close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Cotta - Forstbuch.de

EinbettenHerunterladen
FORTSETZUNG VON SEITE 3
Sectio II. „Mit den Kindern
in nöhten getaufft, Soll man idt
also halten, daß die Gevattern ,
so gebehten, dasselbe zu der
Tauffe tragen, undt von dem
Kirchen Diener der glaube gesprochen, das Vatter unser gebetet, undt das Evangelium
Marci , wo gewönlich soll geleset werden, Dornach frage er,
wie daß Kindt soll genömpt
werden, Setze Ihme den Rahmen an undt spreche, R. De
Allmechtige Gott. Jedoch sollen die Pastoren zufoderst vor
solchen anfangk fleisig die Gevattern underfragen, ob auch
das Kindt nottaufft.“
Sectio III. „Unsere Pastoren,
sollen auch nit den Kinderbettschen, ohne hochwichtige
anliggende Noht auß Ihrer behausunge, ehr bis Sechß Wochen beendiget, sich zu begeben, erlauben ... Undt verwerffen hiemitt die introduction,
oder Inwiedent der weiber, alß
im Bapstthumb gebreuchlich.“
Sectio IV. „Wie erfahren
auch, daß etliche Gottvergessene Weiber, Kinder so memlich gebohrn, undt darin das
Lebend nit kan gespühret werden, tauffen sollen. Sothan
Gottloß undt unbedachtlich
fürnehmen wollen wir ernstlich verbotten haben.“
Sectio V. Androhung schwerer Strafe gegen diejenigen,
welche schwangere Weiber erschrocken und dadurch den
Tod des Fötus veranlassen.
Der Sechste Articuli
Vom Abendtmahl und was
vor Persohnen dazu zuzulassen.
Sectio I. „Idt sollen keine
persohnen zum Abendmahl
Christi zugelassen werden, die
sein den zuvorn von öhrem
Pastor vom rechten Verstande,
nutze und troste deß heiligen
Abendmalls underrichtet, und
ein Jeder insonderheidt alleine
und nit in genere, wie etlcihe
mahl geschickt, auch ohne
Beichgeldeß Verehrungh verhöret, undt durch die Krafft
deß hl. Evangelij absolviret
worden.“
Sectio II. „Zum andern sollen keine persohnen zum
Abendtmahl Christi gestattet
werden, so die fünff Stücke des
Cathechismi nit wißen zu erzehlen, undt sollen die Pastores fleiß thun, daß sie die stucke recht verstehen. Solchß
aber mit getrewen fleiß ins
werck zu richten, ordnen wir
und wollen daß alle Sontage
das ganze jahr durchaus undt
alle nachfolgende jahr ohne
aufhörent, bey Sommerzeiten
nachmittage die Pastoren in
unser Graff- undt herrschafft
den hl. Catechismus nit alleine
predigen undt leren, sondern
auch offendtlich vom Cantzel
selbst, oder de Schull Meisterß
de Jungen Jögendt dorselbst
scholen gehalten werden, dorinnen examiniren und öffenen, welcheß examen nit ober
eine Viertelstunde getrieben
werden soll; Dornach aber
mith außlegungh des cathechismi diselbe stunde absolviren, den Pastorn aber auffm
Lande soll der Cathechismus,
in den winterlichen Tagen uff
den freytag zue predigen erlaubt sein, zu welcher predigt
allezeidt, alß die hauptlehre
unsers Christlichen Glaubenß,
sollen die Haußwihrte Ihre
Kindere Knechte und Mayde
schicken, undt dieselben dorzue mith fleisse anhalten, auch
Ihr gesinde mith keiner arbeiht in mittlerer zeidt bemüßigen …, Undt wo die hausswihrte oder haussmutters
hierkegen anders thun, undt
daß gesinde ungehorsamß erscheinen wurde, wollen wir
auff anzeige der Pastorn gegen
dieselben muthwilligen mitt
scherffe der straffe … procederen und fortfahren.“
Sectio III. „Zum Dritten sollen zu disem Abendmahl deß
Herrn Christi, Keine persohnen, so offendtlich in sünden
undt lastern kegen daß gesetze
deß Herrn und wieder die
Evangelischen bekentnisse leben undt beharren, gelassen
werden.“
Der Siebende Articuli.
Von dem Schändlichen Laster des Flöckenß.
Der Achte Articuli.
Von Wicker-, Zauber- und
Boserie.
Der Neundte Articuli.
Von Wucherlichem Handel.
Der Zehnte Articuli.
Wo sich die Pastoren kegen
die Rottengeister halten sollen.
Allgemeine Verordnung an
die Pastoren zur Wachsamkeit
gegen
Sacramentschänder,
Wiedertäufer und Sectenmacher, welche des Landes verwiesen werden sollen.
Der Elffte Articuli.
Von den Festen.
Sectio I. Von den Vierzeiten.
Weihnachten, Paschen, Pfingsten sollen mit den beiden folgenden Tagen gefeiert werden.
Als letzte und vierte „Hochfesttagzeit“ gilt Michaelis, an
welchem Tage die Kirchspielleute dem Pastor ihre „opffer,
gebührlichen pflicht undt
Landtheur“ darbringen sollen.
Das Fest Mariä Himmelfahrt
ist als ein unchristliches abgeschafft.
Sectio II. Von den fürnembsten Festtagen. Diese
sind Neujahr, Hl. 3 Könige,
Lichtmesse,
Verkündigung
Mariä (welches auf Donnerstag nach Judica verlegt werden
soll, wenn es in die Charwoche
fällt), Himmelfahrt, Johannis
der Täufer, Mariä Berggang.
Sectio III. Von den Apostel-
tagen. Andreas, Thomas, Conv.
Pauli, Matthias, Philipp et Jacob, Petri et Pauli, Magdalena,
Jacobi, Barthol., Decoli, Joa.
Bapt., Matthaeus, Simon et
Jud.. Omn. Sancti werden als
halbe Festtage mit Einstellung
der Vormittagsarbeit gefeiert.
An dem letzten Tage sollen die
Pastoren zur Erinnerung an
die große Wassersnoth vom
Jahr 1570 zur Buße und Besserung ermahnen.
Sectio IV: Verbot des Betreibens weltlicher Händel an
Sonntagen.
Sectio V. Es ist nicht zu dulden, wenn etliche Unterhanen
während des Sermons auf die
Kirchhöfe gehen, und andere
Leute aus der Kirche und vom
Gottesdienste abfordern lassen. Die Pastoren sollen, um
den Missbräuchen zu wehren,
das Volk von der Solennität
und Herrlichkeit der Festtage
fleißig unterrichten. Der Mißbrauch des Osterfeuers soll
gänzlich abgeschafft sein.
Sectio VI. Vom Vastelabendt. Die Feier der Fastnacht
mit
ihren
Mißbräuchen
„Mummen, spelen, dobbelen,
sticken, brecken, Rennen, inßwasserwerffen, bey haußlang
lauffen, zu andern dapffer reiten undt gehen, dantzen undt
Kränze bringen, sich auff Rädern und Böhmen tragen zu
lassen, des Morgens früh Mägede undt Knechte sich untereinander zu besuchen“, ist
gänzlich verboten.
Sectio VII. Meister und
Knechte sollen bei „den Gildebecheren“ mit einem Tage aufhören, auch des Glockenläutens zur Anzeige der Gilde sich
enthalten.
Der Zwölffte Articuli.
Sectio I. Von den Gesängen,
so man in der Kirchen gebrauchen soll.
„Ordnen wir daß die psalmen so von Dr. Luthero selig
gedechtniß gemacht … vor andern am meisten sollen gesungen und gebrauchet werden.
Jedoch wollen wir hiemith die
löbliche Gesenge latein oder
teutsch, auff den hohen Festtagen bestimpt, undt in dem
Göttlichen worte fundiret, nit
verworffen haben, undt vor
der Communion worte fundiret, nit verworffen haben, und
vor der Communion Ordnen
wir zu singende, daß Sanctas
latein undt teutsch … undt
daß mitt sonderlicher andacht, durch drey Knaben niedergekniet, daß Benedictas
undt in dem Symbolo Athanasii: Et homo factus est gesungen werden soll, alsden solcheß bißdaher gebreuchlich
gewesen. Unter der Communion wollen wir zue singende, Jesus Christus unser Heylandt –
Gott sey gelobet undt gebenedeyet – Lamb Gottes – Heilig
ist Gott der Vatter – Im Chor
und nobben in der Kirchen,
undt sollen die Pastoren die
Kaspelsleute ermahnen, daß
Sie mith singen, Gott loben,
preisen, ehren undt dancken
helffen, Auch den Scholemeistern undt Kostern befehlen,
daß Sie ohne fürwissen der
Pastorn ihres gefallenß die
psalme mitsingen, dazue noch
das Kaspelsvolck nit gewehnet,
noch sonsten, die so weltlicher
lieder, gleich welche haben,
Doran sich der gemeine Man
ergern möchte, Eß sollen auch
alle und jeder Pastoren in
ihren befohlen Kaspellen, gleiche Ceremonien halten, undt
dessen allezeiht mith unsern
Hauptkirchen durchaus einig
sein, Unndt wollen, daß unsere Superintendenten dorauff
Achtung geben sollen.“
Sectio II. „In unsern Städten
undt Flecken, daselbst die
frohpredigt gehalten wirdt,
wollen wir, daß geistliche Psalter vor Anfangk der Predigt
Auch das Te Deum laudamus,
oder das Benedictus, Latein
oder Teutsch, In Nachmittagspredigten aber, neben andern
Psallmen Davidts, auch das
herliche Magnificat gesungen
werde.“
Sectio III. „Wir wollen hiemith die Vesper zue singen,
auff Abendt der hogen Festtage, undt Sonnabendt, doselbst
es gebreuchlich zu lassen …
befohlen haben.“ Dann die Bestimmung, daß die Organisten
fleißig ihres Dienstes wahrnehmen, und nicht weltliche
Lieder schlagen sollen. In
Städten und Flecken soll Mittwochs und Freitags, auf den
Dörfern nur am letzteren Tage
Predigt gehalten, und vor der
Freitagspredigt die Litamel gesungen, in der Erndtezeit aber
von dieser Vorschrift dispensirt werden. Während der Fasten haben die Pastoren von der
Passion zu predigen. Alle Unterthanen sollen bei Strafe
während dieser Wochenpredigten der Arbeit und des Zechens sich enthalten, und darauf halten, daß aus jedem
Hause wenigstens eine Person
dieselben besuche.
FORTSETZUNG
IN DER NÄCHSTEN
FRIESISCHEN HEIMAT
Verantwortlich für diese Beilage:
Redakteur Detlef Kiesé
Telefon 0 44 62 / 9 89-1 83
Manuskripte senden Sie an:
Redaktion Friesische Heimat,
Am Markt 18,
26409 Wittmund
oder per E-Mail:
heimat@harlinger.de
16. Beilage
ANZEIGER FÜR HARLINGERLAND
18. Oktober 2014
Vorliebe für mittelalterliche Stile
ARCHITEKT
Der Wittmunder Ludwig Klingenberg hat das Kreishaus geplant
Geschichtskreis setzt
sich für Tafel und
Platzbenennung ein,
die an den erfolgreichen
Ingenieur erinnern soll.
VON ROLF ADERT
WITTMUND – Der Geschichts-
kreis des Heimatvereins Wittmund beschäftigt sich mit
der Vergangenheit seiner
Stadt und stößt dabei auf Namen, die es Wert sind, nicht
in Vergessenheit zu geraten.
Der Name Ludwig Klingenberg gehört zweifelsohne dazu.
Der Kreis hat deshalb initiiert, dass das Kreishaus mit
einer Gedenktafel mit dem
Hinweis auf den Architekten
des Gebäudes versehen wird
und dass der Platz vor dem
Kreishaus den Namen „Ludwig-Klingenberg-Platz“ bekommt. Der Wittmunder
Stadtrat hat diesem Vorschlag
bereits zugestimmt.
Das Kreishaus, im Volksmund auch Landratsamt genannt, gehört zu den schönsten Gebäude der Kreisstadt.
Zum 1885 gegründeten Kreis
Wittmund gehörten damals
die Städte Wilhelmshaven
und Esens sowie die drei vormaligen Königlichen Hannoverschen Ämter Friedeburg,
Wittmund (Stadtrechte wurden erst 1929 erneuert) und
Esens, zu dem letzteren Amt
gehörten auch die Inseln
Langeoog und Spiekeroog.
Das Königreich Hannover
hatte 1866 aufgehört zu existieren, zwischen den preußischen Städten Wittmund und
Wilhelmshaven lag das Großherzogtum Oldenburg. Die
nächst höhere Verwaltungsinstanz war für Wilhelmshaven bis 1919 der Kreis Wittmund. Die Kreisverwaltung
hatte anfangs ihren Dienstsitz in dem heutigen Amtsgerichtsgebäude am Marktplatz.
Das Wittmunder Kreishaus, erbaut nach den Zeichnungen des gebürtigen Wittmunders Ludwig Klingenberg, wurde 1901 eingeweiht.
BILD: ROLF ADERT
Am 29. September 1899 erfolgte die Grundsteinlegung
für das Kreishaus, welches
nach den Bauplänen des in
Wittmund am 29. Oktober
1840 geborenen Architekten
Ludwig Klingenberg errichtet
wurde. Die Einweihung des
Gebäudes fand am 3. April
1901 statt.
Klingenberg
war
das
jüngste von sechs Kindern
des Amtsrentmeisters zu
Wittmund Ernst Georg Klingenberg (1797–1869) und
dessen Ehefrau Margarete,
geb. Richter, aus Osnabrück.
Ludwig Klingenberg besuchte zunächst die Volksschule
in Wittmund und danach das
Gymnasium in Jever. 1856 begann er eine Maurerlehre und
anschließend eine Ausbildung in dem Architekturbüro
seines älteren Bruders Ernst
Klingenberg in Bremen.
1859 begann sein Studium
an der Bauakademie in München. Anfang der 1860er Jahre war er Bauführer im Archi-
tekturbüro seines Bruders
und leitete 1862 in dieser
Funktion den Bau der Kirche
in Rotenburg an der Wümme.
Der Architekt Ludwig Klingenberg. BILD: FAMILIE KLINGENBERG
1863 unternahm er ausgedehnte Studienreisen nach
England, Frankreich, Spanien
und Nordamerika. Sein Augenmerk galt dabei insbesondere den verschiedenen Baustilen. In Paris lernte er als
Bauzeichner einige Jahre die
dortigen technischen und
künstlerischen
Bauweisen
kennen. Er soll gesagt haben,
dass nur das, was einmal vom
Auge durch die Finger gelaufen sei, dem inneren Formenschatz angehöre.
Um 1866 war er beim
Staatshochbauamt in Hamburg unter dem Baumeister
Frans-Andreas Meier tätig.
Die aber doch einschränkende Beamtentätigkeit erfüllte
ihn nicht, sodass er diese
1867 beendete. Im gleichen
Jahr machte er sich selbstständig und lebte von 1871
bis 1874 in Wilhelmshaven.
Jetzt begann er seine vielseitige Tätigkeit als Künstler und
Baumeister.
FORTSETZUNG SEITE 2
FORTSETZUNG VON SEITE 1
Berichte, Anzeigen
und Vermischtes aus
dem Archiv des
Anzeiger für Harlingerland
ausgesucht von
Detlef Kiesé
Oktober 1914
Wittmund, 1. Oktober: „Als
erster Wittmunder erhielt Assistenzarzt Adolf Wiechmann
beim Füsilierregiment Nr. 73,
Sohn des Herrn Auktionator
Wiechmann hierselbst, in Anerkennung seiner seitherigen
Tätigkeit das Eiserne Kreuz 2.
Klasse am schwarzweißen
Bande.“
13. Oktober: „Wir erhielten
die traurige Nachricht, daß
unser lieber Sohn und guter
Bruder Adolf Wiechmann in
treuer Pflichterfüllung am 23.
September in einem Nachtgefecht in Frankreich den Heldentod für’s Vaterland gestorben ist.“
Wiesederfehn, 1. Oktober:
„Daß auch unsere Gemeinde
in der Opferwilligkeit für
unsere im Felde stehenden
Brüder nicht zurücksteht, be-
Die Handschrift des Architekten Klingenberg tragen in
Oldenburg auch das im
Volksmund „Rotes Schloss“
genannte Gebäude in der
Roonstraße (oben) sowie
das 100 Meter weiter stehende „Gelbe Schloss“ in
der
Roggemanstraße
unten).
BILDER: ROLF ADERT
standsmitglied der AEG und
der Architekt Walter Klingenberg. Die Familie wohnte
dann ab 1911 in Elmendorf
am Zwischenahner Meer in
einem großzügigen und aufwendigen von Klingenberg
selbst entworfenen Neubau.
Herzog Peter Friedrich
Ludwig von Oldenburg verlieh Klingenberg 1903 ehrenhalber den Titel „Geheimer
Baurat“.
Neben dem Kreishaus in
Wittmund führte Klingenberg
vornehmlich in norddeutschen Städten wie HamburgAltona, Hamburg-Havestehude, Wilhelmshaven, Varel,
Brake, Bremen, Leer, Westerstede, aber auch in Amsterdam, Göttingen, Münster,
Straßburg, Magdeburg, Königsberg und Hannover zahlreiche Bauten in dem ihm
eigenen Stil, der sogenannten
Neorenaissance, aus. Die
Stadt Oldenburg widmete
Klingenberg im Stadtteil Kreyenbrück eine Straße, einen
Platz und einen Weg.
Quellen
Ostfriesische Landschaft
Wikipedia
Familie Swea v. Meden,
Bad Zwischenahn
weist der schöne Ertrag der zu
diesem Zwecke hier veranstalteten Sammlungen. Es
wurden von den Herren Gemeindevorsteher Hagedorn
und Lehrer Wohlers in unserer Gemeinde 616,95 Mark,
von Herrn Hagedorn nach
einem Gottesdienste in der
hiesigen Schule 18,80 Mark
und durch Frau Wohlers wiederum in der Gemeinde
163,65 Mark, insgesamt also
799,40 Mark gesammelt. Von
dieser Summe sind 262,55
Mark für die notleiden Familien unserer Gemeinde zurückbehalten.“
Buttforde, 7. Oktober:
„Bei der gestern hier unter
Vorsitz des Herrn Konsistorialrat Jahns, Wilhelmshaven,
stattgefundene
Pfarrwahl
wurde Herr Pastor Rodenbäck, Forlitz-Blaukirchen, mit
46 von 51 abgegebenen Stimmen zum Seelsorger unserer
Gemeinde gewählt.“
Langeoog, 7. Oktober:
„Die Insel Langeoog wurde im
Jahre 1914 laut Fremdenliste
vom 29. Juli von insgesamt
3224
Personen
besucht,
gegen 5447 Personen im Vorjahre. Unter den Kurgäste
sind nachstehende Nationalitäten festgestellt: Amerika, Afrika, England, China, Holland, Rußland, Frankreich
und Schweiz.“
Reepsholt, 10. Oktober:
„Unsere im Jahre 1859 gegos-
sene große Kirchenglocke
hatte unterhalb der Krone
einen bedenklichen Riß bekommen, wodurch nicht nur
der Klang derselben sehr beeinflußt wurde, sondern weshalb auch nach dem Urteil
eines Sachverständigen das
Läuten wegen der damit verbundenen Gefahr schon seit
längerer Zeit hat eingestellt
werden müssen. Heute ist
dieselbe nun heruntergelassen und wird durch eine neue
Glocke, die von der Firma
Radler & Söhne in Hildesheim
gegossen wurde, ersetzt.“
Buttforde, 22. Oktober:
„Auch hier sind Frauen, Jungfrauen und Mädchen in fleißiger Arbeit, um unseren tap-
BILD: DETLEF KIESÉ
Ludwig Klingenberg hatte
seine Vorliebe für mittelalterliche Stilelemente, die er auf
seinen Reisen vornehmlich in
Paris durch die Lehren von
Eugène
Viollet-le-Duc
(1814–1879) für sich entdeckt
hatte. Sie werden bei seinen
Ziegelbauten individuell und
ausdrucksvoll deutlich und
gaben seinen Werken seine
persönliche Note. Er verwendete Backsteine, Sandsteine,
glasierte Mauersteine und ornamentales Beiwerk, um seine eigenen Stil zu kreieren.
Aber es blieb nicht dabei.
Umtriebig wie er war, eröffnete er im gleichen Jahr mit
seinem Partner Hugo Weber
in Bremen ein zweites Büro.
Daneben besaß er in Jeringshave eine eigene Ziegelei und
in Wilhelmshaven einen Baustoffhandel. 1903 zog er in Oldenburg in das von ihm erbaute Haus Bismarckstraße
12, welches auch im Volksmund als das „Rote Schloss“
bezeichnet wurde.
Klingenberg war seit 1869
verheiratet, aus der Ehe stammen sieben Kinder – zwei
Töchter und fünf Söhne. Darunter waren der Ingenieur
Georg
Klingenberg,
Vor-
fern Kriegfern warme Unterkleider zu verschaffen. Im
Frauen-Verein sind schon für
ca. 200 Mark Wollsachen verarbeitet und zum Teil dem
Roten Kreuz zur Verfügung
gestellt.“
Esens, 26. Oktober: „Die
Eröffnung der landwirtschaftlichen Winterschule in Esens
wurde in der Kreisausschusssitzung am 22. des Monats erörtert. Nach den gegenwärtig
vorliegenden Verhältnissen
kann die Eröffnung erst für
den 1. Oktober 1915 in Aussicht genommen werden.“
Werdum, 29. Oktober:
„Der Gesangverein ,Frohsinn‘
überwies dem Roten Kreuz
100 Mark.“
Erste Kirchenordnung von 1574
ERLASS
Graf Erich von Hoya ordnete kirchliche Vorgänge im Harlingerland
„Kirchen Ordnung
der Graff- und
Herrschafften“ ist
noch acht Jahre älter
als bisher angenommen.
VON RAINER HINRICHS
HARLINGERLAND – Es ist bekannt,
dass das Harlingerland als eine
der kleinsten staatlichen Einheiten im Heiligen Römischen
Reich deutscher Nation in den
1530er Jahren die neue evangelische Religion lutherischer Facon einführte. Entgegen den
Vorgängen im benachbarten
Ostfriesland gab es hier kaum
Gegenströmungen der reformierten Facon, wie sie insbesondere in den der Niederlande benachbarten Gebiete Ostfrieslands noch weit bis nach
1600 üblich waren und klare
Regelungen dort zunächst
nicht möglich machten.
Für das Harlingerland stellte
sich nach den turbulenten Jahren unter Balthasar von Esens
(1500–1540), die auch eine kurze katholische Periode unter
dem Geldrischen Beamten Berend von Hackfort beinhaltete,
nach 1540 trotz Herrschaftswechsel hin zu den Rietbergern und später denen von
Hoya eine gewisse politische
Ruhe ein, die Anlass gab, auch
die kirchlichen Angelegenheiten unter der neuen Religion
zu ordnen.
Diese Gelegenheit nahm
1573 Graf Erich V. von Hoya
(um 1530–1575) wahr, der mit
Armgard von Rietberg (um
1540–1584) verheiratet war, die
gemeinsam mit ihrer Schwester Walpurgis Herrinnen über
das Harlingerland waren. Nach
dessen Tod übernahm sein
Bruder
Otto
VIII.
(um
1530–1582), der mit Armgards
Mutter Agnes verheiratet war,
die Herrlichkeit Harlingerland
und erließ 1581 das bekannte
Konkordienbuch, das bis heute
als älteste Kirchenordnung des
Harlingerlandes galt.
In der evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts, herausgegeben 1846
von Dr. Aemilius Ludwig Richter im 2. Band unter Buchstabe
CXLIII. ab Seite 353, ist diese
Kirchenordnung im Wortlaut
abgedruckt, die nachfolgend
als Zitat wiedergegeben wird:
Kirchen Ordnung der Graffund Herrschafften Hoya, Rittpergh, Bruchausen, Esenß, Stedeßdorff
und
Wittmundt
1573/74.
Vorbemerkung des Bearbeiters:
Das vorausgehende Mandat
des Grafen Erich vom 1. Februar 1573 meldet, daß der Vater
des letzteren, Graf Jost, bereits
früher eine Kirchen Ordnung
für Hoya und Bruchhausen erlassen habe. Diese wird als die
Grundlage der folgenden (ungedruckten) Kirchenordnung
bezeichnet, welche wiederum
zum größten Theile in die Kirchen Ordnung des Grafen Otto
vom Jahr 1581 übergegangen
ist. Über die Hoyasche Kirchen
Ordnung …
Der Erste Articuli.
Von den Pastoren und Predigern.
„St. Paulus lehret, was ein
Bischoff, Pastor undt Prediger,
vor eine Persohn sein solle, dar
he spricht: Ein Bischoff soll unsträfflich sein, 1. Tim., 3. Tit.
Darumb wollen Wir keinen
Horer, Ehebrecher, Drunkenbolten, Wokener, Floch- undt
Schande Mauler oder sonsten
Beruchtigen undt Kröger, zum
praedicanten leiten.“
Der Zweite Articuli.
Von der Examination derer
so sich zum Predig Ampte begeben wollen.
Sectio I. Alle sollen „dorch
den Superintendenten neben
andern zween oder dreyen adjuncten pastoren, öffendtlich
in der Kirchen zuuorn, ehe sie
zum Predig Ampte zue lassen,
examiniret werden, Undt soll
nit alleine der Superintendenß
sondern de andern Pastoren,
auch ohne alle affectiones, nit
scrupolosas quaestiones de nit
zu der sachen dienstlich, Sondern de zu den Haupt Articulin
unserß Christlichen glaubens
gehören, moveren, undt darauff das examen richten, Jedoch solches mit übermeßigen, domitt Sie die examinanten confundiren oder abschrecken.“
Sectio II. „Wir wollen auch
hinuorder die Pristerweihung
oder Ordenunge in unser Kirche alsobalde, nach der examination in den Hauptpfarrkirchen Newenburch, Rittperg
oder Esenß vor offendtlicher
Gemeindte zugeschehen, Immaßen solcheß in der Christlichen Universität zur Wittenberg gebreuchlich und gehalten wird.“
Sectio III. „Idt sollen auch
unsere Beambten und Befehlhabere, neben Christlichen Underthanen sembtlich und besonders
uff allerley, beede Lehr Ceremonien und Leuent der Pastorn fleißige Achtung geben.“
Sectio IV. „Die Pastoren und
Kösters, sollen sich auch bey
ergerlicher undt gemeinen Zechen, noch in offenbahren
Krogen nit finden laßen, Es
wehre dan in Brautheurs, Kindelbehre, oder anderen Christlichen Gastebohden …, undt
sich also halten undt schicken,
damith Sie Jedermenniglich
gueth exempel geben.“
Sectio V. Die Pastoren sollen
„De Gemeinte … mit der reinen heilsahmen Lehre der
göttlichen hilligen Biblischen,
Prophetischen undt Apostolischen Lehre und Schrifft, dorauff de Kirche Christe ihre
grundtfeste bawen soll, getrwlich und fleisigh weiden.“
Sectio VI. Es soll „sich niemantß lange von seinem bewohlen Kaspell, es sey ein oder
mehr nachte, ohne nöttige
uhrsache begeben“, er habe
denn „von unsern verordneten
Superintendenten Erlaubniß
genommen, undt seinen nechsten Nachbahrpastoren auff
seine beuohlene Schaffe Achtung zue haben, in seinem Abwesen, bestellet.“
Sectio VII. „..Nach Tödtlichem abgangk der Pastoren
(sollen) unsere Superintendenten Unß oder unseren Beambten das anmelden, damith pillige Verordnung gemachet werde, endtweder durch de nechstanwohnenden Pastoren, oder
sonsten, so man einen andern
dener haben magh, dasselbe
Pastorat zu respicieren.“
Sectio VIII. Es soll „allein
eine stunde gepredigt werden,
welche Maße (die Pastoren)
auch auff de bestimbte Zeitt
wanneer Sie de Haupt Articul
unserß Christlichen glaubenß
der Jungen Jogent fürtragen,
und exponiren, halten, und de
Predige, allezeidt mith dem
Gebede zu Gott, wie gebreuchlich, beschließen sollen.“
Sectio IX. „Endlich … gepieten wir, dass … unnöhdig
scheldendt, sonderlich gegen
de Abwesende, hinforder nachbleiben solle.“
Der Dritte Articuli.
Von Büchern, den Pastoren
zu schaffen.
Die Kirchenvorsteher und
Gemeinden sollen mit Gutachten der Superintendenten behülflich sein, wenn die Pastoren die Bibel Luthers und andre zugelassene Bücher anzuschaffen unvermögend wären.
„Und damith die Pfarrherren
desto fleisiger studiren, undt
mith (nit) dem Ackerwercke, so
viell mehr, alß dem studio undt
Irer vocation anhangen. Sollen
alle und ein Jeder der Pfarrherren verpflichtet sein, so offte
undt wanner wir der einen auff
unsern Befehlich fördern lassen, da? Sie alßden in fürgemelten unsern Hauptpfarrkirchen geschickt sein, vor unß
selbst, oder de mir darzu verordnen, einen Sermon und
Predig zu thun.“
Der Vierte Articuli.
Von den Gevattern bey der
Tauffe.
Sectio I. „... Vermöge unserß
publicirten Mandats in Anno
1572 sollen nit mehr zur Vatterschafft alß drey persohnen zugelassen werden .., Wie wir
auch nit wollen daß die Tauffe
der zarten kleinen Kinder, gefehrlich lange eingestellet werden solle.“
Sectio II. „Zum Andern sollen die Pastoren zue solchen
Gotteßdienste der Tauffe, niemandtß zu lassen, Idt sy dan,
daß er von allen lasteren undt
ergerlichen stücken frey undt
unberüchtiget sey.“
Sectio III. „Zum dritten soll
Niemandt zur Vatterschafft gestattet werden, so nit binnen
zween Jahren daß Hochwürdige Sakrament empfangen
hatt.“
Sectio IV. „Die Gefattern bey
der Tauffe sollen nit unmündige Kinder sein ...“
Sectio V. „Wir Ordnen
auch, daß hinferner die Pastorn keine Kinder tauffen, doran Sie einen Argwohn hetten
undt Vatter und Mutter im
Ehestande nit kenten, undt
solche furnehmlich dorumb
von wegen der Kinder, die
außerhalb der echtenschafft,
oder sonsten verpottenermaßen gebohren undt gezeugt.
Dan sothane KInder sollen uff
ansuchen der weiber, ohne
weiter nachfragendt ad coercendam vagas libidenes nit
getauffet werden, Sondern
soll der Vatter darumb die
Pastoren selbst ersuchen, Eß
wehre den der genendte Vatter todt,oder binnen landsß
nit verhanden.“
Sectio VI. Verbot des übermäßigen Aufwandes bei den
Taufen
Der Fünfte Articuli.
Von Gebuhrt der Kinder.
Sectio I. Verbot der Taufe
noch nicht ganz geborner Kinder, nach der Braunschweigischen KO Nr. XXIV. Die Nothtaufe soll dem Pastor angezeigt
werden, damit der Exorcismus
nicht wiederholt werde. (Vergleiche
die
angeführte
Braunschw. KO).
FORTSETZUNG SEITE 4
FORTSETZUNG VON SEITE 1
Berichte, Anzeigen
und Vermischtes aus
dem Archiv des
Anzeiger für Harlingerland
ausgesucht von
Detlef Kiesé
Oktober 1914
Wittmund, 1. Oktober: „Als
erster Wittmunder erhielt Assistenzarzt Adolf Wiechmann
beim Füsilierregiment Nr. 73,
Sohn des Herrn Auktionator
Wiechmann hierselbst, in Anerkennung seiner seitherigen
Tätigkeit das Eiserne Kreuz 2.
Klasse am schwarzweißen
Bande.“
13. Oktober: „Wir erhielten
die traurige Nachricht, daß
unser lieber Sohn und guter
Bruder Adolf Wiechmann in
treuer Pflichterfüllung am 23.
September in einem Nachtgefecht in Frankreich den Heldentod für’s Vaterland gestorben ist.“
Wiesederfehn, 1. Oktober:
„Daß auch unsere Gemeinde
in der Opferwilligkeit für
unsere im Felde stehenden
Brüder nicht zurücksteht, be-
Die Handschrift des Architekten Klingenberg tragen in
Oldenburg auch das im
Volksmund „Rotes Schloss“
genannte Gebäude in der
Roonstraße (oben) sowie
das 100 Meter weiter stehende „Gelbe Schloss“ in
der
Roggemanstraße
unten).
BILDER: ROLF ADERT
standsmitglied der AEG und
der Architekt Walter Klingenberg. Die Familie wohnte
dann ab 1911 in Elmendorf
am Zwischenahner Meer in
einem großzügigen und aufwendigen von Klingenberg
selbst entworfenen Neubau.
Herzog Peter Friedrich
Ludwig von Oldenburg verlieh Klingenberg 1903 ehrenhalber den Titel „Geheimer
Baurat“.
Neben dem Kreishaus in
Wittmund führte Klingenberg
vornehmlich in norddeutschen Städten wie HamburgAltona, Hamburg-Havestehude, Wilhelmshaven, Varel,
Brake, Bremen, Leer, Westerstede, aber auch in Amsterdam, Göttingen, Münster,
Straßburg, Magdeburg, Königsberg und Hannover zahlreiche Bauten in dem ihm
eigenen Stil, der sogenannten
Neorenaissance, aus. Die
Stadt Oldenburg widmete
Klingenberg im Stadtteil Kreyenbrück eine Straße, einen
Platz und einen Weg.
Quellen
Ostfriesische Landschaft
Wikipedia
Familie Swea v. Meden,
Bad Zwischenahn
weist der schöne Ertrag der zu
diesem Zwecke hier veranstalteten Sammlungen. Es
wurden von den Herren Gemeindevorsteher Hagedorn
und Lehrer Wohlers in unserer Gemeinde 616,95 Mark,
von Herrn Hagedorn nach
einem Gottesdienste in der
hiesigen Schule 18,80 Mark
und durch Frau Wohlers wiederum in der Gemeinde
163,65 Mark, insgesamt also
799,40 Mark gesammelt. Von
dieser Summe sind 262,55
Mark für die notleiden Familien unserer Gemeinde zurückbehalten.“
Buttforde, 7. Oktober:
„Bei der gestern hier unter
Vorsitz des Herrn Konsistorialrat Jahns, Wilhelmshaven,
stattgefundene
Pfarrwahl
wurde Herr Pastor Rodenbäck, Forlitz-Blaukirchen, mit
46 von 51 abgegebenen Stimmen zum Seelsorger unserer
Gemeinde gewählt.“
Langeoog, 7. Oktober:
„Die Insel Langeoog wurde im
Jahre 1914 laut Fremdenliste
vom 29. Juli von insgesamt
3224
Personen
besucht,
gegen 5447 Personen im Vorjahre. Unter den Kurgäste
sind nachstehende Nationalitäten festgestellt: Amerika, Afrika, England, China, Holland, Rußland, Frankreich
und Schweiz.“
Reepsholt, 10. Oktober:
„Unsere im Jahre 1859 gegos-
sene große Kirchenglocke
hatte unterhalb der Krone
einen bedenklichen Riß bekommen, wodurch nicht nur
der Klang derselben sehr beeinflußt wurde, sondern weshalb auch nach dem Urteil
eines Sachverständigen das
Läuten wegen der damit verbundenen Gefahr schon seit
längerer Zeit hat eingestellt
werden müssen. Heute ist
dieselbe nun heruntergelassen und wird durch eine neue
Glocke, die von der Firma
Radler & Söhne in Hildesheim
gegossen wurde, ersetzt.“
Buttforde, 22. Oktober:
„Auch hier sind Frauen, Jungfrauen und Mädchen in fleißiger Arbeit, um unseren tap-
BILD: DETLEF KIESÉ
Ludwig Klingenberg hatte
seine Vorliebe für mittelalterliche Stilelemente, die er auf
seinen Reisen vornehmlich in
Paris durch die Lehren von
Eugène
Viollet-le-Duc
(1814–1879) für sich entdeckt
hatte. Sie werden bei seinen
Ziegelbauten individuell und
ausdrucksvoll deutlich und
gaben seinen Werken seine
persönliche Note. Er verwendete Backsteine, Sandsteine,
glasierte Mauersteine und ornamentales Beiwerk, um seine eigenen Stil zu kreieren.
Aber es blieb nicht dabei.
Umtriebig wie er war, eröffnete er im gleichen Jahr mit
seinem Partner Hugo Weber
in Bremen ein zweites Büro.
Daneben besaß er in Jeringshave eine eigene Ziegelei und
in Wilhelmshaven einen Baustoffhandel. 1903 zog er in Oldenburg in das von ihm erbaute Haus Bismarckstraße
12, welches auch im Volksmund als das „Rote Schloss“
bezeichnet wurde.
Klingenberg war seit 1869
verheiratet, aus der Ehe stammen sieben Kinder – zwei
Töchter und fünf Söhne. Darunter waren der Ingenieur
Georg
Klingenberg,
Vor-
fern Kriegfern warme Unterkleider zu verschaffen. Im
Frauen-Verein sind schon für
ca. 200 Mark Wollsachen verarbeitet und zum Teil dem
Roten Kreuz zur Verfügung
gestellt.“
Esens, 26. Oktober: „Die
Eröffnung der landwirtschaftlichen Winterschule in Esens
wurde in der Kreisausschusssitzung am 22. des Monats erörtert. Nach den gegenwärtig
vorliegenden Verhältnissen
kann die Eröffnung erst für
den 1. Oktober 1915 in Aussicht genommen werden.“
Werdum, 29. Oktober:
„Der Gesangverein ,Frohsinn‘
überwies dem Roten Kreuz
100 Mark.“
Erste Kirchenordnung von 1574
ERLASS
Graf Erich von Hoya ordnete kirchliche Vorgänge im Harlingerland
„Kirchen Ordnung
der Graff- und
Herrschafften“ ist
noch acht Jahre älter
als bisher angenommen.
VON RAINER HINRICHS
HARLINGERLAND – Es ist bekannt,
dass das Harlingerland als eine
der kleinsten staatlichen Einheiten im Heiligen Römischen
Reich deutscher Nation in den
1530er Jahren die neue evangelische Religion lutherischer Facon einführte. Entgegen den
Vorgängen im benachbarten
Ostfriesland gab es hier kaum
Gegenströmungen der reformierten Facon, wie sie insbesondere in den der Niederlande benachbarten Gebiete Ostfrieslands noch weit bis nach
1600 üblich waren und klare
Regelungen dort zunächst
nicht möglich machten.
Für das Harlingerland stellte
sich nach den turbulenten Jahren unter Balthasar von Esens
(1500–1540), die auch eine kurze katholische Periode unter
dem Geldrischen Beamten Berend von Hackfort beinhaltete,
nach 1540 trotz Herrschaftswechsel hin zu den Rietbergern und später denen von
Hoya eine gewisse politische
Ruhe ein, die Anlass gab, auch
die kirchlichen Angelegenheiten unter der neuen Religion
zu ordnen.
Diese Gelegenheit nahm
1573 Graf Erich V. von Hoya
(um 1530–1575) wahr, der mit
Armgard von Rietberg (um
1540–1584) verheiratet war, die
gemeinsam mit ihrer Schwester Walpurgis Herrinnen über
das Harlingerland waren. Nach
dessen Tod übernahm sein
Bruder
Otto
VIII.
(um
1530–1582), der mit Armgards
Mutter Agnes verheiratet war,
die Herrlichkeit Harlingerland
und erließ 1581 das bekannte
Konkordienbuch, das bis heute
als älteste Kirchenordnung des
Harlingerlandes galt.
In der evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts, herausgegeben 1846
von Dr. Aemilius Ludwig Richter im 2. Band unter Buchstabe
CXLIII. ab Seite 353, ist diese
Kirchenordnung im Wortlaut
abgedruckt, die nachfolgend
als Zitat wiedergegeben wird:
Kirchen Ordnung der Graffund Herrschafften Hoya, Rittpergh, Bruchausen, Esenß, Stedeßdorff
und
Wittmundt
1573/74.
Vorbemerkung des Bearbeiters:
Das vorausgehende Mandat
des Grafen Erich vom 1. Februar 1573 meldet, daß der Vater
des letzteren, Graf Jost, bereits
früher eine Kirchen Ordnung
für Hoya und Bruchhausen erlassen habe. Diese wird als die
Grundlage der folgenden (ungedruckten) Kirchenordnung
bezeichnet, welche wiederum
zum größten Theile in die Kirchen Ordnung des Grafen Otto
vom Jahr 1581 übergegangen
ist. Über die Hoyasche Kirchen
Ordnung …
Der Erste Articuli.
Von den Pastoren und Predigern.
„St. Paulus lehret, was ein
Bischoff, Pastor undt Prediger,
vor eine Persohn sein solle, dar
he spricht: Ein Bischoff soll unsträfflich sein, 1. Tim., 3. Tit.
Darumb wollen Wir keinen
Horer, Ehebrecher, Drunkenbolten, Wokener, Floch- undt
Schande Mauler oder sonsten
Beruchtigen undt Kröger, zum
praedicanten leiten.“
Der Zweite Articuli.
Von der Examination derer
so sich zum Predig Ampte begeben wollen.
Sectio I. Alle sollen „dorch
den Superintendenten neben
andern zween oder dreyen adjuncten pastoren, öffendtlich
in der Kirchen zuuorn, ehe sie
zum Predig Ampte zue lassen,
examiniret werden, Undt soll
nit alleine der Superintendenß
sondern de andern Pastoren,
auch ohne alle affectiones, nit
scrupolosas quaestiones de nit
zu der sachen dienstlich, Sondern de zu den Haupt Articulin
unserß Christlichen glaubens
gehören, moveren, undt darauff das examen richten, Jedoch solches mit übermeßigen, domitt Sie die examinanten confundiren oder abschrecken.“
Sectio II. „Wir wollen auch
hinuorder die Pristerweihung
oder Ordenunge in unser Kirche alsobalde, nach der examination in den Hauptpfarrkirchen Newenburch, Rittperg
oder Esenß vor offendtlicher
Gemeindte zugeschehen, Immaßen solcheß in der Christlichen Universität zur Wittenberg gebreuchlich und gehalten wird.“
Sectio III. „Idt sollen auch
unsere Beambten und Befehlhabere, neben Christlichen Underthanen sembtlich und besonders
uff allerley, beede Lehr Ceremonien und Leuent der Pastorn fleißige Achtung geben.“
Sectio IV. „Die Pastoren und
Kösters, sollen sich auch bey
ergerlicher undt gemeinen Zechen, noch in offenbahren
Krogen nit finden laßen, Es
wehre dan in Brautheurs, Kindelbehre, oder anderen Christlichen Gastebohden …, undt
sich also halten undt schicken,
damith Sie Jedermenniglich
gueth exempel geben.“
Sectio V. Die Pastoren sollen
„De Gemeinte … mit der reinen heilsahmen Lehre der
göttlichen hilligen Biblischen,
Prophetischen undt Apostolischen Lehre und Schrifft, dorauff de Kirche Christe ihre
grundtfeste bawen soll, getrwlich und fleisigh weiden.“
Sectio VI. Es soll „sich niemantß lange von seinem bewohlen Kaspell, es sey ein oder
mehr nachte, ohne nöttige
uhrsache begeben“, er habe
denn „von unsern verordneten
Superintendenten Erlaubniß
genommen, undt seinen nechsten Nachbahrpastoren auff
seine beuohlene Schaffe Achtung zue haben, in seinem Abwesen, bestellet.“
Sectio VII. „..Nach Tödtlichem abgangk der Pastoren
(sollen) unsere Superintendenten Unß oder unseren Beambten das anmelden, damith pillige Verordnung gemachet werde, endtweder durch de nechstanwohnenden Pastoren, oder
sonsten, so man einen andern
dener haben magh, dasselbe
Pastorat zu respicieren.“
Sectio VIII. Es soll „allein
eine stunde gepredigt werden,
welche Maße (die Pastoren)
auch auff de bestimbte Zeitt
wanneer Sie de Haupt Articul
unserß Christlichen glaubenß
der Jungen Jogent fürtragen,
und exponiren, halten, und de
Predige, allezeidt mith dem
Gebede zu Gott, wie gebreuchlich, beschließen sollen.“
Sectio IX. „Endlich … gepieten wir, dass … unnöhdig
scheldendt, sonderlich gegen
de Abwesende, hinforder nachbleiben solle.“
Der Dritte Articuli.
Von Büchern, den Pastoren
zu schaffen.
Die Kirchenvorsteher und
Gemeinden sollen mit Gutachten der Superintendenten behülflich sein, wenn die Pastoren die Bibel Luthers und andre zugelassene Bücher anzuschaffen unvermögend wären.
„Und damith die Pfarrherren
desto fleisiger studiren, undt
mith (nit) dem Ackerwercke, so
viell mehr, alß dem studio undt
Irer vocation anhangen. Sollen
alle und ein Jeder der Pfarrherren verpflichtet sein, so offte
undt wanner wir der einen auff
unsern Befehlich fördern lassen, da? Sie alßden in fürgemelten unsern Hauptpfarrkirchen geschickt sein, vor unß
selbst, oder de mir darzu verordnen, einen Sermon und
Predig zu thun.“
Der Vierte Articuli.
Von den Gevattern bey der
Tauffe.
Sectio I. „... Vermöge unserß
publicirten Mandats in Anno
1572 sollen nit mehr zur Vatterschafft alß drey persohnen zugelassen werden .., Wie wir
auch nit wollen daß die Tauffe
der zarten kleinen Kinder, gefehrlich lange eingestellet werden solle.“
Sectio II. „Zum Andern sollen die Pastoren zue solchen
Gotteßdienste der Tauffe, niemandtß zu lassen, Idt sy dan,
daß er von allen lasteren undt
ergerlichen stücken frey undt
unberüchtiget sey.“
Sectio III. „Zum dritten soll
Niemandt zur Vatterschafft gestattet werden, so nit binnen
zween Jahren daß Hochwürdige Sakrament empfangen
hatt.“
Sectio IV. „Die Gefattern bey
der Tauffe sollen nit unmündige Kinder sein ...“
Sectio V. „Wir Ordnen
auch, daß hinferner die Pastorn keine Kinder tauffen, doran Sie einen Argwohn hetten
undt Vatter und Mutter im
Ehestande nit kenten, undt
solche furnehmlich dorumb
von wegen der Kinder, die
außerhalb der echtenschafft,
oder sonsten verpottenermaßen gebohren undt gezeugt.
Dan sothane KInder sollen uff
ansuchen der weiber, ohne
weiter nachfragendt ad coercendam vagas libidenes nit
getauffet werden, Sondern
soll der Vatter darumb die
Pastoren selbst ersuchen, Eß
wehre den der genendte Vatter todt,oder binnen landsß
nit verhanden.“
Sectio VI. Verbot des übermäßigen Aufwandes bei den
Taufen
Der Fünfte Articuli.
Von Gebuhrt der Kinder.
Sectio I. Verbot der Taufe
noch nicht ganz geborner Kinder, nach der Braunschweigischen KO Nr. XXIV. Die Nothtaufe soll dem Pastor angezeigt
werden, damit der Exorcismus
nicht wiederholt werde. (Vergleiche
die
angeführte
Braunschw. KO).
FORTSETZUNG SEITE 4
FORTSETZUNG VON SEITE 3
Sectio II. „Mit den Kindern
in nöhten getaufft, Soll man idt
also halten, daß die Gevattern ,
so gebehten, dasselbe zu der
Tauffe tragen, undt von dem
Kirchen Diener der glaube gesprochen, das Vatter unser gebetet, undt das Evangelium
Marci , wo gewönlich soll geleset werden, Dornach frage er,
wie daß Kindt soll genömpt
werden, Setze Ihme den Rahmen an undt spreche, R. De
Allmechtige Gott. Jedoch sollen die Pastoren zufoderst vor
solchen anfangk fleisig die Gevattern underfragen, ob auch
das Kindt nottaufft.“
Sectio III. „Unsere Pastoren,
sollen auch nit den Kinderbettschen, ohne hochwichtige
anliggende Noht auß Ihrer behausunge, ehr bis Sechß Wochen beendiget, sich zu begeben, erlauben ... Undt verwerffen hiemitt die introduction,
oder Inwiedent der weiber, alß
im Bapstthumb gebreuchlich.“
Sectio IV. „Wie erfahren
auch, daß etliche Gottvergessene Weiber, Kinder so memlich gebohrn, undt darin das
Lebend nit kan gespühret werden, tauffen sollen. Sothan
Gottloß undt unbedachtlich
fürnehmen wollen wir ernstlich verbotten haben.“
Sectio V. Androhung schwerer Strafe gegen diejenigen,
welche schwangere Weiber erschrocken und dadurch den
Tod des Fötus veranlassen.
Der Sechste Articuli
Vom Abendtmahl und was
vor Persohnen dazu zuzulassen.
Sectio I. „Idt sollen keine
persohnen zum Abendmahl
Christi zugelassen werden, die
sein den zuvorn von öhrem
Pastor vom rechten Verstande,
nutze und troste deß heiligen
Abendmalls underrichtet, und
ein Jeder insonderheidt alleine
und nit in genere, wie etlcihe
mahl geschickt, auch ohne
Beichgeldeß Verehrungh verhöret, undt durch die Krafft
deß hl. Evangelij absolviret
worden.“
Sectio II. „Zum andern sollen keine persohnen zum
Abendtmahl Christi gestattet
werden, so die fünff Stücke des
Cathechismi nit wißen zu erzehlen, undt sollen die Pastores fleiß thun, daß sie die stucke recht verstehen. Solchß
aber mit getrewen fleiß ins
werck zu richten, ordnen wir
und wollen daß alle Sontage
das ganze jahr durchaus undt
alle nachfolgende jahr ohne
aufhörent, bey Sommerzeiten
nachmittage die Pastoren in
unser Graff- undt herrschafft
den hl. Catechismus nit alleine
predigen undt leren, sondern
auch offendtlich vom Cantzel
selbst, oder de Schull Meisterß
de Jungen Jögendt dorselbst
scholen gehalten werden, dorinnen examiniren und öffenen, welcheß examen nit ober
eine Viertelstunde getrieben
werden soll; Dornach aber
mith außlegungh des cathechismi diselbe stunde absolviren, den Pastorn aber auffm
Lande soll der Cathechismus,
in den winterlichen Tagen uff
den freytag zue predigen erlaubt sein, zu welcher predigt
allezeidt, alß die hauptlehre
unsers Christlichen Glaubenß,
sollen die Haußwihrte Ihre
Kindere Knechte und Mayde
schicken, undt dieselben dorzue mith fleisse anhalten, auch
Ihr gesinde mith keiner arbeiht in mittlerer zeidt bemüßigen …, Undt wo die hausswihrte oder haussmutters
hierkegen anders thun, undt
daß gesinde ungehorsamß erscheinen wurde, wollen wir
auff anzeige der Pastorn gegen
dieselben muthwilligen mitt
scherffe der straffe … procederen und fortfahren.“
Sectio III. „Zum Dritten sollen zu disem Abendmahl deß
Herrn Christi, Keine persohnen, so offendtlich in sünden
undt lastern kegen daß gesetze
deß Herrn und wieder die
Evangelischen bekentnisse leben undt beharren, gelassen
werden.“
Der Siebende Articuli.
Von dem Schändlichen Laster des Flöckenß.
Der Achte Articuli.
Von Wicker-, Zauber- und
Boserie.
Der Neundte Articuli.
Von Wucherlichem Handel.
Der Zehnte Articuli.
Wo sich die Pastoren kegen
die Rottengeister halten sollen.
Allgemeine Verordnung an
die Pastoren zur Wachsamkeit
gegen
Sacramentschänder,
Wiedertäufer und Sectenmacher, welche des Landes verwiesen werden sollen.
Der Elffte Articuli.
Von den Festen.
Sectio I. Von den Vierzeiten.
Weihnachten, Paschen, Pfingsten sollen mit den beiden folgenden Tagen gefeiert werden.
Als letzte und vierte „Hochfesttagzeit“ gilt Michaelis, an
welchem Tage die Kirchspielleute dem Pastor ihre „opffer,
gebührlichen pflicht undt
Landtheur“ darbringen sollen.
Das Fest Mariä Himmelfahrt
ist als ein unchristliches abgeschafft.
Sectio II. Von den fürnembsten Festtagen. Diese
sind Neujahr, Hl. 3 Könige,
Lichtmesse,
Verkündigung
Mariä (welches auf Donnerstag nach Judica verlegt werden
soll, wenn es in die Charwoche
fällt), Himmelfahrt, Johannis
der Täufer, Mariä Berggang.
Sectio III. Von den Apostel-
tagen. Andreas, Thomas, Conv.
Pauli, Matthias, Philipp et Jacob, Petri et Pauli, Magdalena,
Jacobi, Barthol., Decoli, Joa.
Bapt., Matthaeus, Simon et
Jud.. Omn. Sancti werden als
halbe Festtage mit Einstellung
der Vormittagsarbeit gefeiert.
An dem letzten Tage sollen die
Pastoren zur Erinnerung an
die große Wassersnoth vom
Jahr 1570 zur Buße und Besserung ermahnen.
Sectio IV: Verbot des Betreibens weltlicher Händel an
Sonntagen.
Sectio V. Es ist nicht zu dulden, wenn etliche Unterhanen
während des Sermons auf die
Kirchhöfe gehen, und andere
Leute aus der Kirche und vom
Gottesdienste abfordern lassen. Die Pastoren sollen, um
den Missbräuchen zu wehren,
das Volk von der Solennität
und Herrlichkeit der Festtage
fleißig unterrichten. Der Mißbrauch des Osterfeuers soll
gänzlich abgeschafft sein.
Sectio VI. Vom Vastelabendt. Die Feier der Fastnacht
mit
ihren
Mißbräuchen
„Mummen, spelen, dobbelen,
sticken, brecken, Rennen, inßwasserwerffen, bey haußlang
lauffen, zu andern dapffer reiten undt gehen, dantzen undt
Kränze bringen, sich auff Rädern und Böhmen tragen zu
lassen, des Morgens früh Mägede undt Knechte sich untereinander zu besuchen“, ist
gänzlich verboten.
Sectio VII. Meister und
Knechte sollen bei „den Gildebecheren“ mit einem Tage aufhören, auch des Glockenläutens zur Anzeige der Gilde sich
enthalten.
Der Zwölffte Articuli.
Sectio I. Von den Gesängen,
so man in der Kirchen gebrauchen soll.
„Ordnen wir daß die psalmen so von Dr. Luthero selig
gedechtniß gemacht … vor andern am meisten sollen gesungen und gebrauchet werden.
Jedoch wollen wir hiemith die
löbliche Gesenge latein oder
teutsch, auff den hohen Festtagen bestimpt, undt in dem
Göttlichen worte fundiret, nit
verworffen haben, undt vor
der Communion worte fundiret, nit verworffen haben, und
vor der Communion Ordnen
wir zu singende, daß Sanctas
latein undt teutsch … undt
daß mitt sonderlicher andacht, durch drey Knaben niedergekniet, daß Benedictas
undt in dem Symbolo Athanasii: Et homo factus est gesungen werden soll, alsden solcheß bißdaher gebreuchlich
gewesen. Unter der Communion wollen wir zue singende, Jesus Christus unser Heylandt –
Gott sey gelobet undt gebenedeyet – Lamb Gottes – Heilig
ist Gott der Vatter – Im Chor
und nobben in der Kirchen,
undt sollen die Pastoren die
Kaspelsleute ermahnen, daß
Sie mith singen, Gott loben,
preisen, ehren undt dancken
helffen, Auch den Scholemeistern undt Kostern befehlen,
daß Sie ohne fürwissen der
Pastorn ihres gefallenß die
psalme mitsingen, dazue noch
das Kaspelsvolck nit gewehnet,
noch sonsten, die so weltlicher
lieder, gleich welche haben,
Doran sich der gemeine Man
ergern möchte, Eß sollen auch
alle und jeder Pastoren in
ihren befohlen Kaspellen, gleiche Ceremonien halten, undt
dessen allezeiht mith unsern
Hauptkirchen durchaus einig
sein, Unndt wollen, daß unsere Superintendenten dorauff
Achtung geben sollen.“
Sectio II. „In unsern Städten
undt Flecken, daselbst die
frohpredigt gehalten wirdt,
wollen wir, daß geistliche Psalter vor Anfangk der Predigt
Auch das Te Deum laudamus,
oder das Benedictus, Latein
oder Teutsch, In Nachmittagspredigten aber, neben andern
Psallmen Davidts, auch das
herliche Magnificat gesungen
werde.“
Sectio III. „Wir wollen hiemith die Vesper zue singen,
auff Abendt der hogen Festtage, undt Sonnabendt, doselbst
es gebreuchlich zu lassen …
befohlen haben.“ Dann die Bestimmung, daß die Organisten
fleißig ihres Dienstes wahrnehmen, und nicht weltliche
Lieder schlagen sollen. In
Städten und Flecken soll Mittwochs und Freitags, auf den
Dörfern nur am letzteren Tage
Predigt gehalten, und vor der
Freitagspredigt die Litamel gesungen, in der Erndtezeit aber
von dieser Vorschrift dispensirt werden. Während der Fasten haben die Pastoren von der
Passion zu predigen. Alle Unterthanen sollen bei Strafe
während dieser Wochenpredigten der Arbeit und des Zechens sich enthalten, und darauf halten, daß aus jedem
Hause wenigstens eine Person
dieselben besuche.
FORTSETZUNG
IN DER NÄCHSTEN
FRIESISCHEN HEIMAT
Verantwortlich für diese Beilage:
Redakteur Detlef Kiesé
Telefon 0 44 62 / 9 89-1 83
Manuskripte senden Sie an:
Redaktion Friesische Heimat,
Am Markt 18,
26409 Wittmund
oder per E-Mail:
heimat@harlinger.de
16. Beilage
ANZEIGER FÜR HARLINGERLAND
18. Oktober 2014
Vorliebe für mittelalterliche Stile
ARCHITEKT
Der Wittmunder Ludwig Klingenberg hat das Kreishaus geplant
Geschichtskreis setzt
sich für Tafel und
Platzbenennung ein,
die an den erfolgreichen
Ingenieur erinnern soll.
VON ROLF ADERT
WITTMUND – Der Geschichts-
kreis des Heimatvereins Wittmund beschäftigt sich mit
der Vergangenheit seiner
Stadt und stößt dabei auf Namen, die es Wert sind, nicht
in Vergessenheit zu geraten.
Der Name Ludwig Klingenberg gehört zweifelsohne dazu.
Der Kreis hat deshalb initiiert, dass das Kreishaus mit
einer Gedenktafel mit dem
Hinweis auf den Architekten
des Gebäudes versehen wird
und dass der Platz vor dem
Kreishaus den Namen „Ludwig-Klingenberg-Platz“ bekommt. Der Wittmunder
Stadtrat hat diesem Vorschlag
bereits zugestimmt.
Das Kreishaus, im Volksmund auch Landratsamt genannt, gehört zu den schönsten Gebäude der Kreisstadt.
Zum 1885 gegründeten Kreis
Wittmund gehörten damals
die Städte Wilhelmshaven
und Esens sowie die drei vormaligen Königlichen Hannoverschen Ämter Friedeburg,
Wittmund (Stadtrechte wurden erst 1929 erneuert) und
Esens, zu dem letzteren Amt
gehörten auch die Inseln
Langeoog und Spiekeroog.
Das Königreich Hannover
hatte 1866 aufgehört zu existieren, zwischen den preußischen Städten Wittmund und
Wilhelmshaven lag das Großherzogtum Oldenburg. Die
nächst höhere Verwaltungsinstanz war für Wilhelmshaven bis 1919 der Kreis Wittmund. Die Kreisverwaltung
hatte anfangs ihren Dienstsitz in dem heutigen Amtsgerichtsgebäude am Marktplatz.
Das Wittmunder Kreishaus, erbaut nach den Zeichnungen des gebürtigen Wittmunders Ludwig Klingenberg, wurde 1901 eingeweiht.
BILD: ROLF ADERT
Am 29. September 1899 erfolgte die Grundsteinlegung
für das Kreishaus, welches
nach den Bauplänen des in
Wittmund am 29. Oktober
1840 geborenen Architekten
Ludwig Klingenberg errichtet
wurde. Die Einweihung des
Gebäudes fand am 3. April
1901 statt.
Klingenberg
war
das
jüngste von sechs Kindern
des Amtsrentmeisters zu
Wittmund Ernst Georg Klingenberg (1797–1869) und
dessen Ehefrau Margarete,
geb. Richter, aus Osnabrück.
Ludwig Klingenberg besuchte zunächst die Volksschule
in Wittmund und danach das
Gymnasium in Jever. 1856 begann er eine Maurerlehre und
anschließend eine Ausbildung in dem Architekturbüro
seines älteren Bruders Ernst
Klingenberg in Bremen.
1859 begann sein Studium
an der Bauakademie in München. Anfang der 1860er Jahre war er Bauführer im Archi-
tekturbüro seines Bruders
und leitete 1862 in dieser
Funktion den Bau der Kirche
in Rotenburg an der Wümme.
Der Architekt Ludwig Klingenberg. BILD: FAMILIE KLINGENBERG
1863 unternahm er ausgedehnte Studienreisen nach
England, Frankreich, Spanien
und Nordamerika. Sein Augenmerk galt dabei insbesondere den verschiedenen Baustilen. In Paris lernte er als
Bauzeichner einige Jahre die
dortigen technischen und
künstlerischen
Bauweisen
kennen. Er soll gesagt haben,
dass nur das, was einmal vom
Auge durch die Finger gelaufen sei, dem inneren Formenschatz angehöre.
Um 1866 war er beim
Staatshochbauamt in Hamburg unter dem Baumeister
Frans-Andreas Meier tätig.
Die aber doch einschränkende Beamtentätigkeit erfüllte
ihn nicht, sodass er diese
1867 beendete. Im gleichen
Jahr machte er sich selbstständig und lebte von 1871
bis 1874 in Wilhelmshaven.
Jetzt begann er seine vielseitige Tätigkeit als Künstler und
Baumeister.
FORTSETZUNG SEITE 2
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
8
Dateigröße
1 349 KB
Tags
1/--Seiten
melden