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Verlagspostamt: 6050 Hall i. T. · P.b.b. GZ 02Z030849 M
St. Josefs
Jahrgang 118 · Heft 5 · September – Oktober 2014
Missionsbote
INHALT
Brechen wir auf,
gehen wir hinaus,
um allen das Leben
Jesu Christi anzubieten.
Papst Franziskus
Titelbild
Weltmission – Wort Gottes verkünden!
(Governador Valadares, Brasilien)
Fotos
Willeit: 1.4; Eppink: 5–7; Mill Hill: 8–10.17;
Jud: 11; Kristler & Unterweger: 12–13;
Gufler: 14–16.24; Hain: 20;
3 Andreas Agreiter: Vorwort
4 Jubilare
5 Fons Eppink: Besuch bei Frans Baartmans
8 Adolf Pöll: Terror in Kenia
11
Florian Jud: Freude im Ruhestand
12
Brixen: Fördertreffen
14
Hermann Gufler: Begräbnisbräuche
18
Die Verstorbenen
19
Was war?
20
Leser schreiben
22
Für Rätselfüchse
24
Peter Mair: Kostbar
D
IMPRESSUM · St. Josefs-Missionsbote · Zeitschrift der St. Josefs-Missionare von Mill Hill
Eigentümer und Herausgeber:
St. Josefs-Missionare von Mill Hill
Jede Bestellung, Mitteilung oder Einzahlung
ist zu richten an eine der folgenden Adressen:
Redaktion:
Sepp Schmölzer (sepp.schmoelzer@gmail.com)
Anton Steiner (steinerantmhm@gmail.com)
Südtirol:
St. Josefs-Missionshaus
Regensburger Allee 24
I-39042 Brixen
Tel. 0472 270 811; Fax 270 800
E-Mail: missionshausbrixen@gmail.com
Bankverbindung: RAIKA Eisacktal Brixen
IBAN: IT56 Z 08307 58221 000300283720
BIC: RZSBIT 21007
Druck: Athesia-Tyrolia, Innsbruck
Versand: An die Mitglieder gratis
Mitgliedsbeitrag: € 6,00
Der Erlös kommt der Mission und der
Entwicklungshilfe zugute.
Eintragung im Tribunal Bozen:
18.08.1948. SPED.IN A. P.-COMMA 27
ART. 2 LEGGE 549/95
Besuchen Sie uns im Internet:
www.millhillmissionaries.com
Der St. Josefs-Missionsbote im Internet:
http://www.millhillmissionaries.com/index.php?cat=86
2
Liebe Freunde der Weltmission!
Österreich:
St. Josefs-Missionshaus
Samerweg 11
A-6067 Absam
Tel. 05223 572 94; Fax 572 94-14
E-Mail: missionshausabsam@gmx.at
Bankverbindung: RAIKA Absam
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BIC: RZTIAT 22200
Inhalt · Impressum · Kontakt
ie Päpstlichen Missionswerke Öster­
reichs haben im heurigen Jahr eine
Bildungskampagne zum Thema „Fremde,
Heimat, Kirche“ durchgeführt. Im Zuge dieser
Kampagne fuhr auch eine mobile Ausstellung
im „Missio Truck“ quer durch Österreich, um
auf das Schicksal von Flüchtlingen aus dem
Kongo aufmerksam zu machen und einen Ein­
blick in ihr Leben zu geben.
Die Broschüre der Missio Kampagne erin­
nerte mich an meinen Besuch im Flüchtlings­
lager von Kakuma, im Norden von Kenia. Dort
in der Wüste lebten 1998 etwa 80.000 Men­
schen aus dem Sudan, Uganda, Äthiopien und
Eritrea unter einfachsten Bedingungen. Sie
alle waren vor dem Krieg in ihrer Heimat ge­
flüchtet und mussten in der Fremde ein neues
Leben beginnen. „Pack dein Leben zusammen
und beginne neu!“, war für sie bittere Reali­
tät. Die Flüchtlingsströme unserer Zeit stellen
für die internationale Staatengemeinschaft und
unsere Kirche eine ungeahnte Herausforde­
rung dar.
Am Sonntag der Weltkirche im Oktober fei­
ern wir, dass unsere Kirche eine Weltkirche ist,
die dem Auftrag Jesu treu bleibt, allen Men­
schen und Völkern seine Frohbotschaft zu ver­
künden. Teil dieses Auftrags ist es, Menschen
Vorwort
aus aller Welt eine Heimat in unserer Kirche
zu geben und sich über die Vielfalt zu freuen.
Während meiner Zeit in Kenia, England und
Irland durfte ich Pfarren erleben, in denen
Menschen aus verschiedenen Ländern und
Kulturen eine Heimat gefunden hatten und
gemeinsam ihre Freude am Evangelium zum
Ausdruck brachten. Sie waren aus verschiede­
nen Gründen in Magadi, Maynooth oder Wood
Green zusammengekommen. Was sie aber ver­
band, waren die eine Taufe, der eine Glaube
und die Freude am Evangelium.
Papst Franziskus erwähnt in seiner Bot­
schaft zum Weltmissionssonntag, dass die
Freude am Evangelium aus der Begegnung mit
Christus und aus dem Teilen mit den Armen
herrührt. Er ermutigt dazu, die Liebe zu Chris­
tus in Wort und Tat an unsere Mitmenschen
weiterzugeben. „Liebt einander, wie ich euch
geliebt habe“, ist unser Leitfaden als Christen,
die berufen sind, an einer heimatgebenden,
missionarischen Kirche mitzubauen.
Ich wünsche uns allen, dass wir uns die
Freude am Evangelium und die Freude über
unsere Berufung nicht nehmen lassen.
Andreas Agreiter MHM
Pfarrer in Silz
3
Saat der Barmherzigkeit
am Ganges
Begegnung
mit Jesus
D
er erste Beweggrund,
das Evangelium zu
verkünden, ist die Liebe
Jesu, die wir empfangen
haben; die Erfahrung, dass
wir von ihm gerettet sind,
der uns dazu bewegt, ihn
immer mehr zu lieben.
Aber was für eine Liebe
ist das, die nicht die Not­
wendigkeit verspürt, dar­
über zu sprechen, geliebt
zu sein, und dies zu zeigen
und bekannt zu machen?
Wenn wir nicht den inni­
gen Wunsch verspüren,
diese Liebe mitzuteilen,
müssen wir im Gebet ver­
weilen und ihn bitten, dass
er uns wieder eine innere
Ergriffenheit empfinden
lässt. Wir müssen ihn je­
den Tag anflehen, seine
Gnade erbitten, dass er
unser kaltes Herz aufbre­
che und unser laues und
oberflächliches
Leben
aufrüttle. Wenn wir mit
offenem Herzen vor ihm
stehen und zulassen, dass
er uns anschaut, erkennen
wir diesen Blick der Lie­
be, den Natanael an dem
Tag entdeckte, als Jesus
ihm begegnete und sagte:
»Ich habe dich unter dem
Feigenbaum
gesehen«
(Joh 1,48).
Papst Franziskus, Freude am
Evangelium (nr. 264)
4
Fons Eppink, Oosterbeek, Niederlande
Gedanken zum Jubiläum
im St. Josefs-Missionshaus
D
as waren Zeiten, als wir
uns jedes Jahr auf Primi­
zen freuen durften. Heute fei­
ern wir in Europa die Priester
und Ordens-Christen als Jubi­
lare. Die Primizen werden in
Afrika und Asien gefeiert.
Sind die Neupriester in
Kamerun, Indien oder auf den
Philippinen nicht Frucht des
Gottvertrauens, der Ausdauer
und der Arbeit derer, die wir
heute als Jubilare feiern? Ein
Trost, der uns zu denken und
zu danken Anlass gibt.
Sechs Josefs-Missionare
waren als Jubilare angekün­
digt, vier konnten bei der Fei­
er in der Kapelle im Missions­
haus in Brixen dabei sein (13.
Juli 2014). Im Bild (von links):
Gustl Frenademez (50), Karl
Dallasega (50), Hubert Neu­
mair (50), Johann Kronbichler
(40). Sie sind ein Lebenszeug­
nis des Glaubens und der Sor­
ge um den Menschen.
Die Dankmesse umrahmte
der Chor ehemaliger Schü­
ler,
„Ex-Missionshäusler“.
Anschließend trafen sich
Jubilare, ihre Angehörigen,
Mitbrüder und Personal der
Missionshäuser zum Mittag­
essen. Eucharistie und Fest­
essen zeugten vom Famili­
ensinn. – Wir wünschen den
Jubilaren weiterhin alles Gute
und uns allen die Freude, für
Gott und sein Reich arbeiten
zu dürfen.
Sepp Schmölzer
Nur Gott kann den Menschen so rufen, niemand außer
ihm. Und dieser Ruf ergeht unablässig in und durch
hl. Johannes Paul
Christus an jeden einzelnen.
Gedanken zum Jubiläum im St. Josefs-Missionshaus
E
nde des vorigen Jahres
war ich privilegiert, einen
Menschen zu treffen, der sich
unter die herausragenden
Missionare reihen könnte.
Ihm selber wäre solch ein Vergleich nicht recht.
Im Dezember 2013 begeg­
nete ich dem Josefs-Missionar
Frans Baartmans. Ich fand ihn
in dem von ihm gegründeten
„Ashray Gesundheits- und
Sozialzentrum“ in Nagwa,
Varanasi. Gekleidet in ein tra­
ditionelles indisches Gewand,
den Pajama Kurta, und Sanda­
len, fügt er sich nahtlos in sein
Umfeld ein. Seine Stirnglatze
und seine grauen, gewellten
Haare geben ihm das Ausse­
hen eines heiligen Mannes in
der Hindu Tradition. Ich er­
Nagwa, Varanasi · Indien
halte einen ersten Einblick in
den Nagwa Slum, wo er lebt,
und sehe auch die kleinen
Ziegelhäuser, welche er für
die „Dalits“, den im indischen
Kastensystem Unberührba­
ren, die dort leben, gebaut hat.
In den vergangenen Jahren
hat er wohl an die Hunder­
te solcher Häuser gebaut. Er
selber lebt in einer Unterkunft
mit zwei Zimmern. Sein ein­
ziger Luxus ist eine Lampe
mit Batterie und zum Schla­
fen eine Matte am Boden.
Frans kam im Jahr 1977 nach
Varanasi zu einer Zeit, als In­
dien seine Tore für ausländi­
sche Missionare schloss. Die
Josefs-Missionare
wollten
sich zurückziehen. Aber Frans
überredete seine Oberen, nach
Varanasi gehen zu dürfen. Er
argumentierte folgenderma­
ßen: „Hinduismus und Bud­
dhismus kommen in unseren
Tagen auch nach Europa.
Es ist nicht der Augenblick,
sich zurückzuziehen. Das
zweite Vatikanische Konzil
wünscht den Dialog. Deswe­
gen braucht es nicht weniger,
sondern mehr Kontakt. Ich
möchte dorthin gehen, dort
leben und in die tiefe indische
Tradition eintauchen.“
Apostolat im Stillen
Während der vergangenen
30 Jahre tat er genau das. Er
studierte die Hindu Schriften,
Philosophie und Kultur an der
angesehenen Hindu Universi­
tät Benares. Im Buch mit dem
5
Missionar Frans Baartmans beim Studium in seinem Zimmer.
Titel „Heilige Wasser“ schrieb
er eine Abhandlung über ein
ursprüngliches Symbol des
Hinduismus. Außerdem ließ
er sich bei den Dalits in Nag­
wa nieder, um ihren Lebens­
standard und ihr Selbstwert­
gefühl zu verbessern. Jetzt ist
er dabei, ein zweites Buch zu
verfassen über die Menschen,
die ihm am Herzen liegen: die
Dalit in Nagwa. Es soll den
Titel tragen: „Die Spur der
Tamarinde. Die Geschich­
te eines Dalit Dorfes.“ (Die
Tamarinde ist ein tropischer
Baum mit immergrünen Blät­
tern, gelblichen Blüten und
essbaren Früchten.)
Ich frage Frans nach seiner
Spiritualität und seinem Ver­
ständnis vom interreligiösen
Dialog. Frans erzählt mir von
seinem Professor, der viele
Jahre als Professor in Münster
in Westfalen tätig war. Dieser
unternahm große Anstrengun­
gen, das Christentum in seiner
ganzen Tiefe zu verstehen. Er
war ein idealer Lehrmeister
für Frans, der dem Hinduis­
mus ähnlich begegnen will.
„Ich versuche den Kern der
christlichen Botschaft zu le­
ben. Für mich ist das die Ge­
schichte des barmherzigen Sa­
mariters.“ So zeichnet er seine
Arbeit. Sein Apostolat ist, die
Barmherzigkeit vor Augen
führen in einer weithin hindu­
istischen Umgebung. Es gibt
auch eine katholische Pfarrei
in Varanasi. Er fürchtet aber,
des Landes verwiesen zu wer­
den, falls er zu enge Kontakte
mit der katholischen Gemein­
de pflegte. Seine Aufenthalts­
genehmigung zu erneuern,
ist eine wiederkehrende, auf­
reibende Geduldsprobe. Er
vertraut auf die Barmherzig­
keit und sät ihren Samen, der
mit Gottes Hilfe eines Tages
Frucht bringen wird.
Ihn besuchen auch Leute,
die nicht mehr Hindus, son­
dern Christen sein wollen. Ei­
ner von ihnen, Rakesh, sagte,
dass er nicht Katholik werden
wollte. Katholische Priester
wären in seinen Augen all­
zu abgehoben. Frans riet ihm
seinem Gewissen und seiner
Eingebung zu folgen. Rakesh
wurde ein Baptist und führt
jetzt eine lebendige Gemein­
schaft in Nagwa.
Vom Leben gezeichnet.
6
Nagwa, Varanasi · Indien
Die Saat geht auf
Einer meiner ersten Besuche
mit Frans führte mich zu Paul
Ram Chandre, einem Dalit
und Katholiken. Auch ande­
re Josefs-Missionare kennen
Paul. Seine Geschichte ist
eine außerordentliche Bekeh­
rungsgeschichte. Pauls Vater
wurde von reichen Grundei­
gentümern unterdrückt und
flüchtete aus seinem Dorf, um
sein Glück in Kalkutta zu ver­
suchen. Als er zurückkehrte,
wurde er vom Grundeigentü­
mer geschlagen, weil er ohne
Erlaubnis weggegangen war.
Wieder verließ er das Dorf
und nahm seinen Sohn Paul
mit nach Kalkutta. Paul er­
hielt dort seine Schulbildung
und wurde Ingenieur. Gegen
Vorurteile musste er sich zur
Wehr setzen, um Arbeit zu
finden.
Frans erzählt die Geschich­
te, wie er Pauls Dorf besuchte,
als ein Mitglied einer höheren
Kaste beide eingeladen hatte.
Paul wurde gezwungen, auf
dem Boden zu sitzen, wäh­
rend man Frans einen Stuhl
anbot. Irgendwann kam Paul
in Kontakt mit dem Christen­
tum und entdeckte Jesus. Es
war wie eine Offenbarung,
als er im Evangelium das Ver­
sprechen einer Freiheit fand,
die er sich so gewünscht hat­
te. Ihm bot sich eine Möglich­
keit, den Hinduismus und das
Kastenwesen zu verlassen,
um wahre Freiheit zu entde­
cken. Er bat, getauft zu wer­
den. Nach einigen Jahren des
Nagwa, Varanasi · Indien
Wartens und der Vorbereitung
erhielt er schließlich die Tau­
fe durch Eintauchen im Fluss
Ganges.
Seine Kinder sind gut ge­
bildet, und er lebt in einem
geräumigen Haus. Hat er sich
aber wirklich befreit von der
Unterdrückung, die so lange
sein Leben knechtete? Paul
gab mir seinen Weihnachts­
brief, in dem er von seinem
Wunsch schrieb, klein und ein
Sklave zu sein in den Augen
Jesu. In Pauls Haus hängt ein
den Zwist, den sie mit sich
bringt.
Als wir uns weiter über das
Schicksal der Dalits unterhal­
ten, erzählt mir Frans, dass
in den Augen indischer und
westlicher Gelehrter das hin­
duistische Kastenwesen eine
Zunahme sei. Langsam ändert
sich die indische Gesellschaft.
Die Regierung beschloss eine
Reihe neuer Gesetze, um die
Stellung der Dalits zu ver­
bessern. Der legendäre indi­
sche Premierminister Pandit
Begegnung an der Haustür. Frans bei seinen vielen Hausbesuchen.
Bild von Ambedkar, dem Au­
tor der indischen Verfassung
und einem Dalit. Am Ende
unseres Besuches werden wir
in seinen kleinen Gebetsraum
eingeladen, um dort zu beten.
Zwei kleine Kerzen brennen,
und das Aroma von Räucher­
stäben erfüllt den Raum. Ich
bin tief berührt von dieser
authentischen Bekehrungsge­
schichte und dem andauern­
Nehru vermochte mit einer
einzigen Rede, die Badetra­
ditionen im Fluss Ganges zu
ändern. Jetzt können alle dort
ohne Unterschied baden – sei
es ein Brahman, ein Grund­
eigentümer, Händler oder ein
Dalit. Die indische Gesell­
schaft auf diesem Gebiet zu
ändern, wird möglicherweise
viele Jahre oder Jahrhunderte
dauern.
7
Terror an Kenias Ostküste
Adolf Pöll, Witu, Diözese Malindi, Kenia
M
peketoni, wo zuerst alles passierte, ist nur 35
km von Witu entfernt. Das
Städtchen mit Spital entwickelt sich wirtschaftlich
schnell, weil am Festland zur
Insel Lamu ein neuer Hafen
gebaut wird.
Die zugezogenen Bauern
und Geschäftsleute aus an­
deren Gegenden von Kenia
leben mit der ansässigen Be­
völkerung, die fast 100% isla­
misch ist.
Sonntag, 15. Juni 2014
Etwa 50 schwerbewaffne­
te Terroristen der Al Shabab
hat nachts die Stadt überfal­
len. Sie feuerten wild durch­
einander, machten sogar vor
der Polizeistation nicht halt
und verbrannten ihr Auto. Sie
OBEN: Mit diesen Bussen kamen die Terroristen. Nach der
Bluttat steckten sie diese in
Brand.
8
steckten die Tankstelle, Ge­
schäfte und Banken in Brand
sowie die Generatoren, die die
Stadt mit Strom versorgen.
Sie drangen in Wohnungen
und zerrten alle Männer auf
die Straße, deren sie habhaft
werden konnten und nicht
muslimisch sind, und erschos­
sen sie vor den Augen der Fa­
milie.
Am frühen Morgen erfuhr
ich davon. Am Nachmittag
fuhr ich dorthin, um besonders
dem Nachbarpfarrer Beileid
zu sagen. 51 Leichen lagen
am Boden unter einem Zelt­
dach. Das Rote Kreuz hat die
Leichen gesammelt, damit die
Angehörigen die Toten identi­
fizieren. Ich erkannte unseren
jungen katholischen Lehrer
Moses, aktives Mitglied des
katholischen Lehrerbundes in
Witu, erst zwei Jahre verhei­
ratet und einem Kleinkind.
In der Stadt sah ich über­
all Blutspuren, Rauch noch
brennender Autos, Wohnun­
gen, Banken und Läden und
die völlig zerstörte Tankstelle.
Am Abend brachte Schwester
Angelina im neuen Missions­
auto, gespendet von Missio
Bozen-Brixen, zwei der vie­
len Leichen nach Malindi:
eine Fahrt von vier Stunden
auf schlechtester Straße. Eine
der Leichen war Moses, mit
Schwester Angelina im selben
katholischen Lehrerbund.
Anscheinend dieselben Mör­
der drangen in der Nacht in
die weitverstreuten Lehm­
hütten und erschossen neun
Männer. Als ich die Nachricht
erhielt, wollte ich schnell am
Morgen hinfahren zu helfen.
Doch auf der Straße dorthin
begegnete ich dem Militär,
das die Terroristen verfol­
gen sollte. Boromoko ist nur
15 km von unserer Station
entfernt. Das Rote Kreuz in
Mpeketoni bat mich, zwei
Tote nach Malindi zu bringen.
In Mpeketoni seien alle Autos
in Flammen aufgegangen. Ich
ließ mich überreden und fuhr
mit unserm baufälligen zwei­
ten Missionsauto nach Malin­
di und die Nacht wieder zu­
rück. Auf keinen Fall wollte
ich die Mission in dieser Zeit
allein lassen. Todmüde kam
ich zurück und doch glück­
lich, dass Gott mich auf der
gefährlichen Reise mit seinen
Engeln begleitet hat.
Die gegenwärtige Lage ist
gespannt. Traurige, nieder­
geschlagene Gesichter! Das
Volk lebt in Angst, manche
Familien schlafen im Busch.
Es gibt furchtbare Gerüchte
und Befürchtungen, unsere
Gegend könnte als nächste
auf der Liste sein. Jemand soll
einen Brief gefunden haben.
Die Al Shabab würde jetzt die
Kirche angreifen. Die Regie­
rung verspricht Sicherheit, die
Terrorgruppe hingegen droht,
keine Ruhe zu geben, bis Ke­
nia seine Truppen aus Soma­
lia abgezogen habe. Witu ist
Durchzugsgebiet nach und
nicht allzu weit weg von So­
malia.
Dienstag, 24. Juni 2014
Die letzte Nacht gab es wie­
der schreckliche Bluttaten.
Innerhalb unseres Missions­
sprengels in Kakathe, etwa
12 km von der Missionssta­
tion. Der Ort liegt richtig im
Dornbusch, wo Neuankömm­
linge seit zwei oder drei Jah­
ren roden und anbauen. Fünf
Männern wurde mit Busch­
messern das Genick durch­
stochen. Ein weiterer liegt im
Spital in Mpeketoni. Andere
Dienstag, 17. Juni 2014
Eine weitere Schreckensnach­
richt: Überfall auf Boromo­
ko, wo landlose Familien den
Busch gerodet und Maisfelder
angelegt hatten, um ein neues
Leben zu beginnen. Die Bau­
ern besitzen keine Schriftstü­
cke, dass sie tatsächlich die
Grundbesitzer sind. Denn viel
Land an der Küste ist noch
immer nicht demarkiert. Ich
selber konnte für diese Fami­
lien dort einen Tiefbrunnen
organisieren mit Hilfe der Ca­
ritas von Bozen-Brixen.
Witu · Kenia
Missionar Adolf Pöll vor dem Gästehaus „Mama Monica“, wo die Terroristen grausam mordeten.
Witu · Kenia
9
Angehörige sollen ihre Verstorbenen identifizieren.
sagen, elf Personen seien ge­
storben. Die Soldaten sind be­
reits dort. – Ich bin froh, dass
unser Team in Witu wieder
vollständig ist. Father Tony
mit Seminaristen kam am
Freitag und die Schwestern
am Samstag aus Malindi zu­
rück.
Herz-Jesu-Sonntag,
29. Juni 2014
Ich besuchte unsere neue Au­
ßenstation Kakathe, wo vor
mehreren Tagen fünf christ­
liche Landbauern grausam
ermordet wurden. Der Weg
ist nach ausgiebigem Regen
auch für Autos mit Allrad
unpassierbar. Mein Mill Hill
Seminarist aus Indien brachte
mich mit dem Motorrad durch
Mohr, Sumpf und Pfützen
dorthin. Statt der ungefähr 20
Familien treffen wir nur Män­
ner und vier Frauen und eine
Handvoll Kinder beim Got­
tesdienst. Es war ergreifend,
wie dieses Häufchen Men­
schen ihr Leben dem Heiligs­
ten Herzen Jesu empfohlen
haben. Sie waren richtig froh,
dass die Mission sie nicht al­
leine lässt. Auch konnten wir
ihnen ein bisschen Mais und
Öl versprechen.
Inzwischen ist es ziemlich
deutlich geworden, dass es
dieses Mal nicht die Gruppe
Al Shabab war, sondern Leute
von Witu und Lamu, Groß­
grundbesitzer und Politiker,
welche die zugewanderten
Christen vertreiben wollen.
Sie wollen sich große Lände­
reien an der Küste aneignen;
denn das Küstengebiet ist
noch immer nicht im Katas­
teramt dokumentiert.
Wegen des großen Schre­
ckens und der Angst sind be­
reits viele Familien geflüchtet,
haben Hütte und Maisacker
zurückgelassen und sind mit
Kindern, Frauen und dem Nö­
tigsten zu ihren Verwandten
weg. Wer zurückblieb, schläft
über Nacht in Witu in unserer
oder in einer protestantischen
Kirche. Am frühen Morgen
kehren die Erwachsenen zu
ihren Äckern zurück, um den
heranreifenden Mais vor den
vielen Pavianen zu schützen.
Ich fühle mich in Gottes
Hand und weiß, dass auch die
Leser des Missionsboten alle
hinter uns stehen. Wir sind
froh über die Teilnahme von
hier und besonders aus der
Heimat.
Mbeketoni in Trümmern.
10
Witu · Kenia
Freuden im
Ruhestand,
wenn auch fern
der Heimat.
Florian Jud, Governador
Valadares, Brasilien
V
or über einem Jahr habe
ich mich von meiner Arbeit als Pfarrer zurückgezogen und wohne nun im Hause
einer Familie.
Diese betreute vorher uns
Priester im Pfarrhaus von
Turmalina sieben Jahre lang.
Das Haus steht mitten im
Wald eines Dörfleins, das 20
km von der Stadt Governador
Valadares entfernt ist. Wegen
des ländlichen Aussehens, der
Wiesen und Wälder, beson­
ders aber wegen der Streu­
siedlung erinnert mich dieser
Ort an mein Heimatdorf Gei­
selsberg. Am meisten freut
mich in meinem Ruhestand,
dass ich trotz meines Alters
noch etwas tun kann.
Während meines Urlau­
bes 2013 in meiner Heimat
zeigte mir eine Familie ihren
Jahreskalender, bebildert mit
Familienereignissen. Dieser
Jahreskalender regte mich
an, auch hier etwas Ähnliches
zu tun. Da Cherokee nur 110
Familien zählt, habe ich mir
vorgenommen, sie alle zu
besuchen. Mit den Fotos, die
ich von jeder Familie machen
durfte, stellte ich dann einen
Jahreskalender 2014 zusam­
Valadares · Brasilien
men. In diesem scheinen alle rokee feiern und wurde tief
Familien mit ihren Häusern beindruckt; denn im Einfa­
auf. Jeder Familie wurde ein chen und Schlichten verbirgt
solcher Jahreskalender zuge­ sich oft die Schönheit. Beson­
schickt. Alle nahmen dieses ders gefielen mir die Prozes­
Geschenk mit Freude an. Die­ sion am Palmsonntag und die
se Freude war auch eine Freu­ Lichterprozession nach der
Feuerweihe am Karsamstag
de für mich.
Die
Zusendung
der mit jeweils ungefähr 40 Teil­
“Schwefelquelle”, der Mo­ nehmern. Den Gottesdienst
natszeitung meiner Heimatge­ am Gründonnerstag feierten
meinde Olang,
brachte
mich
auf eine weitere
Idee: hier fähige
Leute anzuspor­
nen, monatlich
eine
einfache
Dorfzeitung mit
vier Seiten her­
auszugeben. Es
ist mir tatsäch­
lich gelungen,
dafür Leute zu
begeistern. “Alô
Cherokee” heißt
die Zeitung und
ist bereits mehr­
mals
verteilt Die Dorfzeitung Alô Cherokee frisch vom Druck.
worden.
Die
Spesen werden
durch Reklame von Firmen wir in der offenen Garage
bezahlt. Dass meine Idee an­ unseres Hauses; denn nach
genommen wurde, war eine dem Gottesdienst wurden alle
Teilnehmer zu einer “Agape”
weitere Freude für mich.
Auch seelsorglich kann ich eingeladen anlässlich meines
noch etwas tun. Wann immer Geburtstages.
Viele andere Freuden
möglich, helfe ich meinem
zuständigen Pfarrer, in der könnte ich noch aufzählen.
Pfarrkirche oder in einer sei­ Doch diese wenigen verraten
ner Außenstationen die Mes­ schon, dass mein Ruhestand
se zu feiern. Doch meistens in Brasilien nicht langweilig
zelebriere ich am Sonntag­ ist. Im Gegenteil, ich erlebe
vormittag im Kirchlein von immer wieder Freuden, wenn
Cherokee. Heuer konnte ich auch fern der Heimat.
sogar die Karwoche in Che­
11
Das St. Josefs-Missionshaus Brixen schätzt die Förderinnen
und Förderer, lädt sie zum Treffen und dankt ihnen:
in Kastelruth am 23. Juni 2014
in Maria Saal am 12. Juni 2014
in Milland am 14. Juni 2014
in Weißenstein am 28. Juni 2014
in Thuins bei Sterzing am 21. Juni 2014
12
Förderer- und Förderinnentreffen · Brixen
„Stärke deine Brüder“, sagt Jesus zu Petrus, wobei natürlich auch die „Schwestern“ gemeint
sind. Dies war das Motto der fünf Förderertreffen im heurigen Jahr. – Was aber passiert, wenn
man einander nicht unterstützt? Das schilderte Missionär Jakob Kirchler an schrecklichen Bei­
spielen aus dem Südsudan, wo einheimische Stämme, anstatt am Aufbau des noch jungen Staates
mitzuarbeiten, einander blutig bekriegen. Jakob entging dabei nur knapp dem Tod und musste
schweren Herzens fliehen.
In einer schlichten Andacht wurde gemeinsam um Kraft, Geduld und gute Gesundheit gebetet,
um weiterhin als Förderinnen und Förderer der Missionsarbeit in unserer Heimat arbeiten zu
Peter Mair
können. Mit einer Marende und regem Gedankenaustausch endeten die Treffen.
Förderer- und Förderinnentreffen · Brixen
13
Die Großfamilie
im Todesfall
Hermann Gufler, Elak-Oku, Diözese Kumbo, Kamerun
B
egräbnisse und Totenfeiern in Kamerun und in anderen Ländern Afrikas haben
sich in den letzten zehn bis
fünfzehn Jahren gewaltig verändert.
Während im Westen – in
Europa und Amerika – Tod
und Begräbnis sich gewöhn­
lich im familiären Kreis ab­
spielen, werden Begräbnisse
in Afrika immer mehr zu ei­
nem Geschehnis im Leben ei­
nes Menschen, das sich para­
doxerweise nach seinem Tod
abspielt. Das geschieht nicht
nur im weltlichen, sondern
auch im religiösen Bereich.
Was diese Aufwertung eines
OBEN: Die Trauer über den Toten reicht weit über die Dorfgrenzen hinaus.
RECHTS: Missionar Hermann
Gufler, der Schreiber des Artikels.
14
Begräbnisses auslöste, war
das Errichten von Leichen­
häusern (Leichenhallen) in al­
len größeren Spitälern, wo ein
Toter für ein paar Tage bis zu
mehreren Wochen aufbewahrt
werden kann.
Früher war das unmöglich.
In der tropischen Hitze muss­
ten die Toten so bald wie mög­
lich begraben werden. Das
geschah gewöhnlich ein paar
Stunden nach dem Ableben
eines Menschen. Starb jemand
in der Nacht, wurde er gleich
am Morgen begraben; starb
jemand am Vormittag, wurde
er am Nachmittag begraben.
Nur in der Nacht durfte nie­
mand begraben werden. Sonst
aber, sobald jemand aufhörte
zu atmen, begann man schon
mit dem Ausheben des Gra­
bes. Als ich 1967 zum ersten
Mal nach Kamerun kam, be­
kam ich öfters eine Gänsehaut,
wenn Leute erzählten, wie je­
mand bereits ‚gestorben‘ sei
und nach ein paar Stunden
wieder anfing zu atmen. Die
Möglichkeit, Scheintote zu
begraben oder dass Scheinto­
te in der Tat begraben worden
sind, ist nicht von der Hand zu
weisen.
Mit dem Aufkommen der
Leichenhäuser hat sich das
alles geändert. Sobald je­
Kumbo · Kamerun
mand stirbt, wird die Leiche
ins nächstgelegene Leichen­
haus gebracht – mit dem Auto,
auf einem Motorrad (wo der
Mann den Toten auf dem Hin­
tersitz an sich klammert) oder
mit der Tragbahre. Darauf ver­
sammelt sich gleich die Fami­
lie, um zu entscheiden, wann
das Begräbnis abgehalten
wird. Freilich versucht man
die Zeit, in der die Leiche im
Leichenhaus aufbewahrt wird,
so kurz wie möglich zu halten;
denn jeder Tag im Leichen­
haus kostet eine Stange Geld.
Aber die Kinder und näheren
Verwandten, die vielfach aus­
wärts wohnen, müssen ver­
ständigt werden. Wenn Kinder
in Europa oder Amerika stu­
dieren, kann das Begräbnis oft
mehrere Wochen verschoben
werden, damit möglichst alle
daran teilnehmen können.
Vom Bambus
zum Edelholz
In der oben erwähnten Fami­
lienversammlung wird vor
allem eine Art Haushaltsplan
erstellt: welche notwendigen
Ausgaben stehen an und wo­
her soll das Geld kommen?
Die Familie muss die Spitals­
kosten zahlen, wenn der Tote
im Krankenhaus starb, dazu
die Kosten für die Aufbewah­
rung in der Leichenhalle und
die Verköstigung von Hun­
derten von Gästen. Besonders
muss für die, die von auswärts
zum Begräbnis gekommen
sind, gesorgt werden. Dieser
letzte Punkt ist einer der wich­
tigsten; denn die Familie will
Kumbo · Kamerun
Ein bedrückender Augenblick, wenn der Tote aus dem Haus getragen
wird.
unter keinen Umständen, dass
ihr Geiz und Knauserei vorge­
worfen wird.
Dann muss sich die Familie
um einen würdigen Sarg küm­
mern. Dieser hat sich zu einem
„Vorzeigeding“, einem „Aus­
hängeschild“ herausstilisiert.
Vorbei sind die Zeiten, wo ein
paar einfache Bretter zurecht­
geschnitten und zusammen­
genagelt worden sind oder ein
Sarg aus Bambusstangen an­
gefertigt wurde. Jetzt wird der
Sarg vielfach aus bestem Edel­
holz gemacht, poliert, gestri­
chen und mit Goldstreifen ver­
ziert. Meistens ist oben eine
Art Luke zum Aufmachen, um
das Gesicht des Toten zu se­
hen. Solche Särge kosten zwi­
schen € 200 und € 300, eine
riesige Ausgabe für gewöhn­
liche Familien. Aber man will
sich nichts nachsagen lassen.
Schon im kaiserlichen Wien
sprach man von einer „schö­
nen Leich“. Hier ist es nicht
anders. Nur das Beste ist gut
genug.
Weitere Ausgaben, die die
Familie nicht scheut, sind das
Anschaffen von Kleidern, ei­
ner Art Uniform, für alle An­
Die Eucharistie knüpft enge Bande zwischen Lebenden und Toten.
15
gehörigen der Familie, vom
Kind bis zum Erwachsenen.
Alle Mitglieder der Großfa­
milie tragen Kleider aus glei­
chem Buntstoff geschneidert.
Somit weiß jeder gleich, wer
zur Trauerfamilie gehört und
wer nicht. Schwarz ist nicht
mehr die bevorzugte Farbe
der Totenwache und des Re­
quiems. Alles muss aufs Ge­
naueste geplant werden. Auch
ein großes eingerahmtes Foto
des Verstorbenen, das immer
vor dem Sarg aufgestellt wird,
darf nicht fehlen. Wie oft ka­
men Familienangehörige in
letzter Minute zu mir mit ei­
Vorbereitungen werden getroffen, das Grab auszuheben.
für Begräbnisse und Totenfei­
ern. In letzter Zeit kommen
noch seidene Schals dazu, alle
mit dem gleichen Muster in
Schwarz-gold, die die Trauer­
gäste sich um den Hals knüp­
fen. Meistens ist der Stoff von
China oder anderen fernöstli­
chen Ländern importiert. Spä­
ter kann man oft sehen, wie
Frauen diese Schals an Wo­
chentagen als normales Kopf­
tuch tragen.
Der Leichenzug
Wichtig ist ferner das Drucken
von Parten mit Foto und oft
sehr detailliertem Programm
des Begräbnisses, inklusive
16
nem kleinen, vergilbten Foto
und baten mich, es zu vergrö­
ßern – „so groß wie möglich!“
Ich kann zwar keine Wunder
wirken, aber die Leute sind
immer zufrieden. Man muss
den Toten nur irgendwie er­
kennen. Viele, besonders älte­
re Leute, kommen zu mir, um
ein größeres Foto machen zu
lassen, “im Falle dass…!“ Sie
wollen vorbereitet sein.
Das Programm für das
kirchliche Begräbnis, wenn
der Tote ein Christ war, muss
auch besprochen und erstellt
werden. Wann findet die hei­
lige Messe statt? Wer sucht
die Lesungen aus? Wer liest
die Lesungen? Wer macht die
Fürbitten? Wer liest sie vor?
Ein Kirchenchor muss einge­
laden werden, um die Messe
festlich zu gestalten. Öfter
kommt es jetzt schon vor, dass
in der Nacht vor dem Begräb­
nis eine Totenwache statt­
findet. Wenn ein Priester zur
Verfügung steht, wird er eine
heilige Messe im Gehöft oder
Haus des Toten feiern, sonst
wird die ganze Nacht gebetet
und gesungen.
Das Programm am Begräb­
nistag fängt immer schon bei
Tagesanbruch an. Junge Män­
ner aus der Nachbarschaft des
Verstorbenen kommen mit
Schaufeln und Pickeln, das
Grab auszuheben. Zur ange­
geben Zeit wird der Sarg vor
dem Eingang des Leichenhau­
ses auf das Dach eines Au­
tos gebunden und zur Kirche
gebracht. Voraus fährt eine
Eskorte von Motorrädern, je
mehr umso besser. Die Mo­
torräder werden alle mit Bu­
schen und Zweigen verziert.
Von der Leichenhalle bis zum
Kirchentor plärren die Hupen
ununterbrochen.
Die Totenmesse verläuft
dann ganz normal. Nur am
Ende werden die Leute ein­
geladen, noch einmal eine
Sammlung zu halten. Das
eingegangene Geld wird für
Messstipendien für den Ver­
storbenen verwendet. Am
Schluss der Messe wird noch
je ein Vertreter der Familie
mütterlicherseits und väter­
licherseits gebeten, ein paar
Worte zu sagen.
Kumbo · Kamerun
Hubert Neumair
feiert doppeltes Jubiläum
75 Jahre auf dem Buckel
und noch ist der Rücken ge­
rade. Die gute Gesundheit in
diesem Alter und die 50 Jah­
re Missionsbruder erfüllen
mich mit großer Dankbarkeit
und Freude. Stets in den Hän­
den Gottes geborgen und von
lieben Mitmenschen umge­
ben, geht der Dank an die vie­
len, die mich begleitet haben.
Gott lässt sich an Großmut
nicht übertreffen und seine
Gnade ist ohne Maß. Deswe­
gen kann ich die Freude und
Dankbarkeit nicht in Worte
fassen.
Dazu gehören auch die
vielen Jahre, als ich für den
Missionsboten unterwegs war.
OBEN: Wer besucht wen? Hubert Neumair (im Bild links) –
Karl Oberprantacher (rechts).
Hubert Neumair · Doppeltes Jubiläum
Die vielen Förderer haben mit
großem Einsatz den Missions­
boten verbreitet. Um Gottes
Lohn nahmen sie alle Mühen
auf sich. Möge Gott es ihnen
reichlich lohnen. Durch die
vielen Begegnungen sind mir
die Förderer sehr ans Herz
gewachsen. Es fiel mir nicht
leicht, von ihnen im Jahre
1996 Abschied zu nehmen.
Seitdem war ich zur Hälf­
te in Kenia und jetzt in Ugan­
da. Seit sechs Jahren verwalte
ich das Mill Hill Gästehaus in
Kampala. Gäste, die sich ger­
ne einsetzten für Entwicklung
und Verbesserung des Lebens
in Uganda, sind immer will­
kommen. Wohltäter aus vielen
Ländern reichen sich hier die
Hand. Das Haus ist wirklich
ein Haus der Begegnung. Für
mich gibt es die schönsten Er­
fahrungen. Die Umgangsspra­
che wechselt von Englisch,
auf Holländisch oder Deutsch.
Als Verwalter des Hauses
muss ich immer bedacht sein,
ökonomisch zu wirtschaf­
ten. Da war immer eine hohe
Stromrechnung zu begleichen.
Denn beim Neubau 1998 wur­
den die Zimmer mit Nasszel­
len versehen und Elektro-Boi­
ler angebracht. Nach langer
Überlegung mit den Oberen
konnte ich auf Sonnenenergie
umstellen. Eine teure Angele­
genheit: 18.000 Euro. Als ich
an die Arbeit ging, hatte ich
übergroßes Glück. Die Welt­
bank unterstützte die Hälfte,
die andere Hälfte kam von
einer kleinen holländischen
Stiftung. Seither ist die mo­
natliche Stromrechnung viel
kleiner geworden.
17
UNSERE VERSTORBENEN
Wir bitten ums Gebet für die verstorbenen Mitglieder und Wohltäter
Abfaltersbach: Aloisia Senfter, Paula Brunner (langjährige Förderin), Andre Weiler. – Absam:
Pfarrer Paul Haider. – Altenstadt: Maria Willeit. – Bannberg: Alois Reiter. – Breitenbach:
Aloisia Hotter, Maria Hotter, Aloisia Ortner (langjährige Förderin). – Götzis: Ida Lampert. –
Grins: Paul Rudigier. – Haiming: Antonia Kapeller. – Hard: Margit Büchele (langjährige Förderin). – Hart im Zillertal: Josef Troppmaier. – Innervillgraten: Jakob Lusser, Anna Lusser.
– Ischgl: Elisabeth Walser, Gertrud Maria Aloys (langjährige Förderin). – Kirchberg: Balbina
Gredler. – Lienz: Josef Unterkreuter. – Matrei in Osttirol: Maria Holzer. – Mittewald: Alois
Gufler. – Navis: Viktoria Peer, Maria Prechtl. – Neustift im Stubai: Hans Steuxner. – Pfunds:
Hermann Hosp, Josef Lechtaler sen. – Prutz: Otto Huter, Maria Wolf (langjährige Pfarrhaushälterin). – Schlins: Hedwig Hartmann. – Schönwies: Maria Venier, Klara Schmidinger, Maria
Unterrainer. – Schwarzach: Hedwig Flatz. – Sölden: Rosa Riml, Theresia Wilhelm. – Telfes:
Alfons Schmidt. – Warth: Hw. Herr Johann Partl Pfr. i. R. – Weiler: Sieglinde Lechner.
Herr, schenke ihnen die ewige Freude!
Kranzspende: Für Anna Lanser, Innervillgraten, von Gabriela Jungmann, Asch.
Für alle Spenden und Messintentionen
ein herzliches und aufrichtiges Vergelt’s Gott!
Aloisia Ortner, Breitenbach, * 20. 3. 1930, † 4. 6. 2014, langjährige Förderin
Margit Büchele, Hard, * 26. 2. 1929, † 5. 6. 2014, Förderin von 1978 bis 2014
Paula Brunner, Abfaltersbach, * 3. 2. 1918, † 19. 6. 2014, Förderin von 1973 bis 2014
Gertrud Maria Aloys, Ischgl, * 24. 6. 1921, † 20. 7. 2014, Förderin von 1986 bis 2014
Aloisia Ortner
18
Margit Büchele
Paula Brunner
Gertrud Maria Aloys
Unsere Verstorbenen
Aus dem St. Josefs-Missionsboten 1914
Nacht am Fluss
Borneo-Missionär Johann Unterberger
aus Stans bei Schwaz (1884 – 1945)
D
ie Bootsfahrt in eine unserer Außenstationen war lang
und mühsam gewesen. Der Weg an sich wäre gar nicht
weit gewesen; nur musste unser Boot nicht nur den schier
endlosen Flusswindungen durch den feuchten Urwald folgen,
sondern musste an zwei Stellen auch noch über recht tückische
Stromschnellen gezogen werden. Und das kostete viel Zeit und
Energie. Also entschloss ich mich, mit Hilfe eines Begleiters für
die Rückkehr in die Hauptstation eine Abkürzung über einen der
vielen kleineren Bachläufe zu nehmen.
Zu allem Pech aber war der kleine Buschweg an einigen Orten
ziemlich überwuchert und nicht leicht zu finden. So verloren wir
viel Zeit ... und urplötzlich wurden wir von der Nacht überrascht.
Da ich wusste, dass wir fast am Ziel waren, wollte ich unbedingt
auch in der Dunkelheit noch weitergehen. Also rutschten wir
im Bachbett vorsichtig von Felsen zu Felsen, mussten aber bald
einsehen, dass ein Weitergehen einfach zu gefährlich war. Wohl
oder übel ließen wir uns auf einem der Felsblöcke nieder, um dort
die Nacht zu verbringen. Mir fröstelte, denn mein Hemd, Hose
und Schuhe waren alle von Schweiß und Bachwasser durchnässt.
Um mich gegen den Schlaf zu wehren, wiederholte ich meinem
Begleiter alle Predigten, die ich in der Mission gehalten hatte,
betete dann mit ihm vier Rosenkränze und sang alle Lieder, die
ich auswendig kannte. Wären wir eingeschlafen, dann würden wir
sicher vom Felsen in das kalte Bachwasser hineingestürzt sein.
So aber verbrachten wir betend, singend und am ganzen Leibe
fröstelnd die schier endlose Nacht.
Punkt sechs Uhr war dann urplötzlich das Tageslicht wieder
da. Zur Danksagung beteten wir noch einmal den Rosenkranz
und krochen weiter von Stein zu Stein, bis wir am Ufer wieder
Anzeichen unseres Fußweges entdeckten. Zudem trafen wir
bald darauf mit einer Gruppe von Leuten zusammen, die sich
voll Sorge auf die Suche nach uns gemacht hatten. Groß war die
Wiedersehensfreude, und das Erzählen konnte so richtig losgehen.
– Was ich daraus gelernt habe? – Sogenannte „Abkürzungen“ sind
mit Vorsicht zu genießen!
Was war?
Was geschah
in der Weltkirche?
vor 100 Jahren
Der 28. April 1914 war ein
bedeutender Tag für die
junge Kirche in Kamerun.
Die Kongregation der Glaubensverbreitung, errichtete
die Apostolische Präfektur
von Adamawa, die damit den
Priestern des Herzens Jesu
zur Missionierung anvertraut
wurde.
Dieser hoffnungsvolle Anfang wurde durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges
genau drei Monate später
wieder zunichte gemacht.
Die deutschen Missionare
wurden nach dem Einrücken
britischer und französischer
Truppen interniert und deportiert. Manche davon nahmen allerdings auf der Insel
Fernando Po Zuflucht, wo sie
den vielen ebenfalls dorthin
geflohenen Kamerunern Taufunterricht erteilten.
In der priesterlosen Zeit haben eine Handvoll Katechisten jahrelang Katechumenen
auf die Taufe und andere Sakramente vorbereitet und die
Güter der Mission verwaltet.
Am 26. März 1922 übernahmen die St. Josefs-Missionare
in Britisch Kamerun die
später gebildete Apostolische
Präfektur von Buea.
Erwin Hain
19
UNSERE VERSTORBENEN
Wir bitten ums Gebet für die verstorbenen Mitglieder und Wohltäter
Abfaltersbach: Aloisia Senfter, Paula Brunner (langjährige Förderin), Andre Weiler. – Absam:
Pfarrer Paul Haider. – Altenstadt: Maria Willeit. – Bannberg: Alois Reiter. – Breitenbach:
Antholz-Niedertal: Antonia Messner-Antenhofer. – Aufkirchen: Karl Strobl. – Eggen: Anton
Aloisia Hotter, Maria Hotter, Aloisia Ortner (langjährige Förderin). – Götzis: Ida Lampert. –
Eisath (Oberbühl). – Elvas: Theresia Mair-Graf. – Eppan: Hochw. Nikolaus Laimer. – Galsaun: Erna
Grins:
PaulInnerhofer.
Rudigier. – –Haiming:
Hard: MargitAntonia
BüchelePlank-Oberhofer,
(langjährige FörFleischmann,
Alois
Göflan: Antonia
Isabella Kapeller.
Dietl. – –Gossensass:
Hart im Zillertal:
Josef
Troppmaier. Maria
– Innervillgraten:
Jakob Lusser,
Lusser.
Hermannderin).
Mair. –– Innichen:
Luisa Lifter.
– Kastelruth:
Tröbinger-Wanker,
IsabellaAnna
SchgagulerGassliter. ––Ischgl:
Klobenstein-Ritten:
– Laas: Hans
Blaas.– Kirchberg:
– Lappach:Balbina
Peter
Elisabeth Walser,Theresia
Gertrud Rottensteiner.
Maria Aloys (langjährige
Förderin).
Reichegger.
– Latzfons:
Dorfmann (Rungger
– Leifers:
Josef Mahlknecht
Gredler.
– Lienz:Aloisia
Josef Unterkreuter.
– MatreiMutter).
in Osttirol:
Maria Holzer.
– Mittewald:(nicht
Alois
Holzknecht,
wie
im
vorigen
Missionsboten).
–
Lichtenberg:
Johann
Wallnöfer.
–
LichtensternGufler. – Navis: Viktoria Peer, Maria Prechtl. – Neustift im Stubai: Hans Steuxner. – Pfunds:
Ritten: Martin Prackwieser. – Margreid: Ernst Cassar. – Marling: Toni Ladurner (Larchwalder). –
Hermann Hosp, Josef Lechtaler sen. – Prutz: Otto Huter, Maria Wolf (langjährige PfarrhausMartell: Peter Holzer, Erich Kobald (Vater der Förderin). – Mauls: Maria Ralser. – Mühlwald: Johann
– Schlins:
Hartmann.
– Schönwies:
Maria Venier,
KlaraAnna
Schmidinger,
Maria
Steiner. –hälterin).
Oberrasen:
MariaHedwig
Schöpfer.
– Obervintl:
Klara Gruber.
– Pfalzen:
Mittermair.
–
Unterrainer.
–
Schwarzach:
Hedwig
Flatz.
–
Sölden:
Rosa
Riml,
Theresia
Wilhelm.
–
Telfes:
Raas: Hans Steinmair. – Sarnthein: Josef Spieß. – Schlanders-Nördersberg: Ida Stieger. – Seis: Maria
Alfons Schmidt.–– Sexten:
Warth: Hw.
Johann Partl
i. R. – Weiler:
Sieglinde
Lechner.
Anna Obkircher-Goller.
KarlHerr
Innerkofler.
– St.Pfr.
Johann
in Ahrn:
Paula Knapp-Kirchler.
– St. Leonhard in Passeier: Josef Gumpold, Josef Pixner, Florian Schwarz, Kunigunde Ramdori. –
Herr,Rier
schenke
ihnen
die ewige
Freude!
St. Magdalena in Gsies: Johann
(Ehemann
der Förderin).
– St. Martin
in Thurn: Mariangel
Tavella. – St. Michael-Kastelruth: Walter Fill, Anna Mayor-Hofer. – St. Pankraz: Maria Mairhofer,
Kranzspende:
Für Anna Lanser,
GabrielaKlara
Jungmann,
Asch. – Steinegg:
Rudolf Berger.
– St. Peter-Lajen:
AntonInnervillgraten,
Spisser. – St. von
Sigmund:
Unterkofler.
Alois Lantschner (Bruder der Förderin). – Steinhaus: Waltraud Oberkofler-Astner. – Taufers im
Münstertal: Alois Kapeller, Margareth Stricke. – Teis: Alois Erlacher. – Tscherms: Martha GeiserFür alle Spenden und Messintentionen
Pernthaler (langjährige Förderin). – Untermoi: Clara Canazzei, Willi Clara. – Weißenbach: Agnes
ein
herzliches
und aufrichtiges Vergelt’s Gott!
Brunner. – Weitental:
Josef
Brunner.
Herr, schenke ihnen die ewige Freude!
Aloisia Ortner, Breitenbach, * 20. 3. 1930, † 4. 6. 2014, langjährige Förderin
Margit Büchele,
Hard, * 26. 2. 1929,
† 5. 6. 2014,
Förderin
1978Kofler,
bis 2014
Gedächtnisspenden:
Im Gedenken
an verstorbene
Maria
und von
Eduard
Schlanders.
Paula Brunner, Abfaltersbach, * 3. 2. 1918, † 19. 6. 2014, Förderin von 1973 bis 2014
Gertrud Maria Aloys, Ischgl, * 24. 6. 1921, † 20. 7. 2014, Förderin von 1986 bis 2014
Für alle Spenden und Messintentionen
ein herzliches und aufrichtiges Vergelt’s Gott!
Martha Geiser-Pernthaler, Tscherms,
* 25. 11. 1931, † 18. 3. 2014,
Förderin
2006Brunner
Aloisia Ortner
Margit
Büchele von 1973 bis
Paula
Martha Geiser
18
Gertrud Maria Aloys
Unsere Verstorbenen
Aus dem St. Josefs-Missionsboten 1914
Nacht am Fluss
Borneo-Missionär Johann Unterberger
aus Stans bei Schwaz (1884 – 1945)
D
ie Bootsfahrt in eine unserer Außenstationen war lang
und mühsam gewesen. Der Weg an sich wäre gar nicht
weit gewesen; nur musste unser Boot nicht nur den schier
endlosen Flusswindungen durch den feuchten Urwald folgen,
sondern musste an zwei Stellen auch noch über recht tückische
Stromschnellen gezogen werden. Und das kostete viel Zeit und
Energie. Also entschloss ich mich, mit Hilfe eines Begleiters für
die Rückkehr in die Hauptstation eine Abkürzung über einen der
vielen kleineren Bachläufe zu nehmen.
Zu allem Pech aber war der kleine Buschweg an einigen Orten
ziemlich überwuchert und nicht leicht zu finden. So verloren wir
viel Zeit ... und urplötzlich wurden wir von der Nacht überrascht.
Da ich wusste, dass wir fast am Ziel waren, wollte ich unbedingt
auch in der Dunkelheit noch weitergehen. Also rutschten wir
im Bachbett vorsichtig von Felsen zu Felsen, mussten aber bald
einsehen, dass ein Weitergehen einfach zu gefährlich war. Wohl
oder übel ließen wir uns auf einem der Felsblöcke nieder, um dort
die Nacht zu verbringen. Mir fröstelte, denn mein Hemd, Hose
und Schuhe waren alle von Schweiß und Bachwasser durchnässt.
Um mich gegen den Schlaf zu wehren, wiederholte ich meinem
Begleiter alle Predigten, die ich in der Mission gehalten hatte,
betete dann mit ihm vier Rosenkränze und sang alle Lieder, die
ich auswendig kannte. Wären wir eingeschlafen, dann würden wir
sicher vom Felsen in das kalte Bachwasser hineingestürzt sein.
So aber verbrachten wir betend, singend und am ganzen Leibe
fröstelnd die schier endlose Nacht.
Punkt sechs Uhr war dann urplötzlich das Tageslicht wieder
da. Zur Danksagung beteten wir noch einmal den Rosenkranz
und krochen weiter von Stein zu Stein, bis wir am Ufer wieder
Anzeichen unseres Fußweges entdeckten. Zudem trafen wir
bald darauf mit einer Gruppe von Leuten zusammen, die sich
voll Sorge auf die Suche nach uns gemacht hatten. Groß war die
Wiedersehensfreude, und das Erzählen konnte so richtig losgehen.
– Was ich daraus gelernt habe? – Sogenannte „Abkürzungen“ sind
mit Vorsicht zu genießen!
Was war?
Was geschah
in der Weltkirche?
vor 100 Jahren
Der 28. April 1914 war ein
bedeutender Tag für die
junge Kirche in Kamerun.
Die Kongregation der Glaubensverbreitung, errichtete
die Apostolische Präfektur
von Adamawa, die damit den
Priestern des Herzens Jesu
zur Missionierung anvertraut
wurde.
Dieser hoffnungsvolle Anfang wurde durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges
genau drei Monate später
wieder zunichte gemacht.
Die deutschen Missionare
wurden nach dem Einrücken
britischer und französischer
Truppen interniert und deportiert. Manche davon nahmen allerdings auf der Insel
Fernando Po Zuflucht, wo sie
den vielen ebenfalls dorthin
geflohenen Kamerunern Taufunterricht erteilten.
In der priesterlosen Zeit haben eine Handvoll Katechisten jahrelang Katechumenen
auf die Taufe und andere Sakramente vorbereitet und die
Güter der Mission verwaltet.
Am 26. März 1922 übernahmen die St. Josefs-Missionare
in Britisch Kamerun die
später gebildete Apostolische
Präfektur von Buea.
Erwin Hain
19
Dabei dachte ich an meine
Vorfahren, welche in harter
Mühsal um ein bisschen Geld
arbeiten mussten… Ich habe
schon einige Jahrzehnte das
Ungleichgewicht der vorhan­
denen Mittel gesehen. Ich hof­
fe, dass Papst Franziskus dies
aufarbeiten kann.
Ehrung
Im Rahmen eines Festak­
tes haben Bischof Manfred
Scheuer und Caritasdirektor
Georg Schärmer 13 Tirole­
rinnen und Tirolern die Eh­
renzeichen der Caritas verlie­
hen. Leonhard Wiedemayr
(rechts im Bild) bekam es für
seinen lebenslangen Einsatz
für die Ärmsten in Uganda un­
ter oft lebensgefährlichen Be­
dingungen.
Die Erzdiözese Bamenda in
Kamerun feierte 100 Jahre seit
der Ankunft der ersten Missi­
onare. 35 Jahre war Erwin
Hain (links im Bild) Sekretär
des Erzbischofs von Bamen­
da. 20 Priestern, Schwestern
und Laien wurde vom Nun­
tius die Auszeichnung „Pro
Ecclesia et Pontifice“ für ihre
besonderen Verdienste um die
Kirche in Bamenda verliehen.
Wir gratulieren den Geehr­
ten und freuen uns mit ihnen.
Missionare
schreiben:
Adolf Pöll, Kenia:
19.6.2014: Wir hatten zu Os­
tern eine schöne „geistige
Ernte”: Taufe von Erwachse­
nen, Erstkommunion, Ehe­
schließungen und ein dreitä­
giges Jugendseminar für die
Pfarrei Witu-Kipini. Über 70
Jugendliche haben mitge­
macht. – Über die Feiertage
war unser Kooperator Kons­
tantin wieder hier. Er hat sich
20
gut vom furchtbaren Unfall er­
holt, wird aber in Malindi und
Mombasa weiter behandelt.
Tony aus Nigeria, unser zwei­
ter Mitarbeiter, ist sehr tüchtig
und vor allem charismatisch
begabt. Er ist bei allen beliebt,
besonders bei Jugendlichen
und Kranken. Zurzeit gibt er
Seminare für Eltern und will
die katholischen Wohnungen
(Lehmhütten) segnen und
überall ein kleines Kreuz zu­
rücklassen. Es ist ja das Jahr
der Familie.
Leonhard Steger, Pakistan:
16.7.2014: Meine herzliche
Gratulation all den Jubilaren…
Es ist wohl ein Dank an alle,
die so viele Jahre in der Missi­
on gearbeitet haben und noch
arbeiten. Ich sah in Sarawak,
wie die Tiroler gut und hart
gearbeitet haben und heute
dort eine blühende Kirche ist.
Es muss ziemlich schwer ge­
wesen sein, in den Flussboten
von Langhaus zum anderen zu
rudern… Die Josefs-Missio­
nare jetzt in Malaysia sind aus
Afrika… Pakistan geht durch
ziemlich große Schwierigkei­
ten. Die Armut wächst. Es ist
schwer, weil man nicht allen
und überall helfen kann. Doch
man leidet mit und kann die
Leute so aufmuntern und nicht
allein lassen.
Leser
schreiben:
Außer den reichen Segenswün­
schen erhielten die Schriftlei­
tung und die Gemeinschaft
der Josefs-Missionare viele
Wünsche zu gesundem Urlaub
und Erholung. Allen ein auf­
richtiges Vergelt’s Gott. Was
der Schriftleitung auch wohl­
tut, sind die vielen positiven
Zeilen zum Inhalt und der Ge­
staltung des Missionsboten.
Martha:
Der
Philippinen-Missionar
Hinterhuber weinte über die
Armut, die damals vorherrsch­
te. Ich weinte vor einigen Mo­
naten über den unverdienten
Reichtum „unserer“ Politiker.
LeserInnen schreiben
Gebharda, Rum:
Wie genügsam und armuts­
liebend musste der Vorgänger
von Missionar Josef Hinterhu­
ber gewesen sein und dieser
nicht weniger, weil er sich in
diese Armut hinstellen ließ…
Interessieren würde mich, wie
es jetzt in Barbassa mit Kir­
che und Widum aussieht. Ich
kann mir vorstellen, dass die
Missionare unermüdliche und
selbstlose Pionierarbeit geleis­
tet haben.
Rosmarie, Platt:
Habe in Brixen auf dem Fried­
hof das Grab der Josefs-Mis­
sionare besucht, wo auch Hw.
Hans Pamer, der Onkel meines
Mannes, begraben ist. Es sind
viele neue Namen auf dem
Grabstein; ein paar Missionare
waren mit dem Onkel bei uns
auf Besuch… Habe als Kind
schon immer mit Begeiste­
rung gelesen und wollte auch
in die Mission gehen. Nur der
Gedanke, dass eine Schlange
mein Lager in der Hütte im
Busch aufsuchen könnte, hat
mich daran abgehalten.
Konrad, Ampass:
Zum Artikel „Kreuz und
Krone“ von Peter Mair fällt
LeserInnen schreiben
mir ein Gedicht ein: „Be­
pflanzt mit Dorn und Disteln
war des Erlösers Lauf, / erst
nach dem Kreuzestode ging
ihm die Sonne auf. / Du bist
in seiner Nähe, wenn du am
Kreuze schwebst, / du gehst
auf seinen Spuren, wenn du
in Ängsten bebst. / Musst du
viel Kummer tragen, verfolgt
durch Hass und Schmach, /
dann trag mit Dank und Lie­
be dein Kreuz dem Heiland
nach.“
Emanuela, Hall:
Ihr seid in einem großen
ACKERFELD eingebunden;
dazu braucht es viel Kraft und
Segen von oben, um eine gute
Ernte einzufahren; aber der
Bruder ESEL, wie ihn Franz
nennt, wird schon anpacken.
Klara, Steeg:
Ich glaube, seit 1980 verteile
ich den Missionsboten, mache
es sehr gerne und hoffe, dass
ich es noch recht lange kann.
Elisabeth,
Innervillgraten;
Walburga, Hermagor:
Ich freue mich über die fünf
Neupriester in Ihrer Missi­
onsgesellschaft. – Ich bemü­
he mich, mein Gebet und die
täglichen Opfer auf Priester­
berufe und Ordensnachwuchs
auszurichten… Wäre ich jün­
ger in die Mission gekommen,
hätte ich mich an alles gewöh­
nen können, an Ungemütli­
ches und jede Art von Arbeit.
Aber an das Essen und das fer­
ne Land?
Elisabeth, Lana:
Das Heft Nummer 3 hat mir
sehr viel Freude gemacht. Die
Priester in der Mission sind
wahre Vorbilder, einfache,
fleißige Priester. Gerne bete
ich für alle.
Emma, Niederdorf:
Es ist nur zum Staunen, wie
diese Menschen zufrieden
sind.
Herlinde, Terenten:
Gemeinsam mit meinen En­
kelinnen suchen wir das
Lösungswort und kriegen
dadurch Einblick in Ihre Tä­
tigkeiten.
Missionsgebetsmeinung
des Papstes
September: Das Evangelium inspiriere die
Christen in ihrem Einsatz für die Armen.
Oktober: Der Sonntag der Weltmission entzünde in jedem den Wunsch, das
Evangelium zu verkünden.
21
Die Lösungen im Missionsboten
vom Mai– Juni 2014 lauten:
fehlenden Wörter in die jeweilige Spalte ein­
zutragen. Das Wort, das sich auch waagrecht
wiederholt, ist das Lösungswort.
ACKERFELD
ESEL
Die Gewinner in Brixen:
Marianne Egger, Bozen
Frieda Oberrauch, Prags, 50x gerätselt
Sieglinde Raffeiner-Kind, Laas
Hilde Regensberger, Reischach, 50x gerätselt
Hannelore Wallnöfer, Prad am Stilfserjoch,
50x gerätselt
Die Gewinner in Absam:
Maria Haidacher, Rum
Alois Mühlmann, Oberlienz, 104x gerätselt
Annelies Müller, Feldkirch
Veronika Neururer, Piller
Angelika Ripfl, Leutasch
Waltraud Schreieck, Wängle
Nun die Aufgabe für heute:
Um das Rätsel zu lösen, gilt es, den Missi­
onsboten sehr aufmerksam zu lesen und die
A
22
B
C
D
E
F
G
H
I
A:Franziskus erwähnt in seiner…
B: Dass ihr Geiz und … vorgeworfen wird.
C: … ist ein tropischer Baum.
D:Diese betreute uns Priester im…
E: Der Ort liegt richtig im…
F:Kraft, Geduld und Gesundheit gebetet,
um…
G:Ich wollte schnell am Morgen…
H:Gekleidet in ein traditionelles … Gewand.
I: Ein Dorfmädchen, sein … ein Zimmer­
mann.
Das Lösungswort gilt es bis zum 31. Oktober
2014 an eine der Adressen, angegeben auf Sei­
te 23, zu schicken: sei es eine Postkarte, ein
Fax oder ein Mail. Bitte, immer den vollen
Absender mit Straße/Weiler und Nummer bei­
fügen, auch beim Mail. Es gibt Einsender mit
demselben Namen im selben Ort.
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Es verrät keine
Achtung vor dem
Menschen, wenn
du zulässt, dass sich
dein Bruder wie ein
Esel aufführt
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Für gewitzte Ratefüchse
Fest im
Oktober
Schlange
bibl.
Goldland




.. und
jeh

Abk.
Samstag
Wirtshaus

Brennstoff
pers.
Fürwort
Anrede

Alphabet

er kam,
… und
siegte

KfzNorwegen

Gefrorenes
Mongolen­
volk
Papagei
Durcheinander




bayr.
KünstlerFamilie
Wenn deine Stimme
wie ein Schlachthorn tönt,
hasst dein Bruder die …
muslim.:
Glaube
Abk.
Süden
Dorf
Wüstenschiff



See bei
Salzburg



Abk.
Norden

entflammen


Unterkunft

Kfz.
Belgien


trainieren
eingebildet
kleiner
Nagel


Gebiet

israel. König

Bewohner
Korsikas
sib.
Strom

Berg,
auf dem
Mose starb

Abk.
Karat
Gewinn

Abk.
Ultraschall





lat.:
alles in
allem

nicht
durch
Sportgerät


anerkennen

semit.
Gottheit
Moder
Klebe­
verfahren





binnen
Grundstück

Farbe
nördl. Götter­
geschlecht
bis an die
... gehen
persönl.
Fürwort
Kunstflieger




Taufzeuge
Fragewort
Rauchergerät

häufig

antikes
Königreich
in Arabien
Gewässer

Fluss in
Tirol

Abk.
habilitiert

engl. Bier

Abk.
Fortbildung

Abk.
täglich


ad. acta
durch­
einander
GibbonArt



Alois Reichegger
Für gewitzte Ratefüchse
Nahrungsmittel
Die Lösung(en) Ihres Rätsels senden Sie an eine der folgenden Anschriften.
Für Südtirol: St. Josefs-Missionshaus, Postfach 165, 39042 Brixen, Fax: 0472 270 800
Mail: josefsmissionshaus@hotmail.com
Für Österreich:St. Josefs-Missionshaus, Samerweg 11, 6067 Absam, Fax: 05223 572 9414
Mail: missionshausabsam@gmx.at
Viel Spaß wünscht die Redaktion, Sepp und Anton.
Für gewitzte Ratefüchse
23
A
Kostbar
ls die halbverfallene „Kirche“ in einer ka­
merunischen Außenstation vom Stamm
der Bassossi an einem hohen Feiertag schon
wieder halb leer war, fragte ich enttäuscht den
Katechisten: „Was ist denn nur los mit dem
Stamm der Bassossi? In den benachbarten Dör­
fern der Bakossi blüht nämlich das kulturelle
und auch das kirchliche Leben.“ Seine Ant­
wort: „Wir Bassossi waren durch Jahrhunderte
die Knechte der Bakossi. Und diese Mentalität
ist uns inzwischen in Fleisch und Blut über­
gegangen. Wir haben wenig Selbstvertrauen
und keinen guten Namen. Und wenn man uns
schon für Diebe und Schwindler hält, warum
sollten wir uns dann wie Musterknaben verhal­
ten? Leider glauben viele Bassossi auch noch,
dass nicht nur die Menschen sie nicht mögen,
sondern dass sogar Gott sie nicht so recht mag
und sich kaum um sie kümmert. Das ist sicher
einer der Gründe, warum die meisten Bassossi
zwar getauft sind, sich am kirchlichen Leben
aber kaum beteiligen.“
Jesus, der menschgewordene Gottessohn,
hat uns etwas völlig anderes gelehrt und vor­
gelebt: Seine Mutter ein Dorfmädchen; sein
Ziehvater ein Zimmermann; seine Geburt in
einer Futterkrippe; unterwegs als staubiger
Wanderprediger begleitet von Fischern, Zöll­
nern und „Sündern“; berührt Kranke, ja sogar
Aussätzige; für den Einzug in Jerusalem er­
wählt er sich den Esel, das Last- und Reittier
der kleinen Leute; wird schändlich und falsch
angeklagt, verurteilt und gekreuzigt. Die gro­
ße Botschaft dahinter: Gott in Jesus wollte und
will ALLE Menschen an sein durchstoßenes
Herz ziehen!
Die Hochfeste der Erwählung, der Aufnah­
me und der Krönung des einfachen Dorfmäd­
chens Maria zur Himmelskönigin möchten uns
nicht nur am 15. August lebhaft daran erinnern,
dass wir alle, auch die „Bassossi“ unter uns, in
den Augen und im Herzen Gottes kostbar sind.
(Bild: Wandmalerei in der alten Kirche von Li
Mbo)
Peter Mair
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Seele and Geist
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