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Katastrophe: Wie Sie den Haitianern helfen können

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GESUNDHEIT
UND MEHR...
02/10 DAS PATIENTENMAGAZIN DES
UNIVERSITÄTSKLINIKUMS LEIPZIG
G
P
TIS
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Katastrophe:
Wie Sie
den Haitianern
helfen können
Seiten 12/13
Titelbild: dpa
I
HR
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NL
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CH
2
AKTUELL
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
INHALT
EDITORIAL
ehr geehrte Leserinnen,
sehr geehrte Leser!
S
Klinikum 2009
Neues aus dem Klinikum . . . 3
Ihnen allen wünsche ich zunächst für das
Jahr 2010 alles Gute – Gesundheit, Erfolg
und Zufriedenheit. Auch in diesem Jahr wird
„Gesundheit und mehr…“ wieder regelmäßig
und ausführlich aus der Universitätsmedizin
Leipzig berichten. Ich bin sicher, dass uns
die interessanten Themen nicht ausgehen
werden. Das Universitätsklinikum Leipzig
und die Medizinische Fakultät der Universität
Leipzig sehen eines ihrer Hauptziele darin,
Entwicklungen zu forcieren, neue Wege zu
beschreiten und Bestehendes immer wieder
zu verbessern. In wenigen Wochen wird das
LIFE-Projekt starten, das sich mit der Erforschung von umweltbedingten und genetischen Ursachen von Volkskrankheiten befasst. Dazu werden wir auch auf die Bevölkerung zugehen und sie bitten, uns als Teilnehmer an einer der umfangreichsten Studien
der vergangenen Jahre bei unserer Forschungsarbeit zu unterstützen. Im Frühjahr
wird auch das Integrierte Forschungs- und
Behandlungszentrum AdipositasErkrankungen starten. Die Wissenschaftler und Ärzte
in diesem Projekt wollen die vielfältigen Ursachen der Fettleibigkeit erforschen und ganzheitliche, individuelle Therapiekonzepte ent-
Report
Leben nach dem Krebs. . . 4/5
Klinikum 2010
Helfende Engel für die
kleinen Patienten . . . . . . . . . 6
Klinikum 2010
Drei Tage Training
für den Ernstfall . . . . . . . . . . 7
Klinikum 2010
Computerexperte Bubulas: Zu
Hause gibt’s kein Internet . . 8
Klinikum 2010
Neues Kardio-MRT im
Einsatz an der Uniklinik . . . 9
Klinikum 2010
Rheuma kann auch die Lunge
angreifen. . . . . . . . . . . . . . . 10
Universitäts-Leben
Kroch-Hochhaus ist
fertig saniert . . . . . . . . . . . . 11
Politik Spezial
Haiti – die Apokalypse in der
Karibik . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Politik Spezial
Haiti ist Chaos . . . . . . . . . . 13
Reise
China. . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
Kultur
Das An/Aus-Prinzip . . . . . . 15
Prävention
Rote Bete –
die unterschätzte Knolle . . 16
Fitness, Beauty & Wellness
Wann ist die Sauna
am Gesündesten?. . . . . . . . 17
Ihr Geld, ihr Recht
Steuererklärung 2009 . . . . 18
Soziales
Sachsens Kampf gegen das
Analphabetentum . . . . . . . 19
Sport
Die Wilde 13: Partner Pferd
wieder in Leipzig . . . . . 20/21
Rätselseite . . . . . . . . . . . . 22
VA-Hinweise |
TV-Tipps . . . . . . . . . . . . . . 23
Steckbrief |
Impressum
24
MELDUNGEN
Plasma für Zahnmedizin im Test
er Einsatz von Plasma in der Zahnmedizin könnte künftig eine Alternative zum unangenehmen und mitunter schmerzhaften Einsatz
von Bohrern werden. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Oberflächenmodifizierung in Leipzig und der Universitätsklinik des Saarlandes
in Homburg haben in Versuchen die Wirksamkeit eines sogenannten
„Plasma-Jets“ geprüft. Über die Ergebnisse berichten sie in der Februar-Ausgabe des Fachmagazins „Journal of Medical Microbiology“. In
dem Gerät wird Helium durch eine enge Düse geleitet und mit Mikrowellen angeregt, sodass es den nach fest, flüssig und gasförmig vierten
Aggregatzustand, das Plasma, erreicht. Mit dem feinen Strahl kann die
Oberfläche eines Zahnes gründlich und desinfizierend von schädlichen
Bakterien gereinigt werden, ohne die Oberfläche zu beschädigen. Dennoch werde die Zahnoberfläche durchlässig, etwa für Medikamente, erklärte der Leiter der Forschungsgruppe, der Zahnmediziner Stefan
Rupf aus dem saarländischen Homburg. Damit könnte die Behandlung
unter anderem von Karies erheblich verbessert werden. Bislang werde
die infizierte Zahnsubstanz mit dem Bohrer entfernt. Mit der neuen
Technik ließe sie sich wesentlich schonender und effektiver behandeln.
Bislang sei das Verfahren nicht an Patienten getestet worden, bis zur
Marktreife brauche es noch einige Jahre, sagte Rupf. Plasma kommt
derzeit etwa beim Schneiden von Stahl zum Einsatz, aber auch in anderen Bereichen der Medizin. Mittlerweile können auch „kalte“ Plasmastrahlen erzeugt werden. Das Gerät für die Zahnmedizin erreiche
Temperaturen von 30 bis 40 Grad Celsius. „Damit ist die Temperatur
körperkompatibel“, sagte Rupf. Das sei wichtig, weil jede Beschädigung
etwa von Nerven durch zu große Hitze unbedingt vermieden werden
müsse.
dpa
D
wickeln und in die Praxis überführen. Das
PET-Zentrum der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin wird als eines von drei Zentren
in Deutschland eine neue Gerätegeneration
der nuklearmedizinischen Diagnostik, einen
PET-MRT erhalten.
Schon diese wenigen Beispiele zeigen, dass
wir uns für 2010 viel vorgenommen haben.
Wir danken der Staatsregierung des Freistaates Sachsen, dass sie trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen weiterhin
die Universitätsmedizin Leipzig unterstützt
und damit dazu beiträgt, den Medizinstandort Leipzig weiter zu stärken. Das nutzt Ihnen, unseren Patienten, ebenso wie der Region an sich und den anderen Mitgliedern
des Gesundheitswesens.
Ihr
Prof. Dr. Wolfgang E. Fleig
Medizinischer Vorstand
SPENDE
10 000 Euro für
Verein der Kinderklinik
reudige Stimmung am 12. Januar 2010 im Atrium des
Zentrums für Frauen- und
Kindermedizin: In feierlicher Runde übergaben Mitarbeiter des Konsum Leipzig eine Spende in Höhe
von 10 000 Euro an Prof. Wieland
Kiess, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder- und
Jugendmedizin, und an Prof. Dietger Niederwieser, Leiter der Abteilung für Hämatologie und Internistische Onkologie des Universitätsklinikums Leipzig.
F
„Ein herzliches Dankeschön allen
großen und kleinen Spendern!“,
darin waren sich Musiktherapeutin Juliane Kirchner-Jung, Prof.
Kiess und Prof. Niederwieser in
ihren Vorträgen einig. Ohne dieses
Geld könnten viele wichtige Projekte nicht realisiert werden. Das
Geld fließt unter anderem in den
Förderverein der Uni-Kinderklinik
und ermöglicht die Musiktherapie
von Juliane Kirchner-Jung.
Seit nunmehr 15 Jahren unterstützt die Leipziger Konsum-Genossenschaft die beiden Professoren mit Spenden, die sich aus vielen Einzelspenden engagierter
Menschen
zusammensetzen.
Auch 2010 werden die Mitarbeiter vom Konsum Leipzig Spenden
für die Universitätsklinik sammeln.
ukl
Deutsche gehen häufiger zum Arzt
eutsche gehen immer häufiger zum Arzt. Dabei nimmt die Behandlungsdauer pro Patient weiter ab. Insgesamt 45 Patienten
D
werden pro Tag von einem Arzt behandelt. Es bleiben acht Minuten
für den einzelnen Patientenkontakt. Zu diesem Ergebnis kommt der
Barmer GEK Arztreport zur ambulanten Versorgung in Deutschland,
der in Berlin vorgestellt wurde. Bundesweit stiegen die Behandlungsfälle seit 2004 um rund fünf Prozent, was der Studie zufolge auf Direktabrechnungen von Laborgemeinschaften zurückgehen dürfte. Im
internationalen Vergleich ist die Behandlungsfrequenz deutscher Ärzte sogar doppelt so hoch. Thomas Grobe vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG) in Hannover bemängelte zugleich: „Für den einzelnen Patientenkontakt
bleibt offenbar immer weniger Zeit.“ Fraglich ist der Studie zufolge,
ob das hohe Niveau der Patientenkontakte eine Über- oder Fehlversorgung ist. Der Arztreport erscheint seit 2006 jährlich und wird vom
ISEG erstellt.
ddp
Große Freude bei Prof. Wieland Kiess und Prof. Dietger Niederwieser
über die Spende der Konsumgenossenschaft Leipzig: Prof. Wieland
Kiess; Manuela Glas, Marcel Bork, Petra Schumann (alle Konsum
Leipzig); Musiktherapeutin Juliana Kirchner-Jung, Prof. Dietger Niederwieser; Bärbel Sauer (Konsum).
Foto: S. Straube
KLINIKUM INTERN
3
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
NEUJAHRSEMPFANG
Universitätsmedizin schaut auf erfolgreiches 2009 zurück
uf dem gestrigen gemeinsamen
Neujahrsempfang zogen der
Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig und der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität
Leipzig für das Jahr 2009 eine positive Bilanz. Klinikum und Fakultät sehen sich ihrem Ziel, bis 2012 in die
Spitzengruppe der deutschen Universitätsmedizinstandorte aufzusteigen,
ein beträchtliches Stück näher.
A
Dies sei vor allem dem großen Engagement aller Mitarbeiter in Forschung, Lehre und Krankenversorgung zu verdanken. In der Krankenversorgung konnten die Leistungen
im DRG-Bereich gegenüber dem Vorjahr erneut um mehr als vier Prozent
auf rund 71 100 Bewertungsrelationen gesteigert werden. Der Schweregrad der behandelten Fälle (CMI) stieg
von 1,44 im Vorjahr auf 1,51. Positiv
entwickelten sich auch die Fallzahlen
im stationären und ambulanten Bereich, sodass der Vorstand des Universitätsklinikums davon ausgeht,
dass man das Ergebnis des Vorjahres
wieder erreichen, eventuell auch
leicht überschreiten wird. In diesem
Zusammenhang dankte Prof. Fleig
dem kaufmännischen Vorstand,
Herrn Dr. Wokittel, für die Arbeit der
vergangenen vier Jahre.
Die Medizinische Fakultät hat 2009
die Drittmitteleinwerbungen von 29
Mio. Euro auf rund 37 Mio. Euro steigern können und finanziert damit
mehr als 400 Arbeitsplätze in der
Forschung. Das gemeinsam mit dem
Universitätsklinikum eingeworbene
Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum AdipositasErkrankungen mit einem Fördervolumen von
rund 24 Mio. Euro über fünf Jahre ist
in diesem Betrag noch nicht enthalten, da die Mittel erst ab 2010 fließen.
In der Lehre haben die Leipziger Studenten bundesweit die beste Bestehensquote im schriftlichen Teil des 2.
Abschnitts der Ärztlichen Prüfung,
dem sogenannten Hammerexamen
erreicht. Insgesamt trage die konsequente Umsetzung der im Jahr 2008
formulierten Strategie sowie die gemeinsame Schwerpunktbildung in
der medizinischen Forschung und
der Krankenversorgung wesentlich
zu der erfolgreichen Entwicklung der
Universitätsmedizin Leipzig bei.
Der Vorstand des Klinikums, Prof. Dr.
Wolfgang E. Fleig und der Dekan der
Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Joachim Thiery, hatten zum vierten gemeinsam veranstalteten Neujahrsempfang des Universitätsklinikums
Leipzig und der Medizinischen Fakultät Leipzig eingeladen, um die Entwicklung der Universitätsmedizin
Leipzig darzustellen und danach mit
den Gästen ins Gespräch zu kommen.
Rund 280 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, Gesundheitswesen und Kultur aus ganz
Mitteldeutschland waren der Einladung in das Grassi-Museum gefolgt.
„Wir hatten uns für 2009 im Rahmen
unserer Strategie ‚Universitätsmedi-
zin Leipzig 2012’ viel vorgenommen“,
blickte Prof. Dr. Fleig auf das vergangene Jahr zurück. „Wir haben unsere
Kliniken und Institute in einer neuen,
modernen Departmentstruktur organisiert, das Zentrum für Innere Medizin, Neurologie und Nuklearmedizin
in Betrieb genommen, weitere Bauprojekte realisiert, neue Stationen wie
beispielsweise die Palliativstation eingerichtet und zahlreiche Projekte umgesetzt.“ Bei all diesen Aktivitäten gehe es darum, die Strukturen, Betriebsabläufe und die Unternehmens-
Sehr erfreulich sei auch, dass verschiedene Einrichtungen des Klinikums im
vergangenen Jahr zertifiziert wurden
oder die Qualitätszertifikate erfolgreich
verteidigen konnten. Dazu zählten das
Hauttumorzentrum, das Echokardiografie-Labor, das Kooperative Darmzentrum Leipzig, das Gefäßzentrum,
die Apotheke und die Zentralsterilisation. „Die Vorbereitung der Zertifizierung einer Einrichtung nach den Vorgaben der jeweiligen Fachgesellschaft
und nach internationalen Standards
bedeutet für alle Beteiligten einen er-
Die Universitätsmedizin Leipzig ist Lehrstätte für mehr als 3100
junge Medizinstudenten.
Foto: ukl
kultur so zu verändern, dass optimale
Bedingungen für Forschung, Lehre
und Krankenversorgung auch unter
veränderten Rahmenbedingungen
gesichert werden können.
Im Frühjahr hätten die Mitarbeiter
der Kliniken der Inneren Medizin, der
Neurologie und der Nuklearmedizin
mit einem großen Kraftakt die Umzüge aus insgesamt sieben Standorten in
den Ende 2008 eingeweihten Klinikneubau an der Liebigstraße bewältigt.
„Dieser Umzug ging reibungslos vonstatten. Unsere Patienten wurden davon nicht beeinträchtigt und die Mitarbeiter haben sich am neuen Standort
so schnell zurechtgefunden, dass wir
keine Leistungseinbußen zu verzeichnen hatten“, so Fleig. Nach den Umzügen habe man auch die intensivmedizinische Betreuung am Klinikum neu
organisiert und eine Interdisziplinäre
Operative Intensiveinheit und eine Interdisziplinäre Internistische Intensiveinheit gebildet. Außerdem habe man
die Endoskopie im Neubau zentralisiert. „Gemeinsam mit der Medizintechnikfirma Fujinon haben wir eine
hoch moderne und hoch effiziente Endoskopieeinheit aufgebaut, die beispielhaft ist“, freute sich Fleig. Die Endoskopieeinheit am Uniklinikum Leipzig fungiere als europäisches Referenzzentrum für Fujinon.
heblichen Aufwand“, erklärte Prof.
Fleig. „Im Ergebnis steht aber die Gewissheit, innerhalb der diagnostischen
und therapeutischen Versorgungskette
den höchsten Standards zu entsprechen.“
Erneut kritisierte Fleig, dass die verspätete Verabschiedung des Sächsischen Hochschulgesetzes die Novellierung des Sächsischen Hochschulmedizingesetzes bisher verhindert
habe. Damit würden die strukturellen
Defizite in der reibungslosen Zusammenarbeit zwischen Fakultät und Klinikum sowie einige damit verbundene Risiken deutlich verlängert, was
unter den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Wettbewerbschancen der Universitätsmedizinstandorte in Sachsen verringere.
Er appellierte an die Landtagsabgeordneten und die Staatsregierung,
das Gesetzgebungsverfahren rasch
wieder aufzugreifen und abzuschließen.
„Mit etwa 50 600 vollstationären Fällen und rund 550 000 ambulanten
Konsultationen hat das Universitätsklinikum Leipzig seine Bedeutung als
wichtiger Baustein der medizinischen
Versorgung der Region Leipzig untermauert“, ist sich der medizinische
Vorstand sicher. Die Zahl der ambu-
lanten Konsultationen sei gegenüber
2008 etwa gleich geblieben. Die Leistungen im Bereich der Einzelermächtigungen stiegen um 33 Prozent auf
rund 80 000 Fälle. Die Zahl der Pauschalfälle in den Hochschulambulanzen ging leicht auf circa 173 000 Fälle
zurück. Dafür wurden mit einer Zahl
von 31 200 rund sechs Prozent mehr
Notfälle als im Jahr 2008 versorgt.
Diese positive Leistungsentwicklung
stärke aus Sicht von Prof. Fleig die
wirtschaftliche Basis des Klinikums.
„Wir haben die von uns geplanten
wirtschaftlichen Ziele für 2009
nicht nur erreicht, sondern übertroffen. Damit haben wir die wirtschaftliche Grundlage geschaffen,
um in die 2010 anstehenden Tarifverhandlungen mit dem Marburger
Bund und Verdi mit einem substanziellen Angebot gehen zu können,
ohne Arbeitsplätze oder gar den Bestand des Klinikums zu gefährden“,
so Fleig. Da der wirtschaftliche Erfolg dem Engagement der Mitarbeiter zu verdanken sei, habe man bereits im Dezember 2009 zum dritten Mal in Folge eine freiwillige Einmalzahlung mit einem Volumen von
2,2 Mio. Euro an die Mitarbeiter
ausgezahlt.
„Erfreulicherweise konnten wir unsere Erfolge bei der Einwerbung von
Fördergeldern für Forschungsprojekte im Jahr 2009 fortsetzen“, erklärte
Prof. Dr. Joachim Thiery. „Dazu gehört das Integrierte Forschungs- und
Behandlungszentrum AdipositasErkrankungen, das von einem international besetzten Gutachtergremium
im Auftrag des BMBF eine Förderempfehlung erhalten hat.“ Mit rund
10 Mio. Euro in den nächsten vier
Jahren wird der Transregio-Sonderforschungsbereich 67 „Erforschung
und Entwicklung von funktionellen
Biomaterialien zur Steuerung von
Heilungsprozessen in Knochen- und
Hautgewebe“ gefördert, den Leipzig
gemeinsam mit der TU Dresden bildet. Das Innovationszentrum für
Computer-Assistierte Chirurgie ICCAS
wurde erfolgreich evaluiert und erhält
weitere 8 Mio. Euro Fördermittel.
„Insgesamt“, so Thiery, „haben wir
2009 rund 36 Mio. Euro Drittmittel
eingeworben. Bei einem Landeszuschuss für Forschung und Lehre in
Höhe von 52,7 Mio. Euro bedeutet
das 0,68 Euro Drittmittel pro Euro
Landeszuschuss. Mit diesem Verhältnis sind wir bereits in der Spitzengruppe der deutschen Universitätsmedizinstandorte.“ Leider gelte dies
nicht für die Höhe des Landeszuschusses im Bundesvergleich. Hier
liege man mehr als 30% unter dem
Bundesdurchschnitt. In Richtung
Landesregierung sagte Thiery: „Wir
haben in den vergangenen Jahren
bewiesen, dass wir sehr verantwortungsbewusst und effektiv mit uns zur
Verfügung gestellten Mitteln umgehen.“
Dies treffe auch auf die Lehre zu.
Schon seit längerem habe man die
kürzeste Studiendauer im Human-
medizinstudium im deutschlandweiten Vergleich. Diese kurze Studiendauer gehe einher mit einer hohen
Qualität des Studiums, wie der 1.
Platz der Medizinischen Fakultät
Leipzig bei der Bestehensquote beim
schriftlichen Teil des 2. Abschnitts
der Ärztlichen Prüfung zeige. Das sei
kein Zufall, so Thiery. Seit Jahren
versuche man, beste Bedingungen
für die Lehre zu schaffen. Dazu gehörten neue Lehrangebote wie das
Problem-Orientierte Lernen (POL),
ein Mentorenprogramm für Studierende und seit Neuestem ein SkillsLab, das aus Mitteln des Konjunkturprogramms II eingerichtet wird. Für
die gezielte Nachwuchsförderung
gab die Fakultät 2009 rund 3,6 Mio.
Euro aus.
„Die hohe Ausbildungsqualität des
ärztlichen Nachwuchses und die international anerkannte Innovationskompetenz der Leipziger Medizin
sind stärkster Motor der Universität.
Die Fakultät und das Klinikum sind
Garant für einen wachsenden und zukunftssicheren Arbeitsmarkt, für die
Menschen dieser Region und ganz
Sachsens, gerade in der Finanzkrise“,
stellte Thiery fest. Wir benötigen zur
Absicherung der Lehre und eine für
Drittelgeber verlässliche Gegenfinanzierung der neue Arbeitsplätze schaffenden Großforschungsprojekte eine
unserer Leistung angemessene Basis,
die mit dem Landeszuschuss finanziert werden muss.“ Derzeit befinde
man sich gemeinsam mit dem Klinikum und der Universitätsleitung in
Gesprächen mit der Landesregierung, um eine zukunftssichere Lösung dieses Problems zu finden. Der
Dekan appellierte eindringlich an die
Ministerien und alle politisch Verantwortlichen den erreichten hohen
Stand der Medizinischen Fakultät zu
erkennen. Ein Stopp und Abbau der
wachsenden Wissenschafts- und Ausbildungsstruktur der Leipziger Medizin würde auch in Jahrzehnten nicht
mehr aufzuholen sein. „Wir werden
gerne alles dazu beitragen, damit der
Leipziger Medizin die notwendige
Priorität für die Zukunft der Menschen dieser Region und des Freistaats gegeben werden kann.“
Klinikum und Fakultät haben sich für
2010 viel vorgenommen. So sollen
beispielsweise das LIFE-Projekt zur
Erforschung von genetischen und
umweltbedingten Ursachen von
Volkskrankheiten und der IFB Adipositas-Erkrankungen ihre wissenschaftliche und klinische Arbeit aufnehmen. Es stehen weitere Bauprojekte – allen voran der Neubau der
Zahnklinik und des Instituts für
Transfusionsmedizin (Blutbank) – an
und auch an den Strategieprojekten
wird weiterhin mit Hochdruck gearbeitet. Vorstand und Dekan dankten
der Staatsregierung des Freistaates
Sachsen, dass sie trotz schwieriger
wirtschaftlicher Rahmenbedingungen weiterhin die Universitätsmedizin
Leipzig unterstützt und damit dazu
beiträgt, den Medizinstandort Leipzig
zu stärken.
ukl
4
REPORT
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
UNI-ONKOLOGIE
Leben nach dem Krebs
Der Leipziger Thorsten Nikolai: „Jetzt möchte ich anderen helfen.“
Fotos: Frank Schütze
rebs – diese Diagnose
trifft die meisten Betroffenen wie ein Schlag.
Das musste auch der Leipziger
Thorsten Nikolai erfahren, der
an Leukämie litt. In der wenigen Zeit, die ihm Ärzte noch
zum Leben gaben, versuchte
er alles richtig zu machen.
Und schaffte es – dank Hilfe.
Die will er nun anderen Betroffenen weitergeben.
K
Es war ein arbeitsreiches Jahr
gewesen. Zur Jahreswende
vor zwei Jahren sollte Zeit
bleiben. Zum Abschalten. Zum
Entspannen. Thorsten Nikolai
war müde. Eigentlich war er
immer müde. Morgens nach
dem Aufstehen. Und schon
nach dem Frühstück verspürte
er das Bedürfnis, gleich wieder
ins Bett zu gehen. So ging das
ein paar Tage lang.
„Ich habe mir anfänglich nichts
dabei gedacht. Nur vermutet,
dass sich mein Körper eben die
Auszeit nimmt, die er braucht“,
sagt er heute rückblickend. Erst
als die Kräfte zunehmend
schwanden, die kleinste Belastung seine Lungen kräftig pumpen ließ, wurde der Geschäftsführer eines Leipziger Logistikunternehmens misstrauisch. Irgendetwas stimmte nicht. Er
ging zum Arzt, machte einen
Bluttest. Die Diagnose war eindeutig und niederschmetternd
zugleich – Leukämie. Rund vier
Wochen habe er noch zu leben,
wenn nicht sofort etwas passierte.
Chemotherapie – für die Patienten ein schwerer Weg mit
ungewissem Ausgang.
Schon am darauf folgenden
Tag lag Thorsten Nikolai in der
Leipziger Universitätsklinik –
Krebsstation. Die Chemotherapie und die aufwendige Suche
nach
einem
geeigneten
Stammzellenspender
waren
jetzt Gedanken, die dem Unternehmer durch den Kopf
schossen. Nikolai: „Ich habe
angefangen, mich mit der
Krankheit zu beschäftigen.
Wollte verstehen, was da mit
meinem Körper passiert.“ Im
Grunde sei es ähnlich wie mit
der Logistik, erklärt er. „Knochen, Muskeln, Sehnen und
Blut muss der menschliche
Körper perfekt miteinander
verzahnen, damit das große
Ganze reibungslos funktioniert. Wenn es der Organismus
allerdings nicht mehr schafft,
die lebensnotwendigen Bestandteile abzustimmen bezie-
hungsweise ein wesentlicher
Baustein ausfällt, hat man ein
Problem.“
Und genau das hatte Thorsten
Nikolai. Sein Körper hatte die
Bildung roter und weißer Blutkörperchen eingestellt. Der
Sauerstofftransport im Blut
war vermindert, die Immunabwehr zur Bekämpfung von
Infekten zerstört. Alles, was
noch da war, fiel anschließend
der Chemotherapie zum Opfer.
Der 46-Jährige besaß von nun
an kein Immunsystem mehr.
Seine einzige Chance: Keimfreiheit. Schon der kleinste Erreger kann in solch einer Situation das Leben kosten. Völlig isoliert und durch Plastikfolie getrennt vom normalen
Leben. Unmöglich, die Hand
seiner Frau zu berühren und
der Tochter über die Wange zu
+++ Stichwort: Leukämie +++
eukämie ist eine Erkrankung
des blutbildenden Systems.
1845 erstmals durch Rudolf
Virchow beschrieben, sind vor
allem Symptome wie Blässe,
Schwäche,
Blutungsneigung
mit spontanen blauen Flecken
oder
stecknadelkopfgroßen
Blutungen, Anfälligkeit für Infektionen mit Fieber sowie geschwollene Lymphknoten, Milzund Lebervergrößerung und
manchmal Knochenschmerzen
typische Anzeichen der Erkrankung.
L
Hervorgerufen wird diese Krankheit durch einen Mangel an normalen roten beziehungsweise
weißen Blutkörperchen sowie
das Fehlen von Blutplättchen. In
Abhängigkeit vom Verlauf unterscheidet man akute und chronische Leukämien. Akute Leukämien sind lebensbedrohliche Erkrankungen, die unbehandelt in
wenigen Wochen zum Tode führen. Chronische Leukämien verlaufen meist über mehrere Jahre und sind im Anfangsstadium
symptomarm.
schü
Das Mikroskop: eine der mächtigsten Waffen der Mediziner im Kampf gegen den Krebs.
streicheln, um zu zeigen: Es
wird schon alles gut werden.
Nikolai ist ein Kämpfer. Einer,
der nie aufgibt. Auch nicht, als
die Entzündung seiner Speiseröhre ihn beinahe umbringt.
Vielmehr beginnt er gedanklich seinen Tag konkret zu
strukturieren.
Entschlossen
schmiedet er Pläne für die Zeit
danach: „Ich habe mich irgendwie immer geweigert zu
akzeptieren, dass diese Krankheit mein Leben beendet. Sobald es etwas besser ging,
nahm ich mein Handy und
meinen Laptop zur Hand und
arbeitete. Das brachte mich
auf andere Gedanken, und die
Geschäfte mussten ja auch
weitergehen.“
In den Behandlungspausen,
wenn der Unternehmer für ein
paar Wochen nach Hause
durfte, schwang er sich auf
sein Fahrrad. Den Mundschutz
vorm Gesicht. Eingeschränkt,
aber nie gebrochen. Bis zu 30
Kilometer rang er sich in einem Ritt ab. Er wollte fit sein
für die kommenden Therapien, Reserven haben. Gleichzeitig lief in der Universitätsklinik fieberhaft die Suche
nach einem geeigneten Knochenmarkspender. Eine Eigenspende hatten die Ärzte ausgeschlossen, auch die nahen Familienangehörigen
passten
nicht. Schlussendlich blieben
nur die weltweite Datenbank
und die vage Hoffnung, dass
bei irgendeinem registrierten
Spender mindestens sechs von
zehn möglichen Merkmalen
übereinstimmen. Erst ab dann
kann eine Transplantation versucht werden. Thorsten Nikolai hatte Glück: „Insgesamt
vier Menschen waren ausreichend mit mir kompatibel.
Laut den Ärzten war das eine
sehr hohe Trefferzahl. Ich bin
offensichtlich ein sehr gewöhnlicher Mensch“, scherzt
der 46-Jährige heute. Wohl
wissend, dass weltweit gerade
mal 13 Millionen Menschen
die doch recht aufwendige
Prozedur einer Knochenmarkentnahme in Kauf nehmen
würden und sich mit ihren
Merkmalen haben registrieren
lassen. „Wenn es einen dann
selber betrifft, so fünf Minuten
vorm Tod, wird einem klar,
wie sehr man auf andere Menschen angewiesen ist und wie
wenig uns allen das bewusst
ist“, sagt Nikolai.
Die Transplantation konnte
durchgeführt werden. Und obwohl seine Spenderzellen gegen seinen Körper massiv reagierten und nur durch den
Einsatz von Cortison eine Zerstörung seiner eigenen Organe
verhindert werden konnte,
meisterte Thorsten Nikolai
auch diese letzte Hürde erfolgreich.
Heute gilt er offiziell als geheilt. Seine Abwehrstoffe sind
zwar teilweise noch mit dem
Immunsystem eines Kleinkindes vergleichbar. Das heißt, …
5
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr ...
– ein ehemaliger Leukämiepatient berichtet
… die Anfälligkeit auf Viren
und Bakterien ist nach wie vor
groß. Aber Stück für Stück
kämpft sich Thorsten Nikolai
zurück in sein altes Leben.
„Obwohl,
nicht
ganz“,
schränkt er ein: „Die Krankheit hat mich schon verändert.
Meine Einstellung zum Leben
und auch meine Prioritäten.“
Und nach einem Moment der
Besinnung sagt er: „Ich bin
dankbarer geworden, habe zunehmend den Blick für das
Wesentliche und die kleinen
Wunder der Natur.“
Dazu zählen für ihn Begebenheiten wie das Beobachten einer Ameisenkolonie bei ihrer
mühseligen Arbeit. Auch die
Einstellung zur Arbeit hat sich
verändert. „Ich habe einen
zweiten Assistenten eingestellt,
der mich in vielen Belangen
entlastet. Eines ist mir klar geworden: Vom Geld habe ich
nichts, wenn ich nicht mehr lebe“, sagt der Unternehmer
heute. Ein Gefühl ist dem
46-Jährigen aber besonders
verhaftet geblieben – Dankbarkeit. Die Freude darüber, noch
einmal neu anfangen zu können. Ein zweiter Geburtstag
sozusagen. „Ich weiß, wie
schwer es war, dem Tod von
der Schippe zu springen.
Jetzt möchte ich anderen helfen, damit auch sie die Krankheit überwinden können“, sagt
Ein Patient wird für die Bestrahlung in einem Tomotherapiegerät vorbereitet. Trotz erheblicher Fortschritte in der Krebstherapie bewegen sich viele Betroffene auf schmalem Grat zwischen Leben und Tod.
Fotos: Imago, Frank Schütze
Nikolai und engagiert sich im
Verein „Zusammen gegen den
Krebs.“
Und noch ein Projekt hat er in
diesem Jahr angeschoben. „Ich
habe in meinem Unternehmen
zwei Lehrstellen geschaffen,
die ausschließlich für an Leukämie erkrankte Jugendliche
beziehungsweise für junge
Menschen, in deren Familien,
die Krankheit den normalen
Lebensrhythmus völlig zerstört
hat, freigehalten werden“, so
der Logistiker. „Ich weiß aus
eigener Erfahrung, wie Leukämie eine ganze Familie in Mit-
leidenschaft zieht. Ich bin froh
und dankbar, dass ich weiter
leben darf. Jetzt ist es an der
Zeit, anderen Betroffenen etwas zurückzugeben.“
Frank Schütze
Prof. Dietger Niederwieser: „Leukämie mittlerweile gut heilbar“
insichtlich
Heilungschancen
und zukünftigen Therapien bei
Leukämie ist Professor Dietger Niederwieser, Leiter der Abteilung Hämatologie und Onkologie an der
Universitätsklinik Leipzig, dank voranschreitender Forschung sehr zuversichtlich.
H
Frage: Rund 8000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an
Leukämie. Das heißt, ein Mensch
von 10 000 muss sich gezwungenermaßen mit Blutkrebs auseinandersetzen. Damit verbunden ist
auch eine völlige Umstellung der
Lebensgewohnheiten. Auch die Familie leidet mit. Wie hoch sind die
Heilungschancen?
Dietger Niederwieser: Im Vergleich
zu anderen Krebserkrankungen
und auch in der Mehrzahl der Fälle
ist Leukämie mittlerweile selbst im
Alter heilbar geworden. Die Forschung hat in diesem Punkt in den
letzten Jahren gewaltige Fortschritte gemacht und ermöglicht nicht
nur eine gute Früherkennungsrate,
sondern auch hervorragende risikoarme
Therapiemöglichkeiten.
Dennoch muss man dazu sagen,
dass verschiedene Formen der
akuten Leukämie innerhalb von
wenigen Wochen zum Tode führen
können.
Woran merke ich, dass ich von der
Krankheit betroffen bin?
Es gibt drei große Symptome, die
gleichzeitig aber auch einzeln auftreten können und vom Patienten
in der Regel deutlich wahrgenommen werden. Sehr oft stellt sich
ein Leistungsknick ein. Der Erkrankte hat beispielsweise Probleme beim Treppensteigen und muss
häufiger verschnaufen. Auch das
vermehrte Auftreten von Nasenbluten und unerklärlichen blauen Flecken können ein Hinweis darauf
sein. Zudem leiden die Betroffenen
häufig unter einem vermehrten Auftreten von Infektionen. Unabhängig
von Leukämie gilt: Wer länger als
drei Tage Fieber hat, sollte einen
Arzt aufsuchen.
geht durchaus mal etwas daneben
und abnormale Zellen entstehen.
Aber auch Virusinfektionen, chemische Gifte oder Strahlenbelastung
kommen als Ursache infrage.
Macht dann das Immunsystem
Fehler, kann sich diese entartete
Zelle vermehren und die normalen
Zellen verdrängen. Dann entsteht
Blutkrebs.
Welche Rolle spielt die familiäre
Vorbelastung?
Jahren auf diesen Weg sogar verzichten.
Wie verläuft die Diagnostik gerade
mit Hinblick auf saisonale Influenza und Schweinegrippe, die teilweise ebenfalls mit starkem Fieber einhergehen?
Ist eine Stammzelltransplantation
noch eine sehr schwierige Operation?
Zunächst einmal gilt es Ruhe zu
bewahren. Eine Leukämieerkrankung ist relativ selten und heutzutage faktisch kein Todesurteil
mehr. Bereits über eine Blutprobe
und die daraus resultierende Untersuchung der Blutkörperchen
kann der Hausarzt zudem feststellen, ob es sich um Blutkrebs handelt oder nicht.
Wie verläuft dann die Behandlung?
Dann könnte ich also schon gefährdet sein?
Nein, das muss nicht sein. Leukämie hat vielschichtige Ursachen
und ist oft auf einen gewissen Zufall zurückzuführen. Im menschlichen Körper werden pro Tag Milliarden von Zellen erneuert. Dabei
Im Gegensatz zu anderen Krebsarten spielt das bisher keine Rolle.
Prof. Dr. Dietger Niederwieser
Nachdem die bösen Zellen durch
Chemotherapie zurückgedrängt
worden sind und der Patient in
Remission ist, wird je nach Leukämietyp eine Stammzelltransplantation entweder vom Patienten selber oder von einem Spender durchgeführt. Es gibt bereits
gute Ansätze, auch diese Chemotherapie zu vereinfachen, und
vielleicht können wir in einigen
Nicht unbedingt. Auch bei der
Stammzelltransplantation hat sich
die Behandlung immens weiterentwickelt. Patienten, die bis vor wenigen Jahren nicht kurativ behandelt
werden konnten, können nun mit
dieser Behandlung geheilt werden.
Dabei wird bei diesen meist älteren
Patienten nicht das ganze Knochenmark und die Blutzellen mittels
Ganzkörperbestrahlung und Chemotherapie wie durch eine Atombombe zerstört. Das ist heute so nicht
mehr notwendig. Inzwischen haben
wir gelernt, wie wir fremde Stammzellen zum Anwachsen bringen können, indem wir spezielle Medikamente und immunologische Reaktionen, die von den Spenderzellen
selbst ausgehen, nutzen. Die spendereigenen Killerzellen verdrängen
die normalen und kranken Stammzellen des Patienten. Sie ersetzen
das kranke Knochenmark durch ein
neues und führen dadurch zur Heilung der Blutkrankheit.
Interview: Frank Schütze
6
KLINIKUM 2010
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
FORSCHUNG
Diagnostika für
Viruskrankheiten
um Jahresbeginn hat die
ESF-Nachwuchsforschergruppe „Diagnostika für Viruskrankheiten“ ihre Arbeit aufgenommen. In diesem Projekt
werden fünf bis sechs Hochschulabgänger für den Bedarf
der industriellen Forschung auf
dem Gebiet der Infektionsmedizin und -biologie in Sachsen vorbereitet. Dazu erarbeiten sie
neue diagnostische Fragestellungen bei vernachlässigten Viruskrankheiten in der Humanund Tiermedizin. Dabei handelt
es sich um Infektionskrankheiten, bei denen die Zahl der Erkrankungsfälle gering ist oder
die Infektionen auf eine Region
begrenzt sind. Dies ist wichtig,
weil das Gefährdungspotenzial
ursprünglich seltener Infektionskrankheiten für Gesundheit
und Ökonomie hoch ist, und Viren trotz aller Fortschritte in der
Medizin weiterhin Menschen
und Tiere bedrohen. Fachlich
betreut wird das Projekt durch
Prof. Uwe Truyen, Institut für
Tierhygiene und Öffentliches
Veterinärwesen, Prof. Hermann
Müller, Institut für Virologie, Veterinärmedizinische Fakultät,
und von Prof. Christian Jassoy,
Institut für Virologie, Medizinische Fakultät. Letzterer ist darüber hinaus verantwortlicher
Projektleiter. Das Projekt ist
eingebettet in die laufenden Aktivitäten des „Verbund Infektionsmedizin“, einer übergreifenden Kooperation von Wissenschaftlern und Einrichtungen
der Human- und Tiermedizin
und der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie der Uni sowie außeruniversitären
Forschungseinrichtungen
Leipzigs.
Dr. Manuela Rutsatz
Z
INITIATIVE
Helfende Engel für die kleinen Patienten
iele Kinder, die in der
Leipziger Uni-Kinderklinik liegen, kommen aus
der Umgebung. Familienangehörigen und Freunden ist es oft
nicht möglich, täglich in die
Stadt zu fahren, um die Kleinen
und Größeren zu besuchen. Die
„Helfenden Engel“, ein ehrenamtliches Projekt mit zahlreichen engagierten Mitstreitern,
kümmert sich auf Wunsch um
die jungen Patienten.
V
Ein Krankenhausaufenthalt ihrer damals vierjährigen Tochter
in München hat alles ins Rollen
gebracht. „Da waren damals so
viele Kinder, die keinen und nur
ganz selten Besuch von ihren
Eltern bekamen; die viel Zeit
vor und nach der Behandlung
oder der Operation alleine verbrachten, trotz liebevoller Zuwendung von Ärzten und
Schwestern. Da habe ich mir
überlegt, dass ich da doch etwas auf die Beine stellen könnte, auch in einer anderen Klinik“, erzählt Christine von
Gropper.
In Leipzig, wo die studierte Diplom-Kauffrau und Diplom-Sozialpädagogin seit 2005 lebt,
tritt sie vor vier Jahren mit dem
Direktor der Universitäts-Kinderklinik in Kontakt. Gemeinsam entwickeln sie die Idee weiter und Christine von Gropper
verfasst ein schriftliches Konzept. Der Plan: Einzelne Kinder
auf den Stationen zu besuchen,
mit ihnen zu spielen, ihnen vorzulesen, zuzuhören, da zu sein.
Und als eine Art verbindendes
Element zwischen Kindern, Eltern, Pflegepersonal und den
Ärzten zu agieren.
Zunächst arbeiten die 43-Jährige und andere Ehrenamtliche,
Christine von Gropper engagiert sich bei den Helfenden Engeln in der Universitätskinderklinik
Leipzig.
Foto: Andreas Döring
bedingt durch die Eröffnung des
Kinderklinik-Neubaus in der
Liebigstraße, noch beim Patientenbegleit- und Lotsendienst
mit.
ein stark frequentiertes Spielzimmer – auch für Geschwister
– eingerichtet und sämtliches
Spielzeug darin selbst gespendet.
Parallel aber nimmt das Projekt
„Helfende Engel“ immer mehr
Form an. „Der Anfang war
nicht so einfach und immer mal
wieder haben Interessenten
nach einiger Zeit wieder aufgehört. Wir, das Pflegemanagement und ich, haben dann aber
begonnen, mit der FreiwilligenAgentur zusammenzuarbeiten
und so weitere tolle, feinfühlige
Mitstreiter gefunden. Eine medizinische Ausbildung ist für die
Mitarbeit im Besuchsdienst keine Voraussetzung!“ Inzwischen
besteht unter anderem eine intensive Zusammenarbeit mit
der chirurgischen Station und
mit der Ambulanz. Dort haben
die ehrenamtlich Tätigen sogar
Heute gibt es einen festen
Stamm von neun weiblichen
Engeln – die älteste Mitwirkende ist immerhin 86 – und einen
männlichen Engel, die ziemlich
viel möglich machen. Und die,
je nach Nachfrage und auf Bitten der Kinder, bei Wind und
Wetter und trotz anderer Verpflichtungen von weither angefahren kommen.
Über zusätzliche Unterstützung
würde sich die Organisatorin
trotzdem freuen: „In Leipzig in
der Kinderklinik liegen sehr viele Kinder aus der Umgebung,
deren Eltern nicht täglich zu Besuch kommen können. Meist
sind es zwei bis drei Stunden
pro Woche, die die ,Engel’ auf
den Stationen verbringen. Je
nachdem, wie viel und bei welchem Kind Bedarf besteht. Die
Einsätze sind aber zeitlich flexibel, ob vormittags oder nachmittags oder nur an bestimmten
Wochentagen, da findet sich immer irgendein passendes Modell
für jede Person. Genauso wie
man sagen kann, dass man sich
lieber um jüngere oder um ältere
Kinder kümmern möchte.“
Christine von Gropper selbst,
die auch noch im Leipziger Kinderbüro mitarbeitet, hat sich
aus den aktiven Einsätzen in
der Kinderklinik zurückgezogen
und kümmert sich um die Organisation, spricht regelmäßig mit
den Ehrenamtlichen, den Angestellten in der Klinik und dem
dortigen
Pflegemanagement
und informiert Außenstehende
über das Projekt. Sibylle Kölmel
NETWORKING
Marburger wollen Kontakt zu Leipzig weiter ausbauen
as Netzwerk ist gut: „Seit
1982 besteht unser Kontakt zu Leipzig“, sagte
Prof. Dr. Fritz Mattejat von der
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
am Universitätsklinikum Gießen
und Marburg. „Ich wünsche mir,
dass sich die Zusammenarbeit
mit der Leipziger Kollegen weiterentwickelt. Vielleicht trägt
das heutige Kolloquium dazu
bei, Anknüpfungspunkte zu finden.“
D
Thema der Veranstaltung im
Zentrum für Psychische Gesundheit des Universitätsklinikums
Leipzig waren psychische Probleme und die Lebensqualität
von Müttern mit Brustkrebs und
ihren Kindern. Dazu stellten
Prof. Mattejat und seine Kollegin
Katja John eine Studie vor, die
im Zusammenhang mit dem
Marburger Modellprojekt „gemeinsam gesund werden“ vorgenommen wurde.
Das Modellprojekt, das die Rexrodt-von-Fircks-Stiftung mit Unterstützung von Krankenkassen
seit Oktober 2006 in der Klinik
Ostseedeich in Grömitz bei Lübeck durchführt, richtet sich an
Mütter kleiner Kinder, die erstmals an Brustkrebs erkrankt
sind. Es besteht aus einer RehaBehandlung, die die Mütter direkt nach ihrer akuten Krebstherapie gemeinsam mit ihrem
Nachwuchs absolvieren. Ein in-
terdisziplinäres Team von Internisten, Gynäkoonkologen, Psychoonkologen, Physiotherapeuten, Sportmedizinern, Ernährungsexperten, Sozialpädagogen, Erziehern sowie Kinderund Jugend-Psychotherapeuten
berät und betreut jeweils 30
Mütter und ihre Kinder während des dreiwöchigen RehaAufenthaltes in der Klinik Ostseedeich. Auch die Väter oder
Partner können am Wochenende dazustoßen.
Wissenschaftlich begleitet wird
das Modellprojekt von einer Studie, bei der Mütter und Kinder
vor und nach der Reha befragt
werden. „Beispielsweise befragen wir die Mütter, wie stark
durch die Erkrankung ihr Kind
psychisch belastet wurde“, erläuterte Prof. Mattejat. „Zugleich
werden die Kinder, die über vier
Jahre alt sind, von uns befragt.
Interessanterweise sehen nicht
die Mütter ihre Kinder stärker
belastet, als sie eigentlich sind.
Es ist genau umgekehrt. Die
Kinder äußern im Gespräch mit
uns stärkere psychische Belastungen, als die Mütter vermuten. Was nichts anderes heißt
als: Die Kinder verstecken ihr
Leid.“
Die vorläufigen Ergebnisse der
Begleitstudie zeigen, dass die gemeinsame Reha-Maßnahme die
Belastungen von Mutter und
Kind zugleich signifikant redu-
zieren. Die Kinder sind ein Jahr
nach dem Aufenthalt in der Klinik Ostseedeich psychologisch
normalisiert, so Prof. Mattejat.
„Zudem merken die Mütter, dass
die Reha Erfolge bringt. Viele
Frauen sind unsicher, ob sie ihre
Kinder zur Reha mitbringen sollen, weil sie Angst haben, dass
das Kind zusätzlich belastet
wird. Am Ende äußerten sich alle Mütter nahezu begeistert und
waren sicher, dass es gut für sie
selbst und die Kinder war.“ Mit
den Leipziger Kollegen vom Department für Psychische Gesundheit, die ähnlichen Fragestellungen nachgehen, sollen
künftig weitergehende Analysen
vorgenommen werden.
Uwe Niemann
KLINIKUM 2010
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Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
POL
DISKUSSION
Drei Tage Training für den Ernstfall
erletzte, Feuerwehr,
Rettungsdienste, Hubschrauber und Helfer:
Das klingt nach Dramatik,
Tragik, Katastrophe. Diesmal allerdings war es nur
eine Probe für den Ernstfall
– ein dreitägiges Training
für Medizinstudenten, das
vom 19. bis 21. Januar in
Halle 12 der Alten Messe in
Leipzig stattfand.
V
Organisator war die Leipziger Universität. Während
der Übung wurden verschiedene Notfälle simuliert,
erklärt
Albrecht
Scheuermann vom Arbeiter-Samariter-Bund Sachsen. So galt es, einem Fahrradfahrer nach einem Verkehrsunfall zu helfen. Ein
Mann musste nach einem
Herzstillstand wiederbelebt
werden, ein anderer erlitt
einen Unfall auf dem Dach
der Messehalle und musste
in luftiger Höhe versorgt
werden.
„Die Darstellung medizinischer Fälle in Form des
problemorientierten
Lernens ist wesentlich realitätsnaher als die Wissensvermittlung durch Frontalunterricht“, sagt der Kursdirektor Wolfgang Heinke
von der Uniklinik Leipzig.
Neben den simulierten Fällen mussten sich die Studenten einer Reihe weiterer
praktischer Übungen stellen.
An elf Stationen vermittelten Lehrrettungsassistenten
und Feuerwehrleute ihre
Erfahrungen an die Kommilitonen des vierten Studien-
jahrs – die Notärzte von
morgen. Die gegenwärtigen
winterlichen Bedingungen
erschwerten manche Aktion etwas, besonders die
Übung auf dem Hallendach.
„Das gehört aber dazu“, so
Scheuermann. Die Universität veranstaltete das Training innerhalb eines sogenannten POL-Kurszyklusses
(Problem Based Learning –
problembasiertes Lernen).
Darin werden die Studierenden mit einer schwierigen Situation konfrontiert
und müssen selbstständig
erkennen, wie sie richtig
vorgehen. Sie erfragen Fakten, stellen eine Diagnose
und legen die weitere Prozedur fest. Sie werden auch
durch eine Reihe speziell
ausgebildeter Dozenten betreut. Im Schnitt kommt auf
acht Studierende ein Dozent.
Laut Albrecht Scheuermann, der den Einsatz koordiniert hat, hat sich das
Training in den vergangenen Jahren bewährt. „Moderatoren und Studierende
entwickeln innerhalb verblüffend kurzer Zeit ein verständnisvolles und effektives Arbeitsverhältnis während des Kurses. Die sachliche und fachlich orientierte
Atmosphäre wird von beiden Seiten als besonders
konstruktiv
empfunden.“
Das Training wird seit fünf
Jahren von der Universität
organisiert.
Dieses
Mal
wurde es von rund 380
Medizinstudenten
durchlaufen.
Matthias Winkelmann/ukl
Neue Infos
zur Depression
epression ist eine weit verbreitete Krankheit – etwa jede vierte Frau und jeder achte
Mann erkrankt im Laufe des Lebens an einer Depression. Bei
schwersten Folgen für die Lebensqualität und die Arbeitsfähigkeit der Betroffenen bis hin zu
Selbsttötungen stellt sich die
Frage: Kann man Depressionen
vorbeugen? Antworten darauf
diskutieren Experten aus Wissenschaft und Politik sowie einer
Interessengruppe im Rahmen einer Podiumsdiskussion am 2.
Februar 2010, zu der das Leipziger Bündnis gegen Depression
alle Interessierten recht herzlich
einlädt. Podiumsteilnehmer sind
Prof. Ulrich Hegerl, Direktor der
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig, Prof.
Kai von Klitzing, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie,
Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters des Universitätsklinikums
Leipzig, Thomas Seyde, Psychiatriekoordinator der Stadt Leipzig
und Monika Schöpe vom Verein
für Angehörige und Freunde psychisch Kranker WEGE e.V. Die
Veranstaltung findet statt am 2.
Februar 2010 von 19 Uhr bis
20.30 Uhr im Hörsaal der Klinik
und Poliklinik für Psychiatrie und
Psychotherapie, Semmelweisstr.
10, 04103 Leipzig. Eintritt ist
frei.
ukl
D
Fotos: Wolfgang Zeyen
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KLINIKUM 2010
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
MENSCHEN AM KLINIKUM
Computerexperte Bubulas: Zu Hause gibt’s kein Internet
sehr für Computer interessiert
habe, lag es nah, in dem Bereich weiterzumachen. Ich habe dann an einem einjährigen
IT-Informatiklehrgang teilgenommen, zwischendurch und
anschließend immer wieder
Bewerbungen
geschrieben
und über Ecken von der damals freien Stelle an der Uni
gehört.“ Das war 1995 und
seitdem arbeitet Bubulas dort,
der – als Computerfachmann –
in seiner Wohnung übrigens
noch keine Internetverbindung
hat, sich in seiner freien Zeit
für naturwissenschaftliche und
geschichtliche Ereignisse interessiert und die von ihm geschätzten Ausflüge mit dem
Rad auch gerne mal wieder
mit einer netten weiblichen
Begleitung machen würde. Außerdem ist er seit Januar 2009
Vorstandsvorsitzender
der
Griechischen Gemeinde Leipzig.
eder Mensch hat eine interessante Geschichte. Heute
erzählt „Gesundheit und
mehr…“ die Geschichte Georgios Bubulas’, Mitarbeiter der
Abteilung Informationsmanagement am Service-Desk für die
Annahme von Störungen und
Problemen an der Uniklinik.
J
Nächtliche Anrufe bei Georgios Bubulas und seinen Kollegen aufgrund defekter Computermäuse kommen auch vor,
sind aber eher selten. Klingelt
nachts das Bereitschaftshandy,
handelt es sich meist um echte
Notfälle. „Wenn beispielsweise
Computer in der Notaufnahme
ausfallen oder Monitore, die
EKG, Atmung oder Temperatur anzeigen, oder wichtige
Programme, wie unser Patientenverwaltungsprogramm,
dann kommen wir auch
nachts, um den Defekt zu beheben. Alles andere sollte bis
zum nächsten Tag warten können“, erzählt Bubulas.
Er, fünf weitere Kollegen und
eine Kollegin arbeiten im Rechenzentrum des Universitätsklinikums Leipzig, welches
sich zurzeit im Carl-LudwigInstitut in der Liebigstraße 27c
befindet, in dem Bereich Informationsmanagement am Service-Desk für die Annahme
von Störungen und Problemen
sowie als Anwendungsadministratoren. Sie sind dort von
montags bis freitags von 7 bis
18 Uhr Anlaufstelle für alle
verzweifelten Uni- und medizinischen Fakultäts-Mitarbeiter,
die Probleme mit Hardware
oder Software haben. Danach
und am Wochenende ist die telefonische Rufbereitschaft zuständig.
UKL-Computerspezialist Georgios Bubulas ist zugleich Vereinsvorsitzender der Griechischen Gemeinde Leipzig.
Foto: Andreas Döring
„Rund 4000 Rechner und Monitore sowie 3000 Drucker fallen in unseren Zuständigkeitsbereich. In der letzten Zeit haben wir viel neue Technik installiert
und
bekommen
dadurch weniger Störungen
gemeldet. Für die Geräte, die
die sogenannten Vitalfunktionen überwachen, also Blutdruck, Blutwerte, Beatmung
und so weiter, ist die Medizintechnik zuständig. Diese Reparaturen kann nur durchfüh-
ren, wer einen speziellen Befähigungsschein dafür hat“, so
Bubulas.
1969 in Halle an der Saale als
Sohn griechischer Einwanderer geboren und mit den Eltern und der Schwester in
Leipzig aufgewachsen, macht
er nach der 10. Klasse eine
Lehre zum Facharbeiter für
Zerspanungstechnik, beginnt
in dem Beruf bei der Gisag in
Großzschocher zu arbeiten
und absolviert parallel ein
Fernstudium zum Ingenieur
für Maschinenbau an der Ingenieurschule Leipzig. 1991 verliert er seinen Job, macht nach
Beendigung des Fernstudiums
innerhalb von zwei Jahren
sein Diplom zum Diplomingenieur für Maschinenbau an
der HTWK Leipzig und bekommt 1992 vom Arbeitsamt
eine Weiterbildung angeboten.
„Da ich mich schon immer
Zu DDR-Zeiten ist die Familie
alle zwei bis drei Jahre nach
Griechenland gefahren, in den
Sommermonaten. Jetzt fährt
sie jedes Jahr im Sommer zu
den Verwandten dort. Umgangssprachlich könne er sich
gut verständigen, die Schrift
hingegen falle ihm schwer.
„Ich werde oft gefragt, ob ich
nicht irgendwann mal wieder
nach Griechenland zurückgehen möchte. Ich bin aber hier
geboren und aufgewachsen
und fühle mich hier heimisch.
Und ich habe von Leuten gehört, die nach so langer Zeit,
die nach manchmal ja über 50
Jahren in der Fremde, zurückgegangen sind und sich nicht
oder nur sehr schwer wieder
einleben konnten.“
Sibylle Kölmel
MULTIPLE SKLEROSE
Studie: Der Regeneration von Nervenzellen auf der Spur
ultiple Sklerose (MS) ist
heimtückisch. Die Betroffenen, häufig sind es
junge Erwachsene, leiden in
der Regel unter schubweise
auftretenden
neurologischen
Symptomen, wie verminderter
Sehschärfe oder motorischen
Störungen. Ursache dafür ist eine Entzündung, die zur Schädigung der Myelinscheiden führt,
einer schützenden Ummantelung der Nervenzellfortsätze in
Gehirn und Rückenmark.
M
Die momentan üblichen Medikamente zügeln die Entzündung und helfen Patientinnen
und Patienten, das Fortschreiten der Erkrankung zu verzögern. Doch ein wirksames Mittel für die Regeneration der de-
fekten Myelinscheiden gibt es
bislang nicht.
Oberarzt PD Dr. Florian Then
Bergh und seine Kollegin Barbara Ettrich führen, unterstützt
durch das Translationszentrum
für Regenerative Medizin (TRM)
der Universität Leipzig, eine
Studie durch, die genau dieses
regenerative Therapieziel verfolgt.
An der Klinik für Neurologie des
Universitätsklinikums
Leipzig
(AöR) erforscht das engagierte
Team, ob das bereits als Arzneimittel zugelassene rekombinante Wachstumshormon die Regeneration des Myelin positiv beeinflusst. Untersuchungen in Laboren und in präklinischen
Experimenten haben diese Wirkung mehrfach angezeigt. „Die
gängige Behandlung der Multiplen Sklerose um diesen regenerativen Aspekt zu ergänzen,
könnte für Betroffene die Aussicht auf Besserung bedeuten,
während wir jetzt bestenfalls die
Probanden
gesucht
Für die hier beschriebene Studie
werden noch Probanden gesucht. Bei Interesse wenden Sie
sich bitte an: Frau Barbara Ettrich. Telefon: 0341 97 24 227
oder 0341 97 24 332. E-Mail:
bettrich@ trm.uni-leipzig.de
weitere Verschlechterung verhindern können“, beschreibt PD
Dr. Florian Then Bergh.
Im Rahmen der Studie werden
30 Patientinnen und Patienten
zwischen 18 und 55 Jahren
nach intensiven Voruntersuchungen sechs Monate lang mit
Wachstumshormon behandelt.
Die Wirkungen des Medikamentes werden bis drei Monate nach
der Behandlung mit aufwendigen Untersuchungen, wie MRT
und speziellen Tests am Auge,
analysiert. „Wir wägen sehr genau ab, welche Patientinnen und
Patienten für unsere Studie infrage kommen; da hilft es uns,
dass die wesentlichen Nebenwirkungen des Medikamentes
bereits bekannt sind“, erläutert
Barbara Ettrich. Vor Beginn der
Therapie werden die Patienten
drei Monate gründlich untersucht, um zum Beispiel Diabetes
oder Schilddrüsenerkrankungen
auszuschließen. Ein weiteres
wichtiges Kriterium für die Auswahl der Patienten ist ihr Gesundheitszustand. Dieser muss
unter der üblichen, kontinuierlichen MS-Medikation stabil sein.
Sind die Ergebnisse der laufenden Studie positiv, werden sich
weitere Untersuchungen mit einem größeren Patientenkreis
anschließen. „Wenn alles gut
läuft, könnten wir die Behandlung der Multiplen Sklerose um
diesen regenerativen Behandlungsansatz ergänzen“, hofft PD
Dr. Florian Then Bergh.
TRM
KLINIKUM 2010
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Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
KARDIOLOGIE
Neues Kardio-MRT ermöglicht Diagnostik der Zukunft
UKL-Kardiologe Oberarzt Dr. Jan Smettan vor dem neuen Kardio-MRT des Universitätsklinikums.
as neue Kardio-MRT, welches im Dezember letzten
Jahres unter großem technischen Aufwand in der Abteilung
für Kardiologie und Angiologie
des Universitätsklinikums Leipzig
eingebaut wurde, befindet sich
nun im Einsatz.
D
Das Gerät ist das derzeit modernste und leistungsfähigste auf
dem Markt: Es ermöglicht eine
Kernspintomografie des Herzens
mit einer hoch auflösenden und
fast störungsfreien Bildgebung.
Der Kardiologe Dr. Jan Smettan
hat am Uniklinikum bereits zehn
Herzpatienten mit der neuen
Technik untersuchen können – er
beschreibt, warum das Verfahren
immer größere Bedeutung in der
kardiologischen Diagnostik erlangt: „Einzigartig ist, dass man
das Gewebe des Herzens damit
sichtbar machen kann. Schon
kleine Veränderungen im Herzmuskelgewebe lassen sich frühzeitig erkennen. Am häufigsten
zu sehen sind Narben nach einem Herzinfarkt – ich kann außerdem sehen, wie ausgedehnt
der Herzinfarkt ist, daraus eine
Prognose ableiten und weitere
therapeutische Schritte einleiten.
Mit hoher Sicherheit lassen sich
auch Veränderungen während
und nach einer Herzmuskelentzündung diagnostizieren, das
konnte man vorher nur mithilfe
einer Biopsie.“
Die MRT-Untersuchung ist für die
Patienten nicht nur schonender
als ein operativer Eingriff, sie ist
auch völlig risikolos: Es gibt keine Belastung durch Röntgenstrahlen, und das in den Arm injizierte Kontrastmittel ist sehr gut
verträglich. Bei einer relativ geringen Untersuchungsdauer von
einer halben Stunde ermöglicht
die Kernspintomografie vor allem
eine schnelle Diagnose.
Auf diese Weise lässt sich ein breites Spektrum an wichtigen Er-
krankungen des Herzens abklären
– so können unter anderem auch
Durchblutungsstörungen sichtbar
gemacht werden. Um herauszufinden, welche Gefäße schlechter
durchblutet werden, führt man
sogenannte kardiologische Belastungsuntersuchungen durch.
Mussten die Ärzte dem Patienten
dafür bisher einen Herzkatheter
legen, so bekommt er nun lediglich eine Spritze mit Kontrastmittel sowie Medikamente, die das
Herz schneller schlagen lassen;
Foto: Stefan Straube
dann wird er auf einer Liege in
die Röhre des MRT geschoben.
Auf mehreren Computerbildschirmen kann der Kardiologe
die Bewegung des Herzens in
Echtzeit verfolgen und mithilfe
des Kontrastmittels erkennen, ob
das Blut gleichmäßig durch das
Herz gepumpt wird. „Mit einer
Genauigkeit von 90 Prozent kann
man nach dieser Untersuchung
sagen, ob eine Durchblutungsstörung im Herzen vorliegt oder
nicht. Fällt das Stress-MRT negativ aus, ist die Wahrscheinlich-
Auf mehreren Computerdisplays können Ärzte und das medizinische Personal die Bewegungen des
Herzens in Echtzeit verfolgen.
Foto: Stefan Straube
keit, dass der Patient in den
nächsten zwei Jahren Probleme
mit dem Herzen bekommt, gleich
null.“, erklärt Oberarzt Dr. Smettan.
Die Funktion des Herzmuskels ist
mit dem Kardio-MRT am genauesten von allen Verfahren darstellbar. Die Bewegung des Herzens
lässt sich zwar auch mit einem
Herzultraschall sichtbar machen,
aber diese Untersuchung gibt
nicht bei allen Patienten gleich gut
Aufschluss über die Art ihrer
Herzbeschwerden. Angeborene
Herzfehler und Herzklappenfehler
können mit dem Kardio-MRT sicherer diagnostiziert werden und
auch Erkrankungen der Hauptschlagader lassen sich leichter
feststellen als mit herkömmlichen
Methoden.
Oberarzt Dr. Smettan nutzt das
Gerät gemeinschaftlich mit den
Neuroradiologen der Uniklinik –
auf diese Weise steht das neue
MRT einer großen Palette von Patienten zur Verfügung. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Patienten
der Kardiologie nur noch einen
kurzen Weg zur Untersuchung zurücklegen müssen – im Notfall bedeutet dies eine zusätzliche Absicherung, da das MRT bei akuten
Erkrankungen wie Herzinfarkt
und Schäden in der Hauptschlagader sofort zum Einsatz kommen
kann.
Bettina Hennebach
10
KLINIKUM 2010
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
EXPERTENTREFFEN
Rheuma – nicht selten ist auch die Lunge betroffen
Spezialisten tauschten sich zum Thema Rheuma aus: Prof. Dr. Ulf Wagner (Sektion Rheumatologie und Gerontologie am UKL) Prof. Dr. Hubert Nüßlein (Rheumatologe in Nürnberg),
Dr. Olga Malysheva (Sektion Rheumatologie und Gerontologie am UKL), Prof. Dr. Ulrich Hegerl (Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie am UKL), PD Dr. Florian Then
Bergh (Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Neurologie am UKL), Dr. Stefan Karger (Assistenzarzt der Medizinischen Klinik III am UKL), Prof. Dr. Christoph Baerwald (Leiter
der Sektion Rheumatologie und Gerontologie am UKL) und Prof. Dr. Holm Häntzschel (Erster Sprecher des Rheumazentrums am UKL).
Foto: ukl
utoimmunkrankheiten
wie Rheumatoide Arthritis, Diabetes mellitus,
Morbus Bechterew oder Sjögren-Syndrom haben viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Die zu den Krankheiten führenden Mechanismen sind ähnlich, bedürfen
jedoch unterschiedlicher therapeutischer Ansätze. Darauf
machten die Referenten beim
11. State of the Art Workshop
Rheumatologie
interdisziplinär aufmerksam, das vom
Rheumazentrum am Universitätsklinikum Leipzig e.V. veranstaltet und von Prof. Dr.
Häntzschel, erster Sprecher
des Rheumazentrums, und
Prof. Dr. Baerwald, Leiter der
Sektion Rheumatologie und
Gerontologie am Universitätsklinikum
Leipzig,
wissenschaftlich geleitet wurde.
A
Prof. Dr. Ulf Wagner von der
Sektion Rheumatologie und
Gerontologie am Universitätsklinikum Leipzig sprach über
Autoimmunitäten bei rheumatologischen Erkrankungen, die
beispielsweise
Vasculitis,
Episcleritis oder auch das Sjögren-Syndrom nach sich ziehen können. „Rheumatische
Erkrankungen sind fast immer
Systemerkrankungen“,
so
Prof. Wagner. „Durch die variierende Symptomatik sollten
wir immer nach anderen möglichen Erkrankungen suchen
und beispielsweise daran denken, dass nicht selten auch die
Lunge betroffen sein kann.“
Dr. Anke Tönjes von der Klinik
für Endokrinologie und Nephrologie am Universitätsklinikum Leipzig machte Zusammenhänge zwischen Diabetes
mellitus und Rheumatoider
Arthritis sowie Multipler Skle-
rose, Morbus Crohn und
Schilddrüsenerkrankungen
deutlich. „Beispielsweise basieren Typ-1-Diabetes und
Multiple Sklerose auf einer
T-Zell-vermittelten Autoimmunität“, sagte sie. Anhand von
Daten wies sie nach, dass Typ1-Diabetiker insgesamt ein erhöhtes Risiko für andere Autoimmunerkrankungen haben.
Der erstmals von Hashimoto
beschriebenen
Autoimmunthyreoiditis, widmete sich Dr.
Stefan Karger, Assistenzarzt
an der gleichen Klinik. Diese
Erkrankung
stellt eine der
häufigsten
Autoimmunerkrankung
dar, die zu einer Zerstörung des Schilddrüsengewebes mit
der Folge der Unterfunktion führt. Beide Referenten wiesen auf die genetisch
bedingten Formen
des polyglandulären
autoimmunen Syndroms hin. Dieses
liegt vor, wenn zwei
oder mehr endokrinologische Erkrankungen gleichzeitig
nachweisbar sind.
bei Diabetes mellitus können
eine Diffuse idiopathische skelettale Hyperostose (DISH)
sein, die zur Versteifung von
Teilen der Wirbelsäule führt.
Während der Morbus Bechterew, der zu ganz ähnlichen
Folgen führt, entzündliche Ursachen hat, beruht DISH auf
Stoffwechselstörungen. Auch
die Cheiroarthropathie, eine
krankhafte Veränderung vor
allem der Finger- und Handgelenke, ist bei Diabetikern anzutreffen. Im englischsprachigen Raum wird die Krankheit
auch Prayer sign genannt, weil
beim Aufeinanderlegen der
Er betonte, dass Depressionen
mehr sind, als eine gedrückte
Stimmung. Zwar leiden Rheumatiker häufig unter Depressionen, aber dies sei nicht ausdrücklich eine Folge der körperlichen Beschwerden. „Es
stimmt nicht, dass körperliche
Beschwerden
Depressionen
verursachen. Wohl aber lassen
Depressionen die Beschwerden stärker wahrnehmen,
Schmerzen bekommen die
Qualität des Unerträglichen.“
Deshalb sei es wichtig, dass
behandelnde Ärzte bei Rheumapatienten auf Symptome
einer möglichen Depression achten und
durch
Exploration
diagnostizieren. Professor Hegerl erklärt
Patienten gegenüber
die Depression als eine Erkrankung mit
den beiden Seiten einer Medaille: obligatorische
endogene
Faktoren und exogene, meist psychosoziale Faktoren. Dieser Erkrankung könne mit Antidepressiva
und
Psychotherapie begegnet werden.
Zu
rheumatischen Rheuma – die heimtückische Erkrankung steht im VerVeränderungen als dacht, auch die Lunge zu betreffen.
Foto: Archiv Auf die Progressive
Folge des Diabetes
Multifokale Leukenmellitus sprach Prof. Dr. Chris- Handflächen immer ein Spalt zephalopathie (PML), einer Ertoph Baerwald, Leiter der Sek- bleibt – wie bei betenden Hän- krankung des Zentralen Nertion Rheumatologie und Ge- den. Rund 40 Prozent der Dia- vensystems, die bei der Berontologie am Universitätskli- betiker sind mehr oder weni- handlung von Autoimmunernikum Leipzig. Zu diesen kön- ger ausgeprägt betroffen.
krankungen auftreten kann,
nen
beispielsweise
ein
machte PD Dr. Florian Then
Muskelinfarkt am hinteren Dem Thema Depression und Bergh, Oberarzt an der Klinik
Oberschenkel gehören oder Chronische Krankheiten, wie und Poliklinik für Neurologie
auch der Charcot-Fuß, der zu Rheumatoide Arthritis, wid- am Universitätsklinikum Leipden diabetischen Fußerkran- mete sich Prof. Dr. Ulrich He- zig aufmerksam. Sie kann sich
kungen gehört. Rheumatische gerl, Direktor der Klinik und in Sprach- und GefühlsstörunVeränderungen als Folge der Poliklinik für Psychiatrie am gen, motorischen oder Gemetabolischen Veränderungen Universitätsklinikum Leipzig. sichtsfeldausfällen äußern. „Da
der verursachende JC-Virus
bei 40 bis 60 Prozent aller
Menschen vorhanden ist, sollte
bei jeder immunsuppressiven
Therapie daran gedacht werden, dass eine PML ausgelöst
werden kann“, so Dr. Then
Bergh. Für den Rheumatologen heiße das, bei Verdachtsfällen sofort die Medikamente
abzusetzen und den Neurologen zu Rate zu ziehen. Zum
Nachweis oder Ausschluss der
PML ist neben einem MRT mit
Kontrastmittel ein Nachweis
des JC-Virus mittels PCR im Liquor notwendig.
Stress und Rheuma – diesem
Zusammenhang widmete sich
Dr. Olga Malysheva von der
Sektion Rheumatologie und Gerontologie am Universitätsklinikum Leipzig. Ihr Fazit: „Schon
leichter und moderater chronischer Stress kann die Aktivität
von Rheumatoider Arthritis
verstärken.“ Hier könnten Koping-Strategie,
Meditationsund
Entspannungstechniken
helfen, Stress abzubauen.
„Die Rheumatoide Arthritis
selbst und die Schwere der Erkrankung führen zu einem erhöhten Risiko für Infektionen
und Lymphome“, sagte Prof.
Dr. Hubert Nüßlein, niedergelassener Rheumatologe in
Nürnberg, in seinem Vortrag
zur den Risiken von Biologika.
Diese neuartigen, sehr wirkungsvollen Hemmer von Botenstoffen der chronischen
Entzündung können schwerwiegende Infektionen,
Tbc
und Hautkrebs auslösen. Auch
wurden inzwischen drei Erkrankungen an PML mit letalem Ausgang bekannt. Deshalb sollten behandelnde Ärzte diese Risiken bedenken.
Uwe Niemann
UNIVERSITÄTS-LEBEN
11
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
KROCH-HOCHHAUS
„Mit Herzblut restauriert“
Einst war es ein Bank-Schaltersaal, künftig wird das Ägyptische Museum der Uni dort wertvolle Stücke
zeigen: Das Kroch-Hochhaus erstrahlt auch innen in neuem Glanz.
Fotos: André Kempner
om Keller bis zum Dachgeschoss alles auf Vordermann gebracht: Bis auf
einige Restarbeiten ist die Innensanierung des von den Glockenmännern
bekrönten
Kroch-Hochhauses in der Goethestraße abgeschlossen. In einige der elf Stockwerke sind die
universitären Nutzer schon eingezogen, bis zur Eröffnung des
Ägyptischen Museums vergehen aber noch einige Monate –
voraussichtlich im Juni soll es
für den Publikumsverkehr und
den Studienbetrieb freigegeben
werden.
V
Vor der 2007 gestarteten Runderneuerung des 1927/28 als
Bankhaus errichteten Leipziger
Wahrzeichens war die Fahrt
mit dem Lift darin eine nostalgische. Knarrend setzte sich
der nur noch per Ausnahmegenehmigung betriebene Aufzug
in Bewegung. Die Kabine des
als „Dampf-Fahrstuhl“ bezeichneten Gefährtes war aus Holz,
und stets reiste die Befürchtung
mit – hoffentlich bleibt er nicht
stecken. Jetzt schnurrt ein moderner Lift durch das Haus,
und Stockwerk für Stockwerk
zeigt sich, dass die Fachleute
der verschiedenen Gewerke
ganze Arbeit geleistet haben.
Die Sanierung des Kroch-Hochhauses der Universität Leipzig ist abgeschlossen. Auch die Glockenmänner stehen wieder auf dem Dach.
Ganz oben haben die Mitarbeiter der Uni Kustodie ihr neues
Domizil schon in Besitz genommen, darunter residieren das
Sprachenzentrum, das Institut
für Altorientalistik, eine Arbeitsgruppe der Sächsischen
Wissenschaftsakademie
und
das Ägyptologische Institut
„Georg Steindorff“. Unterrichtsräume und Büros – alles vom
Feinsten. „Wir haben die Ursprünglichkeit der Innenarchitektur erhalten, zugleich ein
zeitgemäßes Arbeitsumfeld geschaffen und brand- sowie sicherheitstechnisch kräftig aufgerüstet“, erklärt die Chefin der
ren“ erscheine, wie Uni-Kanzler Frank Nolden schwärmt, als
er inmitten des Vestibüls im
Hochparterre steht.
Begutachtung eines der Exponate im neuen Ausstellungsareal
der Ägyptologen.
Nach und nach wird sich die
Halle mit Exponaten füllen,
kostbare Skulpturen des Museums werden im Halbrund aufgestellt „in diesem Raum-Juwel
mit Oberlicht“, erläutert Seyfried. Auch ein Zedernholzsarg
kommt hinein. Die angrenzenden Kabinette werden Funde
aus der Frühzeit Ägyptens, aus
der Ära der Pyramidenbauer
und Zeugnisse früher Schriftkulturen beherbergen. Wenn
das Museum voraussichtlich im
Juni seine Pforten öffnet, erwartet die Besucher im ehemaligen Zimmer des Bankdirektors ein Highlight: Die Grabstätte des Priesters Herischefhotep.
Über drei Etagen wird der Museumsfundus ausgebreitet. Seyfried: „Sogar das Depot wird
begehbar sein.“
Mario Beck
Leipziger Niederlassung des
Staatsbetriebes für Immobilienund Baumanagement (SIB), Petra Förster. Rund 5,1 Millionen
Euro aus der Landeskasse flossen in das vom SIB betreute
Vorhaben, etwa 2000 Quadratmeter Nutzfläche stehen zur
Verfügung. Das Filetstück davon ist dem Ägyptischen Museum vorbehalten, das in den
letzten Jahren mit dem Interimsquartier in der Burgstraße
auskommen musste. Sukzessive verlagern die Fachleute um
Museumskustodin Friederike
Seyfried jetzt die kostbaren Exponate ins Kroch-Hochhaus,
das „im Inneren wie neu gebo-
Einst fungierte der dank Deckenfenster
lichtdurchflutete
Saal als Schalterhalle der Bank,
jetzt ist er als Ausstellungsareal
mit herrlichem Ambiente hergerichtet: Feine Wandtäfelungen, güldene Geländer, alte
Leuchten und – harmonisch
eingepasst – klimatisierte Vitrinen, in denen schon eine Galerie von Grabplatten aus altägyptischer und byzantinischer
Zeit arrangiert ist. Um den Saal
in seiner vollen Pracht wieder
herstellen zu können, sei auch
auf historische Fotos zurückgegriffen worden, weiß SIB-Bauoberrat Ingo Fischer. „Hier
wurde mit Herzblut restauriert.“
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POLITIK SPEZIAL
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
HAITI
Die Apokalypse in der Karibik
Helfer kommen oft zu spät: Nur in den seltensten Fällen können
Menschen lebend gerettet werden.
Fotos: dpa
Die junge Frau hatte Glück: Sie ist
im Vergleich nur leicht verletzt.
Sollen für Sicherheit sorgen: US-Fallschirmjäger patroulieren in
den Straßen von Porte-au-Prince
Die Vereinten Nationen sprachen
von der schlimmsten Katastrophe
in ihrer Geschichte. Viele Häuser
liegen in Trümmern. Helfer berichteten über einen logistischen Albtraum, die Hilfsgüter erreichen die
Menschen nur schleppend.
ging bisher davon aus, dass bei
dem Beben der Stärke 7,0 vom 12.
Januar möglicherweise mehr als
100 000 Menschen starben.
langsam tragen die Hilfsbemühungen Früchte: Im Fernsehen waren
Bilder von Helfern zu sehen, die unter dem Schutz von UN-Blauhelmen Essen und Wasser an Bedürftigen ausgaben. Als aus einem tieffliegenden Hubschrauber Essenpakete abgeworfen wurden, kam es
zu Raufereien.
ut, Verzweiflung und Chaos in Haiti: Nach dem
Jahrhundert-Erdbeben
kämpfen Millionen Menschen ums
Überleben und warten auf Wasser,
Lebensmittel und Medikamente. Es
gibt aber auch erste Hoffnung, weil
die Hilfe nach dem Erdbeben mit
befürchteten bis zu 200 000 Toten
langsam in Fahrt gekommen ist.
Das Ausmaß der historischen Katastrophe wurde unterdessen immer
deutlicher: Neben der zerstörten
Hauptstadt Port-au-Prince sind
auch der Süden und Westen des
bitterarmen Karibikstaats verwüstet. Der frühere US-Präsident Bill
Clinton besuchte Haiti, ebenso seine Frau in ihrer Funktion als Außenministerin.
W
Clinton lieferte Hilfsgüter für die
Opfer ab und traf sich mit den Führungspersonen des Landes. Der
UN-Sonderbeauftragte für Haiti
kam mit Präsident René Préval und
Vertretern von Hilfsorganisationen
zusammen.
Noch Überlebende zu finden, wurde immer unwahrscheinlicher.
Trotzdem geschehen noch Wunder:
Ein israelisches Rettungsteam zog
in Port-au-Prince einen Verschütteten nach 125 Stunden unter Trümmern hervor. Auch die deutsche Besitzerin des zerstörten Hotels Montana, Nadine Cardoso, wurde aus
dem eingestürzten Gebäude gerettet.
Der für die militärischen HilfsgüterTransporte zuständige US- General
Ken Keen hält es für möglich, dass
200 000 Menschen ums Leben gekommen sind. In einem Fernsehinterview sagte Keen: „Wir werden
uns auf das Schlimmste gefasst machen müssen.“ Haitis Regierung
Der Länderdirektor des Kinderhilfswerks Plan International, Rezene Tesfamariam, beschrieb die Situation in Jacmel im Süden des
Landes: „60 Prozent der Gebäude
sind zerstört, 24 Schulen sind eingestürzt oder stark beschädigt, die
Krankenhäuser haben keinen
Strom.“ In Leogane, westlich von
Port-au-Prince, sprach ein Reporter
der britischen BBC von apokalyptischen Szenen. Fast jedes Gebäude
sei zerstört, nach UN-Angaben sind
90 Prozent der Häuser dem Erdboden gleichgemacht. Ein Überlebender sagte: „Wir haben keine Hilfe,
nichts. Kein Essen, kein Wasser,
keine Medizin, keine Ärzte.“
Mit einer Welle der Hilfsbereitschaft
reagierte die internationale Gemeinschaft. Doch für die Helfer im
Land ist die Lage schwierig. Nur
„Es gibt nichts, worauf wir bauen
können“, sagt Michael Kühn, Repräsentant der Deutschen Welthungerhilfe in Haiti. Das UN- Kinderhilfswerk und weitere Organisationen begann mit der Verteilung
von Trinkwasser. Einsatzkräfte aus
Israel bauten innerhalb weniger
Stunden ein Krankenhaus auf, in
dem sie täglich maximal 500 Patienten behandeln können. Die
Vereinten Nationen errichteten 15
Zentren inner- und außerhalb von
Port-au-Prince zur Verteilung von
Hilfsgütern. Am Sonntag traf auch
eine mobile Gesundheitsstation des
Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in
Port-au-Prince ein. Die Mini-Klinik
soll die medizinische Grundversorgung tausender Menschen gewährleisten, sagte eine DRK-Sprecherin.
Auch UN-Generalsekretär Ban Ki
Moon traf in Haiti ein. Er gedachte
mit Präsident Préval vor den Trümmern des Christopher Hotels, des
früheren UN-Hauptquartiers in der
Hauptstadt Port-au-Prince, der toten und vermissten UN-Mitarbeiter.
Auch ein junger Mann aus Hamburg ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin unter
den Opfern. Die Bild am Sonntag
berichtete, der 28-Jährige habe
für eine Hamburger Exportfirma
gearbeitet. Nach dem Erdbeben in
Haiti werden noch 23 deutsche
Staatsbürger vermisst, wie Bundesaußenminister Guido Westerwelle mitteilte. Die Bundesregierung stockte ihre Soforthilfe für
Haiti um sechs Millionen auf 7,5
Millionen Euro auf. „Das ist eine
einzige, große Tragödie“, sagte der
FDP-Chef.
dpa
+++ Spenden für Haiti – an DZI-geprüfte Hilfsorganisationen +++
er für die Opfer der ErdbebenKatastrophe in Haiti spenden
will, sollte die Hilfsorganisation
mit Bedacht auswählen. Dazu rät
das Deutsche Zentralinstitut für
soziale Fragen (DZI) in Berlin, das
in Deutschland das Spenden-Siegel vergibt. Hier einige Organisationen, die das Siegel der DZI tragen
und vor Ort in Haiti tätig sind bzw.
Mittel für die Katastrophenhilfe
sammeln. Dies ist jedoch keine
vollständige Liste der von der DZI
geprüften Organisationen. Die
komplette Liste ist im Internet unter www.dzi.de downloadbar.
W
Ärzte der Welt e.V.: www.aerztederwelt.org, Bayerische Landes-
bank, Kto 28 888, BLZ 700 500
00, Stichwort: „Nothilfe Haiti“
Hilfswerk Misereor e.V.,: www.misereor.de, Pax Bank Aachen, Kto
10 10 10, BLZ 370 601 93,
Stichwort: „Erdbeben Haiti“
Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e.V.: www.cap-anamur.org,
Sparkasse KölnBonn, Kto 2 222
222, BLZ 370 501 98, Stichwort:
„Haiti“
Deutsche Welthungerhilfe e.V.:
www.welthungerhilfe.de, Sparkasse KölnBonn, Kto 11 15, BLZ
370 501 98, Stichwort: „Nothilfe
Haiti“
Deutscher Caritasverband e.V.:
Caritas International, www.caritas-international.de, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, Kto
202, BLZ 660 205 00, Stichwort: „Erdbebenhilfe Haiti“
Deutsches Rotes Kreuz e.V.:
www.drk.de, Bank für Sozialwirtschaft, Kto 41 41 41, BLZ 370
205 00, Stichwort: „Haiti“
Diakonie Katastrophenhilfe des
Diakonischen Werkes des EKD
e.V.:
www.diakonie-katastrophenhilfe.de, Postbank Stuttgart, Kto 502 707, BLZ 600 100
70, Stichwort: „Erdbebenhilfe
Haiti“
Johanniter-Unfall-Hilfe
e.V.:
www.johanniter.de , Bank für Sozialwirtschaft, Kto 88 88, BLZ
370 205 00, Stichwort: „Erdbebenopfer Haiti“
OXFAM Deutschland e.V.:
www.oxfam.de, Bank für Sozialwir tschaft Köln, Kto 13 13 13,
BLZ 370 205 00, Stichwor t:
„Erdbeben Haiti“
Hilfswerk der Deutschen Lions
e.V.:
www.lions-hilfswerk.de,
Frankfurter Volksbank, Kto 300
500, BLZ 501 900 000
terre des hommes Deutschland e.V., Hilfe für Kinder in
Not: www.tdh.de, Volksbank
Osnabrück, Kto 700 800 700,
BLZ 265 900 25, Stichwor t:
„Erdbeben Haiti“
Médecins Sans Frontières –
Ärzte ohne Grenzen, Deutsche
Sektion (MSF) e.V.: www.aerzte-ohne-grenzen.de , Bank für
Sozialwirtschaft Köln, Kto 97
097, BLZ 370 205 00 , Stichwort: „Haiti und andere“
SOS-Kinderdorf e.V.: www.soskinderdor f.de, Bank für Sozialwir tschaft, Kto 780 80 05, BLZ
700 205 00, Stichwor t: „Nothilfe Haiti“.
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Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
HINTERGRUND
„Haiti ist Chaos“
Im Exil: Ex-Präsident Jean
Bertrande Aristide. Foto: dpa
ür Schriftsteller Hans Christoph Buch ist Haiti ein
zweites Zuhause. Im Interview erklärt er, warum sich das
Beben im Land seiner Großmutter besonders katastrophal auswirkte.
F
Frage: Sie sind ein Mann des
Wortes. Aber versagt angesichts
der Bilder nicht die Sprache?
Hans Christoph Buch: Ich bin
sprachlos und leide wie ein
Hund. Haiti ist für mich ja keine
ferne Insel, sondern meine zweite Heimat. Ich erkenne auf den
Bildern viele Straßen wieder.
Oder vielmehr: Ich erkenne sie
nicht wieder. Ich bin in Sorge um
vermisste Freunde. Von einigen
weiß ich, dass sie tot sind. Nach
dem Erdbeben ist nichts mehr
wie zuvor, und das sagt man selten im Leben. Das sagte man
nach dem Fall der Mauer, nach
der Ermordung Kennedys, auch
nach dem Beben in Lissabon im
18. Jahrhundert, das vielen Menschen schon damals das Gottvertrauen, den Glauben an die Vernunft nahm.
Ihr Großvater ist nach Haiti ausgewandert, Ihr Vater ist dort aufgewachsen. Sie haben Verwandte auf der Insel. Wissen Sie mittlerweile, wie es ihnen geht?
Meine Verwandten sind am Leben und übernachten in ihren
Autos. Die Nachbeben machen
ihnen Angst: Beschädigte Häuser
können auch jetzt noch zusammenkrachen. Mein Großvater
wanderte Ende des 19. Jahrhunderts als Apotheker in die Karibik aus, um deutsche Kaufleute
zu versorgen. Meine Großmutter
stammt aus Haiti, und ich gelte
dort als haitianischer Schriftsteller.
Vor dem Beben Symbol für Haitis Unabhängigkeit, steht der National- Haitis Präsident Rene Préval mit US-Außenministerin Hillary
palast in Porte-au-Prince jetzt für einen gescheiterten Staat. Foto: AFP Clinton.
Foto: AFP
In Ihren Büchern berichten Sie
vom Glauben der Haitianer, einer Mischung aus Katholizismus
und Voodoo. Viele haben die Apokalypse offenbar erwartet.
Es sind eher protestantische Sekten aus den USA, die eine Endzeit-Stimmung verbreiten. Sie
haben in Haiti starken Zulauf.
Volksreligion bleibt aber der
Voodoo-Glauben. Die katholische
Kirche ist die Staatsreligion, beides geht Hand in Hand. Selbst
ein
nicht-abergläubischer
Mensch könnte jedoch abergläubisch werden, wenn so viele Katastrophen so schnell aufeinander folgen. 29 Jahre DuvalierDiktatur, Orkane, Überschwemmungen, Putsche, Massaker,
bürgerkriegsartige
Zustände
beim Aufstieg und Fall des Hoffnungsträgers Aristide, der sich
als Scharlatan erwies. Haiti steht
seit Jahren unter Vormundschaft
der Vereinten Nationen. Die Verwaltung funktioniert nicht, der
Staat ist dort, wo man ihn
braucht, meist abwesend.
Wirkt sich ein Erdbeben auf Haiti katastrophaler als anderswo
aus, weil letztlich nicht die Naturgewalt, sondern Gebäude
Menschen töten?
Ja. Es existiert überhaupt keine
Bau-Aufsicht. Haiti ist sehr bergig, und auf den Steinhängen
wurden wild Luxus-Villen oder
auch Slum-Hütten gebaut – die
mit den Menschen zu Tal rutschten. Weil fast jede Infrastruktur
fehlt, gelangt die Hilfe nun nicht
zu den Menschen. So ein MegaBeben hätte Haiti allerdings auch
mit funktionierender Regierung
verheert.
Selbst der Präsidenten-Palast
und die Kathedrale sind zer-
stört. Welche Symbolik liegt darin für die Haitianer?
Staat und Kirche sind am Boden.
Wobei die Institution Kirche, anders als der Staat, vor dem Erdbeben funktionierte. Auch der
Erzbischof ist tot, das ist ein
noch stärkeres Symbol. Der Nationalpalast symbolisierte die
Hans Christoph Buch, HaitiExperte und Autor. Foto: dpa
Unabhängigkeit. Das Gebäude
war zudem sehr schön, es war
das Wahrzeichen von Porte-auPrince und ist ein BriefmarkenMotiv.
Die Sklaven Haitis befreiten sich
vor mehr als 200 Jahren selbst.
Warum gelang es ihren Nachfahren nie, unfähige Herrscher los
zu werden?
Haiti war die reichste Kolonie
Frankreichs. Um sie zu behalten,
hatte Ludwig XV. Teile von Kanada an England abgetreten, so
wertvoll war die Insel. Die Französischen Revolutionäre verkündeten einige Jahrzehnte später
die Menschenrechte, ohne an die
Kolonien zu denken. Weltweit
wurde kein anderer Staat von
Sklaven gegründet, die sich
selbst befreit hatten. Heute ist
Haiti völlig heruntergewirtschaftet – durch Überbevölkerung und
ökologischen Raubbau, der bereits in der Kolonialzeit großflächig begann. Aber auch durch
unfähige Regierungen. Die ExSklaven waren nicht darauf vorbereitet, eine funktionierende
Verwaltung aufzubauen. Die Geschichte Haitis ist eine Kette von
Umstürzen. Obwohl es brillante
Intellektuelle gab und gibt, hatte
die Demokratie nie eine Chance.
Erdbeben wieder hergestellt.
Aber auch das dauert Jahre.
Auch, weil die einstigen Sklavenherren Haiti den Start
schwer machten?
Durch die Medienberichte ist das
Interesse erfreulich groß. Trotz
der überwältigenden Hilfsbereitschaft kommen die Spenden
aber nur tröpfchenweise bei den
Opfern an. Schon ist das Thema
in den Nachrichten an die zweite
Stelle gerückt und wird weiter
nach unten gereicht. Es sei
denn, es gibt eine Hunger-Revolte oder Aristide kehrt zurück –
beides würde die Situation verschlimmern. Haiti ist nicht die
DDR, keine Diktatur. Haiti ist
Chaos, Anarchie. Die Polizei ist
unfähig, schlecht bezahlt, in der
Unterzahl. Die Armee wurde unter Aristide abgeschafft. Die
Menschen würden sich wohl mit
Kusshand unter US-Schutzherrschaft begeben, was früher ganz
anders war. Doch das wollen die
Amerikaner nicht. Die Probleme
dieses gescheiterten Staates
können auch sie nicht lösen. Sie
wollen nur die Boat People von
den Küsten fernhalten. Trotzdem: Wenn es ihnen und den
Hilfsorganisationen
gelingt,
Überlebende und Verletzte zu
versorgen, sodass die nicht noch
in diesen Tagen sterben, ist viel
erreicht.
Interview: Mathias Wöbking
Haiti musste bis Ende des 19.
Jahrhunderts Reparationen an
Frankreich zahlen. Aber das war
zu verkraften, Haiti war damals
eine grüne Insel, recht dünn besiedelt. Die Menschen waren
zwar arm, aber sie hungerten
nicht, sie vegetierten nicht wie
heute am Rand des Existenzminimums. Als mein Großvater
nach Haiti kam, gab es eine Million Einwohner, heute sind es
zehn Millionen – und das innerhalb von 100 Jahren.
Haitis Entwicklung weckte zuletzt Hoffnung. René Préval gilt
zwar nicht als guter, aber vergleichsweise weniger schlimmer
Präsident. Was tritt an die Stelle
seines Staates, der sichtbar versagt hat?
Préval ist Pragmatiker. Unter
ihm gab es einen zaghaften Wirtschaftsaufschwung, das Kulturleben blühte. Die UN-Truppen
sorgten für ein Minimum an Ordnung. Also wäre viel erreicht,
würde der Status quo vor dem
Und wenn Aristide zurückkehrt?
Aus dem Exil in Südafrika hat er
mit Rückkehr gedroht. Sie würde
auf den Trümmern des Erdbebens zu neuen Kämpfen führen.
Aristide hat in den Slums noch
Anhänger, in den Horten der
Drogenmafia. Doch Präsident
Préval würde Aristide wohl nicht
einreisen lassen, obwohl er früher seine rechte Hand war.
Wie sehen Sie Haitis Zukunft?
14
REISE
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
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CHINA
Frühes Aufstehen lohnt sich: Allein auf der „echten Mauer“
Ein langes Band zieht sich über die Berge: Auf vielen Abschnitten der Chinesischen Mauer begegnen Touristen kaum anderen Menschen.
erschlafen stolpert Vincent Liu über den Busbahnhof von Miyun. Sein
Atem dampft in der Kälte, fast
drei Stunden war er mit der
U-Bahn und dem Bus unterwegs. Noch eine Stunde Fahrt
in einem Sammeltaxi, dann
endlich türmt sich die Chinesische Mauer vor den Augen des
32-Jährigen auf. In seinen 13
Jahren in Peking hat er sie
schon oft gesehen – aber noch
nie so wie heute. Er ist nicht in
Badaling, am bekanntesten und
touristisch am besten erschlossenen Abschnitt, dafür müsste
er nicht um vier Uhr aufstehen.
Vincent wollte lieber nach Jinshanling und Simatai, wo nicht
jeder Mauermeter restauriert
ist – zur „echten Mauer“, wie er
es nennt.
V
Vier bis fünf Stunden sollten für
die Wanderung von Jinshanling
nach Simatai auf dem Rücken
des Yan-Gebirges kalkuliert
werden. Zu schnell geht sonst
der Blick für Mauer und Natur
verloren – für das alte chinesische Territorium im Süden mit
seinen Terrassenfeldern und
für die wildere Innere Mongolei
im Norden mit schrofferen Felsen und steiler abfallenden
Hängen. Nach einem gemächlichen Auftakt zeigt sich die Mauer hier als Achterbahn ohne
TÜV-Zulassung: Steile Treppen
geht es hinauf und wieder hinunter, mal sind nur Stufen
weggebrochen, mal scheint ein
Erdrutsch die halbe Mauer mit
sich gerissen zu haben. Es sind
Spuren aus mehr als 400 Jah-
ren: Beide Abschnitte wurden
während der Ming-Dynastie errichtet oder wiederhergestellt,
die in China herrschte, als in
Europa das Mittelalter endete.
Die Strecken sind weitgehend
in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten. Vincent macht
besonders das Relief zu schaffen. Obwohl es kaum wärmer
als null Grad ist, hat er seine dicke Jacke längst in den Rucksack gestopft und kämpft sich
schnaufend den nächsten Anstieg hinauf. Doch die Aussicht
und die Abgeschiedenheit entschädigen für alle Mühen. „In
Badaling wimmelt es von Touristen und T-Shirt-Verkäufern“,
erzählt der Chinese, als er und
John sich auf dem Dach eines
Wachturms für ein zweites
Frühstück einrichten. „Hier haben wir die Mauer wirklich für
uns.“ Nur drei Händler und
zwei Wanderer sind ihnen in
den vergangenen drei Stunden
begegnet, da fand sich sogar
Ruhe für ein paar Tai-ChiÜbungen in authentischer Umgebung. Zur Hochsaison im
Herbst ist hier ebenfalls mehr
Betrieb. Solange nur ein paar
Schneeklumpen neben der
Mauer an das Unwetter der
vergangenen Wochen erinnern,
ist die Tour aber auch im Winter unbedenklich.
Mehr als 30 Wachtürme und
ungezählte Höhenmeter haben
die Wanderer hinter sich, als
sie mittags Simatai erreichen.
Ein zweites Ticket muss erwer-
Als das unbeheizte Taxi um
kurz nach neun Uhr das Ziel
rund 120 Kilometer nordöstlich
von Peking erreicht, kämpfen
sich die ersten Sonnenstrahlen
durch den zarten chinesischen
Winternebel. Etwa 100 Yuan
(zehn Euro) pro Person haben
Vincent und sein Begleiter John
Ayers aus London für die Fahrt
vom
Busbahnhof
PekingDongzhemen bis nach Jinshanling bezahlt. Organisierte Touren kosten das Dreifache und
mehr, sind aber auch schneller
und holen ihre Gäste meist am
Hotel ab. Doch dem Trubel einer zehnköpfigen Reisegruppe
wollen Vincent und John entgehen. Sie möchten die Mauer für
sich, statt sich von einem Reiseleiter zum nächsten Sammelpunkt drängen lassen.
Tatsächlich ist ein allzu straffer
Zeitplan nicht empfehlenswert.
Unterwegs von Jinshanling nach Simatai: Für die Strecke sollten Mauer-Wanderer mindestens vier
Stunden einplanen.
Fotos: dpa
ben, wer auch diesen Abschnitt
betreten will. Weitere fünf Yuan
Brückenzoll werden fällig, um
auf einer schmalen Hängebrücke einen spiegelglatten Stausee zu überqueren und so vom
Ost- in den Westteil des Simatai-Abschnitts zu gelangen.
Hier wird es noch einmal steiler.
Über 150 Meter schießt
der Gegenhang in die Höhe. Auf
den höchsten Gipfel der Simatai-Mauer schaffen es nur wenige Wanderer. Nur über die
„Himmelsleiter“ sind der „Pekingblick“ und der „Engelsturm“ auf 986 Metern Höhe zu
erreichen. Die bis zu 80 Grad
steile Passage, die an ihrer
schmalsten Stelle nur einen
halben Meter breit ist, erfordert
neben Mut vor allem grundlegende Kletterkenntnisse.
Verbunden werden die beiden
Türme von der „Himmelsbrücke“, einem 100 Meter langen
und 40 Zentimeter schmalen
Grat. Wer ihn bezwingt, soll
nachts die Lichter von Peking sehen können und darf sich „Held
der Chinesischen Mauer“ nennen. Doch mit Heldenruhm wird
es dieses Mal nichts für Vincent
und John. Die Beine sind müde,
ein Aufstieg über die „Himmelsleiter“ wäre jetzt lebensgefährlich. Die Trauer darüber aber
hält sich in Grenzen. Viel haben
sie von der „echten Mauer“ gesehen und ihre Einsamkeit genossen. „Jetzt weiß ich, wie sich
Obama auf der Mauer gefühlt haben muss“, sagt John – für den
Besuch des US-Präsidenten im
November 2009 war der Badaling-Abschnitt gesperrt worden.
„Aber der musste sicher nicht so
früh aufstehen.“
Max-Morten Borgmann
KULTUR
15
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
ARCHÄOLOGIE
AM RANDE
Der Sensationsfund von Alexandria
sches Ende. Ihr ältester
Sohn Ptolemäos IV., der
seine Schwester Arsinoe III. heiratete und
Anspruch
auf
die
Thronfolge erhob, ließ
seine Mutter und weitere Angehörige der Königsfamilie durch seinen skrupellosen Berater Sosibios umbringen.
rchäologen
haben in der ägyptischen Hafenstadt
Alexandria die Überreste eines Tempels
ausgegraben, der einst
für die ptolemäische
Königin Berenike II.
(ca. 269-221 v. Chr.) errichtet worden sein
soll. Bei ihrer Ausgrabung im Gebiet von
Kom al-Dikka fanden
die ägyptischen Forscher zudem 600 teilweise hervorragend erhaltene Statuen und
Tierfiguren aus der Zeit
der Ptolemäer.
A
Wie die Altertümerverwaltung in Kairo mitteilte, sind unter den
Figuren, die aus Kalkstein, Bronze und Keramik gefertigt wurden,
auffallend viele Katzendarstellungen.
Im Alten Ägypten wurde die Göttin Bastet
meist in Gestalt einer
Katze dargestellt. Zu
den Statuen gehöre
auch die Granit-Figur
eines hohen Beamten
am Hof von Ptolemäus
IV., die eine Inschrift in
griechischer
Sprache
trägt.
Berenike II. war eine
Tochter des makedonischen Königs Magas
von Kyrene im heutigen Libyen. Ihr Vater
Für Streit sorgt in Kairo
derzeit ein Vorstoß des
Abgeordneten Ahmed
Ess. Der Stahl-Magnat,
der zur Nationaldemokratischen Partei des
Präsidenten Husni Mubarak gehört, schlug im
Parlament vor, den
Handel mit archäologischen Fundstücken innerhalb Ägyptens zu
erlauben.
Eine der zahlreichen Katzen-Statuetten, die bei den Grabungen nahe der ägyptischen Stadt Alexandria zum Vorschein kamen.
Foto: AFP
wollte sie mit Ptolemäos III. vermählen. Nach
dem Tod des Vaters
entschied ihre Mutter,
Königin Apama, aber,
dass sie den makedonischen Prinzen Demetrios heiraten sollte.
Doch Demetrios, der
den Beinamen „der
Schöne“ trug, wurde
noch bevor er mit Berenike Kinder zeugen
konnte, Opfer einer Palastintrige:
Berenike
ließ ihn umbringen. Gemäß der Überlieferung
starb er im Schlafzimmer Apamas, deren
Geliebter er geworden
war. Schließlich heiratete
Berenike
doch
noch Ptolemäos III., in
dessen Herrschaftszeit
in Ägypten mehrere
Tempel errichtet wurden.
Der Berenike gewidmete Tempel in Alexandria war nach Angaben
der Archäologen 60
Meter lang und 15 Meter breit. Vom Gebäude
sei nicht mehr allzu viel
erhalten, weil viele seiner Steinquader später
für andere Bauten benutzt worden seien.
Bislang
waren
aus
Tempeln nur Darstellungen bekannt, die Berenike an der Seite ihres Gatten zeigten.
Das Leben von Berenike
II. fand ein dramati-
Die Kairoer Tageszeitung Al-Masri Al-Yom
berichtete,
Kulturminister Faruk Husni und
der Chef der Altertümerbehörde, Zahi Hawass, hätten den Vorstoß des Industriellen
massiv kritisiert. Hawass hatte in seiner
Heimat in den vergangenen Jahren viel Lob
einheimsen
können,
weil er Museen in Europa und den USA zur
Herausgabe von ägyptischen Altertümern, die
illegal gehandelt worden waren, gezwungen
hatte.
dpa
Bach-Museum
in Halle
as einstige Wohnhaus von
Wilhelm Friedemann Bach
(1710-1784) in Halle soll nach
langem Leerstand teilweise ein
Museum werden. „Es bietet
uns eine gute Möglichkeit, die
hallesche Musikgeschichte an
einem authentischen Ort abzubilden“, sagte der Direktor der
Stiftung Händelhaus, Clemens
Birnbaum. Wo einst der älteste
Sohn von Johann Sebastian
Bach lebte, sollen künftig Exponate aus der Sammlung des
Händelhauses die Historie der
Musikstadt Halle in den Blickpunkt rücken. Gezeigt werden
etwa Partituren, Originalinstrumente und Möbel. Wilhelm Friedemann Bach wurde in Weimar
geboren und zog nach Halle,
weil er dort eine Stelle als Organist in der Marktkirche annahm.
dpa
D
Goldener Reiter:
2100 Bewerber
ehr als 2100 Kurzfilme
haben sich um die Teilnahme am Wettbewerb um den
diesjährigen „Goldenen Reiter“
beim Filmfest Dresden im April
beworben. Wie die Veranstalter
in Dresden mitteilten, stammen die Bewerberfilme aus
75 Ländern. Besonders stark
vertreten sind neben Deutschland auch Frankreich, Großbritannien, Spanien und die USA.
Erstmals wurden Kurzfilme aus
Peru, Vietnam und Swasiland
eingereicht.
ddp
M
STROMKUNST
Das An/Aus-Prinzip
ine neue Dekade bricht
an. Was wird sie bringen? Alexander Strüpling, der sich als Künstler
Grobkorn nennt, ließen das
sonntägliche
Datum,
der
10.01.10, und die Frage nach
dem Danach keine Ruhe. Für
die „Kleine Stromkunstausstellung Numbers Of A New Decade“ projizierte er zusammen
mit Chris Röthig eigene Assoziationen bezüglich dieses Datums an die Brandmauer der
Nato.
E
Er habe schon viel mit Fassadenprojektionen gearbeitet, so
Strüpling. Auf die Idee zu
„Numbers Of A New Decade“
kam er, weil er bemerkte, dass
man den 10.01.10 auch als binäres Datum lesen kann, jenes
Zahlensystem, das für die
meisten Menschen nur eine
abstrakte Programmiersprache ist. Mit diesem Binärcode
spielen Strüpling und Röthig
nun. Neonhelle Zahlen flackern über die Mauer, fast zu
schnell, um sie vom menschlichen Auge entschlüsseln zu
lassen. Vielleicht geht es darum, dass der Computer, die
Technik überhaupt, den Menschen bestimmen und ihn
gleich einer Maschine steuern? Ist die Technik zu schnell,
zu klug für uns? George Orwell
lässt
grüßen.
„Vielleicht“,
meint Strüpling. „Wir sind
schließlich
umgeben
von
Strom, unser Leben funktioniert nach dem An/Aus-Prinzip.“
Wie man mit Strom arbeitet,
ihn für Effekte einsetzt und
sich ihn zunutze macht, muss
der 33-Jährige wissen. Hauptberuflich arbeitet er als VJ –
als Visual Jockey – die Ergänzung und Vollendung der DJArbeit. Wenn bei Konzerten,
Disco- oder auch Kunstveranstaltungen wie der Designers’
Open Lichtprojektionen im
Takt der pulsierenden Musik
über Wände und Menschen
flackern, dann zeichnen VJs
wie Strüpling dafür verantwortlich. In Japan haben sie
gar den gleichen Bekanntheitsund Beliebtheitsgrad wie DJs.
Auf Knopfdruck blinkt an der Nato ein Code: Alexander Strüpling (l.)
und Chris Röthig in der Karl-Liebknecht-Straße.
Foto: A. Kempner
Sein Wissen um die Wirkung
von Licht und Schatten setzt
Strüpling neben der „Kleinen
Stromkunstausstellung“,
die
bereits zum sechsten Mal stattfindet, auch für andere Outund Indoor-Projektionen ein.
Im Dezember nutzte er zusammen mit zwei anderen Künstlern leer stehende Ladenflächen in der Katharinenstraße
für die Mapping-Deluxe-Aktion.
„Wenn man zweidimensionale
Bilder auf dreidimensionale
Flächen projiziert, erzeugt das
interessante Texturen“, so die
Grundidee.
In erster Linie mache er seine
Kunstarbeiten jedoch für sich
selbst, ohne kommerzielles
oder zweckorientiertes Denken.
Der öffentliche Raum ist sein
Arbeitsmaterial, das er mit
Kunst belebt. 1984 haben wir
längst überlebt. Und 2010?
Caroline Baetge
16
PRÄVENTION
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
AM RANDE
Schoki: Menge
ist entscheidend
b dunkel, hell oder weiß: Bei
einem Gehalt von durchschnittlich 35 Prozent Fett und bis
zu 50 Prozent Zucker ist eine 100
Gramm Tafel Schokolade eine Kalorienbombe mit 550 Kilokalorien.
Gegen eine kleine Portion wie ein
Stück Schokolade ist
jedoch
selbst für Diabetiker nichts einzuwenden. Bei einer handelsüblichen 100-Gramm-Tafel Milchschokolade mit 24 Stücken enthält ein
Stück gerade einmal 2,3 Gramm
Kohlenhydrate. Diese kleine Menge schlägt in der BE-Berechnung
kaum zu Buche. Diät- oder Diabetiker-Schokolade, in der der Zucker
durch kalorienhaltige Zuckeraustauschstoffe ersetzt wird, bringen
für Diabetiker keine Vorteile. Als
ein „teures Ablenkungsmanöver
von der eigentlichen Problematik“
bezeichnet sie Dr. med. Monika Toeller vom Deutschen Diabetes-Forschungsinstitut in Düsseldorf. „Zu
viel gesättigtes Fett darin erhöht
die Blutfette und das Risiko für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das
bei Diabetikern ohnehin gegenüber der Normalbevölkerung erhöht ist.“
dpa
O
Viel trinken
gegen Verstopfung
ine Verstopfung lässt sich oft
schon durch ballaststoffreiche
Ernährung und ausreichendes Trinken beseitigen. Der Berufsverband
Deutscher Internisten rät Betroffenen, viel Vollkornprodukte sowie
frisches Obst und Gemüse zu essen sowie 1,5 bis 2 Liter pro Tag
zu trinken. Auch regelmäßige Bewegung helfe. Dagegen sollten Abführmittel nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, ohne dass ein Arzt die Ursachen der Verstopfung untersucht
hat. Eine Verstopfung liegt vor,
wenn jemand weniger als zweimal
pro Woche Stuhlgang hat und dabei stark pressen muss.
dpa
E
Kein rohes Fleisch
für Schwangere
chwangere, Kinder unter fünf
Jahren und abwehrgeschwächte Menschen verzichten besser
auf rohe Wurst- und Fleischwaren
wie Hackfleisch, Mettwurst oder
Carpaccio. Denn in diesen tierischen Lebensmitteln können
ebenso wie an der Oberfläche von
ungewaschenem Obst und Gemüse gefährliche parasitäre Krankheitserreger vorkommen, warnt
das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin. Eine Infektion mit den sogenannten Toxoplasmen kann zu grippeähnlichen
Symptomen und bei ungeborenen
Kindern im schlimmsten Fall zu
schweren Missbildungen führen.
Wirksam behandelbar ist die Erkrankung mit Antibiotika.
dpa
S
ERNÄHRUNG
Rote Bete – die unterschätzte Knolle
ie hat zwar eine
schöne rote Farbe,
dennoch ist sie
nicht jedermanns Sache:
Rote Bete schmeckt etwas erdig, und wenn sie
eingelegt wird, kommt
noch ein säuerlicher Geschmack hinzu. Deswegen verziehen Kinder,
aber auch viele Erwachsene bei Rote Bete häufig das Gesicht. „Das ist
jedoch sehr schade,
denn Rote Bete ist nicht
nur sehr gesund, richtig
zubereitet schmeckt sie
auch sehr lecker“, sagt
Lars Dietrich, Ernährungsexperte am Universitätsklinikum Leipzig. Sie werde zu oft unterschätzt.
S
Rote Bete gibt es schon
sehr lange. „Sie ist seit
rund 6000 Jahren bekannt“, erklärt die Kochbuchautorin Tanja Dusy
aus München. Vermutlich stammt die runde,
etwa faustgroße Knolle
aus Nordafrika und wurde von den Römern über
ganz Europa verbreitet.
„Daher kommt auch ihr
Name“, erklärt Dusy.
„Beta“ bedeutet auf Lateinisch „Rübe“. Deswegen nennt man Rote Bete häufig auch Rote Rübe.
Diese Knolle war
schon vor Jahrhunderten als wertvolles Gemüse mit besonderer Heilwirkung bekannt. Laut
Hauswirtschaftsmeisterin Inge Hebrank vom
Deutschen HausfrauenBund in Sindelfingen
glaubte man im Mittelalter beispielsweise, Rote
Bete sei wegen ihrer roten Farbe gut fürs Blut.
Das wurde mittlerweile
wissenschaftlich belegt:
Rote Bete enthält reichlich Folsäure, die für die
Bildung der roten Blut-
Rote Bete rot färbt, das
Immunsystem“, sagt Dusy. Gerade in den kalten
Monaten helfe die Knolle
folglich sehr gut gegen
Erkältungen und grippale
Infekte.
„Hinzu
kommt, dass Rote Bete
Stoffe enthält, die freie
Radikale fangen und da-
sen, dass schon ein halber Liter Rote-Bete-Saft
am Tag den Blutdruck
deutlich senkt. Die Zubereitungsmöglichkeiten
dieser extrem gesunden
Knolle sind vielfältig.
Roh beispielsweise passe sie gut zu Heringssalat oder einem Rohkost-
Sauerrahm wird das eine runde Sache.“ Typisch für diese rote Suppe ist, dass sie bei kleiner Hitze lange gegart
wird, damit sich der Geschmack der einzelnen
Zutaten gut entfalten
kann. Zum Schluss wird
der Borschtsch mit etwas Schmand oder frischen Kräutern wie Dill
und Petersilie verfeinert.
Rote Bete kann darüber
hinaus auch gekocht, gedämpft oder im Ofen gebacken werden, empfiehlt Dusy. „Man kann
sie beispielsweise ungeschält in kochendes
Salzwasser legen und
zugedeckt je nach Größe
für 30 bis 45 Minuten
köcheln lassen.“ Ist die
Knolle dann weich, wird
ihre Haut wie bei einer
Pellkartoffel abgezogen
und die Rübe mit Salz,
Pfeffer, Butter oder Öl
gegessen.
Färbt die Finger, ist aber extrem gesund: Rote Bete enthält den Farbstoff Betanin, der das Immunsystem stärkt.
Fotos: dpa
körperchen verantwortlich ist. Dusy zufolge decken 200 Gramm Rote
Bete 50 Prozent des Tagesbedarfs an Folsäure.
Darüber hinaus enthält
die rote Rübe auch viele
andere wichtige Stoffe
wie Kalzium, Kalium,
Magnesium, Jod, Natrium und Vitamin C.
„Außerdem stärkt der
Farbstoff Betanin, der
mit als Schutz vor Krebs
gelten.“
Ernährungsberater Lars
Dietrich nennt noch weitere Vorteile: „Sie regt
die Verdauung und die
Lebertätigkeit an, wirkt
entschlackend und senkt
den Blutdruck.“ Tatsächlich haben britische Wissenschaftler im vergangenen Jahr nachgewie-
salat aus Äpfeln, Nüssen, frischen Kräutern
und Öl, sagt Autorin Dusy. „Unverzichtbar ist
Rote Bete in der russischen Suppenspezialität
Borschtsch“,
ergänzt
Hauswirtschaftsmeisterin Hebrank. Dafür wird
Rote Bete klein gerieben
und leicht angedünstet.
„Zusammen mit Rindfleisch, Weißkraut und
„Wer mag, kann sie
dann aber auch mit saurer Sahne und Zwiebel
vermischen und alles
pürieren“, sagt Dusy.
„Das passt hervorragend
als Beilage zu Fisch.“ Mit
Fleisch schmecke Rote
Bete ebenfalls gut: „Ich
mag es zum Beispiel gerne, wenn sie gewürfelt
und in einer Pfanne mit
geschmolzener
Butter
und
Thymian
geschwenkt wird.“ Das
verleihe der Roten Bete
ein tolles Aroma.
Aliki Nassoufis /ukl
BELASTUNG
Fußform verändert sich im Lauf der Jahre
m Laufe eines Lebens
verändert sich die Fußform. Dadurch kann sich
auch die Schuhgröße ändern. Denn die Füße können je nach Belastung länger oder breiter werden.
Lässt die Spannkraft der
Muskeln, Bänder und Sehnen nach, werden sie länger. Wer stark zugenommen
hat,
bekommt
dadurch
auch breitere Füße. Beides
macht sich meist durch
deutliche Schmerzen bemerkbar, da die alte Schuhgröße nicht mehr passt.
Auch können sich Hämatome unter den Nägeln bilden, da sich der Druck auf
die Zehen erhöht.
I
Wer also 40 Jahre lang Grö-
ße 38 besessen hat, muss
unter
Umständen
neue
Schuhe in einer größeren
Nummer kaufen als bisher.
Optimal ist, wenn die Zehen
und der gesamte Fuß im
Schuh genug Platz zum Abrollen haben. Um die Füße
so gut wie möglich vor einseitiger Belastung zu schützen, sollten nach Möglichkeit jeden Tag andere Schuhe getragen werden. Modelle mit Absätzen über vier
Zentimeter
und
luftundurchlässige Stiefel sollten
immer nur kurze Zeit getragen werden.
Gesund ist auch, zwischendurch einmal barfuß zu laufen. Das ist besonders wertvoll für den Rücken, denn
dann wirkt die Fußmuskulatur als Stoßdämpfer und
kann die Bandscheibe vor
Stößen bewahren. Füße und
Wirbelsäule stimmen sich
beim Bewegungsablauf automatisch aufeinander ab.
Werden jedoch Schuhe getragen, fällt dieser Effekt weg.
Besonders Schuhe mit Absätzen leiten jede Aufsetzbewegung des Fußes auf den Boden
an die Bandscheibe weiter.
Barfuß laufen hilft, Fußschäden wie Senk- oder Plattfuß
vermeiden. Zudem härtet Barfußlaufen ab, und man ist besser gegen Erkältungen gewappnet. Oft reicht schon eine
halbe Stunde Barfußlaufen auf
einem kühlen Untergrund, um Äußerst ungünstig für die Muskulatur des
die Abwehr zu stärken.
sid Fußes: Schuhwerk mit hohen Absätzen.
FITNESS, BEAUTY & WELLNESS
17
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
SAUNA
AM RANDE
Trocken oder feucht – Kombination am gesündesten
as
entspannte
Schwitzen in Saunen und Dampfbädern hat viele Anhänger.
Besonders nach dem
Sport tut der Gang in die
Schwitzkammer gut und
erzeugt eine wohlige
Schwere. Mit der Frage,
ob eher trockene Hitze
oder angenehm feuchtwarmer Nebel zu bevorzugen sind, muss man
sich derweil nicht lange
herumplagen. Denn Sauna- und Dampfbad-Gänge lassen sich besonders
gut kombiniert genießen, wie Günter Remigius Till, Bäder- und Thermenexperte des Deutschen Wellnessverbandes, empfiehlt.
D
Die beiden Schwitzorte
unterscheiden sich vor
allem durch Temperatur
und Luftfeuchtigkeit. „Im
Dampfbad ist es meistens
nur 40 bis 50 Grad Celsius warm, die Luftfeuchtigkeit beträgt dafür bis
zu 100 Prozent“, erläutert Till. In der Sauna ist
es mit 60 bis 90 Grad Celsius deutlich heißer, die
Luft ist hingegen knochentrocken. Wegen der
größeren
körperlichen
Anstrengung sollte man
in der Sauna deshalb
besser liegen, rät Till.
Das Dampfbad kann man
ohne weiteres auch im
Sitzen genießen.
Die Saunahitze bringt in
erster Linie den Kreislauf und das Immunsystem in Schwung, das
Dampfbad ist zusätzlich
wohltuend für Haut und
gleich der Belastung einer 90-Grad-Sauna aussetzen möchte, sollte
nach Tills Ansicht ein
gemischtes Programm
aus beiden Schwitzfor-
nach ein Besuch im
Dampfbad an. Erst am
Ende stehe dann der
Gang in die Heißkammer mit Temperaturen
über 80 Grad Celsius.
Das entspannte Schwitzen in Saunen hat viele Anhänger. Die Hitze-Gänge lassen sich besonders gut kombiniert genießen.
Foto: ddp
Atemwege. „Im feuchten
Nebel kann man besser
Durchatmen“,
erklärt
der Bäderexperte. Das
nasse Klima wirke entkrampfend
auf
die
Atemwege, öffne zudem
die Poren der Haut, befeuchte sie und habe einen glättenden Effekt.
Wer seinen Körper nicht
men wählen. „Dann
kann man sich langsam
an die hohe Temperatur
gewöhnen“,
erläutert
der Experte. Als schonender Beginn sei zunächst eine Bio-Sauna
zu empfehlen, in der gemäßigte Temperaturen
um die 50 Grad Celsius
herrschten. Nach einer
Ruhephase biete sich da-
ALLERGIEN
E
Gerade Allergiker können dank
regelmäßiger Nasenspülungen
wieder aufatmen: Das warme
Salzwasser wäscht Pollen und
andere Allergene heraus und
verhindert oder lindert zumindest das Auftreten der unange-
Drei
Saunaoder
Dampfbad-Gänge
hintereinander sind im übrigen nach Auskunft des
Experten mehr als genug. „Bei vier Saunaphasen ist der Körper
später häufig überreizt
und
man
schläft
schlecht“, berichtet der
Experte. Deshalb sollte
in der Schwitzkammer
auch kein Leistungsdruck herrschen. Je
nach körperlicher Verfassung müsse jeder für
sich selbst entscheiden,
ob er sich der Hitze gewachsen fühle. Wer
Zweifel an seiner Fitness
habe, sollte vor Saunaoder
Dampfbadbesuchen lieber einen Arzt
zurate ziehen. Denn insbesondere bei Fieber,
Thrombosen oder entzündlichen Erkrankungen ist das Sauna- und
Dampfbaden verboten,
wie Till betont.
ddp
FITNESS
Nasenspülung kann
bei Erkältung helfen
s gibt sicherlich Angenehmeres, als sich warmes
Salzwasser durch die Nase laufen zu lassen. Aber eine
freie Nase ist es wert, findet
Hals-Nasen-Ohrenarzt Christian Hellweg aus Frankfurt am
Main: „Das ist wie Jogging für
die Nasenschleimhäute und
stärkt die Abwehrkräfte.“ Ideal
sei die schonende Behandlungsmethode beispielsweise
für alle, die häufig unter Nebenhöhlenentzündungen oder
allergischen Reaktionen der
Nase leiden. „Die Spülung sorgt
dafür, dass der Schleim besser
abtransportiert wird.“
Die Schwitzdauer sollte
allerdings nicht übertrieben werden. Nach spätestens zehn Minuten in
der Sauna sei eine Pause
ratsam, betont Till. Im
Dampfbad sollte man
nicht länger als 15 Minuten ausharren. Hinterher
ist auf jeden Fall Abkühlen angesagt, entweder
unter der kalten Dusche
oder im Tauchbecken.
Wer es sich ersparen
möchte, ins eiskalte Wasser einzutauchen, kann
auch
einen
KneippSchlauch
verwenden.
„Damit wird der Kreislauf schonender wieder
in Schwung gebracht“,
sagt Till. Nach dem Abkühlen sollte man sich
gründlich
abtrocknen
und dem Körper eine
Pause gönnen.
nehmen Symptome. Bewährt
haben sich Salzwasserspülungen aber auch im Herbst und
Winter, wenn die trockene Heizungsluft den Nasenschleimhäuten zusetzt. „Wer unter
chronisch trockenen Nasenschleimhäuten leidet, kann diese zwischendurch zusätzlich
mit speziellen Salzwasser-Nasensprays befeuchten“, rät
Hellweg. Diese enthalten oft
auch Dexpanthenol, das die Regeneration der Schleimhäute
verbessert und ihre Geschmeidigkeit erhält.
Nasenspülungen sind prinzipiell für jeden Menschen geeignet, nur kleine Kinder können
Probleme haben. Als Grundlage
werden in Apotheken und Drogeriemärkten spezielle Salze
angeboten. „Prinzipiell eignet
sich jedoch jedes normale Speisesalz.“
ddp
Kurz und moderat –
Training im Winter
er zu viel trainiert,
wird anfälliger für Infekte. Für das gesundheitsorientierte Ausdauertraining im Winter bedeutet das
konkret: „Legen Sie den
Schwerpunkt auf moderat-intensives Grundlagenausdauertraining und vermeiden Sie
Trainingseinheiten über 60
Minuten“, rät Christoph Eifler
von der BSA-Akademie/Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken. Ein Intervalltraining sei ein- bis
zweimal pro Woche möglich,
danach sollte aber immer ein
Ruhetag folgen.
W
„Auch beim Krafttraining sollten Sie die Trainingsdauer im
Auge behalten“, empfiehlt der
Leiter des Fachbereichs Fitness. Bei einem Training über
60 Minuten schütte der Körper
deutlich mehr von dem Stresshormon Cortisol aus. „Das
wirkt negativ auf das Immunsystem und hemmt außerdem
die Regeneration.“
Für alle Sportarten gilt laut
Eifler: Trainingsphasen mit
hohen Intensitäten sollten sich
mit Phasen reduzierter Intensität abwechseln. Dabei ist genügend Zeit für Erholung
wichtig.
Kommt es trotz der Witterung
angepasster Kleidung, dem
Vermeiden von Kontakt mit
erkrankten Menschen und einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Kost doch
einmal zum schwereren Infekt, sollten Freizeitsportler
ihrem Körper die benötigte
Auszeit gönnen – und Trainingseinheiten einfach auslassen.
dpa
Alternative
zur Kuhmilch
er Fettgehalt von Ziegenmilch
ist kaum höher als der von
Kuhmilch. Auch die Nährstoffzusammensetzung ist ähnlich, erläutert der Infodienst Landwirtschaft-Ernährung-Ländlicher
Raum (LEL) in Schwäbisch
Gmünd. Allerdings unterscheiden sich beide in ihrer Fettsäurenzusammensetzung: Ziegenmilchfett enthält mehr kurz- und
mittelkettige Fettsäuren. Sie machen die Milch gut verdaulich
und geben ihr den typischen Geschmack. Schafmilch enthält
dem LEL zufolge fast doppelt so
viel Fett wie Kuh- und Ziegenmilch und ist dadurch deutlich
kalorienreicher. Aber sie enthält
auch mehr Nährstoffe: Ihr Eiweißgehalt zum Beispiel ist höher als der von Kuhmilch. Kuhmilchallergiker sollten allerdings
nur zu Schaf- oder Ziegenmilch
greifen, wenn klar ist, dass sie
ausschließlich auf kuhmilchspezifische Allergene reagieren. Am
besten besprechen Betroffene
das mit ihrem Arzt.
dpa
D
Langsamer essen
macht satter
er langsam isst, wird
schneller satt. Das wurde
jetzt auch wissenschaftlich von
griechischen Forschern untermauert. Diese testeten das mit
300-ml-Portionen Eis, die Freiwillige entweder in fünf Minuten
herunterschlingen
mussten
oder es in einer halben Stunde
genießen konnten. In regelmäßigen Abständen bestimmten
die Forscher die Konzentration
von Sättigungshormonen im
Blut der Studienteilnehmer. Tatsächlich bildeten die Probanden, die das Eis in fünf Minuten
verputzten, deutlich weniger von
diesen Hormonen und fühlten
sich auch weniger gesättigt als
jene, die sich 30 Minuten Zeit
ließen.
dpa
W
Nase ist
trainierbar
in guter Geruchssinn lässt
sich auch trainieren. Regelmäßige Riechtests können dabei
helfen, rät der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte in Neumünster. Dafür werden mit verbundenen Augen zum
Beispiel verschiedene Obst- und
Gemüsesorten, Teearomen oder
Joghurtsorten
erschnuppert.
Aber auch im Alltag lassen sich
Riecheindrücke sammeln und
beschreiben: Wie riecht zum Beispiel Schnee, Regen oder die
Luft am Morgen und am Abend?
Solche Eindrücke können in Worte gefasst werden – für einen Gesprächspartner oder nur für den
Riechenden selbst.
dpa
E
18
IHR GELD, IHR RECHT
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
EINKOMMENSTEUER
Von Haushaltshilfe bis zu Zinsen
aum hat das neue Jahr begonnen, brüten bereits
viele Steuerzahler wieder
über der Erklärung für das vergangene Jahr. Auch für 2009
gibt es einige Neuerungen zu beachten. Wir geben einen Überblick, wo sich Steuern sparen
lassen.
K
Haushaltsnahe
Dienstleistungen: Mit dem Familienleistungsgesetz wurden ab dem Jahr
2009 die Aufwendungen für
haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse oder Dienstleistungen deutlich erhöht. So können
20 Prozent der Aufwendungen
für geringfügig beschäftigte
Haushaltshilfen bei einem Betrag von bis zu 2550 Euro,
höchstens also 510 Euro jährlich, direkt von der Steuer abgesetzt werden. Wer sozialversicherungspflichtig
angestellte
Haushaltshilfen
beschäftigt,
kann 20 Prozent von bis zu
20 000 Euro jährlich, höchstens
also 4000 Euro, geltend machen, wie der Bundesverband
der
Lohnsteuerhilfevereine
(BDL) mitteilt.
Handwerkerleistungen:
Wer
sein Bad renovieren, die Waschmaschine ersetzen oder das
Dach neu decken ließ, kann
ebenfalls einen Steuerbonus geltend machen. Seit 2009 sind 20
Prozent von bis zu 6000 Euro,
Durchblick bei der Steuererklärung: Auch für das vergangene
Jahr gibt es einige Änderungen zu beachten.
Foto: dpa
also bis zu höchstens 1200 Euro, direkt abzugsfähig. Der Steuerratgeber Konz weist darauf
hin, dass der Handwerker auf
der Rechnung Lohn- und Materialkosten getrennt ausweisen
sollte. Denn absetzbar sind nur
die reinen Lohnkosten. Zudem
sollte nicht bar gezahlt werden.
Kapitalbesteuerung: Bei der anstehenden Einkommensteuererklärung hat erstmals die seit
2009 geltende Abgeltungssteuer
Relevanz. Kapitalerträge wie
AKTUELLE URTEILE
Radler dürfen auf Gehwege
§
st der Radweg entlang einer Straße nicht von
Eis und Schnee geräumt, dürfen Fahrradfahrer die Straße benutzen. In jüngster Zeit hatten
sich in vielen Städten die Streitfälle gehäuft, bei
denen sich Autofahrer über die vermeintlich unrechtmäßige Nutzung der Fahrbahn durch Fahrradfahrer aufregten. Der Bundesgerichtshof hatte in dieser Sache bereits 1994 Klartext geredet. Die Richter befanden in einem Grundsatzurteil, dass Biker die allgemeine
Fahrbahn nutzen dürfen, wenn die Fahrradwege durch die Witterung unpassierbar sind. Dies ist häufig der Fall, weil viele
Kommunen in ihren Streu- und Räumplänen die Fahrradwege
nicht eingeplant haben.
(BGH III ZR 60/94)
I
Schwere Mängel nicht selbst beheben
enn eine Wohnung in sehr schlechtem Zustand ist, müssen
Mieter zwar unter Umständen keine Schönheitsreparaturen bezahlen. Dafür müssen sie jedoch massive Schäden am Bau
nachweisen. Das geht aus einem entsprechenden Urteil des
Kammergerichts Berlin hervor. In dem Fall war ein Mieter nach
30 Jahren aus seiner Wohnung ausgezogen, ohne die vertraglich
vereinbarten Schönheitsreparaturen vorzunehmen. Der Vermieter forderte deshalb 10 000 Euro Ersatz. Der Mieter lehnte das
ab, weil seiner Meinung nach die Reparaturen sinnlos waren –
denn die Wohnung habe massive Schäden aufgewiesen, unter
anderem Risse in den Wänden und verwitterte Fensterrahmen.
Die Richter gaben dem Vermieter recht. Zwar müssten Reparaturen nicht vorgenommen werden, wenn sie wegen massiver
Schäden am Bau wirtschaftlich sinnlos sind. Das habe der Mieter
allerdings nicht nachweisen können. Grundsätzlich seien Schönheitsreparaturen immer dann fällig, wenn die Räume so abgenutzt und mangelhaft sind, dass sie nicht vermietet werden können.
(Az.: 8 U 154/07)
W
Zinsen werden seit dem 1. Januar 2009 losgelöst von den übrigen
Einkünften
besteuert.
Grundsätzlich gilt: Für sämtliche
Erträge, die mit Kapitalanlagen
erzielt werden, wird eine Steuer
von 25 Prozent erhoben – zuzüglich Solidaritätszuschlag und
gegebenenfalls Kirchensteuer.
Das jeweilige Kreditinstitut behält die Abgaben ein und führt
sie unmittelbar an das Finanzamt ab. Damit ist die Steuerschuld abgegolten. Großanleger
zahlen bei dieser Art der Be-
steuerung zum Teil sogar weniger, sagt BDL-Geschäftsführer
Erich Nöll. In manchen Fällen
könnte der individuelle Steuersatz jedoch günstiger ausfallen.
Der Bürger habe daher ein
Wahlrecht, die Kapitalerträge
anzugeben und damit gegebenenfalls eine Erstattung von einbehaltener Kapitalertragsteuer
zu erhalten. Dafür müsse bei der
Steuererklärung die Anlage KAP
entsprechend ausgefüllt werden.
Dies sei vor allem für Geringverdiener und Rentner zu empfehlen, so Nöll. Gerade Rentner hätten oft Kapitalerträge, die die
Freibeträge von 801 Euro für
Alleinstehende beziehungsweise
1602 Euro für Verheiratete
überschreiten. In diesem Fall
sollten sie eine Steuererklärung
abgeben, auch wenn sie sonst
nicht dazu verpflichtet sind, rät
der Steuerfachmann.
Häusliches Arbeitszimmer: Bereits seit 2007 ist ein häusliches
Arbeitszimmer nur noch in jenem Fall steuerlich absetzbar,
wenn es den Mittelpunkt der
beruflichen Tätigkeit darstellt.
Das Bundesverfassungsgericht
hat noch zu überprüfen, ob diese Regelung verfassungsgemäß
ist. Laut Steuerratgeber Konz
sollten diejenigen, die Kosten
für ein häusliches Arbeitszimmer haben, diese unbedingt in
der Steuererklärung angeben.
Dann können sie später von einem positiven Gerichtsurteil
profitieren.
Pendlerpauschale: Nach einem
Urteil des Bundesverfassungsgerichts können Kosten für
Fahrten zwischen Wohnung
und Arbeitsstätte ab 2007 wieder uneingeschränkt als Werbungskosten abgezogen werden. Unabhängig von den tatsächlich entstandenen Kosten
und vom Verkehrsmittel können je Arbeitstag 30 Cent pro
Kilometer (einfacher Weg) geltend gemacht werden. Wer öffentliche Verkehrsmittel benutzt, könne auch den Betrag
als Werbungskosten ansetzen,
der die Entfernungspauschale
übersteigt, höchstens allerdings
4500 Euro, so Konz.
Erststudium: Wer nach einer
abgeschlossenen Berufsausbildung ein Studium aufnimmt,
kann die durch das Studium
veranlassten Kosten in voller
Höhe als Werbungskosten absetzen. Dabei sei es egal, wie
lange die Berufsausbildung zurückliegt oder ob das Studium
fachlich
damit
zusammenhängt. Der begrenzte Abzug der
Kosten für die eigene Berufsausbildung von maximal 4000
Euro im Jahr gelte in diesem
Fall nicht, so der Steuerratgeber. Sabine Schanzmann-Wey
FEUERWEHRRENTE
Sächsische Träume sind geplatzt
ie Pläne des Freistaats Sachsen zur Einführung einer
„Feuerwehrrente“ für zehntausende Ehrenamtler sind geplatzt. Die Spitzenverbände von
Kommunen und Landkreisen haben dem Vorhaben des Landes in
seiner bisherigen Form inzwischen eine Absage erteilt. Damit
steht ein Vorzeigeprojekt der
Staatsregierung vor dem Scheitern. Ministerpräsident Stanislaw
Tillich (CDU) hatte die Feuerwehrrente eine Woche vor der Wahl
2009 in einem 19-Punkte-Plan angekündigt und im Koalitionsvertrag von CDU und FDP ist sie
ebenfalls verankert.
D
Die Idee dahinter: Mehr als 47 000
Menschen engagieren sich in
Sachsen in Freiwilligen Feuerwehren. Nicht selten riskieren sie ihre
Gesundheit, um andere aus Lebensgefahr zu befreien. Eine kleine Entschädigung soll dafür die
Feuerwehrrente sein, die in Sachsen auch für ehrenamtliche Rettungsdienstler und Katastrophenschützer gedacht ist. Der Freistaat
hat bereits Rahmenvereinbarungen mit den Versicherern Kommunaler Versorgungsverband Sach-
sen (KVS) und Sparkassenversicherung abgeschlossen. Mit einem
Jahresbeitrag von mindestens 100
Euro, darunter macht es praktisch
keinen Sinn, soll über eine Lebensversicherung eine kleine Rente angespart werden. Der Haken:
Die Kosten bleiben allein bei Städten und Landkreisen hängen. „Wir
betrachten das als kommunale
Aufgabe“, erklärte dazu Lothar
Hofner, Sprecher von Innenminister Markus Ulbig (CDU).
In Thüringen, derzeit von einer
schwarz-roten Regierung geführt,
ist die Feuerwehrrente zum Jahresanfang eingeführt worden.
Laut Bernd Edelmann, Sprecher
des Innenministeriums in Erfurt,
können davon bis zu 42 000 ehrenamtliche Feuerwehrleute profitieren. Kommunen und Freistaat
würden sich formal den Jahresbeitrag von 120 Euro zwar teilen,
über den Finanzausgleich erhalten
die Städte und Kreise das Geld jedoch zurück. Sechs Millionen Euro
koste das im Jahr den Freistaat.
Edelmann: „Wenn das Land den
Kommunen Aufgaben überträgt,
müssen die auch finanziert werden.“
Genau daran scheitert die „Feuerwehrrente“ nun zunächst in
Sachsen. Weil die „Rahmenvereinbarung keinen eigenständigen
Beitrag des Freistaats vorsieht“,
so teilten die kommunalen Spitzenverbände, der Städte- und
Gemeindetag (SSG) sowie der
Landkreistag, in einem Schreiben an das Innenministerium inzwischen unter anderem mit,
nehmen Kommunen und Kreise
„Abstand vom Beitritt zu den
vorgelegten
Rahmenvereinbarungen“.
SSG-Geschäftsführer
Mischa
Woitscheck fügte auf Anfrage
hinzu: „Der Freistaat teilt mit
seiner Feuerwehrrente ungedeckte Schecks aus.“ Das sei besonders schade für die ehrenamtlichen Feuerwehrleute und
Helfer. „Die Kommunen sind in
ihrer bisher schwersten Finanzkrise nicht in der Lage, auch
noch die vollmundigen Versprechen der Landespolitik zu bezahlen“, erklärte Woitscheck.
Das Innenministerium nimmt
das erstmal zur Kenntnis. „Wir
sind in Gesprächen“, sagte
Sprecher Hofner.
Ingolf Pleil
SOZIALES
19
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
ANALPHABETEN
AM RANDE
„Es ist nie zu spät, lesen zu lernen“
Arbeitgeber. Man muss die
Gesellschaft sensibilisieren,
damit sie die Schwächen
mitbekommt. Diejenigen,
die es betrifft, müssen sich
dann aber auch helfen lassen. Wir können nur Brücken bauen und die Angebote verstärken. Die Beratungsstellen zielen darauf
ab, die Hemmschwellen zu
überwinden. Es wird auf jeden Fall Diskretion zugesichert.
erzeit leben rund
200 000 Analphabeten in Sachsen. Der
Freistaat will das Problem
offensiv angehen, sagt Kultusminister Roland Wöller
(CDU) im Interview. Zum
Jahresanfang hat Sachsen
deshalb eine Koordinierungsstelle für Alphabetisierung eingerichtet.
D
Frage: Einerseits belegt
Sachsen Spitzenplätze bei
Bildungstests, andererseits
können 200 000 Menschen
nicht richtig lesen und
schreiben. Wie kommt das?
Roland Wöller: Das eine hat
mit dem anderen wenig zu
tun. Unter den 200000, die
nur über sehr geringe Leseund Schreibkenntnisse verfügen, sind alle Altersgruppen vertreten. Von ihnen
hat ein großer Teil zwar Lesen und Schreiben gelernt,
aber wieder verlernt.
Warum ist die Zahl der Analphabeten im Freistaat
seit Jahren konstant?
Sachsen hat nicht mehr
und nicht weniger Analphabeten als andere Bundesländer. Aber Sachsen
geht das Problem offensiv
an. Wir haben als erstes
und einziges Bundesland
2006/2007 in einer Studie
Umfang und Struktur des
Analphabetismus genauer
untersucht. Im Ergebnis
dieser Studie haben wir
auch die Koordinierungsstelle eingerichtet. Unser
Ziel ist es, die Zahl der
funktionalen Analphabeten zu verringern. Aber
das ist nicht allein Sache
des Staates. Vor allem
müssen die Betroffenen
selbst bereit sein, sich helfen zu lassen.
Schneller
Einspruch wichtig
ird ein gesetzlich Versicherter von seiner Krankenkasse
gegen seinen Willen „gesundgeschrieben“, sollte er umgehend
Widerspruch einlegen. Denn mit
der Gesundschreibung ende zugleich die Krankengeld- beziehungsweise Entgeltfortzahlung,
erläutert die Unabhängige Patientenberatung (UPD) in Rostock. Außerdem gilt der Patient dann als
arbeitsfähig, auch wenn er sich
noch krank fühlt. Auch der behandelnde Arzt kann aktiv werden,
wenn der Patient seiner Einschätzung nach weiterhin krank ist: Er
kann bei der Krankenkasse ein
Zweitgutachten beantragen, um
die Arbeitsunfähigkeit erneut
überprüfen zu lassen. Der UPD
zufolge kommt es öfter vor, dass
von ihrem Arzt krankgeschriebene Patienten aufgrund eines Gutachtens
des
Medizinischen
Dienstes der Krankenkasse für
gesund erklärt werden.
dpa
W
Viele Analphabeten schämen sich aber, versuchen
ihr Nichtwissen irgendwie
zu vertuschen. Was raten
Sie ihnen und den Menschen in ihrem Umfeld?
Analphabeten bleibt der Zugang zu wichtigen Informationsquellen – wie Tageszeitungen oder Magazinen – verwehrt. Sachsens Regierung will das ändern.
Sie haben nun eine Koordinierungsstelle für Alphabetisierung ins Leben gerufen.
Was soll dadurch verbessert werden?
Wer rutscht durch die Maschen des Schulsystems?
Ziel ist, es gar nicht erst so
weit kommen zu lassen,
dass jemand Schwierigkeiten mit dem Lesen und
Schreiben hat. Deshalb
setzen wir auf individuelle
Förderung und das rechtzeitige Erkennen von Lese-Rechtschreib-Schwächen. Unsere Lehrer haben da sehr gute diagnostische
Fähigkeiten.
Außerdem ist es Sachsen
in den vergangenen Jahren gelungen, den Anteil
derer, die die Schule ohne
Abschluss verlassen, deutlich zu senken.
Kulturminister
Roland Wöller
de Anwendung wieder
verlernen. Wir sprechen
deshalb auch von funktionalen Analphabeten, weil
rudimentäre Kenntnisse
meist vorhanden sind.
Werden leichtfertig Abschlüsse und Noten erteilt?
Betrifft es mehr Ältere
oder Jüngere?
Nein. Es kann aber sein,
dass Prüfungen bestanden
wurden, Menschen dieses
Wissen aber nach der
Schulzeit durch mangeln-
Die Stichproben unserer
Studie haben gezeigt, dass
alle Altersgruppen vertreten sind. Einen direkten
Schwerpunkt gibt es nicht.
Wir möchten, dass mehr
Menschen
mit
dieser
Schwäche den Mut finden,
die Kurse zu besuchen. Das
Angebot soll flächendeckend sein. Deshalb haben
wir vier regionale Anlaufstellen geschaffen, deren Finanzierung für drei Jahre
durch Fördermittel aus
dem Europäischen Sozialfonds abgesichert ist.
Menschen, die nicht lesen
und schreiben können, stehen überall am Rande. Sie
können keine Behördenformulare ausfüllen, haben
im privaten Leben und im
Job Probleme, wenn sie
überhaupt Arbeit finden.
Wer hilft ihnen?
Das Umfeld ist wichtig, die
Familie, Freunde und der
Ich rate ihnen, offensiv damit umzugehen und es
nicht als Schande zu sehen.
Sie sollten die Angebote
nicht aus falsch verstandener Scham ausschlagen,
sondern die Beratungsstellen aufsuchen und Vertrauen aufbauen zu den Fachkräften. Wenn der erste
Schritt gemacht ist, geht es
dann auch leichter weiter.
Es ist nie zu spät, lesen und
schreiben zu lernen. Dieses
Signal möchten wir an die
Analphabeten senden.
Förderung erreicht
arme Leute kaum
ie Krankenkassen geben jedes Jahr mehr Geld für die
Gesundheitsvorsorge aus, erreichen aber sozial Benachteiligte
immer noch wenig. Das geht aus
dem Präventionsbericht für das
Jahr 2008 hervor, der in Berlin
vorgestellt wurde. Danach investierten alle gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) zusammen 340 Millionen Euro in
die Vorbeugung gegen Gesundheitsrisiken, rund 40 Millionen
mehr als 2007. Obwohl es das
Ziel der Kassen ist, auch sozial
Benachteiligte zu erreichen,
fließt immer noch das meiste
Geld in individuelle Gesundheitskurse, die nur von bestimmten
Gruppen, vor allem aus der Mittelschicht und zu fast drei Vierteln von Frauen im mittleren Altern genutzt werden.
epd
D
Ihr Amt bringt den Spagat
zwischen Begabtenförderung und Analphabetisierung mit sich. Wie sehr liegen Ihnen die Analphabeten am Herzen?
Sehr. In der sächsischen
Bildungspolitik lautet das
Motto: Jeden mitnehmen,
den Begabten genauso wie
den weniger Talentierten.
Bildung ist die notwendige
Voraussetzung, um ein
selbstbestimmtes und freies
Lebens führen zu können.
Dr. Anita Kecke
LEIHARBEIT
Ausnahme ist die Regel
ohndumping
durch
Leiharbeit:
Diesen
Vorwurf erheben Arbeitnehmervertreter derzeit gegen Unternehmen
wie Schlecker. Beschäftigte
können sich allerdings
kaum dagegen wehren,
wenn sie entlassen und
dann für die gleiche Arbeit
von einer betriebsinternen
Leiharbeitsfirma übernommen werden sollen. Denn
illegal ist das nach geltender Rechtslage nicht. DaBesonders im deutschen Baugewerbe finden sich rauf weist die Universität
viele Leiharbeiter.
Fotos: Volkmar Heinz Duisburg-Essen hin, die
L
das Problem untersucht
hat. „Nicht selten kehren
dieselben Beschäftigten auf
diesem Wege auf ihren früheren Arbeitsplatz zurück –
nur für weniger Geld und
zu schlechteren Arbeitsbedingungen“, erläutert Claudia Weinkopf von der Universität. Die Drogeriekette
Schlecker war in den vergangenen Tagen in die Kritik geraten, weil sie Beschäftigte entlassen und
dann als Zeitarbeiter zu
niedrigeren Löhnen wieder
eingestellt haben soll.
Ein solches Vorgehen ist
nach Angaben der Forscher keineswegs selten:
„Viele Unternehmen haben ein eigenes Zeitarbeitsunternehmen gegründet, um geltende tarifliche
Standards zu unterlaufen“, sagt Weinkopf. So
habe zum Beispiel eine Befragung von Betriebsräten
durch die Hans-BöcklerStiftung ergeben, dass gut
sieben Prozent aller untersuchten Unternehmen eine solche interne Leiharbeitsfirma haben. Bei Ban-
ken und Versicherungen
seien es sogar mehr als
neun Prozent.
Es hilft Betroffenen dabei
wenig, sich auf den Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ zu berufen.
Denn das Gesetz sehe eine
Ausnahme vor, die inzwischen zur Regel geworden
ist, erläutert Weinkopf: Abweichungen beim Lohn seien zulässig, wenn für Leiharbeiter eigene Tarifverträge gelten. Und das sei fast
immer so.
dpa
20
SPORT
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
REITSPORT
Die wilde 13 – Partner Pferd lockt auf Neue Messe
s ist das Pferdesporthighlight im Januar, das Weltcup-Turnier Partner Pferd
in Leipzig, es sorgt stets für heitere und ausgelassene Stimmung
und zieht Teilnehmer aus 20 Nationen magisch an – Dressurund Springreiter, Vierspännerfahrer und Voltigierer. Mit vier
Disziplinen glänzt die 13. Partner
Pferd auf dem Messegelände in
Leipzig und lockt Zuschauer aus
ganz Deutschland an.
E
Von Donnerstag bis Sonntag bietet die Messe ein sportlich anspruchsvolles Programm, dotiert
mit insgesamt rund 500 000 Euro Preisgeld und am Samstag
und Sonntag überträgt der Mitteldeutsche Rundfunk MDR die Ereignisse aus dem Parcours im
Rahmen der Sendung Sport im
Osten. Am Samstag gibt es Partner Pferd Flair von 16.30 bis
18.00 Uhr, am Sonntag wird von
16.30 bis 17.15 Uhr aus der Messehalle 1 übertragen.
Schon der erste Tag Messe bietet
perfekte Gelegenheiten zum
Bummeln und staunen vor allem
für Familien. Beim VNG-Familientag können Eltern und Kinder
für wenig Geld einen ganzen Tag
lang in der Ausstellung stöbern,
vor allem aber Pferde und Reiter
kennenlernen. Der Sport gibt da
einiges her, denn das WeltcupTurnier startet mit den Finals im
Partner Pferd Cup und im Partner Pferd Junior-Cup, zudem
stellen die internationalen Teilnehmer ihre Nachwuchspferde
im Bioranch Youngster-Cup vor.
Ein Klassiker des Leipziger Tur-
niers ist die Sparkassen SportGala am Freitagabend und das
Stichwort Show und Sport wird
auch am Samstag in der Wernesgrüner Pferdenacht aufgegriffen.
Den Auftakt macht der Preis der
VNG und bevor die Vierspänner
zur Einlaufprüfung in der Sparkassen-Trophy antreten, erobern
die ostdeutschen Haupt- und
Landgestüte mit ihren vierbeinigen „Beamten“ die Arena und
öffnen damit buchstäblich ihre
Schatztruhe.
Aus Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern,
Sachsen und Thüringen kommen
die besten Hengste zur Sparkassen Sport-Gala nach Leipzig. Dazu gesellt sich pure Unterhaltung, die Schäferin Anne KrügerDegener, die drei Nassif-Brüder
aus Frankreich, die pfiffigen „Roten Teufel“ und Besucher aus den
Niederlanden – die Gelderländer
Fahrpferde. Ein Wiedersehen
gibt es mit einigen ausgewählten
Schaubildern auch in der Wernesgrüner Pferdenacht.
Sportlich top – Programm mit
vier Disziplinen Weltcup-Qualifikationen im Springen und im
Fahren mit dem Rolex FEI World
Cup, dem Sparkassen-Cup, und
der FEI Weltcup-Qualifikation
der Vierspänner, das Championat
von Leipzig, vier internationale
Dressurprüfungen
aus
dem
Championatsprogramm und das
internationale
Voltigierturnier
der Damen und Herren: All das
birgt pure Ästhetik und Akrobatik, klassischen Pferdesport im
Viereck und Spannung und Rasanz im Parcours. Da ist gute Pla-
Rasante Vierbeiner: Die 13. Messe Partner Pferd vom 21. bis 24. Januar auf der Neuen Messe in
Leipzig.
Foto: Norman Rembarz
nung auch für Zuschauer ganz
wichtig: Freitags schon ist „alles
drin“ – Dressur Grand Prix, erster Durchgang der Voltigierer
und Weltcupflair bei Springreitern und Fahrern - also schon eine gute Gelegenheit für Autogrammjäger.
Der Samstag zeigt schon die ersten Finals - die Voltigierer zeigen
den zweiten Umlauf, dann stehen
die Sieger der Master Class fest,
zweimal Dressur und das legendäre Championat von Leipzig setzen Zeichen, sowie das Finale
des Bioranch Youngster-Cup im
Thiele Glas Preis. Der Sonntag
gibt Antworten auf alle Fragen:
Wer gewinnt den
schweren
Dressur Grand Prix Special? Und
die Knüllerfrage schlechthin: Wer
holt in Leipzig die meisten Weltcup-Punkte im Vierspänner und
im Springsattel? Die Reihe der
Bewerber ist lang und sie liest
sich wie ein „Who is Who“. Der
neue Weltranglistenerste der
Springreiter – Albert Zoer aus
den Niederlanden – tritt als Titelverteidiger im Championat von
Leipzig erneut an und darf sich
dort des Weltranglistenzweiten
Marcus Ehning (Borken) erweh-
ren, der nur einen Punkt hinter
Zoer rangiert, der Olympiazweite Rolf-Göran Bengtsson aus
Schweden ist in Leipzig dabei
und die Schweiz schickt gleich
zwei ihrer Mannschafts-Europameister mit Clarissa Crotta und
Steve Guerdat.
Apropos Guerdat – im Jahr 2000
gewann der 17 Jahre alter
Schweizer
mit Mecano das
Championat von Leipzig und damit ein funkelnagelneues Auto.
Einziges Problem – er hatte keinen Führerschein. Das ist längst
behoben.
dpa
WINTERSPORT
Langlauf-Olympiasiegerin Henkel beendet Karriere
kilanglauf-Olympiasiegerin
Manuela Henkel hat mit
sofortiger Wirkung ihren
Rücktritt erklärt. „Nachdem ich
mein großes Ziel - die Qualifikation für Olympia - nicht erreichen konnte, macht es für mich
keinen Sinn mehr, die Saison
durchzulaufen. Jetzt ist die Zeit,
sich neue Aufgaben und Herausforderungen zu suchen“,
begründete sie am 20. Januar
ihre Entscheidung. Als nächstes
will Manuela Henkel, ältere
Schwester der erfolgreichen Biathletin Andrea Henkel, ihr Studium des Internationalen Managements an der Fachhochschule Ansbach beenden.
S
Die deutsche Langläuferin Manuela Henkel beendete am 20. Janar mit sofortiger Wirkung ihre Karriere.
Foto: dpa
Ihre größten Erfolge feierte die
35-Jährige vom WSV Oberhof
in den vergangenen acht Jahren vor allem mit der Staffel.
Bei den Olympischen Spielen
2002 in Salt Lake City schrieb
Manuela Henkel zusammen mit
Evi Sachenbacher-Stehle, Claudia Nystad und Viola Bauer mit
dem sensationellen Gewinn der
Goldmedaille deutsche Sportgeschichte. Henkel legte damals
als Startläuferin den Grundstein für den überraschenden
Erfolg. Es war der erste Olympiasieg einer deutschen Langlauf-Staffel. Ein Jahr später landete das Quartett mit dem WMSieg in Val di Fiemme den
nächsten Coup und löste damit
einen
Langlauf-Boom
in
Deutschland aus.
Für ein Novum sorgten Manuela und Andrea Henkel in Salt
Lake City: Beide Schwestern
holten olympisches Gold. Aber
auch hier war Andrea Henkel
mit dem Staffel- und Einzelsieg
erfolgreicher als ihre Schwester. Sie ist zudem die einzige Biathletin, die in allen olympi-
schen
holte.
Disziplinen
WM-Gold
Manuela Henkel gab am 14.
Dezember 1994 im österreichischen Tauplitzalm ihr Debüt
im Weltcup. Im Konzert der
Besten kam die BundeswehrSportsoldatin auf insgesamt
acht Top-3-Platzierungen. Erstmals aufs Podium lief die viermalige deutsche Meisterin am
13. März 2002 in Oslo im
Sprint. Zuletzt wurde die Thüringerin im Weltcup aber nur
noch sporadisch eingesetzt. Ihr
letztes Rennen bestritt sie Anfang Januar bei der Tour de Ski.
Nach drei von acht Rennen
stieg Manuela Henkel aber
auch wie ihre einstigen „GoldKolleginnen“ Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad
wegen Formschwäche aus dem
prestigeträchtigen Wettbewerb
aus.
dpa
21
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
FUSSBALL
AM RANDE
Beiersdorfer sucht Boss für RB Leipzig
ietmar Beiersdorfer
persönlich wird als
Sportlicher Leiter
von Red Bull Fußball die
Suche nach einem neuen
Präsidenten beim ambitionierten Fußball-Oberligisten RB Leipzig leiten.
„Wir wollen so schnell wie
möglich einen neuen Vorsitzenden präsentieren.
Zurzeit gibt es noch keinen Kandidaten“, sagte
der frühere Manager des
Hamburger SV bei einem
Pressegespräch in Leipzig.
D
Mitte Januar hatte Andreas Sadlo seinen Rücktritt
als Präsident bekannt gegeben. Offenbar hatte es
zuvor interne Probleme
gegeben. „Es gab den ein
oder anderen inhaltlichen
Punkt, an dem ich eine
andere Haltung hatte als
ManU-Schulden
gewachsen
Andreas Sadlo“, sagte
Beiersdorfer. Das galt
wohl auch für TransferEntscheidungen. Erst vor
gut zwei Wochen hatte
sich der Klub die Dienste
von Mittelfeldspieler Timo
Rost von Energie Cottbus
für dreieinhalb Jahre gesichert.
Bis zur Inthronisierung
des neuen Präsidenten
werden die geschäftlichen
und administrativen Angelegenheiten des Klubs
von Red Bull Salzburg
aus geleitet. Dazu gehört
auch die rechtzeitige Abgabe der Lizenzierungsunterlagen
bis
zum
15. März. Die sportliche
Leitung liege weiterhin in
Leipzig, betonte Beiersdorfer.
Der
Oberliga-Spitzenrei-
ie Schulden von Englands Fußball-Meister Manchester United sind vergangene Saison auf
716,5 Millionen Pfund (822 Millionen Euro) geklettert. Das geht aus
der Bilanz für das Finanzjahr bis Juni 2009 hervor, die das Eigner-Unternehmen „Red Football Joint
Venture“ vorlegte. Demnach stieg
die Gesamtverschuldung um 17
Millionen Pfund, obwohl der Rekordtransfer von 80 Millionen
Pfund für den portugiesischen
Star Cristiano Ronaldo zu Real Madrid in den Zeitraum fiel. „Red
Football“, das der Familie des
amerikanischen
Unternehmers
Malcolm Glazer gehört, musste
68 Millionen Pfund Zinsen zahlen.
Ein Sprecher der Glazers, die das
Team 2005 übernahmen und die
Kosten dem Verein aufbürdeten,
erklärte, die Handlungsfreiheit des
Clubs sei durch die Schulde nicht
eingeschränkt.
dpa
D
Red Bull Fußballchef Dietmar Beiersdorfer nach einem Pressegespräch Mitte
Januar in der Sportschule Abtnaundorf.
Foto: Christian Nitsche
ter strebt in der laufenden
Saison den Aufstieg in die
vierte Liga an. In der
kommenden Spielzeit sollen alle Spiele im Zentral-
stadion stattfinden, das
mit einem Fassungsvermögen von 44 000 Besuchern Spielstätte der Fußball-WM 2006 gewesen
war. Mittelfristig plant RB
Leipzig mit der Unterstützung seines Großsponsors
den Aufstieg in die Bundesliga.
sid
MOTORSPORT
VW plädiert für dritte Dakar in Südamerika
olkswagen würde nach
zwei Siegen nacheinander bei der „Dakar“ auch
die nächste Ausgabe der härtesten Rallye der Welt lieber
wieder in Südamerika fahren.
Die Entscheidung über eine
Teilnahme von VW an der Dakar im kommenden Jahr sei jedoch noch nicht gefallen, sagte
der Sprecher von Volkswagen
Motorsport, Stefan Moser. Der
Vorstand werde das voraus-
V
sichtlich Ende
kanntgeben.
Februar
be-
Auch Rallye-Leiter Etienne Lavigne hat noch nicht mitgeteilt,
wo die Dakar 2011 ausgetragen werden soll. „Es stimmt,
dass der Wunsch da ist, wieder
nach Afrika zurückzukehren“,
sagte er am vergangenen Wochenende nach dem Ende der
Rallye in Buenos Aires. Der Anschlag auf die togolesische
Fußball-Nationalmannschaft
kurz vor Beginn des Afrika
Cups in Angola dürfte die Entscheidung für Afrika jedoch erschweren.
Moser begründete die VW-Präferenz für Südamerika vor allem mit der Begeisterung der
hunderttausenden Zuschauer
in Südamerika. „Sie könnten
durch Deutschland fahren und
100 Euroscheine aus dem
Fenster werfen und sie würden
nicht so begeisterte Zuschauer
sehen wie hier, wenn die Rennautos vorbeifahren“, sagte Moser. Landschaftlich seien Argentinien und Chile genauso interessant wie Afrika. „Es ist
einfach besser, an Menschen
vorbeizufahren, die sich freuen“, fügte er hinzu. In Afrika
sei das Umfeld schwieriger.
„Bei der letzten Dakar in Afrika
mussten wir fünf Windschutz-
scheiben auswechseln, weil die
Autos mit Steinen beworfen
worden waren“, erinnerte sich
Moser.
Außerdem sei Südamerika für
Volkswagen
ein
wichtiger
Markt, wo VW auch große Produktionsstätten in Brasilien
und Argentinien unterhalte.
„Hier haben wir viele begeisterte Mitarbeiter, die mit anpacken“, sagte Moser.
dpa
PARTNERSCHAFT
Jia you Nanjing – mit Leipziger Unterstützung
ie chinesische Millionenstadt Nanjing bewirbt
sich um die Olympischen
Jugendsommerspiele im Jahr
2014. Leipzig unterstützt als
Partnerstadt dieses Vorhaben,
in dem es sich an der symbolischen Unterschriftenaktion für
die Stadt in der Provinz Jiangsu
beteiligt.
D
Die Organisatoren in Nanjing
haben aus diesem Anlass ein
Plakat angefertigt, das im Neuen Rathaus unter dem Motto
„Jia you Nanjing“ (Nanjing, gib
Gas!) auch von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD)
unterzeichnet wurde. „Für uns
als Partnerstadt ist es selbstverständlich, dass wir bei der
Aktion mitmachen. Die Idee,
die Spiele in einer chinesischen Region auszurichten
und nicht in der Hauptstadt,
ist bestechend“, so das Stadtoberhaupt. Auf die Frage, warum sich Leipzig nicht für die
Jugendsommerspiele beworben habe, antwortete Jung
ausweichend: „Wir haben im
Moment
andere
schwerpunkte.“
Themen-
Auch Jian Ji vom chinesischen
Unternehmerverband verewigte sich auf dem Plakat, das den
Konfuziustempelbezirk in Nanjing darstellt. Er gab einen
Überblick über die Anstrengungen, die in der ehemaligen
Hauptstadt der Republik China
unternommen wurden, um im
Februar den Zuschlag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zu erhalten. „Es
wurde eine neue Sporthalle gebaut, die Infrastruktur wurde
verbessert. Dazu gehört eine
neue U-Bahn-Verbindung, die
unter dem Fluss Jangtse durchführt.“
Jian Ji (Mitte) unterzeichnet auf Nanjings Olympia-Plakat für die
Olympischen Jugendsommerspiele 2014. Foto: Christian Nitsche
Besonders stolz sei man auf den
nagelneuen Südbahnhof. „Es ist
der größte Bahnhof Asiens und
ein sehr beeindruckendes Bauwerk“, so Ji, der die Kosten für
die Neubauten nicht beziffern
konnte. Im vergangenen Jahr
reiste eine chinesische Delegation nach Leipzig, um sich am hiesigen Hauptbahnhof ein Beispiel
zu nehmen. „Sie waren sehr beeindruckt von der Philosophie,
den Bahnhof auch als Begegnungsstätte zu sehen und nicht
nur als Zwischenstation auf Reisen“, erinnert sich Gabriele
Goldfuß, Leiterin des Referats
Internationale Zusammenarbeit
der Stadt.
Die Jugendsommerspiele finden im Wechsel mit den Olympischen Spielen statt, so in diesem Jahr in Singapur und dann
wieder 2014. Nanjing will sich
mit seiner Bewerbung gegen
Posen (Polen) und Guadalajara
(Mexiko) durchsetzen.
ra
22
RÄTSELSEITE
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
KREUZWORTRÄTSEL
Verlosung: Drei Büchergutscheine
Die Lösung des Rätsels im Heft 25/09 lautete: Furunkel. Über je einen Büchergutschein Schreiben Sie die Lösung auf eine Postkarte mit dem Kennwort „Kreuzworträtsel“ und senden Sie diese
dürfen sich Ina Dillenburger (Merzig), Melanie Reuss (Dortmund) und Thomas Wagner bis zum 4. Februar 2010 an unsere Redaktionsanschrift (siehe Impressum, Seite 24) oder per E-Mail an:
(Heidelberg) freuen.
Herzlichen Glückwunsch! redaktion@uniklinik-leipzig.de. In E-Mails bitte Adresse angeben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
VERANSTALTUNGSHINWEISE | TV-TIPPS
23
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
VERANSTALTUNGEN IN LEIPZIG
22.01.10 BIS 04.02.10
Freitag, 22.01.10
Mittwoch, 27.01.10
Freitag, 29.01.10
Arena, Tel. 23410, Am Sportforum;
19.30 Uhr: Musikantenstadl 2010.
Central Kabarett, Tel. 52903052, Markt
9; 20 Uhr: Beppo Pohlmann, Gastspiel.
Centraltheater, Tel. 1268168, Bosestr.
1; 19.30 Uhr: Der Prozess.
Funzel, Tel. 9603232, Nikolaistr. 6-10;
20 Uhr: Eine bundesweite Lachparade –
Deutschland peinlich Vaterland.
Gewandhaus, Tel. 1270280, Augustusplatz; Großer Saal 20 Uhr: Großes Concert: Robert Schumann zum 200. Geburtstag, mit dem Gewandhausorchester.
Oper, Tel. 1261261, Augustusplatz 12;
19.30 Uhr: Don Giovanni.
Funzel, Tel. 9603232, Nikolaistr. 6-10;
20 Uhr: Is' das Kunst, oder kann das
weg?, Gastspiel Mike Krüger.
Gewandhaus, Tel. 1270280, Augustusplatz; Mendelssohn-Saal 20 Uhr: Musica
Nova: So Nah – so fern, mit Ensemble
Avantgarde, Itturiaga Streichquartett.
Kongresshalle Leipzig, Tel. 140660, Pfaffendorfer Str. 31; Spiegelpalast 20 Uhr:
Rebekka Bakken.
Funzel, Tel. 9603232, Nikolaistr. 6-10;
20 Uhr: Eine bundesweite Lachparade –
Deutschland peinlich Vaterland.
Gewandhaus, Tel. 1270280, Augustusplatz; Großer Saal 20 Uhr: Großes Concert mit dem Gewandhausorchester, Werke von George Gershwin.
Haus Auensee, Gustav-Esche-Str. 4; 20
Uhr: Cindy aus Marzahn – Nicht jeder
Prinz kommt uff'm Pferd!
Sonnabend, 23.01.10
academixer, Tel. 21787878, Kupfergasse 2; 16 Uhr, 20 Uhr: Nicht auflegen!
Gewandhaus, Tel. 1270280, Augustusplatz; Mendelssohn-Saal 20 Uhr: Klavierabend mit einem Preisträger der Leeds International Pianoforte Competition.
Kabarett Leipziger Brettl im Gambrinus,
Tel. 9613547, Odermannstr. 12; 20 Uhr:
Quarkkeulchen und Goggolohres – Sächsisch-Sachsen-Leipzig und mehr.
Musikalische Komödie, Tel. 1261261,
Dreilindenstr. 30; 19 Uhr: Zar und Zimmermann.
theater fact, Tel. 9614080, Hainstr. 1;
20 Uhr: Ich Nachtschattengewächs – Ich.
oder wie ein Theaterstück entsteht.
Thomaskirche, Tel. 222240, Thomaskirchhof 18; 15 Uhr: Motette mit Thomanerchor und Gewandhausorchester.
Dienstag, 26.01.10
Funzel, Tel. 9603232, Nikolaistr. 6-10;
20 Uhr: Eine bundesweite Lachparade –
Deutschland peinlich Vaterland.
theater fact, Tel. 9614080, Hainstr. 1;
20 Uhr: Lulle & Pulle.
Zentrum für Psych. Gesundheit der Uni
Leipzig, Tel. 9724586, Semmelweisstr.
10; 17 Uhr: Abendbesinnung.
Gewandhaus, Tel. 1270280, Augustusplatz; Großer Saal 18 Uhr: Der große chinesische Nationalcircus: TAO – Chinas
Meister der Weisheit und Wunder; Mendelssohn-Saal 18 Uhr: Kammermusik Ensemble, mit dem Gewandhaus-Quartett,
Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Anton Rubinstein und Franz Schubert.
Neues Messegelände, Tel. 6780, MesseAllee 1; Halle 1 14 Uhr: Kings of XtremeFreestyle Motocross Event.
Raum der Stille in der Uniklinik, Liebigstr.
20; 10 Uhr: Gottesdienst.
academixer, Tel. 21787878, Kupfergasse 2; 20 Uhr: Weiber (P16) vs. Männer
(P16), mit Anke Geißler, Anne Loch, Ralf
Bärwolff, Christian Becher und Peter Treuner.
Tonelli’s, Tel. 0177/6031978, Elsterstr.
35; 21 Uhr: Comedy-Lounge.
Do., 28.01.2010, 21 Uhr
Hauptsache Gesund
(MDR)
Sie können ständig wehtun,
steif oder taub werden, anschwellen oder unangenehm
kribbeln - Wenn Beschwerden
an der Hand nicht nach einigen Tagen selbst verschwinden, sollte man die Ursache
vom Arzt abklären lassen.
Häufige Gründe für dauerhafte
Handprobleme sind Arthrose,
Entzündungen oder Verletzungen. Im Extremfall kann aber
auch eine Thrombose oder ein
Tumor in der Hand die Beschwerden
verursachen.
Hauptsache Gesund zeigt modernste Therapien und altbewährte Heilmethoden. Die Zuschauer können live in der
Sendung anrufen und ihre Fragen von einem Experten beantworten lassen.
Dienstag, 02.02.10
academixer, Tel. 21787878, Kupfergasse 2; 20 Uhr: Sechs Fäuste für ein Halleluja, mit C. Fischer, R. Bärwolf, P. Treuner.
Familienzentrum
Lichtblick,
Tel.
3542848, Markkleeberg, Hauptstr. 34;
20 Uhr: Schüssler Salze, Vortrag.
Frosch-Café & Theater, Tel. 2251363,
Thomasiusstr. 2; 20 Uhr: Mir sinn und mir
bleim, Lene Voigt-Abend mit Jürgen Fliege
und Bernhardt Biller.
Funzel, Tel. 9603232, Nikolaistr. 6-10;
20 Uhr: Angeschmiert und ausgeMerkelt.
Zentrum für Psychische Gesundheit der
Uni Leipzig, Tel. 9724586, Semmelweisstr. 10; 17 Uhr: Abendbesinnung.
Arena, Tel. 23410, Am Sportforum; 19
Uhr: Roger Cicero & Big-Band.
Frosch-Café & Theater, Tel. 2251363,
Thomasiusstr. 2; 20 Uhr: Isch singen
deutsch, mit Ming Cheng.
Gewandhaus, Tel. 1270280, Augustusplatz; Mendelssohn-Saal 18 Uhr: Kammermusik „Ensemble“: Ferdinand David
zum 200. Geburtstag, mit dem Kern-Quartett; Großer Saal 20 Uhr: The Harlem Gospel Singers & Band – Move On Up!
Musikalische Komödie, Tel. 1261261,
Dreilindenstr. 30; 15 Uhr: Zar und Zimmermann.
Raum der Stille in der Uniklinik, Liebigstr.
20; 10 Uhr: Gottesdienst.
Ring-Café, Tel. 3085111, Roßplatz 8-9;
15-17 Uhr: Tanzen zu Wiener Klängen.
academixer, Tel. 21787878, Kupfergasse 2; 20 Uhr: Ja, ich will! mit Anke Geißler.
Arena, Tel. 23410, Am Sportforum; 20
Uhr: Chris Rea: Still So Far To Go –
Greatest Hits Tour 2010, Support: Paul
Casey.
Gewandhaus, Tel. 1270280, Augustusplatz; Großer Saal 20 Uhr: 4. Akademisches Konzert, mit Akademisches Orchester Leipzig.
Sonntag, 31.01.10
Montag, 01.02.10
Sonntag, 24.01.10
Montag, 25.01.10
Haus Auensee, Gustav-Esche-Str. 4; 20
Uhr: Cindy aus Marzahn – Nicht jeder
Prinz kommt uff'm Pferd!
Neues Messegelände, Tel. 6780, MesseAllee 1; Halle 1 20 Uhr: Kings of XtremeFreestyle Motocross Event.
TV-TIPPS
Mittwoch, 03.02.10
Die Fans dürfen sich auf die größten Hits der Chris Rea-Ära freuen, die er endlich wieder live präsentiert. Einen Zeitraum von 30
Jahren umfasst die Karriere von Chris Rea, der sich seinen musikalischen Weg zwischen Pop, Latin- und Softrock sowie seinen
Blues-Wurzeln bahnte. Zu erleben am Montag, den 25. Januar ab
20 Uhr, in der Arena Leipzig.
Foto: ddp, Volkmar Heinz
Donnerstag, 28.01.10
Frosch-Café & Theater, Tel. 2251363,
Thomasiusstr. 2; 20 Uhr: Hubbe, mei Begahsus, hubbe!, mit Gunter Böhnke &
Steps.
Gewandhaus, Tel. 1270280, Augustusplatz; Großer Saal 20 Uhr: Großes Concert mit dem Gewandhausorchester, Werke von George Gershwin.
Kabarett SanftWut in der Mädler-Passage, Tel. 9612346, Grimmaische Str. 2-4;
20 Uhr: Briefkästen weinen nicht, mit Uta
und Ingolf Serwuschok, Thomas Störel.
Theater der Jungen Welt – Kleine Bühne,
Tel. 4866016, Demmeringstr. 22; 11 Uhr:
Der zerbrochene Schlüssel, für Kinder ab
7 Jahren.
Kabarett SanftWut in der Mädler-Passage, Tel. 9612346, Grimmaische Str. 2-4;
20 Uhr: Hör nicht auf deine Frau – mit
Ramba, Samba und Holadrio.
Sonnabend, 30.01.10
academixer, Tel. 21787878, Kupfergasse 2; 16 Uhr, 20 Uhr: Weiber (P16) vs.
Männer (P16), mit Anke Geißler, Anne
Loch, Ralf Bärwolff, Christian Becher und
Peter Treuner.
Funzel, Tel. 9603232, Nikolaistr. 6-10;
15.30 Uhr, 20 Uhr: Eine bundesweite
Lachparade – Deutschland peinlich Vaterland.
academixer, Tel. 21787878, Kupfergasse 2; 20 Uhr: Sechs Fäuste für ein Halleluja, mit C. Fischer, R. Bärwolf, P. Treuner.
Central Kabarett, Tel. 52903052, Markt
9; 20 Uhr: Zoff im Zoo oder Wie ich lernte, das Gürteltier enger zu schnallen, mit
Meigl Hoffmann und Bernhard Biller.
Funzel, Tel. 9603232, Nikolaistr. 6-10;
20 Uhr: Angeschmiert und ausgeMerkelt.
Kabarett SanftWut in der Mädler-Passage, Tel. 9612346, Grimmaische Str. 2-4;
20 Uhr: Briefkästen weinen nicht.
Oper, Tel. 1261261, Augustusplatz 12;
19.30 Uhr: Don Giovanni.
Donnerstag, 04.02.10
academixer, Tel. 21787878, Kupfergasse 2; 20 Uhr: Sechs Fäuste für ein Halleluja, mit C. Fischer, R. Bärwolf, P. Treuner.
Central Kabarett, Tel. 52903052, Markt
9; 20 Uhr: Weltkritik: Talentefest, Gastspiel.
Funzel, Tel. 9603232, Nikolaistr. 6-10;
20 Uhr: Angeschmiert und ausgeMerkelt.
Gewandhaus, Tel. 1270280, Augustusplatz; Großer Saal 20 Uhr: Großes Concert mit dem Gewandhausorchester, Werke von Ludwig van Beethoven.
theater fact, Tel. 9614080, Hainstr. 1;
20 Uhr: Die Heilige Johanna der Einbauküche.
Nicht nur ältere Menschen haben Probleme mit den Knochen.
Do., 04.02.2010, 21 Uhr
Hauptsache Gesund
(MDR)
Weshalb verursacht Rauchen
Osteoporose? Warum macht
Laktose-Intoleranz
Knochen
brüchig?
Wieso
sterben
mehr Männer als Frauen nach
einem
Oberschenkelhalsbruch? „Hauptsache Gesund“
berichtet über die wichtigsten
Risikofaktoren für Knochenschwund. Dazu gehören Alter,
Geschlecht und Fitness, aber
auch weniger bekannte Krankmacher wie Depression oder
Alkoholismus. Rund ein Viertel
aller Menschen über 50 sind
von Osteoporose betroffen,
Knochenschwund ist längst eine Volkskrankheit. Das Gesundheitsmagazin des MDR
zeigt, wie man mit Bewegung,
Hausmitteln und Medikamenten das Auftreten von Osteoporose verhindern kann oder
zumindest
ihren
Verlauf
stoppt. Auch das Leben mit
Knochenschwund, die Pflege
von Angehörigen, geeignete Ernährung und wissenschaftliche Forschung sind Themen
der Sendung.
24
STECKBRIEF
Ausgabe 2 / 22. Januar 2010
Gesundheit und mehr...
WAS IST WO?
IMPRESSUM
GESUNDHEIT UND MEHR...
Das Patientenmagazin des
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Herausgeber:
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Der Vorstand
Liebigstraße 18
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Redaktion: Heiko Leske (v. i. S. d. P.),
Kathrin Winkler, Frank Schmiedel.
Universitätsklinikum, Leipzig AöR.
5. Jahrgang.
In Kooperation mit der Redaktion der
LEIPZIGER VOLKSZEITUNG.
Druck: Leipziger Verlags- und
Druckereigesellschaft mbH & Co. KG,
Peterssteinweg 19,
04107 Leipzig.
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