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Oktober 2014 | Ausgabe Bern
Augenerkrankungen
Wenn Buchstaben
verschwimmen
Karpaltunnelsyndrom
Handnerven unter
Druck
Darmzentrum Tiefenau
Zum Wohl
der Patienten
Gesundheits-Check-ups
Bild: fotolia.com
Nicht alle sind gleich sinnvoll
me d izi n akt uel l – das regionale Gesundheitsmagazin
Entstanden in Zusammenarbeit mit Gesundheitsinstitutionen der Stadt und Region Bern
G e s un d h e i t s - C h e c k- u p s
Nicht alle sind gleich sinnvoll
Vorsorge-Untersuchungen sollen helfen, Gefahren für die Gesundheit zu entdecken, bevor eine
Krankheit oder ein lebensbedrohlicher Risikofaktor droht. Doch nicht jeder Check-up, der angeboten wird, macht auch Sinn.
Viele Krankheiten bestehen schon lange, bevor sie Be­
schwerden verursachen, der Körper hält somit Signa­
le zurück. Beschwerden treten dadurch oft erst in ei­
nem fortgeschrittenen Stadium einer Erkrankung auf,
dann, wenn es für eine vollständige Heilung zu spät
sein kann. Denn es gilt: Je früher eine Krankheit di­
agnostiziert wird, umso grösser sind die Heilungs­
chancen oder je grösser der Erfolg, ein weiteres Fort­
schreiten einer Erkrankung zu bremsen.
Patienten oft verunsichert In den letzten Jahren
haben Gesundheits-Check-ups vermehrt von sich re­
den gemacht und sind sehr gefragt. Unter dem Motto
«Vorbeugen ist besser als hei­
len» sind gewisse Untersu­
Das macht Sinn:
chungen zweifellos angezeigt.
Gerade Patienten, bei denen
Blutdruck messen
in der Familie gehäuft Er­
ab Alter 20, Herzkrankungen aufgetreten sind,
sollten sich einem regelmässi­
Kreislauf-Check ab 35,
gen Screening unterziehen.
Darmspiegelung ab 50.
Doch nicht jede Untersuchung
ist auch sinnvoll (siehe Kas­
ten). Welcher Check für wen wirklich empfehlenswert
ist, darüber streiten sich selbst die Experten. Zudem
können alle Tests – ob bildgebende Verfahren oder
Gewebeanalysen – Fehler aufweisen.
Das umfasst ein Vorsorgecheck Ein Check-up um­
fasst ein Gespräch mit dem Arzt, der aufgrund der
persönlichen sowie der familiären Krankengeschich­
te ein Risikoprofil erstellt. Dabei spielen genetische
Faktoren eine wichtige Rolle. Aber auch die medizi­
nische, sogenannt klinische Untersuchung mit Labor
und Röntgen, gehört dazu. Es muss jedoch gesagt wer­
den, dass normale Laborwerte nicht alles ausschlies­
sen können und ein normales Elektrokardiogramm
nicht automatisch heisst, dass kein Herzinfarkt oder
eine koronare Herzerkrankung drohen können. Ein
Hirnschlag kann auch bei sogenannt gesunden Men­
schen auftreten. Durch einen Check-up ist es möglich,
eine Erkrankung, wie zum Beispiel einen Tumor,
frühzeitig zu erkennen oder das Risikoprofil zumin­
dest günstig zu beeinflussen. So findet auch eine Be­
ratung des Lebensstils (Ernährung, Bewegung usw.)
statt. Faktoren wie Nikotinkonsum und hoher Blut­
druck gehören mitunter zu den «Hauptauslösern» ei­
16 m e d i z i n a k t u e l l
nes Hirnschlages. Die Veränderung des Lebensstils ist
daher oft so wichtig wie der Check-up selber. In einem
Gespräch mit dem Patienten werden zudem mögliche
weitere Abklärungsschritte geplant. Denn verschie­
dene technische Untersuchungsmethoden können
dazu beitragen, Erkrankungen zu erkennen, die selbst
dem Arzt bis anhin verborgen blieben.
Herz und Kreislauf Jeder Lebensabschnitt bringt
Veränderungen, gesundheitliche Gefahren und alters­
bedingte Erkrankungen mit sich. Daher hängt es auch
vom Alter des Patienten ab, welche Vorsorge-Unter­
suchungen angezeigt sind. Als Primär-Prävention
sollte beim Gesunden ein erster Check-up beim Haus­
arzt (gilt für Frauen und Männer) ab circa 35 Jahren
erfolgen. Wenn alles in Ordnung ist, wird die Häufig­
keit von weiteren Kontrollen zusammen mit dem
Hausarzt anhand der Resultate festgelegt. Im Erwach­
senenalter dienen Vorsorge-Untersuchungen vor al­
lem der Erkennung von Risikoverhalten, Krebs, Dia­
betes sowie Herz- und Kreislauferkrankungen.
Letztere nehmen in der Vorsorge einen wichtigen,
wenn nicht sogar den wichtigsten Stellenwert ein, da
sie oft mit einer hohen Sterblichkeitsrate einhergehen.
Insbesondere die koronare Herzkrankheit (Arterio­
sklerose der Herzkranzarterien, die zum Herzinfarkt
führen kann) und andere Herzkrankheiten können oft
erst durch diese Untersuchungen erkannt werden. Zur
umfassenden Herz-Kreislauf-Abklärung gehören
auch die Beurteilung des Blutdrucks, des Cholesterinund Zuckerwertes. Mittels des sogenannten AGLA
Risiko-Tests lässt sich das individuelle Risikoprofil
eines Patienten errechnen. Eine Blutuntersuchung
(Blutbild, Nierenfunktion, Glukose, Urin, Lipide, Cho­
lesterin), die Blutdruckmessung (auch zu Hause), das
Gewicht (Body-Mass-Index), ein Ruhe- und gegebe­
nenfalls ein Belastungs-Echokardiogramm (EKG) so­
wie ein Ultraschall sind bei Hinweisen und Sympto­
men auf eine Herzerkrankung sinnvoll. Männer
sollten sich einem Herz-/Kreislauf-Check-up ab dem
35., Frauen ab dem 45. Lebensjahr unterziehen, bei
Beschwerden natürlich früher. Eine erste Kontrolle
des Blutdruckes ist bereits ab dem 20. Altersjahr emp­
fohlen.
Vorsorge bei der Frau Regelmässige GesundheitsChecks beim Gynäkologen sind für Frauen jeden Al­
Übersicht verschiedener Vorsorgeuntersuchungen
Was?
Wer?
Wie oft?
Warum?
Sinnvoll?
Erste Kontrolle beim Hausarzt
Männer und Frauen ab 20
Individuell
Erkennen von Bluthochdruck, um HerzKreislauferkrankungen vorzubeugen
Ja
Check-up beim Hausarzt
Männer und Frauen ab
ca. 35
Individuell, in der Regel alle
2 Jahre
Messung der Blutfettwerte, Zuckerwerte,
individuelle Laboruntersuchungen und
Beratung betreffend Gewicht und Risikoverhalten
Ja
Herz-Kreislauf-Check-up
Männer ab 35, Frauen ab 45
Alle zwei Jahre
Zusätzlich EKG, AGLA-Test usw.
Ja
«Krebsabstrich»
(Pap-Abstrich)
Frauen ab 18 oder ab dem
ersten Geschlechtsverkehr
Individuell
Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs
Ja
Mammografie
Frauen ab 50, Risikopatientinnen früher
Alle zwei Jahre
Früherkennung von Brustkrebs
Ja
Darmspiegelung
(Koloskopie)
Frauen und Männer ab 50
Alle zehn Jahre, RisikoPatienten früher
Erkennung von Darmkrebs
Ja
PSA-Kontrolle
(Prostata-Untersuchung)
Männer ab 50
Individuell
Erkennung von Prostatakrebs
Umstritten, da oft viele zusätzliche
Untersuchungen folgen und Nebenwirkungen auftreten können. Nur
für Risikopatienten empfohlen.
Kontrolle beim Augenarzt
(Messung des Augeninnendrucks)
Männer und Frauen ab 40
Individuell
Behandlung eines zu hohen Augeninnendrucks (Glaukom)
Ja
Radiologische Untersuchungen
(Computertomografie usw.)
Männer und Frauen
Individuell
Früherkennung von Krebserkrankungen bei
Gesunden
Nein
ters ein Thema. Gerade Gebärmutterhalskrebs kann
schon ab dem 20. Lebensjahr auftreten. Daher ist es
sinnvoll, dass sich bereits junge Frauen alle ein bis
zwei Jahre einer Genitaluntersuchung unterziehen.
Zur Kontrolle auf Krebszellen und Vorstufen nimmt
der Arzt einen Abstrich von der Schleimhaut von
Muttermund und Gebärmutterhals (Pap-Test), der im
Labor untersucht wird. Die inneren Organe werden
auf der Bauchdecke abgetastet und der Gebärmutter­
hals von innen über die Scheide kontrolliert (Spiege­
lung). Da der Pap-Abstrich es ermöglicht, Zellverän­
derungen am Gebärmutterhals frühzeitig zu erkennen
und darauf zu reagieren, gilt er als effizienter Scree­
ning-Test.
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei
Frauen in der Schweiz. Bei der Untersuchung tastet
der Arzt das Areal zwischen Schlüsselbein, Brustbein
und Achselhöhle inklusive der Brüste ab und sucht
nach Verhärtungen, Knoten und vergrösserten
Lymphknoten. Eine Mammografie und gegebenenfalls
ein Ultraschall der Brüste liefern dabei zusätzliche
Hinweise. Bei familiärer Häufung empfiehlt es sich,
bereits im jungen Alter den Beginn wie auch die Häu­
figkeit des Screenings mit dem Frauenarzt festzule­
gen. Für Frauen ohne Risikofaktoren ist ein Screening
mittels Mammografie alle zwei Jahre ab dem 50. Le­
bensjahr empfohlen.
Sendung
Radio SRF
zum Thema
anhören
Darmspiegelung Zur Beurteilung der Darmgesund­
heit beziehungsweise zur Früherkennung von Darm­
krebs wird der Enddarm abgetastet und auf okkultes
(verborgenes) Blut im Stuhl getestet. Dieser Test gilt
als effizient und senkt die Sterblichkeit, wenn bei
Nachweis von Blut im Stuhl eine Dickdarm-Spiege­
lung erfolgt. Der Test alleine kann aber Darmkrebs
nicht definitiv ausschliessen, dies kann nur die Darm­
spiegelung. Dabei wird der gesamte Dickdarm mithil­
fe eines etwa fingerdicken Schlauches untersucht, der
vom After her eingeführt wird. Bei verdächtigen
Verände­r ungen entnimmt der Arzt Gewebeproben,
grös­se­re Polypen entfernt er mit einer elektrischen
Schlinge. Empfohlen wird die Dickdarmspiegelung
(Koloskopie) Frauen und Männern ab 50 Jahren.
Umstrittene Screenings Es gibt aber auch gewisse
Untersuchungen, die umstritten sind. Dazu gehört un­
ter anderem die PSA-Bestimmung zur Beurteilung der
Prostata. Bei Männern ohne Risikofaktoren gibt es
keine eindeutige Empfehlung für die Untersuchung.
Denn Prostatakrebs kommt relativ häufig vor. Laut
diversen Studien trägt ihn jeder dritte oder vierte
Mann über 50 in sich, ab 80 Jahren dann sogar jeder
zweite. 85 Prozent von ihnen stirbt zwar mit, nicht
aber am Krebs selbst. Das Screening der Prostata führt
oft zu vielen, oft unnötigen Zusatzuntersuchungen
oder einer Operation, die Komplikationen wie Impo­
tenz oder Inkontinenz nach sich ziehen kann. Eine
generelle Empfehlung PSA-Screening kann deshalb
nicht abgegeben werden und soll individuell festge­
legt werden. Im Weiteren sollen radiologische Unter­
suchungen wie beispielsweise die Computertomo­
grafie bei fehlenden klinischen Symptomen und
normalen Laborwerten nicht als Screening-Methode
für die Früherkennung von Krebs eingesetzt werden.
Der Autor
Hans-Peter Kohler, Prof. Dr. med.
Facharzt FMH für Innere Medizin
Klinikleiter und Chefarzt
Kontakt:
Spitäler Tiefenau und Ziegler, Spital Netz Bern
Klinik für Innere Medizin
Morillonstrasse 75, 3001 Bern
Tel. 031 970 71 79
hanspeter.kohler@spitalnetzbern.ch
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