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KAFFEE: WIE EIN GETRÄNK DIE WELT VERÄNDERTE - GEA Group

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HIMMELSSTÜRMER
IN DER WÜSTE
ALLES IN BUTTER
IST BIOMASSE DER
TREIBSTOFF DER ZUKUNFT?
KAFFEE: WIE EIN GETRÄNK DIE WELT VERÄNDERTE HIMMELSSTÜRMER IN DER WÜSTE ALLES IN BUTTER IST BIOMASSE DER TREIBSTOFF DER ZUKUNFT?
KAFFEE:
WIE EIN GETRÄNK
DIE WELT
VERÄNDERTE
DAS INTERNATIONALE MAGAZIN DER GEA GROUP AUSGABE 01 NOVEMBER 2006
DAS INTERNATIONALE MAGAZIN DER GEA GROUP AUSGABE 01 NOVEMBER 2006
GENERATE wird von der GEA Group Aktiengesellschaft herausgegeben, einem weltweit
erfolgreichen Technologiekonzern mit operativen Unternehmen in mehr als 50 Ländern.
Die GEA Group Aktiengesellschaft ist im
MDAX gelistet und auf dem Gebiet des Spezialmaschinen- und Großanlagenbaus tätig.
Die Hauptmärkte des Unternehmens umfassen Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie,
Milch- und Brauereiwirtschaft, Pharma- und
Kosmetikindustrie, Biotechnologie,
Petrochemie, Biokraft- und brennstoffe,
Energietechnik sowie Schiffsbau.
Die Gesellschaften der GEA Group setzen auf
Innovation mit dem Ziel, die Grenzen
der technischen Möglichkeiten zu überwinden. In 90 Prozent ihrer Geschäftsfelder
zählt die GEA Group zu den Markt- oder
Technologieführern.
Der Konzern mit Sitz in Bochum beschäftigt
rund 17.500 Mitarbeiter, die im Geschäftsjahr
2005 einen Umsatz von 4,5 Milliarden Euro
erwirtschafteten.
KÄLTETECHNIK
LUFTTECHNIK
MECHANISCHE TRENNTECHNIK
VERFAHRENSTECHNISCHE KOMPONENTEN
LANDTECHNIK
ENERGIETECHNIK
PROZESSTECHNOLOGIE
Kontakt
GEA Group Aktiengesellschaft
Dorstener Straße 484
44809 Bochum
Tel: +49-(0)234-980-0
Fax: +49-(0)234-980-1004
www.geagroup.com
Willkommen zur ersten Ausgabe von
GENERATE, dem neuen Magazin der
GEA Group Aktiengesellschaft
Liebe Leser,
für die meisten von uns ist Technik
ein Buch mit sieben Siegeln, ein
Großteil von uns muss auch gar
nicht unbedingt verstehen, wie
sie im Detail funktioniert. Wir
alle sollten dennoch erkennen,
welche Vorteile uns die Technik
bietet und wie sehr sie unser
alltägliches Leben vereinfacht.
Wir sehen es als unsere Aufgabe,
unseren Kunden einen Vorsprung
auf ihren jeweiligen Märkten
zu verschaffen. Da wir jedoch
als Technologiekonzern global
aufgestellt sind, verfolgen wir
letztendlich ein noch viel weiter
gefasstes Ziel, nämlich den
Menschen auf dieser Erde das
Leben und Arbeiten zu erleichtern.
Ausreichend Nahrung für die
Weltbevölkerung, die Versorgung
mit sauberem Trinkwasser, ein
verantwortungsvoller Umgang
mit fossilen Ressourcen und
die Erschließung erneuerbarer
Energiequellen – dies sind
elementare Aufgaben, denen wir
uns heute stellen müssen, damit
unsere Kinder auch morgen auf
diesem Planeten leben können.
Die GEA Group Aktiengesellschaft
ist nicht zuletzt deshalb
Technologieführer bei der
Entwicklung und Produktion
von Biotreibstoffen.
Doch das ist noch längst nicht alles:
Wir planen und realisieren Anlagen,
die es Amerikanern ermöglichen,
ihren Kaffee zu genießen, und
Chinesen, ihr Licht einzuschalten.
Unsere Technologien verhelfen
Südafrikanern zu einem Müsli
mit Milch und bescheren
Australiern ein kühles Bier.
Unser langfristiges Ziel liegt
darin, unsere Technologie und
die dazugehörigen Produkte
durch Innovationen stetig
weiter zu entwickeln.
Zweifellos erscheint die
Technik für viele von uns sehr
kompliziert. Generate soll dazu
beitragen, eine Brücke zwischen
unseren Technologien und
ihren Anwendungen im Alltag
zu schlagen. Ich hoffe, dass
es uns gelingt, Ihnen unsere
Technologien, unser Unternehmen
und unseren „Spirit“ damit ein
Stück weit näher zu bringen.
Jürg Oleas
Vorsitzender des Vorstands
GEA Group Aktiengesellschaft
GENERATE ist das externe Magazin der GEA Group für
Kunden, Lieferanten und andere Interessengruppen.
Es erscheint dreimal im Jahr und wird an
Niederlassungen weltweit verteilt.
Redaktion
Peter Caspar Hamel – peter.hamel@geagroup.com
Nina Remmer – nina.remmer@geagroup.com
Katrin Lamprecht – katrin.lamprecht@geagroup.com
Umsetzung
Merchant +44 (0)20 7242 1336 www.merchant.co.uk
In Zusammenarbeit mit:
Lang Communications – Text
www.lang-communications.co.uk
JohnstonWorks – Design
www.johnstonworks.com
Herausgegeben von der GEA Group Aktiengesellschaft,
Dorstener Straße 484, 44809 Bochum, Germany.
Alle Rechte vorbehalten.
Titelfotografie: Will Thom
TITELTHEMA
PERFEKTE MISCHUNG:
WIE DIE KAFFEEKIRSCHE
ZUM ZWEITWERTVOLLSTEN
HANDELSGUT DER WELT WURDE
FOKUS
INNOVATION IN DUBAI
SO WIRD’S GEMACHT
GEA Pharmaversuchsstation gibt
der Forschung Auftrieb
Nur der Himmel ist die Grenze
für den Burj Dubai, das höchste
Gebäude der Welt
FRAGE UND ANTWORT
GEA WELTWEIT
Das chinesische Abenteuer
zahlt sich aus
GEA nimmt die ökologische
Herausforderung an:
Beispielprojekte im Fokus
SEESCHIFFFAHRT – EIN AUSBLICK
EIN TAG IM LEBEN VON
KUNST IN DER TECHNIK
Ist Biomasse der Treibstoff
der Zukunft?
Modernstes Equipment schützt
die Meeresumwelt
Ski fahren in der Wüste
– Projektleiter Richard van Geffen
berichtet aus dem Tagesgeschäft
Butterherstellung Schritt
für Schritt
NACHHALTIGKEIT
DAS LETZTE WORT
GENERATE AUSGABE 01
küRzeRe entWickLUnGSzeiten FüR Die
PhARmAinDUStRie
enn ein neues Medikament entdeckt
wird, dauert es in der Regel mindestens zehn Jahre, bis es zur
Marktreife entwickelt ist und der Arzt es
seinen Patienten verschreiben darf.
Auf dem Weg vom Labor zum Markt müssen
die Medikamente strengste klinische Tests
durchlaufen, um ihre Sicherheit, Qualität und
Wirksamkeit unter Beweis zu stellen. Alle
Versuchsdaten müssen den Prüfbehörden
zur Genehmigung vorgelegt werden. Nur,
wenn diese Genehmigung erfolgt ist, wird
die Freigabe zur Produktion und schließlich
zum Verkauf der Medikamente erteilt.
In den Zulassungsvorschriften ist genau
festgelegt, nach welchem Verfahren ein
Medikament hergestellt werden darf.
Nachträglich ist es kaum noch möglich, den
Herstellungsprozess zu verändern. Deshalb
will er von vorneherein wohl überlegt sein.
Bis eine Produktionsanlage gebaut, die Ausrüstung installiert und die Validierung erfolgt
ist, können mehr als zwei Jahre vergehen.
Zudem sind dabei strenge Behördenauflagen
einzuhalten. Behält man diese schwierigen
Voraussetzungen im Hinterkopf und bedenkt
ferner, dass einige Medikamente bereits in
der Testphase ausscheiden, bekommt man
eine Vorstellung davon, wie kostspielig und
zeitaufwändig der Entwicklungsprozess ist.
Ein weiterer Zeitfaktor sind die Patente.
Ihre Laufzeit beträgt genau 20 Jahre ab
Anmeldung – dies ist normalerweise der
Zeitpunkt, an dem ein neues Medikament entdeckt wird. Bis das patentierte
Produkt letztendlich auf den Markt gelangt,
vergehen jedoch nicht selten zehn Jahre.
2
in die entwicklung neuer
Pharmaprodukte kommt Bewegung.
Bislang einmalig ist eine vor kurzem
eröffnete zentrale einrichtung,
in der Pharmaunternehmen
die Sprühtrocknungstechnik
zur herstellung neuer
medikamente testen können.
Niro A/S in Kopenhagen, ein Unternehmen
der GEA Group Aktiengesellschaft, hat eine
Pharmaversuchsstation für Sprühtrocknungstests eingerichtet, in der die Kunden klinische
Versuche durchführen und den Produktionsprozess beurteilen können, ohne in diesem
frühen Stadium bereits selbst in Anlagen und
teures Fachpersonal investieren zu müssen.
Das Versuchszentrum wurde vor zwei Jahren
eröffnet. Seitdem läuft es mit voller Auslastung. Um die große Nachfrage befriedigen
zu können, ist für das kommende Jahr
eine Erweiterung der Anlagen geplant.
Die Versuchsstation ist mit der modernsten Sprühtrocknungstechnik ausgestattet. So ist es möglich, Versuche unter
Realbedingungen durchzuführen und die
Versuchsergebnisse problemlos in den
technischen Maßstab umzusetzen. Zur
Medikamentenherstellung werden Lösungen,
Suspensionen und Emulsionen auf diese
Weise in Pulverform umgewandelt.
Michael Wahlberg, Leiter des Testzentrums, versichert: „Diese Einrichtung ist
einmalig. Unsere Anlagen sind validiert
und entsprechen dem GMP-Standard (Good
Manufacturing Practice). Sie wurden von
den dänischen Pharmaüberwachungsbehörden geprüft und zugelassen.“
Und er ergänzt: „Die Kunden können
kleine Chargen für klinische und vorklinische Tests herstellen und müssen nicht
die ganze Ausrüstung anschaffen und
validieren lassen. Auf diese Weise hilft
das Versuchszentrum den Pharmaunternehmen, Zeit und Geld zu sparen.“
Durch die Herstellung kleiner Chargen ist
es natürlich einfacher, neue Verfahren
auszutesten. Dies beschleunigt den
Validierungsprozess und erleichtert
den Kundenprojektteams die Arbeit.
So verkürzt sich die Anlaufzeit für
die großtechnische Produktion.
Die Sprühtrocknungsanlage
PHARMASD™ Größe PSD-4 hat
derzeit eine Gastrocknungsgeschwindigkeit von1.250 Kilo in
der Stunde. Der neue Trockner
PHARMASD™ Größe PSD-1, der
nächstes Jahr gebaut werden
soll, hat eine Gastrocknungsgeschwindigkeit von etwa 80
Kilo pro Stunde und kann so
für die Herstellung kleinerer
Mengen eingesetzt werden.
„In Zukunft wird es spannend
für uns, denn immer mehr
Pharmaunternehmen
tragen sich mit dem
Gedanken, Medikamente
in Pulverform zur Inhalation herzustellen oder
die Sprühtrocknungstechnik zu nutzen, um
die Bioverfügbarkeit
der Medikamente zu
steigern. Wir können
uns also berechtigte
Hoffnungen auf eine
aussichtsreiche
Geschäftsentwicklung machen.“
Über Niro
Niro beliefert seit über 70 Jahren die Pharmaindustrie
mit Trocknungsanlagen zur Herstellung von Pulvern
und Feinstoffen. Zu den Pharmaverarbeitungsanlagen
gehören Trockner mit geringem Volumendurchsatz für
Spezialwirkstoffpulver sowie kontinuierlich betriebene
großtechnische Anlagen, die strengen Hygienemaßstäben
unterliegen. Die Produktanwendungen umfassen
Analgetika, Antibiotika, Enzyme, Proteine, Impfstoffe und
Vitamine. Zu NIRO A/S gehört NIRO Pharmasystems,
die Prozesstechnik sowie Anlagen für die Pharmaindustrie
liefert. Diese umfassen Tabletten-Coating-, Granulationsund Trocknungsanlagen sowie Mikrowellentrockner.
Niro liefert auch Einzelanlagen oder das Engineering für
komplette Prozesslinien für Chemie-, Nahrungsmittel- und
Milchverarbeitungsbetriebe.
GENERATE AUSGABE 01
Wie eine riesige Weltraumrakete auf einer
Abschussrampe sieht das Gebäude aus.
Oder wie eine Stadtansicht in einem alten
Sciencefiction-Film. Aber der Burj Dubai soll
seine Besatzung nicht in die Luft schießen.
Und er ist auch längst mehr als eine Vision
chon bald wird er die Privilegierten
beherbergen, die sich ein solches Zuhause
leisten können. Der Burj Dubai ist ein
Bau der Superlative – kaum zu glauben, was
Menschen sich da ausgedacht haben.
Der Burj (arabisch für „Turm“) wird mit circa
705 Metern das höchste Gebäude der Welt
sein. Damit beansprucht nach Jahrhunderten
wieder ein Bauwerk in Nahost diesen Titel
für sich, nachdem im Jahr 1300 die große
Pyramide von Gizeh ihre Krone an die Lincoln
Kathedrale abtreten musste. Vielleicht auch
deshalb wird die exakte Höhe des geplanten
Wolkenkratzers vorerst geheim gehalten: Für
den Fall, dass jemand ihm den Rekord noch
streitig machen will.
Aber es geht nicht nur um einen SuperTower voller Luxusapartments. Den
Bewohnern wird das Gebäude einen
völlig neuartigen Lebensstil bieten: Mit
exklusiven Restaurants, betrieben von
den berühmtesten Köchen der Welt, vier
luxuriösen Pools, einem Fitnesscenter,
einer Bibliothek sowie Erholungsanlagen,
in denen Tai Chi, Yoga und andere WellnessSportarten angeboten werden. Immer
natürlich mit der besten Aussicht. überhaupt
werden die Bewohner wenig Gründe haben,
das Gebäude zu verlassen, denn fast alles,
was man braucht, ist in seinem Inneren zu
finden.
Entworfen wurde der futuristische Bau
von Adrian Smith, dem Stararchitekten
von Skidmore, Owings & Merrill. Das Büro
zeichnet auch für das Olympia Center
in Chicago, Rowes Wharf in Boston und
für das Gebäude der United Gulf Bank in
Bahrain verantwortlich. Eine der größten
Herausforderungen für den Architekten war
es, das Innenklima des Bauwerks in den Griff
zu bekommen. Eine gewaltige Klimaanlage
bewältigt Außentemperaturen von bis zu
45 Grad Celsius und versorgt Besucher wie
Bewohner mit dem Idealklima.
GEA liefert dafür zwölf Kühltürme vom
Typ Polacel CMDI 840, jeder mit einer
Grundfläche von 100 m2. Diese Türme
helfen, die enormen Wassermengen zu
kühlen, die das System zu verarbeiten
hat. Die GEA Kühltürme wurden aufgrund
ihrer außerordentlichen Effizienz und
ihrer Sparsamkeit im Wasserverbrauch
ausgewählt – denn Wasser ist ein kostbares
Gut in Dubais trockenem Wüstenklima. Die
GEA-Einheiten können über 95 Prozent des
Wassers wieder verwerten, das durch sie
hindurchfließt. Und ihr anpassungsfähiges
Design lässt eine Platz sparende Montage zu.
Raum ist eine weitere kostbare Ressource in
dieser Stadt der hohen Bauten und der noch
höheren Quadratmeterpreise.
GEAs Projektbeteiligung zeugt vom hohen
Standard der Ausstattung und Technologie,
die im ganzen Gebäude genutzt werden.
Neben den extrem guten Schallschutzeigenschaften der Kühltürme sorgt eine
spezielle Hightech-Außenverkleidung
dafür, dass keine Lärmbelästigung
entsteht. Reflektierendes Glas, Aluminium
und Paneele aus rostfreiem Stahl sowie
rohrförmige vertikale Träger verschönern die
schmale Silhouette des Burj.
Aufmerksamen Betrachtern, die aus der
Luft auf den Burj hinunterblicken, wird
der Grundriss des Gebäudes bekannt
vorkommen: Seine geometrische
Form erinnert an die Spinnenlilie, ein
Narzissengewächs, das in Dubai und
dem gesamten Nahen Osten angebaut
wird. Andere, nicht minder subtile Details
spiegeln den Einfluss islamischer Kultur und
Architektur wider.
Kaum zu fassen ist die schiere Größe
des Bauvorhabens. Der Turm ist nur das
Herzstück eines gigantischen Stadtentwicklungsprojekts. über 40 neue Wolkenkratzer
sollen in den nächsten Jahren rund um
den Burj entstehen. In den Augen Vieler
gibt es hier bald den prestigeträchtigsten
Quadratkilometer der Welt. über 500 Berater
aus aller Herren Länder wurden während
der Entwurfsphase engagiert. Auf dem
Höhepunkt der Bauarbeiten werden über
20.000 Arbeiter auf dem Areal beschäftigt
sein. Sie werden mehr als 13,7 Millionen
Quadratmeter Wohnraum schaffen – Platz
für 30.000 Wohnungen in der Wüste Dubais.
Das „Leben im Himmel“, wie es die
Immobilienmakler nennen, ist sicher nicht
Jedermanns Sache, und vor allem alles
andere als kostengünstig. Ein Londoner
Makler bietet derzeit ein VierzimmerApartment im Burj Dubai zu einem
Verkaufspreis von über 3 Millionen Euro an.
Und es gilt als sicher, dass die Preise noch
steigen werden. Denn wer’s mag und zudem
über die entsprechenden Mittel verfügt,
dem eröffnet der Burj eine spannende
Alternative zu konventionellem Lifestyle
und herkömmlichen Vorstellungen vom
Eigenheim.
Der Burj ist ein Blick in die Zukunft,
die für manche schon bald Wirklichkeit
wird. Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das
den Optimismus und die visionäre Kraft
einer der dynamischsten Städte der Welt
widerspiegelt.
GENERATE AUSGABE 0
5
Alles in Butter
Lange Zeit galt „gute” Butter aus Rahm als
Luxusgut. Selbst heute, trotz des vielfältigen
Angebots an Brotaufstrichen, geht nichts
über eine frische Scheibe Brot mit Butter.
Und auch beim Kochen ist letztlich der runde
Geschmack von Butter unersetzlich.
Aber wer weiß schon, wie Butter heute hergestellt wird?
Wir alle haben Bilder von Bäuerinnen in Kittelschürzen vor
Augen, die geduldig Butter schlagen und kneten. Für die
Butterherstellung im industriellen Maßstab fehlt uns
jedoch jede Vorstellung. Erstaunlicherweise ähnelt das
moderne Verfahren trotz Massenproduktion und Einsatz
moderner Anlagen noch stark den traditionellen Methoden.
Und so geht’s:
RAHM-KRISTALLISATION
VOM BAUERNHOF
PASTEURISIEREN
Beim Milchbauern wird die Milch
gesammelt und durchschnittlich
zwei Tage gelagert, bevor sie
zur Butterfabrik transportiert
wird. Die Rohmilch hat zirka 3,5
Prozent Fett. Sie wird bei vier
bis acht Grad Celsius
frisch gehalten.
Der restliche Rahm fließt in die
Butterherstellung mit ein. Zuerst
wird er zum Pasteurisieren fünf bis
zehn Sekunden lang auf 90-110°C
erhitzt. Dies dient dazu, einige
Enzyme zu inaktivieren und alle
eventuell in der Rohmilch vorhandenen Keime abzutöten. Außerdem
entsteht so der typische Buttergeschmack. Der pasteurisierte Rahm
wird anschließend auf fünf bis zehn
Grad Celsius heruntergekühlt.
ENTRAHMEN
In der Butterfabrik angekommen,
wird die Milch zunächst abgerahmt: Hierzu wird sie in einem
Plattenwärmetauscher auf 55°C
erhitzt, dann in einer Zentrifuge
(Separator) sekundenschnell
abgetrennt. Auf diese Weise
erhält man zwei Produkte: Rahm
mit einem Fettgehalt von ca. 40
Prozent und Magermilch. Zur
Herstellung von halbfetter und
vollfetter Milch kann ein Teil des
Rahms zur Magermilch zurückgeführt werden.
6
Damit sich die Butter besser
abtrennen lässt, wird der Fettanteil
im Rahm kristallisiert. Dazu lässt
man den pasteurisierten Rahm
sieben bis zwölf Stunden lang
bei einer Temperatur von fünf
bis zehn Grad Celsius ruhen. Um
die Streichfähigkeit der Butter
zu verbessern, kann man eine
‚Kalt-warm-kalt’-Kristallisierung
vornehmen. Dabei wird der Rahm
zuerst von fünf auf ca. 20°C erwärmt
und anschließend wieder abgekühlt.
Eine Butterungsmaschine
führt nun den kristallisierten
Rahm durch verschiedene
Verarbeitungsstufen, bis Butter
und Buttermilch entstehen:
KNETEN
Der kristallisierte Rahm wird
auf neun bis elf Grad Celsius
vorgewärmt und in den Vorbutterungszylinder gepumpt. Dort wird er
geschlagen, um die Butterflöckchen
von der Buttermilch zu trennen.
ZUGABE VON SALZ
ODER KULTUREN
Die verbleibende Buttermilch
wird durch einen Buttermischer
abgepresst, dann werden der Butter
Salz, Kulturen oder Aromastoffe
hinzugefügt, um das gewünschte
Produkt zu erhalten.
FERTIGSTELLUNG
In einem Vakuumverfahren werden
schließlich alle Luftblasen entfernt,
damit die Butter kompakt wird.
Dadurch verbessern sich Qualität,
Struktur und Farbe der Butter.
In einem zweiten Mischer werden
Zusätze intensiv vermischt, um
eine gleichmäßige Verteilung der
Inhaltsstoffe zu erreichen. Das Endprodukt enthält immer 82 Prozent
Fett, zwei Prozent Feststoffe wie
Salz, Proteine und Kulturen und 16
Prozent Wasser. Alles andere darf
nicht als Butter bezeichnet werden.
VERPACKUNG
Vor der Verpackung lagert die
Butter in einem Buttersilo.
Von da aus gelangt sie zum
Supermarkt und schließlich
auf den Tisch und unsere
Scheibe Brot.
ABTRENNEN DER
BUTTERMILCH
Ein Nachbutterungszylinder
trennt die Butterflöckchen von
der Buttermilch. Sie werden mit
zurückgeführter Buttermilch bei
2°C gekühlt, damit sie nicht zu
weich werden. Dies ist erforderlich,
damit der Butterungsvorgang und
die nachfolgenden Verarbeitungsschritte nicht beeinträchtigt werden.
Westfalia Separator
Die GEA Gesellschaften versorgen
die Milchwirtschaft mit Anlagen und
Beratungsleistungen. WestfaliaSurge liefert
Melkmaschinen und Herdenmanagementsysteme. Tuchenhagen hat Armaturen,
Prozessautomation und Verfahrenstechnik
im Programm; Ecoflex liefert Plattenwärmetauscher und Westfalia Separator ist
weltweit führend mit Hochleistungsseparatoren und Butterungsmaschinen.
HÄTTeN Sie’S GeWUSST?
Die 1893 gegründete Westfalia Separator
stellte zuerst Maschinen zum Entrahmen
von Milch her. Die ersten kontinuierlichen
Butterungsmaschinen wurden 1941 entwickelt und waren in der Lage, 800 kg Butter
pro Stunde herzustellen. Heute haben die
größten Maschinen eine Stundenleistung
von 13 Tonnen. Aber trotz technischen
Fortschritts geht es immer noch nicht ohne
das Know-how der Buttermeier, wenn ein
perfektes Produkt entstehen soll. Ihrem
Geschick verdanken wir auch heute die
qualität unserer „guten“ Butter.
GENERATE AUSGABE 0
7
Wie ein Getränk die
Welt veränderte
Wenn Sie die nächste Tasse Kaffee trinken,
denken Sie für einen Moment daran, dass Sie
damit Teil haben an einer modernen, globalen
Industrie, die sich über Jahrhunderte
entwickelt hat. Mark Pendergrast, Autor von
“Uncommon Grounds” (Deutsch: „Kaffee. Wie
eine Bohne die Welt veränderte”) erzählt die
Geschichte des beliebtesten Getränks der Welt.
Fotos: Will Thom
Gestaltung: Roberta Holm
berall auf der Welt sind die Menschen
Coffea arabica, die ursprüngliche äthiopische
abhängig von zwei schwarzen
Art, gilt als geschmacklich höherwertig und
Energiespendern: Erdöl ist die wertvollste
macht 75 Prozent des Weltverbrauchs aus. Sie
legal gehandelte Ware der Welt. An zweiter
wächst in mildem, tropischem Klima, zwischen
Stelle rangiert Kaffee, der überall zum
900 und 1200 Metern über dem Meeresspiegel.
Getränk erster Wahl geworden ist. Und Hand
Coffea canephora, auch als robusta bekannt,
aufs Herz, wer beginnt den Tag nicht gerne
schmeckt etwas bitterer und enthält die
mit einer Tasse Kaffee? Dabei ist Kaffee
doppelte Menge an Koffein. Robusta wurde im
eigentlich nichts weiter als eine Beere, die
späten 19. Jahrhundert im Kongo entdeckt,
zwei Samen umschließt. Und dennoch hat
ist widerstandsfähiger gegen Krankheiten,
diese Beere einen tief greifenden Einfluss auf
temperaturbeständiger und kann in rauerem
die Geschichte der Menschheit genommen.
Klima angebaut werden als Arabica. Heute
wächst Kaffee in einem Gürtel nördlich und
An den Berghängen Äthiopiens wächst der
südlich des Äquators. Kaffeeanbaugebiete
Kaffeebaum oder -strauch im Halbschatten der
findet man in über fünfzig Ländern der Welt,
hohen Baumkronen des Regenwalds heran. Es
bevorzugt an vulkanischen Berghängen.
gibt viele Arten Kaffeepflanzen, aber nur zwei
haben sich kommerziell durchgesetzt.
© Joa
o Pag
lione,
razil
orã, B
Echap
Schnell und
einfach
Vom Kaffeestrauch
bis in die Tasse
– mit Instantkaffee zum
bequemen Koffein-Kick
Welchen Weg muss aber der Kaffee nehmen,
um schließlich in Ihre Tasse zu gelangen? Es
ist eine erstaunliche Reise, und wenn man
sich Arbeitsumfang sowie die Anzahl der
Menschen, die an dieser Tasse beteiligt sind,
vor Augen führt, sollte man eigentlich jeden
Schluck mit Bedacht genießen. Mehr als 25
Millionen Menschen weltweit leben auf die
eine oder andere Weise vom Kaffee.
Für einen gut gebrühten Kaffee übergießt man
Weise geschehen und hängt vom Klima
zwei Löffel gemahlenen Kaffees mit rund
ab. In Brasilien legt man die ganzen
170 ml siedendem Wasser und lässt dieses
Kaffeekirschen oft zum Trocknen auf
Gemisch rund vier Minuten lang ziehen,
Planen aus, bevor man das Fruchtfleisch,
bevor das Getränk gefiltert wird. Dabei
die Pulpe, von den Bohnen entfernt. Dann
unterscheidet man zwischen mehreren
werden die Bohnen etwa 24 Stunden lang
Methoden: Der Filtertropfmethode, dem
vorfermentiert, bevor sie gewaschen
Presso-oder Dampfdrucksystem oder
und zum Trocknen für mehrere Tage
dem eher esoterischen Vakuumbehälter.
ausgebreitet werden. Schließlich wird die
Sowohl die Art der Filterung als auch
pergamentartige Hülse, die die Kaffeebohne
Er ist eine außerordentlich arbeitsintensive
die Kaffeemenge sind eine Frage des
direkt umgibt, entfernt. Die so gewonnenen
Kulturpflanze, und mit Ausnahme
Geschmacks und der Gewohnheit.
grünen Rohkaffeebohnen werden sortiert
weniger Arbeitsschritte erfolgt alles in
Ganz gleich, welche Methode man
und zum weltweiten Versand verpackt.
Handarbeit. Zuerst werden die Samen
anwendet, die Zubereitung ist
ausgesät und im Schatten der Baumkronen
Das Röstverfahren ist eine Kunst für sich.
zeitaufwändig und umständlich.
kultiviert. Anschließend werden sie auf
Die meisten Bohnen werden rund zwölf
Deshalb ist es nicht verwunderlich,
fruchtbare Berghänge umgepflanzt, wo die
Minuten lang bei maximal 230°C geröstet.
dass die Versuche, einen guten
Kaffeebauern sie beschneiden, düngen,
Während des Röstvorgangs dehnen sich
Instantkaffee herzustellen,
spritzen und bewässern, um schließlich
die Kaffeebohnen auf das Doppelte ihrer
eine lange Tradition haben.
die Kaffeekirschen pflücken zu können.
Größe aus. Rund 500 raffinierte chemische
Während seines Aufenthalts in
Die Kaffeekirschen werden abgeerntet
Bestandteile sorgen dann für den Geschmack
Guatemala kam 1906 einem
und in Säcke gefüllt. In einem komplexen
und das unvergleichliche Aroma des Kaffees.
Belgier mit dem Namen George
Arbeitsgang wird die kostbare Bohne,
Washington – wahrscheinlich
ebenfalls von Hand, vom Fruchtfleisch
getrennt. Dies kann auf unterschiedliche
KAFFEE IM
LAUF DER
JAHRHUNDERTE
10. Jahrhundert: Rhazes, ein arabischer Arzt, erwähnte Kaffee als
Erster in einer seiner Schriften im 10. Jahrhundert.
16. Jahrhundert: In Arabien wurden Kaffeehäuser zu beliebten
Treffpunkten.
17. Jahrhundert: Der Kaffee kommt nach Europa. Die Holländer
durchbrachen das Kaffeemonopol der Araber und legten in Java und
Ceylon Plantagen an. Die Franzosen begannen mit dem Kaffeeanbau
in der Karibik, die Spanier in Zentralamerika und Kolumbien und
die Portugiesen in Brasilien. Letzteres entwickelte sich zum größten
Kaffeeerzeuger der Welt.
ein indirekter Nachkomme des ersten
amerikanischen Präsidenten – die Idee,
Kaffeekristalle aus aufgebrühtem Kaffee zu
erzeugen. Um 1910 brachte Washington,
der mittlerweile als amerikanischer Bürger
in New York lebte, seinen „G. Washington’s
Refined Coffee“ auf den Markt. Obwohl dieser
Kaffee weder im Aroma noch im Geschmack
an frisch gerösteten Bohnenkaffee
heranreichen konnte, erzeugte er dasselbe
warme Gefühl und hatte aufgrund seines
Koffeingehalts die gleiche Wirkung.
mit dem Nescafé in der Schweiz einen
verbesserten löslichen Pulverkaffee auf
den Markt. Statt der „Trommel“-Methode,
bei der aufgebrühter Kaffee zu Kristallen
eingedampft wurde, machte sich Nestlé die
Sprühtrocknungstechnik zunutze. Diese
Methode hatte man bereits zur Herstellung
von Milchpulver und Babynahrung eingesetzt.
Danach wird der Kaffee zusammen mit
erwärmter Luft in eine Trockenkammer
gesprüht. Hier bildet der Kaffee Tröpfchen, die
augenblicklich zu Pulver getrocknet werden.
1939 führte Nestlé den Nescafé in den USA
Doch auch andere beanspruchen die
ein. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs
Erfindung des löslichen Kaffees für sich:
belieferten Maxwell House und andere
Schon 1771 erhielt ein Brite das Patent
Unternehmen die amerikanischen Truppen
für ein „Kaffeepräparat”. Im späten 19.
ebenfalls mit löslichem Kaffee. Jahrhundert erfanden R. Paterson & Son aus
Glasgow den „Camp Coffee“, eine flüssige
„Essenz“. Im Jahr 1900 führte der japanische
Apotheker Sartori Kato eine neue Version
ein, die auf der Pan American Exposition
1901 verkauft und 1903 patentiert wurde.
Obwohl der erste Weltkrieg den Verbrauch
von Instantkaffee bei den Truppen ansteigen
ließ, fand G. Washington’s Refined Coffee
nach dem Krieg nicht mehr so viel
Zuspruch. Erst 1938 brachte Nestlé
1688: Edward Lloyd gründete sein Kaffeehaus in London, in erster
Linie für Seefahrer und Kaufleute. Er stellte regelmäßig „Schiffslisten“
für die Assekuranten zusammen, die dann dort ihre Versicherungen
anboten. Dies war der Anfang von Lloyd’s of London, des mittlerweile
bedeutendsten Versicherungskonzerns der Welt.
Nach dem Krieg wuchs die
Instantkaffeeindustrie sprunghaft. Aufgrund
landesweiter Werbung beherrschte
Nescafé den Markt in den USA. Das
Schweizer Unternehmen führte seine
Instantmarke auf der ganzen Welt ein – in
Europa, Lateinamerika, Asien, Ozeanien
und Südafrika. Doch schon bald machten
Maxwell House und andere Marken Nescafé
die Führungsposition wieder streitig.
1700: London hatte über 2.000 Kaffeehäuser, die mehr Fläche
einnahmen als jeder andere Geschäftszweig. Jedes Kaffeehaus
war auf eine andere Klientel spezialisiert. Die einzelnen Häuser
bedienten so etwa Doktoren, Autoren, Kaufleute, Parteimitglieder der
Whigs und der Tories, Armeeoffiziere, Schauspieler, Juristen oder den
Klerus. Andere Kaffeehäuser waren die Geburtsstätte der Börse, der
Bankenverrechnungsstelle und von Zeitschriften wie The Tatler und
The Spectator, die noch heute aufgelegt werden.
1773: Die britische Regierung führte in den amerikanischen Kolonien
eine Teesteuer ein. Die wütenden Siedler zerstörten die Teekisten
im Hafen von Boston („Boston Tea Party“) und lösten damit die
amerikanische Revolution aus. Von da an galt es als unpatriotisch,
Tee zu trinken, und die Amerikaner wurden zu Kaffeetrinkern.
Optimierte Technik: Prozesse
veredeln den Instantkaffee
In den 1950/1960er Jahren begann das
Verfahren zur Herstellung aller drei Arten von
dänische Unternehmen Niro A/S, der Pionier
Instantkaffee beginnt nach der Röstung und
auf dem Gebiet der Sprühtrocknungstechnik
Grobmahlung der Bohnen. Das Mahlgut wird
und einer der größten Anbieter von
in Extraktionskolonnen mit 200°C warmem
Sprühtrocknungsanlagen weltweit, eine
Wasser gemischt. In Klärapparaten werden
verbesserte Extraktions-, Sprühtrocknungsdie unlöslichen Bestandteile abgetrennt, um
und Agglomerationstechnik zur Herstellung
Kaffeerückstände in der Tasse zu vermeiden.
von löslichem Kaffee zu entwickeln. Später
Nach der Konzentration wird der Extrakt
wurde das Unternehmen in die GEA Group
entweder in einem Sprüh- oder einem
eingegliedert. Heute verfügt Niro über
Gefriertrockner getrocknet. Der Sprühtrockner
Verfahren und Systeme, mit denen nahezu jede
liefert Kaffeepulver, der Gefriertrockner
Stufe der Instantkaffeeherstellung optimiert
Granulat. Zur Granulatbildung wird
werden kann. Auf diese Weise ist sichergestellt,
oft sprühgetrocknetes Pulver in einer
dass Verbraucher weltweit in den vollen
zweiten Trocknungsstufe agglomeriert.
Aromagenuss ihres Lieblingsgetränks kommen
Aromarückgewinnungssysteme fangen die
können. Niro A/S plant und baut komplette
beim Konzentrationsprozess freigesetzten
Prozesslinien für die Instantkaffeeherstellung
Aromastoffe auf und setzen sie dem
auf der ganzen Welt. Jeder Anlagenteil wird
Endprodukt wieder zu. Ganz gleich ob in
an die Mengen- und Qualitätsvorgaben
Pulver- oder Granulatform, der lösliche
der Kunden genau angepasst. Weitgehend
Kaffee behält so den Geschmack und
unbemerkt von den Endverbrauchern,
das Aroma von frischem Kaffee.
spielt Niro A/S so eine Schlüsselrolle bei
der Herstellung ihres Lieblingsgetränks.
Heute ist löslicher Kaffee in drei Handelsformen
erhältlich: gefrier- oder sprühgetrocknet
und als flüssiger Kaffee-Extrakt. Das
Koffein für Kreativität
und gesellschaftlichen
Wandel
ihrem Coffeeshop-Konzept die Phantasie der
Kaffee ist ein „geselliges“ Getränk: Viele
japanischen Konsumenten angeregt. Japanische
Freundschaften und Beziehungen sind bei
Frauen haben die Starbucks-Idee scheinbar
einer Tasse Kaffee entstanden. Fast scheint es,
so verinnerlicht, dass sie ihr „reales“ Kaffeeals helfe er den Menschen, klarer zu denken,
Erlebnis auch zuhause wiederholen wollten.
aber auch kreativer und unabhängiger zu
werden. Bach und Beethoven sollen bei ihrer
Der Wunsch der Kunden, ein Stück des
Kompositionsarbeit vom Kaffee angeregt
Coffeeshop-Erlebnisses mit nach Hause
worden sein. Balzac soll eine regelmäßige
zu nehmen, ließ die Nachfrage nach frisch
Dosis Koffein beim Schreiben beflügelt haben.
gemahlenem Kaffee beträchtlich ansteigen. Ohne, dass die Kunden die KaffeeSowohl die französische als auch die amerikabohnen selbst mahlen müssen, können sie
nische Revolution wurden in den Kaffeehäusern
so einen Hauch des Coffee-Shop-Flairs
des 18. Jahrhunderts vorbereitet. In jüngerer
in den eigenen vier Wänden genießen.
Zeit hat Kaffee in Japan eine bemerkenswerte – jedoch absolut friedliche – gesellLöslicher Kaffee macht immer noch den
schaftliche Revolution mit sich gebracht.
überwiegenden Teil des Kaffeeumsatzes
Seit Menschengedenken waren die Japaner
in Japan aus. Nestlé ist mit 66 Prozent
ausschließlich dem Tee zugetan und haben
Marktführer. Das Unternehmen ist in den
dabei die berühmte Teezeremonie entwickelt.
lukrativen Markt mit trinkfertigen („RTD“
Seit Mitte der 1990er Jahre beobachtet man
– ready to drink) Getränken eingestiegen.
in dieser einstigen Teetrinkernation eine
Die in versiegelten Verpackungen angebosignifikante Verschiebung der Nachfrage
tenen Kaffee-Milch-Zuckergemische sind
zugunsten des Kaffees. Heute ist er sogar
bei japanischen Pendlern sehr beliebt.
mengen- als auch wertmäßig beliebter als Tee.
Nun konzentrieren sich Unternehmen wie
Starbucks war an dieser geschmacklichen
Umorientierung maßgeblich beteiligt. Die
amerikanische Kaffeehaus-Kette hat mit
19. Jahrhundert: Mit der Verbreitung des Handels als Folge der
industriellen Revolution wurde Kaffee zur internationalen Massenware.
Durch Spekulation mit Kaffeebohnen konnte man ein Vermögen
machen - oder verlieren.
Starbucks, Nestlé und Kraft auf den chinesischen Markt – in der Hoffnung, den japanischen Erfolg dort wiederholen zu können.
1880: Ein Überangebot an brasilianischem Kaffee ruinierte Hunderte von
Spekulanten. Als Reaktion auf diese Katastrophe wurde in New York eine
Kaffeebörse eingerichtet. Sie bot die Möglichkeit der Absicherung und
des Handels mit Kaffeetermingeschäften. Sie griff jedoch nicht ein, um
Spekulation oder Versuche, den Markt zu beeinflussen, zu verhindern.
Heute hat die Robusta-Börse ihren Sitz in London, während die Preise für
Arabica immer noch in New York bestimmt werden.
1903: Der entkoffeinierte Kaffee wurde vom deutschen KaffeeExporteur Ludwig Roselius entwickelt, dessen Mitarbeiter das Koffein
erfolgreich entfernten, ohne das Aroma zu beeinträchtigen. Der
so behandelte Kaffee wurde unter dem Markennamen Sanka (von
französisch ‘sans caffeine’) vertrieben.
STICHWORT GESUNDHEIT
Seit Kaffee getrunken wird, gibt es
Diskussionen um seine Nebenwirkungen.
Einige behaupten, er stärke die Gesundheit.
Andere warnen, Kaffee mache reizbar
und greife den Magen an. Was ist
tatsächlich richtig?
Wissenschaftler konnten in den letzten Jahren
gute Neuigkeiten für den Kaffee verkünden.
Zuvor konzentrierten sich die meisten Studien
auf die Wirkung des Koffeins. Dabei ist das
Getränk eine viel komplexere Mischung
chemischer Verbindungen, einschließlich
Aminosäuren, Kohlehydraten, Mineralien
und flüchtiger aromatischer Bestandteile.
fRiSCH GEMAHLEn oDER
LÖSLiCH: WER TRinKT WAS?
Die Verbrauchsstatistiken für frisch gemahlenen oder
löslichen Kaffee offenbaren eine außerordentliche
Bandbreite an Unterschieden zwischen den Märkten.
Die Kanadier und US-Amerikaner lieben frischen Kaffee:
mehr als 95 Prozent geben ihm den Vorzug gegenüber der
löslichen Variante. Auf dem westeuropäischen Kontinent
bevorzugen 90 Prozent frisch gemahlenen Kaffee. In
Großbritannien dagegen geht der Trend in die andere
Richtung, dort entscheiden sich 90 Prozent für Instantkaffee.
Wie man es von einem wichtigen Erzeugerland erwartet, ist
Lateinamerika ein starker Markt für frischen Kaffee. Dort
kaufen gerade mal 10 Prozent löslichen Kaffee. In Afrika und
Nahost geben 86 Prozent frischem Kaffee den Vorzug.
Das Bild ändert sich, wenn man nach Osteuropa blickt, wo nur
65 Prozent frischen Kaffee konsumieren. In Südostasien geht
dieser Prozentsatz auf 46 zurück, 53 Prozent der Kaffeetrinker
entscheiden sich für Instantkaffee. Australasien spielt in einer
eigenen Liga: 79 Prozent kaufen löslichen Kaffee und überlassen
es den übrigen 21 Prozent, frischen Kaffee zuzubereiten.
In den frühen 1980er Jahren haben
verschiedene epidemiologische Studien die
Vermutung nahe gelegt, Kaffee sei eventuell
an verschiedenen Gesundheitsproblemen
beteiligt, könnte z.B. Geburtsfehler,
Knoten in der Brust, Herzkrankheiten und
Bauchspeicheldrüsenkrebs fördern.
Kein Krankmacher
Mittlerweile ist Kaffee von diesen
Anschuldigungen freigesprochen. Obwohl
er den Puls vorübergehend erhöht,
wurde kein Nachweis erbracht, dass sein
Konsum zu Herzkrankheiten führt. Da im
Gegenteil Kaffee eine wichtige Quelle von
Antioxidantien ist, kann er Herz und Arterien
schützen. Überraschenderweise scheint
Kaffee auch vor Diabetes, Gallensteinen,
Parkinson, Asthma, Allergien, und
Migräne zu schützen oder zumindest – in
diesen Fällen – mildernd zu wirken.
Schlussfolgernd bedeutet dies: Instantkaffee
nimmt dort eine starke Position ein, wo Tee für
lange Zeit das traditionelle Getränk war.
Ein Vergleich der Marktanteile von sprühgetrocknetem und
gefriergetrocknetem Kaffee zeigt: In den wohlhabenderen
Ländern geht der Trend zu gefriergetrockneten
Granulaten, während der Umsatz mit sprühgetrocknetem
Pulverkaffee in den Schwellenländern zunimmt.
Koffein hat eine, wenn auch äußerst geringe,
Auswirkung auf die Kalziumresorption im
Darm. Daher wurde zeitweise vermutet,
Kaffeetrinken könne Osteoporose
verursachen. Wer jedoch die empfohlene
tägliche Kalziumdosis zu sich nimmt,
muss sich keine Sorgen machen.
Das schwarze Gebräu steigert sogar die
sportliche Leistung (eventuell wegen
der Adrenalinanregung). Koffein gehörte
daher - ebenso wie Amphetamine und
Ephedrine - zur Gruppe der Stimulanzien.
Inzwischen wurde Koffein allerdings
von der Dopingliste gestrichen.
Medizinischer Wert
In Kombination mit Aspirin kann
Koffein Schmerzen mildern. Wenn man
auch Kaffee nachsagt, er liefere keine
Nährstoffe, enthält er doch geringe Spuren
an Kalium, Magnesium und Mangan.
Koffein ist ein Suchtstoff, und wer an
einen regelmäßigen Kaffeekonsum
gewöhnt ist, kann bei Verzicht kurzfristig
unter Entzugserscheinungen wie
Kopfschmerzen oder Übelkeit leiden.
1946: Achilles Gaggia hat die moderne Espresso-Maschine in Italien
perfektioniert. Er erlangte seinen Durchbruch, indem er durch Einsatz
eines Federdruckhebelsystems einen überdurchschnittlich hohen
Dampfdruck erzeugte.
MEHRWERT DURCH TECHNIK
Niro A/S, ein Unternehmen der GEA Group, ist ein
führender Anbieter von Verfahrenstechnik für die
Kaffeeproduzenten auf der ganzen Welt. Niros Technologien helfen bei der Verarbeitung des Rohkaffees
zu dem aromatischen Getränk, das die Verbraucher
weltweit genießen. Für folgende Produktionsschritte
werden Niro-Anlagen derzeit eingesetzt:
Rohkaffeebehandlung: Systeme zum Reinigen,
Mischen und Lagern von geernteten Bohnen
Behandlung von gerösteten Bohnen: Systeme
zum Steuern der Lagerbedingungen und des
Mahlvorgangs im technischen Maßstab
Extraktion: Schnelle Systeme zur InstantkaffeeExtraktion, diskontinuierlich betriebene Perkolatoren
und kontinuierliche Gegenstromextraktoren
Extraktbehandlung: Systeme zur Rückgewinnung von Aromastoffen und Klärapparate zum
Entfernen von unerwünschten Rückständen
Eindampfung: Fallfilm- und Platteneindampfer,
Gefrierkonzentratoren und Membranfiltersysteme
Trocknung: Sprühtrockner, kontinuierliche
und diskontinuierliche Gefriertrockner
Agglomeration: Rückfeuchtungssysteme
zur Erzeugung von staubfreien Pulvern und
Granulaten nach Kundenspezifikation
1953: Irish Coffee, eine Getränk aus Kaffee, Whisky und Sahne soll
im Buena Vista Café in San Francisco erfunden worden sein. Irische
quellen bestreiten diese Version jedoch und behaupten, der Inhaber
des Cafés, Jack Koeppler, habe die Idee bei einer Reise nach Irland
aufgriffen und sie einfach in den USA nachgeahmt.
1971: Starbucks eröffnet seinen ersten Laden am Pike Place Market in
Seattle. Dies löst schließlich einen globalen Coffeeshop-Boom aus. Im
oktober 2006 betrieb Starbucks bereits mehr als 12.000 Shops.
GENERATE AUSGABE 0
In gleichem UMFANG, in dem die
weltweiten Vorkommen fossiler
Brennstoffe abnehmen, steigt
die Notwendigkeit, alternative
Energiequellen zu finden und
zu entwickeln. Die Forschung
hat die Industrie heute jedoch
längst über Solar-, Wind- und
Hydroenergie hinaus in den
Bereich der Biomasse geführt.
14
Dr. Ludwig Leible, wissenschaftlicher
Mitarbeiter im Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse
(ITAS) des Forschungszentrums
Karlsruhe, ist eine Persönlichkeit in
diesem Forschungsfeld. Mit GENERATE
sprach er über das Zukunftspotenzial von
Biomasse. Foto:James Bell
F. Was ist Biomasse und in welcher Beziehung
steht sie zu Biokraftstoff?
F. Produzieren verschiedene Arten von
Pflanzenstoffen unterschiedliche Mengen
potenzieller Energie?
A. Hinter dem Begriff „Biomasse“ verbergen
sich eine Vielzahl verschiedener organischer
A. Ja. Insbesondere der unterschiedliche
Materialien aus der Pflanzen- und
Gehalt an Wasser und Asche bedingen
Tierwelt. Dies reicht beispielsweise von
einen unterschiedlichen Heizwert der
auf Ackerflächen angebautem Getreide
Biomasse. Hiervon, aber auch vom jeweiligen
über Holz aus dem Wald bis hin zu
Konversionsverfahren zur Strom-, Wärmeflüssiger Gülle aus der Tierhaltung oder
oder Kraftstoffgewinnung ist abhängig,
Küchen- und Schlachtabfällen. Aus diesen
mit welchem Wirkungsgrad aus der
unterschiedlichen Arten von Biomasse lassen
Biomasse Nutzenergie gewonnen werden
sich auf unterschiedliche Weise Kraftstoff,
kann. Eine vorherige Konditionierung der
aber auch Strom und Wärme gewinnen.
Biomasse, z.B. Trocknung, kann diesen
Wirkungsgrad deutlich verbessern. Es
F. Sie unterscheiden zwischen „traditioneller”
ist aber festzuhalten, dass bestimmte
und „neuer” Biomasse – können Sie
Biomassen nur durch bestimmte energetisch
diese Unterscheidung erläutern?
sinnvolle Nutzungsverfahren zu erschließen
sind. So kann beispielsweise die sehr
A. Nun, der Unterschied zwischen der
wasserreiche Gülle nur über die Gewinnung
„traditionellen“ und der „neuen“ bzw.
von Biogas sinnvoll energetisch genutzt
„modernen“ Biomasse besteht darin, dass es
werden, während trockenes Holz oder
sich bei der erstgenannten um Reststoffe aus
Getreidestroh energetisch direkt über die
der Land- und Forstwirtschaft handelt, z.B.
Verbrennung und Vergasung zu nutzen ist.
Ernterückstände, gesammeltes Brennholz
oder Dung aus der Tierhaltung. Diese
F. Welche sind die globalen Faktoren, die
werden insbesondere in ländlichen Gebieten
aktuell die Entwicklung von Biomasse
von Entwicklungs- und Schwellenländern
vorantreiben?
ohne eine weitergehende Konditionierung
direkt zum Kochen oder Heizen eingesetzt.
A. Nach meiner persönlichen Einschätzung
Hierbei handelt es sich vor allem um eine
sind dies insbesondere drei Faktoren: Da
nichtkommerzielle Biomassenutzung.
sind vor allem die dramatisch angestiegenen
Im Gegensatz dazu werden bei der neuen
Energiepreise. Die treibende Kraft für diesen
Biomasse weitere Verarbeitungsschritte nötig,
Anstieg, wobei ich dies nicht vertiefen möchte,
beispielsweise Trocknung oder Pelletieren,
ist vor allem die durch China und Indien
bevor diese dann über die Verbrennung,
verstärkte Nachfrage nach Energieträgern
Vergasung oder Biogasgewinnung zur
auf dem Weltmarkt; Spekulationen auf dem
Strom-, Wärme- oder Kraftstoffgewinnung
Energiemarkt tragen ebenfalls hierzu bei.
genutzt wird. Auch gezielt angebaute
Als zweiter aber deutlich schwächerer Faktor
Biomasse, wie Raps für die Produktion von
spielt hier das politische Ziel eine Rolle, die
Biodiesel, zählt zur Kategorie „neu“.
treibhausrelevanten Gase zu reduzieren.
GENERATE AUSGABE 01
15
Biomasse trägt zu
rund zehn Prozent
zur Deckung des
weltweiten primären
Energiebedarfs bei.
Darüber hinaus hat das Bewusstsein
zugenommen, dass die fossilen Energieträger
endlich sind. Alle drei genannten
Faktoren sind treibende Kräfte, einerseits
effizienter mit der Energie umzugehen,
aber auch den Anteil der regenerativen
Energieträger an unserer Energieversorgung
zu erhöhen. Die Biomasse kann hierzu
einen wesentlichen Teil beitragen.
F. Was sind die Hauptvorteile von aus
Biomasse gewonnener Energie?
A. Wie bereits teilweise ausgeführt, hat die
Biomasse als Energieträger den Vorteil,
dass es sich hierbei um einen regenerativen
und lagerfähigen Energieträger handelt.
Des Weiteren ist seine energetische
Nutzung nahezu treibhausneutral. Das
heißt, das bei der energetischen Nutzung
frei werdende CO2 wird von den Pflanzen
wieder aufgenommen und in die Biomasse
eingebaut. Es handelt sich hierbei folglich
um einen nahezu geschlossenen CO2Kreislauf. Darüber hinaus kann einheimische
Biomasse die Versorgungssicherheit
erhöhen und zur Wertschöpfung im
ländlichen Raum beitragen.
F. Und die Nachteile ...?
A. Wesentliche Nachteile sind die geringe
Energiedichte und die dezentrale Verteilung
der Biomasse. Es ist folglich ein erhöhter
Logistikaufwand (Erfassung, Transport,
Lagerung und Konditionierung) nötig, bis
aus der Biomasse Strom, Wärme oder
Kraftstoff bereitgestellt werden können.
F. Wo rangiert Biomasse als Energiequelle
im Vergleich zu anderen erneuerbaren
Energien?
16
A. Die erneuerbaren Energien – hierunter
fallen neben Biomasse auch Wasserkraft,
Windkraft, Geothermie und Sonnenenergie
– tragen derzeit in Europa (EU-25)
rund sechs Prozent zur Deckung des
Primärenergieverbrauchs bei. Biomasse
spielt mit einem Anteil von rund 65 Prozent
unter den erneuerbaren Energien die
bedeutendste Rolle. Mit großem Abstand
folgen die Wasserkraft, die Windkraft und
die Geothermie. Gegenüber den anderen
erneuerbaren Energieträgern besitzt
jedoch nur die Biomasse die Eigenschaft,
als erneuerbarer Kohlenstoffträger für
die organische Chemie genutzt werden
zu können. Daneben ist sie sehr vielfältig
einsetzbar: Sowohl Wärme, Strom als auch
Kraftstoff können daraus produziert werden.
F. Welcher Anteil der europäischen (oder
der weltweiten) Energieversorgung
wird im Jahr 2050 voraussichtlich
durch Biomasse gedeckt werden?
A. Derzeit deckt Europa (EU-25), wie
zuvor beschrieben, rund vier Prozent
seines Energiebedarfs über Biomasse.
Bis 2010 wird gemäß dem europäischen
Biomasseaktionsplan eine Verdoppelung
dieses Anteils auf ca. acht Prozent
angestrebt. Alle erneuerbaren Energieträger
zusammen sollen bis zu diesem Zeitpunkt
rund zwölf Prozent des Primärenergiebedarfs
decken. Eine Vorhersage für das Jahr
2050 ist nur schwer zu treffen. Nach
unseren Einschätzungen wäre aufgrund
des Biomassepotenzials ein Anteil von
rund 15 Prozent, gemessen am derzeitigen
Energieverbrauch, durchaus erreichbar.
F. In Kombination mit fossilen Brennstoffen
können Biokraftstoffe schon jetzt in
Fahrzeugen eingesetzt werden. Sehen
Sie hierin einen Trend, der unweigerlich
wachsen wird? Und wenn ja, wie schnell?
Werden wir innerhalb eines Jahrzehnts
Bioethanol- und Biodiesel-Zapfsäulen
an unseren Tankstellen finden?
A. Der Einsatz von Biokraftstoffen in unseren
Autos wird sicherlich weiter zunehmen, da
sich an den wesentlichen wirtschaftlichen
und politischen Rahmenbedingungen so
schnell nichts ändern dürfte. Die Preise
für Rohöl werden aufgrund der Endlichkeit
und zunehmender Knappheit des
Rohstoffs nicht mehr stark sinken. Auf der
politischen Ebene geben die europäischen
Zielvorgaben der Biokraftstoffrichtlinie den
weiteren Weg vor: Bis 2010 soll ein Anteil
von Biokraftstoffen von 5,75 Prozent am
gesamten Kraftstoffmarkt erreicht werden.
Dabei wird die Beimischung von
Biokraftstoffen zu fossilen Kraftstoffen den
Markt dominieren; darüber hinaus kann man
sich, im Sinne von Premium-Marken, auch
Tankstellen mit Kraftstoffen mit
einem höheren Blendanteil an Bioethanol,
Biodiesel oder BtL (Biomass to Liquid) Kraftstoff vorstellen. Die reine Nutzung
von Bioethanol, Biodiesel oder BtLKraftstoff dürfte eher auf Nischenmärkte
beschränkt bleiben, beispielsweise die
Landwirtschaft, das Speditionsgewerbe
oder den öffentlichen Personennahverkehr.
F. Erdgas wurde aufgrund niedriger
Emissionswerte als „grüner” Treibstoff der
Zukunft gefeiert, war jedoch nie wirklich
erfolgreich. Könnte dasselbe im Falle der
Biokraftstoffe eintreten?
A. Erdgas weist sicherlich gegenüber Benzin
oder Diesel auf der Emissionsseite Vorteile
auf; darüber hinaus ist es aus steuerlichen
Gründen auch wesentlich kostengünstiger
im Betrieb. Dem steht jedoch entgegen, dass
sowohl Investitionen für die Infrastruktur
(Erdgastankstellen) als auch für die
Umrüstung der Fahrzeuge zu tätigen sind.
Die aktuellen Zahlen bei der Zulassung
von Neufahrzeugen zeigen in Deutschland
bereits einen starken Zuwachs bei
Erdgasfahrzeugen – leider noch auf einem
sehr niedrigen Niveau. Um den Einsatz
von Erdgas zu forcieren, müsste die
Automobilindustrie ihre Werbeanstrengungen
für Erdgasfahrzeuge schon deutlich erhöhen.
Eine dem Erdgas ähnliche Entwicklung bei
den Biokraftstoffen ist nicht zu erwarten, da
die politischen Rahmenbedingungen sehr
stark auf die Beimischung von Biokraftstoffen
ausgerichtet sind. Folglich sind zusätzliche
Investitionen in die Infrastruktur nicht nötig.
F. Der rückläufige Einsatz fossiler Brennstoffe
ist nicht nur eine Frage der endlichen
Ressourcen, sondern auch eine Frage
der CO2-Emissionen. Welche Emissionen
werden beispielsweise von einem mit
Biomasse befeuerten Kraftwerk abgegeben?
Und wie lassen sie sich mit jenen einer
konventionellen, mit fossilen Brennstoffen
betriebenen Anlage vergleichen?
A. Betrachtet man die Verbrennung von
Waldrestholz in einem Biomassekraftwerk,
dann stehen sicherlich die
treibhausrelevanten Emissionen im
Vordergrund. Hierunter fallen neben dem CO2
auch die Treibhausgase CH4 (Methan) und N2O
(Lachgas). In wissenschaftlichen Arbeiten
werden diese Gasemissionen in der Summe
als CO2-äquivalente dargestellt. Daneben
gilt ein besonderes Augenmerk auch den
Emissionen an Feinstaub, insbesondere in
kleineren dezentralen Feuerungsanlagen.
Im Vergleich zu der konventionell in
Deutschland zur Stromerzeugung
eingesetzten Steinkohle lassen sich
über 90 Prozent der CO2-Emissionen
einsparen. In absoluten Zahlen bedeutet
dies: Pro erzeugter Megawattstunde Strom
könnte man eine Einsparung von rund 0,9
Tonnen CO2-äquivalente realisieren.
F. Wenn Energie aus Biomasse eine
Hauptenergiequelle wird, bemerken
Verbraucher überhaupt einen Unterschied?
A. Das ist abhängig davon, ob Sie den
Kraftstoff-, Strom- oder Wärmemarkt
betrachten: Beim Strom oder bei
beigemischten Kraftstoffen sind für den
Verbraucher keinerlei Unterschiede
erkennbar; bei Wärme, falls diese über ein
Wärmenetz verteilt wird, ebenfalls nicht.
Bei einer dezentralen Wärmebereitstellung,
z.B. mit Holzpellets als Brennstoff, sieht das
anders aus. Hier sind für den Verbraucher
die Veränderungen klar erkennbar.
Generell ist festzustellen, dass der
Verbraucher Preiseffekte spüren dürfte,
wobei er aber nicht nachvollziehen kann, ob
die steigenden Preise der Biomasse oder dem
fossilen Energieträger zuzurechnen sind.
F. Ein großer Prozentsatz der Biomasse wird
heute aus agrarwirtschaftlichen Produkten
gewonnen. Bedeutet dies, dass wir in Zukunft
die Entstehung von „Energie-Farmen”,
landwirtschaftlichen Betrieben, die
ausschließlich Biomasse produzieren,
beobachten werden?
A. Die Entwicklung reiner Energiefarmen
in der Landwirtschaft dürfte eher die
Ausnahme bleiben; vielmehr wird die
Land- und Forstwirtschaft auch in Zukunft
im Schwerpunkt darauf ausgerichtet sein,
Nahrungs- und Futtermittel bzw. Holz zur
rohstofflichen Verwertung bereitzustellen. Die
Option, Biomasse als Energieträger nutzen
zu können, dürfte sich stabilisierend auf das
Preisniveau der Rohstoffmärkte auswirken.
F. Selbst wenn Deutschlands gesamte
landwirtschaftliche Nutzfläche zum Anbau
von Pflanzen für die Biomasseproduktion
eingesetzt würde, reichte die so gewonnene
Energie nicht aus, um den bundesweiten
Energiebedarf zu decken. Zudem, so
sagt man, müsste Deutschland dann alle
Nahrungsmittel zukaufen. Entspricht das
auch ihrer Einschätzung?
A. Richtig, diese Darstellung sollte
dazu dienen, die Grenzen der Biomasse
als Energieträger in Deutschland zu
verdeutlichen. Allein mit biogenen
Reststoffen und Abfällen könnten
rund zehn Prozent des deutschen
Primärenergiebedarfs gedeckt werden
– dieser Primärenergiebedarf liegt derzeit
bei rund 500 Mio. t Steinkohleneinheiten.
In Deutschland trug 2005 die Biomasse,
einschließlich Biodiesel, 2,9 Prozent zur
Deckung des Primärenergiebedarfs bei.
Zum gleichen Zeitpunkt lag der gesamte
Beitrag der erneuerbaren Energieträger bei
4,6 Prozent. Dies verdeutlicht die dominante
Rolle der Biomasse im Gesamtkonzert der
erneuerbaren Energieträger. Zur Einordnung:
Global trägt Biomasse rund zehn Prozent
zur Deckung des Primärenergiebedarfs bei.
F: Große Vorkommen fossiler
Brennstoffressourcen leisten einen
erheblichen Beitrag zur Wirtschaftskraft eines
Landes. Wird das Aufkommen von Biomasse
voraussichtlich die Machtverhältnisse
dahingehend verschieben, dass große
Agrarwirtschaften die Oberhand gewinnen?
A: Dies ist zu verneinen; es ist aber davon
auszugehen, das hatte ich schon zuvor
erwähnt, dass durch die zusätzliche
Nachfrage nach Bioenergieträgern global
die ökonomischen Perspektiven der Landund Forstwirtschaft gestützt werden. Mit
Blick auf Ihre Frage möchte ich aber noch
bemerken, dass für die Prosperität der
Volkswirtschaft eines Landes vor allem
maßgeblich ist, wie hoch das realisierte
Bruttoinlandsprodukt ist und wie sich
dieses auf die Bevölkerung verteilt.
Der Besitz und Verkauf von fossilen
Energieträgern kann dies fördern, es gibt
aber Beispiele auf der Welt, die belegen,
dass dies oft nicht ausreichend ist.
Biographische details
Leible, Ludwig, Dr.: Studium der
Agrarwissenschaften an den
Universitäten Gießen und StuttgartHohenheim, Schwerpunkte: Pflanzenbau,
Betriebswirtschaft; Promotion zum Dr. sc.
agr. Seit 1988 wissenschaftlicher Mitarbeiter
im Institut für Technikfolgenabschätzung
und Systemanalyse (ITAS) des
Forschungszentrums Karlsruhe.
Arbeitsschwerpunkte: Systemanalysen im
Bereich der energetischen und stofflichen
Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen
und biogenen Rest- und Abfallstoffen
Weitergehende Informationen zum Arbeitsfeld
und zu Publikationen finden Sie im Internet
www.itas.fzk.de/mahp/leible/leible.htm
GENERATE AUSGABE 0
7
CHINAS
AUFSCHWUNG
WIRD EINFLUSS
AUF DIE
WELTWIRTSCHAFT
NEHMEN
eist man zum ersten Mal nach China,
ist dies zweifellos ein unvergessliches
Erlebnis. Nicht nur, weil das Land so
riesengroß wäre, was es tatsächlich ist.
Auch nicht, weil es so fremd, faszinierend
und mysteriös wäre, was es ebenso ist.
Der Kulturschock setzt ein, sobald das
Taxi vom Flughafen die staubbedeckte
Metropole Beijing erreicht. In diesem
Augenblick wird deutlich: Das chinesische
Wirtschaftswunder gibt es tatsächlich!
Die GEA Group Aktiengesellschaft ist ein
solches Unternehmen, das den Weg nach
China gewagt hat. Ein herausragendes
Beispiel für ihre Initiative ist die neue
Fertigungsstätte Langfang in der Nähe von
Beijing, die von der Division Energietechnik
betrieben wird. Hier werden Komponenten
für luftgekühlte Kondensatoren gefertigt.
Diese sind für all jene thermischen
Kraftwerke bestimmt, die für Chinas
Streben nach Wachstum essenziell sind.
Die meisten Menschen wissen über China
nur das, was sie in Büchern gelesen haben:
Es ist asiatisch, andersartig, vielleicht
ein wenig unnahbar. Aber das hat sich
längst geändert. China, das ist nicht mehr
nur ein Wort, das klein gedruckt auf der
Unterseite eines Plastikspielzeugs zu lesen
ist. Der Drache hat sich gerührt. Er wacht
gerade auf und sein Abheben wird letztlich
jede Gesellschaft der Erde berühren;
viele von ihnen vielleicht verändern.
China verfügt über rund zwölf Prozent
der weltweiten Kohlereserven - genug,
um das Land zumindest für das nächste
Jahrhundert autark zu halten. Knapper
bemessen sind die Wasservorräte: Die
eingeschränkte Verfügbarkeit von Prozessund Kühlwasser für die Industrieanlagen
ist daher einer der wenigen Engpässe,
die das Wachstum der chinesischen
Industrie noch bremsen könnten.
Globale Konzerne haben zwei Möglichkeiten:
auf China zuzugehen oder es zu ignorieren.
Viele Unternehmen halten es mit der
Alternative Ignoranz. Andere gehen die
Sache pragmatischer an: Sie lassen sich
auf das chinesische Abenteuer ein und
sichern sich ihren Anteil am Erfolg.
18
Für GEA wurde diese Knappheit zur Chance.
Langfang produziert die kombinierten Stahlund Aluminium-Bündel, die das Herzstück
des geschlossenen Kondensationssystems
darstellen, welches das Kühlwasser im
Kraftwerk kondensiert und wieder dem
Kühlkreislauf zuführt. Sie werden als AlexBündel bezeichnet. „Alex“ ist ein Kompositum
aus den englischen Wörtern “aluminum”
und “exchanger”. Aufgrund der Ausmaße der
Bündel wäre es unwirtschaftlich, diese aus
Deutschland zu importieren. Ein typisches
600-MW Kraftwerk beispielsweise benötigte
zu seinem Bau rund 120 Container von gut
12 Metern Länge, gefüllt mit Alex-Bündeln.
Es wird erwartet, dass in den nächsten 25
Jahren der Stromerzeugungsbedarf in China
um 600 Gigawatt ansteigen wird. Rund 1.000
weitere Kraftwerke müssten gebaut werden,
um diesem Bedarf gerecht zu werden. Kurz
gesagt: Für GEA gibt es also noch viel zu tun.
Dies wird auch durch andere Statistiken
gestärkt: Prognosen zufolge können nur
drei Prozent des Strombedarfs durch
erneuerbare Energien gedeckt werden. Der
Anteil der Stromerzeugung aus Wasserkraft
soll zurückgehen, obwohl sich der DreiSchluchten-Damm am Jangtse im Bau
befindet. Bei seiner Inbetriebnahme im Jahr
2009 wird er fünfmal größer als der HooverDamm und das größte Wasserkraftwerk
der Welt sein. Doch selbst in der ScienceFiction-Welt des Jahres 2030 soll immer
noch der größte Teil der elektrischen
Energie aus Kohle gewonnen werden.
Langfang ist weltweit die zehnte
Fertigungsstätte für die Division
Energietechnik. Weitere befinden sich in
den Niederlanden, Frankreich, Spanien,
Italien, Ungarn, den USA, Südafrika sowie
in Deutschland. 350 Mitarbeiter sind in
Langfang im Drei-Schichtenbetrieb rund um
die Uhr im Einsatz. Alex-Bündel sind in der
Branche gefragt: Sie sind um zehn Prozent
effizienter als Ganzstahlbündel, um zehn
Prozent kleiner und wiegen nur etwa ein
Drittel im Vergleich zu anderen Produkten,
die komplett aus Stahl hergestellt sind.
Für ihren Arbeitseifer könnte es einen
ganz praktischen Grund geben: Viele Jahre
lang hat die chinesische Regierung das
Bevölkerungswachstum eingedämmt,
indem sie die Ein-Kind-Politik einführte.
Die in diese schnell wachsende Wirtschaft
hineingeboren Einzelkinder, sehen sich
einer enormen zukünftigen Aufgabe
konfrontiert: die Generation ihrer
Eltern finanziell zu unterstützen. Kein
Wunder also, dass sie hart arbeiten.
Die Anlage liegt 80 Kilometer außerhalb
von Beijing. In China ist es sinnvoll, so nah
wie möglich am Markt zu produzieren, nicht
etwa wegen der Kosten, sondern, um den
logistischen Aufwand so gering wie möglich
zu halten. Die Lohnkosten sind niedriger
als in Europa, aber Facharbeiter werden
gut bezahlt und ihre Löhne werden bald
Anschluss an das Westniveau finden.
Die chinesische Wirtschaft wächst weiter. Im
Jahr 2005 stieg ihr Volumen um
siebeneinhalb Prozent an, mehr als in
Russland, mehr als in Indien und viel mehr
als die in den etablierten Industrieländern
üblichen zwei bis drei Prozent. Und es ist
derzeit kein Ende der rasanten Entwicklung
abzusehen. Die – jetzt stabile – Bevölkerung
ist jung, ehrgeizig, intelligent und fleißig.
Der Drache ist erwacht. Was wird passieren,
wenn er sich in die Lüfte schwingt?
In der Realisierung des Langfang-Projekts
hat sich die chinesische Regierung
als sehr kooperativ gezeigt, und die
Geschäftsmöglichkeiten in der Region
sind unbestritten. Zudem haben die
Chinesen einen entscheidenden Vorteil
gegenüber vielen anderen Nationen: Sie
sind gut qualifiziert, äußerst gebildet
und haben eine hohe Arbeitsmoral.
GENERATE AUSGABE 01
19
eltweit steigen die Rohölpreise; das Auto
rangiert jedoch weiterhin ganz oben auf
der Liste der beliebtesten und meist
genutzten Fortbewegungsmittel. Angesichts der
damit verbundenen Abhängigkeit vom Öl ist es also
kein Wunder, dass die Rufe nach Alternativen zunehmend lauter werden. Bioethanol, dessen Bedeutung
als Treibstoff in den letzten Jahren kometenhaft angestiegen ist, scheint eine Option zu sein. Aber kann es
wirklich die Antwort auf die Ölkrise sein?
Bioethanol wird hauptsächlich durch Fermentation
von Zucker und stärkehaltigen Stoffen gewonnen,
wobei in der Regel Mais oder Zuckerrohr zum Einsatz
kommen. Der Bedarf wächst enorm - die Zahlen*
sprechen für sich.
In den USA konnte die Produktion 2005 kaum mit dem
Anstieg der Nachfrage um 48 Prozent auf 4.048 Mio. Gallonen Schritt halten. Für 2006 liegt der Bedarf bei 500 Mio.
Gallonen pro Monat, das entspricht etwa 1,9 Milliarden Litern
pro Monat. Die installierte Produktionskapazität beläuft sich
zurzeit auf 4.500 Mio. Gallonen, und Anlagen mit einer Gesamtleistung von weiteren 2.000 Mio. Gallonen sind im Bau. Dies
reicht gerade dazu, die jetzige Nachfrage zu decken. Diese Lage
spiegelt sich in anderen Ländern genau so wider. Brasilien ist
Weltmarktführer mit 4.222 Mio. Gallonen; in China bringt man
es auf 1.004 Mio. Gallonen. Weltweit wurden 12.150 Mio. Gallonen
Bioethanol als Kraftfahrzeugtreibstoff hergestellt, das entspricht
einer Steigerung von 13 Prozent im Vergleich zu 2004 (und reicht
aus, um 250.000 Tankstellen zu beliefern). In Europa machen Biotreibstoffe (Bioethanol und Biodiesel) bisher lediglich zwei Prozent
des Kraftfahrzeugtreibstoffs aus. Nach der neuen EU-Richtlinie für
Biotreibstoffe soll bis 2010 dieser Anteil zwingend auf 5,75 Prozent
angehoben werden. Das Potenzial ist gigantisch.
In seiner Ansprache zur Lage der Nation im Jahr 2006 hat Präsident
George W. Bush seine überzeugung geäußert, dass alternative Treibstoffe
Teil der Lösung eines schwerwiegenden Problems sind. „Amerika ist
abhängig vom Öl, welches oft aus politisch instabilen Regionen der Welt
bezogen wird“, sagte er. Und damit hat er nicht Unrecht. Zudem ist das
Problem nicht nur auf die Teile der Welt beschränkt, die normalerweise als
politisch instabil bezeichnet werden: In Nordamerika blockieren Umweltschützer seit langem die Erschließung der Reserven in Alaska, Venezuela hat
Schwierigkeiten mit dem effizienten Betrieb seiner Ölfelder und die mexikanische Regierung stellt sich weiterhin Investitionen aus dem Ausland entgegen.
Entsprechend sinkt die Produktivität der Ölförderung. Zudem droht der Iran
damit, seine Ölfelder zu schließen, falls sein Nuklearprogramm gestoppt wird;
im Irak werden die Pipelines in die Luft gesprengt, und im ganzen Nahen Osten
wurden westliche Investitionen verboten.
Niemand wird bestreiten, dass angesichts dieser Situation die Ethanolproduktion
optimiert werden muss. Dabei tut sich einiges auf diesem Gebiet. Die GEA
Gesellschaften sind die Vorreiter in dieser Branche. Die GEA Group Tochter Wiegand
20
* Statistik der Renewable Fuels Association
„Wenn ein Unternehmen
anfängt, seinen Produkten
BioetHaNol beizumischen,
müssen alle anderen
nachziehen.“
Andy Taylor, zuständig für Nachhaltigkeitsfragen bei Ford
zum Beispiel ist führend in der Bioethanolherstellung unter Einsatz der
Druckwechselabsorptionstechnik (DWA), die ein hochreines Produkt erzeugt.
Die größten Anlagen liefern bis zu 70.000 Gallonen am Tag bei äußerst niedrigem
Energieverbrauch. GEA Wiegand verfügt über die geeignete Technologie zur
Nutzung aller Pflanzenbestandteile einschließlich der Stängel und Blätter
zur Erhöhung der Produktivität. Bei diesem Verfahren fällt ein hoher Anteil
an Abfallprodukten an. Wiegand entwässert den Abfall in Dekantern und
trocknet ihn in Ringtrocknern. Das dabei entstehende Produkt DDGS
(Distillers Dried Grain Solids) kann als nährstoffreiches Tierfutter
verwendet werden. Darüber hinaus eignet es sich auch als Düngemittel
in der Landwirtschaft.
Bioethanol kann sich nicht nur als förderlich für das Klima unseres
Planeten erweisen: Wenn man es normalem Benzin zumischt (Zusatzmenge üblicherweise 5 Prozent), ist es in der Lage, den Wirkungsgrad des Benzins zu erhöhen, die Ablagerungen im Brennraum des
Motors zu verringern und das im Treibstoff vorhandene Wasser zu
lösen. Das macht ihn korrosionsfester.
Aber natürlich gibt es auch hier kein Licht ohne Schatten. Bioethanol hat einen höheren Säuregrad als reines Benzin und kann
deshalb Gummidichtungen angreifen; es hat schlechtere Schmiereigenschaften und ein Kaltstart in einem kühleren Klima kann
aufgrund des hohen Verdunstungsgrads zum Problem werden.
Deshalb empfiehlt die Herstellergarantie, dem Benzin nicht
mehr als fünf Prozent Ethanol beizumischen. Die meisten
Experten sind jedoch der Ansicht, dass moderne Automotoren
auch mit einem zehnprozentigen Gemisch betrieben werden
können, ohne Schaden zu nehmen.
Das größte Problem ist aber wahrscheinlich politischer und
nicht praktischer Natur. Und Andy Taylor, zuständig für
Nachhaltigkeitsfragen bei Ford, ist der Meinung, dass die
Neigung der Ölgesellschaften, durch gegenseitige Schützenhilfe Geld zu sparen, letztlich den Fortschritt hemmen
könnte. „Wenn ein Unternehmen damit anfängt, seinen
Produkten Bioethanol beizumischen, müssen alle
anderen nachziehen“, führt er aus. „Experten sind
der Ansicht, dass nur dann Bewegung in die Angelegenheit kommt, wenn die Beimischung überall
gesetzlich vorgeschrieben wird“.
Das Bewusstsein dafür, dass die Emissionen
und die Abhängigkeit vom Öl unbedingt eingeschränkt werden müssen, nimmt zu. Ebenso
wächst die Bedeutung von Biotreibstoffen.
Zwar werden sie die fossilen Treib- und Brennstoffe nicht vollständig ersetzen können, aber
sie können einen entscheidenden Beitrag
zu einem nachhaltigeren Umgang mit der
Umwelt leisten. Die Gesellschaften der
GEA Group spielen bei dieser Entwicklung
eine wichtige Rolle.
ie internationalen Vorschriften, denen
Pharma-Produktionsanlagen genügen
müssen, werden zu Gunsten der
Sicherheit zunehmend strenger. Andererseits
steigt ständig der Bedarf an Medikamenten
hoher Wirksamkeit, zu deren Herstellung oft
gefährliche chemische Zwischenreaktionen
erforderlich sind. Produktionsanlagen
müssen daher so konzipiert und ausgelegt
sein, dass keine gefährlichen Stoffe in das
Arbeitsumfeld gelangen. Die entsprechenden
Ausstattungen, die verhindern, dass toxische
Pulver und Stäube freigesetzt werden, sind
seit einigen Jahren verfügbar. Erst jetzt ist
es jedoch möglich, zu ermitteln, welche
Ausrüstungen dazu am besten geeignet sind.
Die meisten Pharma-Produktionsanlagen
können heute als dicht eingestuft werden: Sie
sind so konstruiert, dass Kreuzkontamination
oder das Austreten toxischen Materials ins
Arbeitsumfeld oder Freie ausgeschlossen
sind. Wenn Probleme auftreten, dann in der
Regel beim ersten Beschicken einer Anlage
mit den toxischen Stoffen, wenn sie zwischen
einzelnen Prozessstufen umgefüllt oder nach
ihrer Herstellung zum Verpacken entnommen
werden. Das sind die kritischen Momente, bei
denen eine Gefahr am wahrscheinlichsten ist.
GEA Buck aus Müllheim in BadenWürttemberg hat ihr Split Butterfly Valve,
22
das nach dem Halbklappenprinzip arbeitet,
vor elf Jahren auf den Markt gebracht. Es
gewährleistet einen sicheren Transport von
Pulverstoffen – zum Beispiel aus einem
Schüttgutbehälter in eine Tablettenpresse
– ohne jeglichen Pulververlust. Seit
einiger Zeit bietet das Unternehmen
nun die Absperrklappe Buck Valve TC
(„Total Containment“ deutsch: „absolute
Dichtigkeit“) an. Der Name spiegelt einen
besonderen Anspruch, aber die Sicherheitsanforderungen, denen das Ventil genügen muss,
sind ebenso hoch. Wenn man sich die Folgen
der Kontamination durch potenziell tödliche
Wirkstoffe in modernen Medikamenten
vor Augen hält, ist „Total Containment“
jedoch keine unzumutbare Forderung.
Das Buck Valve TC ist in der Lage, nahezu
jedes Pulver so dicht zu verschließen, dass
es nicht in die Umgebung austreten kann. In
Tests hat es eine Dichtungsleistung bis auf
genau 20 Nanogramm/m3 nachgewiesen,
um Längen besser als Konkurrenzprodukte.
Im Rahmen dessen, was in der Praxis an
Sicherheit gewährleistet werden kann,
ist dies in der Tat „Total Containment“.
Die Entwicklung dieser Technik kam einer
Revolution gleich: Die Produktionsmitarbeiter
können dank der Buck Valve TC meist
ohne hinderliche Schutzanzüge oder
Atemschutzgeräte arbeiten. „Doch dann
zog die Konkurrenz nach”, so Martin Koch,
Geschäftsführer der GEA Group Tochter
Buck. „Andere Unternehmen haben Produkte
hergestellt, von denen sie behaupteten,
sie seien genau so sicher. Wir wussten,
dass sie unseren Sicherheitsstandard
nicht erreichen konnten, aber es gab
keine allgemein anerkannte Methode
zur Messung der in die Atmosphäre
austretenden Partikelkonzentration.
Deshalb war kein objektiver Vergleich
zwischen unseren Klappen und den
Konkurrenzprodukten möglich.”
Das Problem lag nicht darin begründet, die
in der Atmosphäre vorhandenen Partikel zu
messen (dies kann ein Partikelzähler ohne
Weiteres). Vielmehr gab es Schwierigkeiten,
sich auf eine Standardmessmethode zu
einigen, um die Produkte miteinander
vergleichen zu können. Koch wandte
sich an die ISPE (International Society
for Pharmaceutical Engineering) mit
europäischem Hauptsitz in Brüssel. In
vielen Jahren harter Arbeit und mit großem
Einsatz wurde eine ISPE-Normungsrichtlinie
erstellt mit der Bezeichnung „Standardized
Measurement for Equipment Particulate
Airborne Concentration“ (SMEPAC
– Standardmessmethode für die
Konzentration von luftübertragenen
Partikeln aus Apparaten). Diese Richtlinie
beschreibt ganz genau, wie die Messungen
zu erfolgen haben: in welcher Entfernung,
in welcher Zeit, mit welcher Art von
Geräten, wie die Grundkontamination zu
berücksichtigen ist usw. Sie ist äußerst
umfassend und weitestgehend auf die
Initiative Kochs zurückzuführen.
Anlageningenieure haben nun eine objektive
Methode zur Beurteilung der Leistung
der Andocktechnik. Sie gestattet es, im
Voraus zu bestimmen, ob die Technik den
Anforderungen genügt. Andererseits können
die Arbeiter in Pharmaanlagen die Gewissheit
haben, dass ihre Arbeitsplatzumgebung
so sicher wie nur irgend möglich ist.
Und was bedeutet das für Buck Valve TC?
Wie behauptet es sich angesichts der neuen
Messkriterien? „Es ist immer noch das
Weltbeste” versichert Koch. „Wir wissen
sowohl von den Tests als auch anhand
der Reaktionen des Markts, dass Buck
Valve TC die einzige Abdichtungstechnik
ist, die die Kontamination unter 100
Nanogramm/m3 halten kann, wenn man
nach der neuen Standardmethode misst.
Und damit setzen wir eindeutig Maßstäbe.“
n den Medien wechseln sich regelmäßig gute
bringt, oder die Einkapselung von Freonanund schlechte Nachrichten über die Umwelt ab.
lagen, um ein Auslaufen zu vermeiden.
Einmal wird berichtet, dass die ausgedünnte
Vor etwa sieben Jahren wurde in Holland ein
Ozonschicht, die vor schädlicher Strahlung
F-Gas-Gesetz eingeführt, das bei Systemen auf
schützen soll, sich langsam wieder erholt; ein
Freongrundlage eine Verringerung der Leckrate
anderes Mal, dass die Verbrennung von Kohlenauf höchstens fünf Prozent vorschreibt. Es
wasserstoffen und der ungezügelte Austritt von
wurden Bußgelder für Organisationen eingeführt,
CO2 die Erde mit einer Decke überzieht, die zur
die Anlagen mit mehr als 30 Prozent Leckrate
Erwärmung unseres Planeten führt.
betreiben. In diesem Jahr sind die Vorschriften
In den 1950er Jahren waren solche Probleme
auf ganz Europa ausgedehnt worden.
unbekannt. Die Kühlanlagen arbeiteten mit
Die GEA Group Töchter der Division Kältetechnik
natürlichen Kältemitteln wie Ammoniak.
sind auf die Lieferung einzelner Kälteaggregate
Es hatte einen guten Wirkungsgrad und war
bzw. die Konstruktion kompletter Kälteanlagen
unschädlich für die Umwelt, aber giftig. Sein
spezialisiert. Trotz der neuen F-Gas-GesetzgeEinsatz erforderte Erfahrung, einen sorgfältigen
bung bevorzugen die Unternehmen den Einsatz
Umgang sowie ausgefeilte Apparatekonstrukvon Ammoniak als Hauptkältegas, obwohl es
tionen. Das alles war kostspielig. Also suchte
höhere Auslegungs- und Konstruktionsman nach einer Alternative.
standards erfordert: Ammoniak ist reichlich
FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoff) war
verfügbar, umweltverträglich und aufgrund
eines der Freone, die ursprünglich schon in
seines charakteristischen Geruchs bemerken
den 1930ern von DuPont hergestellt wurden.
Anwender sofort, wenn ein Leck entstanden
Es schien der Retter in der Not zu sein.
ist.
Freon war ungiftig, geruchlos und konnte
„Wir raten den meisten unserer Kunden,
von weniger geübten Arbeitern mit kostenwieder auf Ammoniak zurückzugreifen”,
günstiger Ausrüstung gehandhabt werden.
sagt Robert Unsworth, der für GroßbritanZu dem Zeitpunkt war sich jedoch niemand
nien zuständige technische Vertriebsleiter für
darüber im Klaren, dass das Chlor im FCKW
Grenco Refrigeration Ltd. „Obwohl derzeit der
Ozon zerstört.
Engineeringaufwand noch höher ist, muss
Als in den 1990ern die Verwendung von FCKW
berücksichtigt werden, dass Ammoniak einen
verboten wurde, traten andere Freonarten an
zirka zehn Prozent höheren Wirkungsgrad hat
seine Stelle. Fluorierte Kohlenwasserstoffe (Hals Freon. Die Investition amortisiert sich somit
FCKW) greifen die Ozonschicht nicht an, jedoch
schnell.” Es gibt auch physikalische Gründe
schleusen sie beängstigende Mengen an CO2 in
dafür, dass synthetische Gase ein Problem
die Atmosphäre. Eine nachlässige Konstruktion
darstellen. „Sie haben eine kleine Molekularund Wartung von Kälteaggregaten führt dazu,
struktur und können deshalb eher an undichten
dass ein Großteil der eingesetzten fluorierten
Stellen entweichen. Eine sichere AbdichKohlenwasserstoffe in die Atmosphäre gelangt.
tung bringt Schwierigkeiten mit sich”, erklärt
Das Kioto-Protokoll von 1997 forderte eine
Unsworth.
weltweite Verringerung dieser Treibhausgase.
Für die Kältemittelindustrie schließt sich somit
Dies darf nicht überraschen, denn eine 60-kgder Kreislauf. Der Einsatz von FCKW hat sich
Flasche H-FCKW, die ins Freie gelangt, setzt
als unklug erwiesen, andere Freonarten stellten
so viel CO2 frei wie 33 LKW mit einer Kilomesich als ebenso umweltschädlich heraus.
terleistung von über 40.000 im Jahr. Dass die
Nun geht die Industrie also wieder zu ihren
Erdatmosphäre unter dieser Belastung leidet,
Ursprüngen zurück, ist derweil aber reifer und
ist kein Wunder.
klüger geworden.
Die Beweislage ist eindeutig: abschmelzende
Polkappen, immer stärkere Klimaveränderungen, schmelzender Permafrost.
Für die Kältetechnik gab es zwei Möglichkeiten:
Die Rückkehr zum Ammoniak, das keinerlei
Gefahr einer globalen Erwärmung mit sich
GENERATE AUSGABE 01
23
24
AUS BäUMEN WURDE EINST DIE KOHLE,
DIE DIE INDUSTRIELLE REVOLUTION
ANGETRIEBEN HAT. HEUTE, AN DER
SCHWELLE ZUR äRA NACH DEN FOSSILEN
BRENNSTOFFEN, KOMMEN BäUME DER
INDUSTRIE EIN WEITERES MAL ZUR HILFE.
m aufblühenden Atomzeitalter nach dem
Zweiten Weltkrieg hätte wohl niemand
daran gedacht, dass Holz jemals wieder
gefragt sein könnte. Bäume als Energieträger
der Zukunft waren undenkbar. Heute
geht der Trend zur verstärkten Nutzung
nachwachsender Rohstoffe, und in diesem
Zuge erlebt Holz, der wahrscheinlich älteste
Brennstoff der Welt, eine wahre Renaissance.
Restwärme aus dem Abgaskamin, um den
Brennstoff zu trocknen. Dies führt zu einer
effektiveren Verbrennung, bei der 90 Prozent
der Energie in die Stromerzeugung fließen. Der
beim Trocknungsvorgang entstehende Dampf
kann etwa 200 kWh pro Tonne verdampften
Wassers erzeugen. Das System arbeitet im
geschlossenen Kreislauf und verhindert
so Staubemissionen in die Atmosphäre.
Was wir heute unter dem Begriff „Biomasse“
zusammenfassen, sind Gartenabfälle,
Abfallholz von Baustellen und Holzlagerplätzen,
Sägespäne, Stroh und Pflanzen. Diese werden
eigens für die Energiegewinnung angebaut
und können verbrannt und verstromt werden.
Schnell wachsende Bäume, beispielsweise
Weiden und Pappeln, werden sogar gezielt
zur Stromerzeugung angepflanzt.
Kürzlich hat das Oak Ridge National Laboratory
in den USA einen Bericht veröffentlicht, der
das Potenzial von Biomasse als erneuerbarem
Brennstoff verdeutlicht. Danach ist Biomasse
bereits die größte inländische Quelle
erneuerbarer Energie, wichtiger als Strom
aus Wasserkraft, und deckt drei Prozent
des Strombedarfs der USA. Dargestellt
wird eine nationale Strategie, wonach
eine Milliarde Tonnen Trockengewicht an
Biomasse 30 Prozent des Erdölverbrauchs
für Transportmittel ersetzen könnte. Die
Forscher sind überzeugt, dass noch viel
ungenutztes Potenzial vorhanden ist.
Die stetige Entwicklung der nachwachsenden
Rohstoffe wurde hauptsächlich durch das
Streben nach Nachhaltigkeit vorangetrieben.
Besonders alarmierend ist der ungebremste
Anstieg der CO2–Konzentration in der
Atmosphäre, der durch die Verbrennung
dieser Stoffe hervorgerufen wird. Diese
Konzentration erhöht den Treibhauseffekt und
löst eine Erderwärmung aus, die schneller
voranschreitet als selbst von Pessimisten
vor einigen Jahren vorhergesagt.
Biomasse hat viele Vorteile und ihr
Wirkungsgrad ist beachtlich: Trockenholz
produziert immerhin die Hälfte der
Stromleistung von Kohle. Biomasse ist
fast kostenlos, da viele der Stoffe keinen
Handelswert besitzen und andernfalls
deponiert werden müssten. Zur
Stromerzeugung aus Biomasse können
die gleichen Kraftwerkstypen genutzt
werden, die auch bei fossilen Brennstoffen
zum Einsatz kommen. Sie ist schon
jetzt nach Kohle, Öl und Erdgas der
bedeutendste Brennstoff weltweit.
Es gibt aber nicht nur Gutes zu berichten.
Biomasse setzt auch Treibhausgase frei.
Obwohl sie von den neuen Pflanzen, die
zur Stromerzeugung angebaut werden,
resorbiert werden, ist es erforderlich, für
eine Balance zu sorgen. Darüber hinaus
sind nicht alle Biomassematerialien das
ganze Jahr über verfügbar. Und selbst dort,
wo ein ganzjähriger Anbau möglich wäre,
könnte dieser zu Lasten der Nutzung von
wertvollem Ackerland gehen. Daher wird
Biomasse fossile Brennstoffe nie ganz ersetzen
können. Sie leistet aber schon heute einen
wertvollen Beitrag zur Einschränkung der
weltweiten Abhängigkeit von Öl und Kohle
und kann die Treibhausgasemissionen
um bis zu zehn Prozent verringern.
Der Schlüssel zur effizienten Verbrennung
von Biomasse liegt im Wassergehalt. Im Falle
eines zu hohen Feuchtigkeitsgehalts geht die
durch Verbrennung erzeugte Energie bei der
Verdampfung verloren. GEA Barr-Rosin hat
mit dem Heißdampftrockner eine effiziente
Lösung gefunden, die mit den Umweltzielen der
Industrie für erneuerbare Energien in Einklang
zu bringen ist: Er verwendet zum Beispiel die
GENERATE AUSGABE 0
25
MEHR ALS 46.000 SCHIFFE GEHÖREN ZUR WELTWEITEN
HANDELSFLOTTE, UND JEDES JAHR KREUZEN MILLIONEN
TOURISTEN AUF LUXUSLINERN üBER DIE WELTMEERE. MODERNSTE
TECHNISCHE EINRICHTUNGEN AN BORD LEISTEN DABEI EINEN
ENTSCHEIDENDEN BEITRAG ZUM GEWäSSERSCHUTZ.
ier Fünftel unserer Erde sind mit
Wasser bedeckt. Aus den Ozeanen
kommt ein Teil unserer Nahrung, ihre
Verdunstung liefert unser Trinkwasser
und sie beeinflussen entscheidend unser
Klima. Dazu sind sie nicht zuletzt ein
unverzichtbares Transportmedium.
Verunreinigung der Meere und Ozeane zu
verhindern, ergibt sich jedoch folgendes
Bild: „Von allen Industriezweigen, die
zusammen die globale Transportinfrastruktur
ausmachen, hat die Schifffahrt heute das
niedrigste Profil und das am geringsten
geschätzte Image in der Öffentlichkeit.“
Die See hat in entscheidendem Maße die
Entwicklungsgeschichte der Menschheit
bestimmt. Sie hat den Weg für Entdeckungen,
Eroberungen und Handel bereitet. So war
der Schiffsverkehr die wichtigste Grundlage
für das Entstehen der internationalen
Handelswege zur Beförderung von
Nahrungsmitteln, Rohmaterialien
und Industriemassenprodukten
rund um den Erdball.
Der IMO-Bericht über internationale
Schifffahrt und Welthandel zitiert
Zahlen aus Lloyds Register, aus denen
hervorgeht, dass zum 01. Januar 2005 die
Welthandelsflotte 46.222 Schiffe umfasste.
Diese Zahl setzt sich wie folgt zusammen:
Dem technischen Fortschritt sei Dank
gelten Schiffe auch heute noch als
leistungsfähige und wirtschaftliche
Transportmittel. Nicht umsonst werden
mehr als 90 Prozent aller Handelsgüter
weltweit auf dem Seeweg befördert.
5.679 Passagierschiffe
Nach Aussage der Internationalen
Seeschifffahrts-Organisation (IMO), einer
Sonderorganisation der Vereinten Nationen,
deren Aufgabe es ist, die Sicherheit der
Seeschifffahrt zu verbessern und die
26
18.150 allgemeine Frachtschiffe
11.356 Tanker
6.139 Massengutfrachter
3.165 Containerschiffe
1.733 anderen Seefahrzeuge
Nicht zu vergessen ist die wachsende
Popularität von Kreuzfahrten. Nach den
letzten Untersuchungsergebnissen von Mintel
(einer globalen Gruppe für Verbraucher-,
Medien- und Marktforschung) wird
die Anzahl von Kreuzfahrtteilnehmern
von 13,4 Millionen im Jahr 2004 auf
30 Millionen bis 2012 anwachsen.
verunreinigung der Meere
Zweifellos hat dieser rege Betrieb auf hoher
See negative Auswirkungen auf unsere
Umwelt, wie Medienberichte über verheerende Ölkatastrophen gezeigt haben.
Glücklicherweise sind solche Vorfälle
selten. Tatsächlich ist der Seeverkehr sogar
eine der umweltverträglichsten kommerziellen Transportarten. Der IMO zufolge
habe die Verschmutzung der Meere im
Lauf der letzten 15 Jahre sogar drastisch
abgenommen.
Diese These wird von der International
Salvage Union (ISU), einer internationalen Schiffsrettungsorganisation, deren
Mitglieder Grunddienstleistungen für den
Schifffahrts- und Versicherungsbereich
erbringen, gestützt. Die von der ISU vorgelegten Daten zeigen einen Rückgang der
Fälle, bei denen mehr als 700 Tonnen Öl
ausgelaufen sind: Von 26 im Jahr 1974 auf
fünf im Jahr 2004.
Abfallrichtlinien
Die Schifffahrtsindustrie steht unter
strenger Kontrolle. Als eine der ersten hat
sie die internationalen Sicherheitsstandards
übernommen. Die internationale Organisation der Kreuzfahrtbranche, International
Council of Cruise Lines (ICCL), stellt sicher,
dass ihre Mitglieder Schiffe betreiben, von
denen keine Gesundheits- und Sicherheitsgefahren für Passagiere und Crew ausgehen.
Zudem ist sie sich ihrer umweltpolitischen
Verantwortung bewusst. Die ICCL-Mitglieder
haben Beträge in Millionenhöhe investiert,
um die Umwelttauglichkeit ihrer Schiffe zu
verbessern. Darüber hinaus haben sie
Abwassernormen festgelegt, angefangen bei
der Einleitung von Bilgenwasser bis hin zur
Einleitung von Rückständen aus der chemischen Reinigung.
Gemäß ICCL hat sich aufgrund dieser
Normen „zum ersten Mal in der Geschichte
der Seefahrt eine Vereinigung von internationalen Passagierschiffbetreibern verpflichtet,
umfassende Abfallentsorgungsvorschriften
einzuhalten.“
Im März dieses Jahres wurde das 1996er
Protokoll zur Konvention über die Vermeidung
von Meeresverunreinigung durch Verklappung
von Abfall und anderen Schadstoffen von 1972
ratifiziert. Ein Meilenstein auf dem Weg zum
Schutz der Meeresumwelt. Danach dürfen
Schiffe keine Abwässer, Müll und ölhaltiges
Wasser ins Meer einleiten, wenn diese nicht
vorher aufbereitet wurden oder der Ölgehalt
unter 15 ppm (parts per million) liegt. Das
entspricht ungefähr einem Kaffeelöffel
Öl pro Kubikmeter Wasser. Zuvor war mit
Ausnahme bestimmter Substanzen, die auf
einer Verbotsliste aufgeführt waren, das
Ausschleusen in die See erlaubt. Schiffseigner, die die 15-ppm-Marke überschreiten,
müssen heute beträchtliche Geldbußen
zahlen.
Zuverlässiger Partner
Die GEA Gesellschaft Westfalia Separator
hat sich als zuverlässiger Partner für den
Schutz der Meeresumwelt erwiesen. Ihre
Hochleistungsseparatoren können schädliche Stoffe wie Öl und Chemikalien aus dem
Bilgenwasser entfernen. So kann das Wasser
sicher in die See eingeleitet werden. Schon
mit dem Westfalia Separator MineraloilProgramm wurden Abwasserqualitäten mit
weniger als 15 ppm Schadstoffen erzielt
– aber jetzt gehen die Bemühungen um den
Umweltschutz noch einen Schritt weiter.
2005 hat die Gesellschaft eine neue
Generation von Separatoren unter der
Bezeichnung SeaProtect Solutions auf den
Markt gebracht. Die drei Systeme, BilgeMaster, SludgeMaster und CombiMaster,
sind in der Lage, dem Wasser das Öl bis auf
weniger als fünf ppm zu entziehen, bzw. die
Schlammmenge um mindestens 90 Prozent
zu verringern und so Entsorgungskosten zu
minimieren. Zudem können die Schiffsbetreiber den Inspektoren bei überprüfungen
nun leichter nachweisen, dass der Schlamm
tatsächlich behandelt wurde. Und nicht
zuletzt wird wertvolles, wieder verwertbares
Schiffsmotoröl zurück gewonnen.
CombiMaster schließlich vereint die Bilgenwasser- und Schlammaufbereitung in einem
einzigen Verfahrensschritt und optimiert so
den Schutz der Meere und die Rentabilität
für die Betreiber.
Die IMO ist überzeugt: „Die Schiffe waren
nie zuvor mit so viel technischem Fortschritt
ausgestattet, konnten nie so viel Ladung
transportieren und waren noch nie so sicher
und umweltfreundlich“ wie heute.
In diesem Jahr hat Westfalia Separator ihre
SeaProtect Solutions noch weiter verbessert und bis heute insgesamt 500 Einheiten
verkauft. Zweifellos: Nicht vor allen Fällen
von Seeverschmutzung können sie schützen,
aber ihre Technik hat einen wichtigen Beitrag
zur Verbesserung der Umweltverträglichkeit
der Seeschifffahrt geleistet.
GENERATE AUSGABE 0
27
DUBAI IST DIE AM SCHNELLSTEN WACHSENDE
STADT DER ERDE. IN DER METROPOLE DER
SUPERLATIVE WERDEN UNVORSTELLBARE
SUMMEN INVESTIERT: DAS HÖCHSTE GEBÄUDE
AUF UNSEREM PLANETEN, DER BURJ DUBAI
(AN DEM AUCH GEA MITWIRKT – SIEHE SEITE
4) IST NOCH IM BAU, DIE WELTGRÖSSTE
EINKAUFSSTRAßE LÄDT BEREITS ZUM BUMMEL
EIN. NICHT VERWUNDERLICH, WENN IN
DIESER STADT, DIE ALLES HABEN WILL, AUCH
DIE GRÖSSTE HALLEN-SKIANLAGE DER WELT
GEBAUT WIRD – BEI EINER AUSSENTEMPERATUR
VON 45°C.
28
estimmt würde man beim Gedanken an
Schnee zuletzt auf diesen Ort kommen.
Aber neuerdings fallen in der Wüste jede
Nacht 30 Tonnen weiße Flocken. Richard
van Geffen von GEA sorgt dafür, dass dies
möglich ist. Ganz bestimmt ist es eines der
seltsamsten Projekte, für das der in Dubai
ansässige Leiter der GEA Group Tochter
Grasso je verantwortlich gezeichnet hat.
„Es war ein sehr anspruchsvolles und
spannendes Projekt“, sagt van Geffen.
„Ich habe 1997 bereits an einer Skihalle in
Indonesien gearbeitet, die jedoch aufgrund
der damaligen Krise in Asien nie fertig
gestellt wurde. Was dort übrig blieb, ist
ein großes Gebäude, aber kein Schnee.
Umso mehr hat mich begeistert, dass das
Dubai-Projekt tatsächlich zur Ausführung
und Inbetriebnahme gekommen ist“.
Ski Dubai ist wirklich atemberaubend. Mit
beeindruckenden 85 Metern Höhe hebt
sich der Schneedom von der umliegenden
Wüstenlandschaft ab. Er beherbergt fünf
verschiedene Loipen, die für Skiläufer
und Snowboarder jeder Klasse geeignet
sind. Zudem gibt es einen Schneepark mit
einer Eishöhle sowie eine Rodelbahn.
> 22.500 m2 Schneefläche, genug, um drei Fußballfelder damit
zu bedecken
> Jede Nacht 30 Tonnen frischer Schnee
> Fassungsvermögen für 1.500 Besucher
> 5 verschiedene Loipen, die längste mit einer Strecke
von 400 Metern
> 130 Meter Rohrleitungen unter dem Schnee und über
12 Kilometer Leitungen in den Wänden installiert
Wie van Geffen versichert, geht es bei
diesem Projekt nicht nur ums Skifahren.
„Es gibt eine Menge Leute hier, die Berge und
Schnee nur aus Büchern kennen“, sagt er.
„Jetzt können sie Beides hautnah erleben“.
Grasso, der Kältetechnikbereich von GEA,
und ihr lokaler Partner Adearest wurden
von Ski Dubai beauftragt, jene Installationen
zu liefern, die dauerhaft eine Temperatur
von -1°C gewährleisten. Dass Grasso als
einer der führenden Anbieter in Sachen
Industriekühlung – einschließlich Eisanlagen,
Eislaufbahnen und Eiskremfabriken – dazu
auserkoren wurde, war nahe liegend.
Drei Schraubenkompressoren stellen das
Herzstück des Kältesystems dar. Um Schnee
zu produzieren, muss das Leitungswasser
im Schneebereitungstank von 40°C auf 2°C
heruntergekühlt werden. Anschließend
wird es in die 21 Schneekanonen gepumpt.
Während der Schneebereitung stellen 29
Kühler die Luft im Dom auf -10°C ein. Das
aus den Schneekanonen austretende Wasser
kristallisiert dann zu Schneeflocken.
Adearest hat die Anlage mit Unterstützung
des Teams um van Geffen, das für
Planung und Auslegung zuständig war,
ausgeführt. „Der Hauptauftragnehmer
und die Berater traten mit detaillierten
Forderungen und änderungswünschen an
uns heran. Alle Fragen wurden uns über
Adearest übermittelt. Dies bedingt natürlich
eine Unmenge an Schriftverkehr.“
Ski Dubai öffnete seine Pforten im
November 2005 und ist seitdem der
Mittelpunkt der „Mall of the Emirates“. Die
Besucher gelangen über die klimatisierte
Einkaufspassage in den Dom – da ist der
Temperaturschock nicht so gewaltig.
anzuheuern und auszubilden. überdies
ist er auch für den regionalen Vertrieb
und das Angebotswesen zuständig.
Er betont, dass die positive Einstellung
der Regierung die Realisierung neuer
Projekte in Dubai erleichtert. „Die meisten
Menschen kommen gerne nach Dubai. Es
ist sehr leicht, hier zu arbeiten, und die
Atmosphäre angenehm.“ Van Geffen fügt
hinzu: „Alles wächst und gedeiht, und es
gibt ungeheuer viele Entwicklungen, ein
zweites Skidomprojekt inbegriffen.“
überraschenderweise hat van Geffen die
Schneepisten selbst noch nicht ausprobiert.
Bisher hat er lediglich die Besucher aus der
Grasso-Zentrale in den Niederlanden dorthin
begleitet. Trotz der vielen Attraktionen, die
Dubai zu bieten hat, möchte jeder dieses
Wunderwerk sehen. Nach Fertigstellung
des Skiparadiesprojekts wurde van Geffen
Generaldirektor eines neuen Joint Venture
zwischen Grasso International und Adearest.
Dieses Joint Venture konzentriert sich
hauptsächlich auf Projekte im Nahen Osten.
Zurzeit verbringt van Geffen seine Tage
damit, das Büro einzurichten, Personal
GENERATE AUSGABE 0
29
Zwangsläufig hat bei verfahrenstechnischen Komponenten die
Funktion Vorrang vor der Form. Wie das Foto auf dieser Doppelseite
jedoch zeigt, können diese Komponenten durchaus Form und
Schönheit aufweisen. Was Sie hier sehen, ist sicher kein Kunstwerk;
es ist ein wesentliches Bauteil für den Maschinenbau.
30
Neugierig? Was es ist und wozu es eingesetzt wird,
lesen Sie auf der gegenüberliegenden Seite.
GENERATE AUSGABE 01
31
A: Das Foto zeigt Kupferrohrbögen – Halbzeuge für GEA Verdampfer.
Diese werden eingesetzt, um Flüssigkeiten aus einer Lösung, Suspension
oder Emulsion durch Verdampfen zu entfernen – ein weit verbreitetes
Verfahren in der Lebensmittel- und Molkereiindustrie.
Kühlen oder Heizen auf die leise Art
Neue Anlagen verringern die Umweltbelastung
Akquisition eröffnet Zugang zum britischen Markt
Er ist flach, leise und braucht nicht viel Platz: Der neue
Gebläsekonvektor (Geko) TriStyle des GEA Bereichs
Lufttechnik. Wahlweise mit flachem Radiator, hält er
die Räume im Sommer kühl und im Winter warm.
Die umweltschonende Technologie der Lentjes
GmbH, einer Tochtergesellschaft der GEA Group,
wird künftig dazu beitragen, die Umweltbelastung in Großbritannien zu reduzieren.
Die GEA Group hat ihre Aktivitäten im Bereich Lufttechnik mit dem Kauf des britischen Spezialisten für
Klimatechniksysteme Denco Building Services erweitert.
Das neueste Mitglied der Geko-Familie ist ideal für
Eigenheime, Hotels, Galerien, Büros und Arztpraxen.
Erhältlich in fünf Baugrößen, ist der TriStyle Geko
für die Wand- oder Deckenmontage geeignet.
Lentjes erhielt von Rugeley Power Limited einen Auftrag
im Wert von 145 Millionen Euro für den Bau einer
Rauchgasentschwefelungsanlage für dessen Kohlekraftwerk in Staffordshire, nördlich von Birmingham.
Nach der Fertigstellung 2008 werden die Anlagen
94 Prozent der Schwefelfracht aus den Rauchgasen
entfernen und so sicherstellen, dass die Emissionen aus
dem Kraftwerk die EU-Auflagen erfüllen. Das Kraftwerk
Rugeley erzeugt etwa1.000 Megawatt Strom, genug,
um eine halbe Million Wohnungen zu versorgen.
www.gea-lufttechnik.com
GRÖßTE Bioethanolanlage der USA
Die Bauarbeiten für die größte mit Biomasse betriebene Ethanolanlage in den USA sind in vollem Gang.
Die Lurgi AG, ein Unternehmen der GEA Group Aktiengesellschaft, errichtet die Ethanolanlage in Hereford,
Texas, im Auftrag der Panda Development Group.
Nach Fertigstellung im Dezember 2007 wird die
Anlage rund 140.000 Tonnen Ethanol pro Jahr aus
Getreide herstellen. Die Besonderheit: Die benötigte Prozessenergie wird dabei aus Kuhdung und
Abfällen, die bei der Baumwollverarbeitung anfallen
(Blätter, Samen, Stängel und Fasern), erzeugt.
Das neue Projekt trägt zur Einhaltung eines
in den USA kürzlich erlassenen Gesetzes bei,
wonach der Anteil an Biotreibstoffen bis
spätestens 2012 verdoppelt werden soll.
Der Auftrag umfasst die Planung, Konstruktion,
Fertigung, Lieferung, Montage und Inbetriebnahme
der Rauchgasentschwefelungsanlagen einschließlich aller zugehörigen Nebenanlagen sowie den
Anschluss an die vorhandenen Kraftwerke.
Lentjes errichtet zudem nahezu baugleiche Anlagen
für die Kraftwerksstandorte Fiddler’s Ferry in Widnes
im Nordwesten und Ferrybridge in West Yorkshire. Der
Auftraggeber Scottish and Southern Energy, eines der
größten Energieversorgungsunternehmen Großbritanniens, investiert bei diesen zwei Kraftwerken über
333 Millionen Euro in die Rauchgasentschwefelung.
www.geagroup.com
www.lurgi.de
GEA Diessel auf BRAU Beviale 2006 in Nürnberg
Etwa 40.000 Besucher aus der Bier- und Softdrinkindustrie werden auf der BRAU Beviale
2006 im November in Nürnberg erwartet.
Die dreitägige Veranstaltung ist eine der wichtigsten Fachmessen ihrer Art in Europa. Rund 1.500
Aussteller zeigen alles, was für die Getränkewirtschaft
erforderlich ist: von Rohmaterialien und Verarbeitungstechniken bis hin zu Logistik und Marketing.
Der Prozessanlagenspezialist GEA Diessel wird seine
Lösungen zur Prozessoptimierung in der Getränkeherstellung vorstellen. Dazu werden auf dem Messestand
eine Reihe von Mess-Systemen zur Durchflussmessung und Inline-Analyse zu sehen sein. Zudem
werden Prozessmodule für die Bierbrauerei sowie eine
kontinuierliche Gemischregelanlage präsentiert.
www.diessel.com
GEA EnergieTechnik erhält Aufträge im Gesamtwert von 110 Millionen Euro aus der ganzen Welt
Die GEA Group hat über ihren Bereich Energietechnik
Aufträge aus Asien und Afrika mit einem Gesamtvolumen
von über 110 Millionen Euro erhalten. Sie umfassen
den Bau von luftgekühlten Kondensatoren für zwei
Kohlekraftwerke in China sowie die Errichtung eines
Gas- und Dampfkraftwerks (GuD) in Westafrika.
Diese neuen Aufträge sichern die Auslastung für die GEA
Fabriken und ihre neuen Betriebsstätten in China und
Katar für die Jahre 2007 und 2008 in hohem Maße ab.
„Damit wird die Führungsposition unseres Segments
Process Engineering im globalen Energiemarkt
weiter gefestigt”, bestätigt Peter Schenk, Mitglied
des Vorstands der GEA Group Aktiengesellschaft.
Neben den Aufträgen in China und Westafrika wird
das Unternehmen auch Luftkühler für die neue
Petrochemieanlage Rabbigh in Saudi-Arabien sowie
Luftkühler und luftgekühlte Kondensatoren für eine
LNG-Gasverflüssigungsanlage in Katar liefern.
www.geagroup.com
32
Die Akquisition eröffnet der GEA Lufttechnik
den Zugang zum britischen Markt und gestattet
ihr, den Kundendienst auszubauen.
Denco beschäftigt rund 400 Mitarbeiter in Großbritannien
und dem Ausland. Außerdem verfügt das Unternehmen
über ein Team von 100 Serviceingenieuren. Mit der
Fertigung und Lieferung von maßgeschneiderten
Klimatechniklösungen für Kunden wie Land Rover,
Aston Martin oder die British Telecom erwirtschaftete
Denco einen Umsatz von rund 48 Millionen Euro.
Das Portfolio umfasst so genannte „Close Control“
Systeme für sensible Bereiche wie Rechenzentren
sowie Systeme für Büros, Hotels und Privatgebäude.
„Insbesondere die Close Control Systeme von Denco
ermöglichen der GEA Lufttechnik den Kontakt zu
Betreibern von Rechen- und Telekommunikationszentren in Europa”, so Dr. Hugo Blaum, Bereichsvorstand
der GEA Lufttechnik. „Außerdem können wir unseren
Kunden mit dem Konzept des 4Service einen noch
besseren Wartungs- und Reparaturservice bieten”.
www.geagroup.com
www.denco.co.uk
GENERATE wird von der GEA Group Aktiengesellschaft herausgegeben, einem weltweit
erfolgreichen Technologiekonzern mit operativen Unternehmen in mehr als 50 Ländern.
Die GEA Group Aktiengesellschaft ist im
MDAX gelistet und auf dem Gebiet des Spezialmaschinen- und Großanlagenbaus tätig.
Die Hauptmärkte des Unternehmens umfassen Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie,
Milch- und Brauereiwirtschaft, Pharma- und
Kosmetikindustrie, Biotechnologie,
Petrochemie, Biokraft- und brennstoffe,
Energietechnik sowie Schiffsbau.
Die Gesellschaften der GEA Group setzen auf
Innovation mit dem Ziel, die Grenzen
der technischen Möglichkeiten zu überwinden. In 90 Prozent ihrer Geschäftsfelder
zählt die GEA Group zu den Markt- oder
Technologieführern.
Der Konzern mit Sitz in Bochum beschäftigt
rund 17.500 Mitarbeiter, die im Geschäftsjahr
2005 einen Umsatz von 4,5 Milliarden Euro
erwirtschafteten.
KÄLTETECHNIK
LUFTTECHNIK
MECHANISCHE TRENNTECHNIK
VERFAHRENSTECHNISCHE KOMPONENTEN
LANDTECHNIK
ENERGIETECHNIK
PROZESSTECHNOLOGIE
Kontakt
GEA Group Aktiengesellschaft
Dorstener Straße 484
44809 Bochum
Tel: +49-(0)234-980-0
Fax: +49-(0)234-980-1004
www.geagroup.com
Willkommen zur ersten Ausgabe von
GENERATE, dem neuen Magazin der
GEA Group Aktiengesellschaft
Liebe Leser,
für die meisten von uns ist Technik
ein Buch mit sieben Siegeln, ein
Großteil von uns muss auch gar
nicht unbedingt verstehen, wie
sie im Detail funktioniert. Wir
alle sollten dennoch erkennen,
welche Vorteile uns die Technik
bietet und wie sehr sie unser
alltägliches Leben vereinfacht.
Wir sehen es als unsere Aufgabe,
unseren Kunden einen Vorsprung
auf ihren jeweiligen Märkten
zu verschaffen. Da wir jedoch
als Technologiekonzern global
aufgestellt sind, verfolgen wir
letztendlich ein noch viel weiter
gefasstes Ziel, nämlich den
Menschen auf dieser Erde das
Leben und Arbeiten zu erleichtern.
Ausreichend Nahrung für die
Weltbevölkerung, die Versorgung
mit sauberem Trinkwasser, ein
verantwortungsvoller Umgang
mit fossilen Ressourcen und
die Erschließung erneuerbarer
Energiequellen – dies sind
elementare Aufgaben, denen wir
uns heute stellen müssen, damit
unsere Kinder auch morgen auf
diesem Planeten leben können.
Die GEA Group Aktiengesellschaft
ist nicht zuletzt deshalb
Technologieführer bei der
Entwicklung und Produktion
von Biotreibstoffen.
Doch das ist noch längst nicht alles:
Wir planen und realisieren Anlagen,
die es Amerikanern ermöglichen,
ihren Kaffee zu genießen, und
Chinesen, ihr Licht einzuschalten.
Unsere Technologien verhelfen
Südafrikanern zu einem Müsli
mit Milch und bescheren
Australiern ein kühles Bier.
Unser langfristiges Ziel liegt
darin, unsere Technologie und
die dazugehörigen Produkte
durch Innovationen stetig
weiter zu entwickeln.
Zweifellos erscheint die
Technik für viele von uns sehr
kompliziert. Generate soll dazu
beitragen, eine Brücke zwischen
unseren Technologien und
ihren Anwendungen im Alltag
zu schlagen. Ich hoffe, dass
es uns gelingt, Ihnen unsere
Technologien, unser Unternehmen
und unseren „Spirit“ damit ein
Stück weit näher zu bringen.
Jürg Oleas
Vorsitzender des Vorstands
GEA Group Aktiengesellschaft
GENERATE ist das externe Magazin der GEA Group für
Kunden, Lieferanten und andere Interessengruppen.
Es erscheint dreimal im Jahr und wird an
Niederlassungen weltweit verteilt.
Redaktion
Peter Caspar Hamel – peter.hamel@geagroup.com
Nina Remmer – nina.remmer@geagroup.com
Katrin Lamprecht – katrin.lamprecht@geagroup.com
Umsetzung
Merchant +44 (0)20 7242 1336 www.merchant.co.uk
In Zusammenarbeit mit:
Lang Communications – Text
www.lang-communications.co.uk
JohnstonWorks – Design
www.johnstonworks.com
Herausgegeben von der GEA Group Aktiengesellschaft,
Dorstener Straße 484, 44809 Bochum, Germany.
Alle Rechte vorbehalten.
Titelfotografie: Will Thom
HIMMELSSTÜRMER
IN DER WÜSTE
ALLES IN BUTTER
IST BIOMASSE DER
TREIBSTOFF DER ZUKUNFT?
KAFFEE: WIE EIN GETRÄNK DIE WELT VERÄNDERTE HIMMELSSTÜRMER IN DER WÜSTE ALLES IN BUTTER IST BIOMASSE DER TREIBSTOFF DER ZUKUNFT?
KAFFEE:
WIE EIN GETRÄNK
DIE WELT
VERÄNDERTE
DAS INTERNATIONALE MAGAZIN DER GEA GROUP AUSGABE 01 NOVEMBER 2006
DAS INTERNATIONALE MAGAZIN DER GEA GROUP AUSGABE 01 NOVEMBER 2006
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Seele and Geist
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