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1 Kapitalbedarf – So ermitteln Sie, wann Sie wie viel - Authent-it

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1
Kapitalbedarf – So ermitteln Sie, wann Sie wie viel
Geld brauchen
1.1
Einstieg
Ausgangslage
Einfluss auf Finanzen und Liquidität
Häufig sehen Unternehmer in der Ermittlung des Kapitalbedarfs eine reine Pflichtübung, die
nichts mit dem tatsächlichen Geschäftsbetrieb zu tun hat. Viele Unternehmer unterschätzen
deswegen ihren Kapitalbedarf und kommen so vorhersehbar in Zahlungsschwierigkeiten.
Andere benötigen mehr Kapital für ihr Geschäft als ihnen zur Verfügung steht. Statt in solchen Fällen das Geschäftskonzept zu verändern und z. B. die „kleine“ Lösung zu wählen,
regiert das „Prinzip Hoffnung“. Irgendwie, so die Zuversicht dieser Unternehmer, wird das
Geld schon reichen.
Überraschungen sind für Unternehmer Alltag und sie zu bewältigen, erfordert den vollen Einsatz und manchmal auch Glück. Umso wichtiger ist es, kritische Situationen, die absehbar
sind, in einem frühen Stadium zu vermeiden oder abzumildern. Die Ermittlung des Kapitalbedarfs ist die wichtigste Voraussetzung, um eventuelle Finanz- und Liquiditätskrisen frühzeitig zu erkennen und durch die richtigen Maßnahmen zu verhindern.
Planen Sie den Kapitalbedarf ehrlich und einschließlich gewisser Reserven und kämpfen Sie
für dessen Finanzierung. Wer bei seinen Lieferanten im Rückstand ist, kann weder skontieren noch über Preise verhandeln. Ausreichende Liquidität ist ein wichtiger Erfolgsfaktor und
erhöht Ihren Gewinn.
Kapitalbedarf in der Aufbauphase eines Unternehmens
Der Kapitalbedarf richtet sich zunächst nach der Höhe des Betriebsvermögens (Anlage- und
Umlaufvermögen) wie es jährlich in der Bilanz festgestellt wird. Wenn Sie Ihren Kapitalbedarf
reduzieren wollen, müssen Sie also am Umfang des Betriebsvermögens ansetzen.
Manche Vermögensgegenstände gehen aber nicht in die Bilanz ein, sind aber für den Erfolg
und für den Wert des Unternehmens enorm wichtig. Dazu gehören technische Entwicklungen, selbst geschaffene (nicht erworbene) gewerbliche Schutzrechte, Marken, Bekanntheitsgrad, Wissen, Marktanteile, Kundenbeziehungen usw. Diese „unsichtbaren“ Vermögensgegenstände haben meist viel Geld gekostet. Dieses Geld ist aber in der Regel als Kosten verbucht worden, hat also die Ergebnisse der Vergangenheit belastet.
Wenn sich ein Unternehmen in einer Phase befindet, in der es sehr viel in den Aufbau solch
„unsichtbarer“ Vermögensgegenstände investiert, und deswegen meist Verluste erwirtschaftet, kommt der Ermittlung und der Finanzierung des Kapitalbedarfs eine besondere Bedeutung zu. Er zeigt, wie viel Kapital nötig ist, bis das Unternehmen aus eigener Kraft ausreichend finanzielle Mittel für den Geschäftsbetrieb erwirtschaftet und wann das der Fall sein
wird. Ohne eine genaue Begründung dieser Zahlen weigern sich Eigen- und Fremdkapitalgeber zumeist diese Aufbauphase zu finanzieren.
Eine frühzeitige und realistische Kapitalbedarfsermittlung verbessert Ihren Ruf bei Ihrer
Bank. Sie erkennt, dass Sie Ihre Unternehmeraufgabe Ernst nehmen und belohnt das mit
einer guten Rating-Note.
Ziele
• Sie erfahren, wie Sie Ihren kurz-, mittel- und langfristigen Kapitalbedarf ermitteln können.
• Sie erkennen, wann Sie mit Finanzierungsengpässen zu rechnen haben, und können so
frühzeitig agieren, um sich rechtzeitig die nötigen Finanzmittel zu sichern.
• Durch die Ermittlung des Kapitalbedarfs erfahren Sie, ob Ihr Unternehmen fähig ist, dauerhaft die benötigten Finanzmittel aus eigener Kraft zu erwirtschaften.
Vorbereitung
Sie benötigen
• die gegenwärtigen Bestände Ihrer Forderungen und Verbindlichkeiten laut Ihrer Summenund Saldenliste (wenn die Eröffnungsbilanzwerte eingebucht sind),
• die gegenwärtigen Bestände der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, der teilfertigen Arbeiten,
der Fertigerzeugnisse und der Handelswaren laut Ihrem Warenwirtschaftssystem, falls
keines vorhanden ist, ist auch eine qualifizierte Schätzung auf Basis der letzten Inventur
möglich,
• die Daten Ihrer Ergebnisplanung, inklusive der Planung Ihrer Umsatzentwicklung, Ihrer
Waren-/Materialeinsätze, Personalkosten, sonstige Aufwendungen, Ihrer Investitionen
und der Entwicklung von Lagerbeständen,
• das durchschnittliche Zahlungsziel Ihrer Kunden laut Ihrer Offenen-Posten-Liste oder aus
den Werten des letzten Jahresabschlusses zu ermitteln nach folgender Formel:
Kundenziel in Tagen = Forderungsbestand / (Umsatz/360),
• die (Skonto-)Zahlungsziele bei Ihren Lieferanten,
• eine Aufstellung der Fälligkeit von Zinsen, Tilgungen, Jahresbeiträgen, Urlaubs-, Weihnachtsgeldern und sonstige Auszahlungen, die nicht monatlich anfallen und
• eine Aufstellung der monatlich wiederkehrenden Zahlungen.
Was
Jahresabschluss des letzten Jahres
Buchhaltungsabschlüsse/
Betriebswirtschaftliche
Auswertungen (BWA) des
laufenden Jahres
Summen- und Saldenlisten
Woher
Inhalt
•
Geschäftsführung
•
Steuerberater
•
Gewinn- und Verlustrechnung
•
Bestände (Aktiva und Passiva)
•
Anlagenverzeichnis
•
Bewertungsmethoden
•
Buchhaltung
•
Umsatz
•
Steuerberater
•
Wareneinkauf
•
Gebuchte Kosten
•
Vorläufiges Ergebnis
•
Entwicklung aller Buchhaltungskonten
•
Entwicklung der Forderungen und Verbindlichkeiten
•
Entwicklung der Darlehens- und Kontokorrent-
•
Buchhaltung
•
Steuerberater
2
konten
Kontenblätter
Unternehmensplanung
•
Buchhaltung
•
Überblick über alle Bewegungen auf den Konten
•
Steuerberater
•
Geschäftsführung
•
Investitionsplanung
•
Unternehmensberater
•
Kostenplanung
•
Umsatzplanung
•
Gewinnplanung
•
Lagerbestandsplanung
•
Planbilanz
•
Zinshöhe, Zinsbindungsfrist, Laufzeiten, Überziehungszinsen, Tilgungsmodalitäten, Sicherheiten, Abrechnungsmodalitäten
•
Änderungszeitpunkte, aktueller Stand
•
dem Finanzamt gemeldete
Umsätze und Vorsteuern
Darlehensverträge und
Kontokorrentverträge mit
Nachträgen
•
Buchhaltung
•
Steuerberater
•
Bank
Aktuelle Darlehens- und
Kontokorrentabrechnungen
•
Buchhaltung
•
Bank
Umsatzsteuervoranmeldungen
•
Buchhaltung
•
Steuerberater
Tab. 1: Notwendige Unterlagen
1.2
Lösung
Auf einen Blick
fck_Schema_Kapitalbedarf.jpg
Abb. 1: Kapitalbedarf ermitteln
3
Schritt für Schritt
1.1 Schritt 1 von 7: Kurzfristigen Kapitalbedarf ermitteln – benötigte Daten erfassen
Reichen meine Kreditlinien für den Kapitalbedarf der nächsten Wochen? Die Liquiditätsvorschau umfasst einen Betrachtungszeitraum von 6-8 Wochen und zeigt die Unterdeckungen
bzw. Überdeckungen der Ausgaben durch die Einnahmen und damit den Kapitalbedarf für
die einzelnen Wochen auf.
Dabei bezieht sie sich auf den Stand der Einnahmen und Ausgaben am Ende jeder Woche.
Schwankungen innerhalb der Woche müssen durch entsprechende Dispositionen ausgeglichen werden: aktualisieren Sie Ihre daher Liquiditätsvorschau wöchentlich. Eine prinzipiell
mögliche tagesgenaue Liquiditätsvorschau ist mit sehr viel Arbeit verbunden und lohnt sich
meist nicht.
.
Benötigte Daten
Die Liquiditätsvorschau erfasst die Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge auf Basis vorhandener Forderungen und Verbindlichkeiten und die wiederkehrenden Zahlungen (Personalkosten, Miete, Zinsen etc.). Der Umsatz, den Sie in diesem Zeitraum erzielen, also die
Rechnungen, die Sie schreiben werden bzw. die Lieferantenrechnungen, die Sie noch bekommen, spielen allenfalls für das Ende des Betrachtungszeitraums eine Rolle.
Was
Woher
Aktueller Kontostand
Kontoauszüge
Aktuelle Liste aller Forderungen
Offene-Posten-Liste
Aktuelle Liste aller Verbindlichkeiten
Summen-Salden-Liste
geplante Investitionen
Investitionsplanung
Umsatzsteuerzahlung
Umsatzsteuervoranmeldung
Zins- und Tilgungszahlungen
Kreditverträge
Regelmäßige monatliche Auszahlungen
eigene Planung
Unregelmäßige Auszahlungen
eigene Planung
Im Betrachtungszeitraum zu berücksichtigende künftige Umsätze und Forderungen
eigene Planung
Tab. 2: Notwendige Daten für Liquiditätsvorschau
Die Liquiditätsvorschau hat den Vorteil, dass sie sich hauptsächlich auf Forderungen und
Verbindlichkeiten stützt, die bekannt sind. Die doppelte Unsicherheit, nämlich zu prognostizieren in welcher Höhe Forderungen entstehen und den Zeitpunkt ihrer Zahlung, entfällt. Sie
müssen „nur“ einschätzen können, wann die Kunden ihre Rechnungen bezahlen. Dafür können Sie auf Erfahrungswerte der Vergangenheit zurückgreifen.
Die Umsatzsteuerzahllast, also der Mehrwertsteuerbetrag, der nach Abzug der Vorsteuer
monatlich oder quartalsweise an das Finanzamt zu zahlen ist, steht oft schon fest, da die
Umsatzsteuervoranmeldung bereits vorliegt. Wenn nicht, muss der Betrag geschätzt und als
Auszahlung in der jeweiligen Woche eingeplant werden.
1.2
Schritt 2 von 7: Kurzfristigen Kapitalbedarf ermitteln – Liquiditätsvorschau erstellen
Erstellen Sie nun die Liquiditätsvorschau:
4
• Verteilen Sie die bestehenden Forderungen laut der Offenen-Posten-Liste auf die Kalenderwochen, in der diese Ihrer Ansicht nach gezahlt werden. Gehen Sie genauso mit den
erst zukünftig entstehenden Forderungen, deren Zahlung Sie jedoch in den nächsten 6
Wochen erwarten, und allen anderen voraussichtlichen Einzahlungen vor.
• Verteilen Sie die erwarteten Auszahlungen der nächsten 6 Wochen analog den Einzahlungen auf die einzelnen Kalenderwochen.
• Ziehen Sie für jede Woche die Auszahlungen von den Einzahlungen ab und ermitteln Sie
so die wöchentliche Über- oder Unterdeckung.
• Addieren Sie das Ergebnis zum Kontostand der Vorwoche und vergleichen Sie den daraus resultierenden voraussichtlichen Kontostand mit Ihrer aktuellen Kreditlinie.
Berechnungsschema Liquiditätsvorschau
Einnahmen KW 2
23.643 EUR
-
Auszahlungen KW 2
63.920 EUR
=
Über-/Unterdeckung KW 2
+
Kontostand Kontokorrentkredit KW 1
=
Erwarteter Kontostand KW 2
-40.916 EUR
-
Kontokorrentkreditlinie
-40.000 EUR
=
Freie Liquidität KW 2
-40.277 EUR
-639 EUR
-916 EUR
Tab. 3: Berechnungsschema Liquiditätsvorschau
T
1.3 Schritt 3 von 7: Kurzfristigen Kapitalbedarf decken
Die Liquiditätsvorschau ist die Basis für ein frühzeitiges Gespräch mit Ihrer Bank. Bei einem
„angekündigten“ Liquiditätsengpass sind Banken eher bereit, eine Überziehung des Kontokorrentkredits zuzulassen als bei einem überraschenden. Insbesondere, wenn in der Vergangenheit Zusagen über die Rückführung solcher Überziehungen zuverlässig eingehalten
wurden, die Aussagen zur Liquiditätsentwicklung also der Realität entsprachen, wächst das
Vertrauen seitens der Bank in Ihr Unternehmen.
Da in letzter Zeit viele Banken eine Überziehung des Kontokorrentkredits nur noch sehr eingeschränkt zulassen und Sie nach einer Überziehung eine dauerhafte Verschlechterung Ihrer allgemeinen Kreditkonditionen fürchten müssen, können Sie auch versuchen, eine kurzfristige Unterdeckung aus eigener Kraft zu beseitigen. Dafür müssen Sie an Ihrer Ausgabenseite ansetzen:
• Nutzen Sie bei einigen Lieferantenrechnungen nicht das Skonto aus, sondern zahlen Sie
innerhalb der gültigen Zahlungsfrist.
• Verschieben Sie noch nicht fest terminierte Investitionen.
• Prüfen Sie den Block der Ausgaben auf mögliche kurzfristige Einsparpotentiale und auf
eine mögliche Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt.
Beachten Sie, dass Sie alle diese Maßnahmen nur für eine kurze Zeit, z. B. zwei Wochen,
einsetzen sollten, da diese ansonsten Ihren geplanten Gewinn beeinträchtigen können. Stellen Sie bei den Aktualisierungen Ihrer Liquiditätsvorschau häufig fest, dass Sie eine Unterdeckung aufweisen, müssen Sie Ihre mittel- und langfristige Planung und den daraus folgen-
5
den Kapitalbedarf überprüfen, anstatt nur kurzfristig zu agieren und sich so eventuell „kaputtzusparen“:
1.4 Schritt 4 von 7: Mittelfristigen Kapitalbedarf ermitteln – Liquiditätsplanung erstellen
Die Liquiditätsplanung reicht weiter in die Zukunft als die Liquiditätsvorschau, nämlich sechs
bis zwölf Monate, in Ausnahmefällen sogar mehrere Jahre. Ausgangsbasis für die Erstellung
einer Liquiditätsplanung sind neben den vorhandenen Beständen an Forderungen und Verbindlichkeiten vor allem die geplanten Umsätze und Kosten laut Ihrer Ergebnisplanung (siehe Ergebnisplanung), soweit sie zahlungswirksam sind, sowie Zahlungsvorgänge, die sich
nicht in den Umsätzen und Kosten widerspiegeln (Tilgungen, Investitionen, Darlehensauszahlungen, Gesellschafterdarlehen etc.).
Es ergeben sich ähnlich wie bei der Liquiditätsvorschau Unterdeckungen und Überdeckungen. Diese werden allerdings auf Monats- und nicht auf Wochenbasis errechnet. Sie erkennen somit frühzeitig den Kapitalbedarf in den einzelnen Monaten, der sich z. B. aufgrund
saisonaler Schwankungen sehr unterschiedlich darstellen kann.
Eine Liquiditätsplanung empfiehlt sich unbedingt für die Zeiten, in denen saisonal mit dem
höchsten Kapitalbedarf zu rechnen ist. Dies sind in vielen Branchen (Bauwirtschaft, Autohandel etc.) die ersten Monate eines Jahres. Wenn das Frühjahrsgeschäft dann wieder Geld
in die Kasse bringt und ausreichend Liquidität vorhanden ist, braucht man die Liquiditätsplanung für den Rest des Jahres vielleicht nicht.
Die monatsbezogene Liquiditätsplanung ist üblicherweise die Basis für Saisonkredite, die zur
Überbrückung des Liquiditätstals gewährt werden, die danach aber zurückzuführen sind.
Wie Sie eine Liquiditätsplanung erstellen und welche Maßnahmen Sie zur Deckung eines
eventuellen Kapitalbedarfs zusätzlich ergreifen können, erfahren Sie im Artikel Liquiditätsplanung.
Praxis-Tipp
Die Genauigkeit der Liquiditätsplanung steigt, wenn Sie die Umsatzsteuer explizit berücksichtigen.
Dies tun Sie, indem Sie die Umsätze und Kosten brutto (inkl. Mehrwertsteuer) ansetzen.
1.5 Schritt 5 von 7: Langfristigen Kapitalbedarf ermitteln – benötigte Daten erfassen
Bei der Ermittlung des langfristigen Kapitalbedarfs durch die Kapitalflussrechnung weitet sich
der Betrachtungszeitraum auf mehrere Jahre aus. Natürlich sind Planwerte mit Unsicherheiten behaftet – je weiter sie in die Zukunft reichen umso mehr. Aber mit einer Kapitalflussrechnung kann es nicht passieren, dass Finanzierungslücken bei Planung der Unternehmensentwicklung unerkannt bleiben.
Benötigte Daten
Voraussetzung ist entsprechend eine mehrjährige (z. B. fünf Jahre) Planung der Umsätze
und Kosten sowie der Ergebnisse (siehe Ergebnisplanung, Businessplan) und die Aufstellung einer Planbilanz.
Was
Woher
• Geschäftsführung
mehrjährige Planung der Umsätze, Kosten
und Ergebnisse
• Unternehmensberater
6
• Geschäftsführung
Aufstellung Planbilanz
Unternehmensberater
Tab. 4: Notwendige Daten für Kapitalflussrechnung
1.6
Schritt 6 von 7: Langfristigen Kapitalbedarf ermitteln – Kapitalflussrechnung durchführen
Die Kapitalflussrechnung setzt auf den für die einzelnen Jahre geplanten Ergebnissen an.
Berücksichtigt werden alle Vorgänge, die Auswirkungen auf den Kapitalbedarf haben, die
aber nicht bei der Gewinnplanung enthalten sind.
So werden neben den Abschreibungen auf das Anlagevermögen (nicht auf Forderungen)
auch Privateinlagen, Darlehensauszahlungen, Stille Beteiligungen oder der Verkauf von Anlagen zum Gewinn hinzugezählt, denn sie führen zu zusätzlichen Einzahlungen und verringern den Kapitalbedarf.
Privatentnahmen, Gewinnausschüttungen, Tilgungen, Investitionen sowie der Aufbau von
Forderungs- oder Lagerbeständen entziehen dem Unternehmen dagegen Liquidität und führen zu einem zusätzlichen Kapitalbedarf.
Ziel der Kapitalflussrechnung ist es, den Kapitalbedarf des Unternehmens den bereits geplanten Mittelzuführungen gegenüberzustellen, um eine eventuell vorhandene Deckungslücke festzustellen.
Kapitalflussrechnung durchführen
• Berechnen Sie zuerst den betrieblichen Cashflow (gesamter Mittelzufluss aus der ordentlichen Geschäftstätigkeit). Ausgangspunkt für die Berechnung ist Ihr (geplanter) Jahresüberschuss oder -fehlbetrag. Zu diesem werden die wichtigen gewinnrelevanten Bestandteile addiert, die nicht zu Mittelabflüssen führen (Abschreibungen, Zuführung zu den
Rückstellungen). Dann müssen Sie Vorgänge abziehen, die zu Mittelabflüssen führen,
obwohl sie sich nicht auf die Gewinnhöhe auswirken (Auflösungen von Rückstellungen,
Steuern, Entnahmen)
• Addieren Sie zum betrieblichen Cashflow alle weiteren Geldzuflüsse, die aus dem Abbau
des Anlagevermögens durch Verkauf von Vermögensgegenständen und der Verringerung
des Umlaufvermögens herrühren. Sie erhalten alle Mittel, die dem Unternehmen aus eigener Kraft zur Verfügung stehen (Innenfinanzierung).
• Ziehen Sie nun von dieser Summe alle geplanten Geldabflüsse ab. Diese umfassen die
geplanten Reduzierungen von Verbindlichkeiten, den Aufbau von Umlaufvermögen (“Investition ins Umlaufvermögen“) und die Investitionen in Sachanlagen. Sie erhalten eine
Über- oder Unterdeckung der geplanten Ausgaben und damit Ihren Kapitalbedarf.
• Stellen Sie den Kapitalbedarf dem geplanten Zufluss von Eigen- und Fremdkapital gegenüber. Die sich ergebende Über- oder Unterdeckung zeigt Ihnen, ob Sie weitere Finanzierungsmaßnahmen in die Wege leiten müssen.
Berechnungsschema Kapitalflussrechnung
Jahresüberschuss/ -fehlbetrag laut Bilanz
7
70.000 EUR
+
+/-
Abschreibungen
110.000 EUR
Veränderung Rückstellung
25.000 EUR
-
Entnahmen
23.000 EUR
-
Steuern
17.000 EUR
=
Betrieblicher Cashflow
+
Geldzuflüsse aus Verringerung des Umlaufvermögens
und Verkauf des Anlagevermögens
=
Innenfinanzierung
222.000 EUR
-
Geldabflüsse aus dem Abbau von Verbindlichkeiten
207.700 EUR
-
Investitionen
152.000 EUR
=
Über-/Unterdeckung
+
Geldzuflüsse aus Aufbau von Fremd- und Eigenkapital
=
Über- /Unterdeckung Kapitalbedarf
165.000 EUR
57.000 EUR
-137.700 EUR
139.000 EUR
1.300 EUR
Tab. 5: Berechnung Kapitalflussrechnung
Praxis-Tipp
Bei der Kapitalflussrechnung muss die Umsatzsteuer nicht berücksichtigt werden.
1.7 Schritt 7 von 7: Langfristigen Kapitalbedarf decken
Ergebnis der Kapitalflussrechnung ist ein Saldo der Einzahlungen und der Auszahlungen.
Liegen die Einzahlungen über den Auszahlungen, können Sie Schulden tilgen oder zusätzliche Auszahlungen vornehmen z. B. durch eine zusätzliche Gewinnentnahme oder die verstärkte Rückführung von Krediten.
Wenn sich dagegen eine Lücke ergibt, weil die Auszahlungen die Einzahlungen übersteigen,
müssen Sie sich Gedanken darüber machen, wie Sie diese schließen. Auch wenn eine
prognostizierte Lücke in drei Jahren Ihnen heute noch keine schlaflosen Nächte bereitet,
empfiehlt es sich doch, grundsätzliche Finanzierungsmöglichkeiten frühzeitig zu prüfen, da
die Durchführung dieser Maßnahmen von der Planung bis zum Fließen des gewünschten
Kapitals einige Zeit in Anspruch nimmt.
Außer in der Aufbauphase eines Unternehmens ist eine Deckungslücke der Auszahlungen
durch die Einzahlungen (= Kapitalbedarf) nur über wenige Jahre zu tolerieren. Ergibt Ihre
Kapitalflussrechnung dauerhaft eine Deckungslücke, heißt das, dass Sie dauerhaft auf die
Zufuhr von (Fremd-)Kapital angewiesen sind. Ein Unternehmen sollte aber normalerweise
die benötigten Mittel aus eigener Kraft erwirtschaften, allein schon, um nicht in die „Schuldenfalle“ zu geraten, bei der Zinsen und Tilgung der aufgenommenen Kredite nicht mehr
durch die eigene Geschäftstätigkeit erwirtschaftet werden können. Prüfen Sie also in einem
solchen Fall alle Möglichkeiten der Kostensteuerung und überdenken Sie auch noch einmal
die Wettbewerbsfähigkeit Ihres Unternehmens und Ihres Geschäftsmodells (siehe Marktposition, Businessplan).
Die Kapitalflussrechnung eignet sich besonders dazu, den langfristigen Kapitalbedarf wachsender Unternehmen frühzeitig abzuschätzen. Sie beantwortet die Frage, welchen Beitrag
zur Finanzierung der wachsenden Bestände Sie aus den Gewinnen bestreiten können (Innenfinanzierung) und was von außen hinzukommen muss, um nicht in Zahlungsprobleme zu
geraten.
8
1.3
Fazit
Das ist zu tun
Sie wissen jetzt, wie Sie Ihren kurz-, mittel- und langfristigen Kapitalbedarf ermitteln. Damit
ist Ihre Arbeit aber noch nicht beendet:
Expertenrat suchen
Da der Teufel oft im Detail steckt, macht es Sinn, wenn Sie Ihren Kapitalbedarf zuerst gemeinsam mit einem Experten ermitteln.
Planung anpassen
Rechnen Sie sich nicht gesund! Der Kapitalbedarf und die Zahlen, auf die er aufbaut, dürfen
nicht so lange nur auf dem Papier geändert werden, bis sie Ihren Möglichkeiten angepasst
sind. Eine Veränderung Ihrer Planung und damit Ihres Kapitalbedarfs darf nur aufgrund
nachvollziehbarer Maßnahmen geschehen. Bedenken Sie der Planungsanpassung auch
Entscheidungs-, Umsetzungs- und Wirkungsfristen Ihrer Maßnahmen. Bemühen Sie sich
frühzeitig um die Finanzierung einer errechneten Deckungslücke.
Ändern Sie Ihre Planung, evtl. auch Ihr Geschäftsmodell, wenn Sie erkennen, dass die Finanzierung im gewünschten Umfang nicht machbar ist. Besser Sie kommen langsam voran,
dafür aber sicher, als Sie begeben sich in riskante Abenteuer.
Alternativen bedenken
Denken Sie bei der Finanzierung auch an Leasing und an Factoring.
Lagerbestände und Forderungen überprüfen
Reduzieren Sie die Bestände, die Ihren Kapitalbedarf nach oben treiben, v.a. also Lagerbestände und Forderungen. Ein Warenwirtschaftssystem bzw. ein effektives Forderungsmanagement unterstützen Sie bei diesen Bemühungen.
Praxis-Tipp
Die Bearbeitungszeiten für Kreditanträge haben sich bei den meisten Kreditinstituten verlängert, da die Vorschriften einen bestimmten Instanzenweg innerhalb der Bank erfordern. Berücksichtigen Sie diese Fristen und beantragen Sie frühzeitig die Finanzierung einer errechneten Deckungslücke.
Ratingcheck
Eine frühzeitige Ermittlung des Kapitalbedarfs zeigt der Bank, dass Sie ein guter Unternehmer sind und über eine funktionierende Planung verfügen. Besonders die Ermittlung des
langfristigen Kapitalbedarfs im Rahmen der Planung ist für die Bank ein Indiz, dass Sie Ihr
Unternehmen auch nach strategischen Gesichtspunkten führen. Je geringer Ihr Kapitalbedarf
ist, desto besser wird die Bank Sie beim Rating bewerten und desto leichter fällt es Ihnen,
diesen finanziert zu bekommen. Allerdings gilt dies nur, wenn Sie Ihre Planung auch einhalten. Nur wenn Sie Ihren Kapitalbedarf decken, ohne dass Überziehungen Ihrer Kredite erforderlich werden, vermeiden Sie Minuspunkte, die die Bank für Kunden vergibt, die sich nicht
an Verträge halten.
1.4
Arbeitshilfen
Folgende Arbeitshilfen stehen Ihnen zur Verfügung
9
Arbeitshilfen zu diesem Thema
•
Rechner Liquiditätsvorschau
•
Rechner Kurz- und mittelfristige Finanzplanung
•
Kapitalflussrechnung
Tab. 6: Arbeitshilfen des FirmenChecks
So setzen Sie die Arbeitshilfen ein
1.8 Ihre Arbeitshilfe: Rechner Liquiditätsvorschau
Die Liquiditätsvorschau zeigt die Entwicklung der Zahlungsströme in den kommenden Wochen. Sie setzt auf den momentanen Forderungen und Verbindlichkeiten auf, berücksichtigt
künftige Umsätze und dadurch bedingte Einkäufe sowie wiederkehrende Zahlungen.
fck_Tool_Liquiditaetsvorschau.jpg
Abb. 2: Arbeitshilfe „Liquiditätsvorschau“
1. Geben Sie zunächst im Arbeitsblatt „STAMM" die Stammdaten, den Planungsbeginn
und -prämissen sowie den zuständigen Berater ein.
2. Tragen Sie dann im Arbeitsblatt „DEBI“ alle vorhandenen Kundenforderungen ein mit
Angabe des erwarteten Zahlungszieles (Zeitraum zwischen Rechnungsstellung und
Zahlung in Tagen).
3. Nun folgt die Eingabe aller offenen Lieferantenrechnungen im Arbeitsblatt „KREDI“,
ebenfalls mit Angabe des Zahlungsziels. Dabei nehmen Sie das Zahlungsziel, das den
Skontoabzug ermöglicht.
4. Im Arbeitsblatt „WIEDER“ schließlich geben Sie alle monatlich wiederkehrenden Auszahlungen ein.
5. Im Arbeitsblatt „LIQUI“ erkennen Sie nun die wöchentlichen Einzahlungen, Auszahlungen und Über-/Unterdeckungen. Sie können zusätzlich die Auszahlungen für Investitionen angeben. Ebenso können schwankende wiederkehrende Zahlungen und einmali-
10
ge Zahlungen (z. B. Berufsgenossenschaft, Jahreszins, Versicherungsbeiträge) hier
eingetragen werden.
Wenn Sie den Anfangsbestand Ihres Kontokorrentkontos und das Kontokorrentlimit eingeben, erkennen Sie, ob und ggf. wann sie dieses überschreiten. Wenn Sie die aktuellen
Forderungs- und Verbindlichkeitsbestände angeben, können sie auch deren Verlauf in
den kommenden Wochen verfolgen. Ist der Verlauf plausibel? Gegebenenfalls müssen
die Zahlungsziele angepasst werden, wenn die Bestände einen ungewohnten Verlauf
nehmen (stark fallen oder stark steigen).
6. Die Arbeitshilfe ist ein offen programmiertes Tool auf Excel-Basis. Somit kann es leicht
den individuellen Bedürfnissen des Unternehmens angepasst werden. Eine solche Anpassung sollte aber nur von Excel-Kennern vorgenommen werden (und das auch nur,
nachdem das Original gespeichert wurde).
1.9 Ihre Arbeitshilfe: Rechner Kurz- und mittelfristige Finanzplanung
Mit der Arbeitshilfe können Sie auf einfache Weise eine monatliche Liquiditätsplanung durchführen. Sie besteht aus drei Teilen:
• der eigentlichen Finanzplanung,
• einer Zahlungsstromanalyse, mit der Sie die monatlichen Umsatzzuflüsse besser berechnen und planen können, sowie
• einer einfachen Investitionsplanung.
I. Arbeitsblatt „Finanzplanung“
7. Aufbau und Struktur orientieren sich an der besprochenen Vorgehensweise (vgl. Abb.
2).
–
Die Beispieldaten, die zur Ihrem besseren Verständnis in dem Tool enthalten sind, setzen Sie zunächst auf „0“.
–
Dann können Sie beliebige Einzahlungs- und Auszahlungspositionen in den Teilen A
und B einsetzen.
–
In der Datei können Sie bei den Ein- und Auszahlungen jeweils bis zu zehn Positionen
einzeln planen, also bei den Einzahlungen z. B. Umsätze, Zinsen, Einzahlungen von
Gesellschaftern, Vermögensverkäufe und Verkäufe von Lagerteilen. Erhalten Sie darüber regelmäßig hinaus noch weitere Mittelzuflüsse (Mittelabflüsse entsprechend), z.
B. für Spenden oder Fördermittel, müssen Sie mehrere Positionen mit kleineren Werten zu einer Größe „Sonstige“ oder „Andere“ zusammenfassen.
–
In einigen Zellen finden Sie Kommentare, die Ihnen helfen, die richtigen Eingaben zu
tätigen (Zellen mit roten „Fähnchen“ in der oberen rechten Ecke).
11
Abb. 2: Arbeitshilfe „Kurz- und mittelfristige Finanzplanung“, Arbeitsblatt „Finanzplan“
2. Zu Beginn des Jahres stehen in der Arbeitshilfe zwangsläufig nur Plan- und keine IstWerte, was bei den Quartalsauswertungen und beim Gesamtjahr zu unrealistischen
Abweichungen führt. Um dies zu vermeiden, sollten Sie die Planwerte gleichzeitig auch
in die Spalten für die Ist-Werte übernehmen. Nach Ablauf eines Monats ersetzen Sie
die Plan- durch die Ist-Zahlen. Im Beispiel in der Arbeitshilfe sind bis einschließlich Juli
Plan- und Ist-Daten eingepflegt, ab August sind Plan- und Ist-Daten identisch.
3. Da die Arbeitshilfe recht groß und somit u. U. unübersichtlich ist, können Sie quartalsweise je drei Monate ein- und ausblenden, indem Sie mit der linken Maustaste die
Pluszeichen im oberen Teil anklicken (vgl. Abb. 3, roter Pfeil). Wenn Sie sich z. B. im
12
Juli befinden, sollten Sie nur dieses Quartal auf Monatsbasis „geöffnet“ und die anderen „geschlossen“ halten. Die restlichen Monate werden verdeckt, nur die Quartalswerte bleiben sichtbar und Sie behalten den Überblick über die Entwicklung des Gesamtjahres.
Abb. 3: Quartale aus- und einblenden
II. Arbeitsblatt „Zahlungsstromanalyse“
4. Auch die richtige Höhe des Umsatzes lässt sich mit der Zahlungsstromanalyse in der
Arbeitshilfe berechnen (vgl. Abb. 4):
–
Die Beispieldaten, die zur Ihrem besseren Verständnis in dem Tool enthalten sind, setzen Sie zunächst auf „0“.
–
Dann können Sie die Zahlen in den Zellen, die nicht grau unterlegt sind, mit Ihren individuellen Eingaben füllen.
Abb. 4: Arbeitsblatt „Zahlungsstromanalyse“
5. Damit Sie von Beginn an einen besseren Überblick haben, sind die Eingabebereiche
farbig unterschiedlich dargestellt.
–
Für Sie ist es günstiger, wenn möglichst viele Kunden im grünen Bereich der Bar- oder
Skontozahler sind.
–
Ein großer Anteil von Kunden mit Zahlungsziel ist problematisch, da Sie hier dauerhaft
einen „Grundstock“ an Geldern zwischenfinanzieren müssen. Deshalb ist dieser Bereich in Gelb gehalten. Dennoch zählen die ersten drei Positionen als Zahlungseingang
innerhalb eines Monats.
–
Kunden, die ihre Zahlungsziele überziehen, können, je nach Anzahl bzw. Umfang der
Rückstände, die Liquidität Ihres Betriebes durchaus gefährden. Daher ist dieser Bereich in Rot dargestellt. Hier haben Sie akuten Handlungsbedarf, da Sie dafür sorgen
müssen, dass sich der Zeitraum zwischen Verkauf und Geldeingang verkürzt (siehe Liquiditätssicherung).
6. Zum Zahlungseingang des laufenden Monats müssen noch die Überhänge aus dem
Vormonat (Kunden mit Zahlungsverzug) hinzuaddiert werden. Dann kennen Sie die
13
tatsächlichen Mittelzuflüsse aus dem Umsatzprozess pro Monat. Den Überhang des
letzten Monats müssen Sie im nächsten Monat wieder dem Zahlungseingang hinzurechnen. Führen Sie die Analyse möglichst einmal pro Monat durch.
III. Arbeitsblatt „Investitionsplanung“
Bei der Investitionsplanung in der Arbeitshilfe gehen Sie wie folgt vor.
7. Tragen Sie zunächst die vorgesehenen Investitionsarten laut Investitionsplanung (siehe Investitionsplanung) ein und planen Sie dann die monatlichen Auszahlungen je Investitionsart (vgl. Abb. 5).
Abb. 5: Arbeitshilfe „Kurz- und mittelfristige Finanzplanung“, Arbeitsblatt „Investitionsplanung“
8. Die Arbeitshilfe bietet zudem Platz für Kommentare und Bemerkungen.
9. Die Zahlen für die Investitionen übertragen Sie anschließend in die Finanzplanung. Allerdings haben Sie nur die Möglichkeit, Plandaten einzugeben, die Sie bei Bedarf später durch die Ist-Werte überschreiben können. Auch hier müssen Sie die Zellen mit
blauer Schrift auf „0“ setzen und können dann mit Ihren Eingaben beginnen.
1.10 Ihre Arbeitshilfe: Kapitalflussrechnung
Die Arbeitshilfe Kapitalflussrechnung zeigt den Kapitalbedarf bei planmäßigem Verlauf der
Unternehmensentwicklung in den kommenden Jahren.
14
fck_Tool_Kapitalflussrechnung.jpg
Abb. 4: Arbeitshilfe „Kapitalflussrechnung“
1. Ausgangspunkt ist das Ergebnis nach Steuern wie es sich in der Plangewinn- und Verlustrechnung darstellt (Zeile 1). Informationshalber kann auch die Gesamtleistung angegeben werden.
2. In Zeile 2 werden die Abschreibungen auf Sachanlagen (nicht auf Forderungen) erfasst, die zwar den Wertverlust der Anlagen dokumentieren, die aber nicht zu Auszahlungen führen. Da die Anlagen häufig fremdfinanziert sind, sind Tilgungen zu leisten,
die aber von den Abschreibungen deutlich abweichen können.
3. Wenn die Rückstellungen (z. B. für Pensionen) erhöht werden, kann auch diese Erhöhung in Zeile 3 zum Ergebnis hinzugezählt werden, da die Kosten, die in der Gewinnund Verlustrechnung enthalten sind, nicht zu Auszahlungen führen. Sollten Rückstellungen aber zurückgeführt werden, weil z. B. Pensionen bezahlt werden, bedeutet dies
einen zusätzlichen Abfluss, der vom Ergebnis abzuziehen ist.
4. Von dem sich in Zeile 4 ergebenden Cashflow I werden in Zeile 5 die Ausschüttungen
an die Gesellschafter bzw. die Privatentnahmen abgezogen. Auch Steuern sind in den
Zeilen 6 und 7 zu berücksichtigen, soweit sie nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung
enthalten sind.
5. Es ergibt sich der Cashflow II, der sich in den Zeilen 9 bis15 um die Reduzierung des
Betriebsvermögens verändert. All die genannten Maßnahmen tragen dazu bei, dass
sich die Bilanzsumme verringert und somit Liquidität freigesetzt wird. Sie führen zu der
Innenfinanzierung (Zeile 16).
6. In den Zeilen 17 bis 21 werden die Vorgänge erfasst, die unseren Finanzierungsspielraum auf der Passivseite der Bilanz einschränken. Es geht vor allem um den Abbau
von Verbindlichkeiten, sei es in Form planmäßiger Tilgungen oder durch Abbau von
Schulden gegenüber Lieferanten, Gesellschaftern oder Nahestehenden.
7. Von dem sich in Zeile 22 ergebenden Zwischensaldo sind nun in den Zeilen 23 bis 28
die Investitionen (im weitesten Sinn) abzuziehen. Vor allem eine Zunahme der Vorräte
und der Forderungen fallen hier bei wachsenden Unternehmen ins Gewicht.
15
8. In den Zeilen 30 bis 37 sind mögliche Finanzierungsbeiträge von außerhalb des Unternehmens aufgeführt. Dazu gehören auch Kapitalerhöhungen bzw. Einlagen durch die
Gesellschafter wie Darlehen von Gesellschaftern und Angehörigen. Die Finanzierung
kann aber auch durch Beiträge von Externen erfolgen, also durch klassische Bankdarlehen oder durch die Erhöhung von Kontokorrent-Inanspruchnahmen und von Lieferantenverbindlichkeiten.
9. Der Saldo in Zeile 38 zeigt uns die Über- oder Unterdeckung pro Jahr. Ergibt sich ein
negativer Saldo, müssen Mittel vorgesehen werden, um diesen abzubauen. Diese Finanzierungsmaßnahmen (z. B. Reduzierung von Entnahmen, Darlehensaufnahme,
Einlagen) können in die Kapitalflussrechnung eingebaut werden. Ziel muss es sein,
den Saldo auf Null zu bringen.
Siehe auch
Verwandte Themen des FirmenChecks
•
Ergebnisplanung
•
Liquiditätsplanung
•
Kostensteuerung
•
Businessplan
•
Kennzahlen
Tab. 7: Verwandte Themen
1.1
Praxisbeispiel
Problemstellung
Unternehmer Drehfix ist Lieferant eines Lieferanten eines Systemlieferanten für die Automobilindustrie. Da er sich die richtigen Automarken „ausgesucht“ hat, ist er mit dem Geschäftsgang recht zufrieden und freut sich über volle Auftragsbücher.
Da wird der leichte Liquiditätsengpass schon bald der Vergangenheit angehören und Lieferanten, Mitarbeiter, Sozialkassen und das Finanzamt können wieder pünktlich bedient werden. Denn der gute Geschäftsgang wird sich auch in der Kasse auswirken.
Die Frage ist nur: wann? Drehfix muss eine ganze Weile warten bis seine Kunden bezahlen.
Denn diese warten ihrerseits auf das Geld ihrer Kunden, die wieder auf die Zahlung durch
die Systemlieferanten, die der Zahlungsmoral großer Konzerne ausgeliefert sind. Drehfix
muss seine Leistung, für die die Kosten ja bereits entstanden und bezahlt sind, für 60 Tage
ab Lieferung und Rechnungsstellung finanzieren. Und das erfordert zusätzlichen Kapitalbedarf. Auch die Bestände im Lager und der teilfertigen Aufträge gehen in Zeiten des Unternehmenswachstums nach oben.
Wachstum ist erfreulich, wenn Preise und Kalkulationen stimmen, aber Wachstum erfordert
meist einen zusätzlichen Kapitalbedarf. Ist dieser nicht bekannt, kann auch seine Finanzierung nicht frühzeitig in die Wege geleitet werden. So entstehen Liquiditätskrisen, die trotz
bester Aussichten schnell zur Zahlungsunfähigkeit und damit zur Insolvenz führen können.
Umsetzung
Unternehmer Drehfix will dies vermeiden und vereinbart einen Banktermin, um die zukünftige
Unternehmensentwicklung und den daraus entstehenden Kapitalbedarf zu besprechen. Als
16
Vorbereitung auf das Bankgespräch erstellt er eine Liquiditätsvorschau und berechnet den
Cashflow für die nächsten Jahre auf Basis seiner Ergebnisplanung.
KW 47
Plan
KW 48
Plan
KW 49
Plan
KW 50
Plan
KW 51
Plan
KW 52
Plan
Einzahlungen aus (Brutto)
1 Debitoren (Forderungen)
2 Bareinzahlungen
23.640,0
8.640,0
3.000,0
42.510,0
40.820,0
35.620,0
35.680,0
23.640,0
11.640,0
42.510,0
40.820,0
35.620,0
35.680,0
5.300,0
11.200,0
25.400,0
11.850,0
3.620,0
18.620,0
11.820,0
750,0
22.850,0
21.840,0
750,0
750,0
500,0
1.000,0
1.000,0
500,0
3 Sonstige Einzahlungen
4
Summe der Einzahlungen
(1+2+3)
Auszahlungen (brutto) für
5 Kreditoren (Verbindlichkeiten)
W
Warenlieferungen
5.1
U
Umsatzsteuer
5.2
6 periodisch wiederkehrende Auszahlungen
6.2
Nettolöhne
6.3
Sozialabgaben/Lohnsteuer
6.4
KFZ-Kosten
6.5
Zinsen November
6.6
Zinsen Dezember
6.11
Reisespesen
6.12
Ausgangsfrachten
6.13
Privatentnahmen
6.14
Sonstige Fixkosten
7
Summe Auszahlungen
8
Über-/Unterdeckung lfd. Geschäft
27.850,0
26.520,0
750,0
9
Investitionen
Überdeckung-/Unterdeckung
11
12
Kontokorrentstand zu Beginn
Konktokorrentstand zum Ende
13
Kontokorrentlimit
14
15
Limitunterschreitung
Limitüberschreitung
750,0
5.000,0
1.500,0
(5 + 6)
10
750,0
5.000,0
(4 - 7)
(8 + 9)
(11 + 10)
500,0
2.000,0
2.000,0
2.000,0
500,0
4.000,0
2.000,0
500,0
2.000,0
2.000,0
2.000,0
63.920,0
21.450,0
44.500,0
7.870,0
67.560,0
20.070,0
-40.280,0
-9.810,0
-1.990,0
32.950,0
-31.940,0
15.610,0
-40.280,0
-9.810,0
-1.990,0
32.950,0
-31.940,0
15.610,0
-638,9
-40.918,9
-40.918,9
-50.728,9
-50.728,9
-52.718,9
-52.718,9
-19.768,9
-19.768,9
-51.708,9
-51.708,9
-36.098,9
-40.000,0
-40.000,0
-40.000,0
-40.000,0
-40.000,0
-40.000,0
20.231,1
(13 - 12)
(13 - 12)
918,9
10.728,9
12.718,9
3.901,1
11.708,9
Abb. 5: Liquiditätsvorschau Drehfix
Cashflow
Jahresüberschuss/Gewinn
+ Abschreibungen
+ Zuführung zu Rückstellungen
- Verringerung der Rückstellungen
- Investitionen
= Cashflow
Abb.6: Cashflowberechnung Drehfix
2003
2004
50.870
80.358
0
400
8.000
122.828
55.980
80.172
0
200
80.000
55.952
2005
Summe
62.300
60.280
1.800
300
120.000
4.080
2006
2007
70.000
60.000
25.000
0
70.000
85.000
78.000
50.000
0
0
80.000
48.000
Die Liquiditätsvorschau ergibt, dass der Kontokorrentkredit in den nächsten 6 Wochen nicht
ausreicht, um den Kapitalbedarf des Unternehmens zu decken. Auch der Cashflow ist zwar
noch immer positiv, reicht aber sicherlich nicht aus, um die Tilgungszahlungen und die
wachstumsbedingte Vergrößerung des Umlaufvermögens aus eigener Kraft zu finanzieren.
Drehfix möchte deswegen zusätzlich eine Kapitalflussrechnung durchführen.
17
2006
Jahr
Gesamtleistung
2007
2008
2009
1.364.000,0
100,0%
1.470.000,0
100,0%
1520000,0
100,0%
1.500.000,0
100,0%
70.000,0
5,1%
78.000,0
5,3%
83000,0
5,5%
80.000,0
5,3%
60.000,0
25.000,0
4,4%
1,8%
50.000,0
0,0
3,4%
0,0%
70000,0
0,0
4,6%
0,0%
65.000,0
0,0
4,3%
0,0%
155.000,0
11,4%
128.000,0
8,7%
153000,0
10,1%
145.000,0
9,7%
23.000,0
12.000,0
5.000,0
1,7%
0,9%
0,4%
23.000,0
3.000,0
0,0
1,6%
0,2%
0,0%
23000,0
0,0
0,0
0,0%
0,0%
0,0%
23.000,0
0,0
0,0
1,5%
0,0%
0,0%
115.000,0
8,4%
102.000,0
6,9%
130000,0
8,6%
122.000,0
8,1%
10.000,0
3.000,0
20.000,0
25.000,0
2.000,0
6.000,0
0,0
0,7%
0,2%
1,5%
1,8%
0,1%
0,4%
0,0%
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
10.000,0
0,0%
0,0%
0,0%
0,0%
0,0%
0,0%
0,7%
15000,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
10000,0
1,0%
0,0%
0,0%
0,0%
0,0%
0,0%
0,7%
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
10.000,0
0,0%
0,0%
0,0%
0,0%
0,0%
0,0%
0,7%
181.000,0
13,3%
112.000,0
7,6%
155000,0
10,2%
132.000,0
8,8%
Tilgung laut Kreditplanung
Abbau von Lieferantenverbindlichkeiten
Abbau von Gesellschafterdarlehen
Abbau von Darlehen an Nahestehende
Abbau sonstiger Passiva
100.000,0
1.000,0
0,0
6.100,0
5.000,0
7,3%
0,1%
0,0%
0,4%
0,4%
75.000,0
0,0
10.000,0
0,0
0,0
5,1%
0,0%
0,7%
0,0%
0,0%
75000,0
0,0
10000,0
0,0
0,0
4,9%
0,0%
0,7%
0,0%
0,0%
75.000,0
0,0
12.000,0
0,0
0,0
5,0%
0,0%
0,8%
0,0%
0,0%
= Eigenmittel für Investitionen
68.900,0
5,1%
27.000,0
1,8%
70000,0
4,6%
45.000,0
3,0%
70.000,0
0,0
10.000,0
15.000,0
0,0
0,0
5,1%
0,0%
0,7%
1,1%
0,0%
0,0%
80.000,0
0,0
15.000,0
20.000,0
0,0
0,0
5,4%
0,0%
1,0%
1,4%
0,0%
0,0%
85000,0
0,0
5000,0
5000,0
0,0
0,0
5,6%
0,0%
0,3%
0,3%
0,0%
0,0%
40.000,0
0,0
0,0
5.000,0
0,0
0,0
2,7%
0,0%
0,0%
0,3%
0,0%
0,0%
-26.100,0
-1,9%
-88.000,0
-6,0%
-25000,0
-1,6%
0,0
0,0%
0,0
10.000,0
10.000,0
15,0
6.000,0
0,0
0,0
0,0
0,0%
0,7%
0,7%
0,0%
0,4%
0,0%
0,0%
0,0%
0,0
0,0
55.000,0
20.000,0
13.000,0
0,0
0,0
0,0
0,0%
0,0%
3,7%
1,4%
0,9%
0,0%
0,0%
0,0%
0,0
0,0
20000,0
0,0
5000,0
0,0
0,0
0,0
0,0%
0,0%
1,3%
0,0%
0,3%
0,0%
0,0%
0,0%
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0%
0,0%
0,0%
0,0%
0,0%
0,0%
0,0%
0,0%
Bilanzielles Ergebnis nach Steuern
Abschreibungen
Rückstellungen
cash-flow I
Entnahmen/Ausschüttungen
ESt, KSt, GewSt
Sonstige Steuern
cash-flow II
Verkauf von Sachanlagevermögen
Verkauf von Finanzanlagevermögen
Abbau von Vorräten
Abbau von Forderungen
Abbau Bankguthaben
Abbau sonstiger Aktiva
Abbau Forderungen an Gesellschafter
= Innenfinanzierung
Investitionen in Sachanlagen
Investitionen in Finanzanlagen
Investitionen in Vorräte
Investitionen in Forderungen
Investition in Bankguthaben
Investition in sonstige Aktiva
= Über-/Unterdeckung Innenfinanzierung
festes Kapital
Einlagen
Darlehensaufnahme
Kontokorrent
Zunahme von Lieferantenverbindlichkeiten
Zunahme von Gesellschafterdarlehen
Zunahme von Darlehen an Nahestehende
Zunahme sonstiger Passiva
Saldo
-85,0
0,0
0,0
0,0
Abb. 7: Kapitalflussrechnung Drehfix
Auch die Kapitalflussrechnung zeigt, dass in den nächsten Jahren zusätzliche Kredite aufgenommen werden müssen, um die Investitionen und die Erhöhung des Umlaufvermögens zu
finanzieren.
Lösung
Die Bank erklärt sich beim Gespräch mit Drehfix bereit, eine Überziehung des Kontokorrentkredits zu tolerieren. Allerdings will sie nur die Hälfte der geplanten Überziehung zulassen. Sie verlangt, dass Drehfix die andere Hälfte durch Kürzung oder Verschiebung der geplanten Ausgaben aufbringt.
Über den langfristigen Finanzierungsbedarf entscheidet die Bank noch nicht. Zuerst möchte
sie, dass die Überziehung des Kontokorrentkredits wie geplant zurückgeführt wird. Zudem
verlangt die Bank, dass Drehfix zuerst Sicherheiten für die neuen Kredite vorschlägt, da mit
dem Geld zum Teil Betriebsmittel finanziert werden sollen, die sich nur schlecht verwerten
lassen. Auch möchte sie, dass Drehfix noch einmal alle Möglichkeiten prüft, seinen Kapitalbedarf doch noch zu reduzieren.
Da die Bank weiß, dass sie nicht Verluste, sondern Wachstum finanziert, ist sie jedoch geneigt, die Wachstumsphase des Unternehmens zu begleiten.
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