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DIR-ML: Wie die Zwangsarbeiter lebten (FR) - CL-Netz

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Datum
: http://www.cl-netz.de/read.php?id=14187
:
: dirinfo@web.de <dirinfo ät web.de>
: 1. Apr 2003 14:45
DIR-ML: Wie die Zwangsarbeiter lebten (FR)
TI: Wie die Zwangsarbeiter lebten
QU: Frankfurter Rundschau
DA: 01.04.2003
SW: Mp; Abe; Ns; For; Hes; Mo; Wi; Vk
AB: Dokumentation über die Ereignisse im Main-Kinzig-Kreis
Dokumentation über die Ereignisse im Main-Kinzig-Kreis
Die über zweijährigen Forschungen über das Schicksal von
Zwangsarbeitern während des Nationalsozialismus im Main-Kinzig-Kreis
sind abgeschlossen. Das Ergebnis lässt sich in einer fünfzigseitigen
Dokumentation nachlesen, die am Samstag das Zentrum für
Regionageschichte vorgelegt hat.
MAIN-KINZIG-KREIS. Die Hinrichtung eines Polen, der 1942 im Wald
zwischen Wachenbuchen und Niederdorfelden erhängt wurde, gehört zu den
eindringlichsten Schilderungen in der umfassenden Dokumentation, die
ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte auf lokaler Ebene erforscht
und mit vielen Erfahrungsberichten auch eine Quelle für anschaulichen
Geschichtsunterricht bietet. Vier Autoren haben sämtliche bekannten
Daten über die Zahl der Zwangsarbeiter und die Firmen aufgelistet.
Wesentliche Quellen waren Akten der Staats-, Stadt- und
Gemeindearchive. Edgar Thielemann, der die Situation in Hanau
untersuchte, berichtete bei der Vorstellung der Publikation von den
Schwierigkeiten, die die Recherche mit sich brachte. Oft seien Namen
aus Datenschutzgründen nicht herausgegeben worden, betroffene Firmen
behaupteten häufig, die Unterlagen seien verbrannt, obwohl dies
nachweislich nicht der Fall sei. Erfahrungen, die auch Peter Heckert
bestätigte, der über Zwangsarbeit in Maintal recherchierte. "Viele
wollen nichts zugeben, aus Angst, heute noch zu Zahlungen verpflichtet
zu werden." Wie Landrat Karl Eyerkaufer betonte, lasse sich auch nach
Abschluss der Forschungen die Gesamtzahl der Menschen nicht lückenlos
ermitteln, die im Kreis verschleppt und zur Arbeit gezwungen wurden.
Jedoch ergibt sich anhand der ermittelten Daten erstmals ein
umfassendes und nachvollziehbares Bild.
So geht beispielsweise aus den Unterlagen der Deutschen Arbeitsfront
(DAF), die für die Betreuung der Firmenlager zuständig war, hervor,
dass im Mai 1943 rund 8800 Männer und Frauen unter diesen Bedingungen
arbeiten mussten, darunter knapp 4000 Kriegsgefangene, 3100 Franzosen
und 845 Sowjetrussen. Die Autoren gehen davon aus, dass die meisten
Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft und in privaten Haushalten
beschäftigt waren. Dennoch sei belegt, dass 46 Firmen und Betriebe in
den Altkreisen Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern Zwangsarbeiter
einsetzten. Nachgewiesen sei der Einsatz von 528 Kriegsgefangenen in
diesen Unternehmen. Auch von den Zivilarbeitern mussten knapp 3000 in
Unternehmen arbeiten. Genaue Zahlen gibt es für den Altkreis
Gelnhausen, wo zwischen 1940 und 1945 rund 2500 Zwangsarbeiter aus 18
Nationen beschäftigt waren, wie sich aus den Anmeldungen bei der
Allgemeinen Ortskrankenkasse Gelnhausen ermitteln ließ. Viele von
ihnen waren in Lagern untergebracht, von denen es nach Angaben des
Hauptstaatsarchivs Wiesbaden in ganz Hessen mindestens 532 gab. Im
Gebiet des heutigen Main-Kinzig-Kreises existierten laut dieser
Quelle im Jahr 1943 insgesamt 46 Firmenlager, 38 im Altkreis Hanau,
fünf im Altkreis Gelnhausen, und drei im Altkreis Schlüchtern. Doch
schon im folgenden Jahr stiegen die Zahlen deutlich an, allein im
Landkreis Gelnhausen auf 19. Hinzu kommen die Kriegsgefangenenlager
wie in Bad Orb an der Wegscheide, wo teilweise bis zu 25 000
Gefangene unter menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht waren.
Die Lebensbedingungen der Fremdarbeiter, schreibt Martina Raskop in
der Untersuchung, waren sehr unterschiedlich und hingen im
wesentlichen von der Menschlichkeit der Vorgesetzten ab: Arbeitgeber,
Meister, Betriebsführer oder auch Lagerleiter und Wachpersonal. Deren
Ermessensspielraum war groß, so gab es vereinzelt freundschaftliche
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Kontakte, meistens die "kalte" Ausbeutung und häufig auch
Misshandlungen und Demütigungen.
Die Erfahrungsberichte von Zwangsarbeitern in Nidderau, die Monica
Kingreen zusammengestellt hat zeugen von Entbehrungen, insbesondere
durch Hunger, dokumentieren aber auch teilweise gute Behandlung in
manchen Familien. Die Dokumentation führt jedoch auch den
aktenkundigen Fall eines versuchten Mordes an einer polnischen
Fremdarbeiterin im Kreiskrankenhaus Gelnhausen auf oder die
Hinrichtung eines Polen bei Wachenbuchen, der angeblich einer
Bauersfrau zu nahe getreten war. Neben solchen erschütternden Fakten
und Berichten wird außerdem der historische Zusammenhang beleuchtet.
So sind ausführlich die Vorgeschichte und die Hintergründe der
NS-Zwangsarbeit dargestellt. res
Die Dokumentation ist beim Zentrum für Regionalgeschichte,
Barbarossastraße 16-18, in Gelnhausen, Telefon 0 60 51 / 85 44
85erhältlich und kostet 5,50 Euro.
Diese Informationen erhalten Sie ausschließlich zur nicht-kommerziellen Nutzung für dieanti-rassistische Arbeit unter
Vorbehalt jeglic
her Rechte.
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Postfach 1247, D-35002 Marburg, Tel. (+49) 6421 37722, Fax. (+49) 6421 37794
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Direktzugriff Nachrichtendatenbank: http://www.dir-info.de/nachrichten
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