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- 32 - „Klasseninterne Differenzierung – wie geht das?“ - GGG NRW

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Gesamtschule
in Nordrhein-Westfalen
I/2009
Schwerpunkt: Pädagogische Leistungskultur
SCHWERPUNKT: PÄDAGOGISCHE LEISTUNGSKULTUR
Paul Seck
„Klasseninterne Differenzierung – wie geht das?“
Nachklang zur GGG-Fachtagung am 14./15.11.2008 in Herford
Ohne Umschweife: eigentlich befinde ich mich inzwischen in einem
Alter, wo ich es schätze, wenn bei einer Tagung ein Sitzplatz zur Verfügung steht. In diesem Fall möchte ich jedoch ausdrücklich die Notwendigkeit zu stehen und die gelegentlich deutlich fühlbare räumliche Enge
in den Workshops als ein positives Zeichen deuten - unübersehbares
Signal des Interesses am Gegenstand der Tagung.
Nehmen wir die Rückmeldungen
und die Schlussbewertung am
Ende des zweiten Tages hinzu,
können wir der Veranstaltung
ohne Zweifel einen hohen Erfolg
attestieren und allen, die sie
organisiert haben, einen herzlichen Dank sagen.
Während der anschließenden
Heimfahrt auf der A2 war dann
reichlich Gelegenheit die Tagung
noch einmal Revue passieren zu lassen und einigen Überlegungen zum
Thema nachzugehen:
• Es war nicht die erste Veranstaltung zum Thema. Und auch die anderen Veranstaltungen – zumindest jene, die ich besucht habe – waren in der Regel gut nachgefragt und inhaltlich ebenfalls sehr zufrieden stellend.
• Die Liste der themenspezifischen Fachliteratur ist umfangreich. Das
ist nahe liegend, handelt es sich doch bei der Binnendifferenzierung
um das zentrale Problem, wenn individualisierter Unterricht gelingen soll.
• Praktische Erfahrungen liegen uns in reichem Maße vor.
Trotzdem gelingt die Umsetzung in der Praxis nur selten wirklich gut und
selbst gestandene, der Binnendifferenzierung positiv gegenüber eingestellte Pädagogen tun sich schwer damit, ihren Unterricht durchgängig
dem Prinzip der inneren Differenzierung entsprechend zu gestalten.
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Paul Seck
„Klasseninterne Differenzierung – wie geht das?“
Erkennbar wird das, wenn Freiarbeitsphasen und differenzierte Wochenpläne Seltenheitswert bekommen, die Frage nach differenzierten Klassenarbeiten einen zweifelnden Blick hervorrufen und Arbeitsstunden, die
- wenn sie optimal genutzt werden - zu den absoluten Highlights der
Binnendifferenzierung im Schulalltag gehören könnten, in die Schusslinie
geraten und reduziert werden.
Was sind die Gründe für diese Situation?
• Sicherlich ist der mit der Differenzierung verbundene Arbeitsaufwand ein Hindernis wie auch der durch die zentralen Prüfungen
vermittelte Druck und das Gefühl zeitlicher Enge mit der Konsequenz, dass Fachkonferenzen nachdrücklich um mehr Fachstunden
bitten und dafür gerne Arbeitsstunden opfern würden.
• Ebenso dürfte auch ein klassisches Rollenverständnis von Lehrerinnen und Lehrern hinderlich sein, desgleichen das Selbstverständnis
von Schülerinnen und Schülern wie auch die Erwartungen von Eltern.
• Als Bremse dürfte auch der Traum von der Homogenität der Lerngruppe gelten, besonders, weil er durch die Vorgabe zur äußeren
Differenzierung über die Jahre immer stabil gestützt wurde und
wird.
• Unsicherheit im Umgang mit der Bewertung differenzierter Leistungen und die Überzeugung von deren Unlösbarkeit tragen dazu bei,
dass das Thema mit eher spitzen Fingern angefasst wird.
• Nicht zuletzt werden auch räumliche und organisatorische Einschränkungen gerne genannt als – im Übrigen am ehesten nachvollziehbare – Grenzen einer effizienten Binnendifferenzierung.
Die Aufzählung ist nicht vollständig, weitere Gründe werden – jeweils in
Abhängigkeit von der konkreten Situation – zu ergänzen sein.
Hier nun stellt sich dann aber die wesentliche Frage: „Klassendifferenzierung – geht das überhaupt?“ Zu dieser Frage lieferte die Tagung zum
richtigen Zeitpunkt die richtige Botschaft mit einem eindeutigen „Ja“.
Was uns zur nächsten Frage führt: „Unter welchen Bedingungen kann
eine erfolgreiche Binnendifferenzierung gelingen?“
Sehen wir uns Situationen an, in denen die Binnendifferenzierung nicht
so recht von der Stelle kommt, müssen wir feststellen, dass sie häufig nur
unzureichend umgesetzt wird, weil sie in einer Reduktion auf ein metho-
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Gesamtschule
in Nordrhein-Westfalen
I/2009
Schwerpunkt: Pädagogische Leistungskultur
disches Prinzip lediglich isoliertes Teilelement eines ansonsten wenig auf
Individualisierung ausgerichteten Konzepts ist.
Demgegenüber haben sich die Schulen, die sich präsentierten, entschlossen, so komplex zu denken und zu handeln, wie es dem Thema angemessen und notwendig ist. So unterschiedlich die Ansätze auch sein mögen,
so haben sie doch einiges gemeinsam:
• Sie haben konsequent auf die Öffnung des Kollegiums für das Denken neuer Konzepte und auf allgemeine Akzeptanz gesetzt, selbst
wenn das einen erheblichen Kommunikationsaufwand bedeutete.
• Diese Akzeptanz war Voraussetzung für das Schaffen von Verbindlichkeit und Gemeinsamkeit im Handeln.
• Zeit und Personalkapazitäten wurden investiert. Bei der Komplexität, die das Thema aufweist, ist Entwicklungsarbeit auch nicht nebenbei zu leisten.
• Binnendifferenzierung wurde grundsätzlich im Kontext gesehen,
wenn auch unterschiedlich weit angelegt. So berücksichtigen die
einzelnen Konzepte neben den rein methodischen Aspekten Fragen
der Unterrichtsorganisation – z.B. in Form einer Neuorganisation
des Stundenrasters, aber auch in neuen Angeboten, z.B. Lernwerkstätten für die Schüler und Schülerinnen – oder/und Fragen der
Lernzielkontrollen bis hin zur konsequenten Änderung der Bewertung in Form eines Portfolios.
• Die Konzepte wurden langfristig und umfassend gedacht, aber dann
in angemessenen Teilschritten realisiert.
Sicherlich gäbe es weitere Punkte, die zu nennen wären. Aber auch eine
Fahrt auf der A2 ist endlich. Und so bleibt nicht mehr als den Schulen,
die ihre Versionen von Realisierungsmöglichkeiten vorgestellt haben, zu
wünschen, dass sich die Entwicklungen, die auf den Weg gebracht wurden, als dauerhaft wirksam im Interesse der Schülerinnen und Schüler
erweisen. Das wäre dann wohl die überzeugendste Antwort auf die Frage
„Klasseninterne Differenzierung – wie geht das?“.
Paul Seck, Didaktischer Leiter
Willy-Brandt-Gesamtschule Bergkamen
seck@willy-brandt.un.nw.schule.de
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Bildung
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