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Fast so wie in Amerika - ALMOTO Motorrad Reisen

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REISEN
S O N NAB E N D / S O N NTAG
24 . / 2 5 . N OVE M B E R 2 0 1 2
M7
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SÄCHSISCHE ZEITUNG
Katalonien
Fast so
wie in
Amerika
Wer eine schroffe und bergige
Landschaft mit schönen Ausblicken
zum Motorradfahren liebt, muss nicht
unbedingt bis nach Utah reisen. Die
Pyrenäen tun es auch. Sie haben sogar
noch einen großen Vorteil.
Von Ulf Mallek
S
ie versuchen, Mitteleuropa von der
Schönheit ihrer Heimat zu überzeugen: die Frauen und Männer das
katalanischen Tourismusamtes in
Frankfurt/Main. Katalonien mit seinen 7,2
Millionen Einwohnern gehört zu den wirtschaftlich stärksten Regionen Spaniens.
Und den schönsten. Die Sächsische Zeitung
sprach mit der katalonischen TourismusDirektorin Montserrat Sierra.
Frau Sierra, Sie sind in Katalonien geboren und leben seit einigen Jahren in
Frankfurt/Main. Was ist für Sie der größte Unterschied zwischen Deutschland
und Ihrer Heimat?
Der größte Unterschied liegt im Klima. Katalonien hat ein mediterranes Klima mit
milden Temperaturen. Zudem hat Katalonien einen großen gastronomischen Reichtum vorzuweisen, der aus einer Kombination von Meer und Bergen resultiert. Das
prägt unsere Region.
Schön in die Kurve legen: Drei Motorradfahrer auf Tour am El Pedraforca. Er ist der markanteste Berg Kataloniens. Die zwei BergspitFotos: SZ/Ulf Mallek (5)
zen, Pollegó Superior (2 497 Meter) und el Calderer (2 491 Meter) überragen alle Gipfel der Umgebung.
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D
ie Bergpässe sind nicht allzu steil,
die Kurven sanfter und auf den
Straßen ist wenig Verkehr. Da
kommt vielleicht mal ein Melonenlaster und der Fünf-Uhr-Bus. Ansonsten
herrscht freie Fahrt für freie Biker. Das sagt
Manuela Wollny. Sie ist Dresdnerin und der
Tour-Guide. Sie kennt sich aus in den Pyrenäen. „Ihr werdet euch wundern, wie abwechslungsreich das hier ist“, sagt sie und
zeigt mit beiden Armen auf die grüne, hügelige Landschaft.
Manuela setzt ihren Helm auf. Die sieben
BMW-Motorräder blitzen in der katalonischen Morgensonne. Sie nimmt hinter ihrem Mann Rene auf der großen 1 200er Enduro-Maschine Platz. Rene sagt zu uns:
„Wir machen es umgekehrt. Bei uns fahren
die Schnellen vorn und die Langsamen hinten. Wir warten dann auf sie.“ Er drückt auf
den roten Startknopf und wir alle tun das
auch. In der Luft liegt ein Röhren wie auf einem Sportflugplatzes. Rene gibt kräftig Gas
und ich habe Mühe mit meiner nagelneuen
750er GS dranzubleiben. Wir fahren mit
sieben Maschinen in Richtung Kloster
Montserrat, etwa 50 Kilometer vor Barcelona. Dort gibt es eine schwarze Madonna zu
sehen, die weltberühmt sein soll.
Das Hinkommen erweist sich dann doch
schwieriger als von Manuela beschrieben.
Nicht Melonenlaster stoppen unser Vorankommen, sondern andere Biker. Ganz viele
andere Biker. Es ist der 11. September 2012,
ein Dienstag. Und es ist Nationalfeiertag in
Katalonien. Die Einwohner sind aufgerufen, nach Barcelona zu einer Großdemo zu
fahren. Das Land möchte mehr Autonomie
von der Zentralregierung in Madrid. Ein bis
zwei Millionen Menschen haben tatsächlich demonstriert. Dazu zählt auch dieser
endlose Motorrad-Konvoi. Tausende Maschinen. Fast jede fährt mit einer Sozia, die
eine katalonische Fahne hält: Vier rote und
vier gelbe Streifen. Wir warten. Fahne auf
Fahne flattert vorbei und es klingt nicht
mehr wie auf einem Sportflugplatz, sondern wie auf der Startbahn Nordwest in
Frankfurt/Main. Rene und Manuela reicht
es, sie geben uns ein Zeichen: Gas geben
und hinein in den Konvoi. Wir fahren
ziemlich am Ende solidarisch eine paar Kilometer mit. An der Straße stehen Men-
Auf einen Blick
FRANKREICH
P
y
r
e Sortn
Katalonien
ANDORRA
Š
n
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Ripoll
Tremp
Olot
Girona
Vic
Manresa
Lleida
Hier gibt es was zum Staunen: Sieben neue
Motorräder auf dem Hotelhof in Montseny.
Blick in den Spiegel: Katalonien hat viele
schmucke Dörfer, in denen eine Rast lohnt.
Poblet
Der neue Großroller C 650 GT (60 PS) hielt
800 Kilometer tapfer mit den Bikes mit.
ro
Gefährt, ein Roller, ist einem Biker suspekt.
Ein Rollerfahrer wird prinzipiell nicht gegrüßt. Rollerfahrer sind irgendwie Großstadtmenschen. Ihnen fehlt die Wildheit
des Bikers: „Born to be wild“ gilt nicht für
sie. Sie brauchen nicht schalten, sitzen bequem und haben sogar so eine Art Kofferraum für den Einkauf bei Rewe oder zwei
Helme. Ein Roller lässt sich in Sandalen
und kurzen Hosen steuern. In unserer
Gruppe ist ein Rollerfahrer. Ein junger
Mann, er kommt aus Nürnberg und trägt
täglich wechselnd T-Shirts mit Aufdrucken
wie „Vespa for ever“ oder „I like Vespa“. Er
fährt zu Hause nur Vespa-Roller, auch
durch die Alpen oder die Dolomiten, sagt
er. Am ersten Tag reserviert er sich den
neuen BMW-Großroller, ist begeistert - und
gibt ihn ab. Bis zum Ende der Tour fährt er
lieber die GS 850 oder die schnelle K 1300.
Ich gewöhne mich an den Roller. Er liegt
gut in der Spur, ist schwer genug, windgeschützt und der Hintern tut auch nicht
mehr weh. Die Fahreigenschaften sind tadellos, der Motor ist kräftig, klingt leider etwas mädchenhaft. Das Kurvenfahren geht
gut, wenngleich hier Motorräder doch
noch ein paar Vorteile haben.
Wer einmal in Amerikas Südwesten war,
in Kalifornien, Utah oder Arizona, der weiß
um die Faszination der roten Felsen, der
ebenso einsamen wie endlosen Straßen
und der schroffen Felsgebirge mitten in der
Wüste. Die Pyrenäen haben mich mit ihrer
bergigen Landschaft, den Felsen und schönen Aussichten daran erinnert. Gegenüber
Amerika haben sie noch einen großen Vorteil: Die Kurven. Sie schlängeln sich endlos
durch das Gebirge. Kurven sind wir Hunderte oder Tausende gefahren. Sie sind oft
steil, aber Spitzkehren, die die Fahrt erheblich verlangsamen, gibt es nur wenige.
Manchmal liegt etwas Schotter oder angesprengter Fels auf dem Asphalt, gewöhnlich aber lassen sich die Straßen gut befahren. Wir sind in knapp vier Tagen etwa 800
Kilometer durch diese Berglandschaft gerollt. Pausen sind überall möglich, Hotels
in den Bergen sind ausreichend vorhanden, auch auf Biker eingestellt. Die katalonische Küche ist fabelhaft. Es wird abends
allerdings sehr spät gegessen. Die warme
Mandelsuppe mit Garnelen ist empfehlenswert, Fisch überhaupt und der Käsekuchen
mit Waldbeeren.
Unsere Tour endet an der Costa Brava in
Palamos am Mittelmeer. Hier ist es wie in
Mallorca: gelber Sandstrand und Kreuzfahrtschiffe. Die Motorräder mussten wir
leider wieder abgeben. Adeu, Catalunya.
Ausgerechnet
Katalonien
Mittelmeer
0
50
SPANIEN
Madrid
Kilometer
SZ-Grafik: Gernot Grunwald
p Anreise: Von Dresden empfiehlt sich
der Flug mit Lufthansa über Frankfurt
nach Barcelona oder von Berlin-Schönefeld mit EasyJet direkt nach Barcelona.
p Motorräder: Sie können vor Ort ausgeliehen werden (vorbestellen) oder per
Lkw transportiert werden. Empfehlenswert ist eine geführte Tour mit Tourguides, die sich auskennen. Beispiel: Der
Dresdner Reiseveranstalter Almoto bietet
eine geführte einwöchige Katalonientour
(1150 km) für 1 299 Euro an (Sozius
1 099 Euro) inklusive Hotel und Begleitfahrzeug, aber ohne Flug.
p Tour: Wer individuell reisen möchte, für
den bieten sich Tagesetappen von etwa
200 Kilometern an. Es gibt eine Reihe
von Sehenswürdigkeiten, die sich für längere Stopps eignen: Kloster Montserrat,
Altstadt von Cardona, Motorradmuseum
Basella, Kloster Gerri de la Sal, Olympiapark von Segre, Naturpark von La Garrotxa, Andorra und die Costa Brava.
p Die Recherche wurde unterstützt von
Catalan Tourist Board, Generalitat de Catalunya und BMW.
web www.catalunya.com
Der Biker Toni Brandl aus
Bayern genießt den Ausblick: Wunderschöne Natur
in den Pyrenäen. Kataloniens Touristiker empfehlen Motorradtouren durch
die Berge der Region.
Über zehn Millionen Touristen
kommen jedes Jahr. Eine
Einheimische erklärt warum.
Warum sollten wir in Katalonien Urlaub
machen? Was ist das Besondere an der
Gegend?
Katalonien ist geprägt von einer landschaftlichen Vielseitigkeit. Im Norden finden wir
die Pyrenäen mit Bergen, die bis zu 3 000
Meter hoch sind. Im Süden finden wir das
Delta de L’Ebre, das Ebrodelta als wunderschöner Naturpark. Dazu hat Katalonien
mehr als 500 Kilometer Küste vorzuweisen.
Touristisch gesehen, bietet Katalonien die
Barcelona
Tarragona
Eb
schen, winken, fotografieren und filmen
uns. Später sagt Manuela: „Da haben wir
aber Glück gehabt.“ Sie deutet auf unsere
Nummernschilder. BMW Madrid, steht da
gut lesbar drauf.
Nach dem Kloster geht es in Richtung
Cardona. Hier lebten die reichen Herren
des Salzes. Der Salzberg von Cardona ist als
geologisches Wunder bekannt. Dann fahren wir nach Bassella und Peramola. Ich sitze gut auf der kleinen GS. Am nächsten Tag
tausche ich sie mit der K 1300 R. Die 173 PS
bringen die unverkleidete Maschine in 2,9
Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde.
Damit hängt sie jeden Porsche ab, selbst alle Ferraris. sogar den von Alonso. Was soll
ich in den Bergen mit diesem PS-Monster?
Aber, oh Wunder, die BMW lässt sich auch
durch die Kurven führen, wenn man nur
sanft genug am Gas dreht. In meinem Fall
war die gute Beschleunigung hilfreich, um
auf den Geraden die in Kurven verlorenen
Sekunden wieder aufzuholen. Außerdem
gab der Motor bei Ortsdurchfahrten ein
kerniges Geräusch von sich, vor allem,
wenn man bei gezogener Kupplung ein
bisschen am Gas spielt. Später tauschte ich
sie gegen den neuen schweren Roller C 650
GT. Den behalte ich bis zum Schluss.
Ihn wollte niemand mehr fahren. Das
Montseny Lloret de Mar
Möglichkeit Kultur mit Wandern bzw. Radfahren sowie Strandurlaub zu kombinieren. Weiterhin ist Barcelona, die Hauptstadt Kataloniens, international anerkannt
und steht für Modernität.
Die spanische und katalanische Sprache
existieren in Katalonien friedlich nebeneinander. Die diesbezügliche aktuelle politische Lage der Region berührt momentan
weder die Einwohner noch den Tourismus.
Katalonien hat eine eigene Sprache. Spanisch lernen Kinder wie eine Fremdsprache. Es gibt Bestrebungen nach mehr Unabhängigkeit von der Zentralregierung.
Wirkt sich das auf den Tourismus aus?
Woher kommen die meisten Touristen?
Welches Land hat aktuell die höchsten
Zuwächse?
Die ausländischen Touristen in Katalonien
kommen überwiegend aus Frankreich, ge-
folgt von Großbritannien und Italien.
Deutschland steht an vierter Stelle. Aktuell
ist Russland das Land mit der höchsten Zuwachsrate. Die Russen lieben das Land. Dieses Jahr haben die deutschen Touristen
aber auch um 19,2 Prozent zugenommen.
Von Januar bis August 2012 besuchten insgesamt 10,4 Millionen Touristen Katalonien.
Haben Sie einen Tipp für unsere Leser?
Ich bin selbst zwar keine Bikerin, aber die
Kurven der Pyrenäen sind wie gemacht für
eine Motorrad-Tour. Zusätzlich kann man
sich an der Landschaft und einer international anerkannten Gastronomie erfreuen.
Es fragte Ulf Mallek.
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