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Boxenstopp wie in der Formel 1 - Textkunde

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Die Boxengasse der Häfen: Container schnell weiterleiten,
um Platz zu machen für die nächste Schiffsladung
Boxenstopp wie
in der Formel 1
Das Containerabwicklung im
Hamburger Hafen sorgt immer
wieder für Probleme. Eine neue
elektronische Plattform, auf
der die Informationen aller
Beteiligten gebündelt werden,
soll künftig Staus und Wartezeiten verhindern.
Fahrer müssen oft stundenlang
warten, bis der Container endlich
auf den LKW verladen wird
26 15/2008 VerkehrsRundschau
W
enn Kimi Räikkönen seinen Ferrari zum Auftanken in die Box
fährt, muss alles blitzschnell
gehen. Jede Sekunde ist wichtig, jeder
Handgriff der Mechaniker muss sitzen,
um das Auto so rasch wie möglich wieder
flottzumachen und damit auf die Piste zu
bringen.
Während es beim Boxenstopp in der Formel 1 auf die Zeit ankommt, ist beim Boxenhalt im Hamburger Hafen in erster
Linie der Platz der limitierende Faktor.
Wie beim Autorennen ist es aber auch hier
eminent wichtig, dass alle Beteiligten ihre
Aufgabe kennen. Nur so lässt sich gewährleisten, dass der Hafen angesichts immer
neuer Container nicht überläuft und die
Ab- und Zulaufwege möglichst koordiniert genutzt werden können.
Denn der Hamburger Hafen boomt. Im
vergangenen Jahr wurden knapp zehn
Millionen Standardcontainer (TEU) umgeschlagen. Diese Menge soll bis 2015 auf
18 Millionen TEU steigen. Der stark wachsende Güterverkehr führt nicht nur dazu,
dass Lagerplatz knapp wird. Die Wege für
den Weitertransport zu den Empfängern
sind stark beansprucht und gleichen einem
Containerabwicklung Märkte + Unternehmen
„Noch schicken wir Boten hin und
her oder faxen Papier, damit ein
Stempel daraufgesetzt wird“
Nadelöhr. Die Folge sind lange LKW-Staus
an und vor den Terminals.
Um die weiterhin wachsenden Mengen
bewältigen zu können, muss der vorhandene Raum effizienter genutzt werden.
Dabei soll Technik helfen. „Während die
Exportprozesse schon weitestgehend ITgestützt erfolgen, gibt es bei den Importprozessen noch Lücken“, sagt Dirk Gladiator, Prokurist bei der Dakosy AG in Hamburg. Unter Federführung des IT-Dienstleisters wurde zu Jahresbeginn mit der
Realisierung der „Import Message Platform“ (IMP) begonnen. Die Plattform ist
wie ein schwarzes Brett, auf dem alle Informationen zusammenlaufen. Damit soll
die Zusammenarbeit zwischen Reedereien, Kai- und Terminalbetrieben, Behörden und Spediteuren verbessert werden.
Aus dem so genannten Manifest des Carriers sowie den Positionsdaten des Schiffes,
den Statusinformationen des Terminals
sowie den Stellungnahmen der beteiligten
Behörden entsteht der Datenpool. Damit
lässt sich bereits einige Tage, bevor das
Schiff an der Hamburger Kaimauer festmacht, auf dem Computermonitor sehen,
welche behördlichen Anmeldungen notwendig sind und wann die Container entladen werden. Mit diesen Informationen
Jürgen MOhr,
IT-Leiter Deutschland bei der Spedition A. Hartrodt
lässt sich der Terminalbetrieb, die so genannte Yardplanung, als auch der Weitertransport zum Empfänger besser koordinieren (s. auch Grafik Seite 28).
Container im schwarzen Loch
Heute bezeichnen viele der Beteiligten die
Phase zwischen dem Abladen der Container und der Übergabe an den Spediteur als
„schwarzes Loch“. Informationen sind unvollständig oder werden nicht alle weitergegeben. So kommt es, dass Fahrer oft
stundenlang herumstehen und auf ihre
Ladung warten. Das ist teurer Leerlauf für
den Spediteur und Platzverschwendung
für einen Hafen, in dem alle Räder rollen
müssen.
Schnittstellen von IMP zu den Behörden
sorgen für eine weitere Beschleunigung
der Importabwicklung. So laufen die Genehmigungsprozesse nicht erst an, wenn
das Schiff in Hamburg festmacht. Neben
dem Zoll sind das Veterinäramt, das Pflanzenschutzamt, das Institut für Hygiene
und Umwelt, das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung sowie die Wasserschutzpolizei an IMP angeschlossen.
„Noch schicken wir Boten hin und her
oder faxen Papier, damit ein Stempel daraufgesetzt wird“, beschreibt Jürgen Mohr
Die IMP-Arbeitsgruppe
Die Teilnehmer der ImportMessage-Platform-Arbeitsgruppe
■ Bertling EDI Service & IT
■ Hapag-Lloyd
■ Hamburg Süd
■ Eurogate
■ HHLA
■ Spedition A. Hartrodt
■ Kühne + Nagel
■ Schenker
■ DHL Global Forwarding
von der Spedition A. Hartrodt den derzeitigen Ablauf.
Mit IMP werden diese Behördengänge automatisiert und vor allem beschleunigt.
Die Freigaben erfolgen nicht mehr nacheinander, sondern zeitgleich. Doppelte
Datenerfassungen werden vermieden. Nur
noch in besonderen Fällen müssen Behördenvertreter, beispielsweise Veterinäre,
Fleischimporte direkt am Container überprüfen. Aber selbst das läuft dank der IMP
schneller, da allen Beteiligten bekannt ist,
welcher Container wann und wo verfügbar ist. Für die Spediteure verbessert IMP
nicht nur die Planbarkeit der Transporte,
sie können die Daten auch für ihr Tracking
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Märkte + Unternehmen Containerabwicklung
Die Import Message Platform
könnte auch in Bremerhaven zum
Einsatz kommen
Dakosy programmiert derzeit die Plattform, nachdem alle Anforderungen von
der Arbeitsgruppe definiert wurden. Ende
des Jahres sollen erste Funktionen in einer
Pilotphase getestet werden. Für den Sommer 2009, also mit Inkrafttreten des Zollkodex, ist dann der Startschuss für den
produktiven Betrieb der IMP vorgesehen.
Die Kapazitätsprobleme in den deutschen
Seehäfen hat auch die Politik erkannt. Mit
der Förderinitiative Innovative Seehafentechnologien (ISETEC II) unterstützt das
Bundeswirtschaftsministerium Technologieprojekte, die den Güterumschlag
schneller und effizienter machen. Insgesamt hat das Ministerium dafür Fördermittel in Höhe von 30 Millionen Euro
eingeplant. Auch Dakosy hat sich hierfür
beworben. Damit IMP keine Insellösung
wird, wurden bereits Gespräche mit den
Häfen in Bremen und Bremerhaven geführt. Die technische Lösung könnte nach
Aussage von Dirk Gladiator auch dort zum
Einsatz kommen.
Denn das Schlimmste, was einem Hafen
passieren kann, sind Verzögerungen in der
Abfertigung. Die Reeder, die entscheiden,
wo sie ihre Schiffe löschen lassen, achten
genau darauf, wer eine zügige Abfertigung
hinbekommt und wer nicht. Tempo und
Zuverlässigkeit entscheiden also nicht nur
❙❚■
in der Formel 1 über den Erfolg.
T e c h n i s c h e V o r a u s s e t z u n g e n f ü r d i e P l att f o r m
Daten müssen im EDIFACT-Format
aufbereitet sein
Wer von den Vorteilen der neuen Plattform
profitieren will, kommt nicht umhin, seine EDV
den Anforderungen der Plattform anzupassen.
und Tracing der Sendungen verwenden.
Theoretisch ist die Nachverfolgung der
Waren vom Ladehafen bis zum Empfänger
lückenlos nachvollziehbar.
Für die Teilnahme an der IMP wird es
einen einfachen Webzugang von der Dakosy geben. Mit einem Browserprogramm
und einem Internetzugang kann man
Daten einsehen. Wer umfangreicher mit
der Plattform arbeitet, benötigt eine Software mit standardisierten Schnittstellen
(siehe Kasten oben).
Ab 2009 technische Aufrüstung nötig
Für etliche am Seefrachtverkehr beteiligte
Spediteure ist die IMP, aber auch der Zollkodex ein geeigneter Anlass, in die eigene
IT zu investieren. Voraussichtlich ab Juli
2009 müssen sämtliche Waren, die das
Zollgebiet der Europäischen Union erreichen, vor dem Festmachen der Schiffe als
„summarische Eingangsmeldung“ (SumE)
dem Zoll angezeigt werden. Das muss
zwingend elektronisch erfolgen. Die Zollverwaltung hat dazu ATLAS (Automatisiertes Tarif- und Lokales Zollabwicklungssystem) entwickelt. Da hier ähnliche
technische Anforderungen wie bei der
IMP bestehen, wird es mit der Software
von Dakosy auch eine Möglichkeit der
SumE geben.
28 15/2008 VerkehrsRundschau
Dirk Kunde, freier Journalist
Wichtige Schnittstelle: Der Leitstand im Terminal
Terminal
Verfügung
Spedition
Transportauftrag
Zollstatus
Containerstatus
Weitertransport
IMP
Transportauftrag
Feeder
Manifest/SumE
SumE, Zollstatus,
Veterinär,
Pflanzenschutzamt ...
Carrier
Behörden
Truck
Transportauftrag
POL I Z E I
2
Bahn
Komplexes Gebilde: Die IMP will als Plattform die Informationskanäle aller Beteiligten bündeln
Dakosy
Teilnahmevoraussetzungen für ATLAS
Mit ATLAS (Automatisiertes Tarif- und Lokales Zollabwicklungssystem) stellt das Bundesministerium
der Finanzen der Zollverwaltung eine technische
Plattform zur Verfügung, die eine weit gehend
automatisierte Abfertigung und Überwachung des
grenzüberschreitenden Warenverkehrs ermöglicht.
Zur Teilnahme benötigt man die Software eines
zertifizierten Anbieters. Die Kommunikationssoftware muss Daten im EDIFACT-Format versenden
und empfangen können. Außerdem muss sie das
Datenfernübertragungsprotokoll (X.400 oder
FTAM) unterstützen. Eine Liste zertifizierter Softwareanbieter für ATLAS findet sich unter:
www.zoll.de - Rubrik: Zoll und Steuern / Zölle /
Zollanmeldung / Atlas / Voraussetzungen für die
Teilnahme / Softwareanbieter
Weitere Informationen im Internet:
www.dakosy.de, www.imp-hamburg.de dk
HHLA
Import Message Platform
Die Dakosy AG wird für die Plattform die entsprechende Software für PCs anbieten. Eine Internetverbindung ist notwendig. Die Software wird die
Daten im EDIFACT-Format (Electronic Data Interchange For Administration, Commerce And
Trade), XML, als eMail und eDoc zwischen den
Teilnehmern austauschen. Die summarische Eingangsmeldung (SumE) für den Zoll über ATLAS
wird mit der Software ebenfalls möglich sein.
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