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5.2 L Wie färbt sich Wäsche mit Rotkohlextrakt? - Aulis

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5.2 L
Farbstoffe, Aromaten
Wie färbt sich Wäsche mit Rotkohlextrakt?
Thematik
Unterrichtsmethode
Grundlagen: Säure-Base-Gleichgewichte, Wechselwirkungen zwischen Farbstoff- und FaserMolekülen, Chromophor, auxochrome und antiauxochrome Gruppen, konjugierte
Doppelbindungen, Chinon-Struktur, Chelatkomplex, Cyanidin
Methodischer Vorschlag: 2-4-Alle-Methode
Durchführung: Kontext mit Aufgaben, M 1, M 2, M 3
Das Färben mit Rotkohlextrakt kann in eine Unterrichtsreihe über Farbstoffe in der Sekundar­
stufe II integriert werden. Der Einstieg wird über ein authentisches Problem motiviert. Die
Lehrkraft berichtet, dass beim Essen etwas Rotkohl auf das weiße Hemd gekommen ist. Das
Problem: Der Fleck ist nach dem Waschen immer noch im Hemd.
Nach diesem mündlichen Einstieg informiert die Lehrkraft mit Folie M 1 über die Unterrichts­
methode 2-4-Alle, bei der jede Schülerin und jeder Schüler eingebunden wird. Dazu erhalten
die Schüler Kopien des Kontextes mit Aufgaben und der Anleitung zu den Schülerexperimenten (M 2).
Für den Fall, dass bei der Erarbeitung Informationslücken, z. B. bei den Formeln, auftreten,
liegen abgestufte Hilfen in Form von Karteikarten (M 3) zur Einsicht aus.
Der Abschluss mit Plakaten kann auch arbeitsteilig erfolgen, so dass eine Hälfte der Lernenden die theoretischen Hintergründe zum Färbeverfahren, die andere Hälfte die theoretischen
­Hintergründe zur pH-Abhängigkeit präsentiert.
Literaturangaben
Färben mit Rotkohlsaft, Nr. 4.15, pH-Abhängigkeit von Blumen- und Fruchtfarbstoffen, Nr. 4.14 in Materialien-Handbuch Kursunterricht Chemie Bd. 6, Aulis Verlag, Köln, 1999
Versuchsprotokolle kooperativ erstellen, T. Witteck, I. Eilks, Naturwissenschaften im Unterricht Chemie 15
(82/83), 54-56 (2004)
Zur Erweiterung
Materialien-Handbuch Bd. 6: 4.16 (Anthocyan-Farbstoffe), Bd. 10/II: 2.1 (Rote Rose), 2.2 (Elektrolyse von
Rotkohlsaft), 2.5 (Blütenfarben-Vielfalt)
Konzepte
Struktur – Eigenschaft, Gleichgewichte, aromatische Systeme, Donator – Akzeptor
Kompetenzbereiche
Fachwissen: Sch’/Sch
– beschreiben, veranschaulichen oder erklären chemische Sachverhalte unter Verwendung der Fach­sprache.
Erkenntnisgewinnung: Sch’/Sch
– führen Experimente durch, notieren Beobachtungen und werten Ergebnisse fachlich aus,
– nutzen Modelle und Formeln zur Auswertung.
Kommunikation: Sch’/Sch
– diskutieren und argumentieren über chemische Sachverhalte.
Anforderungsbereiche: I, II, III
Farbstoffe, Aromaten
5.2 S
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Wie färbt sich Wäsche mit Rotkohlextrakt?
Kontext
Blaukraut oder Rotkraut?
Bei Blaukraut und Rotkohl handelt es sich um das gleiche Gemüse. In Norddeutschland wird es allerdings
mit Essig oder sauren Äpfeln gekocht. Durch die Zugabe einer Säure wird das Gemüse rot. Daher sprechen
die Norddeutschen von „Rotkohl“. In Süddeutschland wird das Gemüse ohne Zusatz von Säuren gekocht.
Es bleibt blau und wird „Blaukraut“ genannt.
Im Rotkohl ist die Farbsäure Cyanidin enthalten.
Bei unterschiedlichen pH-Werten ändert sich die Farbe des Cyanidin, so dass man die Farbsäure auch als
Indikator einsetzen kann. Wenn man den Farbstoff zu Säuren und Laugen unterschiedlicher Konzentration
hinzugibt, erhält man unterschiedliche Färbungen.
Rotkohl bzw. Rotkohlextrakt kann auch zum Färben von Wäsche eingesetzt werden – manchmal entsteht
unvorsichtigerweise beim Essen ein Fleck. Die Farbsäure Cynadin färbt die Wäsche.
Das Cyanidin-Molekül bei pH 7
Aufgaben
a) Führen Sie die Versuche nach M 2 durch, notieren Sie Ihre Versuchsbeobachtungen und beurteilen Sie
die Färbeergebnisse!
b) Wie „haftet“ der Essensfleck? Begründen und erläutern Sie das Färbeverfahren mit Vorbehandlung;
benutzen Sie dabei Strukturformeln!
c) Geben Sie in jeweils ein Reagenzglas mit verdünnter Salzsäure c(HCl) = 1mol/L und eines mit
verdünnter Natronlauge c(NaOH) = 1 mol/L eine Probe Rotkohlextrakt; verdünnen Sie dann beide
Proben etwas. Erläutern Sie anhand der Strukturformel des Cyanidins, warum der Rotkohlfarbstoff
pH-empfindlich ist! Erläutern Sie auch den Zusammenhang zwischen unterschiedlichen Farben und
Absorption.
d) Ist der Rotkohlfarbstoff als gesundheitlich unbedenklicher Naturfarbstoff zur Textilfärbung geeignet?
Begründen Sie Ihre Meinung!
e) Erstellen Sie ein Plakat, auf dem die Arbeitsergebnisse, insbesondere die theoretischen Hintergründe
zum Färbeverfahren und zur pH-Abhängigkeit, auch auf molekularer Ebene aufgeführt sind.
Hinweis: Falls Sie Diskussionsanregungen benötigen, sind abgestufte Hilfen in Form von Karteikarten
bei der Lehrkraft einsehbar.
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5.2 S
Farbstoffe, Aromaten
Wie färbt sich Wäsche mit Rotkohlextrakt?
Ablauf der 2-4-Alle-Methode (auch als OH-Folie einsetzbar)
Wie färbt sich Wäsche mit Rotkohlextrakt?
Phase 1
Informieren Sie sich über den Kontext der
Untersuchungen und bearbeiten Sie die
­Aufgaben a und b. Bei Bedarf helfen Ihnen
die Karteikarten M 3 weiter.
Phase 2
Vergleichen und besprechen Sie in einer
­Vierer-Gruppe die zuvor erstellten Vorschläge. Erarbeiten Sie ein ­gemeinsames Ergebnis.
­Bearbeiten Sie die Aufgaben c bis e – phasenweise auch arbeitsteilig.
Falls bei der Besprechung Schwierigkeiten
auftreten, können Sie bei der Lehrkraft zur
Hilfe die Karteikarten M 3 einsehen.
Phase 3
Stellen Sie Ihre Ergebnisse im Plenum vor.
M 1
Farbstoffe, Aromaten
5.2 S
Wie färbt sich Wäsche mit Rotkohlextrakt?
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M 2
Schülerexperimente
Geräte
Bechergläser (600 mL, 3 x 400 mL), Heizrührer, Glasstab, Teesieb, Pinzette, Messer, Föhn, Waage,
­Zeitungspapier (als Unterlage)
Chemikalien
Kaliumaluminiumsulfat (Alaun), 3 bis 4 Rotkohlblätter, zwei Gewebestücke (10 x 10 cm) aus Baumwolle
Sicherheitshinweise: Schutzbrille, Schutzhandschuhe (beim Färben)
Durchführung
Herstellen von Rotkohlextrakt
1) Ein 600 mL-Becherglas wird mit 200 mL Wasser befüllt; das Wasser wird mithilfe des Heizrührers
erhitzt. Auf einer Papierunterlage werden 3 bis 4 Rotkohlblätter mit einem Messer zerkleinert. Die
Schnipsel werden in das kochende Wasser gegeben und ca. 10 min aufgekocht.
2) Nach einer kurzen Abkühlphase wird der Inhalt durch ein Teesieb gegeben, so dass der Extrakt ab­
getrennt wird. Der Extrakt wird auf zwei Bechergläser (400 mL) verteilt.
Färben mit Rotkohlextrakt
1) Ein Gewebestück wird in die eine Hälfte des heißen Rotkohlextrakts gegeben und darin etwa 10 min
bewegt. Nach dem Herausnehmen wird die Probe unter fließendem Wasser ausgewaschen und auf
saugfähigem Papier zum Trocknen ausgelegt.
2) Das zweite Stück wird in eine Lösung aus 200 mL Wasser mit 2 bis 3 g Alaun gegeben und so bewegt,
dass das Gewebe gut benetzt wird. Die Probe wird herausgenommen, zuerst auf Zeitungspapier gelegt
und dann mit einem Föhn getrocknet.
3) Anschließend wird die Probe in das Becherglas mit der zweiten Hälfte des Rotkohlextrakts gegeben
und bei gelegentlichem Umrühren und schwacher Erwärmung 10 min darin belassen. Nach dem
­Herausnehmen wird sie wie die erste Probe gewaschen und getrocknet.
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5.2 S
Farbstoffe, Aromaten
Wie färbt sich Wäsche mit Rotkohlextrakt?
M 3
Abgestufte Lernhilfen
Karte 1: Aufeinandertreffende Ionen
Cellulosefaser
Beizenfärbung
Die Färbung wird Beizenfärbung genannt.
Karte 2: Haftung bei der Beizenfärbung
Bei der Beizenfärbung wird die Haftung der wasserlöslichen Farbstoffe auf der Cellulose verbessert.
Zwischen den Hydroxy-Gruppen der Cellulose-Moleküle und den Aluminium-Kationen bildet sich
eine Bindung aus. Mit dem Farbstoff bildet sich dann eine unlösliche Verbindung aus Farbstoff und
Metallkomponente. Das Metall-Kation ist dabei sowohl an die Faser als auch an das Farbstoff-Molekül
koordinativ gebunden:
Cellulosefaser
Farbstoffe, Aromaten
5.2 S
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Wie färbt sich Wäsche mit Rotkohlextrakt?
Karte 3: Cyanidin-Variationen
violett
rot
blaugrün
gelb
Karte 4:Zusammenhang von absorbierter Wellenlänge, zugehöriger Spektralfarbe und
­beobachtbarer Komplementärfarbe
Wellenlänge in nm
Spektralfarbe
Komplementärfarbe
400 – 435
435 – 480
480 – 490
490 – 500
500 – 560
560 – 580
580 – 595
595 – 605
605 – 770
violett
blau
grünblau
blaugrün
grün
gelbgrün
gelb
orange
rot
gelbgrün
gelb
orange
rot
purpur
violett
blau
grünblau
blaugrün
M 3
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Farbstoffe, Aromaten
5.2 L
Wie färbt sich Wäsche mit Rotkohlextrakt?
Erwartungshorizont
Kontext
zu a) Die Baumwolle wird in beiden Verfahren rötlich-violett. Die Vorbehandlung bewirkt einen
deutlich intensiveren Farbton, der nicht so stark ausgewaschen wird.
zu b)
Beim Essensfleck treffen Substanzen mit polaren Hydroxy-Gruppen und Atomen mit
freien Elektronenpaaren aufeinander. So entstehen Dipol-Dipol-Wechselwirkungen und
Wasserstoffbrücken-­Bindungen zwischen Farbstoff und Textil.
Die Färbung mit Vorbehandlung durch das Metallsalz, die sog. Beizenfärbung, wird
eingesetzt, um die Haftung wasserlöslicher Farbstoffe auf Cellulose zu verbessern.
Zwischen den Hydroxy-Gruppen der Cellulose-Moleküle und den Aluminium-Kationen
bildet sich eine Bindung aus. Mit dem Farbstoff bildet sich dann eine unlösliche Verbindung aus Farbstoff und Metallkomponente. Das Metall-Kation ist dabei sowohl an
die Faser als auch an das Farbstoff-Molekül koordinativ gebunden:
Cellulosefaser
zu c)Stark saure Lösung: rot, schwach saure Lösung: rot-pink, neutrale Lösung: violett
(purpur), alkalische Lösung: blau bis grün, stark alkalische: gelb.
In neutraler Lösung liegt das Cyanidin in der ungeladenen (violetten) Form A vor. In
stark saurer Lösung können Protonen an die Chinon-Gruppe addiert werden und es
bildet sich das (rote) Oxonium-Kation, Form B. Durch die Protonierung wird die einzige
Akzeptor-Gruppe in eine weitere Donator-Gruppe umgewandelt und der Ausgleich zwischen auxochromen und antiauxochromen Gruppen ist gestört. Es wird Licht höherer
Energie zur Elektronenanregung benötigt. Die Lichtabsorption verschiebt sich in den
Bereich kürzerer Wellenlängen.
In alkalischer Lösung wird ein Proton von einer Hydroxy-Gruppe abgespalten. Dadurch
wird der Ausgleich zwischen auxochromen und antiauxochromen Gruppen verbessert.
Folglich wird weniger Anregungsenergie benötigt. Es erfolgt eine bathochrome Verschiebung. Das Anion C ist blau gefärbt. Bei einem pH-Wert größer 8 bricht ein Ring
auf, die Lichtabsorption verschiebt sich weiter in den Bereich der kürzeren Wellenlänge
und das Teilchen D ist gelb gefärbt.
A
B
Farbstoffe, Aromaten
5.2 L
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Wie färbt sich Wäsche mit Rotkohlextrakt?
Erwartungshorizont
(Fortsetzung)
zu c)
C
zu d)
D
Der Rotkohlfarbstoff ist zwar gesundheitlich unbedenklich und kann deshalb auch als
Lebensmittelfarbstoff verwendet werden. Da jedoch seine Farbe in einem geringen
pH-Bereich zwischen rot und blau wechselt, ist er als Textilfarbstoff nicht geeignet.
­Außerdem ist er – wie die meisten Naturfarbstoffe – nicht lichtecht. So kann er z. B.
durch Oxidationsmittel in Waschmitteln ausgebleicht werden. Für die meisten Ansprüche genügt auch die geringe Brillanz der Färbung nicht.
Der Essensfleck nimmt beim Auswaschen durch polare Wasser-Moleküle in der Färbung ab, aber in der Regel sind mehrere Vorgänge erforderlich.
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