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10/2011 Darmkrebsvorsorge - aber wie? - Gastroenterologie im

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Mindener Tageblatt – Service Gesundheit 2012:
10/2011 Darmkrebsvorsorge - aber wie?
Dr. Bernd Bokemeyer
Der Dickdarmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste krebsverursachte Todesursache. Mehr als 70000 Menschen erkranken
in Deutschland jährlich neu an Darmkrebs und das Lebenszeitrisiko liegt in Deutschland bei etwa 7 %. Diese Zahlen
dokumentieren die Notwendigkeit einer effektiven Darmkrebsvorsorge.
Seit Jahren wird zur Darmkrebsvorsorge der Haemoccult-Test als Test auf verstecktes Blut im Stuhl verwendet, wodurch das
Darmkrebsrisiko um mehr als 20 % gesenkt werden kann. Mittlerweile gibt es Verbesserungen dieses Testes. Hierbei werden
Testverfahren verwendet, die z. B. spezifischer auf menschliche Blutanteile reagieren. Dies sind vielversprechende Ansätze. In
größeren Studien ist bis heute allerdings nur der Haemoccult-Test untersucht worden, weshalb diese neuen immunologischen
Tests momentan noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden.
Aufgrund der Datenlage ist aber die Dickdarmspiegelung die effektivste Form der Darmkrebsvorsorge, da hierdurch die
Darmkrebshäufigkeit um mehr als 70 % gesenkt wird. Unter Kenntnis dieser Daten wurde 2003 in Deutschland die VorsorgeKoloskopie für Patienten ab dem 56. Lebensjahr eingeführt, wobei bei einem unauffälligen Befund die Vorsorge-Koloskopie nach
zehn Jahren wiederholt werden sollte.
Bei der Vorsorge-Koloskopie wird schon in knapp 1 % ein bösartiger Dickdarmkrebs gefunden. In ca. 20 % werden Polypen mit
einem erhöhten Entartungsrisiko entdeckt, die dann endoskopisch gleich bei dieser Untersuchung mit abgetragen werden
können. Mit der Vorsorge-Koloskopie ergibt sich also eine effektive Möglichkeit der Darmkrebsvorsorge. Die größte
Übersichtsarbeit zum Nutzen und zur Sicherheit der in Deutschland durchgeführten Vorsorge-Koloskopien wurde unter der
Federführung der hiesigen gastroenterologischen Praxis erstellt und international publiziert*. Für eine bevölkerungswirksame
Effektivität ist aber eine hohe Beteiligung an der Vorsorge-Koloskopie notwendig. Um dies zu erreichen, wurden Anstrengungen
unternommen, insbesondere um die Patienten-Beeinträchtigung möglichst gering zu halten, so wurde zuletzt der Geschmack
verschiedener Vorbereitungslösungen deutlich verbessert, so dass sich für jeden eine zumindest einigermaßen passende
Variante der Koloskopie-Vorbereitung finden lässt. Durch eine entsprechende Prämedikation kann die hohe Koloskopie
überwiegend schmerzfrei durchgeführt werden.
Neuere bevölkerungsbezogene Untersuchungen zur Häufigkeit des Darmkrebses, die auf der Basis von Krebsregisterdaten
erstellt wurden, zeigen, dass durch die Einführung der Vorsorge-Koloskopie seit 2003 jetzt schon erste positive Effekte auf die
Darmkrebshäufigkeit nachweisbar sind.
Die Durchführung der Vorsorge-Koloskopie wird regelhaft ab dem 56. Lebensjahr angeboten. Bei einer familiären Belastung für
einen Dickdarmkrebs sollte aber eine solche Koloskopie evtl. schon in einem jüngeren Alter durchgeführt werden, nämlich etwa
zehn Jahre vor dem Auftreten des Dickdarmkrebses bei dem Verwandten 1. Grades. Auch durch die Berücksichtigung solcher
familiärer Risiken und durch eine weitere Steigerung der Akzeptanz der Vorsorge-Koloskopie in der Bevölkerung sollte es
gelingen, die Dickdarmkrebs-Häufigkeit in Deutschland weiter deutlich zu senken.
*Bokemeyer B. et al., European Journal of Gastroenterology and Hepatology 2009, 21:650-5
Dr. med. Bernd Bokemeyer:
Auszug Literaturverzeichnis „Vorsorgekoloskopie“
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Koloskopievorbereitung in der ambulanten Gastroenterologie.
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Bokemeyer B (2000)
Koloskopievorbereitung: der aktuelle Stand.
Ärztliches Journal Reise und Medizin. Sonderheft Juni 2000: 21 – 24
Bokemeyer B (2004)
Fragen an den Arzt: Darmreinigung vor der Koloskopie.
Der Bauchredner, BR 2, 73-77
Bokemeyer B (2004)
Klinische Studien in Deutschland. Der niedergelassene Gastroenterologe als Partner in
klinischen Studien.
Dtsch Med Wochenschrift 2004 Apr. 2; 129 (14): 764–766
Bokemeyer B, Sieg A, Düffelmeyer M, Bock H (2004)
Internet-basierte Online-Dokumentation der Vorsorge-Koloskopie. [Link zum Artikel]
Verdauungskrankheiten; 22; 3: 149-154
Bokemeyer B, Sieg A, Düffelmeyer M, Bock H (2004)
Internet-basierte Online-Dokumentation der Vorsorge-Koloskopie.
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Bock H, Sieg A, Rambow A, Bokemeyer B, Tacke W, Düffelmeyer M, Koop H (2005)
Screening-Koloskopie im deutschen Krebsfrüherkennungsprogramm–Ergebnisse eines
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Z Gastroenterol 2005; 43
Bokemeyer B (2006)
Das Interview; Die Vorsorge-Koloskopie – die beste Chance gegen den Darmkrebs.
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Kaltz B, Bokemeyer B, Hoffmann J, Porschen R, Rogler G, Schmiegel W (2007)
Überwachungskoloskopie bei Colitis ulcerosa in Deutschland. (Surveillance colonoscopy in
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Z Gastroenterol; 2007; Apr. 45 (4); 325–31
Bokemeyer B, Bock H, Hüppe D, Düffelmeyer M, Rambow A, Tacke W, Koop H; Screening
colonoscopy for colorectal cancer prevention: results from a German online registry on
269000 cases. European Journal of Gastroenterology & Hepatology 2009, 21: 650-655
Bokemeyer B, Hüppe D; Die Vorsorgekoloskopie in Deutschland – Stand 2010.
Verdauungskrankheiten 2010, 26: 58-62
Bokemeyer B, Hüppe D; Die Vorsorgekoloskopie in Deutschland – der aktuelle Stand. EndoPraxis 2010, 26: 62-68
Auszug Vortragsverzeichnis „Vorsorge-Koloskopie“
B. Bokemeyer, Ergebnisse der Vorsorge-Koloskopie in Deutschland – die onlineDokumentation im Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands (bng)
Hamburg, 16.Januar 2008
B. Bokemeyer, Darmkrebsvorsorge. Gesundheitszentrum Klinik Porta Westfalica, Bad
Oeynhausen, 08.02.2009
B. Bokemeyer, Darmkrebsvorsorge. Leber- und Präventionstag Theater Minden am
31.10.2009
B. Bokemeyer, Vorsorge-Koloskopie, DEGEA-Workshop „Darmkrebsprävention“ im
Rahmen der DGE-BV Tagung in Hannover, 13.März 2010
B. Bokemeyer, Kampf dem Dickdarmkrebs – die Vorsorge-Koloskopie, Arzt-PatientenSeminar, Medizinisches Zentrum am Klinikum, Minden, 02. September 2010
B. Bokemeyer, Kampf dem Dickdarmkrebs – die Vorsorge-Koloskopie, Qualitätszirkel
„ Forum für Gastroenterologie im Mühlenkreis“, Minden, 22. Februar 2011
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