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Gottesdienstordnung - Gemeinde Breitbrunn

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Foto: Schwarzbach
SINNESART
Lass los
was dich ängstigt und sorgt
lass sein
was dich gefangen hält
komm heraus
aus dem dunkel
setz dich
unter den himmel
und erwarte
die ankunft
seines lichts
Aus: Der Andere Advent 2007
www.anderezeiten.de
6-2014 Das missio-Magazin • I
IDEEN & AKTIONEN
KRIPPENAUSSTELLUNG
Goldfisch in der Unterwasserkrippe
Schon im Schaufenster und auf der Ladentheke stehen Krippen. Dennoch ahnen die wenigsten Kunden der kleinen Bäckerei, welche Welten
sich hinter der Verkaufsstube eröffnen. Von November bis Mitte Februar zeigen die Brüder Franz-Rudolf und Josef Niethen im Weindorf Rech
im Ahrtal mehr als 300 Krippen aus aller Herren Länder. Die Spenden ihrer Ausstellungsbesucher leiten sie für soziale Projekte weiter.
pensammlung führt, die sein
Bruder und er in den vergangenen drei Jahrzehnten auf Flohmärkten, über Krippenfreunde
und durch Kontakte zusammengetragen haben, spürt man,
dass diese Begeisterung nie
nachgelassen hat. Zu jeder der
mehr als 300 Darstellungen
können sie eine Geschichte erzählen. Da ist die Krippe aus
Maiskolben, die Christiane Herzog, die Frau des ehemaligen
Bundespräsidenten ihnen geschenkt hat. Es gibt die MilieuPlatzsparend: Die heilige Familie auf einem Straußenei.
krippe des Franziskanerbruders
Leo Kohorst mit Matrosen, die
Die Darstellung der Geburt Jesu hatte es den der heiligen Familie im Hamburger Hafen ein
beiden Brüdern von klein auf angetan: „Der Ständchen bringen, die Tonkrippe aus Peru,
Weihnachtsbaum war nicht wichtig, aber die die Bambuskrippe aus Taiwan, aber auch
Krippe“, erinnert sich Josef Niethen und er- Skurrilitäten wie die Unterwasserkrippe, in
zählt, wie sie als Kinder am 6. Januar extra der ein echter Goldfisch schwimmt. „Die
früh aufstanden, um nachzusehen, ob die finden sich oft in Italien“, erklärt Josef NieHeiligen drei Könige schon angekommen then beiläufig, um dann bei der Figur des
waren. Wenn der 65-Jährige durch die Krip- heiligen Franz von Assisi stehenzubleiben.
Der Überlieferung nach habe er 1223 als
erster die Idee gehabt, die Weihnachtsgeschichte darzustellen – mit lebenden Tieren.
Das Hobby der Brüder füllt mittlerweile nicht
nur zwei Garagen, sondern auch den Hof hinter der Bäckerei. Dieses Jahr ist ihre Sammlung wieder um ein Stück reicher: Eine Krippe
aus den Philippinen verweist darauf, dass die
Besucher mit ihren Spenden auch ein missioProjekt für Familien unterstützen, die in
Manila auf der Straße leben. Wer sich für die
Krippen in Rech interessiert, wird um Anmeldung unter 0 26 43-70 53 gebeten.
bg
Asiatisch: Die Stoffkrippe aus Korea.
Eine Gemeinde strampelt für Aidswaisen
Vor zehn Jahren fiel mit einer fiktiven Radtour
der Startschuss: 9000 Kilometer – bis ins südafrikanische Durban – wollte die Gemeinde
St. Josef aus dem schwäbischen Albstadt abstrampeln. Für jeden Kilometer, den Freiwillige auf Heimtrainern im Pfarrheim zurücklegten, sollten Sponsoren für ein missioProjekt zugunsten von Aidswaisen in der
Nähe von Durban spenden. Die Idee von Initiatorin Elisabeth Hausch brachte alle in Bewegung: Lokalpolitiker, Vereine, Soldaten, Polizisten und Schulklassen traten so tüchtig in die
II • Das missio-Magazin 6-2014
Trittfest: Lokalprominenz aus Albstadt legt
die ersten Kilometer nach Südafrika zurück.
Pedale, dass die Albstädter ihr Ziel schon nach
zwei Monaten erreicht hatten. Kurzentschlossen fuhren sie dieselbe Strecke zurück; es folgten Benefizkonzerte, Vorträge, der Aids-Truck
rollte an, und 2009 verpflichtete sich St. Josef
in einem Partnerschaftsvertrag, monatlich 600
Euro für Aidswaisen in Südafrika zu überweisen. Mit ihrem Einsatz hat die Pfarrei bis heute
80 800 Euro zusammengebracht und allen
Grund zu feiern. Sie tat es Ende September mit
einem Fest, bei dem auch missio-Vertreter und
eine Ordensfrau aus Südafrika berichteten.bg
Fotos: Bitzer; Feiber (2) Schwarzbach; Sünderhauf (3); Stark
JUBILÄUM
SCHUTZENGEL-PATENSCHAFTEN
Indien: Leben zwischen Lumpen und Lernen
Sie suchen Kohlereste auf den Halden der großen
Minen, sammeln Lumpen und verwertbaren Abfall.
Die Slumbewohner von Ranchi haben oft keine
andere Chance zu überleben. Schon kleine Kinder
durchwühlen die Müllhalden der Millionenstadt
für ein paar lumpige Cent am Tag.
Drecksarbeit: Kohlereste bringen ein paar Cent.
Bruder Ekka: Mit Leib und Seele Lehrer.
Hausbesuch: Die ganze Familie gehört zum Programm.
Doch Ranchi ist reich: Kohleminen, Schwerindustrie
und mehrere Universitäten gibt es hier, berühmt sind
die Wasserfälle und Seen. Die Armen haben von all
dem nichts. Für sie hat die Brüdergemeinschaft der
Gesellschaft Mariä deshalb ein eigenes Programm
ins Leben gerufen. Die „Marianisten“ haben Erfahrung mit dieser Arbeit: In 34 Ländern weltweit unterrichten sie in Schulen, Bildungszentren und Seminaren. Meist die Ärmsten der Armen.
Für die kleinen Lumpensammler in Ranchi beginnt
alles mit einer warmen Mahlzeit am Tag, denn auch
hier gilt: Ein leerer Bauch studiert nicht gern. Bisher
haben sie auf der Straße gelebt. Sie kannten nur Hunger, Krankheit, Missbrauch, die meisten starben
früh. Jetzt lernen Kinder im Vorschulalter die ersten
Buchstaben und Zahlen kennen, Grundschulkinder
werden darauf vorbereitet, eine staatliche Schule zu
besuchen, Jugendliche erhalten eine Ausbildung als
Schreiner, Elektriker, Schneider, Klempner oder
Schweißer. Währenddessen sind sie bei den Brüdern
untergebracht und lernen, sich in der indischen
Gesellschaft zurechtzufinden. Schließlich sollen sie
ihre Berufe später selbstbewusst und selbständig
ausüben können.
In den 22 Häusern der Marianisten in Ranchi und
Bangalore bekommen rund 1000 Kinder im Jahr diese Chance, regelmäßiges Essen und ärztliche Betreuung. Bruder Kuldeep Ekka leitet das Programm und
ist mit Leib und Seele für die Kinder da. Er sorgt auch
dafür, dass sie Kontakt mit ihren Familien haben und
bezieht alle mit ein. Auch Mütter können noch Sticken oder Schneidern lernen und erfahren, wie sie
ihre Kleinkinder fördern und gesund großziehen.
1400 Frauen profitieren davon pro Jahr.
Hp
Möchten Sie dabei helfen? Dann übernehmen Sie
doch eine Schutzengel-Patenschaft. Ohne die Arbeit
dieser Engel vor Ort könnten viele Menschen der
Spirale aus Armut und Gewalt nie entfliehen. Dabei
braucht es dazu oft nicht mehr als 20 Euro im
Monat. Wir beraten Sie gerne: Angela Mispagel,
02 41-75 07-333 oder a.mispagel@missio.de
Engel im Sturm
Haiyan hat eine Spur der
Verwüstung hinterlassen. Der
Taifun zerstörte die Küstenstädte
Tacloban und Palo auf den
Philippinen. Die ohnehin armen
Hafenbewohner haben dadurch
auch noch ihre wenige Habe
verloren. Sie standen vor dem
Nichts. Steyler Missionsschwestern sorgten in ihrer verwüsteten
Klinik und durch haltbare
Lebensmittel für die erste Hilfe.
Engel für Sterbende
Es sind Frauen wie Lena
Hamoambo, die sich in Namibia
als Freiwillige ausbilden lassen.
Mit der Katholischen AidsAktion haben sie sich landesweit
aufgemacht zu einem Feldzug
gegen die meist tödliche VirusErkrankung. Sie klären auf,
verteilen Lebensmittel und
Medikamente, betreuen die
Kranken in ihren Hütten und
leisten Beistand bis zum Ende.
6-2014 Das missio-Magazin • III
MISSIO INTERN
MISSIONAR AUF ZEIT
Zwischen Gottesdienst und Abenteuer
Es war nicht die Lust auf Abenteuer, die Philipp Spinner zu den Spiritaner-Missionaren nach Kolumbien brachte. Das Abitur gerade in der
Tasche, sammelte der damals 19-Jährige dort praktische Erfahrungen in einem katholischen Kinderheim. Seinen Einsatz als „Missionar auf
Zeit“ haben Familie und Freunde durch Spenden ermöglicht. Dafür hat er alle per Rundbrief an seinem neuen Leben teilhaben lassen.
„Missionare auf Zeit“ ausmacht:
mitleben, mitbeten, mitarbeiten.
Zum Sonntag der Weltmission
konnte Spinner in Alsdorf bei Aachen ganze Gemeinden durch seine
anschaulichen Berichte für die Arbeit der Kirche auf einem anderen
Kontinent begeistern. Denn hautnah hat er gespürt, welcher Segen
für Menschen in Not darin liegt.
Sechs Orden riefen 1982 die „Missionare auf Zeit“ ins Leben, nachdem es immer wieder Anfragen von
Jugendlichen nach einem begrenzten Aufenthalt auf anderen
Kontinenten gegeben hatte. Seitdem sind einige hundert junge
Freizeit: Philipp Spinner im kolumbianischen Karneval.
Menschen, bereichert von ihrem
Engagement in Afrika, Asien oder
Im Heim der Spiritaner in Pereira sind Kinder Lateinamerika, zurückgekehrt. Mittlerweile
und Jugendliche zwischen fünf und 18 Jahren bilden sie ein Netzwerk, zu dem auch
untergebracht, bei denen Philipp Spinner ein Christina Blätterbinder gehört, die von ihrer
Jahr lang das verwirklichte, was den Sinn der Zeit in Benin sagt: „Dieses knappe Jahr in
Afrika hat mich in meiner ganzen Persönlichkeit bereichert und verändert. Ich bin voll Respekt für die Menschen dort, deren Leben so
anders als das meine und nicht einfach ist.“
missio und das Kindermissionswerk vermitteln solche Auslandsaufenthalte und koordinieren Kontakte und Einsätze der Rückkehrer.
Denn sie kommen zurück aus einer „anderen“
Welt, von der sie erzählen wollen.
Hp
Mehr Informationen unter 02 41-75 07-381
oder missio-hilft.de/freiwilligendienst
Impuls: Die Worte des Missionars überzeugen.
KENNENLERNEN
Besuch aus Bayern und Belgien
Besuch aus Bayern und Belgien – darüber
freute sich im September missio Aachen. Zuerst informierte sich Monsignore Wolfgang
Huber, der neue Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerks missio
Ludwig Missionsverein in München, über die
Arbeit von missio in Aachen. Er traf sich mit
missio-Präsident Klaus Krämer und Gregor
von Fürstenberg, Vizepräsident von missio
Aachen, ließ sich die Arbeit der einzelnen
Abteilungen und Kampagnen vorstellen und
kam bei verschiedenen Begegnungen auf
sympathische Weise mit den Mitarbeitenden
ins Gespräch.
IV • Das missio-Magazin 6 -2014
Wenige Tage später hatten die Mitarbeiter
von missio Belgien Aachen zu ihrem Besuchsziel gemacht: Unter der Leitung des
belgischen missio-Nationaldirektors Michel
Coppin SDS lernten sie ihre Kollegen von
missio Aachen kennen. Sie informierten sich
unter anderem darüber, wie missio Aachen
seine Öffentlichkeitsarbeit, das Fundraising,
die Zusammenarbeit mit Projektpartnern
und seine theologische Grundlagenarbeit
organisiert. Mit landestypischen Gastgeschenken – belgischen Pralinen und Klosterbier aus dem Königreich – verabschiedeten sich die belgischen Gäste.
sei
Gruppenbild mit Präsidenten: missio-Belgien
vor der Eingangstür von missio Aachen.
ÖKUMENISCHER KONGRESS
„Mission ist Dialog“
Zum friedlichen Miteinander der Religionen
gibt es keine Alternative. Das ist die Botschaft,
die vom ökumenischen Kongress „MissionRespekt. Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ Ende August
in Berlin ausgeht. Bei der von missio und dem Evangelischen Missionswerk Deutschland organisierten, hochkarätig besetzten Veranstaltung diskutierten Vertreter von 20 Kirchen und Missionswerken
aus landeskirchlicher, evangelikaler, freikirchlicher, römisch-katholischer und orthodoxer Tradition – unter ihnen der Sekretär des päpstlichen Rates für interreligiösen Dialog, Padre Miguel Ángel Ayuso
Guixot, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, und Bundestagspräsident Norbert Lammert. Rund 250 Teilnehmer aus aller Welt gingen in Workshops und
Podiumsveranstaltungen verschiedenen Aspekten des Missionsthemas nach – etwa dem Verhältnis von Entwicklungshilfe und
Mission oder der Frage, ob Deutschland ein Missionsland sei. In dieser
Breite und Vielfalt habe es einen solchen Kongress in Deutschland
noch nicht gegeben, erklärte missio-Präsident Klaus Krämer und
betonte: „Mission darf nicht als Indoktrination verstanden werden,
sondern sie ist ein Dialog, der die Überzeugung des Gegenübers ernst
nimmt und ihm die Freiheit der Entscheidung lässt.“
bg
KONFERENZ
Fotos: Anspach; privat (2); Seibel/missio
Christen in den Golfstaaten
Wie leben rund drei Millionen Katholiken zwischen Saudi-Arabien,
Katar, dem Oman und Jemen? Wie ist ihre soziale Lage und welche
Rolle spielt Religionsfreiheit dort? Wie lässt sich der christliche Glaube im Alltag leben? Darüber diskutierten in Abu Dhabi zwei Dutzend
Teilnehmer einer von missio veranstalteten Konferenz. Die Delegation aus Aachen unter Leitung von missio-Präsident Klaus Krämer
traf auf eine ökumenische Gruppe von Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Diplomaten, die auf der arabischen Halbinsel tätig sind.
Die Mehrzahl der Katholiken dort sind Gastarbeiter, Unternehmer,
Manager oder andere Beschäftigte aus Ländern wie den Philippinen,
Indien, Pakistan, Australien, Frankreich, Italien und Deutschland.
Vor allem die Arbeitsmigranten aus Asien leben unter schwierigen
Bedingungen. Doch während die orientalischen Kirchen zwischen
Ägypten und dem Irak Gläubige verlieren, bildet sich am Golf eine
junge, vitale, aber strukturschwache Migrantenkirche. missio ging es
bei der Konferenz auch darum zu erfahren, wie diese Migrantenkirche unterstützt werden kann. Das Aachener Hilfswerk verfolgt die
aktuellen Entwicklungen im Mittleren Osten aufmerksam und fördert Maßnahmen, die sich für ein friedliches und respektvolles Miteinander der Religionen dort einsetzen. So hat missio kürzlich das internationale „Netzwerk Religionsfreiheit“ ins Leben gerufen, das
Menschenrechtler aus der Region miteinander vernetzt.
sei
Standpunkt
In neuem Licht
von Prälat Klaus Krämer
Präsident von missio in Aachen
Erinnern Sie sich an die furchtbaren
Bilder aus Bangladesch, wo im vergangenen Jahr mehr als 1000 Menschen
beim Einsturz einer Textilfabrik ums
Leben kamen? Die Bilder, die die
kontinente-Redakteurin Eva-Maria Werner aus Kambodscha
mitgebracht hat, sind weniger dramatisch. Doch wir sollten
uns nicht täuschen lassen: Das Elend der Textilarbeiterinnen
ist groß. Auf engstem Raum zusammengepfercht, leben sie in
Slums hinter den Fabriken, viele von ihnen von Hunger gezeichnet. Ihre Kinder betteln oder werden in winzigen Zimmern
eingeschlossen. Menschenwürdiges Leben sieht anders aus.
Wer sich in diesen Wochen mit der Situation der Arbeiterinnen
in den Textilfabriken beschäftigt, kommt kaum umhin, einen
Zusammenhang zwischen deren Lebensbedingungen und
dem vorweihnachtlichen Konsumrausch herzustellen. Ware
aus Kambodscha liegt auch in Deutschland in den Auslagen.
Bekannte Marken lassen dort produzieren, wo die Reportage
entstanden ist, die Sie in dieser Ausgabe lesen können. In der
Adventszeit ist dieser Zusammenhang vielleicht besonders
verstörend, weil wir den Konsumrausch kritischer wahrnehmen. Von dem Schweizer Theologen und Literaten Kurt Marti
stammt der kluge Satz: „Die Ware Weihnacht ist nicht die
wahre Weihnacht.“ Vielen Menschen ist das sehr bewusst.
Sie sehnen sich danach, der Vermarktung des Festes zu
entfliehen und zur Ruhe zu kommen, sich einzustimmen auf
das Kind von Bethlehem, in dem uns Gott selber begegnet.
Doch es geht auch um die Menschen, die zu Rädchen im
Konsumgetriebe werden und deren Würde mit Füßen getreten
wird. Und es geht um die, die dieser Entwürdigung die Menschlichkeit Gottes entgegensetzen. Wie die Ordensfrauen, die sich
in Kambodscha für die Textilarbeiterinnen und deren Kinder
einsetzen. Die Hoffnung, die ihre Arbeit trägt und die von ihrer
Arbeit ausgeht: Diese Hoffnung ist Thema der Adventszeit. Es
ist die Hoffnung, dass sich die Dinge ändern lassen. Dass, was
unrecht und heillos ist, nicht verschleiert, sondern sichtbar
wird. Und dass es sich ändern lässt, weil Gott Mensch geworden ist. Ohne diese adventliche Erwartung könnten die Töchter
der Nächstenliebe ihre Arbeit in der Unmenschlichkeit der Industriezone kaum tun. Sie erinnern uns daran, was der Glaube
an die Menschlichkeit Gottes auszurichten vermag. Deshalb ist
es gerade in der Adventszeit gut, nach Kambodscha zu blicken.
6-2014 Das missio-Magazin • V
AKTION SCHUTZENGEL
„Bei mir löst es Kampfesgeist aus“
Im Osten des Kongo kämpfen Rebellengruppen um Rohstoffe und Einfluss. Sie zwingen Kinder unter die Waffen, morden, brandschatzen,
plündern und vergewaltigen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es fünf bis sechs Millionen Tote. Eine schwierige Mission
für den UN-Sonderbeauftragten Martin Kobler. Im Interview erklärt der 61-Jährige, warum er die Herausforderung trotzdem annimmt.
Ende, wo die Rechte anderer auf massive Weise verletzt werden. Im Kongo reden wir da von
Kindersoldaten, wir haben Massenvergewaltigungen, niedergebrannte Dörfer und die abscheulichsten Menschenrechtsverletzungen.
Ihr eigentliches Büro ist in der Hauptstadt
Kinshasa, 2000 Kilometer entfernt. Aber sie
selbst sind viel in der Konfliktregion.
Ich bin im Regelfall von Montag bis Mittwoch
in der Hauptstadt, dann drei Tage im Osten.
Jetzt ziehen mehrere hundert Kollegen in den
Osten. Absicht ist, Gebiete militärisch zu befreien, dann aber mit zivilem Personal in diese
Gebiete zu gehen – in diese sogenannten
Inseln der Stabilität – bis die kongolesische Regierung in der Lage ist, selbst mit Personal und
öffentlichen Dienstleistungen nachzurücken.
Herr Kobler, die Lage im Osten des Kongo ist
eine der brutalsten der Welt. Was können
Sie da überhaupt bewirken?
Wir haben im Prinzip drei neue Instrumente:
Das eine ist der offensive Kampfauftrag mit
der Interventionsbrigade. Sie hat den Auftrag,
bewaffnete Gruppen zu neutralisieren. Wenn
das nicht friedlich geht, dann eben mit bewaffneten Mitteln. Das zweite ist das Abkommen
von Addis Abeba, in dem sich der Kongo zu
einem demokratischen Prozess verpflichtet.
Die Staaten in der Region der Großen Seen verpflichten sich, keine Rebellen im Osten des
Kongo zu unterstützen und zu einer Politik der
guten Nachbarschaft. Das dritte ist die Zusammenarbeit der internationalen Gemeinschaft
und der Beauftragten für die Großen Seen.
Von der Büroleitung bei Joschka Fischer
über UN-Missionen in Afghanistan und im
VI • Das missio-Magazin 6 -2014
Irak in den Ost-Kongo. Was treibt Sie von
einem Krisenherd zum nächsten?
Ich bin in Waldshut-Tiengen relativ behütet
aufgewachsen. Die Schule, der Auslandsbezug, den sie hatte, hat mich geprägt. Dazu
kommt ein starker humanitärer Beweggrund,
das Schicksal der Menschen durch diplomatisch-politische Mittel zu verbessern. Die
Leute im Kongo können sich selbst nicht immer gegen Machthaber, die Rebellen und
andere Kräfte wehren. Die UNO kann das
manchmal besser. Wir haben für die Leute da
zu sein – mit verschiedenen Mitteln.
Die UNO wurde oft kritisiert, dass sie bei
Kriegsverbrechen passiv bleibe. Sind Sie als
Pazifist eines Besseren belehrt worden?
Ich komme grundsätzlich aus der pazifistischen Ecke. Auf der anderen Seite finde ich,
Pazifismus und friedliche Mittel finden ein
Was sind die Ursachen für den Konflikt?
Dass wir wenig davon hören liegt daran, dass
es ein implodierender Konflikt ist. Er strahlt
nicht in Nachbarländer aus wie der islamische
Fundamentalismus. Die Grundursachen des
Konfliktes sind zweierlei. Das ist mangelnde
staatliche Autorität. Da ist eine politische Elite,
die das Land aufbauen muss und mit Schwierigkeiten kämpft. Das zweite ist das regionale
Umfeld. Der Kongo hat neun Anrainerstaaten.
Ganz wichtig sind dabei Ruanda, Uganda, Burundi, Tansania mit ihren eigenen Interessen.
Welche Rolle spielen Konfliktmineralien?
Sie sind eine der Grundursachen. Man sieht,
Fotos: van Bömmel;UN Photo/Liechti (2)
Blick nach vorn: Der Pazifist Martin Kobler kämpft im Kongo gegen die Milizen und für die Menschen.
Wie lebt man in einer Region, die eine solche
Verrohung erlebt hat und erlebt?
Ich lasse das persönlich nahe an mich herankommen. Natürlich ist es furchtbar, sich von
diesen Grausamkeiten berichten zu lassen,
viele Leichen sehen zu müssen, verbrannte
Häuser, verkohlte Menschen. Aber bei mir löst
es einen Kampfesgeist aus. Wenn ich es nicht
an mich ranlassen würde, würde ich wahrscheinlich zynisch werden.
Auf Augenhöhe: Martin Kobler will das harte
Leben im Kongo nahe an sich heranlassen.
dass die bewaffneten Gruppen sich der Mineralien bedienen, um ihre Waffen zu kaufen.
Welche Möglichkeiten gibt es, diese Dynamik bei den Konfliktmineralien zu stoppen?
Deutschland hat ein Projekt, die Minen zu
validieren, das heißt Arbeitsbedingungen zu
überwachen, aber auch den geregelten, kontrollierten Transport von der Mine zu den Verkaufsstellen bis hin zum Endverbraucher zu
organisieren. Kinderarbeit ist verboten,
schwangere Frauen dürfen dort nicht arbeiten, die Armee muss sich fernhalten. Die
Minen verlieren ihren Status, wenn wir bei Inspektionen wiederholt Verstöße feststellen.
mineralien. Es sei für die Industrie viel zu
kompliziert, diese Trennlinie zu ziehen.
Die Industrie muss zurückkommen – aber
unter der Bedingung, sauber zu produzieren.
Wenn sie Menschen ausbeutet und Minen mit
Kinderarbeit betreibt, in denen sie bei Regen
überflutet werden und ertrinken oder mangels
Sauerstoff in den Schächten ersticken, dann
soll die Industrie auch nicht zurück kommen.
Sie haben das Fairphone positiv erwähnt...
Ich setze erhebliche Hoffnungen nicht nur in
das Fairphone, sondern ich setze erhebliche
Hoffnungen in alle Firmen: Sie sollten keine
Blutmineralien in den Telefonen verwenden.
Ich versuche, die UNO dafür zu interessieren,
dass wir mehr Fairphones einsetzen und somit ein Beispiel auch für die Großen sind.
Was ist Ihre Vision für einen Kongo 2025?
Ich hoffe, dass es bis dahin gelingt, den Osten
zu stabilisieren. Dass sich die Inseln der
Stabilität verbinden und nur noch Inseln der
Instabilität übrig bleiben. Es ist wichtig, dass
alle einsehen, dass sie mit Stabilität besser
leben können als mit Instabilität und mit
diesen Partikularinteressen, die sich um die
Mineralien ranken. Da müssen alle zusammenarbeiten: missio, Nichtregierungsorganisationen, UNO und UNO-Organisationen. Wir
müssen alle am selben Strang ziehen.
Interview: Erhard Brunn
Sie wissen, dass es große Kritik von Seiten
der Industrie gibt. Es heißt, der Ankauf von
Mineralien aus dem Kongo sei stark zurück
gegangen, egal ob saubere oder Konflikt-
BRAUTKLEIDER
Ein Herz für Hochzeiten
Den ganzen Tag über denkt Petra Mahler ans Heiraten. Von früh bis spät trifft
die Geschäftsfrau Verlobte, die in ihr Brautmoden-Geschäft „Amore“ in Weinheim kommen, um das Kleid der Kleider zu finden. Rund 15 000 Bräute hat die
50-Jährige in den vergangenen 20 Jahren glücklich gemacht. Nun ist sie auf die
Hochzeitsgeschichte von jenem Liebespaar aus dem Kongo gestoßen, das den
Bürgerkrieg überlebte, in einem missio-Projekte Hilfe fand und lange für seine
Trauung kämpfte (siehe kontinente 3-14). Weil die afrikanische Braut kein Geld
hatte, spendete eine Deutsche ihr Brautkleid. „Ich war so gerührt, als ich von
dieser Geschichte hörte“, sagt Petra Mahler. „Wenn Menschen aus Nächstenliebe helfen, ist das eine tolle Sache.“ Nun spendet sie selber Brautkleider aus
den letztjährigen Kollektionen und Second-Hand-Kleider für das Projekt im
Kongo. Denn dort seien weitere Hochzeiten geplant, so missio-Projektpartner
Pfarrer Justin Nkunzi. Deshalb will er einen Brautmodenverleih starten, um
einen Teil der Traumaarbeit für Überlebende des Bürgerkriegs zu finanzieren.
„Wenn meine Kleider helfen können, bin ich glücklich“, sagt Petra Mahler. ajn
Engagiert: Petra Mahler spendet Brautkleider für den Kongo.
6-2014 Das missio-Magazin • VII
BEDRÄNGTE CHRISTEN
„Kunst ist ein Werkzeug zur Erkenntnis“
In ihren Bildern setzt sich Faiza Khan mit Themen wie Ehrenmord, Gewalt gegen Frauen oder Kinderarbeit auseinander – einige der größten
Probleme in ihrer Heimat Pakistan. Sie will sichtbar machen, was hinter der Oberfläche liegt, Denkweisen verändern und zum Dialog anregen.
„Kunst ist eine Waffe, um blinde Überzeugungen zu bekämpfen“, sagt die 39-Jährige. Für missio hat sie den Kunstkalender 2015 gestaltet.
Frau Khan, was bedeutet Malerei für Sie?
Für mich ist Malen eine Sprache. Farben, Linien, Strukturen, ihr Rhythmus und ihre Einheit sind für mich eine Welt, in der die Zeit
stillsteht. Für mich ist es eine Sprache der
Freiheit, der Liebe, des Friedens und der
Ruhe. Kunst ist ein Werkzeug, das mir die
Dimensionen des Lebens zeigt.
missio-Kunstkalender 2015
In ausdrucksstarken Motiven erzählt
die Künstlerin Faiza Khan von ihrer
Heimat Pakistan und ihrem sozialen
wie politischen Engagement. Den
Kalender im Format 41 x 44,5 cm gibt
es für 17,90 € unter 02 41-75 07-350
oder www.missio-onlineshop.de
VIII • Das missio-Magazin 6-2014
Was ist Ihre Motivation?
Die treibende Kraft ist das Gefühl, allem im
Universum verbunden und zugleich von
allem um mich herum losgelöst zu sein.
Manchmal male ich, weil ich meine Stimme
erheben will gegen all die Heuchelei,
manchmal wird Kunst zum Werkzeug, um
soziale Ungerechtigkeit zu bekämpfen, und
manchmal möchte ich nur die Schönheit der
Natur und der Liebe würdigen.
Gibt es Themen oder Motive, die immer
wieder in Ihren Bildern auftauchen?
Als Frau bin ich sehr sensibel für Frauen- und
Kinderthemen. Aber mein Herz schlägt für all
das Leid in der Gesellschaft, zum Beispiel für
Minderheiten und für die Opfer der kapitalistischen Wirtschaft. Ich kann nicht schweigen, wenn ich sehe, dass Frauen und Kinder
in einer Gesellschaft missbraucht werden.
Ich habe mich auf Themen wie zum Beispiel
Ehrenmord, Polygamie, Kinderehe, Vergewaltigung in der Ehe, Gewalt gegen Ehefrauen, Kinderarbeit konzentriert, weil das
die Hauptprobleme sind, die ich in der pakistanischen Gesellschaft sehe.
Welche Rolle spielen Religion und Spiritualität in Ihren Bildern?
Für mich sind Religion und Spiritualität zwei
Fotos: missio; privat
Zielstrebig: Schon als Kind mischte sie aus Kleber
und Gewürzen Farben. Später sollte Faiza Khan
Ärztin werden, aber sie folgte ihrer Berufung und
wechselte vom Medizin- zum Kunststudium.
AKTION
Mauern einreißen
Buntes Farbenspiel: „Schöpfung“ und „Veränderung“ heißen die Motive für Januar und Februar.
Die Kalenderbilder von Faiza Khan sind bis Mitte November im Roncalli-Haus in Magdeburg zu sehen.
völlig verschiedene Dinge. Spiritualität kommt
von innen, während Religion das ist, was mir
andere sagen. Da ich in einer muslimischen
Familie geboren bin, wurde mir zu Hause und
in der Schule von Anfang an gesagt, ich sei
denjenigen überlegen, die keine Muslime
sind. Denn Gott habe mich auserwählt, um
mich mit der Wahrheit zu segnen. Aber ich
konnte das nie akzeptieren.
Wie kommt Ihre Kunst in Pakistan an?
Meine Kunst wird in Pakistan von vielen geschätzt – obwohl auch viele sie ablehnen. Die
Leute hier würden lieber Bilder mit unumstrittenen Themen oder Naturabbildungen
kaufen. Die Mehrheit mag islamische Kalligraphie, die ich nie gerne gemacht habe und
nicht einmal als kreative Malerei betrachte.
Manche sind mit der Definition von Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit in
meiner Kunst nicht einverstanden.
Was sind Pakistans größte Probleme? Kann
Kunst dazu beitragen, sie zu lösen?
Das größte ist der Terrorismus. Terroristen
werden hier ausgebildet, trainiert und von
hier aus in viele Teile der Welt geschickt.
Mein Anliegen ist es, Wege zu finden, diesen
Terrorismus und die Denkweise, die zu ihm
führt, auszurotten. Durch die Kunst können
wir den Dialog anstoßen und unsere Stimme
friedlich erheben. Kunst wird ein Werkzeug
zur Erkenntnis und eine Waffe, um blinde
Überzeugungen zu bekämpfen.
Hat Kunst die Kraft, Dinge zu verändern?
Ich hatte immer die Hoffnung, dass die
Neigung zum Guten Dinge zum Besseren
wenden kann. Wenn ein Kunstwerk nur eine
einzige Person zum Nachdenken bringt,
kann es der Auslöser sein, um das gesamte
Denken zu verändern.
Interview: Beatrix Gramlich
ISIS-Terror im Irak, Boko HaramÜberfälle in Nigeria, Gesetze gegen
Gotteslästerung in Pakistan:
Darunter leiden Christen, Muslime
und Angehörige anderer Religionen
gleichermaßen. Die internationalen
Schlagzeilen sind voll davon. Für
religiöse Toleranz geht jetzt missio in
Deutschland auf Straßen und
öffentliche Plätze. Während der
Aktion, für die Dominik Winkel den
Rap „Ich will glauben“ eingespielt
hat, wird eine Mauer aus
100 Styroporblöcken eingerissen, in
der die Religionsfreiheit gleichsam
eingekerkert war. Dabei werden auch
Unterschriften für die pakistanische
Christin Asia Bibi gesammelt. Sie ist
wegen der manipulierten Anklage
der Gotteslästerung zum Tod verurteilt. Für Asia Bibi kann auch auf
einer Online-Petition unterschrieben
werden. missio bewegt im wahrsten
Sinne des Wortes die Menschen zur
Solidarität mit bedrängten Christen.
Mehr im Internet unter
missio-hilft.de/mauern-einreissen
Die Online-Petition für Asia Bibi
können Sie unterschreiben unter
missio-hilft.de/freeasiabibi
ISLAMISTEN
Im Irak droht das Ende des Christentums
Seit Jahresbeginn sind im Irak geschätzte 1,8 Millionen Menschen vertrieben worden – zumeist
Angehörige ethnischer oder religiöser Minderheiten. Doch erst nach dem 3. August schreckte
die Welt auf. In jener Nacht überrannten Kämpfer der islamistischen Terrormiliz IS die Region
Sinjar. Sie plünderten die Häuser von Jesiden und Christen, verschleppten deren Frauen und
Mädchen und stellten die Männer vor die Wahl, zum Islam zu konvertieren oder zu sterben.
„Ich habe mit Verwandten telefoniert, die sich auf den Sinjar gerettet hatten“, berichtet eine in
Deutschland lebende Jesidin missio. „Viele Kinder und Alte sind auf dem Berg verhungert oder
verdurstet.“ Wenig später nahm IS auch einen Großteil der christlichen Orte in der NinivehEbene ein. Nach Angaben von missio-Projektpartner Patriarch Louis Raphael Sako sind mehr
als 100 000 Christen in Panik nach Erbil oder Dohuk geflüchtet. „Wir könnten vor dem Ende des
Christentums in der Region stehen“, warnt missio-Nahostreferent Matthias Vogt. „Damit wird
eine fast zweitausendjährige Tradition ausgelöscht.“ Gemeinsam mit Misereor und den „Sternsingern“ rief missio zu einem Solidaritätsgebet für die Menschen im Mittleren und Nahen Osten
auf. Als Soforthilfe stellte missio 100 000 Euro für Flüchtlinge im Irak zur Verfügung.
bg
Solidarität: Auftakt der Aktion in Mainz.
6-2014 Das missio-Magazin • IX
GL AUBEN TEILEN
Kummer wird sich in Freude verwandeln
Mit seiner Kampagne zum Monat der Weltmission hat missio dieses Jahr ein zerrissenes Land in den Blick genommen: Pakistan gilt als
Rückzugsgebiet der Taliban. Terroranschläge erschüttern das Land, das gesellschaftliche Klima wird rauer, die Gewalt gegen Minderheiten
nimmt zu. Der Priester Arthur Charles erläutert, was es bedeutet, unter diesen Umständen Christ zu sein und seinen Glauben zu leben.
In meinem Land werden viele Christen misshandelt, weil sie eben Christen sind. Die
Gesetze unseres Landes, die mit Gotteslästerung einhergehen, sind die schärfsten,
die es auf der Welt gibt. Sie sind der Hauptgrund dafür, dass religiöse Minderheiten
schikaniert und verfolgt werden. Die bloße
Anschuldigung, es sei Gotteslästerung im
Spiel, spornt den Mob an, Gewalt auszuüben.
Jesus hat gesagt, dass Gläubige bis zu seiner
Wiederkehr gehasst und den Behörden ausgeliefert würden. Jesus hat auch gesagt: „Es
wird die Stunde kommen, in der man jene,
die an Christus glauben, töten wird, weil man
X • Das missio-Magazin 6-2014
meint, Gott damit einen heiligen Dienst zu erweisen.“ (Joh. 16,2)
Unsere Christen leben in einer schwierigen
Zeit. Als Christen leiden wir unter Bedrängnis jeglicher Art. Sehr oft versuchen die Anhänger jener Religionen, die in der Mehrzahl
sind, unsere Christen zum Schweigen zu
bringen. Da wir aber fest zu unserem Glauben stehen, lassen wir uns nicht zum Schweigen bringen. Wir denken an die Worte, die
der Apostel Paulus an die Römer gerichtet
hat: „Wir rühmen uns ebenso unserer
Bedrängnis; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung,
Bewährung Hoffnung. Die Hoffnung lässt
uns nicht zugrunde gehen; denn die Liebe
Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen
durch den Heiligen Geist, der uns gegeben
ist.“ (Römer 5,3-5).
Das Beste, das man einem Menschen, der
leidet, mit auf den Weg geben kann, ist der
Gedanke, dass sein Schmerz zeitlich begrenzt ist. Man hat uns gelehrt, dass Leid,
Schmerz und Traurigkeit in Freude umgewandelt werden. Unsere Christen stehen fest
zu ihrem Glauben. Sie wissen, dass sie nicht
überrascht sein sollten, wenn ihnen Lasten
aufgebürdet werden (siehe auch 1. Petrus
Fotos: KNA-Bild;Projektpartner; Schwarzbach
Bewacht: Aus Angst vor Selbstmordanschlägen wie 2013 in einer Kirche in Peschawar schützen Sicherheitskräfte viele Gottesdienste in Pakistan.
4,12-13). Lasten, die uns aufgebürdet werden, sind Teil der Nachfolge Jesu (Philipper
1,29). Lasten und Leid dienen dazu, unseren
Glauben zu stärken (Jakobus 1,2-4) und
immer das ewige Leben, auf das wir hoffen
können, im Blick zu behalten (Römer 5,3-5).
Auch wenn unsere Christen bedrängt und
gedemütigt werden, verlieren sie dennoch
nicht die Hoffnung. Von allen Seiten werden
sie in die Enge getrieben und finden doch
noch Raum; sie wissen weder aus noch ein
und verzweifeln dennoch nicht. Sie werden
gehetzt und sind doch nicht verlassen; sie
werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet (Korinther 4,7-10). Sie vertrauen
darauf, dass Er alles zum Guten gereichen
lässt (siehe auch Römer 8,28), auch wenn
wir es jetzt noch nicht verstehen können
(siehe auch Jesaja 55,8-9). Es spielt keine
Rolle, wie düster die Lage ist, Christus hat
uns versprochen, dass es wieder Licht
werden wird.
Wir glauben fest daran, dass, wie bei den
Jüngern, Schmerz in Freude verwandelt
wird. Wir glauben an unsern auferstandenen
Erlöser, unseren Herrn Jesus Christus, der
gelitten hat und gestorben ist, um uns unsere
Sünden zu vergeben, die Sünde, den Tod und
den Teufel zu besiegen. Wir klammern uns
förmlich an sein Versprechen: Euer Kummer
wird in Freude verwandelt werden.
Ich bete, dass unser Schmerz und Leid
unsern Glauben an unsern Herrn Jesus Christus festigen und dass unser Kummer im
Namen Jesu Christi in Freude verwandelt
werden möge.
Arthur Charles
Arthur Charles, 56, führt
den Verlag Rotti Press
der Erzdiözese Karachi
in Pakistan und ist Chefredakteur der Bistumszeitung „Agahi News“.
Neben den katholischen
Medien gilt die Leidenschaft des ehemaligen
Generalvikars der Katechese. Als Leiter des
Katechetischen Instituts in Karachi will er
vermitteln „dass wir am besten evangelisieren, indem wir einen Lebensstil entwickeln,
der dem Evangelium entspricht und selbst
so leben.“ Arthur Charles ist dieses Jahr
missio-Gast im Monat der Weltmission.
KURZINTERVIEW
Nicht Besserwisserei, sondern Bescheidenheit
Notker Wolf, 74, ist als
Abtprimas der Benediktiner
weltweit für 7500 Mönche und
16 500 Ordensfrauen verantwortlich. Die Benediktiner
stehen seit Jahrzehnten im
Dialog mit Zen-Mönchen.
Relativ neu ist ihr Austausch
mit schiitischen Geistlichen.
Was bedeutet es für Christen, ihren
Glauben weltweit zu teilen?
Christen müssen wissen, wer sie sind, und
ihr Leben aus dem Glauben gestalten. Nur
glaubwürdige Christen können ihren Glauben teilen. Sie teilen ihn in den Zeichen der
Solidarität, der Liebe zu anderen Menschen. Sie teilen ihn im Dialog mit Gläubigen anderer Religionen, wenn sie mit ihnen
reden und an deren Leben teilnehmen. Vor
allem hören sie auf den andern, seine
Traditionen, seine Werte, und der andere
wird auch unsere Werte wahrnehmen und
schätzen lernen. Der Geist Gottes wird das
bewirken, was in seinem Sinne ist.
Welche Chancen bietet diese Erfahrung
angesichts einer „Religionsmüdigkeit“,
wie wir sie zunehmend in Europa erleben?
Wir lernen, was anderen ihre Religion
bedeutet, wie tief gläubig sie sind und zu
welchen Opfern in der Lebensgestaltung sie
bereit sind. Es ist nicht so sehr eine hohe
Theologie, sondern das praktische Glaubensleben. Die Muslime haben ihre relativ
wenigen Grundverpflichtungen, die ihnen
aber unumstößlich sind; ein thailändischer
Touristenführer zählte mir an einer Hand die
buddhistischen Lebensgrundsätze auf und
wollte mich bekehren – genauso wie ein
junger muslimischer Taxifahrer in Oslo.
Aber es gibt auch die anderen Begegnungen:
mit Theologen im Iran oder mit Zenbuddhistischen Mönchen in Japan, die uns
eine hohe Achtung vor deren spiritueller
Dimension abnötigen, die ihrerseits aber
auch etwas vom Reichtum unseres Glaubens erfahren wollen.
Das bringt uns zum Nachdenken über unser
eigenes religiöses Verhalten und unseren
Glauben. Wir haben angesichts der Festigkeit der anderen keinen Grund zur Scheu,
auch unseren Glauben darzulegen. Das ist
eine gesunde Herausforderung.
Welche Erfahrungen haben Sie selber mit
weltkirchlicher Spiritualität gemacht?
Zum einen ist es die frohe Erfahrung, dass
unser Glaube uns über alle Grenzen hinweg
verbindet, und wir den andern etwas von
der barmherzigen Liebe Gottes zu uns Menschen vermitteln können. Auf die Frage
japanischer Mönche, warum wir christlichen Mönche so frohe Menschen seien,
habe ich geantwortet: Weil wir über uns und
bei uns einen Gott wissen, der uns Menschen annimmt und liebt.
Wie können diejenigen, die in Kontakt zu
Partnern der Weltkirche stehen, anderen
einen Zugang zur weltweiten Dimension
von Glauben und Kirche vermitteln?
Die globale Dimension unseres Glaubens
und unserer Kirche sollte heute nicht mehr
unbekannt sein. Wir kennen auch die kirchlichen Hilfswerke. Am besten wäre es, an
kleinen Projekten viele mit zu beteiligen.
Die persönliche Begegnung und das Tun
öffnen die Augen, vor allem wenn es nicht in
Besserwisserei, sondern in Bescheidenheit
und Hinhören geschieht.
Interview: Beatrix Gramlich
6-2014 Das missio-Magazin • XI
ZU GUTER LETZT
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Das missio-Magazin
42
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Foto: Stark
Beim 42. Konzert ihrer diesjährigen Tournee machte Judy Bailey für missio Halt in der
Stadtpfarrkirche Fulda und sang beim Benefizkonzert „Hear my Soul“ für Christen in
Pakistan. Damit machte sie im Bistum Fulda den Auftakt für die Kampagne zum Monat
der Weltmission, in deren Fokus die islamische Republik stand. Judy Bailey, die
charismatische Musikerin aus Barbados, spielte bereits zum zweiten Mal für das
Hilfswerk und begeisterte abermals mit ihren Karibikgrooves. Die vielgereiste Künstlerin
trat mit der pakistanischen Sängerin Saira Peter auf, die sie in Südafrika kennengelernt
hatte. Dass Musik keine Grenzen kennt, bewies die Mischung aus Rock, traditionellen
pakistanischen Klängen und Gospelliedern des Marbacher Chors „Vox Juventatis“.
Moderatorin Sylvia Kuck vom Hessischen Rundfunk stellte in Kurzfilmen und LiveInterviews Christen aus Pakistan vor, die über ihr Leben in dem Land am Hindukusch
sprachen. Zu Wort kam unter anderen Erzbischof Sebastian Shaw aus Lahore.
sk
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XII • Das missio-Magazin 6-2014
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