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1 Seelische Gesundheit Was ist seelisch gesund und wie - ZRM

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Universität Trier, Fachbereich I: Psychologie, Betreuer: Herr Dr. Roth, Zweitbetreuerin: Frau Dr. Baumann
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Seelische Gesundheit
Was ist seelisch gesund und wie kann seelische Gesundheit (präventiv) gestärkt werden?
1. Warum Gesundheit als Thema?
1.1 Beobachtung in der Praxis
Es gibt immer wieder Personen, welche auch nach abgeschlossener Beratung und/oder
Therapie wiederholt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Eine Antwort auf die
Frage nach den Gründen für diese Beobachtung könnte lauten, dass diese Personen es auch
nach der Unterstützung nicht alleine schaffen ihre seelische Gesundheit aufrechtzuerhalten.
Die Hilfe zur Selbsthilfe scheint in diesen Fällen nicht erreicht.
1.2 Ein in der Öffentlichkeit diskutiertes Thema
Das Thema seelische Gesundheit wies zu allen Zeiten große Bedeutung für die Gesellschaft
auf und ist auch heute überall präsent. Sowohl aktuelle Bücher-Bestsellerlisten als auch
Zeitschriften sind mit Themen wie Glück und Wohlbefinden, und somit allgemeiner
gesprochen seelischer Gesundheit, überfüllt. Eine solch große Nachfrage lässt sich sicherlich
nicht lediglich durch einen aktuellen Trend erklären, sondern verdeutlicht das große
Bedürfnis, welches aus den heutigen Lebensumständen zu resultieren scheint. Große
Unsicherheiten hinsichtlich des Arbeitsmarktes, Rollenkonflikte, diskrepante Anforderungen,
Mehrbelastung im Beruf und in der Familie oder umfassender gesprochen die immer größere
Anzahl an alternativen Lebenswegen für die keine Modelle vorliegen, führen zu einem immer
weiter wachsenden alltäglichen Stress, zu Belastung und negativen Emotionen. Diese zur
Normalität gewordene Anstrengung verlangt nach einem Ausgleich. Es scheint einleuchtend,
dass das Streben nach seelischer Gesundheit unter diesen Rahmenbedingungen für jeden
Einzelnen eine Notwendigkeit darstellt. In einem Zeitalter, in welchem die
Weltgesundheitsorganisation Stress sogar zur größten Gesundheitsgefahr erklärt hat, ist es
wichtiger denn je, die Fähigkeit einer Personen auch mit widrigen Lebensumständen umgehen
und diese Bewältigen zu können, zu fördern und zu stärken, so dass sie einen Ausgleich
schaffen kann, der sie gesund hält.
1.3 In der wissenschaftlichen Forschung/Literatur behandeltes Thema
Auch an der Psychologie ist die Nachfrage und Notwendigkeit nach Gesundheitsbewusstsein
und Wohlbefinden nicht vorbeigegangen (Strack, Argyle & Schwarz, 1991).
Gesundheitspsychologie, positive Psychologie, Prävention, Euthyme Ansätze und
Salutogenese sind nur einige der hier zu nennenden Bereiche, die sich zunehmend etablieren.
Ganz allgemein wächst das Interesse von Forschern und Praktikern sich mit der Frage was
den Menschen gesund hält, zu befassen.
Trotz dieser viel versprechenden Ansätze erfolgt die Umsetzung der Erkenntnisse in der
angewandten Psychologie eher zögerlich. Sowohl im klinischen Therapie- und
Trainingsbereich als auch im Beratungskontext herrscht weitgehend eine „Reparatur-Kultur“
vor, bei der die Reduktion von Krankheit und die Beschäftigung mit negativen Emotionen im
Vordergrund stehen. Gezielt salutogen orientierte oder euthyme Behandlungsprogramme sind
nur selten zu finden und vorwiegend auf die Förderung von Genussfähigkeit begrenzt (Roth,
Klusemann & Kudielka, 1997). Auch die Vielfalt an aktuell vorliegen Trainingsangeboten
zum Thema seelische Gesundheit, mit dem Teilaspekt Wohlbefinden, bietet kaum
Möglichkeiten wie eigenständig und systematisch seelische Gesundheit herbeigeführt oder
aufrechterhalten werden kann.
Universität Trier, Fachbereich I: Psychologie, Betreuer: Herr Dr. Roth, Zweitbetreuerin: Frau Dr. Baumann
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2. Definition von Gesundheit aus dem Blickwinkel der PSI- Theorie
Gesund aus dem Blickwinkel der PSI-Theorie (Kuhl, 2001) bedeutet nicht einseitig auf ein
System oder eine bestimmte Systemkonfiguration fixiert zu sein, sondern zwischen den
Systemen situationsangemessen wechseln zu können. Nach Kuhl (2001) ist ein ungehinderter
Zugang zu den verschiedenen Systemen absolute Voraussetzung für seelische Gesundheit und
somit auch Wohlbefinden und Zufriedenheit. Dieser Wechsel zwischen den Systemen ist mit
Affektwechsel assoziiert, sprich durch Affektregulation wird der Wechsel erleichtert bzw. erst
ermöglicht. Dieser Wechsel kann sowohl anreizgesteuert als auch selbstgesteuert erfolgen.
Anreizgesteuerter Affektwechsel hat jedoch den Nachteil, dass die Person bezüglich ihrer
Affekte von ihrer Umwelt bzw. ihrer Umgebung (den Anreizen) abhängig ist und somit in
Zeiten eines nicht optimalen Umfelds leicht den Zugang zu einzelnen Systemen, z.B. dem
Selbst, verlieren kann.
Das Ausmaß, in dem es Menschen gelingt ihre affektiven Zustände zu regulieren und somit
zwischen ihnen wechseln zu können, kann mit dem Konstrukt der Handlungs- vs.
Lageorientierung erfasst werden (Kuhl & Beckmann, 1994). Der Begriff „Lageorientierung“
deutet in diesem Kontext die Neigung einer Person an, in einer bestimmten Affektlage zu
verharren, wohingegen „Handlungsorientierung“, wie bereits das Wort verdeutlicht, auf die
Fähigkeit hinweist, trotz ungünstiger Faktoren handlungsfähig zu bleiben und somit auch
eigene Ziele weiterzuverfolgen. Lageorientierte Personen verlieren in stressigen oder
belastenden Zeiten leichter ihren Selbstzugang, was sich beispielsweise darin zeigt, dass sie
sich an unrealistische und/oder nicht bedürfniskongruente Ziele binden, wohingegen
handlungsorientierte Personen, also Personen die Affekte selbstständig regulieren können,
auch unter Stress selbstkongruent bleiben (Brunstein, 2001). Das bedeutet also, dass der
ungehinderte Wechsel zwischen den Systemen, oder anders ausgedrückt seelische
Gesundheit, gefördert werden kann durch die Förderung der Affektregulationskompetenz.
Zusammenfassend lässt sich demnach festhalten, dass es im Zusammenhang mit den
wachsenden alltäglichen Anforderungen und Belastungen und den daraus resultierenden
negativen Affekten immer wichtiger wird, Mittel und Wege zu kennen, mit diesen umgehen
und somit für sich einen Ausgleich schaffen zu können, sprich trotz allem handlungsorientiert
zu bleiben.
Eine solche Interventionsmethode zur Steigerung seelischer Gesundheit im Sinne von
Förderung der Handlungsorientierung bietet das von Dr. Maja Storch und Dr. Frank Krause
an der Universität Zürich entwickelte Training, welches auf dem ZRM (Züricher
Ressourcenmodell) basiert (Storch & Krause, 2002).Durch systematische Begleitung werden
Personen unterstützt eigenständig ihre Probleme anzugehen, ihre Bedürfnisse richtig zu
erkennen, sinnvolle Ziele daraus herzuleiten und diese auch umzusetzen.
3. Wie kann das ZRM- Training seelische Gesundheit stärken?
Salutogenetische Gesundheitsförderung bedeutet im Zusammenhang mit der PSI-Theorie
(Kuhl, 2001) also Training der zentralen Kompetenz der Affektregulation.
Die in Arbeit befindliche Studie möchte zeigen, dass das ZRM-Training genau diese
Kompetenz stärkt sowie dass diese Förderung so wichtige Sekundärphänomene wie
gesteigerte Kohärenz bzw. Lebenssinn, bessere Selbststeuerung, erhöhte Selbstwirksamkeit
sowie höheres Wohlbefinden nach sich zieht.
Darüber hinaus soll eine verbesserte Selbst- bzw. Motivkongruenz empirisch belegt werden,
welche sich aus der Annahme ergibt, dass die Teilnehmer durch den somatischen Marker ein
„diagnostisches Mittel“ an die Hand bekommen um auch unter Stress ihren Selbstzugang
beizubehalten, was besonders für eher lageorientierte Personen von immenser Wichtigkeit ist.
Universität Trier, Fachbereich I: Psychologie, Betreuer: Herr Dr. Roth, Zweitbetreuerin: Frau Dr. Baumann
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Um diese Hypothesen zu überprüfen wird eine randomisierte Studie im
Kontrollgruppendesign durchgeführt, wobei zu drei Erhebungszeitpunkten die in den
Annahmen postulierten Veränderungen durch entsprechende abhängige Variablen erfasst und
anschließend verglichen werden.
Zur Verdeutlichung des Designs folgt die Abbildung des vorliegenden Versuchsplans:
4 Wochen vor
Intervention
Gruppe
EG
(ZRM)
KG
(Wartekontroll)
direkt vor
Intervention
1. Messung
2. Messung
1. Messung
2. Messung
Zeitpunkt
Intervention
ZRM
6 Wochen
nach
Intervention
16 Wochen
nach
Intervention
Booster
3. Messung
3. Messung
Erste Ergebnisse der Untersuchung werden voraussichtlich im August 2009 vorliegen.
Literatur:
Brunstein, J.C. (2001). Persönliche Ziele und Handlungs- vs. Lageorientierung: Wer bindet
sich an realistische und bedürfniskongruente Ziele? Zeitschrift für Differentielle und
Diagnostische Psychologie, 22, 1-12.
Kuhl, J. (2001). Motivation und Persönlichkeit: Interaktion psychischer Systeme . Göttingen:
Hogrefe.
Kuhl, J. & Beckmann, J. (1994). Volition and personality: Action versus state orientation.
Göttingen/Seattle: Hogrefe.
Roth, W.L., Klusemann, J. & Kudielka, B.M. (1997). „Lebenslust statt Alltagsfrust“:
Konzeption, Beschreibung und erste Evaluation eines Trainings zur Steigerung des
psychischen Wohlbefindens. Report Psychologie, 22, 858-872.
Storch, M. & Krause, F. (2002). Selbstmanagement – ressourcenorientiert. Grundlagen und
Trainingsmanual für die Arbeit mit dem Zürcher Ressourcen Modell ZRM. Bern: Huber.
Strack, F., Argyle, M. & Schwarz, N. (1991). Introduction. In F. Strack, M. Argyle & N.
Schwarz (Hrsg.), Subjective Well-Being (S.17). Oxford: Pergamon Press.
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