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Verbandssitzung Europäischer D-A-CH Verband für Stress-Medizin.
München 02.02.2013
Stresstherapie durch Phyto-Arzneimittel, Komplexmittel-Homöopathika
und Vitamine.
Dr. med. Jan-Christoph Wollmann.
Stress-Symptome mit oder ohne Krankheitswert sowie StressfolgeErkrankun-gen (wie Angst- und Schlafstörungen) infolge chronischer Stressbelastung, werden zunehmend häufig diagnostiziert
und sind funktionell eng miteinander verknüpft. Alternativmedizinische Arzneimittel (Phytopharmaka, homöopathische Komplexmittel
und Vitamine) können wirksame Alternativen zu den häufig verordneten, tendenziell nebenwirkungsreichen chemisch-synthetischen
Arzneimitteln wie Benzodiazepine darstellen.
Stresstherapie durch Phyto-Arzneimittel, Komplexmittel-Homöopathika
und Vitamine
Die natürliche Stressantwort dient dazu, den Organismus im Sinne einer Aktivierung
auf erhöhte Anforderungen vorzubereiten. Durch neurotransmitter-vermittelte Sympathikus-Aktivierung werden unter anderem die Aufmerksamkeit erhöht, Herzfrequenz
und Blutdruck gesteigert, die Muskulatur besser durchblutet, die Atmung beschleunigt und die Energiebereitstellung in Form der Glukoneogenese aktiviert. Gleichzeitig
werden weniger benötigte Organ-Aktivitäten, unter anderem die Verdauung, gehemmt. Erholungsphasen dienen nach der Aktivierung dem Wiederauffüllen der
Speicher und weiteren Regenerationsvorgängen.
Anhaltender Stress aber führt mittel- und langfristig zu negativen Folgeerscheinungen. Unterschiedliche körperliche Symptome werden mit chronischem Stress in Verbindung gebracht, zum Beispiel Verdauungsstörungen, Schmerzen, Neuralgien sowie eine erhöhte Infektanfälligkeit. Vor allem aber ist Stress auch Auslöser einer Vielzahl von Symptome auf psychischer Ebene, angefangen bei einfacher Nervosität
oder Unruhe bis hin zu Angststörungen und Depressionen bzw. dem Burn-out. Auch
wird Stress nicht nur als wichtigste Ursache für die seit längerem feststellbaren Zunahme „psychischer Erkrankungen“ als Begründung einer Arbeitsunfähigkeit genannt, sondern gilt zudem auch als eine der häufigsten Ursachen von chronischen
Insomnien.
Laut DAK erhalten nahezu 32 Prozent der Männer und 27 Prozent der Frauen über
60 Jahre mit Schlafstörungen Hypnotika. Neben dem erheblichen Gewöhnungs- und
Abhängigkeitspotenzial birgt der Einsatz von Hypnotika durch Hang-Over- und Kumulationseffekte auch besonders negative Aspekte, wie eine erhöhte Sturz- und
Knochenbruchgefahr. Metaanalysen konnten inzwischen zeigen, dass nach einer
Behandlung mit Antidepressiva nur 37% der Patienten eine signifikante Verbesserung der Angstsymptomatik aufweisen, weit weniger, als gemeinhin angenommen.
Insofern sind Therapiealternativen überaus relevant.
Die Stärke von Phytopharmaka
Einige Phytopharmaka besitzen beruhigende, schlafanstoßende und anxiolytische
Effekte durch GABA-erge Eigenschaften im ZNS. Zwar wirken sie weniger stark als
chemisch-synthetische Hypnotika und SSRI, haben aber eine Reihe von anderen
Vorteilen: keine Einschränkung von Leistungsfähigkeit und Fahrtüchtigkeit, keine
stoffliche Gewöhnung oder Abhängigkeit, große therapeutische Breite und günstiges
Nebenwirkungsprofil. Die Wirksamkeit vieler Pflanzenstoffe ist mittels Studien belegt,
darunter
Baldrian (Valeriana), Melisse (Melissae folium) und Passionsblume
(Passiflorae herba) sowie Kombinationen dieser Extrakte.
Baldrian enthält sowohl den inhibitorischen Neurotransmitter GammaAminobuttersäure (GABA) als auch Inhaltsstoffe, die die Freisetzung von
GABA in den synaptischen Spalt erhöhen und die Wiederaufnahme hemmen.
Dadurch wird die Reizleitung in überaktiven Nervenzellen gehemmt, was Nervosität und Einschlafprobleme lindert. Eine den Benzodiazepinen vergleichbare anxiolytische Wirkung wurde in einer randomisierten, placebo-kontrollierte
Studie (RCT) belegt.
Passionsblume entfaltet die anxiolytische Wirkungen ebenfalls über das
GABA-System, wobei Benzoflavone die Wirkungen vermitteln dürften. Das
anxiolytische Potenzial wurde unter anderem mit Oxazepam verglichen, ohne
dass signifikante Unterschiede aufgezeigt wurden. Jedoch kam es bei mit
Oxazepam behandelten Patienten zu signifikanten Beeinträchtigungen der
Arbeitsleistung.
Melisse hemmt die GABA-Transminase und verzögert den GABA-Abbau entsprechend. In Kombination mit z.B. Baldrian, der die Freisetzung von GABA
erhöht, ist der Einsatz besonders sinnvoll.
Durch die längere Anflutungszeit pflanzlicher Sedativa kann bei akuten Störungen
die Zeit bis zum Wirkungseintritt mit einem schneller wirkenden Kombinationshomöopathikum überbrückt werden. Das bei Unruhe, Schlafstörungen und Verstimmungszuständen zugelassene Arzneimittel Calmvalera Hevert kann bei nicht-schwerwigenden Störungen auch längerfristig alleine eingesetzt werden. Das Präparat enthält 9 niedrig potenzierte homöopathische Bestandteile, die einzeln unter anderem
folgenden Indikationen zugeordnet werden können:
Cimicifuga: Nervosität, depressive Verstimmungen, krampflösend
Cocculus: Erschöpfungszustände, nervöse Magen-Darm-Beschwerden
Cypripedium pubescens: Schlaflosigkeit, Nervosität
Ignatia: stimmungsaufhellend, Übererregbarkeit, Reizbarkeit
Lilium tigrinum: Reizbarkeit, Wut, Angst
Passiflora: Schlaflosigkeit, Erschöpfung, Nervosität, Überanstrengung
Platinum metallicum: depressive Verstimmungszustände
Valeriana: Nervosität, Unruhe, Überempfindlichkeit, Magen-DarmBeschwerden
Zincum valerianicum: Unruhe, Ruhelosigkeit, Schlafstörungen
Ein Mangel an bestimmten B-Vitaminen kann Symptome auslösen, die denen bei
chronischem Stress sehr ähneln bzw. gleichen. Insbesondere wenn sich Patienten –
wie bei chronischer Stressbelastung auch - schlapp fühlen und ständig müde sind,
Beeinträchtigung von Konzentration und Gedächtnisleistung aufweisen oder wenn es
zu Veränderungen der Stimmungslage gekommen ist, kann auch ein Mangel der Vitamine B1, B6, B9 (Folsäure) und/oder B12 (mit-)ursächlich sein. Daher empfiehlt
sich bei Stress- und Stressfolgeerkrankungen immer auch eine gezielter Ausschluss
der relevanten B-Vitamine und ggf. entsprechende hochdosierte Substitution.
Dr. med. Jan-Christoph Wollmann; jc.wollmann(at)t-online.de
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