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Einweihung Kunst- und Mediencampus Finkenau

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DEFGH
Nr. 238, Donnertag, 16. Oktober 2014
LERNEN
Mit Schwerpunkt
„MBA und Executive MBA“
29-30
DIE BEILAGE FÜR SCHULE, HOCHSCHULE UND WEITERBILDUNG
Es ist
nie zu
spät
Eine neue
Erfahrung
Praktiker mit Zusatzqualifikation
können ohne Abitur studieren
Zum Abitur führen viele
Wege: In Deutschland
erwirbt jeder Vierte die
Hochschulreife nicht am
klassischen Gymnasium
von michael kläsgen
P
olitiker wie Gerhard Schröder und
Wolfgang Bosbach haben es getan,
Theaterintendanten wie Matthias
Hartmann oder Spitzensportler wie Franziska van Almsick und Carlo Thränhardt.
Sie alle haben ihr Abitur nachgeholt. Ihr
Beispiel zeigt: Es muss kein Drama sein,
das Gymnasium nicht zu schaffen. Im Trubel um die verkürzte Gymnasialzeit kann
man das nicht deutlich genug sagen. Viele
Menschen starten erst später durch und
machen trotzdem Karriere.
Die Möglichkeiten dazu sind heute so
vielfältig wie nie zuvor. Das gilt nicht nur
für den zweiten Bildungsweg, sondern
auch für den ersten und sonstige Schleichwege. Inzwischen erwirbt immerhin ein
Viertel aller Abiturienten die allgemeine
Hochschulreife nicht mehr am klassischen
Gymnasium, sondern an beruflichen Schulen. Das belegt eine Statistik der Kultusministerkonferenz. Tendenz seit 2006 stetig
steigend. In Großstädten wie München ist
der Anteil noch weit größer. Da ist es fast
die Hälfte.
Die Zahlen beweisen: Die Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems ist
größer geworden, allerdings nicht so groß,
dass die Qualität des Abiturs darunter gelitten hätte. Institutionen wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung OECD, die den Pisa-Test
veranstaltet, befürworten das. Die OECD
hatte jahrelang bemängelt, dass es nicht
ausreichend Zugänge zu höherer Bildung
in Deutschland gebe. Im Fachjargon
spricht man von Bildungsmobilität. Die ist
also gestiegen, auch wenn vieles dabei
noch im Argen liegt.
Der schulische Erfolg hängt weiterhin
stark von der sozialen Herkunft ab, lautete
Der zweite Bildungsweg hat viele verschiedene Spuren und Abzweigungen. Doch alle führen zur Hochschulzugangsberechtigung – so der korrekte Begriff.
ein Ergebnis der letzten Pisa-Studie. Doch
gerade beim Abitur – oder besser: der
Hochschulzugangsberechtigung – hat sich
einiges getan. Viele Türen haben sich geöffnet. Die Vielfalt der Angebote ist in den Bundesländern so groß, dass man bei den Namen der Schulen zur beruflichen Bildung
fast den Überblick verlieren kann. Der
Grund dafür ist einfach: Der Begriffswirrwarr ist den länderspezifischen Bildungspolitikern und den in der Regel von Zeit zu
Zeit wechselnden Regierungen geschuldet.
Diese Länderspezifika konnte und wollte die Kultusministerkonferenz nicht abschaffen. Sie hat aber beharrlich darauf
hingearbeitet, den Hochschulzugang weitgehend zu harmonisieren, was in der föde-
ralistischen Bundesrepublik einer Quadratur des Kreises gleichkommt. So haben einige Länder BOS und FOS eingeführt, Berufsoberschulen und Fachoberschulen, anderswo gibt es dafür Berufskollegs, Fachbeziehungsweise Wirtschaftsgymnasien
oder Berufsfachschulen.
Jede dieser Einrichtungen hat ihre eigenen Zugangskriterien, was die Sache nicht
übersichtlicher macht. Fest steht aber: Es
gibt sie, die Wege durch den Dschungel hin
zum Abitur und damit theoretisch noch ein
Stück weiter. In Zeiten, in denen viele Schüler am verkürzten Gymnasium verzweifeln, ist das eine tröstliche Erkenntnis.
Manchmal muss man jedoch Glück haben,
um die jeweils passende Schule für sich zu
SCHULVERBUND MÜNCHEN
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finden (siehe Beispiele). Kritiker sehen das
als Manko. Denn wie wichtig der Zugang
zur Bildung für das berufliche Weiterkommen und damit die Gesellschaft insgesamt
ist, steht außer Frage. Der Zufall sollte deswegen nicht darüber entscheiden.
Besonders kreative Unternehmer haben sich diesen Mangel zum Beruf gemacht. Talentscouts wie Suat Yilmaz ziehen durchs Land und insbesondere durch
das Ruhrgebiet und suchen im Auftrag von
Universitäten auf Schulen nach begabten
Jugendlichen. Denen ist der Weg bis zum
Abitur aus unterschiedlichsten Gründen
versperrt. Meist kämen die Einwanderer
der zweiten oder dritten Generation selbst
nie auf die Idee, Abitur zu machen oder gar
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Stunden“, sagt er. Aber es wird erwartet,
dass man in Eigeninitiative nach Schulschluss weiterarbeitet. Nicht alle seine Mitschüler hätten erkannt, dass dieses selbständige Arbeiten von entscheidender Bedeutung ist, meint Scheidemann. Er hingegen war es von seiner Ausbildung gewohnt, Aufgaben alleine nachzubereiten.
„Dafür muss man halt einen Teil seiner
Freizeit opfern“, sagt er. „Obwohl ,opfern‘
das falsche Wort ist. Wenn man seinen Horizont erweitern will, ist das ja keine verschwendete Zeit.“ Er hat inzwischen sein
Ziel erreicht: Gerade hat er mit dem Informatikstudium an der Goethe-Universität
Frankfurt begonnen.
kläs
Tristan Scheidemann, 21,
hat nach der Mittleren
Reife eine Ausbildung
zum Game Artist absolviert und das Abitur an
einer Privatschule nachgeholt. Jetzt studiert er
Informatik. FOTO: PRIVAT
In Bayern verleihen Berufsoberschulen das Fachabitur
8. November - 6. Dezember 2014, Sa. 9 - 16 Uhr
Gebühr:
Bis zur zehnten Klasse besuchte Tristan
Scheidemann ein Gymnasium in Brandenburg, dann zog er nach Wiesbaden und
wechselte zur Realschule. Nach der Mittleren Reife machte er eine zweijährige Ausbildung zum Game Artist an der Games
Academy in Frankfurt am Main. Was man
dort lernt, können Zuschauer in computeranimierten Kinofilmen bewundern.
Scheidemann wollte danach nicht direkt ins Berufsleben einsteigen. Er fühlte
sich dafür etwas zu jung. Also suchte er
nach Möglichkeiten, wie er doch noch studieren könnte. Vom Hessenkolleg, wo man
das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg
machen kann, erhielt er eine Ablehnung.
Der Grund: Seine Ausbildung, die 20 000
Euro gekostet hatte, ist staatlich nicht anerkannt. Statt aufzugeben, versuchte er es
bei der Privatschule Maturum in Frankfurt. Dort kann man das Abitur in einem
Jahr nachholen. Allerdings ist das mit Kosten verbunden und auch sonst aufwendig.
Nicht alle schaffen die Prüfung. Manchen
wird die Arbeit zu viel, sie springen ab.
Scheidemann war von Anfang an sehr
motiviert. „Im Vergleich zu anderen Schulen hat man auf dem Maturum weniger
Wohlüberlegt
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Termin:
Richard Herbstler, 36,
hat viele Jahre lang als
Koch gearbeitet, sich
selbständig gemacht und
Hotelbetriebswirt gelernt.
Jetzt sattelt er noch ein
Lehramtsstudium obendrauf. FOTO: PRIVAT
Manche Privatschulen führen in einem Jahr zum Abitur
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Bildungszentrum München
auf die Uni zu gehen, sagt Yilmaz. Das gilt
auch für andere. Der erste Bildungsweg
steht allen Menschen unter 21 Jahren offen, die Mittlere Reife haben. Sie können
das Abitur beispielsweise auf einer Privatschule nachholen. Ältere können auf Volkshochschulen, Fernschulen, Abendgymnasien oder höhere Handelsschulen gehen.
Auf die Universität kann man es aber
auch ohne Abitur schaffen, wenn man „beruflich qualifiziert“ ist. Das heißt, Handwerksmeister, Techniker, Fachwirte und
Inhaber gleichgestellter Abschlüsse erhalten in der Regel einen fachgebundenen Zugang zur Schule, wenn sie ausreichend Berufserfahrung und eine Zusatzqualifikation vorweisen können.
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Isar-Grundschule Isar-Mittelschule
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FOTO: DPA
Richard Herbstler war 15, als er den Hauptschulabschluss machte und eine Kochlehre begann. 17 Jahre arbeitete er in der Gastronomie, die meiste Zeit davon im VierSterne-Hotel Ambassador in Ingolstadt.
Daheim hatte er immer beim Kochen zugeschaut und wollte von jung an Koch werden. Auch bei der Bundeswehr war er nach
der Grundausbildung als Koch tätig.
Mit 21 Jahren wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. Er fiel ein Dreivierteljahr aus,
doch seiner Kochkarriere tat das keinen Abbruch. Er stieg in einem Seniorenzentrum
zum Küchenleiter auf und machte sich anschließend selbständig. Er hatte ein eigenes Gasthaus, eröffnete zusätzlich noch
ein Steakhaus, fühlte sich aber nach vier
Jahren gesundheitlich und finanziell überfordert. „Damals dachte ich: So wirst du
nicht alt“, erzählt Herbstler. Er meldete Privatinsolvenz an und machte eine zweijährige Ausbildung zum Hotelbetriebswirt. Nebenher kellnerte er. Irgendwann erfuhr er,
dass Leute wie er – ohne Abitur, aber mit
ausreichender Berufserfahrung und einer
Zusatzqualifikation – studieren dürfen.
Früher war die Vorstellung, einmal zur
Universität zu gehen, für Herbstler fremd
wie ein ferner Planet. Er komme aus einer
klassischen Arbeiterfamilie, sagt er. Da habe man eine Ausbildung gemacht und danach ein Leben lang gearbeitet. Das findet
er prinzipiell auch gut so. Sein Schwager
habe bei Audi Karriere gemacht; aber auch
der wolle, dass seine Kinder erst mal eine
Ausbildung machen und dann arbeiten. So
sei das in seiner Familie.
Seit zwei Jahren studiert Herbstler nun
Wirtschaftspädagogik und Informatik auf
Lehramt an der Berliner Humboldt-Uni. Er
freut sich, dass er Bafög bekommt. Sein
Weg ist ungewöhnlich, aber längst keine
Ausnahme mehr. In seinem Hauptfach sei
jeder Fünfte ein Quereinsteiger, schätzt er.
Drei Kommilitonen kommen sogar aus der
Gastronomie und sind so alt wie er. kläs
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Als seine Eltern sich scheiden ließen, beschloss Maximilian Leoson, die Schule zu
unterbrechen. Das Abitur würde er später
nachholen – das war sein Plan. Er war 18
Jahre alt und ging für ein halbes Jahr nach
Barcelona. Dort kellnerte er und arbeitete
an der Rezeption eines Hotels. Zurück in
Augsburg wollte er eigentlich mit der Schule weitermachen. Doch während eines
Praktikums im Krankenhaus merkte er,
wie sehr ihm die Arbeit dort gefiel. Er machte eine dreijährige Ausbildung zum Krankenpfleger an der Uni-Klinik in Tübingen.
Nachdem er ein Jahr in seinem Beruf
gearbeitet hatte, wird ihm klar, wie sehr er
ein Kopfmensch ist und dass er doch noch
studieren will. Er entschied sich für die Berufsoberschule (BOS) in Augsburg. Die
kannte er, weil seine beiden Schwestern
dort gewesen waren. Leoson belegte den
Zweig Soziales. Zu den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch kamen noch Pädagogik und Psychologie hinzu. Damals hatte er das Ziel, Medizin zu studieren. Er lernte eifrig auf dieses Ziel hin, um einen guten
Abi-Schnitt zu erreichen. Dabei merkte er,
wie gut er in Mathe ist. Noch einmal dispo-
nierte er um. Statt Medizin will er nun auf
Lehramt studieren: Mathe und Englisch.
An der BOS gehört er zu den Älteren. Mit
seinen 25 Jahren, sagt Leoson, habe er
nicht mehr die gleiche Freiheit wie ein
18-Jähriger, der das Fach einfach wechseln
könne, wenn es ihm nicht gefällt. Doch es
sei für ihn auch leichter. Die Berufserfahrung habe ihm geholfen, sich ein Bild vom
Arztberuf zu machen und sich für das Lehramt zu entscheiden. „Das ist der Vorteil,
den ich habe, weil ich mit dem Abitur länger gebraucht habe“, sagt Leoson. „Jetzt
kenne ich mich viel besser und weiß, meine Stärken einzuschätzen.“
kläs
Maximilian Leoson, 25,
hat bis zur elften Klasse
das Gymnasium besucht
und dann eine Krankenpfleger-Ausbildung gemacht. Jetzt bereitet er
sich an der BOS aufs
Studium vor. FOTO: PRIVAT
Donnerstag, 16. Oktober 2014, Nr. 238
DIE BEILAGE FÜR SCHULE, HOCHSCHULE UND WEITERBILDUNG
LERNEN 29
MBA
&
Execut
ive
MBA
Drei Jahrgänge
voller Männer
Business Schools werben mit Stipendien um Frauen
Zur Konkurrenz verdammt
Warum gelingt manchen deutschen Business Schools
genau das nicht, was sie ihren Studenten beizubringen versprechen
– nämlich profitable Geschäfte zu machen?
Das Geschäftsmodell Business School ist kein Selbstläufer. Gebühren und staatliche Förderung reichen nicht. Die Schulen brauchen Firmen als Partner.
B
ildung im Wert von knapp 400 Millionen Euro hat die Harvard Business
School im Geschäftsjahr 2012 verkauft. Das ist ungefähr das Hundertfache
dessen, was die HHL Graduate School of
Management in Leipzig (3,75 Millionen
Euro) und die Mannheim Business School
(5,44 Millionen) im selben Zeitraum eingenommen haben. In den internationalen
Rankings stehen beide deutschen Schulen
gut da. Ihren Gewinnen sieht man das allerdings nicht an.
Während Harvard 2012 einen operativen Gewinn von etwa 48 Millionen Euro
auswies, blieb der Mannheim Business
School eine ziemlich runde Million und der
HHL gar nichts. Im Gegenteil: Die ostdeutsche Vorzeigeschule sitzt auf Defiziten von
mehreren Millionen Euro und liegt zudem
im Clinch mit dem Rechnungshof.
Auch die European Business School
(EBS) in Wiesbaden ist chronisch klamm
und streitet sich mit dem Land Hessen um
zweckwidrig verwendete Fördergelder.
Die Gisma Business School in Hannover
schrammte im vergangenen Jahr sogar
knapp an der Insolvenz vorbei. Nur eine
Geldspritze der holländischen Global University Systems rettete das Renommierprojekt des früheren Ministerpräsidenten Gerhard Schröder. Warum gelingt manchen
Business Schools genau das nicht, was sie
ihren Studierenden beibringen wollen –
nämlich profitable Geschäfte zu machen?
Die Antwort hat mit Tradition, Lobbyismus und politischem Gestaltungswillen zu
tun. In Deutschland sind Business Schools
eine vergleichsweise junge Spezies. Die
WHU Otto Beisheim School of Management wurde 1984 gegründet, Leipzig,
Mannheim und Wiesbaden gingen zu Beginn, die Gisma in Hannover erst Ende der
Neunzigerjahre an den Start. Zu dieser Zeit
hatten sich Wirtschaftshochschulen in anderen europäischen Ländern längst einen
Namen gemacht.
Angesichts des wachsenden Bedarfs an
international konkurrenzfähigen Führungskräften und mit Umstellung auf das
Bologna-System beschwor die Wirtschaft
deutsche Bildungspolitiker, öffentliche
Gelder in die private Managerausbildung
zu investieren. Allein die Wege unterschieden sich. Die Mannheim Business School
entstand als Spin-Off der Uni Mannheim,
die WHU als von der örtlichen Industrieund Handelskammer initiierte, private
Fachhochschule. Beide sammelten auch
von privaten Stiftern Geld. Andere bauten
sich unabhängig von Universitäten auf der
grünen Wiese ganz neu auf (HHL und EBS).
Hinter wieder anderen standen finanzkräftige Mäzene (Jacobs University in Bremen)
oder ein Konsortium aus Unternehmen
(ESMT in Berlin). Auf diese Weise verteilten sich die Fördergelder auf mehrere Neugründungen – jede einzelne mit dem Anspruch, in Lehre und Forschung möglichst
rasch an die Weltspitze zu gelangen.
Drei von vier Lehrstühlen
an der HHL Leipzig sind
bereits privat finanziert
Vor lauter Aufholwillen in den Hintergrund geriet die Tatsache, dass Bildung regelmäßig viel Geld kostet und dass es oft
Jahrzehnte dauert, bis sich die Investitionen auszahlen. Die Harvard Business
School thront heute auf einem Stiftungskapital in Höhe von zwei Milliarden Dollar,
angesammelt seit dem 17. Jahrhundert
und genährt von großzügigen Zuwendungen dankbarer Alumni.
Dagegen nehmen sich die Stiftungseinnahmen der WHU mit zuletzt 12,3 Millionen Euro mager aus. Auch die Anschubfinanzierung und die fortlaufende Hilfestellung des Landes Sachsen reichen nicht
aus, um die HHL nachhaltig auf einen grü-
nen Zweig zu bringen. „Eine forschungsorientierte Hochschule muss große Anstrengungen unternehmen, um nachhaltig erfolgreich zu arbeiten“, erklärt HHL-Rektor
Andreas Pinkwart. Daher müsse man eine
private Hochschule auf viele Förderbeine
stellen: Mietvergünstigungen und Nachrangdarlehen vom Land, Einnahmen aus
Studiengebühren und Firmenprogrammen, Zuwendungen von privaten Sponsoren und Drittmittel für die Forschung. Drei
Viertel der Lehrstühle seien mittlerweile
privat finanziert, 2015 soll zum ersten Mal
Gewinn oder wenigstens eine schwarze
Null ausgewiesen werden.
Nur indirekt von der Politik, aber direkt
von der renommierten Universität Mannheim bekam die dortige Business School ihren Schwung. 25 Prozent des Stammkapitals hält die Uni, 75 Prozent eine Stiftung,
in der alle BWL-Professoren Mitglied sind.
Spenden und Zuwendungen von privater
Seite fließen in Sonderprojekte, finanzieren aber nicht den normalen Lehrbetrieb.
Seit sieben Jahren schreibt die Mannheim
Business School Gewinne. Entsprechend
stolz ist Jens Wüstemann, der Präsident.
„Klar ist, dass sehr viele renommierte
staatliche Hochschulen den MBA-Markt
schlichtweg verschlafen haben“, setzt sich
Wüstemann vom Feld ab, „oder nicht verstanden haben, die notwendigen Strukturen zu schaffen, um international konkurrenzfähige MBA-Programme anbieten zu
können.“ Obwohl dies für eine Management-Weiterbildungseinrichtung schon
Partner gesucht
Die 2001 gestartete private Jacobs University in Bremen finanziert sich aus Studiengebühren, Forschungsgeldern, Landesmitteln
und Zuwendungen der Kaffeedynastie Jacobs. 110 Millionen Euro und eine Bürgschaft
in halber Höhe ließ sich das hochverschuldete Bremen die Gründung kosten. Die schweizerische Jacobs-Stiftung gleicht im Rahmen
der von ihr zugesagten 200 Millionen EuroInvestition den Bedarf von jährlich etwa 20
Millionen Euro aus, doch diese Zuwendung
läuft 2017 aus. „Vom Land bekommen wir
von 2013 bis 2017 jährlich drei Millionen Euro“, sagt Uni-Sprecherin Ines Heise, „und von
der Jacobs-Stiftung ab 2018 für weitere zehn
Jahre jährlich zehn Millionen Schweizer Fran-
ken.“ Damit verliert die Uni einen großen Teil
ihrer bisherigen Einnahmen. Uni-Präsidentin Katja Windt setzt deshalb auf den Ausbau
strategischer Partnerschaften mit der Industrie. Die Hochschule fokussiert sich künftig
auf drei Forschungsschwerpunkte. „Aus 21
Bachelorstudiengängen werden 15, die sich
auf drei interdisziplinär zusammengesetzte
Schwerpunkte Mobility, Health und Diversity
verteilen“, erklärt Heise und findet es nicht
ungewöhnlich, dass eine Hochschule wie jedes Unternehmen immer wieder an ihren
Stellschrauben drehen muss. „Man lernt ja
weiter“, sagt Heise. „Allein aus Forschung
und Lehre kann sich keine Hochschule finanzieren, egal ob staatlich oder privat.“ cde
wegen ihrer Vorbildfunktion eine Grundvoraussetzung sein sollte, „sind wir am
deutschen Markt mit unserer finanziell gesunden Situation eine Ausnahme.“
Das stimmt, zumindest auf dem Papier,
nicht ganz. Ausweislich ihres Jahresabschlusses betrug das Betriebsergebnis der
WHU Otto Beisheim School of Management Ende September 2013 etwa 1,75 Millionen Euro. Das entspricht in etwa den Erträgen aus Wertpapieren und Zinsen, die
aus dem Eigenkapital der Schule in Höhe
von 56 Millionen Euro generiert werden.
Die Einnahmen aus Studiengebühren und
Firmenprogrammen decken 41 Prozent
des Budgets. Der Rest kommt aus Kapitalerträgen, eingeworbenen Drittmitteln sowie Spenden.
Schon vier Mal in Folge weist die Berliner ESMT einen positiven Jahresüberschuss aus. Die European School of Management and Technology wurde 2002 auf
Betreiben von 25 Unternehmen und Verbänden als GmbH ins Leben gerufen. Gesellschafter sind die ESMT-Stiftung zu gut
91 Prozent und die Gesellschaft der Freunde und Förderer der ESMT European
School of Management und Technologie
e. V. zu fast neun Prozent. Die Stiftung ist
etwa 128 Millionen Euro schwer und hält
den Forschern den Rücken frei. Für die Auslastung der Degree-Programme und der
Manager-Weiterbildung sorgen die vereinigten Geldgeber: Schon aus Eigeninteresse entsenden sie ihren Managementnachwuchs gerne in die Hauptstadt.
Der Überblick macht die Erfolgsfaktoren einer Business School deutlich. Die notwendige Bedingung scheint nachhaltig
gesicherte Finanzkraft in Form einer gut
dotierten Stiftung zu sein. Das allein reicht
aber nicht aus. Hinzukommen muss Reputation in der Lehre, um Studierende, Professoren und Firmenkunden für die Executive Education anzuziehen.
Insbesondere Letztere sind unerlässlich: Ohne das Wohlwollen und die Beauftragung durch die Wirtschaft kommt eine
Business School nicht vom Platz. Das Bein
der öffentlichen Finanzierung hingegen
taugt höchstens für den Absprung. Ohne
schnelle Erfolge am Markt droht es einzuknicken. Was der Rektor der HHL in Leipzig am besten weiß. „Ich glaube nicht“,
sagt Andreas Pinkwart, „dass die privaten
Hochschulen auf Dauer von der Politik getragen werden können.“
re“, erzählt Feketics. Ohnehin ist die finanzielle Belastung offenbar oft ein Grund dafür, dass sich Frauen gegen einen MBA entscheiden: Es sei statistisch erwiesen, dass
Unternehmen wesentlich weniger in Weiterbildung weiblicher Mitarbeiter investierten als in die von männlichen, sagt Petra Wieczorek, Direktorin des IMB Institute of Management Berlin an der Berliner
HWR. Das gelte natürlich auch für berufsbegleitende MBA-Programme, die Frauen
dann möglicherweise aus eigener Tasche
bezahlen müssten. Zudem kollidiert laut
Zimmermann der Zeitpunkt für einen
MBA oft mit der Familienplanung von
Frauen. „Wer gerade eine Familie gründen
will oder gegründet hat, für den ist es
schwierig, Zeit und Geld in dieses anstrengende Studium zu investieren“, sagt sie.
Mit den Frauenstipendien wollen die
Hochschulen deshalb einen Anreiz geben,
sich trotzdem für ein MBA-Studium zu entscheiden. „Das erreicht in jedem Fall die
Aufmerksamkeit von Frauen. Viele melden sich ausdrücklich wegen des Stipendiums“, sagt Regina Feketics. Andere, die das
Programm auch von der Firma bezahlt bekämen, fänden es schön, dass sich die
Hochschule für Frauen interessiere. „Es ist
eben auch ein Signal.“
Neben dem Frauenstipendium
gibt es Weiterbildungen, die auf
Aufsichtsratsposten vorbereiten
Zusätzlich zu den Stipendien sprechen
die Hochschulen Frauen auch gezielt an –
etwa auf Messen oder in speziellen Netzwerken. „Wir versuchen Frauen, die sich
weiterbilden wollen, da abzuholen, wo sie
sich informieren können“, sagt Feketics. So
habe sie die Stipendien beispielsweise auf
den Frauenwirtschaftstagen der badenwürttembergischen Regierung vorgestellt.
Auch auf landesgeförderten Portalen werde dafür geworben. Die HRW bietet unabhängig von den Frauenstipendien ein Weiterbildungsprogramm, das Frauen für Positionen in Aufsichtsräten fit machen soll,
sagt Wieczorek.
Sie glaubt allerdings nicht, dass zwischen den Stipendien und gestiegenen
Frauenanteilen in den MBA-Programmen
ein direkter Zusammenhang besteht. „Es
ist wohl eher so, dass Frauen einen Anschubser erhalten, wenn sie erfahren, dass
es da Unterstützung für diese Art der Weiterbildung gibt.“ Bei Bianca Paolucci hat es
zumindest die Entscheidung für den MBA
erleichtert. Sie wird das berufsbegleitende
Programm in diesem Herbst abschließen.
Schon jetzt arbeitet sie an einer neuen, eigenen Modelinie und betreibt zusätzlich dazu ein anderes Label. „Das hätte ich ohne
die Kenntnisse aus dem MBA nicht machen können“, sagt sie. maria fiedler
Die Wirtschaft verlangt mehr Frauen in Führungspositionen. Das haben die Business
Schools registriert – und bemühen sich verstärkt um weibliche Teilnehmer. FOTO: GETTY
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(MBA) kam Bianca Paolucci anfangs nicht
in den Sinn. Die 28-Jährige hatte Mode
und Textildesign in Mailand und in den
USA studiert und dann begonnen, ein Modelabel zu entwickeln. „Nach dem Bachelor ist mir klar geworden, dass ich mich mit
dem Design von Produkten auskenne,
nicht aber mit dem Vertrieb.“ Ihre Kenntnisse hätten kaum ausgereicht, um die Finanzen einer Modelinie zu stemmen oder
die Strategie an bestimmte Märkte anzupassen. „Ich wollte das aber selbst machen
und habe mich schließlich an verschiedenen Business Schools für einen MBA in Entrepreneurship beworben“, sagt Paolucci.
Am Ende fiel ihre Wahl auf die Hochschule
für Wirtschaft und Recht (HWR) in Berlin –
denn dort erhielt sie nicht nur eine Zusage,
sondern auch ein Frauenstipendium über
ein Drittel der Studiengebühren.
So wie die HWR versucht mittlerweile
eine Reihe von Hochschulen in Deutschland, mit speziellen Angeboten Frauen anzusprechen. Zwar liegt der Frauenanteil
bei den Vollzeit-MBAs zumindest in einem
Drittel der Programme bei mehr als 50 Prozent, wie eine Studie des Personalmarketinganbieters Staufenbiel zeigt. Doch bei
den berufsbegleitenden MBA-Programmen und den Executive MBAs (EMBA) für
erfahrene Manager zeigt sich häufig ein
ganz anderes Bild. Auch unter den deutschen Absolventen des GMAT-Tests, der
für die Bewerbung bei vielen MBA-Programmen obligatorisch ist, waren in den
Jahren 2012 bis 2013 nur 36 Prozent weiblich. Das teilt das Graduate Management
Admission Council, das den Test anbietet.
„Der Ruf nach mehr Frauen in Führungspositionen hat deshalb auch Auswirkungen auf die Business Schools“, sagt Stefanie Zimmermann vom Staufenbiel-Institut. Um die Quote der MBA-Studentinnen
zu erhöhen, hätten die Schulen Stipendien
und Netzwerke eigens für Frauen ins Leben gerufen. „Sie sprechen Frauen gezielt
an“, sagt Zimmermann, „und einige Schulen haben auch ihre Programme speziell
auf sie zugeschnitten.“
Zum Beispiel die Hochschule Furtwangen University. Dort machte vor allem der
EMBA den Verantwortlichen Sorgen. „Die
Frauenquote war immer gering. Nachdem
wir dann drei Jahrgänge in Folge komplett
ohne weibliche Teilnehmer hatten, mussten wir gegensteuern“, sagt Programmdirektorin Regina Feketics. Man habe nach
einem Lockmittel gesucht, um Frauen zur
Bewerbung zu motivieren. 2013 wurden
erstmals Frauenstipendien in Höhe von
6000 Euro ausgelobt, was die Gesamtkosten von 18 000 Euro um ein Drittel senkt.
„Im ersten Durchlauf haben wir zwei Stipendien vergeben – eine Teilnehmerin hätte sich sonst auch gar nicht beworben, weil
sie finanziell nicht in der Lage gewesen wä-
30 LERNEN
MBA
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MBA
DIE BEILAGE FÜR SCHULE, HOCHSCHULE UND WEITERBILDUNG
Donnerstag, 16. Oktober 2014, Nr. 238
800 Fälle in zwei Jahren
Die IESE in Barcelona gilt als eine der besten Business Schools der Welt.
Demnächst bezieht die Hochschule ein eigenes Gebäude in München
V
ictoria Teworte sieht nicht aus, wie
man sich an eine angehende TopManagerin vorstellt. Jeans, Anorak,
Pferdeschwanz, das Handy blinkt durch
ein Loch in der ausgebeulten Hosentasche.
Die 28-Jährige kommt gerade vom Sport.
Früher hat sie als Handballerin für die Bundesliga trainiert, noch immer macht sie
mehrmals in der Woche Sport. „Das muss
sein“, sagt sie. In ein paar Stunden ist sie
zum Dinner verabredet, vorher will sie
noch eine Fallstudie durcharbeiten, eine
Veranstaltung fürs Wochenende organisieren, nach Hause fahren, sich umziehen.
Victoria Teworte strotzt vor Energie.
Seit einem Jahr studiert sie an der IESE
Business School in Barcelona. Nach ihrem
BWL-Diplom in Dortmund hat sie vier Jahre lang in einer Frankfurter Unternehmensberatung gearbeitet, zuletzt als Projektleiterin. „Weil ich aber sehr spezialisiert war,
wurde mir klar, dass ich eine fundierte General Management-Ausbildung brauchte“,
sagt sie, „auch um dann Verantwortung im
höheren Management zu übernehmen“.
Jetzt ist Teworte wieder Studentin, sie
fährt Motorroller und lebt in einer Wohngemeinschaft. „Wir sind eine internationale
Truppe, das ist extrem spannend“, erzählt
sie. „In meinem Team sind zum Beispiel
ein japanischer Architekt, ein Saudi aus
dem Öl-Business, ein Mexikaner, der in
New York eine Filmschule besucht hat, ein
Portugiese aus einem Familienunternehmen und eine Frau aus Sambia, die in Singapur bei einer Bank gearbeitet hat.“
Der erste Job nach dem MBA
ist meist deutlich besser
bezahlt als der vorherige
IESE steht für Instituto de Estudios Superiores de la Empresa und ist die nach
Barcelona verlagerte Wirtschaftsfakultät
der Universität Navarra. Glaubt man dem
Ranking der Financial Times, ist sie die derzeit siebtbeste Business School der Welt, in
Europa rangiert sie sogar regelmäßig auf
einem der drei ersten Plätze. Gerade hat
der 50. Jahrgang mit dem MBA-Studium
begonnen. Die knapp 300 Teilnehmer kommen aus der ganzen Welt, nur etwa 15 Prozent sind Spanier. Und jeder zahlt ungefähr 150 000 Euro für das zweijährige Programm. Das ist viel Geld, doch es scheint
sich auszuzahlen. Fast alle Absolventen ha-
ben drei Monate nach dem Abschluss einen neuen Job, und der ist meist deutlich
besser bezahlt als der vorherige. Das liegt
unter anderem am Career Service der Schule und an den guten Verbindungen der Professoren. „Die haben Kontakte in wirklich
jede Branche“, sagt Teworte, „sogar in Nischenbranchen können sie helfen.“
Marc Sachon ist Luft- und Raumfahrtingenieur, er hat jahrelang bei IBM und als
Berater in vielen Branchen gearbeitet, jetzt
ist er Professor für Produktions- und Verfahrensmanagement. Er wirft sein Jackett
aufs Pult und krempelt die Ärmel hoch. Die
Reihen im Hörsaal sind angeordnet wie in
einem Amphitheater, jeder Student hat ein
Namensschild. Gut lesbar, so dass er jederzeit von Sachon aufgerufen werden kann.
Denn darum geht es hier: Alle Teilnehmer
haben eine Fallstudie über einen chinesischen Batterie-Hersteller gelesen, der ins
Automobilgeschäft einsteigen will. Sie haben sich in die Rolle des Geschäftsführers
versetzt und Lösungsvorschläge erarbeitet, die sie auf Zuruf präsentieren müssen.
„Nice try, wrong landing“, sagt Sachon
und ruft den nächsten Studenten auf. Wer
unvorbereitet ist, hat keine Chance. Das
führt zu konzentrierter Spannung. Der Professor läuft auf und ab, streut Scherze und
einen historischen Exkurs über die Entwicklung des Arbeitsschutzes ein. Er fragt,
welcher Student schon einmal am Fließband gearbeitet hat, und lässt ihn von seinen Erfahrungen berichten. Die Aufgaben
werden schwieriger, die Antworten ähneln
Kurzreferaten. Sachon kündigt an, dass in
der nächsten Woche zwei Manager des
chinesischen Unternehmens in die Klasse
kommen und vom Fortgang des Falles in
der Realität berichten werden.
800 Fallstudien erwarten die MBA-Studenten im Laufe ihrer Ausbildung, das
sind zwei bis drei pro Tag. Die Methode ist
das Herzstück der MBA-Ausbildung. Andrea-Kathrin Christenson schwört darauf:
„Man kann nicht alles mit Fallstudien lernen, für Statistik oder Rechnungswesen
taugt die Methode nicht. Aber ohne Fallstudien würden Sie nicht in die komplexen Zusammenhänge des echten Wirtschaftslebens vordringen,“ sagt die Unternehmerin,
die vor drei Jahrzehnten ihren MBA gemacht hat und jetzt ein Weiterbildungsprogramm für erfahrene Manager absolviert.
Die Fallstudien-Methode wurde an der
Harvard Business School erfunden, zu der
die IESE enge Beziehungen unterhält. Und
die sich wie viele andere Managerschmie-
den mit dem Vorwurf herumschlägt, exakt
die Leute ausgebildet zu haben, die für die
Finanzkrise mitverantwortlich sind. Fast
alle Schulen haben seither beflissen Ethikkurse ins Programm gehoben. Die IESE
nimmt für sich in Anspruch, ethischen Fragen schon immer mehr Platz eingeräumt
zu haben als andere Schulen. „Ich halte
wenig davon, jetzt Ethik als Pflichtfach einzuführen“, sagt IESE-Dekan Jordi Canal.
„In jedem einzelnen Kurs müssen ethische
Aspekte eine Rolle spielen.“
Partymetropole Barcelona?
Zum Sonnenbaden und
Ausgehen bleibt wenig Zeit
Die stärkere Werteorientierung hängt
vielleicht auch damit zusammen, dass die
Hochschule einst von der erzkonservativen katholischen Laienorganisation Opus
Dei gegründet wurde. Heute spielt bei der
Berufung von Professoren oder der Auswahl der Studenten weder das Opus Dei
noch die Konfession eine Rolle. „Wir verstehen uns als Hochschule, die in der christlichen Tradition steht und deshalb den
Menschen ins Zentrum der Unternehmensführung stellt“, sagt MBA-Direktor Professor Franz Heukamp.
„Champagne for the brain“ nennt Andrea-Kathrin Christenson das, was ihr die
Schule bietet. Sie besucht das „Advanced
Management Program“, das sich wie der
berufsbegleitende Executive MBA an erfahrene Führungskräfte richtet und auch
in der Münchner IESE-Niederlassung angeboten wird. „Ich habe eine Mediationsausbildung gemacht und viele Seminare
belegt“, sagt sie. „Aber nach fast 25 Jahren
Unternehmertum habe ich hier noch einmal ganz neue Einsichten gewonnen.“
Für manche Studenten mag bei der
Wahl der Schule auch der Ort ausschlaggebend gewesen sein. Sie liegt malerisch am
Hang in einem Villenviertel von Barcelona,
mit weitem Blick über die Dächer der
Stadt. Efeu überwuchert die sandfarbenen
Gebäude, der Rasen ist weich wie Velours,
davor parken die Motorroller der Studenten, die sich vielleicht nach einem erfolgreichen Berufseinstieg eine lustige Zeit in der
Partymetropole erhofft haben. Doch die
langen Nächte finden hier eher in der Bibliothek statt. Das Arbeitsethos ist hoch,
Ehrgeiz scheint ansteckend zu sein. Victoria Teworte war in ihrem ersten Jahr nur
ein einziges Mal zum Baden am Strand.
Gruppenbild mit Meerblick: Der fünfzigste MBA-Jahrgang hat sich auf dem IESE-Campus in Barcelona versammelt (links). Die
Schule hat Zweigstellen in Madrid, New York, São Paulo und München, wo sie 2015 ein neues Gebäude am Friedensengel (rechts)
bezieht. Damit ist sie die erste der großen internationalen Business Schools mit einem eigenen Campus in Deutschland. FOTO: IESE
Executive MBA
Neue Perspektiven für Führungskräfte
Businessplan und Bauarbeiten
Die WHU schickt Manager zum Aufbau eines Lernzentrums nach Kambodscha
Kabel verlegen, Löcher bohren, Wasser
pumpen. Als Jens Dissmann mit seinen
Kommilitonen in Kambodscha ankam,
musste er erst einmal Hand anlegen. Nicht
alltäglich für den 44-Jährigen: Normalerweise leitet er beim Smartphone-Hersteller Microsoft Mobile den Bereich „Developer Experience“. Doch in Kambodscha
stand für Dissmann der Aufbau eines Lernzentrums auf dem Plan – der praktische
Teil des General Management Plus Programms, das Dissmann an der WHU Otto
Beisheim School of Management belegte.
„Das war zum Teil unvorstellbar schmutzig und viel zu heiß, aber es war ein großartiges Erlebnis“, erzählt er.
Mit Programmen wie diesem sollen Managern nicht nur MBA-Wissen vermittelt
werden, sondern auch Werte wie soziale
Verantwortung und Nachhaltigkeit. An der
WHU ist der Kern dieses speziellen Weiterbildungsprogramms der Aufbau eines
Lernzentrums als Sozialunternehmen. So
soll die betriebswirtschaftliche Theorie in
die Praxis umgesetzt werden.
Im Herbst vergangenen Jahres starteten mit Dissmann die ersten zwölf Teilnehmer, die innerhalb eines halben Jahres drei
Module am Standort in Düsseldorf absolvierten und dann nach Kambodscha flogen, um den Aufbau des Zentrums abzuschließen. Langfristig sollen Projekte auch
in der Mongolei folgen – immer in Kooperation mit dem Partner des Programms, dem
Sozialunternehmen Bookbridge.
„Es handelt sich dabei aber nicht um
einen Studiengang, sondern um ein Weiterbildungsprogramm. Die Inhalte sind ähnlich wie beim MBA, aber viel kompakter,
da der Zeitaufwand nur bei einem Zehntel
des MBAs liegt“, erklärt Rebecca Winkelmann, die an der WHU für die Programme
für Führungskräfte und Manager zuständig ist. Die meisten Teilnehmer seien Manager mit fachlicher Verantwortung, die in
eine Führungsposition hineinwachsen sollen und sich am Übergang zu einer neuen
Karrierestufe befinden. Viele würden von
ihren Unternehmen unterstützt, welche
die Kosten in Höhe von 11 500 Euro entweder teilweise oder ganz übernehmen. „Unternehmen, die Nachhaltigkeit oder soziale Verantwortung zu ihren Werten zählen,
wollen das natürlich auch bei ihren Mitarbeitern fördern“, sagt Winkelmann.
„Am Ende war doch
alles anders, als wir
es geplant hatten.“
Während der Seminartage in Deutschland müssen die Teilnehmer bereits alle
nötigen Vorbereitungen für die Einrichtung des Zentrums in Kambodscha treffen. Sie führen Bewerbungsgespräche für
einen lokalen Leiter des Zentrums, beteiligen sich an der Suche nach einer Immobilie, definieren eine Zielgruppe und stellen
einen Businessplan auf. Schließlich soll
sich das Sozialunternehmen nach einiger
Zeit selbst tragen.
Einer der wichtigsten Schritte dafür sei
die Suche nach Investoren gewesen, erzählt die 34 Jahre alte Arlette Hernández.
„Vor Vertretern einer Bank habe ich gemeinsam mit einem anderen Teilnehmer
unseren Businessplan vorgestellt – das
war schon eine große Verantwortung. Was
hätten wir gemacht, wenn wir das Geld
nicht bekommen hätten?“ Doch es klappte
– und schließlich flogen die Teilnehmer
nach Kambodscha, um den Aufbau des
Zentrums abzuschließen.
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Hochschulkurse
Kontakt
MBA Info Day: Samstag, 18. Oktober 2014
mba.munich-business-school.de I mba@munich-business-school.de
Doch bei der Ankunft mussten sie feststellen, dass die Bauarbeiten nicht so weit
fortgeschritten waren wie gedacht. Das
führte dazu, dass am Ende alle mit anpacken mussten, um bis zum Eröffnungstermin fertig zu sein. 6000 Bücher mussten
einsortiert werden, Müll entsorgt, Wände
neu gestrichen werden. „Da gab es niemanden, der sich für die Bauarbeiten zu schade
gewesen wäre. Wir haben es eher genossen, Dinge zu tun, die man sonst nicht machen kann“, sagt Dissmann.
Doch die Bauarbeiten waren nicht die
einzige Herausforderung, die den Teilnehmern am anderen Ende der Welt begegnete. „Wir änderten notgedrungen auch unsere Zielgruppe, weil wir gemerkt haben,
dass Erwachsene dort kaum in ihre eigene
Bildung investieren – aber in die ihrer Kinder schon“, erzählt Hernández. Zusätzlich
zu den kostenpflichtigen Kursen für Kinder, die etwa Englisch- oder Computerkenntnisse vermitteln, gibt es nun auch
eine Bibliothek. Für Schüler aus besonders
armen Familien hat die Gruppe über eine
Spendenaktion ein Stipendienprogramm
organisiert, das die Kursgebühren abdeckt. Selbst heute, mehrere Monate nach
Ende des Programms, kümmern sich die
Teilnehmer um die Fortentwicklung des
Projekts. Für Hernández steht eine Erkenntnis aus den Tagen in Kambodscha
fest: „Am Ende war doch alles anders, als
wir es geplant hatten. Kambodscha tickt
einfach anders.“
maria fiedler
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MESSEN
Für Studierende und Absolventen
Munich
Business
School
Soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit gepaart mit MBA-Wissen – das soll eine Weiterbildung der WHU School of Management vermitteln. Gemeinsam mit ihren kambodschanischen Partnern arbeiten die Teilnehmer an einem Projekt. FOTO: PRIVAT
132 EB
von jutta pilgram
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