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Gesundes Pflanzgut – wichtig wie nie - Bioland

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Pflanzenbau & Technik
Kartoffeln
Gesundes Pflanzgut – wichtig wie nie
Rhizoctoniafreies Pflanzgut ist im Bio-Kartoffelanbau erfolgsentscheidend.
kanntermaßen auch über den Boden übertragen – hier führen nur pflanzenbauliche
Maßnahmen, insbesondere ausreichende
Anbaupausen, zum Erfolg.
Allerdings wird der Parameter bei der Pflanzgutanerkennung nicht bewertet.
Während eines Workshops am Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst
diskutierten Fachleute über Verbesserungsmöglichkeiten.
agrar-press
Schweizer Modell
Kartoffelpflanzgut für den Bioanbau sollte nicht mit Rhizoctonia infiziert sein. Ein Grenzwert könnte eine Lösung bieten.
D
ie äußere Qualität von Speisekartoffeln ist in den vergangenen
Jahren immer wichtiger geworden. Zum einen wird deutlich mehr Ware
gewaschen vermarktet, zum anderen
kommt zunehmend optoelektronische
Verlesetechnik zum Einsatz, die eine genauere Aussortierung ermöglicht. Dabei
kommt es häufig zu qualitätsbedingten
Abzügen. Auch die Absatzwege haben sich
stark verändert: Über 70 Prozent der
Kartoffeln werden inzwischen über Supermärkte und Discounter vermarktet, deren
Qualitätsansprüche erfüllt werden müssen.
Insbesondere der Befall der Knollen mit
Rhizoctonia als Verursacher von Dry Core,
der lokalen Trockenfäule, Grützeknollen
und mit schwarzen Pocken besetzter Ware
wird dabei zusehends zum entscheidenden Qualitätskriterium.
Wer Kartoffeln anbaut, muss daher deutlich mehr Augenmerk auf den Befall des
Pflanzgutes mit Rhizoctonia legen. Von den
auf den Knollen wachsenden Sklerotien
(schwarze Pusteln) geht die Infektion der
Tochterknollen aus, die zu den genannten
Schadbildern führen kann. Rhizoctoniafreies Pflanzgut ist somit ein Schlüssel
zum Erfolg. Doch bisher wird der Rhizoctoniabefall bei der Beschaffenheitsprüfung im Rahmen der Pflanzgutanerkennung nicht bewertet. Rhizoctonia wird be-
In einem Workshop am Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst diskutierten
23 Fachleute aus Pflanzguterzeugung,
Züchtung, Vermarktung, Anerkennung,
Sortenwesen, Anbauverbänden und Beratung, Versuchswesen und Forschung darüber, wie der Rhizoctoniabefall an Pflanzgut vermindert werden kann. Wilfried
Dreyer vom Ökoring Niedersachsen und
Andreas Keiser von der Schweizerischen
Hochschule für Landwirtschaft wiesen
auf die hohe Bedeutung von möglichst
rhizoctoniafreiem Pflanzgut hin und informierten über direkte Maßnahmen zur Reduzierung des Sklerotienbefalls (Übersicht). Keiser stellte das seit 2006 in der
Schweiz etablierte System zur Erzeugung
von möglichst befallsfreiem Pflanzgut vor.
Dort kommt generell kein Pflanzgut mehr
in den Handel, das an mehr als 20 Prozent der Knollen einen Pockenbesatz aufweist. Im Mittelpunkt einer Vereinbarung,
die zwischen den Vermehrungsorganisationsfirmen (VO-Firmen) und den konventionellen und ökologischen Vermehrern
getroffen wurde, steht die Bonitur auf Rhizoctoniabefall an 100 gewaschenen Knollen. Dazu werden drei Wochen nach der
Krautvernichtung Proben genommen. Für
die Pflanzguterzeugung sind Anbaupausen von mindestens vier bis fünf Jahren
vorgeschrieben.
Das ökologische Pflanzgut wird zusätzlich
auf regionalen Veranstaltungen gemeinsam
mit den Produzenten begutachtet. Je nach
Befallsgrad wird es in Vermehrungspflanzgut (Auswahl von Posten mit möglichst
geringem Befall), Gebrauchspflanzgut
(max. 20 Prozent mit Pocken befallene
Knollen) und Posten mit mehr als 20 Prozent Pocken sortiert. Das stark befallene
Pflanzgut darf nur als konventionelles
Pflanzgut (gebeizt) verkauft werden. Der
damit verbundene finanzielle Verlust geht
zu Lasten des Landwirts. Die Teilnehmer
des Workshops waren sich einig, dass
bioland 10/2010
8
Ernte 2010
Ackerbohnen im Stress
der Rhizoctoniabesatz am Pflanzgut in
den vergangenen Jahren zugenommen
hat;
die Situation zum einen durch gesundes, das heißt weitestgehend rhizoctoniafreies Ausgangsmaterial (Basispflanzgut)
und zum anderen durch die Einhaltung
von acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen – zum Beispiel weit gestellte
Fruchtfolge mit mindestens fünf Jahren
Anbaupause – verbessert werden kann;
ergänzende pflanzenbauliche Maßnahmen sinnvoll sein können.
Künftig sollte möglichst wenig mit Rhizoctonia belastetes Pflanzgut auf den Markt
kommen. Eine geeignete Zielgröße könnte
der in der Schweiz eingeführte Grenzwert
von maximal 20 Prozent der Knollen mit
Rhizoctonia-Pusteln sein.
Weniger einig waren sich die WorkshopTeilnehmer über den Weg. Die anwesenden Züchter favorisierten eine den Marktkräften überlassene Regelung. Wenn die
Abnehmer Pflanzgut mit einem geringen
Besatz an Rhizoctonia nachfragten, dann
würden Züchter, VO-Firmen und Vermehrer darauf reagieren müssen und es entsprechend anbieten.
Die anwesenden Vermarkter, Berater, Vermehrer und Versuchsansteller hielten dies
nicht für ausreichend. Sie plädierten für
eine freiwillige, aber verlässliche Vereinbarung zwischen Züchtern und Abnehmern, in der ein Grenzwert nach dem
Schweizer Modell festgelegt wird. Der
Rhizoctoniabefall sollte dann von einer
unabhängigen Stelle, beispielsweise den
Pflanzgutanerkennungsstellen, im Rahmen der Beschaffenheitsprüfung festgestellt und begutachtet werden.
Ein Ergebnis des Workshops war, dass ab
der Pflanzgutsaison 2010/11 auf freiwilliger Basis Angaben zum Rhizoctoniabefall
in der Datenbank organicXseeds eingestellt werden können. Ergänzend wollen
die Züchter – wie bereits in der letzten
Saison begonnen – regionale Pflanzgutbeschauen anbieten. Diese stoßen bei den
Pflanzgutabnehmern auf großes Interesse,
weil sie direkt vor Ort Pflanzgut bestimmter Partien auswählen und ordern können.
In der Diskussion kam auch die Unzufrie-
denheit darüber zum Ausdruck, dass immer noch ein großer Anteil des Pflanzgutes im deutschen Bio-Kartoffelanbau
aus konventioneller Erzeugung stammt.
In der Schweiz wird der Differenzbetrag
zwischen dem Preis für konventionelles
und ökologisches Pflanzgut einem Fonds
zugeführt, der zur Absenkung des Preises
von ökologischem Saatgut genutzt werden
kann. In dem Workshop sprachen sich die
Vertreter von Bioland und Naturland dafür
aus, in den Verbandsgremien über ein
solches Modell zu beraten und eine möglichst verbandsübergreifende Regelung
anzustreben.
Dr. Herwart Böhm
Institut für Ökologischen Landbau, Johann
Heinrich von Thünen-Institut (vTI), Trenthorst
herwart.boehm@vti.bund.de
Wilfried Dreyer
Ökoring Niedersachsen, Visselhövede
Christian Landzettel
Bioland Beratung, Augsburg
Der Workshop wurde im Rahmen des durch das
Bundesprogramm Ökologischer Landbau geförderten Projektes „Optimierung der ökologischen
Kartoffelproduktion „(FKZ 06OE125)“
durchgeführt.
Maßnahmen zur Reduzierung
des Sklerotienbesatzes:
gesundes, das heißt möglichst rhizoctoniafreies Pflanzgut einsetzen
ausreichende Anbaupausen (Pflanzgutvermehrung ≥ 5 Jahre, Speisekartoffeln ≥ 4 Jahre)
keinen unverrotteten, frischen Stallmist oder Stroh direkt zu Kartoffeln;
Vorkeimen des Pflanzgutes
Erhöhung des Solaningehaltes durch
intensive Dauerbelichtung beim Vorkeimen
Pflanzgutbeizung mit Pflanzenstärkungsmittel (Proradix, Rhiz Plus)
Reihenapplikation von Grüngutkompost
zeitiges und vollständiges Krautentfernen, z. B. durch Krautziehen
zügige Ernte nach Erreichen der
Schalenfestigkeit
Während viele Kulturen unter dem nassen Mai litten, haben die Ackerbohnen
eher profitiert und konnten zügig starten.
Bis zur einsetzenden Trockenheit und
Hitze waren auf den meisten Betrieben
gute Bestände zu beobachten. In Norddeutschland litten die Bohnen allerdings
schon zu Beginn der Blüte unter Trockenheit und setzten weniger Hülsen an. Im
Süden kam die Hitze später, so dass die
Bestände dort ausreichend Hülsen ansetzen konnten.
Bei früher und lang anhaltender Trockenheit und anschließendem Regen zeigten
die Ackerbohnen im Norden eine Nachblüte
mit entsprechender Neuanlage von Hülsen.
Die ungleichmäßige Abreife erschwerte
die Ernte und trübte die Freude der Anbauer bei geringen Erträgen (< 20 dt) zusätzlich.
Im Süden führte die Trockenheit ab Anfang Juli zu einer verringerten Elastizität
(geringer Turgordruck) der Stängel. Einsetzende Gewitterstürme konnten die
Pflanzen leicht umknicken, oft waren ganze
Bestände betroffen. Dadurch kam es auch
im Süden zu einer eher ungleichmäßigen
Abreife und gleichzeitig zur Ausbildung
von Schmachtkörnern. Der Ertrag lag in
den meisten Betrieben jedoch noch zwischen 20 und 30 dt/ha.
Bemerkenswert ist, dass auch 2010 kein
Läusejahr war. Besonders im Süden ist
jedoch der Bohnenkäfer massiv aufgetreten. Er ist kein Lagerschädling und kann
sich im Lager nicht weiter ausbreiten. Bei
Verwendung der angebohrten Körner als
Saatgut ist jedoch mit einem deutlich
schlechteren Feldaufgang zu rechnen,
besonders bei feucht-kühlen Auflaufbedingungen.
Insgesamt zeigte sich auch in diesem
Jahr, dass bei den Ackerbohnen die Wasserversorgung elementar ist. Hier sollte
darüber nachgedacht werden, dünnere
und damit wassersparende Bestände mit
20 bis 30 Pflanzen/m2 zu etablieren. Die
Unkrautunterdrückung muss dann durch
Hacken oder geeignete Untersaaten gewährleistet werden. Dies könnte sowieso
interessant sein, weil die Spätverunkrautung mittlerweile vielerorts ein Thema ist.
Markus Wiggert
Bioland Beratung
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