellschaft? 2. Wer ist „Ich“? 1. Wie

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Soziologische
Grundbegriffe 4
Wie wird man
Mitglied einer
Gesellschaft?
1. Wie wird man Mitglied einer Gesellschaft?
§
§
§
Sozialisation
Enkulturation
Akkulturation
Wer ist „Ich“?
2. Wer ist „Ich“?
§
§
§
§
Soziologische
Grundbegriffe 4
Wie wird man
Mitglied einer
Gesellschaft?
Sozialisation
Enkulturation
Akkulturation
Individuum
Identität
Individualität
Individualisierung
1. Wie wird man Mitglied einer Gesellschaft?
Sozialisation
Prozess der Herausbildung einer handlungsfähigen
sozialen Persönlichkeit;
viel umfassender als „Erziehung“
Enkulturation
Begriff aus der Kulturanthropologie;
sich teils mit der Sozialisation überschneidender, teils
zeitlich an sie anschließender Prozess der Übernahme
kultureller Muster und Selbstverständlichkeiten
Akkulturation
Prozess der Eingliederung in eine neue Kultur, des
interkulturellen Austausch oder der Übernahme neuer
kultureller Elemente nach Abschluss der Phase der
Sozialisationsphase in der eigenen Kultur
1
Soziologische
Grundbegriffe 4
Wie wird man
Mitglied einer
Gesellschaft?
Sozialisation (1):
Anthropologische Voraussetzungen
1. „Weltoffenheit“ des Menschen
§
Instinktarmut:
der Mensch als „Mängelwesen“,
(Philosophische Anthropologie:
Max Scheler [1874-1928],
Arnold Gehlen [1904-1976])
§
Mensch als „physiologische Frühgeburt“
(Adolf Portmann [1897-1982])
Sozialisation
2. Sozialisation als „zweite Geburt“
bzw. als „soziokulturelle Geburt“
(René König, Dieter Claessens)
Soziologische
Grundbegriffe 4
Sozialisation (2):
Soziale Funktionen
Wie wird man
Mitglied einer
Gesellschaft?
Sozialisation als Antwort auf
das Problem der sozialen Ordnung
Sozialisation
Talcott Parsons (1902-1979)
Ausgangsfrage:
Wie ist soziale Ordnung möglich angesichts der
vielfältigen und gegensätzlichen Interessen von
Individuen?
Antwort:
Durch Sozialisation, die den Individuen
übereinstimmende Werte, Normen, Handlungsmuster
und Rollen vermittelt, die mit der Struktur einer
Gesellschaft übereinstimmen
2
Soziologische
Grundbegriffe 4
Sozialisation (2):
Soziale Funktionen
(Fortsetzung)
Wie wird man
Mitglied einer
Gesellschaft?
Sozialisation
Kritik:
•
Ein harmonisierendes Modell von Gesellschaft,
das Sozialisation als Prägung versteht und jede
Neuerung negativ als Abweichung versteht.
•
Die Konzeption setzt bereits ein „fertiges“ und
handlungsfähiges Individuums voraus, dem dann
bestimmte Verhaltensmuster, Normen und Werte
vermittelt werden.
Als Darstellung, aber auch Kritik dieser Auffassung:
Ralf Dahrendort: Homo sociologicus, Opladen 1958
Soziologische
Grundbegriffe 4
Wie wird man
Mitglied einer
Gesellschaft?
Sozialisation
Sozialisation (3):
Begriffliche Unterscheidungen
§
primäre Sozialisation
Entwicklung zur handlungsfähigen sozialen Person,
beginnend bei der frühkindlichen Sozialisation
§
sekundäre Sozialisation
ab der Kindheit bzw. Jugend durch Schule,
Gleichaltrige (peer groups) usw.
§
tertiäre Sozialisation
[manchmal auch: sekundäre Sozialisation]
lebenslange Persönlichkeitsveränderung: durch
persönliche Bindungen, Beruf, Erfahrungen usw.
3
Soziologische
Grundbegriffe 4
Sozialisation (4)
§
Wie wird man
Mitglied einer
Gesellschaft?
Schichtspezifische Sozialisation
_ Weitergabe von Schichtmerkmalen zwischen
den Generationen
_ Zusammenhang zwischen Sozialstruktur und
Sozialisation
Sozialisation
§
Geschlechtsspezifische Sozialisation
_ u.a. Überlagerung schichtspezifischer
Differenzen durch Geschlechterdifferenzen
Soziologische
Grundbegriffe 4
Sozialisation (5)
Sozialisationsinstanzen
Wie wird man
Mitglied einer
Gesellschaft?
Sozialisation
§
Familie
a Frage nach der Weitergabe von
Schichtmerkmalen usw.
§
Schule, Kindergarten usw.
a Tendenz zur außerfamiliären Institutionalisierung
von Erziehung und Sozialisation
§
Gleichaltrigengruppe (peer group)
_ Entstehung und Ausdehnung von „Jugend“ als
einer eigenständigen Entwicklungsphase
zwischen Kindheit und Erwachsenenalter
§
Medien
_ neue Formen der „Selbstsozialisation“
4
Soziologische
Grundbegriffe 4
2. Wer ist „Ich“?
Individuum
2. Wer ist „Ich“?
§
Entwicklung des Individuums (Identität) als sozialer
Prozess
Individuum,
Identität,
Individualität,
Individualisierung
§
Individuum und Gesellschaft nicht als Gegensätze
Individualität
§
Individualität als gesellschaftliches Produkt
§
Individualität als historisches Produkt, als
Besonderheit des modernen westlichen Denkens
Individualisierung
Soziologische
Grundbegriffe 4
§
Individualisierung als gesellschaftsspezifisches
Phänomen
§
Zusammenhang zwischen Individualisierung,
Zivilisationsprozess und Disziplinierung
(Norbert Elias, Michel Foucault)
Individualität und Sozialität
Georg Simmel (1858-1918)
Wer ist „Ich“?
Simmel:
Individualität
und Sozialität
„Die Ausdehnung der Gruppe und die Ausbildung
der Individualität“
(1888; vgl. auch „Über sociale Differenzierung, 1890,
Kap. 3)
„Die Kreuzung sozialer Kreise“
(in: „Soziologie“, 1908, S. 456-511; vgl. auch „Über
sociale Differenzierung“, 1890, Kap. 5)
5
Soziologische
Grundbegriffe 4
Individualität und Sozialität
Wer ist „Ich“?
Georg Simmel
„Die Ausdehnung der Gruppe und die
Ausbildung der Individualität“
G. Simmel:
Die Ausdehnung
der Gruppe und
die Ausbildung
der Individualität
„je enger der Kreis ist, an den wir uns hingeben, desto
weniger Freiheit der Individualität besitzen wir; dafür
aber ist dieser Kreis selbst etwas Individuelles,
scheidet sich, eben weil er ein kleiner ist, mit scharfer
Begrenzung gegen die übrigen ab.
Und umgekehrt: erweitert sich der Kreis, in dem wir
uns betätigen und dem unsere Interessen gelten, so
ist darin mehr Spielraum für die Entwicklung unsrer
Individualität, aber als Teile dieses Ganzen haben wir
weniger Eigenart, dieses letztere ist als soziale Gruppe
weniger individuell.“ (55)
Soziologische
Grundbegriffe 4
Wer ist „Ich“?
G. Simmel:
Die Ausdehnung
der Gruppe und
die Ausbildung
der Individualität
Individualität und Sozialität
Georg Simmel
„Die Ausdehnung der Gruppe und die
Ausbildung der Individualität“
„die Individualisierung lockert das Band mit dem
Nächsten, um dafür ein neues – reales und ideales –
zu den Entfernteren zu spinnen“ (55)
„je enger die Synthese innerhalb des eigenen
Stammes, desto strenger die Antithese gegenüber
dem fremden; mit fortschreitender Kultur wächst die
Differenzierung unter den Individuen und steigt die
Annäherung an den fremden Stamm“ (55)
6
Soziologische
Grundbegriffe 4
Wer ist „Ich“?
G. Simmel:
Die Ausdehnung
der Gruppe und
die Ausbildung
der Individualität
Individualität und Sozialität
Georg Simmel
„Die Ausdehnung der Gruppe und die
Ausbildung der Individualität“
„Reziprozitätsverhältnis von Individualisierung und
Verallgemeinerung“ (58)
ð je stärker die Individualisierung, desto größer die
sozialen Zusammenschlüsse
ð je größer die Individualität gegenüber dem sozial
Nahen, desto größer die Gemeinsamkeiten und
die Solidarität mit dem sozial Entfernten
Soziologische
Grundbegriffe 4
Individualität und Sozialität
Georg Simmel
Wer ist „Ich“?
G. Simmel:
Die Kreuzung
sozialer Kreise
„Die Kreuzung sozialer Kreise“
Gerade die Kreuzung sozialer Kreise erzeugt
Individualität.
Die Kreuzung sozialer Kreise erzeugt eine größere
Individualität als die Zugehörigkeit zu konzentrischen
Kreisen. (470)
7
Soziologische
Grundbegriffe 4
Individualität und Sozialität
Georg Simmel
Wer ist „Ich“?
G. Simmel:
Die Kreuzung
sozialer Kreise
Soziologische
Grundbegriffe 4
„Die Kreuzung sozialer Kreise“
„Die Möglichkeit der Individualisierung wächst auch
dadurch ins Unermeßliche, daß dieselbe Person in
den verschiedensten Kreisen, denen sie gleichzeitig
angehört, ganz verschiedene relative Stellungen
einnehmen kann.“ (476)
Individualität und Sozialität
Georg Simmel
Wer ist „Ich“?
G. Simmel:
Die Kreuzung
sozialer Kreise
„Die Kreuzung sozialer Kreise“
„So kann man sagen: aus Individuen entsteht die
Gesellschaft, aus Gesellschaften entsteht das
Individuum. Wenn die fortgeschrittene Kultur den
sozialen Kreis, dem wir mit unserer ganzen
Persönlichkeit angehören, mehr und mehr erweitert,
dafür aber das Individuum in höherem Maße auf sich
selbst stellt und es mancher Stützen und Vorteile der
enggeschlossenen Gruppe beraubt, so liegt nun in
jener Herstellung von Kreisen und Genossenschaften,
in denen sich beliebig viele, für den gleichen Zweck
interessierte Menschen zusammenfinden können, ein
Ausgleich jener Vereinsamung der Persönlichkeit, die
aus dem Bruch mit der engen Umschränktheit
früherer Zustände hervorgeht.“ (485)
8
Soziologische
Grundbegriffe 4
George Herbert Mead
Wer ist „Ich“?
1888-1891 Studium in Leipzig und Berlin
(1863-1931)
1894-1931 Professor an der University
of Chicago
G. H. Mead
Hauptwerk
Geist, Identität und Gesellschaft
(Orig: Mind, Self and Society, 1934)
Gesammelte Aufsätze. 2 Bde., 1980/83
Soziologische
Grundbegriffe 4
George Herbert Mead
Identitätsbildung durch aktive Identifikation
Wer ist „Ich“?
u Unterscheidung von „I“ und „Me“:
_ „I“ (Ich) als aktive handelnde Kraft
G. H. Mead:
„I“ und „Me“
_ „Me“ (Mich) als Selbstbild, das durch die
Identifikation mit anderen und durch
Erfahrungen mit anderen entsteht
u Zuerst Identifikation mit konkreten
„signifikanten Anderen“, z.B. Eltern
u Später dann Erfahrungen, Identifikation und
Antizipation von „generalisierten Anderen“
u Antizipation von Handlungen und Reaktion:
Erwartungen und Erwartungserwartungen
u Ausbildung einer Identität („Me“), zu der das Ich
(„I“) in Distanz gehen kann
9
Soziologische
Grundbegriffe 4
Sozialisation (6)
Selbstsozialisation
Wie wird man
Mitglied einer
Gesellschaft?
Sozialisation
(Jürgen Zinnecker, Dieter Baacke)
a Betonung des aktiven Anteils der Individuen in
der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt und als
aktive Aneignung statt passive Prägung in der
Tradition des Symbolischen Interaktionismus
a Anschlussmöglichkeiten für Forschungen zur
Jugendsoziologie, Mediensoziologie usw.
Soziologische
Grundbegriffe 4
Erving Goffman
Wer ist „Ich“?
Hauptwerke:
E. Goffman
Wir alle spielen Theater. Die
Selbstdarstellung im Alltag
(Orig.: The Presentation of Self in
Everyday Life, 1959)
(1911-1982)
Asyle (Orig: Asylums, 1961)
Stigma. Über Techniken der
Bewältigung beschädigter Identität
(Orig.: Stigma, 1967)
Rahmen-Analyse. Ein Versuch über
die Organisation von
Alltagserfahrungen (Orig.: Frame
Analysis, 1974)
10
Soziologische
Grundbegriffe 4
Erving Goffman:
personale und soziale Identität
Wer ist „Ich“?
Personale Identität
E. Goffman:
personale und
soziale Identität
Merkmale und Eigenschaften der eigenen
Identität im Sinn einer unverwechselbaren Person
Soziale Identität
Merkmale der eigenen Identität bezogen auf die
Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe, Schicht,
Kultur usw.
Soziologische
Grundbegriffe 4
Erving Goffman
Identität als prekärer Interaktionsprozess
Wer ist „Ich“?
1. Identität als stets unabgeschlossener und
prekärer Prozess
E. Goffman;
Identitätsmanagement
2. Identität als Frage von
§
Selbstdarstellung
§
Interaktion
§
(Selbst)Inszenierung
ð „Identitätsmanagement“
in konkreten sozialen Internaktionen
ð Symbolischer Interaktionismus
ð Labelling Approach (Etikettierungsansatz)
11
Soziologische
Grundbegriffe 4
Ich-Identität
Wer ist „Ich“?
Eine stabile Ich-Identität als Grundlage für
Ich-Identität
•
Autonomie und Handlungskompetenz
•
Frustrationstoleranz
•
Toleranz gegenüber Fremdem
•
Immunität gegen Autoritarismus
Erik H. Erikson (190-1994)
Jürgen Habermas (geb. 1929)
Soziologische
Grundbegriffe 4
Wer ist „Ich“?
Gibt es „kollektive Identitäten“?
§
Kollektive
Identität?
Beispiele für kollektive Identitäten:
s
Nationale Identität?
s
Kulturelle Identität?
s
Ethnische Identität?
§
Wer ist der „Träger“ kollektiver Identitäten?
§
Identität oder Identifizierung?
§
„Erfindung von Traditionen“ / Nationen
(Eric J. Hobsbawm, Terence Ranger,
Benedict Anderson
12
Soziologische
Grundbegriffe 4
Enkulturation
§
Wie wird man
Mitglied einer
Gesellschaft?
Begriff auf der Kulturanthropologie: Aneignung
kultureller Selbstverständlichkeiten
Sozialisation
Soziologische
Grundbegriffe 4
Wie wird man
Mitglied einer
Gesellschaft?
Akkulturation
§
Bedeutung in der Kulturanthropologie
(Ethnographie) und Migrationssoziologie
§
zu unterscheiden von den Konzepten bzw.
Fragestellungen: Integration und Assimilation
Sozialisation
13
Soziologische
Grundbegriffe 4
Enkulturation und Akkulturation:
Probleme des Kulturbegriffs
Wie wird man
Mitglied einer
Gesellschaft?
§
Vervielfältigung kultureller Orientierungen und
Zugehörigkeiten
§
Enkulturation und Akkulturation nicht als
„Übernahme“ von fertigen Kulturmustern, sondern
als aktiver Interaktionsprozess, in dem sich beide
Seiten verändern
§
Beispiel: Diskussion unter dem Begriff
„Postkolonialismus“
Sozialisation
14
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