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Global vernetzt - lokal präsent. Wie die deutsche Diplomatie das

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Wilhelm Späth
Global vernetzt - lokal präsent. Wie die deutsche
Diplomatie das Internet nutzt
Einleitung: Rollenwandel der Diplomatie
Der diplomatische Dienst war schon immer ein System der Informationsbeschaffung mit den Botschaften und Generalkonsulaten als
Stützpunkten, deren Hauptaufgabe bis heute darin besteht, Informationen im Gastland zu sammeln, aufzubereiten und in die Heimat zu
schicken, um dort die eigene Regierung auf dem Laufenden zu halten.
Der Informationsfluss verlief bis vor kurzem recht einseitig auf zentripetalen „Einbahnstraßen“ von den Auslandsvertretungen zur „Zentrale“. Doch dies hat sich durch die neuen Informationstechnologien
inzwischen völlig gewandelt.
Die aktuelle Berichterstattung über Ereignisse in der Welt wurde
in den letzten Jahren zunehmend von den Massenmedien übernommen. Die Politiker greifen außerdem selbst zum Handy, um ihre Kollegen am anderen Ende der Welt zu konsultieren. Da bleibt den Diplomaten nur das Vor- und Nacharbeiten der Ereignisse durch gründliche Analyse und Bewertung der Vorgänge im Gastland und langfristige Politikberatung. Gleichzeitig rückt aber die immer wichtiger werdende Aufgabe in den Vordergrund, den Medien und der Öffentlichkeit im jeweiligen Gastland die Politik der eigenen Regierung zu erklären und für das eigene Land zu werben, als möglichen Investitionsstandort, als Touristendestination, als erste Wahl für ein Studium.
Heute gleicht ein Botschafter dem Leiter einer „Agentur für Deutschland-Marketing“, die im Ausland Werbung für die Wirtschaft und
Kultur des eigenen Landes macht. Diese neue Rolle der Diplomaten,
deren Bedeutung weiter zunimmt, wird als „Public Diplomacy“ bezeichnet. Hierfür benötigt der moderne Diplomat einen schnellen und
gut organisierten Zugriff auf alle verfügbaren aktuellen Informationen, aber auch Zugang zu vertraulichen Hintergrund-Informationen.
Diese stehen ihm inzwischen weltweit im Internet beziehungsweise
im Intranet online zur Verfügung. Aus den InformationsEinbahnstraßen wurden zunächst die vom ehemaligen amerikanischen
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Vizepräsidenten Al Gore so benannten „Datenautobahnen“, die heute
sogar zu „neuronalen Netzen“ zusammenwachsen. Am Beispiel einer
ausgewählten Botschaft soll dieser Wandel konkreter beleuchtet werden.
Vom Schiff zum Luftschiff: Beschleunigung des
Informationssystems
Wenn ein deutscher Botschafter vor 80 Jahren seinen Dienst in der
japanischen Hauptstadt antreten wollte, so begab er sich zunächst auf
eine mehrtägige Bahnreise von Berlin nach Genua, bestieg dort ein
Schiff und kam sechs Wochen später nach einer eher beschwerlichen
Schiffsreise im Hafen von Yokohama an, von wo er in einer weiteren
Tagesfahrt schließlich nach Tokyo gelangte. In seinem Gepäck hatte
er das kalligraphisch künstlerisch gestaltete, feierliche „Beglaubigungsschreiben“, mit dem der deutsche Reichspräsident seinem „großen Freund“, dem japanischen Kaiser, kundtat, dass er diesen Botschafter damit betraue, ihn und das deutsche Volk am kaiserlichen
Hof und beim japanischen Volk zu repräsentieren. Der Botschafter
hatte die Wochen auf dem Schiff genutzt, um sich mit der Geographie, Fauna und Flora Japans aus ehrwürdigen Büchern deutscher
Forscher, wie Franz von Siebold, vertraut zu machen. In seiner mehrjährigen Dienstzeit würden seine Hauptgesprächspartner die Minister
der japanischen Regierung, das Militär und einige wenige hohe Beamte des Kaiserhofes sein. Mit seinen Kollegen der anderen „Großmächte“ würde er abends am Kamin seine auf längeren Reisen durch das
Gastland gesammelten Japanerfahrungen austauschen.
Eine seiner wichtigsten Aufgaben war es – und ist es bis heute –,
guten Kontakt zu und Gedankenaustausch mit dieser erlesenen Auswahl hochrangiger Kontaktpersonen zu pflegen, sowie Essen und
Empfänge für sie zu veranstalten. In seinen eher seltenen, aber dafür
umso umfangreicheren und wohl abgewogenen Berichten an das
Auswärtige Amt in der Wilhelmstraße in Berlin schilderte der Botschafter einmal in sechs Monaten ausführlich die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen der letzten Monate und
unterbreitete Vorschläge, wie die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte
weiter vertieft werden könnten.
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Informationen über das, was sich in Deutschland inzwischen ereignete, erreichten ihn mit zweimonatiger Verspätung per Schiff, was
aber ausreichte, um das Interesse der Vertreter der japanischen Regierung an den Entwicklungen in Deutschland zu befriedigen. In eiligen
Fällen erhielt unser Botschafter auch einmal ein Telegramm, mit dem
die deutsche Regierung einen dringenderen Wunsch an die japanische
Regierung übermittelte, was ihn veranlasste, seinerseits eine schriftliche „Verbalnote“ zu verfassen, mit der er den Inhalt des Telegramms
offiziell an die japanische Regierung übermittelte.
Das beschauliche Leben des Botschafters in Tokyo erreichte 1929
allerdings einen aufregenden Höhepunkt, als das Luftschiff des Grafen Zeppelin auf seiner Reise vom Bodensee nach Tokyo dort von
100.000 Schaulustigen jubelnd empfangen wurde. Der Erfindungsgeist der Deutschen und der technologische Fortschritt Deutschlands wurden den Japanern damit sinnbildlich vor Augen geführt.
Das Flugzeug bringt der Diplomatie das „Reisezeitalter“
Fünfzig Jahr später hatte sich dieses idyllische Diplomatenleben bereits stark verändert. Das „Reisezeitalter“ war nicht nur für Touristen,
sondern auch für Politiker und Wirtschaftsbosse angebrochen. Fast
täglich musste nun die deutsche Botschaft eine „Delegation“ mit deutschen Parlamentariern, Regierungsmitgliedern, „Landesfürsten“, Investitionsförderungsgesellschaften etc. vom Flughafen Narita abholen
und zu Gesprächen mit hochrangigen japanischen Partnern begleiten.
Alle wollten auch gerne vom Botschafter über die jüngsten Entwicklungen in Japan gebrieft und zu einem Essen empfangen werden. Zum
Frühstück, Mittag- und Abendessen hat ein Botschafter oder eine
Botschafterin damals wie heute oft dreimal täglich unterschiedliche
Gäste am Tisch.
Vor 30 Jahren war die Informationsmenge, die ein deutscher Botschafter „verarbeiten“ musste, im Vergleich zu heute noch überschaubar. Am frühen Morgen brachte ihm ein Botschaftsmitarbeiter
aus der Telekommunikation den „Infofunk“, einen zehn Meter langen
Papierstreifen mit den wichtigsten Tickermeldungen des Tages, die
von Beamten im Bundespresseamt aus den Nachrichtenagenturen
zusammen gestellt und noch bis vor zehn Jahren per Kurzwellenfunk
an die wichtigsten deutschen Botschaften übertragen wurden. Dieser
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„Infofunk“ gab, wenn auch wegen schlechter Funkverbindungen oft
verstümmelt und unleserlich, dem Botschafter und seinen Mitarbeitern einen aktuellen Überblick über das, was in Deutschland und in
der Welt passierte, und diente auch dazu, den durchreisenden Bundeskanzler, Außenminister oder die Parlamentarier auf dem Laufenden zu halten. Die Analysen in den deutschen Zeitungen und
Printprodukten erhielt der Botschafter nur einmal in der Woche mit
dem „Kuriersack“, in dem neben vertraulichen Weisungen aus dem
Auswärtigen Amt auch die gesammelten Tageszeitungen der letzten
Woche per Flugzeug nach Tokyo transportiert wurden. Als „Drahterlass“ kamen per Telegramm aus Bonn die wichtigsten allgemeinen
Unterrichtungen für Botschafter über den Verhandlungsstand in verschiedenen EU-Gremien, bei der NATO und bei der UNO relativ
zeitnah auch nach Tokyo, so dass der Botschafter in die Lage versetzt
war, mit seinen Gesprächspartnern in den verschiedenen Ministerien
der japanischen Regierung die Haltung der Bundesregierung wenigstens zu den wichtigsten internationalen Fragen zu erörtern.
Die Botschaft schickte damals täglich zehn bis 15 vertrauliche Berichte als „Drahtbericht“ per Telegramm nach Bonn, die mit einem
Chiffriergerät vor der Absendung umständlich „verschlüsselt“ und
nach Ankunft im Auswärtigen Amt „entschlüsselt“, vervielfältigt und
durch Amtsboten in die verschiedenen Büros der Referenten getragen
werden mussten.
Neue Medien ermöglichen „Public Diplomacy“
Heute haben sich die Rolle und die Arbeitsweise eines Botschafters
grundlegend geändert. Sein Informationsbedarf und der des Auswärtigen Amts sind um ein Vielfaches gestiegen. Der Zeitdruck hat enorm zugenommen. Botschafter müssen inzwischen mit den globalen
Massenmedien konkurrieren. Ein typisches Beispiel für den „CNNEffekt“ berichtete ein Kollege vor einigen Jahren aus der deutschen
Botschaft in Tel Aviv: Während der Bundesaußenminister sich in
New York anschickte, seine Rede zur Eröffnung der Vollversammlung der Vereinten Nationen zu halten, geschah in Tel Aviv
eines der schrecklichen Bombenattentate. Kaum wurden die Schreckensbilder über CNN gezeigt, klingelte beim deutschen Botschafter
in Tel Aviv das Telefon. Das Ministerbüro wollte wissen, ob die Bot52
schaft Näheres zu dem Vorfall in Erfahrung bringen konnte. Aber
auch der Botschafter und seine Mitarbeiter hatten das Ereignis in derselben Minute erst in den Nachrichten von CNN gesehen und konnten
noch keinen Vertreter der israelischen Regierung hierzu befragen. Sie
stießen auf Verwunderung am anderen Ende der Leitung.
Hier wird schier Unmögliches von den Diplomaten verlangt. Die
modernen Medien bestimmen mehr und mehr ihren Arbeitsrhythmus.
Daher wird es immer wichtiger, dass ihnen aktuelle Informationsquellen jederzeit zur Verfügung stehen und sie innerhalb kürzester
Zeit „sprechfähig“ sind, also Regierung und Öffentlichkeit Rede und
Antwort stehen können.
Seit Anfang 2004 sind alle 220 deutschen Botschaften und Generalkonsulate mit dem Auswärtigen Amt und untereinander in einem
gemeinsamen Intranet „voll vernetzt“ und dies hinter sicheren „firewalls“, die vertrauliche Kommunikation vor unerwünschten „Mitlesern“ schützen. Damit haben die Botschafter direkten und zeitgleichen Zugang zum gesamten Wissen des Auswärtigen Amts, zu allen
im Außenministerium verfassten „Sachständen“, „Vermerken“ und
„Gesprächsunterlagen für den Minister“, aber auch zu Nachrichtentickern, 200 ausländischen und 50 deutschen Online-Zeitungen und
Zeitschriften, Datenbanken, Fernsehprogrammen, den Terminkalendern der deutschen Regierungsmitglieder, ihren Reden und Interviews. Jeder Mitarbeiter des AA kann weltweit mit allen Kollegen
und denen der anderen Ressorts in einem regierungsinternen Informationsverbund per E-Mail verkehren.
Der gesamte interne E-Mailverkehr des Auswärtigen Amts mit
seinen Auslandsvertretungen, also zwischen knapp 10.000 vollvernetzten Arbeitsplätzen, bewegt sich heute bereits im Bereich von Millionen Mails pro Monat. Hinzukommen noch circa 400.000 E-Mails
pro Monat aus dem Internet. Die Klagen über Informationsüberflutung häufen sich entsprechend. Die Botschafter benötigen
einen Führer durch die Informationsflut: Das AA versorgt sie täglich
per E-Mail mit einer Zusammenstellung von Links auf die wichtigsten
im Internet veröffentlichten Erklärungen von Mitgliedern der Bundesregierung, der EU, der Nato und der UNO sowie zu vertraulichen
Dokumenten im Intranet des AA. 2005 wird diese gezielte elektronische Unterrichtung durch die Schaffung eines Intranet-Portals noch
verbessert werden.
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Die Entwicklung der letzten Jahre, dass Regierungschefs und Minister sich fast wöchentlich in regelmäßigen internationalen Treffen
sehen und dass sie immer öfter zum Telefon greifen, um sich direkt
mit ihren Gesprächspartnern weltweit zu unterhalten, schien zeitweise
die Diplomaten völlig überflüssig werden zu lassen. Oft erfährt der
Botschafter nur zufällig von Telefongesprächen zwischen den beiden
Regierungschefs und ist darauf angewiesen, aus den Quellen, die ihm
das Intranet bietet, den Inhalt der Gespräche zu „rekonstruieren“. Die
„Public Diplomacy“ aber hat die Existenz der Diplomaten für die
absehbare Zukunft gesichert.
Neben all den traditionellen diplomatischen Formen vom Beglaubigungsschreiben bis hin zu den Empfängen, die weiter bestehen,
muss sich der deutsche Botschafter in Tokyo heute mit der bisher
ungehörten Frage beschäftigen, welche Klingeltöne auf den 60 Millionen Mobiltelefonen die japanischen Jugendlichen wohl zu Begeisterungsstürmen hinreißen werden. „Public Diplomacy“ soll neue Zielgruppen erschließen. In Japan wird sich Deutschland in einem groß
angelegten Werbefeldzug in den Jahren 2005/2006 jung, dynamisch
und sexy präsentieren, um sein inzwischen leicht angegrautes Image
aufzufrischen. Da genügt es nicht mehr, vor einem ausgewählten Publikum eine schöne Rede über deutsche Außen- und EU-Politik zu
halten, oder einigen Journalisten ein Hintergrundgespräch zu geben.
Im Zeitalter der Massenmedien müssen die Diplomaten die Herzen
der kaufkräftigen Jugend zu gewinnen versuchen, wenn sie dazu beitragen wollen, dass deutsche Produkte in der Welt bekannter und beliebter werden. Deutsche Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft, Mode,
die Loveparade und DJs sind aufgeboten, um in einem ganzjährigen
Veranstaltungs-Feuerwerk die Aufmerksamkeit der japanischen Öffentlichkeit auf Deutschland zu lenken. Frankreich und Italien haben
es vorgemacht und sowohl wirtschaftlich als auch touristisch von
ihrer Investition in Japan enorm profitiert. Hier müssen Deutschland
und die deutsche Diplomatie mithalten. Die neuen Medien spielen
beim „Deutschlandmarketing“ eine ganz herausragende Rolle. Eine
japanische Handy-Website mit Maskottchen, Klingeltönen und elektronischen Spielen ist heute ein unverzichtbarer digitaler Eventbegleiter, wenn der Werbefeldzug ein junges Publikum ansprechen soll. Im
Internet hat die Diplomatie den Rollenwandel der letzten 80 Jahre wie
im Zeitraffer in weniger als acht Jahren vollzogen. Aus „Verlautbarungswebsites“ werden mehr und mehr attraktive Werbeflächen, die
mit Infotainment neue „Kunden“ werben wollen.
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Auch 2005 wird wieder ein Zeppelin in Japan landen! Der Flug
von Deutschland nach Japan mit Zwischenstationen in Paris, London
und New York wird mehrere Monate lang von einem japanischen TVTeam begleitet. Der Zeppelin trägt das Logo des „Deutschlandjahres
in Japan“ und wird 2005 während der Weltausstellung im japanischen
Aichi oft am Himmel, aber hoffentlich noch öfter auch in den Mobiltelefonen junger Japanerinnen zu sehen sein.
Das Beispiel des deutschen Botschafters in Japan ist nur eines von
vielen. In Asien ist die digitale Herausforderung der Diplomaten heute
wohl am offensichtlichsten. Dies gilt aber kaum weniger für den arabischen Raum oder für Afrika. Die Hälfte bis drei Viertel der Bevölkerung ist dort unter 18 Jahre alt, und der Boom der Internet-Cafes
zeigt, woher sie sich ihre Informationen holen.
In Russland und in Südafrika finden derzeit Kulturwochen oder
-jahre statt, die für Deutschland werben sollen. Sie werden selbstverständlich von Websites multimedial begleitet. Der deutsche Botschafter in London geht heute mit vielen Tüten Haribo-Gummibärchen in
englische Schulen und veranstaltet dort ein Deutschland-Quiz. Die
Modenschau, die er in seiner Residenz durchführt, kann jedermann
auch auf der Website seiner Botschaft miterleben. Ein interaktiver
Adventskalender lockt jugendliche Internetnutzer in der Weihnachtszeit auf die Homepage. Und ein künstliches Gebiss verspeist in einer
Website des virtuellen deutsch-britischen Jugendwerkes Berge von
Schwarzwälder Kirschtorten. Dies sind nur einige Beispiele dafür,
wie die neuen Medien heute zunehmend auch von den Diplomaten als
Werbeträger genutzt werden, um das Deutschlandbild im jeweiligen
Gastland aufzupolieren.
Website des Auswärtigen Amts
Inzwischen ist die Zahl der Websites, die vom Auswärtigen Amt,
seinen Mittlerorganisationen oder seinen Auslandsvertretungen betreut, initiiert, direkt oder indirekt finanziert werden, fast unübersehbar geworden. Sie bilden ein Universum mit vielen Planeten die unterschiedlich hell leuchten und je nach Zielgruppe, inhaltlicher Thematik, Sprachfassungen, Reichweite unterschiedlich aussehen und
unterschiedlich intensiv genutzt werden. Einige Beispiele sollen im
Folgenden kurz erwähnt werden.
55
Nukleus dieses Universums ist die Website des Auswärtigen
Amts. Sie ist die älteste, umfangreichste, die am häufigsten besuchte,
und wahrscheinlich auch die am besten ausgereifte der Websites der
deutschen Diplomatie. Im Jahr 2003 wurde sie mit dem 2. Preis des
Diplo-Awards 2002 ausgezeichnet.
Sie soll die deutsche Außenpolitik begleiten, erklären, zuverlässig
informieren und umfassend dokumentieren. Zusammengefasst hat sie
folgende Aufgaben und Zielgruppen:
– Sie bietet Journalisten oft minutengenau alle aktuellen Pressemit-
–
–
–
–
–
–
–
teilungen, die Reden und Interviews sowie die Termine des Bundesaußenministers und liefert sachkundige Hintergrundinformationen zu komplizierten Fragen der Außenpolitik, wie zum Beispiel
zur Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
Sie dokumentiert die Vielfalt der Außenpolitik für ein interessiertes allgemeines Publikum, angefangen von den transatlantischen
Beziehungen, der deutschen Nahostpolitik, der Menschenrechts-,
der Abrüstungs-, der internationalen Umweltschutzpolitik bis hin
zu den bilateralen Beziehungen und zum Kulturaustausch mit allen Ländern dieser Erde.
Sie erläutert die EU-Verfassung, die deutsche EU-Politik und
präsentiert die deutschen Kandidatenstädte für den Titel der „Kulturhauptstadt Europas 2010“.
Sie liefert aktuelle Reisewarnungen, Sicherheitshinweise und
medizinische Empfehlungen für deutsche Touristen.
Für alle häufig gestellten Fragen, gibt es einen „Bürgerservice“
des Auswärtigen Amts, der die 200 meist gestellten Fragen in der
Rubrik „FAQ“ beantwortet.
Sie ersetzt ganze Broschüren mit Fotos, Statistiken, Factsheets,
Erlebnisberichten beispielsweise zur deutschen Unterstützung für
Afghanistan.
Sie will jungen Deutschen Tipps für ein Auslandsstudium geben
und jungen Ausländern, die in Deutschland studieren wollen als
Anlaufstelle dienen.
Nicht zuletzt bietet sie jede Menge Infos über Jobs in internationalen Organisationen.
Auch Ausschreibungen von Stellen als Übersetzer und Dolmetscher
für den Sprachendienst des Auswärtigen Amts werden heute nur noch
auf der Website bekannt gemacht. Bewerber für den Auswärtigen
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Dienst finden die notwendigen Formulare, die sie online ausfüllen
können. Inzwischen werden alle Bewerbungen für den Dienst im
Auswärtigen Amt nur noch als Online-Bewerbungen entgegen genommen. Die künftigen Diplomaten haben sich inzwischen so mit
diesem Instrument angefreundet, dass es für sie selbstverständlich ist,
sich online zu bewerben.
1995 gehörte das Auswärtige Amt zu den allerersten Außenministerien, die mit einer eigenen Website im Internet präsent waren. Bundesaußenminister Klaus Kinkel stellte sich 1995 als erster Außenminister der Welt in einem Chat den Fragen der Internetnutzer. Wer
hätte damals gedacht, dass zehn Jahre später 1,5 Millionen Nutzer
monatlich die Website besuchen, um dort Informationen zur Außenpolitik abzurufen. Reise- und Sicherheitshinweise für Reisen ins Ausland, umfangreiche Informationen über 200 Länder der Welt und
Tipps für Jugendaustausch, Auslandsstudium, Stipendien im Ausland
sind die gefragtesten Themen. Die „Reisehinweise“ des Auswärtigen
Amts sind inzwischen zu einem Marken- und Referenzprodukt aller
Reisebüros in Deutschland geworden. Für die Deutschen, die ja zu
den Reiseweltmeistern gehören, spielt die Frage eine wichtige Rolle,
ob man eine Reise absagen kann, weil die Sicherheitshinweise des
Auswärtigen Amt dies empfehlen, und ob man dann auch den Rechnungsbetrag vom Reisebüro voll erstattet bekommt.
Zahlreiche E-Mails an die Internetredaktion von Schülern im Leistungskurs Geographie oder Geschichte beweisen, dass die ständig
aktualisierten Länderinformationen mit zum Besten und Zuverlässigsten gehören, was im Web heute an Grundtatsachen über die Länder
dieser Welt zu finden ist. Hier hat sich die Website des Auswärtigen
Amts als unentbehrliches Nachschlagewerk und als Reisebegleiter
einen festen Platz erobert. Bekanntlich wirkt die Tatsache, dass solche
Informationen von einer zuverlässigen offiziellen Stelle kommen, als
besonderes Qualitätsmerkmal auf die Internetnutzer.
Neben den Berufsgruppen die sich für die ganz aktuellen Nachrichten interessieren, wie Journalisten und Abgeordnete, Politiker und
„Newsbroker“, gibt es offensichtlich noch eine große Zahl von politisch und historisch Interessierten, die außenpolitische Entwicklungen
langfristig verfolgen. So haben sich schon 7.000 Personen auf den
Monatsrückblick abonniert, mit dem das Auswärtige Amt Reden,
Interviews, Pressemitteilungen des vergangenen Monats zusammenstellt und als 80-seitiges Dokument in einem elektronischen Newslet57
ter verschickt. Diese Zahl zeigt deutlich, dass das Interesse an außenpolitischen Fragen doch weiter verbreitet ist, als man allgemein
glaubt. Auch der jüngste Newsletter, mit dem das AA täglich eine
Zusammenschau der „Kommentare der Auslandspresse“ zu aktuellen
außenpolitischen Themen verschickt, dürfte bald eine große Zahl von
Abnehmern finden.
Das schon mehrfach erwähnte, für 2005/2006 geplante „Deutschlandjahr in Japan“ findet in der Website des AA schon seit Januar
2004 statt. Die Seiten sollten zunächst die deutsche Industrie zum
Sponsern animieren. Sie sollten darstellen, warum es sich lohnt, als
deutsches Wirtschaftsunternehmen an diesem wichtigen Vorhaben zur
Präsentation Deutschlands teilzunehmen oder eine Veranstaltung zu
sponsern. Zwei frühere Bundespräsidenten, der Bundesaußenminister
und ein früherer deutscher Wirtschaftsminister argumentieren dort mit
Engelszungen, um die deutsche Industrie zum Mitmachen zu bewegen. Und tatsächlich zeigt dies Wirkung. Bund, Länder, Städte, Unternehmen und Wissenschaftsorganisationen, aber auch die zahlreichen deutsch-japanischen Gesellschaften und viele Vereine, Museen
und Künstler haben sich inzwischen zusammen gefunden, um das
Ereignis zum Erfolg zu führen. Mit der gemeinsamen Eröffnung des
Deutschlandjahres durch den deutschen Bundespräsidenten und den
japanischen Kronprinzen im April 2005 wird sich die Funktion der
Seite ändern: Dann sollen Live-Berichte von Veranstaltungen, Presseausschnittssammlungen, Fotogalerien den Widerhall dieser großen
Aktion bis nach Deutschland sicherstellen. Auch dies ist Teil der
„Public Diplomacy“!
Wen im Ausland interessiert deutsche Außenpolitik?
Die zweite Zielgruppe einer „außenpolitischen Website“ findet sich
natürlich im Ausland. Die Website des Auswärtigen Amts hat inzwischen einen beträchtlichen Umfang auch in Fremdsprachen angenommen. Sie wird auf Englisch, Französisch, Spanisch und Arabisch
angeboten: in den Fremdsprachen allerdings mit deutlich weniger
Umfang als die deutsche Seite, die immerhin 15.000 Seiten umfasst.
Mit diesen vier Sprachen bietet das deutsche Außenministerium ein
Vielfaches mehr als die anderen europäischen Außenministerien, die
sich meist nur auf die eine Fremdsprache Englisch konzentrieren.
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Dies wäre im Falle Deutschlands schon aus politischen Gründen undenkbar. Mit Frankreich verbindet Deutschland eine besondere politische und historische Beziehung. Sie kommt nicht nur darin zum Ausdruck, dass die AA-Website auch auf Französisch angeboten wird,
sondern darüber hinaus gibt es seit Januar 2004 noch eine spezifisch
Deutsch-Französische Website unter der URL: www.deutschland-undfrankreich.de bzw. www.france-allemagne.fr. Diese komplett zweisprachig geführte spezielle Website zur Deutsch-Französischen Zusammenarbeit wird von beiden Außenministerien gemeinsam betrieben in einem für beide Seiten zugänglichen CMS (Content Managment System) mit Informationen bestückt. Sie will die Vielfalt der
deutsch-französischen Zusammenarbeit auf allen Ebenen dokumentieren und verweist auf zahlreiche Websites, die sich in irgendeiner
Form dem deutsch-französischen Austausch widmen.
Pünktlich zum Beitritt des anderen großen Nachbarn Deutschlands in die EU am 1. Mai 2004 wurde von den beiden Außenministern Deutschlands und Polens eine andere Variante einer gemeinsamen Website ins Leben gerufen. Das deutsche und das polnische Außenministerium führen innerhalb ihrer Websites einen bilateralen Teil
zu der Gesamtheit der deutsch-polnischen Beziehungen, den sie regelmäßig miteinander abstimmen und in dem sie bilaterale Projekte
vorstellen. Diese gemeinsamen Seiten versuchen, das gesamte Spektrum von der großen Politik bis hin zur Zusammenarbeit der Zivilgesellschaften abzudecken. Sogar eine Kids Page wurde eingerichtet, in
der deutsch-polnische Kinderbücher digital aufbereitet in zwei Sprachen zu lesen sind.
Während das polnische Außenministerium die Texte auf Polnisch
anbietet, sind sie in der Website des Auswärtigen Amts auf Deutsch
zu finden. Alle Kapitel sind miteinander so verlinkt, dass man jederzeit von der deutschen in die polnische Version springen kann. Allerdings wurde von vorne herein vereinbart, dass die Texte nicht wortwörtlich in der Website des Partner-Außenministeriums wiedergegeben werden, sondern dass sie für das jeweilige Zielpublikum formuliert sein sollen und auch inhaltlich manchmal andere Schwerpunkte
haben können. Diese gemeinsame Website findet man unter der URL:
www.deutschland-polen.diplo.de oder www.pol-niem.pl. Es könnte
durchaus sein, dass sie sich als Modell für weitere bilaterale Websites
innerhalb Europas etabliert und schließlich auch als Basis für eine
Website des künftigen europäischen Außenministeriums dient.
59
Für das Ausland ist ein neuer Ansatz notwendig
Was das Angebot der AA-Website für das Ausland betrifft, so zeigt
sich hier allerdings eine deutliche Schwäche des bisher verfolgten
Ansatzes: Man hatte zunächst aus organisatorischen Gründen versucht, ausgewählte Texte aus der deutschsprachigen Version in die
Fremdsprachen übersetzen zu lassen. Dies war sicher angebracht für
wichtige Grundsatzreden des Außenministers, die in den verschiedenen Sprachfassungen auch den Botschaften und ausländischen Journalisten zur Verfügung gestellt werden. Weit weniger ist dieses Verfahren geeignet für Texte, die für den Inlandsgebrauch gedacht waren
und die dem deutschen Bürger die EU-Politik seiner Regierung erklären oder deutschen Studenten Hinweise zu Studienmöglichkeiten im
Ausland geben. Es macht wenig Sinn, diese Texte in Fremdsprachen
übersetzen zu lassen. Hier hat sich deshalb die Erkenntnis durchgesetzt, dass wir langfristig eine ganz anders geartete „Auslandswebsite“ benötigen, die stärker auf die Interessen und das Wissensniveau
der Zielgruppen im Ausland ausgerichtet ist. Diese „Auslandswebsite“ soll auch den Auslandvertretungen Material für ihre „Public
Diplomacy“ liefern, das sie in den eigenen Websites weiterverwenden
können. Ein Grund, warum eine solche speziell für das Auslandspublikum erstellte Website bisher noch nicht eingerichtet worden war, ist
der, dass die Aufgabe der „Politischen Öffentlichkeitsarbeit im Ausland“ erst 2002 mit der Übernahme der bisherigen „Auslandsabteilung“ des „Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung“
(BPA) an das AA überging. Bis dahin war das BPA für diese Aufgabe
federführend zuständig. Es finanziert auch heute noch das „Deutschlandportal“ (www.deutschland.de), das ausländischen Nutzern in den
sechs Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch
und Arabisch eine Zusammenstellung und Erläuterung von 2.000
deutschen Websites nach verschiedenen Kategorien anbietet. Die
meisten der mit Links verbundenen Websites halten allerdings ihre
Informationen auf Deutsch und nur in manchen Fällen auch auf Englisch vor, so dass der ausländische Nutzer, der kein Deutsch versteht,
oft in eine Informationssackgasse gerät, wenn er weitere Details
sucht.
Andere Websites, die bis zum Jahr 2002 vom BPA betrieben wurden, sind mit der Übernahme ins AA in die Zuständigkeit der deutschen Diplomatie übergegangen. Hierzu gehört das Nachschlagewerk
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„Tatsachen über Deutschland“, das regelmäßig in Buchform in 13
Sprachen veröffentlicht wird und dessen ständig aktualisierte OnlineFassung inzwischen in fünf Sprachen, ab September 2004 auch in
Japanisch, vorliegt (www.tatsachen-ueber-deutschland.de).
Die in elf Sprachen erscheinende Auslandszeitschrift „Deutschland“ ist seit August 2004 mit einer neuen Website im Netz, die viele
Hintergrundartikel, Fotos und aktuelle Nachrichten über Deutschland
anbietet. Die Website existiert derzeit in sechs Sprachen, soll aber
sukzessive in weiteren Sprachen ausgebaut werden.
Die beiden genannten Websites können einen wichtigen Bestandteil der „Auslandswebsite“ des AA bilden. Mit ihr soll versucht werden, gezielt neue Zielgruppen anzusprechen, die vielleicht bisher noch
gar nichts von Deutschland gehört haben, aber sich für bestimmte
Produkte, Hobbies oder Themen interessieren, zu denen Deutschland
etwas zu bieten hat. Dies können deutsche Automarken sein, aber
auch klassische oder Techno-Musik, deutsches Bier und deutscherWein oder eben auch Fußball.
Eine Website zum Großereignis Fußball-WM 2006 soll diesen
Ansatz erstmals in der Praxis erproben. Das AA und die deutschen
Botschaften wollen aus diesem Anlass weltweit Werbung für
Deutschland betreiben, und das Interesse der ausländischen Zielgruppe nutzen, um sie nicht nur für Fußball, sondern auch für Deutschland
zu gewinnen. Unter www.socceringermany.info geht die Website mit
vielen spielerischen Elementen im August 2004 auf Englisch und
Deutsch online, wird aber in den Folgemonaten in weiteren Sprachen,
unter anderem auf Chinesisch, Japanisch, Arabisch und Spanisch
ausgebaut werden. Mit Informationen über deutsche Fußballer, Sportstätten und Austragungsorte der WM mir ihren touristischen und kulinarischen Spezialitäten, sollen auch diejenigen angesprochen werden,
die kein Ticket für die WM bekommen haben, aber sich dennoch überlegen, 2006 oder später einmal Deutschland zu besuchen. Eine
enge Zusammenarbeit mit den Botschaften und anderen Institutionen,
zum Beispiel der Deutschen Zentrale für Tourismus, dem Auslandsrundfunksender „Deutsche Welle“, dem für Fußball zuständigen Bundesinnenministerium, dem Organisationskomitee für die Fußball-WM
sowie dem Deutschen Fußballbund der FIFA ist dabei selbstverständlich. Wir hoffen, dass der eine oder andere Besucher der FußballWebsite auch einen Besuch bei den „seriöseren Schwester- Websites“
des AA und der Auslandsvertretungen machen wird. Auf das Ergebnis
der Symbiose von Fußball und Diplomatie darf man gespannt sein!
61
Websites der Auslandsvertretungen
Die 130 Websites der 220 Auslandsvertretungen (Botschaften und
Generalkonsulate) der Bundesrepublik Deutschland haben eine viel
weitergehende Aufgabe als die Website des Auswärtigen Amts: Sie
sollen über Deutschland als Ganzes informieren und für Deutschland
werben. „Deutschland-Marketing“ steht dabei im Vordergrund. Die
Websites sind zwar im Layout der des Auswärtigen Amts weitgehend
angepasst, aber inhaltlich müssen sie ein größeres Spektrum abdecken. Sie sollen Basisinformationen über Deutschland anbieten, aber
auch praktische Tipps für Reisen, Studienplatzsuche oder Jugendaustausch geben und ein sympathisches Bild von Deutschland vermitteln.
Da die Botschaften und Generalkonsulate über wenig Personal verfügen, müssen sie in dieser Arbeit von der zentralen Internetredaktion
des Auswärtigen Amts soweit wie möglich unterstützt werden. Um
die Websites der Auslandsvertretungen aktuell zu halten, wählt die
Internetredaktion des Auswärtigen Amt aus den Nachrichtenmeldungen der Deutschen Presseagentur täglich drei Nachrichten zu Politik,
Wirtschaft und Vermischtes aus, die neben Deutsch in den drei
Fremdsprachen Englisch, Französisch und Spanisch sowohl in der
Website des AA als auch den Vertretungen angeboten werden, damit
sie als Basismaterial für die Websites oder lokale Newsletter der Botschaften und Generalkonsulate genutzt werden können. Außerdem
stellt des Auswärtige Amt den Auslandsvertretungen einen Veranstaltungskalender in vier Sprachen zur Verfügung, der alle zwei Monate
aktualisiert wird. Er soll Lust machen auf einen Deutschlandbesuch
bzw. die kulturelle und regionale Vielfalt Deutschlands aufzeigen.
Deshalb werden in diesen Veranstaltungskalender nicht nur die Events in den großen Städten aufgenommen, sondern auch ausgewählte
Ereignisse in ländlichen Regionen Deutschlands.
Seit Ende 2003 werden die Websites der Auslandsvertretungen
schrittweise auf einen zentralen Server zusammengeführt und in einem gemeinsamen Redaktionssystem (CMS) gepflegt. Dadurch werden sowohl die Einrichtung und die Grundausstattung der Websites
erleichtert, als auch die Pflege- und Aktualisierungsmöglichkeiten
verbessert. Bis Ende 2005 werden damit voraussichtlich alle Auslandsvertretungen das für Websites der Bundesregierung gesetzlich
vorgeschriebene Kriterium der „Barrierefreiheit“ erfüllen. Sie sind
dann weltweit für blinde und sehbehinderte Menschen „lesbar“, die
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Schriftgröße ist skalierbar, Fotos, Tabellen und Grafiken werden
Blinden akustisch erläutert. Die Barrierefreiheit wird es aber gleichzeitig ermöglichen, den Inhalt der Websites nicht nur auf PC, sondern
auch auf Mobiltelefonen, PDA und weiteren mobilen Geräten darzustellen, ohne dass hierfür reduzierte Informationsangebote separat
erstellt werden müssen. Damit werden die deutschen Botschaften in
vielen Ländern der Welt mit technologisch herausragenden Websites
auf dem neuesten Stand auftreten und für die nächsten zehn Jahre gut
gerüstet sein.
Neben der vorrangigen Funktion als Instrument der „Public
Diplomacy“ haben die Websites der Auslandsvertretungen im Zusammenspiel mit der AA-Website auch eine Servicefunktion für das
deutsche Publikum: Deutsche Wirtschaftsunternehmen können auf der
AA-Website eine ständig aktualisierte Auswahl von Berichten der
Botschaften zu wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen
im Ausland, zu Ausschreibungen und Messen konsultieren. Dadurch
wird ein Teil des gesammelten Wissens des Auswärtigen Amts der
Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Einige Auslandsvertretungen in
Ländern mit „exotischen“ Sprachen bieten als Dienstleistung die
Auswertung der Presse ihres Gastlandes. Die Botschaft Tokyo und
das Generalkonsulat in Osaka veröffentlichen ihre Presseauswertung
und eine Sammlung von Wirtschaftsnachrichten aus Japan. Die Botschaft in Paris bietet auf Deutsch ihre tägliche Auswertung der französischen Presse an, die man auch als Newsletter kostenlos beziehen
kann.
Das Auswärtige Amt geht davon aus, dass in Zukunft regionale
„Informationszentren“ aktuelle Informationen zur Politik, Wirtschaft
und Kultur Deutschlands für bestimmte Sprachräume aufbereiten. Das
„German Information Center“ (GIC) an der Botschaft in Washington
hat bereits seit langem diese zentrale Funktion für den gesamten anglophonen Bereich. Das GIC verschickt einen wöchentlichen Newsletter auf Englisch an über 30.000 Abonnenten in den USA und in der
Welt. Aber auch der deutschsprachige Newsletter „Deutschlandnachrichten“" ist von 16.000 Abonnenten bestellt worden. Ein relativ neuer Service ist der Newsletter für Lehrer „Germany in class“, der an
etwa 10.000 Personen und Institutionen verschickt wird. Mit den drei
Newslettern verschickt das GIC jährlich 2,4 Millionen E-Mails.
Für den frankophonen Raum hat diese Aufgabe das „Centre d'Information et de Documentation de l'Allmagne“ (CIDAL) an der deut63
schen Botschaft in Paris übernommen. Es bietet in enger Zusammenarbeit mit der französischen Botschaft in Berlin eine wöchentliche
Presseschau der deutschen Presse auf Französisch an. Dieses Modell
der „digitalen Zusammenarbeit“ von Botschaften verschiedener Länder wird sicher noch Schule machen.
Darüber hinaus veröffentlicht das CIDAL „eigene“ tägliche Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Kultur Deutschlands auf Französisch. Das „Portail de l'Allemagne“, ein Internetportal zu 3.000 deutschen Websites, erläutert dem Nutzer auf Französisch, was in
Deutschland zu finden ist. 1998 hat das CIDAL als erste und bis heute
wohl einzige Botschaft ein öffentliches Internet-Café eingerichtet, in
dem Besucher kostenlos E-Mails verschicken oder im Internet surfen
können. Die Eröffnung des Internet-Cafés war der französischen Tageszeitung „Le Monde“ einen ausführlichen Artikel wert. Mit seinen
Newslettern versendet das CIDAL jährlich eine Million E-Mails.
Das jüngste Kind dieser Informationszentren ist das „German Arab Information Center“ (GAIC), das ab 2005 von Kairo aus die arabischsprechende Welt mit Informationen über Deutschland bedienen
soll. Die schon seit 2002 vom AA finanzierte Website
www.qantara.de widmet sich dem „Dialog mit dem Islam“ (auf
Deutsch, Englisch und Arabisch). Sie entstand aus einem Zusammenschluss der Deutschen Welle, der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Goethe-Institut und dem Institut für Auslandsbeziehungen
und wird von einer eigenen Redaktion betreut. Die Website des GAIC
wird sie gut ergänzen. Auch für China, Russland, Brasilien und die
spanischsprachige Welt Lateinamerikas wird es wohl in einigen Jahren solche regionalen Informationszentren geben. Sie werden wichtige
Knotenpunkte sein für die „Public Diplomacy“ der Botschaften.
Nicht zu vergessen im „Universum der digitalen Diplomatie“ sind
die Websites der Mittlerorganisationen, die zum Teil vom AA finanziert werden, die aber ihre Aufgaben autonom erfüllen.
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Unter http://deutsche-kultur-international.de findet man eine umfangreiche Sammlung von Links, Anschriften und Kurzinformationen zu allen wichtigen Akteuren der Auswärtigen Kultur- und
Bildungspolitik, für die die Bundesregierung insgesamt 1,13 Mrd.
Euro im Jahr ausgibt. Etwa die Hälfte davon kommt aus dem
Haushalt des Auswärtigen Amts (580 Millionen Euro).
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Das „Goethe-Institut“ mit seinen weltweit 120 Einrichtungen betreibt (www.goethe.de) die Sprach- und Kulturarbeit im Ausland.
Die Alexander von Humboldt-Stiftung www.humboldtfoundation.de vergibt Stipendien und Forschungspreise an hochqualifizierte deutsche und ausländische Wissenschaftler.
Der „Deutsche Akademische Austauschdienst“ (DAAD) ist die
größte deutsche Förderorganisation für die internationale Hochschulzusammenarbeit. Er bietet ausländischen Studenten Stipendien an und berät deutsche Studenten beim Auslandsstudium
(www.daad.de). Er hat sich mit 34 weiteren staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen zu einer konzertierten Aktion „Internationales Marketing für den Bildungs- und Forschungsstandort
Deutschland“ zusammengeschlossen (www.hi-potentials.de) und
betreibt zusammen mit der „Deutschen Welle“ eine Website
www.campus-germany.de in den sechs Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch Chinesisch und Russisch, um ausländische Studenten anzuwerben.
In 30 Sprachen kann man sich im Online-Angebot des Auslandrundfunksenders Deutsche Welle (www.dw-world.de) informieren.
Mit dem „Germanizer“ bietet die Deutsche Welle ein auf ein ausländisches jugendliches Publikum zugeschnittenes Spiel auf Englisch an, mit dem man seine Kenntnisse über Deutschland testen
und erweitern kann.
Das Institut für Auslandbeziehungen www.ifa.de organisiert weltweite Ausstellungstourneen bekannter deutscher Künstler, veranstaltet internationale Symposien und unterhält ein Informationszentrum zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik.
Das „Haus der Kulturen der Welt“ in Berlin www.hkw.de präsentiert Ausstellungen, Theater- und Musikgastspiele mit ausländischen Künstlern vornehmlich aus Entwicklungsländern.
InWent, ein Zusammenschluss der früheren Carl-DuisbergGesellschaft und der Deutschen Stiftung für Entwicklung
(www.inwent.org) bietet vielfältige Fortbildungsmaßnahmen mit
dem Schwerpunkt Entwicklungspolitik an.
Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) präsentiert sich unter
der Adresse www.daist.org.
Die Kulturstiftung des Bundes fördert neben innerdeutschen Kulturveranstaltungen auch internationale Programme und Projekte
mit regionalem Schwerpunkt auf den Ländern Mittel- und Osteuropas (www.kulturportal-deutschland.de).
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Andere Bundesressorts finanzieren Institutionen und Websites, die als
Teil der deutschen „Public Diplomacy“ angesehen werden können.
Sie alle erfüllen ihre Rolle als Mittler zwischen den ausländischen
und deutschen Zivilgesellschaften. Die „Deutsche Zentrale für Tourismus“ (DZT) soll ausländische Touristen auf die landschaftlichen
und touristischen Schönheiten Deutschlands aufmerksam machen
(www.germany-tourism.de). Invest-in-Germany.de wirbt um ausländische Investoren. Der Investment-Council wiederum wirbt gezielt für
die neuen Bundesländer (www.iic.de). Die Industrie- und Handelskammern mit ihrem Netz von Auslandshandelskammern tragen in
großem Maße auch zum Deutschlandbild im Ausland bei. Das Bundesinnenministerium schließlich gibt ein digitales DeutschlandHandbuch in sechs Sprachen heraus, das eigentlich nur für Immigranten gedacht war, aber einige gute Tipps enthält, wie man als Ausländer im Alltag in Deutschland besser zurecht kommt (www.handbuchdeutschland.de).
Berücksichtigt man die Tatsache, dass auch die Bundesländer und
Kommunen immer öfter auch im Ausland digital aktiv sind, so erahnt
man, wie verwirrend die Selbstdarstellung Deutschlands bei einem
Internetnutzer im Ausland ankommt. Das Bundesland Bayern beispielsweise ist inzwischen mit einer eigenen Website in China auf
dem Markt.
Schluss
Schon für einen deutschen Fachmann ist es fast unmöglich, einen
Überblick darüber zu gewinnen, wer was am „Sternenhimmel“ der
Websites der Akteure der deutschen „Public Diplomacy“ anzubieten
hat. Diese Unordnung stellt sich für ausländische Internetnutzer noch
viel verwirrender und undurchschaubarer dar. Eine Phase der Konsolidierung des bisher Veröffentlichten würde den beteiligten Institutionen in Deutschland zur Ehre gereichen und den ausländischen Nutzern das Leben oder zumindest die Suche nach Informationen über
Deutschland erleichtern. Hier wird die geplante „Auslandswebsite“
des AA eine wichtige Funktion als Führer durch das Universum der
bereits existierenden Websites übernehmen, aber darüber hinaus auch
eigene Informationsarbeit leisten können.
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Vielleicht werden wir aber auch damit leben müssen, dass
Deutschland auch im Internet ein föderalistisches Land mit zahlreichen kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Zentren bleibt.
Vielleicht macht uns ja dieses „Chaos der Informationsangebote“ bei
manchen Menschen im Ausland gerade sympathisch?
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