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Beruf: Schlepper • Wie böse sind Schlepper wir lich - Asyl in Not

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Beruf: Schlepper
• Wie böse sind Schlepper wirklich? Eine Recherche mit überraschenden Ergebnissen
Sie bringen Ausländer illegal über die Grenze und gehen
angeblich dabei über Leichen. Aber wie böse sind Menschenschmuggler wirklich? Eine
Recherche mit überraschenden Ergebnissen.
Von Robert Treichler
Ganz am Ende einer sehr langen Reise ist es Gewissheit: Die Männer und Frauen, die am 19. Oktober
im Saal 1 des Landesgerichts Eisenstadt auf der Anklagebank sitzen, sind schuldig. Sie haben sich der
Schlepperei strafbar gemacht, schlimmer noch: Sie sind mitverantwortlich für die Qualen, die den
Opfern dabei zugefügt wurden. 30 Afghanen haben sie zum Teil in unfassbar enge Hohlräume unter
dem Boden eines Autobusses gepfercht, zum Teil waren die Kammern nur 25 Zentimeter hoch.
Viele Stunden dauerte die Reise, es gab kaum Luft zum Atmen. Die Eingesperrten hatten fast nichts zu
essen und zu trinken. Die Schlepper hingegen bereicherten sich gewerbsmäßig an ihren Opfern.
Der Schuldspruch des Landesgerichts bestätigt, was man über Schlepper längst weiß. Sie rauben armen
Teufeln die Menschenwürde, sie knöpfen ihnen das letzte Geld ab und überlassen sie schließlich ihrem
Schicksal. Sie nützen die Notlage von Flüchtlingen aus. Sie sind Leute, denen man auf keinen Fall
vertrauen sollte.
Schleppern kann man vertrauen.
Hamid (Name geändert), ein junger Afghane, beschließt Anfang des Jahres 2011, seine Heimat zu
verlassen. Er will in den Westen, in die Europäische Union, und wendet sich an einen Freund, von dem
er vermutet, dass er gute Kontakte hat. Der Freund nennt ihm einen Schlepper. In seiner Aussage bei
der Polizei in Österreich gibt Hamid an, was er über diesen Mann weiß: „Männlich, Afghane, 165–175
cm groß, ca. 85 kg, 35–40 Jahre alt, dunkle Haare.“
Der Schlepper verspricht, Hamid und 29 weitere Männer in einem Bus in den Iran zu bringen. Dafür
verlangt er 500 US-Dollar. Am Grenzübergang steigt der Schlepper aus und spricht mit den iranischen
Beamten. Dann steigt er wieder ein, der Bus fährt los, keiner der Männer im Bus wird kontrolliert.
Drüben im Iran sagt der Schlepper schließlich zu den Männern, dass sie aussteigen und ihrer Wege
gehen sollen. Er hat seinen Vertrag erfüllt.
Hamid verbringt zwei Monate in der nordiranischen Region um den Berg Damawand, ehe er dort einen
weiteren Schlepper kennen lernt. Dieser macht ihm ein Angebot: für 1300 US-Dollar in die Türkei.
Das Geld solle Hamid überweisen, wenn er dort eintrifft. Diesmal ist es ein Deal mit einem gänzlich
Unbekannten – 200 cm groß, dunkle Haut, dunkles Haar, sehr schlank, 45–50 Jahre alt.
So werden die meisten einschlägigen Verträge geschlossen: mündlich, ohne Bekanntgabe der Identität
des Schleppers und des Kunden. Der Markt wird weitgehend durch die Nachfrage bestimmt. Dass
Schlepper ihren Klienten paradiesische Zustände im Westen vorgaukeln, ist ein Märchen. Erstens
würde niemand wegen der Erzählungen eines Unbekannten seine Heimat für immer verlassen, und
zweitens brauchen Flüchtlinge unterwegs nicht dazu motiviert zu werden weiterzufahren. Hamid hat
Afghanistan nicht den Rücken gekehrt, um im Iran zu bleiben.
Der Schlepper bestellt Hamid zu einem Treffpunkt. Dort wartet er mit einem schwarzen Datsun Pickup. Der junge Afghane legt sich mit elf weiteren auf die Ladefläche. Sie richten sich auf eine längere
Fahrt ein. Irgendwann hält der Schlepper an und sagt, sie seien nahe der türkischen Grenze. Sie warten
bis zum Abend, fahren dann noch ein Stück in Richtung Türkei und marschieren schließlich acht
Stunden durch „ausgetrocknetes Gebiet“, erinnert sich Hamid. Schließlich gelangen sie zu einem alten
Haus, wo sie übernachten. Sie seien jetzt ganz sicher in der Türkei, sagt der Schlepper. Hamid, der nie
http://www.profil.at/articles/1149/560/314075/beruf-schlepper
14.12.2011
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einen Reisepass besessen hat und nie zuvor im Ausland gewesen ist, glaubt ihm. Und tatsächlich, sie
sind auf türkischem Staatsgebiet, und tags darauf geht es weiter nach Istanbul.
Da Schlepperei ein Delikt ist und das Image der Schlepper in unseren Breitengraden jenem von
Kinderschändern gleichkommt, ist es schwer nachvollziehbar, dass diese Leute für Flüchtlinge
Vertrauenspersonen darstellen. Aber auch Schlepper haben in der Szene einen Ruf zu verlieren.
Arbeiten sie gut und erfolgreich, werden sie auf informellem Weg weiterempfohlen. So bleiben sie im
Geschäft.
Hamid und seine Mitreisenden werden mit einem weißen Bus nach Antalya gebracht, dort steigen sie
in einen Linienbus nach Istanbul. Hamid ruft zu Hause an und bittet seinen Vater, 1300 US-Dollar an
den Schlepper zu überweisen.
Schlepperbanden werden selten von mächtigen Paten befehligt.
Nicht jeder Schlepper bietet nur einen einzigen illegalen Grenzübertritt an und verschwindet danach.
Bei manchen können Flüchtlinge Komplettreisen von der Heimat bis ins Zielland buchen. Das erfordert
viel Know-how und das Zusammenspiel zahlreicher Komplizen. In der Diktion des Strafgesetzbuchs
nennt man dergleichen eine „kriminelle Organisation“. Ihren Kopf dingfest zu machen ist der Traum
der Exekutive.
Im Fall von Tatjana (Name geändert) ist das gelungen. Die moldauische Staatsbürgerin wurde aufgrund
eines internationalen Haftbefehls festgenommen, als sie von München in die USA fliegen wollte. Jetzt
steht sie in Eisenstadt vor Gericht, angeklagt der Schlepperei in 249 Fällen. Die junge Frau trägt enge
Jeans, schwarze Stiefel mit sehr hohen Absätzen und einen schwarzen Rollkragenpullover. Ihre
blondierten Haare hat sie zu einem kurzen Pferdeschwanz geknotet. Sie weint.
Die österreichischen Ermittler haben herausgefunden, dass Tatjana nicht nur Ausreisewilligen Plätze
verschafft hat, sondern auch für die Auszahlung der Gelder an die Schlepper verantwortlich war, die
von den Geschleppten hinterlegt wurden. In abgehörten Telefongesprächen erkundigte sie sich, ob
bestimmte Personen im Zielland – Österreich, Italien, Frankreich – angekommen seien: für das Gericht
ein Beweis, dass Tatjana der Kopf einer großen Organisation sei.
Die Angeklagte hingegen sagt, sie sei lediglich eine einfache Vermittlerin gewesen. Sie habe in der
Hauptstadt Chisinau gewohnt, und viele Menschen aus ihrer Heimat am Land hätten sie gefragt, ob sie
ihnen bei der Ausreise helfen könne. Sie habe alle an einen gewissen „Tudor“ weitergeleitet. Dieser
habe sich um den Transport gekümmert.
Die Richterin bohrt nach, will wissen, auf welcher Hierarchieebene Tatjana gestanden habe. Tatjana:
„Es gab sehr viele Vermittler wie mich. Da können sie halb Moldawien verhaften.“
Als Belastungszeugin tritt eine bereits verurteilte moldauische Schlepperin auf. Sie hat gestanden,
Chefin eines Schlepperrings gewesen zu sein. Doch auf die Frage, wie viele bei den Schleppungen von
Moldau bis Österreich involviert gewesen seien, sagt sie zum Erstaunen des Gerichts: „Drei, vier
Personen.“ Sie selbst habe niemandem Aufträge erteilt. „Jeder hat seinen Teil gemacht. Der Transport
der Leute betraf eine eigene Organisation.“ Sowohl die Angeklagte wie auch die Belastungszeugin
geben an, von jedem Geschleppten 100 bis 200 Euro kassiert zu haben. Ein Geschleppter musste
jedoch über 2000 Euro zahlen, die angeblichen Chefs hätten also gerade einmal zehn Prozent davon
verdient.
Das passt alles nicht ins Bild des großen Bosses einer kriminellen Organisation. Tatsächlich scheint es
einen solchen in vielen Fällen ganz einfach nicht zu geben. Oberst Gerald Tatzgern, Leiter der
Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität des österreichischen Bundeskriminalamts
(BKA), beschreibt die Struktur von Schlepperringen so: „Sie haben meist flache Hierarchien, die
Mitarbeiter sind zu gleichen Teilen finanziell beteiligt, sie machen einander keine Konkurrenz.“ Das
bedeutet auch, dass einzelne Komplizen in der Kette leicht zu ersetzen sind.
Tatjana, für die bis zu einem Urteil die Unschuldsvermutung gilt, erwartet in Österreich
möglicherweise eine mehrjährige Haftstrafe. Dass die Organisation, für die sie gearbeitet hat, deshalb
lahmgelegt sei, nimmt kein Ermittler ernsthaft an. Meldungen, wonach eine Schlepperorganisation
http://www.profil.at/articles/1149/560/314075/beruf-schlepper
14.12.2011
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durch die Verhaftung einiger Mitglieder „zerschlagen“ worden sei, entspringen meist frommem
Wunschdenken.
Schlepper sorgen sich um das Leben ihrer Opfer.
Es müssen miese Typen sein, die andere in winzige Kisten sperren, sie in Laderäumen mit knapper
Luftzufuhr extremer Hitze aussetzen; die mit Flüchtlingen in hoffnungslos überladenen Booten
gefährliche Überfahrten riskieren. All das passt in das Bild des menschenverachtenden Schleppers, der
es gewohnt ist, über Leichen zu gehen.
Und dennoch: Es ist eine der wesentlichen Aufgaben eines Schleppers, das Risiko so zu kalkulieren,
dass bei der Reise niemand ums Leben kommt und der illegale Grenzübertritt trotzdem gelingt.
Hamid hatte Glück. Er musste auf dem Weg von der Türkei nach Griechenland nur einen Fluss
überqueren. Es war Nacht, und er und zwei Dutzend anderer Flüchtlinge wurden angewiesen, in zwei
Schlauchboote zu steigen. Der Fluss war an die 100 Meter breit, in einem der Boote saß der Schlepper.
Alle erreichten das Ufer.
Adil (Name geändert), ein Afghane, der es bis nach Wien geschafft hat, berichtet, in der Türkei von
Schleppern geschlagen worden zu sein, weil er nicht in ein Boot steigen wollte. Er hatte nicht gewusst,
wie klein das Boot war, mit dem sie zum griechischen Festland übersetzen mussten, und bekam Angst.
Die Fahrt dauerte fast acht Stunden, das Salzwasser verätzte Adil am Auge, weshalb er sich in Wien
einer Operation unterziehen musste.
Bei Transporten mit Lkws bekommen die Geschleppten so gut wie immer ein Mobiltelefon, mit dem
sie um mehr Luft bitten können. Bei Autobussen oder kleineren Fahrzeugen werden Klopfzeichen
vereinbart. Die Versorgung ist knapp, Wasser und Kekse sind üblich.
Oberst Tatzgern sagt, Schlepper würden über die ihnen anvertrauten Menschen sprechen, als hätten sie
es mit einer x-beliebigen Ware zu tun. Aber auch Tatzgern räumt ein, dass ein Todesfall bei einer
Schleppung nicht eingeplant sei. Ein Toter bedeutet weniger Geld. Allein deshalb ist den Schleppern
daran gelegen, alle Reisenden unversehrt ans Ziel zu bringen. Berichte über Morde und
Vergewaltigungen bei Schleppungen widerlegen dieses Faktum nicht. Verbrechen werden in einem
kriminellen Umfeld in höherem Maße verübt, sie stehen aber deshalb nicht in ursächlichem
Zusammenhang mit der Schlepperei.
Lebensgefahr besteht naturgemäß oft auch für Schlepper selbst. Wenn ein Flüchtlingsboot kentert und
die Passagiere ertrinken, wird jedoch selten darauf hingewiesen, dass unter den Flüchtlingen auch
Schlepper waren.
Gewalt und Machtmissbrauch herrschen auch unter den Schleppern. Im Mai kam ein Slowake zur
Polizei in Neusiedl am See, um sich zu stellen. Er sagte, er sei Schlepper und solle zehn Leute illegal
über die slowakisch-österreichische Grenze bringen. Man glaubte ihm nicht und wies ihn an, tags
darauf wiederzukommen. Das tat er auch, allerdings erst nachdem er tatsächlich zehn Personen nach
Österreich befördert hatte.
Es stellte sich heraus, dass Ladislav (Name geändert) gezwungen wurde, als Schlepper zu arbeiten. Er
war bereits einschlägig vorbestraft und hatte eine Strafe in Österreich abgesessen, als ihn ein Mann in
Bratislava mit vorgehaltenem Messer aufforderte, wieder Fahrten durchzuführen.
Namen konnte er keine nennen. Seine Komplizen trugen Fantasie-Pseudonyme wie „Messi“ oder
„Peter“. Neun Fuhren hatte Ladislav nach eigenen Angaben gemacht. Er wurde erneut verurteilt und
sitzt derzeit in Österreich in Haft.
Die Zahl der Schlepper ist nicht besorgniserregend.
Der nächtliche Himmel ist am Abend des 14. Oktober nur eine vage Idee. Der Nebel über dem
Flughafen in Wien-Schwechat hängt so tief, dass er das Gebäude der Flugeinsatzstelle verschluckt.
Pilot Klaus Jäger öffnet das Tor zu einem kleinen Hangar, in dem sein Dienstfahrzeug auf einem
http://www.profil.at/articles/1149/560/314075/beruf-schlepper
14.12.2011
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Anhänger geparkt ist: ein Polizeihubschrauber, ausgerüstet mit einer Forward-Looking-InfraredKamera (FLIR) und einem Suchscheinwerfer. Jäger und sein Kollege Richard Wagner, der FLIROperator, sollen in dieser Nacht einen Großeinsatz der Sonderkommission Ost aus der Luft
unterstützen. Die Wärmebildkamera kann Illegale in der Dunkelheit auch im unwegsamen Gelände
ausfindig machen. Doch wegen des starken Nebels ist an einen Hubschrauberstart nicht zu denken.
Eine gute Nacht für Schlepper also.
Doch die Exekutive hat noch viel mehr Gerätschaften und Personal bereitgestellt, um die Kriminellen
dingfest zu machen. Vom Polizeikooperationszentrum im burgenländischen Nickelsdorf aus sind 55
Streifen im Einsatz, viele davon in „gemischter Besetzung“, also mit je einem österreichischen und
ungarischen oder slowakischen Kollegen. Dadurch werden aktuelle Informationen aus den drei
Ländern ohne Verzögerung weitergegeben. Revierinspektor Harald Hauptmann und Fähnrich Zoltan
Toth etwa verständigen sich ganz ausgezeichnet auf Ungarisch. Toth kann anhand der ungarischen
Kennzeichen ablesen, ob ein Fahrzeug zum Beispiel aus Südungarn nahe der serbischen Grenze
stammt, wo Schlepper bevorzugt agieren.
An einer Shell-Tankstelle an der A4 haben sich mehrere Einheiten postiert. Zivilstreifen fischen
verdächtige Fahrzeuge aus dem Fließverkehr. Ein rumänischer Mercedes-Transporter mit zwei
Männern und einer US-Flagge im Fond: leer. Ein serbischer Reisebus mit etwa 20 Passagieren. Die
Beamten öffnen jedes Türchen, klopfen jede Verkleidung im Kofferraum ab – nichts. Ein Fahrzeug
nach dem anderen wird gestoppt, durchsucht. Kein Aufgriff. Einmal hebt sich ein Kopf unter der
Decke im Laderaum eines Peugeot. Doch es ist nur die Mutter des Fahrers, die es sich – unerlaubt –
hinten bequem machen wollte.
Wegen der Schengen-Bestimmungen dürfen die Beamten nahe der Grenze eine Schwerpunktkontrolle
nicht länger als etwa eine Stunde durchführen. Dann verlagern sie die Kräfte.
Auf dem Parkplatz einer Raststätte ist ein Mercedes-Transporter geparkt, ausgerüstet mit
hochmodernem Equipment zur Identifikation gefälschter Papiere. Jeder Ausweis, jeder Geldschein,
jeder Pass kann sofort als Falsifikat erkannt werden. Zwei Beamte scannen und vergrößern und
beleuchten und stellen scharf. Noch immer nichts.
Am Rastplatz Leobersdorf an der A2, der Südautobahn, werden in dieser Nacht alle Fahrzeuge
abgeleitet und kontrolliert. Der Shop hat nur wegen des Soko-Ost-Einsatzes geöffnet, hin und wieder
kommen Beamte und wärmen sich ein wenig auf.
Trotz der Beteiligung von insgesamt 300 Polizisten, trotz grenzübergreifender Zusammenarbeit und
modernster Technologien bleibt die Fahndung nach Schleppern eine Suche nach der Nadel im
Heuhaufen. Irgendwo da draußen sind sie unterwegs, mit halb beladenen Gemüsetransportern,
Kühlfahrzeugen mit doppelten Böden oder mit ganz normalen Pkws und harmlos aussehenden
Beifahrern. In dieser Nacht werden 13 Personen vorübergehend festgenommen, weil sie in Österreich
mit Aufenthaltsverbot belegt sind. Ein Verwaltungsdelikt. Kein großer Fang. Zumeist wird ihnen die
freiwillige Ausreise gestattet.
Innenministerin Johanna Mikl-Leitner nennt das Ansteigen der Illegalen im Land „besorgniserregend“.
Tatsächlich stieg die Zahl der in Österreich aufgegriffenen Illegalen im Jahr 2011 (bis 25. Oktober) um
28 Prozent (von 13.424 auf 17.178), während die Zahl der erwischten Schlepper um 13 Prozent sank
(von 276 auf 240). Das bedeutet, dass entweder weniger Schlepper mehr Personen ins Land gebracht
haben oder ganz einfach weniger Schlepper gefangen wurden.
Wenn man bedenkt, dass so gut wie jeder Flüchtling, der nach Österreich gekommen ist, dazu einen
Schlepper benötigt hat, ist das Ausmaß, das dieses Gewerbe angenommen hat, nicht weiter erstaunlich. Judith Ruderstaller, Leiterin der Rechtsabteilung des Vereins „Asyl in Not“, sagt, die Dublin
-Verordnung, wonach jeder Asylwerber in dem Staat der Europäischen Union einen Antrag stellen
muss, in den er als Erstes eingereist ist, treibe „den Schleppern die Leute in die Arme“. Will nämlich
ein Flüchtling nach Österreich, Deutschland oder Frankreich, so muss er dies tun, ohne in einem der
EU-Staaten, durch die er reist, Behördenkontakt zu haben – und das schafft man üblicherweise nur
mithilfe von Schleppern.
Die Zahl von 240 Schleppern ist somit weniger besorgniserregend als vielmehr erwartbar.
http://www.profil.at/articles/1149/560/314075/beruf-schlepper
14.12.2011
• Beruf: Schlepper • Chronik • profil online
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Schlepperei ist nicht gleich Menschenhandel.
Ein Schlepper bringt Menschen gegen Bezahlung illegal über die Grenze. Ein Menschenhändler
hingegen tut dies gratis, um seine Opfer danach auszubeuten. Die Zentralstelle des BKA, die Gerald
Tatzgern leitet, ist für beide Delikte zuständig. Doch selbst er kennt keinen Fall, in dem Geschleppte in
Österreich unter Zwang schuften mussten. Große Ausnahme ist die Prostitution. Diese wird, wenn die
Frauen aus dem Ausland kommen, oft mit der Schlepperei in Zusammenhang gebracht, was jedoch
nicht immer der Fall ist. Als vor drei Wochen Bulgaren verhaftet wurden, weil sie Frauen zur
Prostitution gezwungen haben sollen, wurden sie in den Medien als „bulgarische Schlepperbande“
bezeichnet. Mit Schlepperei hat das nichts zu tun, denn zur Einreise benötigten die bulgarischen Opfer
nicht einmal ein Visum.
Schlepper sind meist selbst arme Teufel.
Als die Reise von Hamid und 29 weiteren Afghanen auf der allerletzten Etappe von Griechenland nach
Wien am 29. August dieses Jahres von der Polizei beendet wird, gehen der Exekutive nicht weniger als
25 Schlepper ins Netz – zwei Fahrer, ein Begleiter und 22 als Touristen getarnte Komplizen. Diese 22
sitzen am 19. Oktober im Saal 1 des Landesgerichts Eisenstadt, und wüsste man nicht, dass sie die
Angeklagten sind, würde man sie wohl für Opfer halten.
Fast alle stammen aus einem Einwandererbezirk der griechischen Stadt Thessaloniki. Geboren wurden
sie in Georgien oder Armenien. Einer von ihnen, ein 34 Jahre alter Familienvater, ist zum Beispiel als
Jugendlicher mit seiner Mutter vor dem armenisch-aserbaidschanischen Krieg geflüchtet. Seit Mai hat
er keine Arbeit.
Ein Bekannter sagte ihm, es gebe da ein Reisebüro, bei dem man mit Busfahrten nach Wien 100 Euro
verdienen könne. Er solle zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einer „grünen Tankstelle in Thessaloniki“
kommen und mitfahren.
Dass es sich dabei um Schlepperei handelte, blieb unerwähnt. Dass irgendetwas Kriminelles im Spiel
war, musste jeder der Mitreisenden annehmen, und spätestens als sie die Flüchtlinge bei Rastpausen
aus den Verstecken kriechen sahen, wurde den Mitreisenden klar, worum es ging.
Manche nahmen bis zu neunmal an den Schlepperfahrten teil. Für Familien, die gemeinsam mit einer
einzigen Pension von 313 Euro pro Monat auskommen müssen, sind 100 Euro Belohnung für eine
zweitägige Fahrt nach Wien ein verlockendes Angebot. Die jüngste Angeklagte wollte damit ab diesem
Herbst ihr Studium finanzieren, ein anderer hat ein behindertes Kind zu Hause. Fast alle sind
beschäftigungslos. Bei manchen Familien fahren Vater, Mutter und ein Kind mit, um das
Nebeneinkommen zu verdreifachen. Die Staatsanwältin leitet daraus den Vorwurf der
Gewerbsmäßigkeit ab.
Die Strafen, die das Gericht in dem großen Schlepperprozess ausspricht, reichen von neun bis 24
Monaten, allesamt zum Teil bedingt.
Die meisten der wegen Schlepperei verurteilten Kriminellen sind kleine Fische. Slobodan (Name
geändert), ein 30 Jahre alter Serbe, fuhr mit seinem Auto von Serbien über Ungarn nach Österreich. An
einer Raststätte nahe Budapest ließ der unbescholtene Automechaniker drei Männer einsteigen und
nahm sie mit nach Österreich. Ob die drei wie Europäer oder Araber ausgesehen hätten, fragt die
Staatsanwältin. „Ganz normal“, sagt Slobodan, der einen billigen, dunkelblauen Trainingsanzug trägt:
„Wie Türken.“ Er habe nicht gewusst, dass er Afghanen die illegale Einreise ermöglichte, als er die
Autostopper mitnahm.
Die Afghanen hatten jedoch ausgesagt, sie seien wortlos in Slobodans Auto eingestiegen, und er sei
losgefahren. Das Urteil: acht Monate, davon zwei bedingt.
In einem anderen Fall wird ein serbischer Student verurteilt. Er war in einem Kaffeehaus in der
serbischen Stadt Subotica angeworben worden, einer Schlepperhochburg, zehn Kilometer von der
ungarischen Grenze entfernt. Mit dem Geld, das er dabei verdiente, wollte er eine Geldstrafe wegen
Schnellfahrens bezahlen, von der seine Eltern nichts erfahren sollten. 21 Monate, davon 14 bedingt.
http://www.profil.at/articles/1149/560/314075/beruf-schlepper
14.12.2011
• Beruf: Schlepper • Chronik • profil online
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Schlepperprozesse in Österreich bieten selten Geschichten von unermesslicher Bereicherung und
dämonischer Bösartigkeit. Der Verstoß gegen den Paragrafen 114 des Fremdengesetzes (Schlepperei)
rechtfertigt nicht die Abscheu, die Schleppern medial entgegengebracht wird. Seltsam ist, dass etwa
österreichische Staatsbürger Schlepper weitaus negativer beurteilen, als dies die Opfer der Schlepperei
selbst tun. Afghanen, Tschetschenen, Armenier, die mehrere tausend Kilometer und viele Wochen mit
Menschenschmugglern unterwegs waren, beurteilen die Verbrecher auffallend milde.
Hamid und die anderen 29 Afghanen, die schließlich in Wien-Simmering nahe dem Alberner Hafen
von der Polizei entdeckt wurden, haben es dank ihrer Schlepper ans Ziel geschafft. Adil, der in der
Türkei ins Boot geprügelt wurde und dessen Bruder noch unterwegs ist, sagt, er sei „dankbar, dass ich
ohne Probleme nach Österreich gekommen bin“. Abdullah (Name geändert), ein Afghane, der in der
Türkei von Schleppern zwei Wochen in einem Keller festgehalten wurde, weil seine Verwandten das
Honorar nicht gleich überwiesen hatten, erinnert sich an die Fahrt im Lkw, wo Kübel und Flaschen als
Klo dienten, aber: „Ich habe alles in Kauf genommen.“ Und Ari (Name geändert), der aus Armenien
gekommen ist, erzählt anerkennend, wie die Schlepper die slowakischen Polizisten bestochen haben:
„Es war perfekt organisiert.“
12.12.2011 10:36
2 von 2 Kommentaren
harryhaller, 10. 12. '11 16:47
Aberteuerreise mit Schlepperführung?
Das ist ja direkt verlockend, wie sie solche Abenteuerreisen anpreisen. Wer allerdings weiß, daß in Ländern, aus denen die Scheinasylanten nach Österreich geschleppt
werden 1 -2 Dollar Tagesverdienst üblich sind, muß sich schon fragen - wie kommen diese Leute zu solch astronomischen Summen für ihr "Reisebüro"?
Einer der es weiß, hat ein Buch darüber geschrieben: Hofrat Mag. Hermann Winkler: "Asylconnection: Es ist fünf nach zwölf" Concordiaverlag.
Besonders interessant und aufschlussreich sind die Berichte darüber, welche Rollen sich etwa Caritas, Amnesty International, die Gesellschaft für bedrohte Völker und der
Evangelische Flüchtlingsdienst in Österreich, aber auch so manche Rechtsanwälte in diesem Zusammenhang zugedacht haben. Lesenswert!
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ewoewo, 10. 12. '11 21:13
...
es ist eine grundfrage des artikels ob der hofrat eigentlich seine normalen reisepreise bei anderen als schlepperei bezeichnen darf, wenn er immer im buero mit
vorgefertigten meinungen, die man nur staatsvertretern, von denen man nicht belaestigt werden moechte, zuspricht. tatsaechlich macht er es wohl um den leverage den
guenstige hausarbeit fuer ihn und oesterreich bedeutet duemmlich zu verschleiern, wobei ich weder das buch noch diesen hofrat meine und kenne, aber was sind
hesetze anderes als manifester meinungsmuell? http://qpress.de/2011/11/22/meinungsfreiheit-soll-verscharft-werden/ (mir gefaellt der eingerueckte Textteil)
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2 von 2 Kommentaren
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14.12.2011
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