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25. Februar 2013, 18:46 Uhr
Geldanlage in der Krise
Wie Stiftungen ihr Vermögen schützen
Von Arne Gottschalck
Stiftungsverwalter hüten allein in Deutschland ein Vermögen in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro. Und
sie sind konservativen Investments verpflichtet. Wie sieht ihr Schutz gegen die Krise aus?
Hamburg - Es ist ein verschwiegenes Geschäft. Stiftungsmanager verwalten das Geld von Stiftungen. Das können
Riesen wie die Bertelsmann Stiftung sein oder die Stiftung Deutscher Sporthilfe, aber auch Kleine. Und sie müssen dabei
strengen gesetzlichen Auflagen genügen. Auf der einen Seite sollen sie das Geld so anlegen, dass der Stiftungszweck
gewährleistet bleibt - sprich, dass regelmäßig Geld beispielsweise für den Tierschutz verdient wird. Auf der anderen
Seite muss dabei das Postulat des Kapitalerhalts beachtet werden
Um diese Balance zu stören, bedarf es nicht viel. Eine Leitzinsanhebung hier oder eine schlechte
Unternehmenskennzahl dort - schon kann das Gefüge ins Wanken geraten. Die Lenker der Stiftungsvermögen - oftmals
Vermögensverwalter - tun entsprechend alles, um diese Schwankungen so gering wie möglich zu halten. Und das ist
2013 ähnlich schwierig wie im Vorjahr, ergibt eine exklusive Umfrage von manager magazin Online.
Beispiel Anleihen. Eigentlich sind diese Papiere für konservative Investoren eine feine Sache, mit ihren regelmäßigen
Verzinsung und am Ende steht die Rückzahlung des Kapitals. Bis zuletzt. "Viele Stiftungsvermögen sind zu einem großen
Teil in festverzinslichen Wertpapieren investiert", sagt Peter Reichel, Leiter Private Vermögensverwaltung der Berenberg
Bank. "Im Einklang mit den seit Jahren fallenden Zinsen hat sich auch die Höhe der Kupons neu emittierter Anleihen
spürbar reduziert.
Im Falle eines Zinsanstiegs könnten im Stiftungsvermögen Kursverluste bei Anleihen entstehen, die durch die Höhe des
Kupons performanceseitig nicht kompensiert würden. Die Herausforderung in der Vermögensverwaltung von
Stiftungsvermögen ist daher, die Ausschüttungspotenziale ordentlicher Erträge zu erhöhen und einen Substanzverlust im
Falle eines Zinsanstiegs weitestgehend zu vermeiden." Mit anderen Worten: Mit Anleihen ist kein Staat mehr zu machen.
Das stellt die Stiftungslenker vor eine ganz eigene Herausforderung.
"Wege ins Risiko"
Denn der Weg "ins Risiko", also zum Beispiel eine rigorose Steigerung des Aktienanteils, ist ihnen verbaut. So formuliert
beispielsweise das Hamburgische Stiftungsgesetz lapidar in § 4 Absatz II Satz 2: Das Stiftungsvermögen "ist sicher und
ertragbringend anzulegen; Umschichtungen sind in diesem Rahmen zulässig."
Mit anderen Worten, ein Stiftungsmanager kann sich auf Aktien werfen, wenn diese Ausrichtung den Gesamtcharakter
des Portfolios - "sicher und ertragbringend" - nicht verzerrt. Doch wenn vergleichsweise sichere Anleihen nach Inflation
nur noch einen Vermögensverlust bedeuten, dann müssen die Aktien es reißen - die gleichfalls Risiken bergen. Kein
Wunder, dass sich behutsam formulierte Kritik an dem Gesetz regt.
"Es wäre wünschenswert", sagt zum Beispiel Martina Erlwein, Leiterin des Stiftungs-Office der Berenberg Bank, "weniger
Augenmerk auf den Kapitalerhalt innerhalb eines Kalenderjahres zu legen, sondern hier eine höhere Flexibilität wie zum
Beispiel Kapitalerhalt über den Zeitraum mehrerer Jahre zu ermöglichen." Deutlicher wird Chistian Gritzka von der Knapp
Voith Vermögensverwaltung. "Der gesetzlich gewollte Schutz und Erhalt des Stiftungskapitals ist ohne Frage sinnvoll und
wichtig, funktioniert aber in einer Zeit ohne sichere Anlagen und mit rekordtiefen Zinssätzen nicht mehr, ohne real
Vermögen zu vernichten. Investitionen am Kapitalmarkt, die zu einem mittel- und langfristigen, realen Vermögenserhalt
führen, können im heutigen Kapitalmarktumfeld nicht mehr ohne Risiken getätigt werden."
Doch selbst wenn der Gesetzgeber reagieren würde - bis dahin müssen die Vermögen noch nach den geltenden
Bestimmungen verwaltet werden. Und die Verwalter den Spielraum so weit wie möglich nutzen.
Wo liegt der sichere Hafen?
Wie es beispielsweise die Vorarlberger Landes- und Hypothekenbank handhabt. "Als Absicherung gegen vorherrschende
Risiken werden Stiftungsvermögen breiter gestreut", sagt deren Markus Praxmarer. "Das sehen immer mehr Investoren
als einzige Absicherung gegen bestehende Unsicherheitsfaktoren. Investitionen in Sachwerte haben zugenommen:
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Aktien werden oftmals nicht mehr als Spekulationsobjekt, sondern als unternehmerische Beteiligung und somit als
Sachanlage gesehen. Immobilieninvestments haben zugenommen - und Goldbestände wurden tendenziell aufgestockt."
Und der klassische sichere Hafen?
"Den gibt es nicht mehr", sagt Uwe Eilers von Geneon Vermögen. "Nur die Diversifikation in Aktien, Anleihen, und bei
größeren Stiftungen auch Immobilien, Infrastrukturinvestments und Private Equity kann eine vernünftige Portfolioglättung
in Verbindung mit annehmbaren Renditen bringen." Eine Antwort, die in der Umfrage häufig genannt wurde. "Den Anteil
an Investments in Realwerte, zum Beispiel Unternehmen, erhöhen und darauf achten, dass diese Investments
kontinuierlich Erträge aus anderen Quellen wie Mieten, Chartererträge, Leasingraten und ähnliches dem Stiftungsbudget
zufließen können", sagen Volkmar Liebig und Oliver Hagedorn, beides Vorstände bei Avesco Financial Services.
Optimismus klingt anders - aber das ist von konservativ agierenden Stiftungsverwaltern auch nicht zu erwarten.
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