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Fluss-Ouverteure - America-NordAlberta - CanaDream

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ALBERTA
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Der Mackenzie ist Kanadas mächtigster Strom, sein
­Einzugsgebiet ­fünfmal so groß wie Deutschland. Jörg Michel
(Text und Fotos) fuhr hinauf von Alberta in die Northwest
Territories, immer unterwegs auf dem Mackenzie Highway.
Über den Peace River und immer
weiter Richtung Norden: Unterwegs
auf Kanadas Highway 1.
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ALBERTA
E
s ist ein stürmischer Sommertag des Jahres 1789.
Während in Paris die
Französische Revolution
tobt, kämpft sich Alexander Mackenzie bei Wind
und Schneeschauern mit
dem Kanu über den Großen Sklavensee. Tagelang sucht er schon das Ufer
ab, da entdeckt er im Morgennebel
endlich einen Abfluss. Breit. Mächtig.
Ungestüm. Es ist der Strom, der ihn
zum Pazifik führen soll, wo er einen
Pelzhandelsposten eröffnen will.
Mackenzie paddelt mit seinem
Kanu zügig flussabwärts. Nach 1.903
kräftezehrenden Kilometern erlebt er
eine böse Überraschung: Der Fluss,
der später einmal seinen Namen tragen
soll, hat ihn nicht zum Pazifik, sondern ans Eismeer geführt. Mackenzie
verfehlte sein Ziel, und doch machte
die gescheiterte Expedition den schottischen Entdecker berühmt. Er war der
erste Weiße, der den größten Strom
Kanadas befahren hat.
Mehr als 200 Jahre später erinnert
eine Bronzetafel auf einem Rastplatz
an ihn. Der dazugehörige Highway ist
ebenfalls nach dem Schotten benannt,
der Mackenzie River sowieso. Oder
etwa nicht? Nahe Fort Providence in
den Northwest Territories spannt sich
seit neustem eine gigantische Stahlbrücke über den Strom. „Deh Cho“ heißt
das über einen Kilometer lange und
200 Millionen Dollar teure Bauwerk in
der Sprache der Dene-Indianer, übersetzt: „der große Fluss“.
Getreidesilos und Wiesen mit Heuballen vorbei. Ab und zu leuchtet das farbige Dach eines Farmhäuschens in der
Sommersonne. Ab jetzt geht es nordwärts, Stunde um Stunde, Tag für Tag.
Durch menschenleeres Land, durch
Landschaften am Rande der Straßenkarte, durch Orte, die selbst nur wenige
Kanadier kennen.
Als es auf dem Highway Nummer
2 zum ersten Mal bergab geht, taucht
ein pittoreskes Städtchen auf. Athabasca am gleichnamigen Fluss liegt
eingebettet in einem lieblichen Tal mit
Laubwäldern. Fast meint man in Mitteleuropa zu sein und nicht in Kanada.
„Wir wollten einmal so groß und wichtig werden wie Edmonton“, berichtet
Kathy Wright von der örtlichen Handelskammer. Das hat bekanntlich nicht
geklappt, auf seine Geschichte ist man
in Athabasca trotzdem stolz.
Der 2.000-Einwohner-Ort wurde
1877 von der Pelzhandelsgesellschaft
Hudson Bay Company gegründet, denn
er lag an der alten Handelsroute zwi-
und den Großen Sklavensee ebenfalls
ins Nordpolarmeer.
So weit ist das Wohnmobil noch
lange nicht. Es fährt zunächst Richtung Kleiner Sklavensee. Beide Seen
übrigens haben nichts mit Sklaven zu
tun. Die Namen gehen zurück auf das
Indianervolk der Slavey. Der Highway
führt stundenlang an Weizenfeldern
vorbei, an verfallenen Geräteschuppen
und einsamen Tankstellen, die sonntags noch geschlossen haben. Ab und
zu tauchen am Straßenrand verkohlte
Bäume auf. Sie sind traurige Zeugen
der alljährlichen Waldbrände, die im
Städtchen Slave Lake vor zwei Jahren
ganze Viertel dem Erdboden gleichgemacht haben. Noch heute arbeiten riesige Bagger am Wiederaufbau.
Peace River
Auf einmal schlängelt sich der Highway in einen Caynon hinunter. Rechts
und links ragen schroffe Felsen und
bewaldete Steilhänge empor. Über die
Schlucht spannt sich eine rot-gelbe
Nord-Alberta, von Wassern und Wäldern besetzt (unten):
Die Siedler hatten es schwer, es urbar zu machen (oben).
Sklavenseen
Zehn Tage dauert die Reise mit dem
Wohnmobil von Edmonton bis zu
jener Stelle, wo die Pioniertaten von
einst und heute aufeinandertreffen. Die
mit Abstechern über 3.000 Kilometer
lange Route führt entlang dreier großer
Zuflüsse des Mackenzie: des Athabasca,
des Peace und des Slave River – ein riesiges Einzugsgebiet, fünfmal so groß
wie Deutschland, in dem aber kaum
mehr als 400.000 Menschen leben.
Schon wenige Kilometer hinter
Edmonton weicht das Grau der Großstadt einem saftigen Grün. Am Fens­
ter des Truck-Campers ziehen riesige
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Die Alexandra and Louise Waterfalls sind ein Paradies für Vögel.
schen Großen Seen und hohem Norden.
Einst transportierten hier Schaufelraddampfer Felle und Holz flussauf- und
flussabwärts. Der Athabasca-River,
der im Jasper National Park in den
Rocky Mountains entspringt, gehört
zum Flusssystem des Mackenzie; sein
Wasser fließt über den Athabasca-See
gestrichene Hängebrücke, Baujahr
1960, darunter ein lehmiger Fluss. Der
1.500 Kilometer lange Peace River
gehört ebenfalls zum MackenzieSystem. Der Entdecker paddelte drei
Jahre nach seiner gescheiterten Expedition auch hier entlang, überquerte
anschließend die Rocky Mountains
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ATTRAKTIONEN
Dunvegan Historic Park, Alberta
Highway 2, Tel. +1 (780) 835-7150
http://www.history.alberta.ca/­
dunvegan/default.aspx
La Crete Mennonite Historic Village,
Tel. +1 (780) 928-4447,
www.lacreteheritagecentre.com
Wood Buffalo National Park,
­Besucherzentrum Fort Smith, 149 McDougal Road, Tel. +1 (867) 872-7960,
www.pc.gc.ca/pn-np/nt/woodbuffalo/
index.aspx
Trapper’s Shack, uriges Lokal am
Ufer des Peace River. 5003 River
Road, Fort Vermillion, Tel. +1 (780)
927-3000.
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Edmonton
2013-05-01 10:14 AM
DIE WELT
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Slave Lake
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ÜBERNACHTUNG
Entlang der Route gibt es Dutzende
Campingplätze mit Stellplätzen für
Wohnmobile. Die idyllischsten werden
von den Parkbehörden der Provinzen
betrieben. Sie liegen oft an Seen oder
Flüssen. www.albertaparks.ca,
www.campingnwt.ca
Besonders zu empfehlen in Alberta
sind die Lesser Slave Lake und Dunvegan Provincial Parks, in den Nordwestterritorien die Lady Evelyn und Fort
Providence Territorial Parks.
Grimshaw
Dunvegan
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WOHNMOBIL
Zu empfehlen ist eine Anmietung in
Edmonton oder Calgary. Eine gute
Auswahl an Fahrzeugen hat Canadream, www.canadream.com. Canusa
und Fraserway Rental bieten Einweg­
specials mit Abgabe in Yellowknife,
www.canusa.de
La Crete
00800 872 672 88 (gebührenfrei)
Info-Karte 02 ankreuzen
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INFORMATIONEN
www.travelalbertanorth.com
www.spectacularnwt.de
Peace Point
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Northwest Territories
DIREKTE FLÜGE
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Bei La Crete kreuzt eine kleine Autofähre den Peace River. Farmer mit
dunklen Hüten sitzen auf Traktoren
und unterhalten sich auf Plattdeutsch.
La Crete ist Hochburg protestantischer
Mennoniten, die einst hierher ausgewandert sind. Die Gräber auf dem
Friedhof tragen deutsche Namen, im
Restaurant gibt es Kielkes (Kartoffelklöße) mit Wurst. Ihr Plattdeutsch
allerdings ist kaum zu verstehen.
Am 60. Breitengrad überquert der
Mackenzie Highway die Grenze in
die Nordwest Territories. Bald donnern unweit der Straße die mächtigen
Alexandra and Louise Waterfalls ins
Tal. Kurz vor Hay River zweigt eine
Straße nach Osten ab. Schilder warnen
vor Büffelherden, die hier durch die
borrealen Wälder streifen. Viele leben
im Wood Buffalo National Park, dem
größten Nationalpark Kanadas. Er ist
so groß wie die Schweiz.
AMERICA
GUIDE MACKENZIE HIGHWAY
„Der Park ist eines der letzten großen
intakten Ökosysteme des Kontinents“,
sagt Park-Rangerin Katie White. Der
Peace- und Athabasca-Fluss bilden in
und um das Schutzgebiet ein riesiges
Süßwasserdelta. Die vier großen nord­
amerikanischen Vogelflugrouten laufen hier zusammen. 200 Vogelarten
und 50 Fischarten leben in dem National Park, dazu Büffel, Bären und Wölfe
und die letzten wenigen, vom Aussterben bedrohten Schreikraniche.
Eine Staubpiste führt durch das
Innere des Parks. Nach vier Stunden
holpriger Fahrt endet sie am „Peace
Point“, jenem Punkt am Hochufer des
Peace River, an dem die verfeindeten Indianergruppen dereinst Frieden
schlossen. Heute stehen hier nur noch
ein paar verfallene Hütten, und Füchse
streifen am Ufer entlang. Die Piste
führt auch an einzigartigen Salzebenen
vorbei, in denen Salz und Frost eine
bizarre Landschaft gebildet haben. Der
einzige Campingplatz befindet sich auf
halber Strecke am Pine-See. Nachts
flimmern die Polarlichter in blauen und
grünen Farben.
Kurz vor dem Großen Sklavensee
ein letzter Stopp in Forth Smith, einem
properen 2.500-Einwohner-Städtchen
am Slave River, dem letzten Mackenzie-Zufluss auf dieser Reise. Der Slave
River ist wegen seiner Stromschnellen
berüchtigt, an denen sich jeden Tag
Pelikane bei spektakulären Tauchmanövern beobachten lassen. Für Kajaker
ist das Wildwasser ein gewagtes Abenteuer – wie schon zu Zeiten Mackenzies. Der Entdecker musste sein Kanu
hier kilometerlang auf dem Rücken
tragen.
Jetzt sind es nur noch wenige Stunden bis zu dem großen Strom. Nach der
neuen Deh-Cho-Brücke taucht links
ein Campingplatz am Flussufer auf.
Schon bald lodert das Lagerfeuer und
der Rotwein ist eingeschenkt. Keine
weitere Menschenseele stört die Idylle,
nur ein neugieriger Büffel späht kurz
durch die Espenbäume. Der Mackenzie rauscht. Das knallrote Abendlicht
spiegelt sich im Fluss. Man könnte
meinen, Alexander Mackenzie könnte
jeden Moment mit seinem Kanu hinter
der Flussbiegung auftauchen. H
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Plattdeutsches Erbe
Endlich am Mackenzie, Kanadas mächtigstem Strom.
Mackenzie
Highway
über Land und gelangte so doch noch
zum Pazifik.
Am Ufer des Peace River stehen
heute noch drei historische Gebäude:
ein Hudson-Bay-Handelsposten, eine
kleine Missionskirche aus Holz und
ein altes Gemeindehaus mit einer
weiße Marien-Statue im Vorgarten.
Dunvegan heißt der Ort, heute ein Freilichtmuseum. „Hier trieben die Pioniere mit den Indianern Handel, und
französische Missionare verbreiteten
ihren Glauben“, erklärt Fremdenführerin Nicole Halverston. Der Strom ist
benannt nach einem Friedensvertrag,
den rivalisierende Indianerstämme
1765 sieben Tagesreisen weiter fluss­
abwärts schlossen.
An einer Pyramide aus Beton im
Örtchen Grimshaw beginnt der eigentliche Mackenzie-Highway. Ende der
1960er Jahre wurde er fertiggestellt,
damals war er größtenteils noch eine
Schotterpiste. Heute ist er asphaltiert
und die einzige Überlandverbindung
von Alberta in die Nordwestterritorien. Die Straße führt meist geradeaus.
Durch ein Land, das auch nach dem
Horizont stets weitergeht. Mit Wäldern, Seen, Ackerland und Tundra so
weit das Auge reicht.
Mit vier Magazinen in spannende Weltregionen reisen:
Erhältlich im gut sortierten Zeitschriftenhandel oder direkt vom J.Latka Verlag.
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an · Zugre
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Infos unter www.latka.de
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