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Hallo Österreich, wie gehts? - Management Club

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.01
April | 2010
Der Newsletter für Quer-, Vor- und Nachdenker in Österreich.
WWW.MANAGEMENTCLUB.AT
Hallo Österreich,
wie geht’s?
Offenbar noch immer zu gut,
als dass wir etwas ändern müssten!
Der Befund: Wohlstandsverwahrlosung.
Die Therapie: Mut und Wille zu Reformen
im Bildungs-, Pensions- und
Gesundheitssystem.
Großer Leistungscheck
Der Bundesländervergleich zeigt:
e Wien ist Absteiger und Steiermark
Aufsteiger des Jahres.
Foto: mc
>EDITORIAL
Mag. Markus Heingärtner
mc-Geschäftsführer
heingaertner@managementclub.at
Telefon (01) 512 79 35
Ihr mc-Team auf Bundesebene: Neben mc-Präsident DI Herbert Paierl und Geschäftsführer Mag. Markus Heingärtner sind Alexandra Hofer (re.) sowie Lidia
Emaschova (li.) Ihre Ansprechpartner für Öffentlichkeitsarbeit und Organisation .
Sehr geehrte Damen
und Herren,
wir haben uns für dieses Jahr viel vorgenommen.
Aktuell erarbeiten wir mit dem Sozialexperten Bernd Marin ein neues Pensionsmodell, mit dem IHS ein Reformmodell zum Gesundheitssystem und als
logische Fortsetzung unserer Schulreform auch ein neues Konzept zur Gestaltung unserer Hochschulen.
Um auch Ihre Meinung, Ihr Wissen und
auch Ihre Ideen für neue Themen verstärkt einzuholen, basteln wir an einem
Internet-Tool. Es soll im Laufe dieses
Halbjahres noch Online gehen.
Ich möchte Ihnen auch noch unsere Kurzvideos auf dem mc-youtube-channel
(www.youtube.com/managementclub)
ans Herz legen.
Wenn Sie keine Zeit hatten bei uns vorbei zu schauen, dann können Sie sich
bequem die wichtigsten Aussagen von
Gästen wie dem Ex-Chefvolkswirt der
Deutsche Bank, Norbert Walter, im Internet anschauen.
Morgen, ja morgen …
D
ie großen Reformthemen hat unsere
Bundesregierung noch lange nicht abgearbeitet und muss sich nicht zu Unrecht den Titel „Ankündigungsregierung“ gefallen lassen. Obwohl die Handlungsfelder
seit Jahrzehnten bekannt sind, scheint sich
die Politik in einer Lähmung zu befinden, attestiert beispielsweise der ehemalige WIFOChef Dr. Helmut Kramer im Rahmen einer mcDiskussion. Dass unsere freie und wohlhabende Gesellschaft aber nur durch langfristige Veränderungen, sprich Reformen, erhalten bleiben kann, stellt unsere Bundesregierung vor ein Problem. Diese muss sich trotz
der Kurzfristigkeit Ihrer Legislaturperiode,
um eine Langfristperspektive für Österreich
bemühen. Die Tatsache, dass sich bei langfristigen Entscheidungen auch die Erfolge nicht
immer kurz- oder mittelfristig einstellen,
lässt bei den Verantwortlichen den Unwillen
> INHALT
03 |09_
Vielen Dank für Ihre Unterstützung als
mc-Mitglied und vielleicht bis bald bei
uns im Club!
aufkeimen, dem politischen Gegner in die
Tasche zu spielen.
Warum weder Bildungs-, Gesundheits-,
Pensions-, noch Verwaltungsreform angegangen werden? Darauf antwortet die Mitautorin des Buches „Was uns morgen blüht“
Mag. Cornelia Mayrbäurl: Österreich gehe es
einfach immer noch zu gut, als dass wir etwas
ändern müssten. Sie bezeichnet dieses Sittenbild treffend als Wohlstandsverwahrlosung. Für GfK-Chef Rudolf Bretschneider ist
klar: Das Volk will nicht für dumm verkauft
werden. Und die Bevölkerung spürt, dass etwas in die falsche Richtung läuft. Was Österreich jetzt braucht, sind mutige Politiker, die
ein Problembewusstsein in der Bevölkerung
schaffen, Lösungsalternativen anbieten und
die anstehenden Reformen endlich umsetzen.
Auf dem Spiel steht die Zukunft Österreichs –
<<
nicht mehr und nicht weniger.
03_
C O V E R : Hallo Österreich, wie geht’s?
Reformen als Therapie für ein wohlstandsverwahrlostes Land.
PAIERL ON POLITICS
Wehrt euch gegen den Rentenklau!
10 | 1 1 _
VERANSTALTUNG
Zukunft Österreich - „Was uns morgen blüht“ .
Markus Heingärtner
12 | 13 _
INTERVIEW
WIFO-Chef Dr. Helmut Kramer über (generationen)gerechte Politik.
14 | 15_
STUDIE
mc-StandortRADAR: Österreichs Bundesländer im Leistungscheck.
2
mcimpuls > April |2010
> PODCAST
COVER
Wohlstandsverwahrlostes
Österreich
Österreich leidet an Wohlstandsverwahrlosung, attestiert uns
jüngst die Mitautorin des Buches „Was uns morgen blüht“
Mag. Cornelia Mayrbäurl. Soll heißen, es geht uns zu gut, als
dass wir etwas ändern müssten.
Sehen wir uns anhand von drei ausgewählten Bereichen einmal genauer an,
wie gut oder schlecht es tatsächlich um
Österreich bestellt ist: Pensionen,
Bildung, Gesundheit.
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Einen Bundeszuschuss zu den Pensionen
darf es nicht mehr geben.
Zwischen Auszahlung
und Einzahlung darf
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lücke klaffen. Zu
Recht drängt sich
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Insgesamt
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2.168.000
Pensionen
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2009 für Pensionen aus – mehr
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nengerechtigkeit
gegeben wurde. Ein Teil dieser Pensiound dem Sinn eines
nen sind Schulden für die Jüngeren.
Wohlfahrtsstaates auf.
Die Richtung ist klar:
--> Lesen Sie dazu weiter
auf der Seite 4.
PAIERL
ON POLITICS
Wehrt euch gegen
den Rentenklau!
ÖSTERREICH gibt weit mehr für seine Pensionen aus als eingezahlt wird. Diese Milliarden-Umverteilung von Erwerbstätigen
auf Pensionisten ist nicht (generationen)
gerecht – es ist unlauterer Wettbewerb.
Auf Kosten kommender Generationen
kapituliert die Politik vor einer stetig wachsenden Wählerlobby – jener der aktuellen
und zukünftigen Pensionisten – und bricht
den Generationenvertrag. Muss das so sein
in einem Wohlfahrtsstaat? Nein, denn „der
Sinn eines Wohlfahrtsstaates kann nicht sein,
dass ihn eine Generationmit ins Grab nimmt“,
weiß der Sozialforscher Bernd Marin.
In Deckung. Während Pensionen von
Angestellten und Arbeitern derzeit zu rund
83 Prozent gedeckt sind, erreichen die Beamtenpensionen nur einen Deckungsgrad
von 47 Prozent. Alte Sonderpensionen,
wie jene für Nationalbanker, Politiker, etc.
liegen sogar nur bei einem Deckungsgrad
von 15 Prozent! Das ist wirklich nur noch als
Raub zu bezeichnen.
So kann es nicht weitergehen: Österreichs Pensionssystem zahlt viel mehr aus,
als eingezahlt wird.
Lösung: Wir müssen länger arbeiten
und auch länger beschäftigen, Pensionen
und Pensionsantrittsalter harmonisieren
und die Hacklerregelung schnellstmöglich abdrehen. Tun wir das nicht, kann sich
Österreich von seiner Zukunft verabschieden. <<
Mehr PAIERL ON POLITICS unter
www.managementclub.at
www.youtube.com/managementclub
mcimpuls > April |2010
3
COVER
Nein, die Milliarden-Umverteilung zu
Lasten der kommenden Generationen ist
nicht gerecht, wohl eher unlauterer Wettbewerb und der Sinn eines Wohlfahrtsstaates kann keinesfalls sein , dass ihn eine Generation mit ins Grab nimmt.
--> HAUSAUFGABEN im Pensionsbereich
Leistung ausgegeben und Einsparungspotentiale ausgeblendet. Die
Mühen einer Reform wiegen in der Kosten-Nutzen-Rechnung der Bundesregierung offenbar schwerer als der Nutzen eines zukunfts- und leistungsfähigen
Österreichs.
--> HAUSAUFGABEN im Bildungsbereich
auf den Seiten 6 – 7.
auf den Seiten 6 – 7.
„Zum Wohl“.
Kosten-NutzenRechnung.
Auch wenn für Pensionen mehr ausgegeben wird als für Schulen, leistet sich Österreich im OECD-Vergleich eines der teuersten Schulsysteme. Es ist hinlänglich
bekannt, dass wir zu den Ländern mit den
höchsten Pro-Kopf-Bildungsausgaben im
Pflichtschulbereich zählen. Diesen Ausgaben jedoch – wie die internationale
Schulleistungsstudie PISA seit dem Jahr
2000 eindrucksvoll zeigt – steht ein im
internationalen Vergleich nur durchschnittlicher Schuloutput im Sinne von
Schülerleistungen gegenüber. Auch hier
belegen Zahlen und Fakten, dass der Reformbedarf nicht größer sein könnte. Dennoch wird weiterhin viel Geld für wenig
4
mcimpuls > April |2010
Zu einem ähnlichen Ergebnis dürfte die
Bundesregierung auch hinsichtlich unseres Gesundheitssystems gekommen
sein. Denn auch hiervon werden die Finger lieber gelassen – zumindest was Reformen betrifft. Österreich ist ein föderalistischer Staat mit neun Bundesländern
und das spiegelt sich auch in seiner dezentralen Gesundheitsverwaltung wider.
Das grundsätzliche Problem sind die
vielen unterschiedlichen Kompetenzen.
Darüber hinaus führen ungleiche Interessenlagen dazu, dass absurde Finanzierungsanreize entstehen. Daraus ergibt
sich eine enorme Geldverschwendung.
Haben Sie auch schon einmal den
Mythos gehört, dass Österreich das beste
Gesundheitssystem der Welt hätte?
Vielleicht ist dieses
Gerücht auch der Grund,
warum die Bundesregierung
keine Veranlassung sieht, in diesem Bereich aktiv zu werden. Dr. Andreas Gerber, Kölner Experte für den Vergleich von Gesundheitssystemen, fragte
sich vor einiger Zeit auf Ö1, was mit dem
Superlativ „beste“ kaschiert werden solle und ob es überhaupt brauchbare Pläne
zur Reformierung und Verbesserung des
österreichischen Gesundheitssystems
gäbe? Ein Blick ins Ausland könne laut
Gerber helfen. Etwa in Dänemark funktioniere das Gesundheitssystem besser
und effizienter. Dazu bräuchte es keine
große Reform, sondern Flexibilität und die
Bereitschaft umzudenken und umzustrukturieren.
Für den Gesundheitsökonomen
Christian Köck ist eine Reform alternativlos und er weiß, dass diese ordentlich
weh tun müsse, um erfolgreich zu sein.
Sein Befund ist klar: Für ihn hat Österreich
bereits die gefürchtete Mehrklassenmedizin. Dennoch sieht der GesundheitsökonomLicht am Ende des Tunnels und
freut sich unlängst in einem Die PresseInterview: „Dass das System als krank
empfunden wird, ist schon eine Verbesserung“, nachdem die Bevölkerung bis dato mit der Mär vom besten Gesundheitssystem der Welt eingelullt wurde. „Die
Voraussetzung für jede Reform ist nämlich, dass es in der Bevölkerung überhaupt
das Gefühl für eine Krise gibt.“
Ein weiteres Schlagloch auf dem Weg
zu einem effizienten und leistbaren Gesundheitssystem täte sich auch bei der Regierungsannahme über die alterungsbedingt steigenden Anforderungen an
das Gesundheits- und Pflegesystem auf,
weiß der ehemalige WIFO-Chef Dr. Helmut Kramer. Diese erscheinen Kramer
tendenziell
nämlich zu optimistisch. Zusätzlich wird angenommen,
dass der längerfristige alterungsbedingte Mehraufwand für
Pensionen, Gesundheit und Pflege
durch Minderaufwand für Bildung weitgehend ausgeglichen wird. Diese Sicht,
die nur mit sinkenden Pflichtschülerzahlen argumentieren kann, geht über die
nachweisbaren strukturellen und qualitativen Schwächen des österreichischen
Bildungssystems, dessen Leistungsfähigkeit für die Zukunft des Landes entscheidend ist, einfach hinweg. Ein folgenschwerer Denkfehler.
--> HAUSAUFGABEN im Gesundheitsbereich
auf den Seiten 6 – 7.
Champions-League.
Auch die steigenden Staatsschulden dürften der österreichischen Bundesregierung
weniger Magenschmerzen bereiten, als
die Umsetzung einer Verwaltungsreform.
Die Republik startete mit 190 Milliarden
Euro Schulden in dieses Jahr. Aufgeteilt
auf alle Erwerbstätigen ergibt das eine ProKopf-Verschuldung von 46.000 Euro.
Bleibt die Regierung tatenlos, wird die
Staatsverschuldung bis 2035 – vor allem
auch durch Zinseszinseffekte – auf 128
Prozent steigen. Das ergäbe für jeden Erwerbstätigen eine Schuldenlast in der
Höhe von 85.000 Euro.
Dadurch nehmen wir uns jeglichen
Investitionsspielraum für die Zukunft und
öffnen der politischen Radikalisierung Tür
und Tor.
Es ist aber unsere Aufgabe, unserem
Nachwuchs die besten Schulen und Lehrer zur Verfügung zu stellen, unser Gesundheitswesen effizient zu organisieren,
unser Pensionssystem zu erneuern
und unseren Föderalismus zu reformieren und dadurch unsere Schulden abzubauen – denn nur so kann Österreich auch
in Zukunft in der Champions-League
mitspielen.
<<
mcimpuls > April |2010
5
COVER
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--> HAUSAUFGABEN
Pensionen
--> Anhebung des faktischen Pensionsan-
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6
mcimpuls > April |2010
Pens
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trittsalters. Mit unserem niedrigen Pensionsantrittsalter liegen wir im Ländervergleich weit unter dem OECD-Schnitt.
Wir werden immer älter, also sollten
wir auch länger erwerbstätig bleiben.
Bewerkstelligt werden könnte dies über Prämien für
längeres Arbeiten bzw. Abschläge für kürzeres Arbeiten.
Nationale Kraftanstrengung zur Belebung des Arbeitsmarktes
50 plus. Die Wirtschaft hat sich auf Kosten der Allgemeinheit von
älteren Arbeitnehmern getrennt. Jetzt muss sie sich in die Pflicht
nehmen, ältere Arbeitnehmer zu beschäftigen. Flankierend brauchen wir natürlich eine großangelegte Bildungsoffensive für ältere
Menschen, damit sie auch tatsächlich so lange Arbeit finden, wie
sie arbeiten wollen. Positiver Effekt: Jene Länder, die viele ältere Arbeitnehmer in Beschäftigung haben, vermelden auch eine geringe
Jugendarbeitslosigkeit.
Einrichtung individueller Pensionskonten. Dank umfassender
Leistungs- und Kostenwahrheit sieht jeder, wie viel er schon eingezahlt hat und wie viel Pension es gäbe, wenn er diese sofort antreten würde. Dies ermöglicht uneingeschränkte Transparenz auch
hinsichtlich der nächsten Forderung:
Weitestgehende Flexibilisierung des Pensionsantrittsalters unter
nachhaltigen Rahmenbedingungen. Man kann unabhängig von
einem gesetzlich festgelegten Pensionsantrittsalter in Pension
gehen, sobald man es sich leisten kann. Somit wird jedem frei gestellt, wann er in den Ruhestand geht. Ginge man mit 52 Jahren in
Pension, hätte dies eine eher niedrige Pension zur Folge, während
man sich mit 75 Jahren über eine sehr hohe Pension freuen könnte.
Angleichung des Frauenpensionsalters im Gegenzug
für Gleichstellungs-/ Förderungspakete.
--> HAUSAUFGABEN
--> HAUSAUFGABEN
Gesundheit
--> Krankenanstalten bedarfsorientiert
und transparent finanzieren. Das
heißt, der Sozialversicherung fließen
als Financier sämtliche Einnahmen (Beiträge, Steuern etc.) zu. Diese organisiert
wiederum das Leistungsangebot selbst
oder schließt als Einkäufer von Gesundheitsleistungen selektiv Verträge über
Art und Umfang der Leistungen ab.
--> Verwaltungsaufwand senken. Der
Verwaltungsaufwand der maroden
Krankenkassen muss durch Förderung
der Verschreibung von Generika, Einführung standardisierter Diagnosen und
einheitlicher Behandlungsrichtlinien
gesenkt werden.
--> Leistungsabstimmung und Kooperationsmöglichkeiten zwischen Krankenanstalten verbessern. Versorgungsbedarf des medizinischen Leistungsbedarfs überprüfen. Alternative Nutzung
von freien Kapazitäten, Umschichtung
aus dem stationären auf den ambulanten Bereich und Vermeidung von Fehlbelegungen.
--> Patienten auf Augenhöhe heben. Der
Patient erhält mehr Information und
Entscheidungsfreiheit, muss seinerseits
aber auch lernen, Verantwortung
für seine Gesundheit zu
übernehmen.
Bildung
--> Bildung muss zu 100 % Chefsache sein.
-->
-->
-->
-->
-->
Der Direktor ist Chef seines „Unternehmens Schule“. Er entscheidet selbst über
seinen Lehrkörper. Stellt die besten Köpfe ein und kann diese bei unzureichender Leistung auch kündigen.
Bildung muss zu 100 % Schulsache sein.
Weder Hausaufgaben noch Nachhilfestunden sollen die außerschulische Zeit
von Kindern und Eltern bestimmen.
Zeitgemäßes und deutlich schlankeres Verwaltungssystem. Neben einem
neuen, leistungsorientierten Dienstrecht für Lehrer sollen künftig Transparenz sowie Leistungs- und Kostenwahrheit das Bildungssystem bestimmen.
Die bisher vorhandene Landesebene
wird weitestgehend eingespart.
Echte Schulautonomie. Dies bedeutet
auch eine massive Stärkung von Schulund Regionalebene.
Ausbau der Qualitätskontrolle. Transparente und regelmäßige Überprüfung
von Schüler- und Lehrerleistungen, um
einheitliche und vergleichbare Bildungsstandards zu sichern.
Verzicht auf parteipolitische Einflussnahme. Nicht jener mit dem
richtigen Parteibuch,
sondern der beste
Manager soll
Direktor einer
Schule werden.
Liebes mc-Mitglied! Ihre Meinung ist gefragt.
Schreiben Sie uns, was Sie von Österreichs Bildungs-, Pensions- und Gesundheitssystem halten und wie Sie unseren Staatshaushalt in Ordnung bringen würden.
Was halten Sie von den bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung? Sagen Sie
uns Ihre Meinung und werden Sie zum mc-Kommentator. Ausgewählte Kommentare finden Sie in der kommenden Ausgabe Ihrer Mitgliederzeitung mcimpuls.
info@managementclub.at
mcimpuls > April |2010
7
VERANSTALTUNG
Zukunft Österreich
Was uns morgen blüht
Die Welt verändert sich. Revolutionen in Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft
folgen immer schneller aufeinander. Wie soll die Politik da Schritt halten? Der mc
identifizierte mit Experten die großen Probleme der nächsten Jahre und fand heraus, was
uns morgen blüht.
D
ie Rechtzeitigkeit ist es, die Erfolg
von Misserfolg und Richtig von
Falsch unterscheidet. Es gilt also
zur richtigen Zeit das Richtige zu tun. Aber
woher weiß man, was zu einem Zeitpunkt
richtig und zu einem anderen Zeitpunkt
falsch für unser Land ist. Welche Politikbereiche müssen angepackt werden,
um die Zukunft unseres Landes zu sichern?
Wie ist es eigentlich wirklich um Österreich bestellt und die wichtigste Frage:
Sind die Österreicherinnen und Österreicher bereit, notwendige Veränderungen
mitzutragen?
Wohlstand
erhalten.
Chef Dr. Helmut Kramer den dringlichsten
Wunsch der Österreicherinnen und Österreicher. Auch ein Mehr an Arbeitsplätzen
und die Wiederbelebung der Wirtschaft
aus der Rezession stehen auf dieser
Wunschliste. Darüber hinaus ist Kramer
überzeugt, „dass es auch eine wachsende
Zahl von Österreichern gibt, die sich eine
Politik wünschen, die auf Nachhaltigkeit
ausgerichtet ist.“ Soweit zu den Wünschen
der Bevölkerung. Wie müsste die Politik
jetzt darauf reagieren? „Die Bevölkerung
hat das ungute Gefühl, dass Probleme anstehen – was auch
tatsächlich der Fall
ist. Jetzt müsste die
Politik handeln,
Lösungskonzepte
erarbeiten und für
deren Umsetzung
Verständnis in der
Bevölkerung erwecken – das geschieht aber einWenn wir wollen,
fach zu wenig“,
dass alles so bleibt
konstatiert der
wie es ist, werden
ehemalige WIFOChef.
wir alles ändern
„Wenn man die
Österreicher fragt ,
was sie wollen von
diesem Jahrzehnt
oder von den kommenden Jahren,
werden sie sagen:
wir wollen den
Wohlstand, den wir
uns erarbeitet haben, zumindest erhalten. Es wäre
müssen.
schön, wenn es noch
Besorgnis
Dr. Helmut Kramer
besser wäre, aber
gestiegen.
wir wären auch
Auch für GfK-Chef
schon zufrieden, wenn es nicht schlechter
Dr. Rudolf Bretschneider würde nachwird“, beschreibt der ehemalige WIFOhaltige Politik den Weg in Richtung Zu-
„
“
8
mcimpuls > April |2010
kunft ebnen. Bretschneider weiß: „Das
Volk will nicht für Dumm verkauft werden, denn der durchschnittliche Österrei-
„
Das Volk darf nicht
für dumm verkauft
werden.
“
Dr. Rudolf Bretschneider
cher hat ein treffsicheres Gefühl dafür,
wie es um unser Land
steht.“ Dies zeige sich
an einer Studie, in der
Bretschneider die
Staatsschuldenentwicklung von zweierlei Seiten beobachtet
hat. Neben der
tatsächlichen Entwicklung der
Staatsschulden,
wurde auch ge-
messen, wie sie sich im Bewusstsein der
Bevölkerung niederschlägt. „Die Ökonomen und auch zuständige Politiker haben
häufig gesagt, das ist ein Blödsinn. Das
trifft die Leute nicht. Das ist viel zu abstrakt
für die Leute“, erinnert sich der GfK-Chef.
Die Ergebnisse aus kontinuierlichen Umfragen ließen aber keinen Zweifel: die Besorgnis der Bevölkerung ist parallel zur
Höhe der Staatsschuld gestiegen. Die Menschen wussten zwar die absoluten Beträge nicht, sie hatten aber einen gefühlsmäßigen Begriff von der Dynamik und
waren entsprechend beunruhigt. „Hier
wäre es für die Politik möglich und dringend nötig gewesen, dieses Gefühl in praktische Konsequenzen zu übersetzen“, betont Bretschneider. Österreich brauche
mutige Politiker, die ein Problembewusstsein in der Bevölkerung schaffen, Lösungsalternativen anbieten, die auch
diskutiert werden dürfen und Reformen
umsetzen. Die Schwierigkeit sieht Bretschneider hierbei in folgender Tatsache:
„Mut kann man nicht kaufen, aber wenn
man nur herumlaviert, wird man früher
oder später bestraft - und zwar zusammen
mit der gesamten Bevölkerung." Politik ist
für den GfK-Chef die Verständigung über
das Wichtige. Leider versage die Politik genau in puncto Kommunikation
völlig. Die aktuelle Handlungsmaxime unserer Politiker beschreibt Bretschneider
wie folgt: „Politik ist die Kunst,
Menschen von Dingen
abzulenken, die sie
betreffen."
Und genau
hier trifft
sich Bretschneiders
Einschätzung
mit
jener
Politik gefordert.
„
Das politische
System liefert nicht
mehr.
“
Mag. Cornelia Mayrbäurl
der Buchautorin Cornelia Mayrbäurl.
Denn die Senior Beraterin der Public Affairs
Agentur Kovar & Köppl und Autorin des
Buches „Was uns morgen blüht“ weiß:
„Jetzt regiert in Österreich fast immer das
Dauerphänomen Große Koalition, aber die
großen Probleme bleiben trotzdem liegen.
Ab und zu gibt es dann Ablenkungsmanöver, indem man sich auf kleinere Fragen stürzt, aber nicht einmal diese werden
dann gelöst. Wenn ich an die Raucher- oder
Nichtraucherdebatte denke, sehe ich
keine Kompetenz, in dieser Frage eine
dauerhafte Lösung zu finden.“ Mayrbäurl
warnt, dass kleine Probleme nicht herangezogen werden dürfen, um die großen
aus der öffentlichen Wahrnehmung zu
drängen.
Was passiert,
wenn nichts passiert?
Wenn von der Bevölkerung Stillstand im
politischen Handeln registriert werde,
obwohl Problemdruck spürbar sei , dann
führe das laut Bretschneider mittelfristig dazu, dass Oppositionsparteien an
Bedeutung gewinnen. Dies
zeige die historische Erfahrung. „Ich glaube aber nicht
an Radikalisierungen, sondern eher an eine Politikmüdigkeit, die sich in Wahlenthaltung ausdrückt. Und
das ist eine Tendenz die man
sehr, sehr ernst nehmen sollte“, warnt
Rudolf Bretschneider.
Für Cornelia Mayrbäurl ist „die Politik jetzt
mehr denn je gefordert. Gerade weil es den
Handelnden offenbar immer schwerer fällt,
mit den rasanten Veränderungen in Wirtschaft und Wissenschaft Schritt zu halten
und dem zunehmenden Auseinanderdriften der Gesellschaft entgegenzuwirken.
Wir brauchen besseres Regulieren, besseres Regieren.“ Aber, das politische System
erfülle seine Funktionen in immer geringerem Ausmaß. Hier sieht Mayrbäurl die
größte Gefahr, denn werden aus der vergangenen Krise nicht die richtigen Lehren
gezogen, drohe eine Prolongierung des wirtschaftlichen Abschwungs, verbunden mit
einem massiven Wohlstands- und Vertrauensverlust weiter Bevölkerungsschichten.
Ernst zu nehmen ist auch die Einigkeit
der Experten darüber, dass die großen Probleme der Politik nicht gelöst werden können, weil sie schlicht nicht angegangen
werden. Ein möglicher Grund: Den Österreicherinnen und Österreichern geht es
offenbar immer noch zu gut, als dass sie
<<
etwas ändern müssten.
Liebes mc-Mitglied!
Sagen Sie uns Ihre Meinung und
werden Sie zum mc-Kommentator.
info@managementclub.at
Das Video zur Veranstaltung unter
www.managementclub.at
www.youtube.com/managementclub
Andreas Kovar, Cornelia Mayrbäurl, Walter Osztovics
Was uns morgen blüht: Eine Analyse der politischen
Arena 2010
ISBN: 978-3-9-3845640-8
Edition Kovar & Köppl – polisphere library
175 Seiten, 30 Euro
Erhältlich im Buchhandel sowie unter
info.publicaffairs.cc
mcimpuls > April |2010
9
INTERVIEW
Eine Frage der
(Generationen)Gerechtigkeit
Die künftigen Aufgaben für Gesellschaft und Staat sind ebenso umfassend
bekannt, wie mögliche Lösungswege: Reformen im Bildungs-, Gesundheits,
Pensions- und Verwaltungsbereich. Für Österreich sind diese langfristigen
Lösungskonzepte alternativlos. Sie zahlen zwar nicht sofort auf das politische Erfolgskonto ein, sind aber um eine ganze Dimension reicher als
kurz- und mittelfristige Lösungen, nämlich um die „Dimension Generation“. Wir baten den ehemailgen WIFO-Chef und Autor der mc-Staatsschuldenstudie Dr. Helmut Kramer um ein Interview und analysierten mit ihm die aktuelle Politik unter dem Aspekt der
Generationengerechtigkeit.
mcimpuls: Was geschieht, wenn der Aspekt Gesundheit und Pflege stellt jedenfalls eine
nerationengerechtigkeit aus aktuellen politiwachsende Belastung der Einkommen der
schen Entscheidungsfindungen ausgeblendet
nächsten und der übernächsten Generatiwird?
on dar. Diese Gewichtsverlagerung wird
Helmut Kramer: Das darf sich Österreich
bis in die dreißiger und vierziger Jahre des
nicht leisten. Denn wie die meisten eu21. Jahrhunderts oder sogar noch länger anropäischen Staaten
halten. Dafür sind
stehen auch wir vor
langfristig tragfähige
einem epochalen
Lösungen gesucht. Es
Die EU hat für 2012
Wandel der Altersgenügt nicht, dass diedas Jahr der Generastruktur der Bevölse einem allgemeinen
kerung. Starke Jahrtionensolidarität aus- Gerechtigkeitsempgänge der Babyfinden oder der gesellgerufen. Das sollte
Boom-Generation
schaftlichen Fairness
man in Österreich
scheiden aus dem
entsprechen, sie dürdringend mit strateaktiven Erwerbslefen auch die Leistungsgischen Überlegunben aus, bedeutend
bereitschaft und Wettschwächere rücken
bewerbsfähigkeit der
gen begehen, nicht
nach. Außerdem
Wirtschaft nicht bemit aktionistischer
nimmt die Lebeneinträchtigen.
Kurzatmigkeit.
serwartung erfreuFühlen sich die zahDr. Helmut Kramer
lich rasch zu. Die Filenmäßig schwächenanzierung des Ruren ins Erwerbsleben
hestands einer absolut und relativ größenachrückenden Generation überlastet,
ren Zahl älterer Menschen und ihres unkönnten jedenfalls Teile von ihr dazu neigen,
vermeidlich steigenden Aufwands für Gesich dieser Verpflichtung zu entziehen.
„
“
10
mcimpuls > April |2010
Auf dreierlei Weise: Emigration in „jüngere“ und damit „billigere“ überseeische
Länder; „innere Emigration“ in informelle
Tätigkeiten, also ein kräftiger Nachschub
für die Schattenwirtschaft und damit die
Aushöhlung der finanziellen Grundlage für
die Umverteilung; oder auch durch wachsende Bevorzugung von Freizeit gegenüber der Erwerbstätigkeit. Das würde die ohnehin zunehmend belastete Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit weiter schwächen.
Eine solche Situation darf nicht entstehen.
auf die Verbesserung der KrankheitsSie würde nicht nur den Wohlfahrtsstaat,
prävention schon in jüngeren Jahren, um
sondern auch das politische System in Fradas Entstehen von Alterskrankheiten zu
ge stellen. Schon in etwa zehn Jahren könnbremsen, sie muss die Infrastruktur und die
ten die Jahrgänge im Ruhestandsalter plus
Migrationspolitik einbeziehen, vor allem
diejenigen, die maximal 10 Jahre davor steeine epochale Verbesserung unseres Bilhen, die Mehrheit der Wahlberechtigten
dungssystems und der Universitäten anmobilisieren und gesetzliche Änderungen
streben, damit unsere Wirtschaft im glozur Entlastung der Jüngeren im Parlament
balen Wettbewerb genug Einkommen
verhindern.
erwirtschaften kann.
Wie soll die Politik vorgehen?
Generell muss nahezu jede politische EntEine verantwortungsbewusste Politik muss
scheidung Rücksicht auf Fairness zwischen
sich die strategischen Optionen, dem Diden Generationen legen. So wie in Österlemma ohne schwerwiegende Störungen
reich „Wettbewerbspolitik“ häufig Schutz
des gesellschaftlichen Systems zu entgevor dem Wettbewerb und nicht Schutz des
hen, zurechtlegen. Diese Strategien werWettbewerbs bedeutet, beschränkt sich
den um Kürzungen bisher gewohnter AnGenerationenpolitik auf Schutz der untersprüche und Rechte wohl nicht herumschiedlichen Interessen der Senioren und
kommen. Die wichtigder Junioren vorste davon wird eine gleieinander. Eine
tende, aber konsequenunüberlegte KonSo wie in Österreich
te und sehr signifikante
frontation dieser
,WettbewerbspoliAnhebung des tatsächInteressenvertrelichen Pensionsantritts
tungen muss vertik‘ häufig Schutz
um mehrere Jahre sein
mieden werden.
vor dem Wettbewerb
müssen. Dies wurde
Umfassende Geund nicht Schutz des
zwar in Österreich in Annerationenpolitik
Wettbewerbs bedeusätzen bei der letzten
beschränkt sich
tet, beschränkt sich
Pensionsreform beauch nicht auf das
schlossen, aber SchlupfProblem der PenGenerationenpolitik
löcher haben bisher versionsfinanzierung,
auf Schutz der unterhindert, dass diese
sondern beachtet
schiedlichen InteresWirkung auch tatsächden vielfältigen
sen der Senioren …
lich eintritt. Je länger
und wechselseitiDr. Helmut Kramer
man das hinausschiebt,
gen Austausch
umso schärfer müssen
zwischen den undie Maßnahmen dann
terschiedlichen Algreifen.
tersgruppen. Das ist viel differenzierter zu
Ich plädiere für eine umfassende nationasehen. Es gibt auch nicht nur „die Jungen“
le Alterungsstrategie, die von der älteren
und „die Alten“, sondern auch die jungen
und der jüngeren Generation und über alAlten und die alten Jungen. Die EU hat für
le Parteigrenzen hinweg erarbeitet wer2012 das Jahr der Generationensolidarität
den muss. Sie darf nicht nur auf die
ausgerufen. Das sollte man in Österreich
wachsenden Lücken in der Pendringend mit strategischen Überlegungen
sions-, Krankheits- und Pflebegehen, nicht mit aktionistischer Kurzatgefinanzierung achten,
migkeit.
sondern auch
Einschätzung des Experten: Tendieren die politischen Maßnahmen eher zu Gunsten der gegenwärtig älteren oder der nachfolgenden Generation?
Ja, tatsächlich neigt die Politik zu Maßnahmen, die mit kurzfristiger Zustimmung
kalkulieren, die aber langfristig, das heißt,
im Interesse der heute Jungen oder auch
noch der Ungeborenen, nicht zu rechtfertigen sind. Die schon etablierten Interessen, die „wohlerworbenen Ansprüche“ sind
in der Politik meist stärker und lauter, als
„
“
die der Jugend, die ja erst teilweise politisch
mitredet. Die Schaltstellen sind noch dazu
überwiegend mit älteren und daher mächtigeren Funktionsträgern besetzt.
Warum findet sich das scheinbar so überzeugende Konzept der Generationengerechtigkeit
so wenig im tatsächlichen Handeln von Politikern wieder?
Generationengerechtigkeit war solange
kein größeres Problem, solange sich die demographische Entwicklung der Altersgruppen im Erwerbsalter und im Ruhestand
einigermaßen im Gleichgewicht entwickelte. Das Problem stellt sich aber jetzt
neu, ist daher ungewohnt, Lösungen müssen erst grundsätzlich überlegt und sicher
mühsam erarbeitet werden, treffen auf politische Widerstände und sind daher für die
Politik äußerst undankbar. Allerdings muss
man anmerken, dass die Situation des zweiten bis vierten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts schon vor rund vierzig Jahren erkennbar war und erkannt wurde. Nur hat
es die Politik sehr lange faktisch ignoriert.
Welche strukturellen Barrieren gibt es, Generationengerechtigkeit umzusetzen und wie
können sie beseitigt werden?
Eine strukturelle Barriere ist sicherlich die
Schwierigkeit, über diese Fragen einen demokratischen Konsens zu finden. Eine weitere ist, dass auf so lange Sicht (20, 30, 40
Jahre) alle Prognosen, auch die demographischen unsicher sind. Das kann man als
Argument dafür anführen, lieber nichts als
etwas Falsches zu tun. Aber es gibt Strategien, die auf jeden Fall richtig sind. Die
wichtigste: geben wir den nachrückenden
Jahrgängen möglichst ab sofort die anspruchsvollste Bildung, die wir uns vorstellen können! Unser Bildungssystem muss
endlich ins 21. Jahrhundert herübergeholt
werden. Das ist die beste Sicherheit für die
Erhaltung des Wohlstands auch in der Zeit
der demographischen Wende, das beste
Fundament für die Generationengerech<<
tigkeit.
Veranstaltungshinweis:
Mehr zum Thema Generationengerechtigkeit erfahren
Sie am Donnerstag, den 29. April 2010. Dann begrüßen
wir den Sozialexperten Bernd Marin und den Abgeordneten zum Deutschen Bundestag Jens Spahn bei uns im
mc zum Diskussionsabend „Generationengerechtigkeit: Stoppt den Rentenklau!“
Anmeldung und Infos zur Veranstaltung unter
www.managementclub.at/w/veranstaltungen
Wir freuen uns auf Sie!
mcimpuls > April |2010
11
STUDIE
Österre
im Leist
Steiermark steigt auf –
Wien steigt ab.
12
mcimpuls > April |2010
ichs Bundesländer
ungscheck
In welcher Region Österreichs ist der
investierte Euro am meisten wert?
Dieser Frage sind wir gemeinsam mit
dem Internationalen Central Europa
Institut Wien (ICEI) nachgegangen, indem wir ausgewählte Kennzahlen
aus den neun
Bundesländern miteinander
verglichen haben. In das Analysemodell des Erfolgsindex flossen 26
Parameter ein – makroökonomische
Daten der Statistik Austria, des Arbeitsmarktservice, des Wirtschaftsforschungsinstituts, der Wirtschaftskammer Österreich und
schließlich auch eine umfassende
Umfrage unter Entscheidungsträgern. Mittels 1.600 Fragebögen hat
unser mc-StandortRADAR österreichische Unternehmen zu Standortkosten, Wirtschaftsfreundlichkeit, Beschäftigung, Wachstum und
Wohlstand befragt.
D
iesmal wurden die Ergebnisse massiv von der
Wirtschaftskrise beeinflusst, wodurch das Wettbewerbsfeld so stark wie noch
nie zusammengeschoben
wurde. Dennoch lassen
sich Gewinner und Verlierer identifizieren: Die
Steiermark ist mit einem
Plus von 5,04 Indexpunkten klarer Aufsteiger, während Wien
mit einem Minus von
2,74 Indexpunkten
seine Wachstumsschwäche noch
verstärkte.
Aufsteiger Steiermark.
Die stark exportabhängigen Betriebe in
der Steiermark befinden sich nach Einschätzung der befragten Manager und verknüpft mit den aktuellen Wachstumszahlen am Weg aus der Krise. Die
Konzentration auf Forschung & Entwicklung und die international aufgestellten
Betriebe konnten die Auswirkungen der
Krise zwar nicht verhindern, beschleunigen das Wachstum am Wirtschaftsstandort Steiermark aber stärker als in anderen Bundesländern. Insgesamt konnte die
Steiermark ihr Gesamtergebnis um 5 Indexpunkte im Vergleich zum Vorjahr steigern. Das ist die stärkste Verbesserung
eines Bundeslandes im aktuellen StandortRADAR und befördert die Steiermark
auf Platz 6 im Bundesländervergleich.
Absteiger Wien.
Die Wirtschafts- und Finanzkrise verschärfte die wirtschaftliche Wachstumsschwäche der letzten Jahre in der Bundeshauptstadt weiter. Von den sieben
Teilbereichen des StandortRADAR (Wachstum, Arbeitsmarkt, Wohlstand, Wissen,
Kosten, Wirtschaftsfreundlichkeit und
„weiche“ Standortfaktoren) wurde Wien
in fünf Teilbereichen erneut schlechter als
im Vorjahr bewertet. Lediglich in den
Bereichen Wohlstand und Wachstum
konnte Wien zulegen. In Summe aller Teilbereiche verliert Wien -2,74 Indexpunkte
gegenüber dem Vorjahresergebnis.
mcimpuls > April |2010
13
STUDIE
mc-StandortRADAR
Bundesländer-Ranking 2009
1.
2.
3.
4.
6.
7.
8.
9.
Oberösterreich
Niederösterreich
Tirol
Salzburg
Vorarlberg
Steiermark
Kärnten
Wien
Burgenland
Das ist die größte Verschlechterung einer
regionalen Volkswirtschaft im StandortRADAR 2009 und verweist Wien auf
Platz 8 im Bundesländervergleich.
Platz 1 für Oberösterreich.
Vor allem in den Bereichen Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt ist Oberösterreich top. Deshalb kann es trotz Punkteverlusten gegenüber dem letzten Jahr
den ersten Platz im StandortRADAR verteidigen. Betrug Oberösterreichs Vorsprung auf den Durchschnitt aller Bundesländer 2008 noch 12 Prozent, so
verringerte er sich 2009 weiter auf 11 Prozent. In der Gesamtwertung nach 26 Teilindikatoren beträgt der Abstand auf Niederösterreich (2. Platz im aktuellen
StandortRADAR ) aber noch immer respektable 6 Indexpunkte. Trotz Wirtschaftskrise und steigender Arbeitslosigkeit hält Oberösterreich seine beiden
Spitzenplätze bei „Wirtschaftswachstum“
und „Arbeitsmarkt“.
Platz 2 für Niederösterreich.
Vor allem die Wirtschaftsfreundlichkeit
zeichnet Niederösterreich als Top-Standort aus. In diesem Bereich erreichte NÖ
nach 2008 auch heuer wieder den ersten
14
mcimpuls > April |2010
Indexwert
110,4
104,4
103,0
101,6
101,6
99,8
94,8
94,5
89,8
Gesamtpunkte
2.854,11
2.699,37
2.663,24
2.625,86
2.625,86
2.579,28
2.450,06
2.443,27
2.320,43
Vergleich
2008
-1,44
-0,65
-0,26
-1,20
-1,50
5,04
0,79
-2,74
1,97
Platz im StandortRADAR. Das besondere
Eingehen der Verwaltung auf die Probleme der Wirtschaftstreibenden bringt dem
Land erneut die Top-Platzierung in diesem
Bereich. Auch beim Teilbereich „Wissen“,
der sich aus der Bewertung für den Forschungsstandort, der Weiterbildung und
dem Fachkräftepotential zusammensetzt,
erreicht Niederösterreich den 1. Platz unter den neun österreichischen Bundesländern. In der Gesamtwertung nach 26
Einzelindikatoren aus Statistikwerten und
Befragungsdaten konnte Niederösterreich
somit seinen zweiten Platz hinter Oberösterreich verteidigen.
Platz 3 für Tirol.
Die Tiroler blicken positiv in die Zukunft
und konnten den guten dritten Platz aus
dem Vorjahr halten. Zusammen mit den
Entscheidungsträgern aus Niederösterreich glauben die Tiroler an eine rasche
Verbesserung der Beschäftigungssituation in ihrem Bundesland. Das bringt beiden den ersten Platz bei der Einzelwertung
„Zukunft Arbeitsmarkt“. In allen vier Einzelwertungen in den Bereichen Lebensqualität, Qualität der Ausbildungseinrichtungen, Freizeit und Image ist Tirol als
einziges Land unter den besten drei Bun-
desländern. Am höchsten
schätzen die Tiroler die
Lebensqualität und die
Freizeitmöglichkeiten an
ihrem Standort ein.
Platz 4 für
Salzburg und
Vorarlberg.
Salzburgs Wirtschaft
wuchs in den letzten Jahren im Vergleich zu den anderen Bundesländern nur
unterdurchschnittlich und
durch die Krise verlangsamte sich das schwache Wachstum zusätzlich.
Doch trotz Wirtschaftskrise und steigender Arbeitslosigkeit im heurigen Jahr kann Salzburg seine beiden besten Platzierungen bei „Wohlstand“ und
„Arbeitsmarkt“ verteidigen. In Salzburg
herrscht seit Jahren nahezu Vollbeschäftigung. Selbst in der Krise ist die Arbeitslosigkeit in Salzburg nur knapp halb so
hoch, wie in Wien.
Beim harten Wettkampf um den
1. Platz bei den „weichen“ Standortfaktoren (Lebensqualität, Qualität der Ausbildung, Freizeitmöglichkeiten und Standortimage) hat Vorarlberg heuer die Nase
vorne und löste damit den Vorjahrssieger
Wien ab. Aber auch beim Faktor Wirtschaftswachstum konnte der Wirtschaftsstandort Vorarlberg wieder punkten. Die Vorarlberger Wirtschaft wuchs im Vergleich
mit den anderen österreichischen Regionen überdurchschnittlich stark. Auch die
künftige Entwicklung in den nächsten
Monaten wird von den Vorarlbergern
durchwegs positiv bewertet.
Platz 6 ging dieses Mal an den Aufsteiger Steiermark (siehe auch Seite 13).
Platz 7 für Kärnten.
In der Endwertung zum StandortRADAR
2009 konnte sich Kärnten nach 2008 erneut um einen Platz verbessern und be-
legt jetzt den siebten Gesamtrang. Eine besondere
Leistung, da sich im Vergleich mit dem Vorjahr fast
alle Bundesländer verschlechtert haben. Die Kärntner Manager bewerteten heuer die Teilbereiche
Arbeitsmarkt, Wissen, Standortkosten und die „weichen“ Standortfaktoren des StandortRADARs besser als 2008. Das beste Einzelergebnis erreichte
Kärnten bei den Standortkosten. Das südlichste
Bundesland platzierte sich hier auf dem dritten
Platz, um einen Rang besser als im letzten Bundesländervergleich.
Platz 8 belegt der Absteiger Wien (siehe ebenso Seite 13).
Was macht
Gewinner zu
Gewinnern
1
Platz 9 für das Burgenland.
Im Vergleich zum Vorjahr konnte sich das Burgenland im Gesamtergebnis des StandortRADAR
leicht verbessern und den Abstand zum Bundesdurchschnitt sogar etwas verkleinern. Trotzdem
reicht das Ergebnis nach der Auswertung der 26
Einzelindikatoren nur für den 9. Platz in der Rangliste der österreichischen Bundesländer. Das Hauptproblem des Standortes Burgenland ist die Stagnation des Wirtschaftswachstums bei im
Vergleich zu den anderen Bundesländern geringem Wohlstand. Durch das schwache Wachstum
kommt es zudem nicht zu einer benötigten Verbesserung der Lage am regionalen Arbeitsmarkt.
Der Rückstand auf Wien, am 8. Platz, beträgt be<<
reits 4,7 Indexpunkte.
Exportindustrie und F&E machen die Steiermark zum Aufsteiger des Jahres.Der klare Aufsteiger im diesjährigen „Leistungscheck“ der Regionen ist die Steiermark. Blieb das Wachstum in der grünen Mark lange Jahre hinter dem heimischen
Schnitt zurück, so konnte das Bundesland heuer am stärksten aufholen und belegte letztlich Rang sechs. Im Bereich
Forschung und Entwicklung konnte die Steiermark ihre Vormachtstellung im Land deutlich ausbauen. Ähnlich wie in
Oberösterreich ist auch die steirische Industrie früher als andere Branchen von der Krise betroffen gewesen und befindet sich nun, dank ihrer starken Exportorientierung, bereits
am Weg der Besserung. Zu dieser Einschätzung dürfte auch
der Optimismus der steirischen Manager beigetragen haben. Jeder Zweite erwartet ein Ende der Auftragseinbrüche
und steigende Exporte.
Was macht
Verlierer zu
Verlierern
Liebes mc-Mitglied! Die vollständige Studie
steht Ihnen unter www.managementclub.at zum
Download zur Verfügung.
Geringes Wachstum und hohe Standortkosten verweisen
Wien im Standortranking auf die hinteren Ränge. Vor drei
Jahren noch am vierten Rang im StandortRADAR, rutscht
Wien im aktuellen Bundesländervergleich seitdem kontinuierlich ab. Im Vorjahr wuchs die Wirtschaft in Wien etwa
nur halb so schnell wie beim Spitzenreiter Oberösterreich.
Vor allem bei den Standortkosten, wie regionalen Gebühren
bzw. Abgaben, Energiekosten und Niveau der Löhne und
Gehälter, liegt Wien jeweils am letzten Platz mit durchschnittlich 16 Prozentpunkten unter dem österreichischen
Durchschnitt. In Summe landete Wien heuer lediglich am
achten Rang, eingeklemmt zwischen Kärnten und dem
Burgenland.
mcimpuls > April |2010
15
1
> CARTOON
Die Ruhe vor dem Sturm
In der Regierung gilt: „Jeder ruhige Tag ist ein guter Tag.“
KARIKATUR: JELIO-ANTON STEFANOV
Der management club in Ihrem Bundesland
management club Wien / Bundesebene
mc-Geschäftsführer Mag. Markus Heingärtner
Kärntner Straße 8
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